Der an der Uni Tübingen tätige Jörg Rothkamm ist auf eine bislang unveröffentlichte Version des «Erntelieds» gestossen. Die Mahler-Komposition wird am Dienstag, dem 31. Januar, an der Universität Tübingen uraufgeführt.
Musikzeitung-Redaktion
- 26. Jan. 2017
Gustav Mahler 1909. Foto: Studio A. Dupont, N.Y., Library of Congress/wikimedia commons,SMPV
Mahler und seine Ehefrau Alma arbeiteten gemeinsam an Kompositionen. Dabei entstanden oft mehrere Fassungen eines Stückes. Das auf einem Gedicht von Gustav Falke basierende Stück hatte Rothkamm in Gustav Mahlers Handschrift in der «Médiathèque Musicale Mahler» in Paris aufgespürt, verifiziert und entziffert. Dabei konnte er zeigen, dass der Anteil Gustav Mahlers an der gemeinsamen Komposition grösser war, als bislang erwartet.
Die Version weicht von der bekannten und publizierten Version in zahlreichen Punkten ab, sowohl in Text und Melodie, vor allem aber in Klavierbegleitung und Harmonien.. Auch der Schluss ist in diesem Autograph Gustav Mahlers, also der eigenhändigen Niederschrift, formal völlig neu entwickelt.
Zur Uraufführung des «Erntelieds» wird Jörg Rothkamm in einem einführenden Vortrag die Genese mit zahlreichen Noten- und Klangbeispielen erklären. Die Entstehung fällt genau in jene Zeit, in der Mahler seine letzte, unvollendet gebliebene 10. Symphonie entwarf ‒ und tatsächlich lassen sich musikalische Bezüge zwischen den Werken ausmachen.
Infos: 31. Januar 2017, 18.15 Uhr, Universität Tübingen, Musikwissenschaftliches Institut.
institutionalisieren
Inwiefern haben sich Jazz und Volksmusik in der Romandie bzw. der Deutschschweiz institutionalisiert? — Wie funktioniert nun eigentlich das Programm Jugend und Musik? — Und wie werden an der Pädagogischen Hochschule Bern-Jura-Neuenburg angehende Lehrpersonen für den Musikunterricht an Primarschulen ausgebildet?
SMZ
- 26. Jan. 2017
Inwiefern haben sich Jazz und Volksmusik in der Romandie bzw. der Deutschschweiz institutionalisiert? — Wie funktioniert nun eigentlich das Programm Jugend und Musik? — Und wie werden an der Pädagogischen Hochschule Bern-Jura-Neuenburg angehende Lehrpersonen für den Musikunterricht an Primarschulen ausgebildet?
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Focus
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Bella Canto wird J+M-Leiterin Eine Art Leitfaden durch den Amtsdschungel für Lehrpersonen an Musikschulen
Former à l’enseignement musical scolaire Le cas de la HEP-BEJUNE
Seit Januar 2017 setzt sich Michael Kube für uns immer am 9. des Monats in die Reihe 9 – mit ernsten, nachdenklichen, aber auch vergnüglichen Kommentaren zu aktuellen Entwicklungen und dem alltäglichen Musikbetrieb.
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Auch über so bekannte Stücke wie Mozarts A-Dur-Sonate gibt es ab und zu Neues zu erfahren.
Karl-Andreas Kolly
- 25. Jan. 2017
Foto: Klaus Rupp/pixelio.de
Von den insgesamt 18 Klaviersonaten Mozarts ist jene in A-Dur KV 331 wohl seine populärste. Das Variationenthema des ersten Satzes, das Max Reger zu seinen eigenen Mozart-Variationen für Orchester anregte, ist ebenso eingängig wie natürlich das abschliessende Rondo Alla Turca, welches gerade in jüngster Zeit in Fazil Says Version Furore macht. Keine dieser Bearbeitungen kann allerdings mit dem Zauber des Originals mithalten.
A propos Original: Im September 2014 wurde in der ungarischen Nationalbibliothek in Budapest ein Notenblatt von Mozarts eigener Hand entdeckt, das wesentliche Teile der Sonate enthält. Der G. Henle-Verlag nahm diesen Fund zum Anlass, seine bisherige Urtextausgabe «grundlegend» zu revidieren. Und in dieser Version wurde das Werk vom Pianisten William Youn auch schon auf CD eingespielt.
Nun, so «grundlegend» anders und «sensationell» sind die Änderungen doch wieder nicht. Sie betreffen vor allem den 2. Satz, wo einzelne Töne des Themas und die Harmonik eines kleinen Abschnitts vom Gewohnten abweichen. Immerhin hat man jetzt die Möglichkeit, im umfangreichen Kritischen Apparat die Quellenlage genauestens zu studieren und seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.
Aufschlussreich ist hingegen die neue Datierung des Werkes: Nach jüngsten Untersuchungen entstand es nicht 1778 in Paris, sondern erst 1783, als man das Jubiläum «Hundert Jahre Befreiung Wiens von der Türkenbelagerung» feierte. Steckt im Alla Turca vielleicht doch eine grosse Prise Ironie?
Im Konzert ist die A-Dur-Sonate (die keinen einzigen Sonatensatz enthält!) übrigens gar nicht so oft zu hören. Das Werk ist vor allem im Unterricht populär. Ob sich das mit der neuen Henle-Ausgabe vielleicht ändert?
Wolfgang Amadeus Mozart, Klaviersonate A-Dur KV 331 (Alla Turca), hg. von Wolf-Dieter Seiffert, HN 1300, € 7.00, G. Henle, München 2015
Stemann folgt an der ZHdK auf Müller
Im Februar 2017 übernimmt der deutsche Theater- und Opernregisseur Nicolas Stemann die Leitung des Profils Regie im Master Theater an der Zürcher Hochschule der Künste. Aktuell ist er Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen. Er tritt die Nachfolge von Stephan Müller an, der in Pension geht.
Nicolas Stemann studierte Philosophie und Literaturwissenschaft an der Universität Hamburg sowie Regie am Max Reinhardt Seminar Wien und der Theaterakademie Hamburg. Nach ersten Arbeiten in der freien Szene (Kampnagel Hamburg) folgten Aufträge an den grossen Staatstheatern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, später auch im französischsprachigen Raum.
Die bekanntesten Arbeiten von Nicolas Stemann umfassen formal und inhaltlich innovative Klassiker-Bearbeitungen, Uraufführungen der Stücke der österreichischen Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek sowie eigene musikalisch-performative Projekte. Seit 2010 ist er auch als Opernregisseur tätig (unter anderem an der Opéra Comique Paris).
Nicolas Stemann folgt regelmässig Einladungen zu Festivals wie dem Berliner Theatertreffen, den Salzburger Festspielen, dem Holland Festival oder dem Festival d’Avignon. Er ist seit 2013 Mitglied der Akademie der Künste Berlin und nimmt zudem seit 2003 Lehrtätigkeiten an der Hamburger Theaterakademie und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin wahr.
Beziehungsreiche Charakterstücke
Die elf Stücke für Cello und Klavier, «Les extrèmes se touchent», von Martin Schlumpf durchreisen 200 Jahre Musikgeschichte und geben zum Teil auch Rätsel auf.
Der Schweizer Komponist Martin Schlumpf (geb. 1947) studierte von 1968 bis 1972 am Konservatorium Zürich Klarinette, Klavier, Dirigieren sowie Theorie und Komposition. Nach seinem Abschluss bei Rudolf Kelterborn folgten 1974 weitere Studien bei Boris Blacher in Berlin. Von 1977 bis 2011 unterrichtete er Theorie an der Zürcher Hochschule der Künste (früher Konservatorium Zürich). Bis 1980 war Martin Schlumpf vor allem als Komponist im E-Musik-Bereich tätig. Seither beschäftigt er sich auch mit improvisierter Musik und übt seit Ende der Achtzigerjahre vielfältige Tätigkeiten im Berührungsfeld zwischen Improvisation und Komposition aus.
Die Edition Kunzelmann hat Schlumpfs Duo Les Extrèmes se touchent für Cello und (leicht) präpariertes Klavier erstmals veröffentlicht. Die 1975 entstandene Urfassung wurde 2015 vollständig umgearbeitet. 11 Charakterstücke bilden mit webernscher Knappheit ein vielschichtiges Ganzes. Die ca. 19-minütige Partitur nimmt Bezug auf 200 Jahre Musikgeschichte und stellt direkte Verbindungen her zu Beethoven, Chopin, Alexander Skrjabin, Bernd Alois Zimmermann oder Jonny Rollins. Doch es stellen sich auch musikalische Rätsel: In der Nr. III (Aria) singt das Cello in höchster Lage – eine Reminiszenz an den V. Satz aus Messiaens Quatuor pour la fin du temps? Es sei der Fantasie der Ausführenden und Hörer überlassen, weitere Bezüge und Verwandtschaften zu entdecken.
Die Edition enthält genaue Angaben zur Präparation des Flügels und der Verwendung des zweistimmigen Click-Tracks im IX. Satz.
Die musikalischen und technischen Anforderungen des Werkes sind hoch und verlangen von den Ausführenden ein entsprechendes Mass an technischem Können.
Die Uraufführung mit den Widmungsträgern Thomas Grossenbacher und Petya Mineva kann auf dem Youtube-Portal abgerufen werden.
Martin Schlumpf: Les Extrèmes se touchent, 11 Charakterstücke für Violoncello und Klavier, GM-1919, Fr. 57.00, Edition Kunzelmann, Adliswil 2016
Bahnfahren im Duett
Sieben Duette von gemütlich bis waghalsig für zwei Spielerinnen oder Spieler, die keine Anfänger mehr sind, aber bildhafte Sücke mögen.
Martin Sonderegger
- 25. Jan. 2017
Foto: Glawster Oldspot
Mit Treno di Tarantella startet Bernhard Gortheils Klarinetten-Express beschwingt in Italien, bald schon geht die Reise aber auf Zügen um die ganze Welt und bewegt sich auf klarinettistische Kniffligkeiten und gefährliche Kurven zu. Gortheil hat für diesen Band sieben Duette komponiert für Klarinettistinnen und Klarinettisten, welche das Anfängerniveau bereits hinter sich gelassen haben und Spass daran haben, bildliche Musik(titel) zu interpretieren. Im Orient Express werden beide Spieler zu ausdrucksvollem Musizieren mit «rubato molto vibrato», mit Verzierungen und Glissandi aufgefordert. Das Stück Bimmelbahnträume ist eine gefühlvolle Ballade, Woodwind Nighttrain ein klassischer Blues und in Ticket for Two ist die Fahrt mit einer alten Dampflokomotive angesagt.
In allen Stücken baut der Komponist rhythmische, technische und musikalische Herausforderungen ein, welche durchaus lustvoll zu bewältigen sind. Die sprechenden Titel schaffen es zusammen mit der Musik schöne Bilder zu kreieren.
Bernhard Gortheil, Klarinetten-Express. Eine musikalische Reise für zwei Klarinetten, D 35 315, mit mp3-Files zum Download, Doblinger, Wien 2016
Projekt «Œuvres Suisses» ist abgeschlossen
Elf Schweizer Orchester haben innerhalb der letzten drei Jahre insgesamt 33 Werke von Schweizer Komponistinnen und Komponisten zur Uraufführung gebracht. Das Projekt ist mit einer Jarrell-Uraufführung zum Abschluss gekommen.
Musikzeitung-Redaktion
- 23. Jan. 2017
Michael Jarrell (Bild: C. Daguet / Editions Henry Lemoine)
Mit der Uraufführung von Michael Jarrells «Des nuages et des brouillards» durch das Orchestre de Chambre de Lausanne ist das dreijährige Projekt «Œuvres Suisses» abgeschlossen worden. Elf Schweizer Orchester haben je drei neue Werke bei Schweizer Komponistinnen und Komponisten in Auftrag gegeben und zur Uraufführung gebracht.
Lanciert wurde «Œuvres Suisses» als Gemeinschaftsinitiative der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und des Verbands Schweizerischer Berufsorchester orchester.ch. Dank einer Partnerschaft mit der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR) sind alle Uraufführungen aufgezeichnet worden. Über die Webseite www.oeuvressuisses.ch können sämtliche Werke in voller Länge angehört werden.
Die Finanzierung der Aufträge und Uraufführungen war Sache der beteiligten Orchester. Im Gegenzug erhielten sie von Pro Helvetia Beiträge an ihre internationale Tourneetätigkeit sowie an Vermittlungsprojekte. Während der Projektdauer wurden 41 Tourneen in Europa, Asien sowie in Süd- und Nordamerika realisiert.
Tessiner Popszene erstarkt
Mit Sinplus erreicht zum ersten Mal eine Schweizer Band mit einem italienischsprachigen Song Gold für über 15’000 verkaufte Singles. Ihr Titel «Tieniti Forte» ist damit die kommerziell erfolgreichste Schweizer Single des letzten Jahres.
Musikzeitung-Redaktion
- 20. Jan. 2017
Sinplus (Videostill aus Clip zu Tieniti Forte)
«Tieniti Forte» ist der offizielle Titeltrack der Europameisterschaften im Kunstturnen 2016. Sinplus haben damit als erste Schweizer Band überhaupt mit einem italienischsprachigen Song den Gold-Status für über 15’000 verkaufte Songs erreicht. Zuvor gelang dies nur den Italienern Eros Ramazotti und Tiziano Ferro.
Sinplus besteht aus den beiden Brüdern Ivan und Gabriel Broggini. 2012 haben sie mit dem Song «Unbreakable» für die Schweiz am Eurovision Song Contest teilgenommen. Ihr Auftritt in Baku legte den Grundstein für eine Karriere, die sie besonders in Osteuropa populär gemacht hat. Ihre letzte grosse Tour führte sie durch nicht weniger als 15 Staaten des ehemaligen Ostblocks. Dazu kommen Auszeichnungen wie der MTV Award für den Best Swiss Act oder ein Swiss Music Award.
Berner Kulturgespräche
Bern hat mit Alec von Graffenried einen neuen Stadtpräsidenten. Er gilt als kulturaffiner als sein Vorgänger Tschäppat und stellt sich im Rahmen einer neuen Kulturdialog-Plattform im Februar den Berner Kulturschaffenden.
Musikzeitung-Redaktion
- 19. Jan. 2017
Alec von Graffenried (Bild: zvg)
Die im November 2016 vom Gemeinderat verabschiedete Kulturstrategie der Stadt Bern nennt als einen von drei Schwerpunkten die Verstärkung des Dialogs und der Kommunikation mit Kulturschaffenden und weiteren Interessensgruppen. Die städtische Kulturabteilung Kultur Stadt Bern hat in diesem Zusammenhang das Konzept für eine Gesprächsreihe erarbeitet, das ab 2017 in Zusammenarbeit mit dem Kornhausforum Bern umgesetzt wird: Unter dem Titel «Berner Kulturgespräche im Kornhausforum» finden jährlich vier bis fünf Veranstaltungen statt.
Das neue Kulturgefäss thematisiert Aktuelles zum kulturellen Schaffen, zum kulturellen Angebot, zur Kulturförderung und zur Kulturpolitik in Stadt und Region Bern. Angesprochen werden die Kulturschaffenden, denen eine Plattform zum Austausch angeboten wird, um Fragen der alltäglichen Kulturarbeit zu besprechen. Darüber hinaus will die Reihe das Gespräch zwischen Kulturschaffenden und interessierter Öffentlichkeit fördern und damit einen Beitrag zur Kulturvermittlung und -verständigung leisten.
Die Reihe beginnt Anfang Februar mit einem «unter uns»: Der neue Schauspieldirektor von Konzert Theater Bern, Cihan Inan, stellt sich im geschlossenen Kreis dem Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der freien Theaterszene. Am 20. Februar findet ein öffentliches Podium mit Stadtpräsident Alec von Graffenried zu seinem Kulturverständnis und zu seinen ersten Vorstellungen über Berns Kulturpolitik der kommenden Jahre statt. Weitere Themen im 2017 werden die neue Praxis der Stadt zur Verbesserung der sozialen Sicherheit von Kulturschaffenden sein sowie gegen Ende Jahr ein erstes Fazit zur Kulturstrategie.
WEF zeichnet Anne-Sophie Mutter aus
Das Davoser Weltwirtschaftsforum WEF hat die deutsche Geigerin und Pädagogin Anne-Sophie Mutter für ihre Förderung junger Musiker mit einem Crystal Award ausgezeichnet.
Musikzeitung-Redaktion
- 18. Jan. 2017
Anne-Sophie Mutter (Bild: Monika Höfler)
Mit der Auszeichnung ehrt das WEF die Initiativen zur Förderung junger Musiker. Mutter gründete 1997 den «Freundeskreis der Anne-Sophie Mutter Stiftung» der hochbegabte Streicher unterstützt. 2008 konnte die gleichnamige gemeinnützige Stiftung mit Sitz in München errichtet werden: Ziel ist die weltweite Förderung junger, hochbegabter Solisten der Fächer Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass.
Neben den enormen Summen, die die Ausbildung verschlingt, bereitet in vielen Fällen auch die Finanzierung eines adäquaten Streichinstrumentes grosse Probleme. Hinzu kommen entsprechende Versicherungssummen sowie unvermeidliche Reisen.
Ebenfalls ausgezeichnet worden sind in Davos die kolumbianische Sängerin Shakira, Botschafterin des UN-Kinderhilfswerks Unicef, sowie der Schauspieler Forest Whitaker, der in mehreren Ländern junge Menschen als Konfliktlöser und Friedensstifter ausbildet.
Bislang unbekanntes Chopin-Porträt
Der Walliser Physiker Alain Kohler und der Journalist M. Gilles Bencimon von Radio France Internationale präsentieren ein bislang unbekanntes mutmassliches Porträt von Frédéric Chopin.
Musikzeitung-Redaktion
- 17. Jan. 2017
Daguerreotypie Louis-Auguste Bissons, die höchstwahrscheinlich Chopin zeigt (Bild: zvg)
Entdeckt hat Kohler das Porträt per Zufall in einem Privathaus, wo er sich zu Gesprächen mit einem Musikliebhaber aufhielt. Der ausgewiesene Chopin-Kenner, der mit der Ikonographie Chopins detailliert vertraut ist, überzeugte den Besitzer der Fotografie, das bislang unbekannte Porträt genau untersuchen zu lassen. Gemeinsam mit Gilles Bencimon ging er dessen Ursprung nach.
Akribische Untersuchungen des Bildes lassen nach Überzeugung Kohlers kaum Zweifel offen, dass es sich um eine authentische Aufnahme Chopins aus dem Jahr 1847 handelt. Sie zeigt den Komponisten kurz nach der Trennung von George Sand, von einer schweren Krankheit bereits deutlich gezeichnet.
Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Bei der Aufnahme handelt es sich um eine fotografische Kopie der ursprünglichen Daguerreotypie, ähnlich zwei bislang bekannten, aber verschollenen Porträts. Trotz intensiven Bemühungen ist es Kohler und Bencimon nicht gelungen, mehr über das Schicksal der Originale in Erfahrung zu bringen.
Konzerthäuser und -formate in Deutschland
Anlässlich der Elbphilharmonie-Eröffnung in Hamburg beleuchtet das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) das Thema «Konzerthäuser in Deutschland» ‒ und die deutschen Musikhochschulen präsentieren Alternativen zu traditionellen Konzertformaten.
Musikzeitung-Redaktion
- 16. Jan. 2017
Blick auf die Elbphilharmonie (Bild: zvg)
Im Mittelpunkt des Angebots des MIZ steht ein Fachbeitrag, der fragt, welche gesellschaftliche Bedeutung Konzerthäusern zukommt und wie Gebäude und Konzepte aussehen, um Kultur für breite Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Welche Organisations- und Leitungsstrukturen Konzerthäusern zugrunde liegen, wird dabei ebenso untersucht wie die Standortfrage, ihre Spielplangestaltung und künstlerische Ausrichtung.
Ergänzend bietet das Angebot des MIZ Detailinformationen zur Infrastruktur der deutschen Konzerthauslandschaft, etwa zu Trägern, Betriebsformen und Leitungsstrukturen der einzelnen Häuser, zu ihrer inhaltlichen Ausrichtung und zum Spielbetrieb sowie zu Saalkapazitäten und historischen Fakten. Zu erreichen ist das neue Angebot hier
Die deutschen Musikhochschulen haben sich derweil für eine spezielle Konzertreihe zusammengeschlossen: Unter der künstlerischen Leitung von Sebastian Nordmann, Intendant des Konzerthauses Berlin, erarbeiteten die Studierenden ortsspezifische Inszenierungen für das Konzerthaus, das Musikinstrumenten-Museum und für den Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. Damit wollen sie aufzeigen, wie auf geändertes Hörverhalten und neue Aufführungspraktiken ‒ Abläufe von Konzerten und aufgeführtes Repertoire ‒ reagiert werden kann.
Schwäbisch Gmünd zeichnet Rihm aus
Der Komponist und Leiter der Lucerne Festival Academy Wolfgang Rihm erhält den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2017. Die Stadt Schwäbisch Gmünd ehrt ihn damit für sein «besonderes Schaffen im Horizont Geistlicher Musik».
Musikzeitung-Redaktion
- 13. Jan. 2017
Wolfgang Rihm (Bild: Universal Edition, Eric Marinitsch)
«Sein Aufgreifen spiritueller Texte» verbinde «Wort und Ton zu einer überzeugenden Einheit, die stets den Menschen im Blick hat, wesentliche Fragen reflektiert und emotional ergreift», heisst es in der Begründung. Wolfgang Rihm, der in diesem Jahr seinen 65. Geburtstag feiert, wird die Auszeichnung dieses Jahr im Rahmen des Festivals Europäische Kirchenmusik (13. Juli bis 6. August) im Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch Gmünd durch Oberbürgermeister Richard Arnold verliehen.
Der Preis der Europäischen Kirchenmusik ist mit 5000 Euro dotiert. Seit 1999 zeichnet er hochrangige Interpreten und Komponisten für wegweisende Leistungen im Bereich der Geistlichen Musik aus. Zu den bisherigen Preisträgern gehören die Komponisten Petr Eben, Sofia Gubaidulina, Klaus Huber, Arvo Pärt, Younghi Pagh-Paan, Krzysztof Penderecki, Dieter Schnebel, Sir John Tavener und Hans Zender.
Zu den Geehrten gehören ferner die Dirigenten Frieder Bernius, Marcus Creed, Eric Ericson, Hans-Christoph Rademann und Helmuth Rilling, der Organist Daniel Roth, der Kammersänger Peter Schreier, der Musikwissenschaftler, Dirigent und Komponist Clytus Gottwald und der Thomanerchor Leipzig. In diesem Jahr wird der Preis der Europäischen Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd zum 19. Mal verliehen.
Wärmen am Lagerfeuer
Die Eindrücke beim Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie am 11. Januar waren überwältigend, Hamburg darf auf das neue Wahrzeichen stolz sein.
Georg Rudiger
- 13. Jan. 2017
Elbphilharmonie im April 2016. Foto: Maxim Schulz
Der Weg zur Kunst ist steil. Man muss sich schon anstrengen, wenn man zu dem grossen Konzertsaal der Hamburger Elbphilharmonie gelangen möchte. Eine geschwungene Holztreppe führt von der öffentlich zugänglichen Plaza hinauf. Und wenn man höher sitzt im steilen Saal, hat man noch viele weitere Stufen zu bewältigen, wählt man nicht den bequemen Weg über die Aufzüge. Man kann auch einfach den Kugellampen folgen, die wie ein Lichtband Orientierung geben. Die Leuchtstoffröhren, die in den Foyers um den Saal brennen, sind alle auf das Dirigentenpult ausgerichtet, erklärt Jan-Christoph Lindert vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron bei der morgendlichen Presseführung. Selbst im Foyer wird die Musik schon inszeniert.
Über die Akustik des grossen Saals wurde schon viel geschrieben, bevor überhaupt ein Ton darin erklungen ist. Die perfekte Schalldämmung hat Chefakustiker Yasuhisa Toyota erreicht, indem der zweischalige Saal auf Stahlfedern sitzt und so vom Gebäude abgekoppelt ist. Keine Schiffssirene dringt nach drinnen, kein Trompetenton nach draussen. Im Saalinnern wurden 10 000 Gipsfaserplatten verbaut, deren unterschiedliche Fräsungen die Schallwellen fein verteilen sollen. Die sogenannte weisse Haut ist eigentlich grau und setzt auch optisch einen starken Akzent. Höchste Materialdichte trifft auf maximale Zerstreuung – wie ein Wasserstrahl, der gegen eine Wand spritzt und einen Nebel aus Tröpfchen bildet, erklärt Lindert. Und verspricht, dass dadurch der Höreindruck auf allen 2100 Plätzen gleich sei.
Geniale Architektur und transparente Akustik
Die Stimmung unter den geladenen Premierengästen ist gelöst. Man lacht und staunt, schaut umher und berührt die eigenartigen Strukturen der Wände. Da kommt auch kein Ärger auf, als sich der Festakt um eine halbe Stunde verschiebt. Wer sechs Jahre auf die Eröffnung der Elbphilharmonie gewartet hat, den können dreissig Minuten nicht mehr aus der Fassung bringen. Man schaut nicht hinauf auf die Bühne, sondern hinunter. Selbst die Besucher im Parkett sind auf Augenhöhe mit den Künstlern. Jeder Platz kann von jedem anderen aus erreicht werden. Kein Zuschauer sitzt mehr als dreissig Meter vom Dirigenten entfernt. Das von Intendant Christoph Lieben-Seuter verwendete Bild des Lagerfeuers, um das sich die Menschen versammeln, passt gut zu dem Gefühl, das man im Saal empfindet. Bundespräsident Joachim Gauck spricht sinnigerweise von der gefühlten Gemeinschaft, die jedoch die Individualität nicht preisgebe.
Die einzelnen Zuschauerbereiche sind unterschiedlich gross. Wie Rebstöcke liegen sie am Hang. Deshalb nennt man diese Form der Saalgestaltung, die auch in ähnlicher Weise in der Berliner Philharmonie zu erleben ist, das Weinberg-Prinzip. Die Masse wird aufgeteilt in kleine Gruppen. Eine Hierarchie ist nicht zu spüren. Geniale Architektur! Aber hält auch die Akustik, was man sich von ihr versprochen hat? Die ersten Töne lassen aufhorchen. Dirigent Thomas Hengelbrock beginnt den Festakt mit Ludwig van Beethovens Ouvertüre zu Die Geschöpfe des Prometheus. Schon die ersten Akkordschläge springen den Zuhörer an. Der Pauker des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters haut die Impulse mit Holzschlägeln auf die Felle. Der Klang ist direkt und klar. Musik als Wachmacher! Auf den geraden, hart gepolsterten Sitzen könnte man sowieso nicht wegdämmern. Die Energie, die sich von der Bühne sofort in den Saal ausbreitet, ist enorm. Auf dem Platz links hinter dem Orchester direkt vor der Orgel klingen auch die Streicher und Holzbläser so plastisch, als würde man sie von vorne hören. Man kann jede einzelne Stimme verfolgen wie sonst in keinem anderen Konzertsaal – und dabei jedes Detail auch beobachten. Kammermusikalische Genauigkeit statt waberndes Pathos. Der erste Eindruck ist überwältigend. Nur das Grundrauschen der Orgel beeinträchtigt an diesem Abend den Hörgenuss auf den angrenzenden Plätzen.
Pausenapplaus am Eröffnungskonzert vom 11. Januar. Foto: Michael Zapf
Freude und Jubel
In der Pause herrscht grosses Gedränge vor den sechs Bars. Aber die vielen Treppenfoyers und Durchgänge bieten auch Orte, wo man in Ruhe ganz alleine den spektakulären Blick durch die Glaswände geniessen kann. Oder man geht gleich ganz hinaus auf die Loggias, auf denen man den Lärm der Stadt hört. Die steife Brise zerzaust die Frisur. An die Kostenexplosion des 789 Millionen Euro teuren Gebäudes möchten die Hamburgerinnen und Hamburger nicht erinnert werden. «Das ist alles vergessen», sagt eine Dame und nippt an ihrem Champagnerglas. Oberbürgermeister Olaf Scholz, der 2013 mit neuen Verträgen den gordischen Knoten des Baustopps löste, ging in der Pressekonferenz auch nur kurz auf die Fehlplanungen der Vergangenheit ein und zeigte sich in der Stunde des Triumphs hanseatisch nüchtern.
Für das eigentliche Festkonzert unterzieht Thomas Hengelbrock die Elbphilharmonie einem Crashtest, lotet die Extreme der Dynamik aus und verteilt die Künstler im Saal. Auch hier ist die warme, transparente Akustik zu bewundern, wenn Philippe Jaroussky mit seinem zarten Countertenor, nur von einer Harfe begleitet, den ganzen Saal füllt. Bei den extrem lauten Werken wie Bernd Alois Zimmermanns Photoptosis, wo auch noch die Orgel (Iveta Apkalna) zusätzlichen Klang beisteuert, nehmen die Härten zu. Der eher trockene Saal verzeiht nichts. Und man muss höllisch aufpassen, dass man Schlagzeug und Blech nicht zu massiv werden lässt.
Die Kehrseite der Medaille ist nach der Pause noch stärker spürbar. In Richard Wagners Parsifal-Vorspiel sind Bläser und Streicher bei den Unisoni häufig nicht deckungsgleich. Da reicht eine Millisekunde Verzögerung – und die Rädchen greifen nicht mehr ineinander. Hier schwächelt das ansonsten sehr genaue und bewegliche Orchester. Bei der Uraufführung von Wolfgang Rihms routiniert wirkender Auftragskomposition Reminiszenz. Triptychon und Spruch in Memoriam Hans Henny Jahnn hat die Stimme von Pavol Breslik, von hinten gehört, nicht die gleiche Intensität wie die Instrumentalklänge. Auch im Finale von Beethovens 9. Sinfonie mit der Ode an die Freude verlieren sich die Stimmen von Hanna-Elisabeth Müller (Sopran), Wiebke Lehmkuhl (Alt), Pavol Breslik (Tenor) und Bryn Terfel (Bassbariton) ein wenig im Raum. Die beiden Chöre von NDR und BR (Einstudierung: Philipp Ahmann) dagegen klingen im Rücken des Klangkörpers durchaus präsent.
Andere hochgelobte Säle wie das in der klassischen Schuhschachtelform gebaute Luzerner KKL müssen sich vor dieser extrem transparenten Akustik keineswegs verstecken. Sie haben andere Stärken wie einen etwas längeren Nachhall, der den Orchesterklang nicht so nackt scheinen lässt, wie er in der Elbphilharmonie zu erleben ist. In Luzern mischen sich die Register besser. Mit dem Deckenreflektor, der unterschiedlich bearbeiteten weissen Wand und der exponierten Lage am Wasser gibt es aber auch durchaus Gemeinsamkeiten zwischen den beiden herausragenden Konzertsälen. In der Elbphilharmonie befeuert Thomas Hengelbrock mit seinem grossen Charisma ein letztes Mal sein NDR-Elbphilharmonie-Orchester. Der Rest ist Freude und Jubel. Hamburg darf zu Recht stolz sein auf das neue Wahrzeichen der Stadt.
An der Hochschule der Künste Bern (HKB) gelten auch im Studienjahr 2017/2018 Zulassungsbeschränkungen. Dies hat der Regierungsrat des Kantons Bern beschlossen.
PM/Codex flores
- 12. Jan. 2017
Foto: Ines Krmlmnstr/flickr.com
Für den Fachbereich Musik, Theater und andere Künste stehen laut dem Regierungsratsbeschluss insgesamt 300 neue Studienplätze zur Verfügung, für den Fachbereich Design inklusive Konservierung-Restaurierung 85 Studienplätze.
Die HKB bietet Musik-Bachelorstudiengänge an in Klassik, Jazz, Musik und Medienkunst sowie Musik und Bewegung (Rhythmik), und Masterstudiengänge in Music Performance, Specialized Music Performance, Pädagogik und Komposition/Theorie. Seit 2016 bereitet zudem ein PreCollege auf ein Bachelorstudium in Musik vor. Ergänzt wird das Musikangebot im Kontext der regulären Hochschulausbildung mit einem Opernstudio.