Die Kulturkommission des Kantons Schwyz unterstützt auch dieses Jahr Musikprojekte mit Werkbeiträgen. Sie gehen an die Dirigentin Graziella Contratto (25’000 Franken) und den Volksmusik-Bassisten Pirmin Huber (20’000 Franken).
Musikzeitung-Redaktion
- 25. Okt. 2021
Pirmin Huber. Foto: zVg
Die 1966 geborene Dirigentin, Pianistin, Pädagogin, Dozentin und Kuratorin Graziella Contratto plant laut der Mitteilung des Kantons eine «komponierte Interpretation» von Werken Othmar Schoecks. Zu diesem Zweck suche sie den Austausch mit Komponisten, Dirigenten, Arrangeuren und anderen Musikern. Analysen von Orchesterwerken und Originalaufnahmen mit dem Komponisten Othmar Schoeck als Liedbegleiter sollen Hinweise auf Schoeck-spezifische musikalische Stilmerkmale liefern.
Der 1987 geborene Pirmin Huber plant Literatur für den Kontrabass-Unterricht. Die Kompositionen, welche zum Teil neu entstehen und für mehrere Kontrabässe arrangiert werden, werden als Noten und als Aufnahmen erhältlich sein. Das Ziel sei es «groovige, intuitive Melodien» zu schaffen, die Elemente der neuen Volksmusik enthalten und das Erlernen des Kontrabassspiels unterstützen.
Bundesrat sprach mit Kulturbranche
Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern hat sich am 21. Oktober in Bern die weiterhin dringenden Anliegen des Kultursektors infolge der Covid-Krise angehört.
Musikzeitung-Redaktion
- 22. Okt. 2021
Foto: SMZ/ks
Im Zentrum des Gesprächs standen die aktuelle Situation im Kulturbereich, die Volksabstimmung vom 28. November zum Covid-Gesetz und die Verlängerung der geltenden Unterstützungsmassnahmen.
In ihrer aktuellen Medienmitteilung fasst die Taskforce Culture die wichtigsten Anliegen wie folgt zusammen:
«1. Oberste Priorität hat die Verlängerung der bewährten kulturspezifischen Entschädigungs- und Unterstützungsmassnahmen gemäss Art. 11 Covid-19-Gesetz bis Ende 2022 (A-Fonds-perdu-Ausfallentschädigungen, Beiträge an Transformationsprojekte, Nothilfe für Kulturschaffende, Finanzhilfen für Vereine der Laienkultur).
2.Es braucht weiterhin Kurzarbeitsentschädigungen auch für befristete Arbeitsverhältnisse oder Mitarbeitende auf Abruf (mit 100% Entschädigung für tiefe Einkommen). Diese Arbeitsformensind typisch im Kulturbereich.
3.Die Idee, dass die Corona-Erwerbsausfallentschädigung ab nächstem Jahr nur noch für diejenigen verfügbar sein soll, die ihre Erwerbsarbeit komplett aufgrund behördlicher Massnahmen unterbrechen müssen, ist unbedingt zu verwerfen. Auch bei massgeblich eingeschränkter Erwerbstätigkeit muss weiterhin Anspruch auf Taggelder bestehen bleiben.
4.Der Schutzschirm für Publikumsanlässe ist bis Ende 2022 zu verlängern. Bei einem Planungsvorlauf von 6 bis 9 Monaten für grosse Anlässe ist dieses Instrument der Risikoabsicherung – insbesondere mit Blick auf die grossen Sommerfestivals 2022 – entscheidend.
5.Auch Vereinen im Bereich der Amateurkultur soll der Zugang zu Beiträgen an Transformationsprojekte ermöglicht werden.»
Der Stadtrat der Stadt Genf und der Stiftungsrat des Grand Théâtre de Genève bestätigen den amtierenden Generalintendanten des Grand Théâtre de Genève in seinen Funktionen für eine Vertragsverlängerung von fünf Jahren.
Musikzeitung-Redaktion
- 22. Okt. 2021
Aviel Cahn. Foto (Ausschnitt): GTG / Nicolas Schopfer
Seit der Saison 2019/2020 an der Spitze des Genfer Theaters, läuft Aviel Cahns erster Vertrag bis 2024. Der Anschlussvertrag von fünf Jahren bestätigt ihn im Amt bis 2029. Seit 2019 an der Spitze des Grand Théâtre de Genève, vertrete Aviel Cahn «eine Vision der Öffnung seiner Institution gegenüber der Stadt sowie anderen Kunstformen», heisst es in der offiziellen Medienmitteilung.
Geboren 1974 in Zürich, absolvierte Cahn sowohl eine musikalische Ausbildung als auch ein Jurastudium. Miit 26 Jahren verliess er die Schweiz, um die internationalen Beziehungen des Beijing Symphony Orchestra zu managen. Anschliessend war er für das Casting an der Finnischen Nationaloper zuständig, bevor er das Konzerttheater Bern und das Zürcher Kammerorchester leitete. Mit 34 Jahren wurde er Intendant der Flämischen Oper Antwerpen/Gent.
Musiktheater und Gartenbau
Der Musikwissenschaftler Klaus Pietschmann und der Kunsthistoriker Matthias Müller von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) realisieren ein interdisziplinäres Projekt zum Wechselverhältnis von Gartenkunst und höfischer Musiktheaterpraxis am frühneuzeitlichen Fürstenhof.
Musikzeitung-Redaktion
- 21. Okt. 2021
Eröffnungsserenade der Planetenfeste 1719 im Garten des Holländischen Palais in Dresden,SMPV
Das mit rund 550′.000 Euro dotierte Forschungsprojekt wird einen besonderen Schwerpunkt auf den Dresdner Hof im 17. und 18. Jahrhundert legen. Neben zwei Doktorandenstellen wird es auch eine Postdocstelle geben, die mit der Basler Musiktheaterwissenschaftlerin Helena Langewitz besetzt werden soll. Das Projekt «Garten und Musiktheater am Dresdner Hof des 17. und 18. Jahrhunderts: Mediale und funktionale Wechselbeziehungen im Dienste herrschaftlicher Metaphorik und fürstlicher Repräsentation» startet im Januar 2022.
Aufwändig gestaltete Gartenanlagen sowie opulent ausgestattete Opern fungierten im 17. und 18. Jahrhundert als zentrale Bestandteile fürstlicher Repräsentation. Sie waren zudem aufs Engste miteinander verknüpft: Gartendekorationen bildeten einerseits einen festen Bestandteil des Ausstattungswesens von Opera seria wie Opera buffa, andererseits dienten die Gartenanlagen selbst als Aufführungsstätten für musiktheatrale Darbietungen.
Johannes Otter, Dozent an der Berner Hochschule der Künste, ist als Professor für Horn an die Hochschule für Musik Nürnberg berufen worden.
PM/SMZ_WB
- 20. Okt. 2021
Bild: zVg
Johannes Otter hat sein Horn-Studium an der Musikakademie Basel, der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt und an der Berliner Hochschule für Musik «Hanns Eisler» absolviert. Nach einem Masterstudium Neue Musik in Stuttgart schloss er in Basel sein Masterstudium in Musikpädagogik ab.
Er unterrichtet unter anderem bei den Musikkurswochen in Arosa und bei der Jungen Deutschen Philharmonie. Von 2009 bis 2011 war er Assistent von Norbert Sterz an der Hochschule für Musik in Detmold. Seit 2012 ist er Professor an der Hochschule der Künste in Bern.
Tod der Sopranistin Edita Gruberová
Die Sopranistin Edita Gruberová ist in ihrer Wahlheimat Zürich im Alter von 74 Jahren verstorben. Zum Opernhaus der Stadt hatte sie ein kompliziertes Verhältnis.
Musikzeitung-Redaktion
- 19. Okt. 2021
Edita Gruberová 2013. Foto: Franz Johann Morgenbesser (s. unten)
Edita Gruberova galt als möglicherweise bedeutendste Koloratursängerin des 20. Jahrhunderts. Ihre internationale Karriere begann sie 1974 als Königin der Nacht in der Zauberflöte bei den Festspielen in Glyndebourne und unter Herbert von Karajan in Salzburg.
Dem Zürcher Opernpublikum ist neben ihrer phänomenalen Stimme auch ihr legendärer Streit mit dem damaligen Intendanten Alexander Pereira in Erinnerung, der dazu führte, dass sie an der Limmat acht Jahre lang nicht mehr auftrat. Der Auslöser: Ihre Tochter verletzte sich als Tänzerin während einer Vorstellung im Opernhaus Zürich. Letzteres wies allerdings Ansprüche wegen einer Haftpflicht ab.
Der Bundesrat tagt einmal jährlich ausserhalb des Bundeshauses. Die 15. Sitzung «extra muros» fand am 13. Oktober 2021 am Departement Musik der Hochschule Luzern (HSLU-M) in Luzern-Kriens statt.
PM/SMZ_WB
- 15. Okt. 2021
Bundespräsident Parmelin auf dem Weg zur HSLU. (Bild: HSLU / Priska Ketterer)
HSLU-M-Direktor Valentin Gloor begrüsste die Bundesratsmitglieder. Er führte das Gremium zu drei kurzen Konzerten von Studierenden und Dozierenden. Trotz der besonderen Sicherheitsvorkehrungen und des Medienrummels wurde der Hochschulbetrieb nicht tangiert. Dieser reibungslose Ablauf sei laut Valentin Gloor nur dank des grossen Einsatzes der beteiligten Mitarbeitenden und Studierenden möglich gewesen.Der Bundesrat lud nach dem Besuch des Departements Musik zu einem öffentlichen Apéro im Verkehrshaus Luzern.
Die Idee zur «extra muros»-Sitzung in Luzern stammt laut der offiziellen Mitteilung der HSLU von Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Sie hat 1983 einen Abschluss als Konzertpianistin an einer der Vorgängerinstitutionen des Departements Musik gemacht hat, dem damaligen Konservatorium.
«Carmina Burana» zum Geburtstag
Im September feierte der Boys Choir Lucerne sein zehnjähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert unter der Leitung von Alessandro Cadario.
Boys Choir Lucerne
- 15. Okt. 2021
In taberna. Foto: Manuela Jans
Als einer der ersten Chöre wagte der Boys Choir Lucerne (Knaben- und Herrenformation) nach dem langen Singverbot anfangs September 2021 ein Grossprojekt zum 10-Jahre-Jubiläum. Carl Orffs Carmina Burana wurde für einmal ganz anders auf die Bühne gebracht. Das Konzept stammte vom Dirigenten Alessandro Cadario (I), den die Sänger bei einem Workshop der European Choral Association (ECA) in Bonn kennengelernt hatten. Es folgten weitere Begegnungen mit einem «Peer to Peer Training» in Luzern.
Cadario bezog sich auf die von Orff im Untertitel erwähnten «imaginis magicis». So wurde das Werk nicht nur gesungen, sondern der mit Sängerinnen erweiterte Chor stellte unter Anleitung der Choreografin Yvonne Sieber auch die jeweiligen Bilder dar – eine grosse Herausforderung!
Andreas Wiedmer – Einstudierung Chöre
Gabriela Bürgler – Sopran
Samuel Zünd – Bariton
Jonathan Kionke – Countertenor Presseecho auf: www.boys-choir-lucerne.ch
Sannicandro Laureate des Joachim-Wettbwerbs
Chiara Sannicandro, Studentin an der Basler Hochschule für Musik, ist beim Joseph-Joachim-Wettbewerb in Hannover als eine der vier «Laureates» ausgezeichnet worden. Zudem hat sie den Publikumspreis zugesprochen erhalten.
Maria Ioudenitch hat den mit 30’000 Euro dotierten Hauptpreis des Wettbewerbs gewonnen. Alle vier Finalisten, Maria Ioudenitch, Chiara Sannicandro, Javier Comesaña und Minami Yoshida, wurden als Laureates des Wettbewerbs zudem mit einem Preisgeld von 10’000 Euro ausgezeichnet. Den Publikumspreis in Höhe von 2000 Euro erhielt Chiara Sannicandro.
Chiara Sannicandro wurde in Salzburg geboren und begann im Alter von vier Jahren mit dem Geigenunterricht. Im Alter von neun Jahren wurde sie in das Pre-College an der Universität Mozarteum Salzburg aufgenommen, wo sie bei Klara Flieder studierte. Von 2016 bis 2020 studierte sie bei Mauricio Fuks an der Jacobs School of Music in Bloomington, USA, wo sie ihren Bachelor mit hoher Auszeichnung abschloss.
Seit 1991 richtet die Stiftung Niedersachsen den Internationalen Joseph Joachim Violinwettbewerb Hannover aus. Antje Weithaas und Oliver Wille, die seit 2019 die künstlerische Leitung von Gründer Krzysztof Wegrzyn übernommen haben, suchen neugierige Persönlichkeiten. Beteiligt am Wettbewerb war auch die Camerata Bern.
Skrjabin auf die Finger geschaut
Anfang September trafen sich Studierende und Interpretationsforscher zu einem Meisterkurs im Künstlerhaus Boswil. Dass es heute möglich ist, das Spiel von Künstlerinnen und Künstlern vergangener Zeiten minutiös zu analysieren, kann der Klavierpädagogik neue Horizonte eröffnen.
Wolfgang Böhler
- 13. Okt. 2021
Frühe Aufnahmen auf Welte-Rollen. Foto: Museum für Musikautomaten, Seewen SO / Archiv SMZ
Im Seewener Museum für Musikautomaten steht eine geschichtsträchtige mechanische Orgel. Sie hätte in die Britannic, das Schwesterschiff der 1912 gesunkenen Titanic, eingebaut werden sollen. Dazu kam es nicht; die Britannic sank im ersten Weltkrieg ebenfalls. Die Britannic-Orgel ist in den letzten Jahren zum Ausgangspunkt spezieller Forschungen geworden. Sie haben dazu geführt, dass Musikstudierende heute längst verstorbenen Komponisten oder Konzertpianisten – etwa Rachmaninow oder Eugène d’Albert – auf die Finger blicken können, wenn auf hochmodernen Flügeln ihr Spiel reproduziert wird. Für die Klavierpädagogik eröffnen sich damit ganz neue, hochinteressante Perspektiven. Ein Meisterkurs im Künstlerhaus Boswil hat dies auf eindrückliche Weise gezeigt.
Papierrollen als Klangquellen
Die Britannic-Orgel war ein Produkt der Freiburger Manufaktur Welte, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem mit mechanischen Klavieren Furore machte. Auf diesen haben Persönlichkeiten wie Carl Reinecke, Ferruccio Busoni, Teresa Carreño, Artur Schnabel oder Edwin Fischer und Komponisten wie Debussy, Saint-Saëns, Skrjabin, Reger, Grieg, Granados, Mahler oder Gershwin ihr Spiel verewigt. Aufgezeichnet wurde es auf Papierrollen, auf der Basis eines komplizierten Druckluft-Mechanismus. Auch die Dynamik ist dabei registriert worden, mit einem heute kaum mehr rekonstruierbaren Verfahren.
Spieltisch der Britannic-Orgel. Foto: Museum für Musikautomaten, Seewen SO
Teams der Berner Hochschule der Künste (HKB) haben in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Nationalphonothek Lugano zunächst die grossen Bestände an Musikrollen zur Britannic-Orgel digital erfasst und zugänglich gemacht. Die dabei gesammelten Erfahrungen erlaubten, auch die Musikrollen des mechanischen Klaviers Welte-Mignon digital zu erfassen. Die Daten wurden so aufbereitet, dass man sie auf ein Yamaha-Disklavier, eine Art moderne, aber weitaus präzisere Version des Welte-Mignons, übertragen konnte.
Das Studium der Einspielungen Busonis, Debussys oder Griegs hat nicht nur Erkenntnisse zur historischen Interpretationspraxis ergänzt, die bereits dank frühen akustischen Aufnahmen gewonnen worden sind. Die Papierrollen liefern zu Dynamik, Anschlags- oder Pedaltechniken – wenn auch nicht hundertprozentig zuverlässig – präzisere Zeugnisse als die verrauschten Grammofon-Aufnahmen. Unschätzbar ist dabei vor allem der pädagogische Wert: Studierende können auf der Tastatur des Disklaviers das historische Spiel mitverfolgen, ihm mit den eigenen Fingern nachspüren oder die eigene Reproduktion des Vorbildes so lange nachspielen und -korrigieren, bis sie es exakt kopieren können.
Dabei geht es natürlich nicht darum, Interpretationen der goldenen Epoche des Klaviervirtuosentums eins zu eins wiederzugeben. Das Verfahren hilft aber, die damaligen Intentionen taktil und visuell besser zu verstehen. Die Pianisten und Interpretationsforscher Manuel Bärtsch und Sebastian Bausch, die das Welte-Mignon-Projekt «Magic Piano» an der HKB entwickelt haben, arbeiteten am Boswiler Meisterkurs mit den Studierenden an Werken von Chopin, Liszt, Schubert, Schumann, Brahms und Skrjabin sowie an den für die damalige Zeit typischen Ausdruckmitteln. Die Welte-Mignon-Überlieferungen zeigten etwa, wie frei und spontan selbst die Komponisten mit ihren Werken umgegangen waren. Sie spielten sorglos Rubati, synchronisierten linke und rechte Hand keineswegs immer oder arpeggierten ganze Akkord-Partien und liessen gar scheinbar willkürlich ganze Takte aus.
Ungeklärtes und Potenziale
Dabei sind Fragen offengeblieben: Viele Virtuosinnen und Virtuosen spielten für Welte auf der Durchreise, ohne grossen Aufwand zu betreiben, Werke ein – manche wohl, ohne zu realisieren, dass diese Zeugnisse Jahrzehnte überdauern dürften. Es mag also sein, dass der eine oder die andere die Einspielung eher auf die leichte Schulter nahm. Unklar ist auch, wie zuverlässig die Technik zur Erfassung der Dynamik tatsächlich war. Ganz auszuschliessen ist nicht einmal, dass da in einer Nachbearbeitung etwas nachgeholfen wurde. Die recht geheimnisvolle Methode zur Erfassung der Dynamik könnte möglicherweise auch einfach darin bestanden haben, dass Welte-Mitarbeiter während der Aufnahmen Notizen machten, worauf die dynamischen Unterschiede dann in einem weiteren Schritt hinzugefügt wurden.
Die Auseinandersetzung mit den Welte-Rollen öffnet überraschende Perspektiven: Man könnte das Verfahren auf Meisterkurse mit heutigen Virtuosen anwenden, indem diese auf dem Disklavier ihre Interpretationen einspielten, die dann analysiert würden wie die historischen Welte-Aufnahmen. Tatsächlich kann der Boswiler Meisterkurs in einem grossen Kontext gesehen werden: als Zeichen von Umwälzungen in der Musikpädagogik, angestossen von den Sozialen Medien. Mittlerweile herrscht ein unüberblickbares Angebot an Onlinekursen und Coachings, die ihre eigenen Stärken haben. Vor allem können sie zum Spiel eines Lehrers oder einer Lehrerin in Echtzeit begleitende Daten aufspielen (Anschlagsstärke, Pedalnutzung, Zeitpunkt des Loslassens einer Taste und so weiter). Das Institut Interpretation der HKB hat es in der Hand, den Schritt von der historischen Datenerhebung und -aufbereitung zur pädagogischen Nutzung der Erkenntnisse zu gehen.
Im Hinblick auf die kommenden Beratungen in Parlament und Bundesrat führt die Taskforce Culture eine Umfrage zur aktuellen Situation und zum Unterstützungsbedarf im Kultursektor durch. Die Befragung läuft bis am 25. Oktober.
Musikzeitung-Redaktion
- 12. Okt. 2021
Foto: Emily Morter / unsplash.com
Der Schweizer Musikrat und die Taskforce Culture teilen heute mit, dass das Planen und Durchführen von Kulturprojekten nach wie vor eine grosse Herausforderung und oft mit finanziellen Einbussen verbunden sei. Im Hinblick auf die parlamentarischen Diskussionen über die Verlängerung der bestehenden Massnahmen sind konkrete Informationen zur aktuellen Situation im Kultursektor gefragt, besonders zahlenbasiertes Material. Deshalb beauftragte die Kerngruppe der Taskforce Culture das Beratungs- und Forschungsbüro Ecoplan (www.ecoplan.ch) mit einer Umfrage zu den Bedürfnissen bei den Kulturschaffenden, den Kulturunternehmen und den Vereinen im Laienbereich.
Die Befragung ist bis am 25. Oktober in drei Sprachen online:
Tod des Musikwissenschaftlers Manfred Hermann Schmid
Laut einer Mitteilung des Bärenreiter-Verlags ist in Augsburg der Musikwissenschaftler Manfred Hermann Schmid gestorben. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag auf der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts.
Musikzeitung-Redaktion
- 11. Okt. 2021
Foto: SMZ/ks,SMPV
Der 1947 in Ottobeuren geborene Musikforscher war seit 1986 nach mehreren Zwischenstationen Ordinarius für Musikwissenschaft an der Universität Tübingen. Er stellte unter anderem die Kritischen Berichte zu Mozarts Streichquintetten und den Quintetten mit Bläsern fertig, die sein Vater innerhalb der Neuen Mozart-Ausgabe herausgegeben hatte. Notwendige Revisionen an diesen Editionen nahm er für praktische Einzelausgaben vor.
Beethovens Streichquartetten war Manfred Hermann Schmids letztes Buch gewidmet. Es erschien wenige Tage nach seinem Tod bei Bärenreiter/Metzler.
Ausgezeichnete ZHdK-Studierende
Benedikt Böhlen (Violoncello bei Roel Dieltiens), Marena Whitcher (Gesang Jazz bei Rahel Hadorn) und Milena Umiglia (Violoncello bei Thomas Grossenbacher) erhalten den Werner und Berti Alter-Preis 2021.
Benedikt Böhlen studierte Violoncello an der Musikakademie Basel, mit Master Performance Abschluss. 2021 erwarb er an der Zürcher Hochschule der Künste den Master Pädagogik. Er spielt regelmässig im Ensemble Phönix Basel und ist Mitglied im Schweizer Kammerorchester Arte Frizzante. Zudem ist er Cellolehrer an der Musikschule in Dornach.
Die 1990 geborene Marena Whitcher ist halb Schweizerin und halb Amerikanerin. Sie etabliert sie sich derzeit im In- und Ausland als Gesamtkünstlerin auf verschiedenen Bühnen – von Avantgarde Pop über Jazz bis zur zeitgenössisch klassischen Musik und Kleinkunst. Für Radio SRF2 vertonte und instrumentalisierte sie mehrere Hörspiele.
Milena Umiglia wurde 1998 in eine Musikerfamilie hineingeboren und erhielt ihren ersten Cello-Unterricht mit vier Jahren bei ihrer Mutter. In 2008 wurde sie eine Privatschülerin von Rafael Rosenfeld an der Musikakademie Basel. Seit September 2019 studiert sie bei Thomas Grossenbacher an der Zürcher Hochschule der Künste.
Die 1980 in Zürich gegründete Werner und Berti Alter-Stiftung prämiert die besten Diplomprojekte im Master Music Pedagogy der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).
PGM: Zurück zur Gänsehaut!
Am jüngsten PGM-Treffen wurde festgestellt: Nach 18 Monaten Pandemie fehlt das Publikum vielerorts. Die finanzielle Unterstützung muss fortgeführt werden, und die Taskforce Culture ist nach wie vor als geeinte Stimme des Kultursektors unabdingbar.
Katrin Spelinova
- 07. Okt. 2021
Bern am 30.9.21: Baustellen wegen der Pandemie gibt es nicht nur im Kulturbereich. Fotos: SMZ/ks
Der Präsident der Parlamentarischen Gruppe Musik (PGM), Stefan Müller-Altermatt, hat beides erlebt: tiefe emotionale Betroffenheit kürzlich an einem Livekonzert einerseits und Berichte über den Rückzug von aktiv Musizierenden ins Privatleben andererseits. Die Trägheit müsse überwunden werden, die Sehnsucht nach «Gänsehaut» bei Liveveranstaltungen angestachelt. Rosmarie Quadranti, Präsidentin des Schweizer Musikrats, blies ins gleiche Horn bei ihrer Rückschau auf die vergangenen anderthalb Jahre. Es müsse eine Aufbruchstimmung geschaffen werden, bei Publikum, Musikerinnen und Musikern. Sie wies auf den Produktionsstau hin und die «nachhaltigen» Lücken beim musikalischen Nachwuchs. Ebenso erwähnte sie die Gefahr, dass die finanzielle Unterstützung der Kulturschaffenden beendet resp. in die Gewährung von rückzahlbaren Darlehen umgewandelt werden könnte.
Taskforce Culture
Die Arbeit der Taskforce Culture könne gar nicht genügend gewürdigt werden. Diese Feststellung wurde ganz am Schluss von Nationalrätin Sandra Locher Benguerel unterstrichen. Sie betonte, diese geeinte Stimme helfe enorm, die Anliegen der Kulturschaffenden im politischen Prozess zu bearbeiten. Man solle, riet sie, mit den bestehenden Gefässen weiterarbeiten und mit möglichst vielen Argumenten belegen, weshalb die Kulturschaffenden weiterhin unterstützt werden müssen. Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates wird an der Sitzung vom 4. November über die Verlängerung einzelner Bestimmungen im Covid-19-Gesetz beraten, diejenige des Ständerates am 16. November.
Rosmarie Quadranti, Präsidentin des Schweizer Musikrats, ermuntert zur politischen Partizipation. Am 28. November 2021 wird über das Referendum gegen die Änderung vom 19. März 2021 des Covid-19-Gesetzes abgestimmt.
Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier wollten am 30. September bei ihrem Treffen im Hotel Bern mit Delegationen der Musikverbände über die aktuelle Situation informiert werden. Ebenso interessierte sie, wie sie die Perspektiven im Hinblick auf die anstehenden Anpassungen des Covid-19-Gesetzes einschätzen. Die Referierenden kamen dieser Bitte nach. Neben Rosmarie Quadranti sprachen Luana Menoud Baldi, Präsidentin des Schweizer Blasmusikverbandes, Christoph Bill, Präsident der Swiss Music Promoters Association, Alexander Bücheli, Geschäftsführer der Schweizer Bar- und Club-Kommission, und Marlon McNeil, Geschäftsführer von Indie Suisse sowie als Vertreter von Sonart – Musikschaffende Schweiz, über die spezifischen Probleme ihrer Organisationen. Dabei kam Dankbarkeit für die bisherigen Hilfeleistungen zum Ausdruck. Die Rednerinnen und Redner benannten auch eine gewisse Frustration bezüglich der Dialogbereitschaft der Ämter. Weiter erwähnten sie die durch den ständigen Vorschriftenwechsel entstandene Planungsunsicherheit und die unterschiedlichen Restriktionen in den Kantonen.
Luana Menoud Baldi, Präsidentin des Schweizer Blasmusikverbandes, zeigt auf, welcher Vorschriftendschungel durchdrungen werden muss(te).
Zwischen Marschrhythmus und Swing
An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) geht ein Forschungsprojekt der Rolle der Unterhaltungsmusik während der NS-Zeit ab Ende der Weimarer Republik bis zum Jahr 1945 nach.
Radio und Tonfilm haben der Musik während der Weimarer Republik zu einer enormen Verbreitung verholfen und die Begeisterung für die neuen Medien und für neue Klänge war auch nach der Machtergreifung ungebrochen. Die Nationalsozialisten verfolgten zwar keine klar konzipierte Musikpolitik, Unterhaltungsmusik spielte während ihrer Herrschaft als Kommunikationsmittel jedoch eine wichtige Rolle.
Im Fokus des Forschungsprojekts steht auf der einen Seite die Frage nach der politischen Einflussnahme und Repression durch die NS-Verantwortlichen. Auf der anderen Seite auch das Handeln des Einzelnen vor diesem politischen Hintergrund. Das Forschungsteam wird dazu die Lebenswege von Musikerinnen und Musikern im NS-Staat nachzeichnen, zum Beispiel auch von Franz Grothe, Komponist und Dirigent des Deutschen Tanz- und Unterhaltungsorchesters.