Wechselseitige Gastfreundschaft

Intersubjektive Verständigung ist auf Übersetzung angewiesen. Was das für die Musikpädagogik bedeuten könnte, zeigen zwei Streiflichter auf eine Forschungstagung, die Anfang Mai in Muttenz stattfand.

Noch nie war Übersetzen so einfach wie heute: KI-gestützte Programme liefern in Sekunden Resultate für x-beliebige Sprachen und scheinen damit eine universelle Verständigung zu ermöglichen. Bereits Paul Ricoeur weist jedoch darauf hin, dass die perfekte Übersetzung eine Illusion sei und plädiert für eine sprachliche Gastfreundschaft von eigener und fremder Sprache. Gerade für die Musik und ihre Didaktik, wo inkorporierte und nicht-sprachlich verfasste Wissensformen hinzukommen, ist dies ein reizvoller Gedanke. Er setzte den Ton für die musikpädagogische Forschungstagung, die am 8./9. Mai in Muttenz stattfand. Zwei Beiträge zeigen stellvertretend, wie Forschung Übersetzungsleistungen verdeutlichen und selbst erbringen kann.

Kollektive Überzeugungen

Wie kann Forschung implizite Wissensbestände bewusst und damit für die Reflexion verfügbar machen? In einem vom Schweizer Nationalfonds geförderten Projekt zum gymnasialen Musikunterricht erfolgte ein Forschungszugang über Gruppendiskussionen, die mithilfe der von Ralf Bohnsack entwickelten Dokumentarischen Methode ausgewertet wurden. So konnte David Lichtsteiner in seiner Analyse geteilte handlungsleitende Orientierungen von Lehrpersonen herausarbeiten. Unter anderem waren dies die zentrale Bedeutung von Gemeinschaftserlebnissen als Weg und Ziel, Auftritte als Dreh- und Angelpunkt des Unterrichts, der unhinterfragt angenommene positive Effekt von Musikunterricht sowie das Beklagen mangelnder Vorbildung in der Primarschule. Komplementär dazu verfolgte Christoph Marty einen ethnografischen Ansatz. Mit teilnehmender Beobachtung von Unterrichtsstunden ging er der Frage nach, wie die schulmusikalische Praxis an Gymnasien von allen Beteiligten gemeinsam hergestellt wird und welche Subjektivierungsweisen damit einhergehen. Er skizzierte ein Spannungsfeld zwischen pädagogischer Norm der Individualisierung und dem Musizieren im Kollektiv und zeigte auf, wie entsprechende Subjekte durch wechselseitige Adressierung hervorgebracht werden.

Übersetzungen in der Identitätsbildung

Anne Günster und Sabine Mommartz sind in ihrem Symposium der Frage nachgegangen, wie biografische Erfahrungen Studierender der Musikpädagogik für ihre zukünftige pädagogische Tätigkeit bedeutsam werden können. Auf Grundlage ihres Datenmaterials konnten die beiden Vortragenden darlegen, wie sich in biografischen Interviews Positionierungen als Formen der Problematisierung an Gegenständen vollziehen und dabei bestimmte Bedeutungen konstruiert werden. Veranschaulicht wurde dies unter anderem anhand eines empirischen Beispiels, in dem eine interviewte Studentin unterschiedliche Positionen zum Gegenstand des «Übens» einnahm. Anhand ihrer biografischen Erfahrung versetzte sie sich zuerst in die Position als sie Schülerin war und berichtete, dass sie selbst wenig geübt habe. Anschliessend nahm sie die Perspektive der zukünftigen Instrumentalpädagogin ein und beschrieb das Üben als wesentliches Element musikalisch-instrumentaler Entwicklung. Das Beispiel verdeutlicht, wie die Reflexion und Übersetzung eigener biografischer Erfahrungen in die zukünftige Position als Musikpädagogin zu einem konstitutiven Bestandteil professioneller Identitätsbildung werden kann.

Geduldige Kleinarbeit

Verständigung, sei sie kollektiver oder biografischer Art, funktioniert nicht einfach per Knopfdruck, sondern muss, wie die Beispiele zeigen, in geduldiger Kleinarbeit immer wieder neu ausgehandelt werden. Diese Haltung zog sich als Grundtenor durch die Tagung, bei der sich das Thema des Übersetzens als anschlussfähig für unterschiedliche musikpädagogische Bereiche, Forschungsperspektiven und theoretischen Fundierungen erwies und eine offene Diskussionskultur beförderte.

«Vom Übersetzen – musikbezogene Didaktik in Diskurs und Praxis»: Musikpädagogische Forschungstagung und Abschlusstagung des SNF-Projekts «Gymnasialer Musikunterricht als Spiegel einer praxisbasierten Didaktik» vom 8. und 9. Mai 2026.

Wann kann mein Kind mit Musikunterricht starten?

Lange galt eine einfache Faustregel: Mit dem Einzelunterricht auf einem Instrument beginnt man frühestens in der dritten Klasse. Eine Annahme, die überholt ist, wie Gespräche mit Lehrpersonen und Musikschulleitungen zeigen. Von neuen Angeboten und angepassten Instrumenten.

Die grosse Mehrheit der Schüler:innen an Schweizer Musikschulen sind im Volksschulalter. Die Kinder suchen sich an Schnuppertagen oder Informationsveranstaltungen in Kooperation mit den Volksschule ein Instrument aus und belegen mehrere Jahre Einzelunterricht. Viele spielen zusätzlich in Ensembles, sie üben im Chor, im Orchester oder in der Band das Zusammenspiel und stehen gemeinsam auf die Bühne. Das Instrument begleitet sie durch ihre Kinder- und Jugendzeit und sorgt für prägende Erfahrungen. Wann ist denn der optimale Zeitpunkt, um an der Musikschule anzufangen?

„Im Grunde gibt es dafür kein Alter, denn das Gehör bildet sich schon beim Embryo“, sagt Philippe Régana, Direktor des Conservatoire populaire in Genf, wo werdende Eltern Kurse im pränatalen Singen besuchen können. Nebst den Angeboten wie dem „Eltern-Kind-Singen“ und Fächern wie „Musik und Bewegung“, französisch „initiation musicale“ und „éveil musical“, beobachtet er hinsichtlich Start des Musikunterrichts einen starken Wandel. „Immer mehr 5-6jährige möchten ein Instrument lernen – was ihnen durch speziell angepasste Instrumente auch ermöglicht wird“, sagt er. Aufgrund der motorischen und sozialen Entwicklung eines Kindes lag es früher auf der Hand, mit bestimmten Instrumenten erst mit etwa acht oder neun Jahren zu starten. Heute ermöglichen viele Musikschulen und spezifisch ausgebildete Musikpädagog:innen bereits Kindergartenkindern einen spielerischen Unterricht auf dem gewünschten Lieblingsinstrument.

 

Die Tigerklarinette erleichtert den frühen Einstieg (Bild: Daniela Engel)

 

Die Tigerklarinette als Einstiegsinstrument

Das bestätigt auch Daniela Engel, die an der Musikschule Uster den Unterricht auf der sogenannten Tigerklarinette eingeführt hat. „Die Abstände auf der Klarinette sind für ein fünfjähriges Kind noch zu weit“, sagt sie, „Auf der Tigerklarinette, die über ein Klarinettenmundstück verfügt, aber nur drei Klappen hat, geht das aber problemlos.“ Der Unterricht findet in kleinen Gruppen mit Begleitung der Eltern statt. „Es geht darum, die Kinder früh abzuholen und sie musikalisch zu begleiten“, so Daniela Engel, „Der Unterricht wird ganzheitlicher gestaltet, es geht um die Musik und nicht nur um das Instrument.“

Suzuki-Unterricht: früh Geige spielen lernen

Früher Unterricht auf der Geige nach der Suzuki-Methode, ist bereits länger bekannt.

Doris Estermann bietet sie an den Musikschulen Stans und Alpnach an. Beim Einstieg bekommen die Schüler:innen am Anfang eine Kartongeige, mit der sie sich ans Instrument gewöhnen und die Bogenhaltung üben können, ohne dass die Eltern befürchten müssen, dass ein wertvolles Instrument kaputt gehen könnte. Der Umstieg auf eine „echte“ Geige ist dann umso mehr ein schönes Ereignis und ein Beweis für das Kind, wieviel es bereits gelernt hat.

Wie halte ich eine Geige? Üben mit der Kartongeige (Bild: Doris Estermann)

 

Gruppenunterricht als Community

Grundidee der Suzuki-Methode ist das frühe Zusammenspiel – die Kinder belegen wöchentlich je eine Lektion Einzel- und Gruppenunterricht und dürfen schon früh ins Anfängerorchester einsteigen. Dieses Konzept wird an der Musikschule Stans im ganzen Schulalter weitergezogen, so dass sich Musikschüler:innen untereinander gut kennen, sich Freundschaften entwickeln und auch ein enger Kontakt mit den Eltern gepflegt werden kann. Dieser ist umso wichtiger, je jünger die Kinder sind – gerade im Frühunterricht ist die Anwesenheit der Eltern erwünscht. „Ich sage immer: Die Eltern sind meine Assistenten, meint Doris Estermann. Ohne Begleitung der Eltern gehe es nicht. Es sei wichtig, ein gutes Umfeld zu schaffen, das Instrument in den Tagesablauf einzubauen, und es wertzuschätzen, wenn das Kind spiele.

Das Kind im Eintrittsgespräch kennenlernen

An einigen Musikschulen ist es üblich, dass künftige Schüler:innen und ihre Eltern zu einem Eintrittsgespräch eingeladen werden, so auch am Konservatorium Bern. Eine Praxis, die es erlaubt, das Kind kennen zu lernen, zu erfassen, wo es steht, und es auf seinem musikalischen Weg zu unterstützen. „Jedes Kind ist anders“, sagt Saara Vainio, Mitglied der Schulleitung, „Im Eintrittsgespräch finden wir heraus, ob der Einzelunterricht im Moment schon passend ist oder ob es vielleicht noch ein bisschen Zeit braucht – und wir können es zu einer Lehrperson einteilen, die das Kind gut betreuen könnte.“ Entscheidend ist nicht ein bestimmtes Alter, sondern der individuelle Stand und auch Wunsch des Kindes.

Vor- und Nachteile

Wenn Musikschüler:innen früher mit dem Instrument beginnen, heisst das dann auch, dass sie früher wieder aufhören? Hier gehen die Meinungen auseinander. Philippe Régana aus Genf sieht eine mögliche Gefahr darin, dass Kinder nach vier, fünf Jahren das Instrument beiseite legen und ein anderes Hobby verfolgen. Doris Estermann sieht es umgekehrt: „Die, die früh anfangen, hören weniger schnell auf, weil das Instrument schon früh Teil des Alltags wird und zum Leben dazugehört.“ Einig sind sich beide, dass die Pubertät eine kritische Phase ist, in der viele Musikschüler:innen mit dem Unterricht aufhören. Philippe Régana betont, wie wichtig es sei, in diesem Alter Druck herauszunehmen. „Die Lehrpersonen dürfen akzeptieren, dass Schüler:innen ein paar Jahre lang nicht viel machen auf dem Instrument, und darauf achten, dass der Kontakt und die Freude am Instrument bestehen bleibt.“ Auch Saara Vainio betont, wie zentral in dieser Phase die Beziehung sei. „Da ist die Lehrperson wichtig, die sagt: Ich verstehe deine Situation, ich begleite dich da durch, so Saara. „Oft ist es einfach der Stress, der sie vom Üben abhält, und gar nicht das fehlende Interesse.

Freude an der Musik

Am Ende, betont Philippe Régana, sei das Alter ohnehin zweitrangig: „Es zählt nicht, ob man Musik macht – sondern wie. Mit einem strengen Kurs, der nicht aufs Kind zugeschnitten ist, funktioniert es nicht, egal ob mit vier, fünf, sechs oder sieben Jahren.“ Oder, wie Doris Estermann aus Sarnen sagt: „Wenn du Musik liebst und das Feuer entzünden kannst, bewirkt das schon sehr viel.

Top 3: Die Geige

Anna Modesti ist Geigerin und Musikpädagogin am Conservatorio della Svizzera italiana(CSI) in Lugano. Seit vielen Jahren unterrichtet sie dort Violine für Kinder und Erwachsene und initiierte auch ein Orchesterprojekt.

Top 3 der Instrumente: Die Geige (Foto: Gabi Pavanello)

 

Die Geige gehört seit vielen Jahren zu den beliebtesten Instrumenten an Musikschulen. Warum? Was denkst du?

Ich denke, einer der Gründe ist die Möglichkeit, im Ensemble oder im Orchester zu spielen. Man kann nicht nur im eigenen kleinen Zimmer spielen, sondern mit Freundinnen und Freunden zusammen sein, Teil eines grossen Orchesters werden und vielleicht auch in einem grossen Saal spielen.

Wie lange dauert es, bis ein Kind in einem Orchester mitspielen kann?

Am Konservatorium haben wir parallel zum Einzelunterricht ein Orchesterprojekt entwickelt, damit die Kinder früh beginnen können. Diese Orchesterkurse sind kostenlos, das heisst, sie werden von der Schule angeboten und von den Familien nicht zusätzlich bezahlt, was den Besuch natürlich erleichtert. Wir bieten auch Gruppenunterricht an, in dem die Kinder mit dem gemeinsamen Spielen experimentieren, zunächst im Unisono, dann mit zwei Stimmen, und so weiter.

Wie kam es, dass du dich für die Geige entschieden hast?

Ich weiss es nicht mehr genau. Der Klang gefiel mir gut. Ganz einfach war es nicht, denn meine Eltern stammen aus einer Anwaltsfamilie seit Generationen, und sie gingen davon aus, dass ihre Tochter eine ernsthafte Ausbildung machen würde – Geige spielen war keine so ernste Sache (lacht).

Was lustig ist: ein paar Jahre nachdem ich mit dem Unterricht angefangen hatte, rief mich mein Onkel an, er habe im Haus meiner Grossmutter im Kleiderschrank eine Geige gefunden, ob ich sie vielleicht wolle? Ein tolles Instrument. Ich habe in Mailand studiert und dann in Lugano angefangen zu unterrichten, was mir sehr gut gefallen hat. Es war eine Umgebung, die es mir ermöglichte, neben der Arbeit weiter zu lernen.

Was ist deiner Meinung nach ein ideales Alter, um mit dem Geigenspielen zu beginnen?

Meiner Meinung nach gibt es kein ideales Alter. Wenn man mit sehr kleinen Kindern arbeitet, ist die Unterstützung der Eltern sehr wichtig, dass sie das Kind ans Üben erinnern und es begleiten. Grundsätzlich kann ein Kind bereits mit drei, vier Jahren anfangen, das habe ich selber auch schon erlebt. Wenn ich mit einem achtjährigen Kind anfange, ändern sich der Unterricht und der Zugang komplett. Die Unterstützung durch die Familie ist immer noch wichtig, aber genau wichtig ist es, das Kind schrittweise autonom werden zu lassen. Die Eltern können dafür sorgen, dass es eine gute Übungsecke hat, wo die Geige immer bereit steht.

Auch mit Erwachsenen ist der Unterricht anders. Einer der ersten Schüler, den ich hatte, war bereits sechzig Jahre alt und hatte sein Leben lang mit den Händen gearbeitet und konnte auch einen Zeigefinger nicht mehr biegen. Er spielte danach zwanzig Jahre voller Leidenschaft Geige. Ich höre ab und zu das Klischee, dass die Geige sehr schwierig zu spielen sei. Aber ich bin davon überzeugt, dass das nicht stimmt.

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Top 2: Die Gitarre

Giuseppe Mennuti ist Gitarrist und Gitarrenlehrer an der Musikschule Biel und an der Musikschule Berner Jura. Er hat in Italien, Spanien und der Schweiz studiert und widmet sich hauptsächlich der zeitgenössischen Musik.

Giuseppe, warum ist die Gitarre so beliebt?

Sie ist ein sehr zugängliches Instrument. Man kann sie sofort in die Hand nehmen und mit der rechten Hand Töne auf den Saiten erzeugen. Wenn das Klavier noch beliebter ist, dann vielleicht, weil man dort zwei, drei Töne gleichzeitig spielen und so einen Akkord bilden kann – das ist auf der Gitarre schwieriger. Ausserdem sind Gitarren nicht teuer; gute Instrumente gibt es schon für vierzig, fünfzig Franken.

Warum hast du dich für die Gitarre entschieden?

Ich bin in einem kleinen Dorf in Italien aufgewachsen, wo es kaum Möglichkeiten gab, Musikunterricht zu nehmen. Es gab keine Berufsmusiker. Ein Arbeiter bei Fiat spielte Gitarre, und da wir zu Hause eine hatten, fing ich damit an. Mein Vater spielte Bassgitarre, aber er hatte nicht viel Zeit, er leitete einen kleinen Supermarkt. Da mir die Musik sofort sehr gefiel, ging ich später ins Nachbardorf, wo ich Unterricht nehmen konnte.

Was hat dich bewogen, dich für eine professionelle Laufbahn zu entscheiden?

Mit 12, 13 Jahren begann meine Leidenschaft für die Musik zu wachsen, und ich durfte schon sehr früh von bekannten Musikerinnen und Musikern zu lernen, die in der Umgebung lebten. Auch meine Kolleginnen und Kollegen machten Musik, und es gab viele Bands in der Region. Ich hatte wirklich Glück.

Heute konzentrierst du dich vor allem auf zeitgenössische Musik.

Genau. Ich spiele seit Jahren in Ensembles und habe vor Kurzem die künstlerische Leitung des Nouvel Ensemble Contemporain (NEC) in La Chaux-de-Fonds übernommen.

Bleibt dir neben dem Unterrichten noch viel Zeit für die Musik, für die künstlerische Tätigkeit?

Ich habe mich entschieden, höchstens zu 50 % zu unterrichten, sonst wird es mit all den anderen Aufgaben zu viel. Ich schaue, dass ich mindestens eineinhalb Stunden pro Tag üben kann. Wenn man viel zeitgenössische Musik spielt, muss man aufpassen, den klassischen Klang nicht zu verlieren, daran arbeite ich zurzeit viel. Ich spiele zum Beispiel gern Stücke des katalanischen Komponisten Miguel Llobet. Dazu kommen noch viele administrative Aufgaben und Arbeiten am Computer.

Was rätst du Schülerinnen und Schülern, die sich für die E-Gitarre interessieren? Ist es besser, mit der klassischen Gitarre anzufangen?

Auf der akustischen Gitarre sind die Abstände grösser, und auch der Einsatz der rechten Hand ist ganz anders. Man kann durchaus mit der E-Gitarre beginnen, sollte aber trotzdem Noten lesen lernen – das hilft sehr. Wenn sich jemand für ein bestimmtes Instrument interessiert, geht das auch: Es ist ein bisschen wie das Schlagzeug im Vergleich zum klassischen Schlagwerk.

Wie lange bleiben die Schülerinnen und Schüler nach deiner Erfahrung im Unterricht?

Das könnte ich nicht mit Sicherheit sagen, da ich erst seit ein paar Jahren unterrichte. Aber ich habe Schülerinnen und Schüler übernommen, die schon seit sechs, sieben Jahren an der Musikschule sind. Der geografische Aspekt ist sehr interessant. In manchen Regionen sind die Freizeitangebote in den Dörfern begrenzt: Vielleicht gibt es eine Sportart und zwei oder drei Instrumente an der Musikschule, die je nach Wochentag wechseln. Wer nur an einem einzigen Tag Zeit hat, lernt das Instrument, das an diesem Tag möglich ist.

Wie motivierst du deine Schülerinnen und Schüler?

Wenn ich merke, dass die Motivation nachlässt, frage ich sie, was sie gern machen würden und welche Musik sie gern hören, und mache ihnen dann kleine Arrangements, zum Beispiel von Pop-/Rock-Stücken. Sie freuen sich immer, wenn sie merken, dass sie auf ihrer Gitarre die Musik spielen können, die sie mögen. Als Lehrperson ist es wichtig, flexibel zu sein.

Spielst du im Unterricht auch zeitgenössische Musik?

Auf jeden Fall. Es gibt Schülerinnen und Schüler, die sich sehr dafür interessieren; ganz allgemein sind Kinder und Jugendliche wie Schwämme, sie nehmen alles auf. Manchmal möchten Eltern allerdings auch wissen, warum ihr Kind nicht mehr Beatles spielt (lacht). Es braucht viel Einfühlungsvermögen, um zu verstehen, was die Schülerinnen und Schüler begeistern kann, und um sie entsprechend zu fördern.

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Top 3: Klavier, Gitarre, Violine

Der Statistikbericht 2025 des Verbands Musikschulen Schweiz zeigt deutlich auf, welche Instrumente Kindern und Jugendlichen an Musikschulen am häufigsten belegen. Es gab auch dieses Jahr keine Überraschungen: nach wie vor sind dies das Klavier, mit deutlichem Abstand vor der Gitarre und der Violine auf dem dritten Platz. Um herauszufinden, warum diese Instrumente so beliebt sind, haben wir mit drei Musikpädagog:innen gesprochen.

Favorit ist das Klavier

Sara Mendes ist Pianistin und Klavierpädagogin, sie studierte in St. Petersburg und in der Schweiz und arbeitet nach beruflichen Stationen in Wollerau, Sydney und Willisau nun seit vier Jahren an der Musikschule der Stadt Luzern. Sie unterrichtet Kinder und Erwachsene und führt ab dem Herbstsemester 2026 zusammen mit drei Berufskolleg:innen das neue Fach „Frühklavier“ ein.

Seit Jahren ist das Klavier das meistbelegte Instrument überhaupt. Was denkst du, warum ist das so?

Vielleicht weil es zu vielen Musikstilen passt. Klavier geht immer. Es ist ein sehr visuelles Instrument, es gibt auf YouTube sehr viele tolle Tutorials, wo man die Tasten von oben sieht und recht einfach Stücke lernen kann. Das machen viele Kinder und Jugendliche so, das sind für uns Pädagog:innen oft auch interessante Entdeckungen. Und das Klavier ist sehr zugänglich. Bei uns zu Hause steht ein Flügel im Eingangsbereich, der nie geschlossen ist. Jeder, der kommt, auch kleine Kinder, probiert das Instrument aus. Es ist sehr spontan, es geht schnell, und es ist unkompliziert. Dabei gibt es noch so viele andere tolle Instrumente (lacht).

Wie bist du auf das Klavier gekommen?

Bei mir war es ein wenig ein Zufall. Ich war als Kind in einer Ballettschule, wo es auch Musikunterricht gab, die Ballettlehrerin hat mir Klavierstunden gegeben. Sie hatte eine kleine Klasse, war aber sehr aktiv, hat uns auch nach Italien an Wettbewerbe geschickt. Als ich etwa 12 oder 13 Jahre alt war, wurde mir klar, dass ich mehr lernen und weiterstudieren möchte. Dass ich mir wünsche, dass es mein Beruf wird.

Hattest du jemals eine Art Krise und hättest dir gewünscht, du würdest ein anderes Instrument spielen?

In der Teenagerzeit hatte ich weniger eine Instrumentenkrise als eine Zeitkrise: Ich fragte mich, ob ich der Musik weiterhin so viel Zeit widmen will. Meine Freunde machten viel anderes in der Freizeit und ich habe täglich viel geübt. Meine Lehrerin war sehr streng. Das andere kam später. Oft denke ich, ich hätte besser das Cello nehmen sollen. Ich habe das Gefühl, dass ein Melodieinstrument noch mehr zu mir passen würde. Cello ist mein Lieblingsinstrument, nach dem Klavier, oder vielleicht sind auch beide auf dem ersten Platz.

Dann wirst du auch Cello spielen lernen?

Nein. Ich habe es schon probiert, mein Sohn spielt Cello und ich habe schnell gemerkt, wie schwierig es ist. Es ist ein langer Weg, bis man auf einem gewissen Niveau ist, das braucht Zeit, die ich im Moment nicht habe. Es wird also wohl ein Traum bleiben. Beim Cello und bei vielen anderen Instrumenten ist es so, dass der Kontakt so eng ist, man kann es umarmen. Das geht beim Klavier nicht. Die Beziehung zum Instrument, diese körperliche Nähe, muss über die Fantasie gehen. Ich bin deshalb etwas neidisch auf Cellisten (lacht).

Gibt es etwas, was du in der allerersten Klavierlektion mit all deinen Schüler:innen machst?

Ich lege viel Wert auf eine gute Orientierung auf den Tasten. Ich probiere mit den Schülern alles aus, alle Oktaven, auch die Pedale. Wir machen Improvisationen mit Tieren, spielen hoch und tief. Die Kinder erfinden Geräusche, spielen nur auf den schwarzen Tasten, alle möglichen Experimente. So bekommen sie schon von Anfang an ein Gefühl für die Grösse des Instruments.

Wie alt sind die Schüler:innen beim Einstieg etwa?

Es gibt immer noch die Idee, dass man erst ab der dritten Klasse mit dem Klavier starten sollte – ich weiss nicht, woher das kommt. ich finde es sehr schön, schon mit Fünfjährigen anzufangen. Ich liebe diese Arbeit. Klar, es ist ein anderes Tempo, man kann nicht dieselben Erwartungen haben, aber wenn man geduldig ist, kann man spielerisch so viel erreichen, die Fantasie des Schülers wecken und das Kind erreichen. In Luzern fangen wir nun mit Frühklavier in Gruppen für Fünf- bis Siebenjährige an. Ich mag diese Unterrichtsform sehr, es bringt eine andere Dynamik. Als Klavierpädagogin sitze ich sonst sehr lange am Klavier, aber in der Gruppe gibt es viel Abwechslung, man steht auf, man tanzt, es ist sehr spielerisch. Die Idee ist, dass die Kinder einen positiven Einstieg in die Musik erleben und gemeinsam mit anderen spielen können.

Wieviele deiner Schüler:innen hat zuhause ein echtes Klavier?

Etwa die Hälfte. Ich empfehle immer akustische Instrumente, aber ich verstehe auch, dass dies nicht für alle Familien möglich ist. Allerdings ist es wichtig zu wissen, dass ein Klavier nicht teuer sein muss. Auf Ricardo gibt es so viele gute Instrumente, die fast verschenkt werden. Und es reicht, wenn das Klavier einmal pro Jahr gestimmt wird. Aber im Endeffekt ist es natürlich eine Entscheidung der Familie, was möglich ist.

Was ist deine Erfahrung – wie viele Jahre kommen die Kinder im Schnitt in den Unterricht? Gibt es eine kritische Phase?

Oft merken sie im Teenageralter, dass sie sich auch noch für andere Dinge interessieren und mit Freunden abmachen möchten. Wenn sie in die Kanti kommen oder mit der Lehre anfangen, machen sie häufig weniger. Im Primarschulalter kommt es aber eher selten vor, dass sie sich abmelden.

Wieviel sollen Klavierschüler:innen ungefähr üben?

Ich sage immer: fünfmal pro Woche spielen, inklusive Klavierstunde, das heisst zuhause viermal. Das mache ich auch mit meinen Kindern so, die beide auch ein Instrument lernen. Ein Grossteil der Arbeit liegt an uns, den Eltern: Wir müssen die Struktur dafür schaffen. Sie brauchen Hilfe, um das zu organisieren, mindestens im Primarschulalter. Man erinnert sie ja auch ans Zähneputzen und ans Duschen. An der Musikschule der Stadt Luzern haben wir jährlich Elterngespräche – dieses Jahr habe ich das Thema Üben ins Zentrum gestellt. Die Eltern sagen immer wieder, dass die Kinder das Üben vergessen, und ich sage dann, ihr dürft sie daran erinnern, sie werden euch später dafür dankbar sein. Aber ich weiss selber wie es ist: mich kostet es als Mutter enorme Energie, nach einem langen Arbeitstag noch diese Rolle zu übernehmen und mit den Kindern zu üben. Aber dann sitzen sie am Instrument und es ist wunderbar.

Wie lange sollen sie üben?

ich finde es nicht sinnvoll, ihnen eine Zeit zu geben, es kann dazu verleiten, sie einfach abzusitzen. Ich gebe den Kindern einen konkreten Plan mit. Oft würfeln wir in der Stunde, um festzulegen, wie oft sie etwas wiederholen sollen, das machen sie sehr gern. Ich gebe immer drei Hausaufgaben mit: eine kleine Übung zum einsteigen, ein Stück an dem wir arbeiten, und dann entweder ein bisschen Theorie oder eine Rhythmusübung, oder die Schatzkiste. Das ist eine Art Repertoirepflege – ein Stück zu spielen, das man gern mag.

Du unterrichtest auch Erwachsene. Wer kommt im Erwachsenenalter in den Klavierunterricht?

Manche sehnen sich zurück in die Jugendzeit und möchten wieder mehr spielen. Es gibt die, die schon als Kind sehr weit gekommen sind, denen ich immer neue Herausforderungen geben kann. Dann gibt es auch die, die neu anfangen möchten. Sie kommen oft mit hohen Ansprüchen an sich, und der Kopf versteht immer sehr schnell, aber die Übertragung, die bei Kindern so intuitiv ist, ist viel schwieriger. Auch die Koordination ist schwierig. Das habe ich ja auch gemerkt, als ich versucht habe, Cello zu lernen.

Nutzt du auch digitale Hilfsmittel im Unterricht oder für zuhause?

Ich habe eine Online-Plattform, auf der jeder Schüler einen eigenen Ordner hat. Dort legen wir zum Beispiel Aufnahmen der Stücke ab, die sie spielen, so dass sie beim Austritt ein Portfolio mit ihren besten Stücken herunterladen können. Dort lege ich auch Aufnahmen oder Übungen ab, die sie zuhause unterstützen könnten, Videos oder Audio. Ich finde das super. Via QR-Code haben sie jederzeit Zugang dazu.

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In herzlicher Erinnerung an Hector Herzig (1954 – 2026)

Am 29. Juni 2026 ist Hector Herzig nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 71 Jahren verstorben. Mit ihm verlieren wir einen Menschen, der unseren Verband stark geprägt hat – als Visionär und als Brückenbauer zwischen Musik und Politik.

Hector Herzig, 2023 im Einsatz für den Verband Musikschulen Schweiz (Bild: Niklaus Rüegg)

Wir schicken voraus: Der Verband Musikschulen Schweiz hat Hector Herzig enorm viel zu verdanken. Er initiierte eine Volksinitiative für mehr Chancengerechtigkeit in der musikalischen Bildung mit, er lancierte das Forum für Musikalische Bildung, lancierte zusammen mit der Hochschule der Künste Bern eine Musikschulleiter-Ausbildung und unterstützte den Verband bei dessen Professionalisierung. Wir schauen mit Dankbarkeit zurück auf die gemeinsam verbrachten Jahre und entbieten Hectors Familie unser herzliches Beileid.

Nach seinem Trompetenstudium an der Zürcher Hochschule der Künste leitete er von 1991 bis 2007 die Musikschule Liestal und entwickelte sie mit klarem Fokus auf Qualität weiter. Von 2006 bis 2012 präsidierte er den Verband Musikschulen Schweiz (VMS) und war einer der Initiant:innen der Volksinitiative «jugend+musik». Zusammen mit Weggefährten formulierte er den Initiativ-Text und setzte sich politisch ein, bis das Schweizer Volk am 23. September 2012 mit historischen 72,7 Prozent Ja-Stimmen den neuen Verfassungsartikel zur musikalischen Bildung annahm. Ein Meilenstein für Musikschüler:innen in der ganzen Schweiz.

Hector liebte den Blick in die Zukunft. Er entwarf Visionen, die andere inspirierten, die etwas ins Rollen brachten. Wer mit ihm zusammenarbeitete, spürte sein Vertrauen: Er liess machen und schuf Freiraum, statt zu bestimmen. Er verstand sich als Ermöglicher. «Trial and error», sagte er oft, und: Erfolg habe drei Buchstaben – T, U, und N. Tun. Gemeinsam tun. Gemeinsam etwas erreichen.

Wie sähe die Musikschule „auf der grünen Wiese“ aus, fragte er sich. Besonders stark bewegte ihn der Wunsch, die Musikschule als Bildungsinstitution näher an die Volksschule zu bringen. Er wünschte sich, dass Musik gleich viel gilt wie andere Schulfächer, und war überzeugt, dass jeder junge Mensch eine solide musikalische Bildung zugute hat – unabhängig von einer professionellen Laufbahn. Für ihn war klar, dass die Gesellschaft Kultur braucht, und insbesondere Musik.

Auch das Forum Musikalische Bildung (FMB), das er 2002 mitbegründete, gehörte zu seinen Visionen. Alle zwei Jahre treffen sich seither Musikschulleiter:innen, Musikpädagog:innen und weitere Menschen, die sich für musikalische Bildung interessieren, während zwei Tagen in Baden (AG), tauschen sich aus, vernetzen sich und entwickeln gemeinsam neue Ideen. Auch das Qualitätsmanagementsystem quarte Open Label für Musikschulen und die Qualifizierung von Musikschul-Leitungspersonen prägte er massgeblich mit.

Seine klare Haltung, unbeirrt von Nebengeräuschen, konnte durchaus polarisieren, es kam im Vorstand manchmal auch zu intensiven Diskussionen. Es beschwerte ihn, wie langsam die politischen Mühlen manchmal mahlten. Trotzdem blieb er auch nach seiner Zeit beim VMS politisch aktiv: als Gemeindepräsident von Langenbruck und von 2011 bis 2019 als Präsident der Baselbieter GLP.

Hector Herzig war ein Mensch, der gross dachte und trotzdem nahbar blieb. Ein Freund der Musik und ein Ermöglicher für viele Menschen und Institutionen. Wir verabschieden uns von ihm mit grosser Dankbarkeit und Respekt. Wir werden ihn als jemanden in Erinnerung behalten, der uns immer wieder ermutigte, gross zu denken, aber im Tun zu bleiben.

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Am 25.7.2026 lädt Hector Herzigs Familie zu einer öffentlichen Gedenkfeier ein.

25.7.2026
Reformierte Kirche
Erikaweg 1
4438 Langenbruck

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Gemeinsam Lösungen für den Fachkräftemangel finden

Was können Musikschulen und Musikhochschulen gegen Fachkräftemangel tun? Am 12. Juni trafen sich Vertretende aller Kantone in Olten zu einem Austausch. Diskussionen in Kleingruppen und inspirierende Inputs lieferten erste Ansätze.

Fragen, die zum Nachdenken bringen: die Teilnehmenden diskutieren in Kleingruppen (Fotos: Anicia Kohler)

„Fachkräftemangel ist national und international ein Thema“, sagte VMS-Präsident Philippe Krüttli zu Beginn des Anlasses, zu dem der Verband Musikschulen Schweiz und die Konferenz Musikhochschulen Schweiz gemeinsam eingeladen hatten, „Wir möchten einen Raum des Austauschs schaffen, um gemeinsam Szenarien zu entwerfen, wie wir der sich abzeichnenden schweren Krise begegnen können.“

Rico Gubler, Leiter Fachbereich Musik der Hochschule der Künste Bern, gab einen Einblick in die Tätigkeiten der Arbeitsgruppe, die die beiden Organisationen gebildet haben. Der Fokus der gemeinsamen Arbeit liege auf drei Aktionsfeldern:

  • Weiterbildung von Musikschullehrkräften
  • Nachqualifizierung von Musikhochschulabsolvent:innen ohne pädagogischen Masterabschluss
  • Praktika/Hospitationswesen

Zudem hätten die Studiengangsleitungen MA Music Pedagogy bereits ein gemeinsames Mindestniveau von B2 bei den Sprachanforderungen festgelegt. Mehr Infos zur gemeinsamen Arbeitsgruppe finden sich im Jahresbericht 2025 des VMS.

Nach einem Austausch in Kleingruppen präsentierte Mathias Lang, Geschäftsführer des Vorarlberger Musikschulwerks, zwei aktuelle Studien. Die „Mikado-Musik“-Studie aus Deutschland von 2025 belegt einen eklatanten Nachwuchsmangel. Aufgrund von Pensionierungen und rückgängigen Studierendenzahlen werden bereits in zehn Jahren rund 11’000 Musikpädagog:innen fehlen. Zu den Handlungsempfehlungen auf allen Ebenen zählen zum Beispiel bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen, die Förderung psychischer Gesundheit, und auch eine Förderung und Flexibilität der künstlerischen Tätigkeit der Musikstudierenden und Musikpädagog:innen.

Diskutieren mit Teilnehemden aus der ganzen Schweiz

In Österreich scheint die Ausgangslage deutlich besser zu sein als in Deutschland, wie erste Ergebnisse einer Studie der Konferenz der österreichischen Musikschulwerke aufzeigt, die Ende 2026 veröffentlicht wird. Der Bedarf an Lehrenden werde in etwa gleich bleiben – rund 3600 Lehrende stünden rund 3000 Absolvent:innen gegenüber. Erschwert wird die Aussage allerdings durch die schwierige Datenlage.

Danach riss Peter Röbke, Musikpädagoge, emeritierter Musikprofessor und Autor den Horizont auf. Angesichts des Lehrkräftemangel an Musikschulen müsse man sich fragen, ob es um Rückbau oder Stellenschrauben gehe – oder ob man nicht eher über Transformation nachdenken müsste. „Wir alle wollen für Musikschulen kämpfen“, sagt er, „Wir können Krisen als Chance sehen.“

Er machte Mut dazu, die Musikschule als eine „andere Schule“ zu denken, die flexibel sei, die Lern- und Musizierwelten auch ausserhalb des eigentlichen Unterrichts eröffne. Die Mikado-Musik-Studie zeige das Spannungsfeld zwischen künstlerischer und pädagogischer Praxis deutlich auf. 70% der Studienteilnehmenden stimmten der Aussage zu, dass künstlerische Entfaltung in anderen Berufen besser möglich sei. Als Beispiel für eine „andere Schule“ nannte er Dortmund Musik!, eine Musikschule mit sieben Sparten, zu denen auch „Live on Stage“, „Digital“ oder „House of Pop“ gehören.

Schliesslich plädierte er darauf, die spezielle Situation der Generation Z zu berücksichtigen. Das Konzept Zukunft sei für sie fraglich geworden, noch nie zuvor habe es eine solche Ballung an globalen Krisen gegeben. Wenn sich die Musikschule für Neues öffne, könne sie dadurch als Arbeitsplatz auch an Attraktivität für die jungen Arbeitnehmenden gewinnen.

„Vom intensiven Austausch und den Zukunftsideen bin ich sehr inspiriert“, meinte Valentin Gloor, Präsident der Konferenz Musikhochschulen Schweiz zum Schluss, und rief zum gemeinsamen Weiterdenken auf. Auch Philippe Krüttli bedankte sich für den Dialog und entliess die Teilnehmenden ins sonnige Wochenende.

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Musik für 0 – 4jährige: Zu Besuch im Eltern-Kind-Singen

Rund die Hälfte der Musikschulen bietet musikalische Einstiegskurse für Vorschulkinder an. Unterrichtet werden diese von qualifizierten Musikpädagog:innen, die die spezifischen Bedürfnisse der Altersgruppe – und der Eltern – gut kennen. Ein Einblick.

Klänge erforschen, singen, tanzen, trommeln: Eltern-Kind-Musik (Fotos: Anicia Kohler)

Es ist fast neun Uhr morgens in Belp, in der Musikschule Region Gürbetal im Kanton Bern. Die Tür zum Saal geht auf, ein etwa zweijähriges Mädchen kommt an der Hand seiner Mutter herein, ein anderes springt auf und bringt ihm freudestrahlend eine Rassel. Kurz darauf stimmt Kursleiterin Anja Martin ein Willkommenslied an: „Wär isch hüt aues da?“ Jedes Kind und jeder Elternteil werden persönlich begrüsst. In den nächsten rund fünfzig Minuten kommen kleine Glöckchen und Tambourine genauso zum Zug wie das Klavier, das einen Tanz musikalisch untermalt – und viele Lieder.

Gemeinsam in die Musik einsteigen

„Die Kinder saugen die Musik förmlich auf“, sagt Anja Martin, „Immer wieder berichten Eltern davon, dass sie zuhause nun singen. Es ist ein schöner Einstieg in die Musik.“ Die Geigerin, die unter anderem im Berner Kammerorchester und in der Sinfonietta Basel spielt, unterrichtet das Fach Eltern-Kind-Musik seit fünf Jahren an mehreren Musikschulen. Begleitend dazu spielt sie auch Kinderkonzerte und lädt die kleinen Schüler:innen und ihre Eltern auch mal an eine Hauptprobe eines Konzerts ein, an der sie selber mitspielt. „Musizieren im frühesten Kindesalter ist besonders sinnvoll, das zeigen viele Studien“, sagt auch Dorothee Schmid, Leiterin der Musikschule Region Gürbetal, „Und zudem ist es für uns ganz toll, dass Kinder und Eltern bereits früh mit der Musikschule in Kontakt kommen.“ Das Fach Eltern-Kind-Musik werde bereits seit dreissig Jahren angeboten – einziger Wermutstropfen sei die fehlende Subventionierung, die erst im Schulalter beginnt. Dank einer Stiftung könnten die Preise trotzdem tief gehalten werden. In Zusammenarbeit mit einer Kirchgemeinde soll bald ein neues Angebot lanciert werden, das Deutschkurse für Migrant:innen mit Eltern-Kind-Musik kombiniert.

Ein Erlebnis für Kinder – und für die Eltern

Auch in der Romandie zählt die vorschulische musikalische Bildung zu einem Grundpfeiler des Angebots. „Kleinkinder haben eine natürliche musikalische Sensibilität“, sagt Marie Reymond, Leiterin der Ecole de musique de Lausanne. Während Kurse für Kinder und Eltern in der Deutschschweiz oft erst ab etwa zwei Jahren starten, gibt es hier drei Abstufungen im Fach „Eveil musical“: für die Kleinsten, für 2-3jährige und für 3-4jährige, jeweils mit den Eltern zusammen. Rund die Hälfte besucht danach die darauf aufbauende dreijährige „Initiation musicale“ und bringt so mit sieben Jahren bereits ordentlich Rüstzeug für den Instrumentalunterricht mit. „Es ist sehr bereichernd, die Kinder während mehrerer Jahre zu begleiten“, berichtet Wolfgang Leresche, der sämtliche Altersgruppen unterrichtet, „Die ganz Kleinen gehen so spielerisch und fröhlich an die Musik heran. Zudem sehe ich auch, dass die Kurse Raum für schöne Momente zwischen den Kindern und ihren Eltern schaffen. Das finde ich sehr schön.“

Kursleiterin Anja Martin von der Musikschule Region Gürbetal

Fachausbildungen: auch für Kita und Spielgruppe

Für den Musikunterricht mit den Kleinsten können sich Musikpädagog:innen mit fachspezifischen CAS qualifizieren, die mehrere Hochschulen in der Deutschschweiz und in der Romandie anbieten. Auch die Musikschule „Espace musical“ und der Verein Eltern-Kind-Singen bilden Interessierte aus. Alle Ausbildungen geben Einblick in musikalische und allgemeine Entwicklungspsychologie, Methodik/Didaktik, altersgemässe Lied- und Spielrepertoires sowie in die Planung und Umsetzung eigener Angebote in der Musikschule, aber auch in der Kita und der Spielgruppe.

Musikalische und soziales Lernfeld

Besonders wichtig bei der Unterrichtsplanung ist der ritualisierte Ablauf. „Das ist für die Kinder zentral, denn der Unterricht fordert sie stark“, meint Andrea Strohbach von der Musikschule Luzern. Wenn der Ablauf immer ähnlich sei, wüssten die Kinder nach dem zweiten, dritten Mal wie es laufe und sie trauten sich immer mehr zu. Mithilfe von Liedern, Geschichten und Klangexperimenten – zum Beispiel laut und leise trommeln, Geräusche nachmachen, hohe und tiefe Töne erkennen – sammeln die Kinder erste musikalische Erfahrungen. Aber auch die Eltern profitieren. „Es tut den Eltern gut, loszulassen und ohne Druck Musik zu machen“, meint Martina Felber, Co-Präsidentin des Vereins Eltern-Kind-Singen, dem zahlreiche Musikschulpädagog:innen,  auch Anja Martin und Andrea Strohbach, angehören. Sie beobachtet auch, dass Familien mit kleinen Kindern manchmal der Kontakt zu Gleichaltrigen fehle: „In den Kursen entstehen Freundschaften.“

Zuhause weitersingen

Das bestätigen auch die Teilnehmenden in Belp, wo die Stunde unterdessen mit dem Abschiedslied geendet hat. Nach einem Besuch in der Zwergenwelt, Experimenten mit Geräuschen und Klängen und einem wilden Stopptanz sind die Kleinen sichtlich erschöpft. Sie habe nach einem Angebot gesucht, das ihr und ihrer Tochter unter der Woche soziale Kontakte ermögliche, berichtet eine Mutter, und eine andere ergänzt, das sei umso wichtiger, weil sie nicht in die Kita gehe. Für das Eltern-Kind-Turnen seien die Kinder noch zu klein. Nicht zu klein aber, um die Lieder aus dem „El-Ki-Singen“ zuhause nach- oder den Grosseltern vorzusingen.

Neue Rubrik: Musikalische Bildung in der Schweiz

Einzelunterricht, Chöre, Begabtenförderung, berufliche Ausbildung – die musikalische Bildung ist in der Schweiz breit aufgestellt. Der Verband Musikschulen Schweiz (VMS) und die Konferenz der Musikhochschulen Schweiz (KMHS) stellen Akteur:innen und Zielgruppen neu unter dem gemeinsamen Label „Musikalische Bildung in der Schweiz“ vor.

Musikalische Bildung Schweiz – eine Initiative des VMS und der KMHS

Der Verband Musikschulen Schweiz (VMS) ist die Dachorganisation der lokalen und regionalen Schweizer Musikschulen sowie ihrer kantonalen und interkantonalen Verbände. Er repräsentiert die rund 360 in die Kantonalverbände eingebundenen Musikschulen. In der KMHS haben sich die sieben anerkannten Musikhochschulen der Schweiz zusammengeschlossen.

2026 steht die neue Rubrik ganz im Zeichen der verschiedenen Altersgruppen, die in der Schweiz von musikalischer Bildung profitieren – vom Kleinkind bis zur Seniorin. In der aktuellen Ausgabe geht es um die Kleinsten. Wie entstehen professionelle erste Begegnungen mit Musik für Vorschulkinder? Welche Rolle spielen die Eltern? An welchen Institutionen können sich Musikpädagog:innen für dieses wichtige Berufsfeld qualifizieren? Redaktorin Anicia Kohler führte Gespräche mit Expert:innen und Eltern, und Dr. Mary Brice berichtet von den pädagogischen Inhalten in der Ausbildung an der Haute école de musique de Genève (HEM).

Gemeinsam für die Blasmusik

Immer weniger Kinder erlernen Blasinstrumente – das spüren nicht nur Musikschulen, sondern auch Blasmusikvereine. Regionale Zusammenschlüsse wie die neu gegründete Regionale Jugendmusik Aareland schaffen Abhilfe.

Nachwuchs in der Blasmusik (Bild: Gabi Pavanello)

„Jugendförderung ist ein Thema für alle“, sagt Fabian Gaberthüel, „Du kannst nicht einfach ins Dorf fahren, unterrichten und wieder nach Hause gehen.“. Der Schlagzeuglehrer an mehreren Aargauer Musikschulen, der auch im Musikverein Rothrist mitspielt, sagt dies aus langjähriger Erfahrung. Blasmusikvereine bräuchten Nachwuchs, Jugendliche profitierten vom Zusammenspiel im Verein – und Musikschulen sorgten für ihre Ausbildung. Da es in der Region zwar fünf Blasmusikvereine aber nur noch eine Jugendmusik gab, entschied er sich vor zwei Jahren dazu, aktiv zu werden. „In den fünf Gemeinden in der Umgebung haben wir 4400 Schulkinder, von denen rund jedes fünfte ein Instrument spielt“, rechnet er vor, „Rund 80 spielen ein Blasinstrument, und rund 90 Schlagzeug. Das gibt ein enormes Potential. Er erarbeitete ein Konzept für eine Regionale Jugendmusik, organisierte Kennenlerntreffen mit Musikschulen und Musikvereinen und stellte die Idee auch sämtlichen Musikpädagog:innen persönlich vor. „Wir wollten alle Beteiligten ins Boot holen“, sagt er, „Es braucht alle: Die Vereine, die Musikschulen und die Lehrpersonen.“ Im Februar 2026 fand die erste Probe mit fünfzehn Jugendlichen statt, bereits sind erste Konzerte geplant.

Fabian Gaberthüel, Initiant der Regionalen Jugendmusik Aareland (Bild: zvg)

Enge Zusammenarbeit mit den Musikschulen

Dank der dreiteiligen Struktur wird die Regionale Jugendmusik eng in bestehende Angebote eingebunden. Die Stufe „Mini“ wird an den Musikschulen durchgeführt, wo Kinder und Jugendliche in Bläserensembles erste Spielerfahrungen sammeln können. Die Stufe „Midi“ entspricht der neu gegründeten Regionalen Jugendmusik, und auf Stufe „Maxi“ treten die Jugendlichen in den Blasmusikverein ein. „Die Regionale Jugendmusik soll der Topf sein, aus dem sich die Musikvereine alimentieren können“, so Fabian Gaberthüel. Dass es nach intensiver Aufbau- und Vermittlungsarbeit nun geklappt habe mit der neuen Jugendmusik, sei für ihn der höchste Lohn.

Regionale Struktur auch im Berner Oberland

Ähnliches berichtet auch Marco Aebersold. Der heutige Leiter der Musikschule Aarberg stellte vor rund zwanzig Jahren zusammen mit seinem Kollegen Jörg Burkhalter, beide Blasmusikdirigenten, das Jugendblasorchester unteres Simmental – kurz JBUS – auf die Beine. „Die Vorbereitungsarbeit dafür war sehr intensiv“, sagt er, „Es ging darum zu sensibilisieren, und auch Ängsten zu begegnen.“ Dank einem vereinsübergreifenden OK konnte das Jugendblasorchester sicherstellen, dass der Nachwuchs in die einzelnen Vereine nachrücken würde. Es sei wichtig, sich intensiv um den Nachwuchs zu kümmern, man müsse Brücken schlagen, einen Bezug schaffen zu den Erwachsenenvereinen.

Ein Gewinn für beide Parteien

Schon damals suchte das JBUS die Zusammenarbeit mit den Musikschulen – beide Gründer unterrichteten selber auch an der örtlichen Musikschule. Als Musikschulleiter sieht Marco Aebersold dies heute noch als Vorteil: „Wenn Musikpädagog:innen sich auch für die Blasmusikvereine engagieren, ist das ein absoluter Gewinn für beide Parteien.“ Blasmusikvereine seien sehr wichtige Partner für Musikschulen. Da sie im Einzugsgebiet der Musikschule Aarberg musikalisch sehr aktiv seien, sei es umso wichtiger, dass die Kinder und Jugendlichen an der Musikschule vorbereitet und gefördert würden. „Für den Zusammenhalt in der Gesellschaft sind die Blasmusikvereine zentral“, sagt er, „Sie bringen unterschiedliche Altersgruppen, unterschiedliche Menschen zusammen. Man kann nicht genug honorieren, dass es die Blasmusik gibt – sie ist ein verbindendes Hobby.“

Das Eidgenössische Musikfest 2026

Sie sei ein Vereinsmensch, sagt Nadja Günthör, OK-Präsidentin des Eidgenössischen Musikfests 2026 in Biel: „Das Vereinsleben schrumpft, das ist sehr schade.“ Entsprechend sei bei der Organisation des ersten Eidgenössischen seit zehn Jahren darauf geachtet worden, dass die Jugend viel Platz bekomme, und dass Generationen zusammenrückten. „Wir Menschen leben von Emotionen und Leidenschaft – dafür ist die Musik da“, sagt sie. Blasmusikvereine, Musikschulen, auch kantonale und nationale Verbände zögen gemeinsam am gleichen Strick, und deshalb lohne sich, miteinander zu kommunizieren, mutig zu sein, und anzupacken.

Auch Musikschulen standen beim EMF auf der Bühne

Dass die Musikschule Biel – wie sämtliche Musikschulen in der Region – angefragt wurden, am EMF mitzuspielen, freut die stellvertretende Musikschulleiterin Isabelle Lehmann sehr. Mehrere Formationen, zum Teil extra für den Anlass gegründet, standen auf der Bühne. In Biel sind die Belegungszahlen bei den Blasinstrumenten stabil, rund ein Fünftel aller Schüler:innen nehmen Einzelunterricht in einem Blasinstrument, dazu kommen noch zwanzig klassische Schlagzeug-Schüler:innen. Ein Drittel aller Schüler:innen mit Blasinstrument sind zudem Mitglieder des JUBIS, des Jugendensembles der Stadtmusik Biel. „Blasmusikvereine decken etwas ab, was wir nicht können“, sagt Isabelle Lehmann, „Das gemeinsame Musizieren in einem grossen Ensemble, das Vereinsgefühl und die Ausflüge oder Wochenenden. Wir können uns gegenseitig bereichern.“

„Wir Menschen leben von Emotionen und Leidenschaft – dafür ist die Musik da. Deshalb ist Zusammenarbeit wichtig. Es braucht alle: Blasmusikvereine, Musikschulen, auch kantonale Verbände und Sektionen.“

Nadja Günthör, OK-Präsidentin EMF 2026

Das Eidgenössische Musikfest 2026: 550 Blasmusikvereine aus der ganzen Schweiz (Foto: Roger Stöckli)

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Damit möglichst viele Musik machen – Breiten- und Begabtenförderung

Der Bildungsauftrag von Schweizer Musikschulen ist breit – er umfasst die musikalische Breitenförderung genauso wie das Erkennen und Fördern von besonderen musikalischen Begabungen. Ein Einblick in aktuelle nationale und lokale Angebote.

Eine Begabung beschreibt laut Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm ein Potential zu ungewöhnlicher Leistung. Ein Potential also, das sich nicht von selber entfaltet, sondern das entdeckt und sorgfältig gefördert und entwickelt werden will. Wichtige Faktoren sind dabei eine fördernde und begleitende Umgebung, aber auch die individuelle Motivation und die sozialen Kompetenzen eines Kindes. Ebenso zentral ist die Zusammenarbeit von Musikpädagog:innen und Eltern – und der Bildungsinstitutionen untereinander, gerade wenn es ums Entdecken von begabten Kindern und Jugendlichen geht, so der Leitfaden zur Begabtenförderung des VMS.

Junge Talente Musik

Im Rahmen von „Junge Talente Musik“ unterstützt der Bund die Kantone bei der Weiterentwicklung und Umsetzung der Begabtenförderungsprogramme. Die Beiträge werden an Talente zwischen 4 – 25 Jahren gesprochen. Insgesamt gibt es vier Förderstufen: Basis, Aufbau I, Aufbau II (Laien) und Pre-College. Die Aufnahme eines Talentes ins Förderprogramm erfolgt nach einer erfolgreich bestandenen Aufnahmeprüfung. Fast alle Kantone haben Stand Frühjahr 2026 bereits ein eigenes Konzept zur Begabtenförderung beim Bund eingereicht. Konkret bedeutet dies, dass begabte Kinder, die die Eintrittsprüfung ins Talentförderungsprogramm erfolgreich absolvieren, nun jährlich je nach Förderstufe mit zwischen 1000 – 2500 Franken finanziell unterstützt werden. Die kantonalen Programme umfassen dabei nicht nur den Instrument am Hauptfach, sondern oft auch an einem Nebeninstrument, sowie auch Workshops, Theorieunterricht, verschiedene Ensembles und Auftrittsmöglichkeiten.

Pre-College Days 2026

Bereits zum dritten Mal fanden Ende Januar 2026 die Pre-College Days für begabte Schüler:innen der obersten Förderstufe statt. Dieses Jahr wurden sie von der Musik-Akademie Basel ausgerichtet. Rund 100 Teilnehmende aus der ganzen Schweiz reisten für ein Wochenende nach Basel-Stadt, besuchten Workshops aus einem vielfältigen, spartenübergreifenden Angebot und spielten gemeinsame Konzerte. „Die jungen Musizierenden waren sehr offen und neugierig und haben den Austausch miteinander genossen“, berichtet Martin Neher, Stellvertretender Leiter der Musikschule Basel. Von diesem Austausch auf nationaler Ebene hätten auch die Dozierenden aus den Bereichen Klassik, Alte Musik, Jazz und Musik und Bewegung profitiert, und die Standortleitungen aus anderen Pre-Colleges in der Schweiz.

„Es ist wichtig, Strukturen zu haben, die Begabungen erkennen können“, sagt er, „Wo ist eine Affinität da, eine Neugierde, Freude an der Materie?“ Dafür brauche es institutionalisierte Werkzeuge und kompetente Pädagog:innen: „Es gibt so viele verborgene Talente. Sein individuelles Talent entfalten und zum Ausdruck bringen zu dürfen, ist ein Bildungsrecht, das allen zustehen sollte.“ Deshalb sei ohne Breitenförderung keine Begabtenförderung möglich, betont er. „Breitenförderung ist die Basis. Nur so können Talente entdeckt werden, nur so gibt es auch eine Chancengerechtigkeit.“

Schlüsselpersonen bei der Breitenförderung

Musikpädagog:innen seien Botschafter:innen der musikalischen Bildung und setzten sich für Chancengerechtigkeit ein, bestätigt das Berufsbild ‚Musikpädagog:in‘ des VMS. Einerseits kommen ihnen eine Schlüsselrolle bei der Entdeckung musikalischer Talente zu – und andererseits wecken sie Freude an der Musik, fördern das Selbstvertrauen und setzen alters- und interessenangepasste Ziele. Eine besonders wichtige Rolle in der Breitenförderung spielen Ensembles, Freizeitlager oder Konzertprojekte, die nicht nur musikalische, sondern auch soziale und gesellschaftliche Ziele verfolgen. Solche Angebote – von Musikschulen, aber auch von Musikvereinen – werden vom Bundesamt für Kultur mit dem Programm „Jugend+Musik“ unterstützt.

Jugend+Musik

Ein Beispiel dafür ist die Société des accordéonistes „L’Echo des roches“ im Kanton Fribourg, geleitet vom Musikpädagogen Julien Tudisco. Er unterrichtet Akkordeon im Einzelunterricht und dirigiert die Ensembleproben für die verschiedenen Altersstufen. „Für die Kinder und Jugendlichen geht es nicht nur ums Musikmachen“, sagt er. „Es ist nebst der Schule und dem Elternhaus ein anderer Ort, wo sie ihren Platz finden, sich ausleben dürfen.“ Der Verein ist altersdurchmischt, was dazu führe, dass Ältere die Jüngeren musikalisch, aber auch sozial betreuen könnten. Zudem könnten die Jugendlichen schon früh organisatorisch mithelfen und Erfahrungen sammeln. „Das finde ich sehr wichtig“, meint er. „Klar, ich bin Musiker und möchte ihnen das Akkordeon näherbringen, aber wenn ich sehe, wie sich über die Jahre Beziehungen aufbauen, die sie auch in schwierigeren Zeiten tragen, dann freut mich das riesig.“ Gerade der soziale Faktor führe dazu, dass Kinder sich fürs Akkordeon interessieren, weil sie auch im Verein mitspielen möchten – das sei bei einem Instrument, an das Kinder und Eltern nicht als erstes denken, sehr schön. Nicht zu unterschätzen sei zudem die Tatsache, dass Jugendliche, die aktiv im Verein seien,  ihr Instrument bei den sonst kritischen Übergängen in die Oberstufe oder beim Eintritt in die Lehre seltener weglegen würden. „Ich leite L’Echo des Roches nun seit 15 Jahren“, sagt Julien Tudisco, „Im erwachsenen Ensemble sind viele dabei, die schon als Kinder bei uns angefangen haben. Sie machen die Rekrutenschule und kommen danach wieder zurück in den Verein, sie absolvieren ein Studium und kommen wieder zurück. Das ist sehr schön.“

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Music Producing: Immer häufiger im Angebot

Producing, Musik & Computer, elektronische Musik: Immer mehr Jugendliche nehmen Unterricht in Fächern, die nicht nur an traditionellen Instrumenten stattfinden. Musikpädagog:innen aus der ganzen Schweiz berichten von ihren Erfahrungen.

Schüler:innen am Institut Dalcroze in Genf mit Musikpädagogin Margaret Harmer (Bild: zvg)

Heutzutage ist es in der Musikproduktion praktisch unmöglich, ohne Computer auszukommen“, sagt Mauro Fiero, Musikpädagoge am Centro Studi Musicali (CSM) in Lugano. Eine Tatsache, die sich im Angebot der VMS-Musikschulen zunehmend spiegelt. Während manche regelmässig eintägige Einführungskurse in Ableton oder andere DAW (Digital Audio Workstations) durchführen, bieten andere Gruppen- oder Einzelunterricht an.

Einführung in die Synthese

Am Institut Dalcroze in Genf zum Beispiel unterrichtet Margaret Harmer schon seit zehn Jahren  das Fach „Aktuelle elektronische Musik“ (musiques électroniques actuelles) im wöchentlichen Gruppenunterricht für Jugendliche. „Elektronische Musik gibt es schon seit fünfzig Jahren“, sagt die Elektronikkünstlerin und Schlagzeugerin, „Es ist deshalb sehr wichtig, sie zu unterrichten.“ Sie macht mit den Jugendlichen Sampling-Projekte, vermittelt die Geschichte von Hip Hop und Techno (unter anderem), und führt sie in die Synthese ein. Gearbeitet wird mit GarageBand, Logic, Ableton oder Maschine, je nach Vorwissen oder Wunsch der Schüler:innen. Am Ende des Schuljahrs produzieren die 12 – 17jährigen eigene Projekte, manchmal ganze Alben. Was Margaret Harmer besonders wichtig ist: „Ich wünsche mir, dass die Jugendlichen einen ganz eigenen musikalischen Geschmack entwickeln.“

Die Musikwelt der Schüler:innen

„Es ist ein riesiges Feld – der Computer ist ein Instrument für sich“, sagt Marc Scheidegger, Bereichsleiter an der Musikschule Region Sursee. Auch er unterrichtet schon länger Producing für Schüler:innen ab Oberstufenalter, zusätzlich zur E-Gitarre. Zum Angebot an der Musikschule kam es, weil das Mischpult in seinem Unterrichtszimmer immer wieder zur Sprache kam – kann ich damit aufnehmen? Welche Effekte gibt es? Er ging mit der Idee, das Fach Producing separat zu unterrichten, zur Schulleitung, entwickelte mit dem seinem Kollegen Mathias Droll einen Fachbeschrieb, und stellte dann Materialboxen für den Unterricht zusammen. Sie enthalten je einen Laptop, ein Tablet, einen Zoom-Recorder und Mikrophone und können nun niederschwellig auch von anderen Musikpädagog:innen genutzt werden – und in Klassenkursen an der Schule sowie Ferienangeboten. „Die Schüler:innen interessiert Producing sehr“, sagt er, „Es ist ihre Musikwelt. Für mich war es klar, dass wir das anbieten sollten.“ Anhand praktischer Beispiele nimmt er Themen aus der Harmonielehre oder der Rhythmik auf. Geplant ist in Zukunft auch eine Vertiefung in Live-Mixing.

Kurse mit Warteliste

Üben denn die Schüler:innen zuhause? Es sei vergleichbar mit jedem anderen Instrument, meint Marvin Trummer, Keyboarder, Produzent und Pädagoge an der Musikschule Konservatorium Zürich – einige machen zuhause sehr viel, andere nicht. Er unterrichtet seit fünf Semestern einen Gruppenkurs mit zwei Niveaus, der für Schüler:innen, die an der MKZ Einzelunterricht an einem Instrument belegen, kostenlos ist. Der Kurs stösst auf grosses Interesse, es besteht eine Warteliste.  „Ich sehe den Unterricht als Türöffner“, sagt er, „Ich wäre damals sehr froh darum gewesen, bei mir gabs nur Chopin …“. Er baut im Unterricht zum Beispiel den Drumbeat eines Songs nach, von der Aufnahme bis zur Bearbeitung, um das Gehör zu schulen, oder er bringt zur Begeisterung der Schüler:innen einen analogen Synthesizer oder eine Tape-Maschine mit.

Producing im PreCollege

Bereits seit den 90er Jahren wird Producing unter wechselnden Namen an der Musikschule der Stadt Basel angeboten. Tomek Kolczynski unterrichtet die Jugendlichen in der Einzelstunde. Rund drei Viertel von ihnen arbeiten mit Ableton, andere mit Logic oder Fruity Loops. Die Schüler:innen haben auch die Möglichkeit, sich im PreCollege auf den Studiengang Audiodesign an der Hochschule vorzubereiten. Im Rahmen dieser Vorbereitung vermittelt er das Grundwissen über Synthese, Sampling und Live-Elektronik. Als wichtig erachtet er es auch den Schülern einflussreiche Künstler:innen aus der Geschichte der Elektronischen Pop – und Tanzmusik zu zeigen.

Kompetenz erlernen

Künstliche Intelligenz macht ihm keine Sorgen: „Sie ist musikalisch noch nicht wirklich nutzbar“, meint er. „Und wenn es dann soweit ist, freue ich mich auf ein neues Tool.“ Auch Marvin Trummer sieht KI als interessantes Tool, sie könne aber auch zur „Kreativ-Killerin“ werden. Deshalb sei sie im Unterricht aktuell kein Thema.

Mauro Fiero betont, dass ein kompetenter Umgang mit den zur Verfügung stehenden Werkzeugen den Musikproduktionsprozess optimiere: „So kann man sich ganz auf die künstlerische und kreative Seite der Musik konzentrieren.“

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Kurz-Infos Producing an Musikschulen

  • Kurse, Einzel- oder Gruppenunterricht
  • Ausrüstung: Laptops, Midi-Keyboards, DAW
  • Vorbedingung: manchmal parallel dazu Solfège-Unterricht, oder Unterricht an einem Instrument (zB Klavier, Gitarre, Drums), aber nicht zwingend
  • Alter: meist ab etwa 12 Jahren

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50 Jahre VMS – Jubiläumsfeier in Bern

Rund 150 geladene Gäste feierten den Verband Musikschulen Schweiz am 21. November. Die Ansprache von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider über den Wert von Musik und die vielfältigen musikalischen Beiträge talentierter Jugendlicher gehörten zu den Highlights des Feier.

Jubiläumsfeier im Konservatorium Bern (Bilder: Roland Juker)

Bereits lag ein bisschen Schnee in der Berner Altstadt, als die Gäste am späten Nachmittag im Konservatorium Bern eintrafen. Zur Einstimmung hörten sie einen Zusammenschnitt aus über 100 Stunden Podcasts, die im Rahmen der Jubiläumstournee im September an Musikschulen aus 17 Kantonen produziert worden waren. Danach betrat das Jugend Sinfonie Orchester Bern (JSO) die Bühne. Die Musiker:innen im Alter von 13 – 23 Jahren unter der Leitung von Droujelub Yanakiew eröffneten den Anlass nicht mit einem energischen Gassenhauer, sondern ganz im Gegenteil sehr leise mit schimmernden Akkorden der Streicher und einem sanften Frage- und Antwortspiel der Holzbläser:innen auf der Empore. Eine hochkarätige Interpretation des Stückes  „The Unanswered Question“ von Charles Ives, für das das JSO viel Applaus erhielt – und laute Bravorufe.

Philippe Krüttli, seit 2022 Präsident des Verbandes, begrüsste die Anwesenden mit einem tief empfundenen Dank, einem Rückblick und einem Ausblick auf die Tätigkeiten des VMS. Er betonte insbesondere das grosse Engagement der rund 370 Musikschulen, die dem VMS via Kantonalverbände angeschlossen sind.

Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider eröffnete ihre Festansprache mit einem Zitat von Albert Einstein, der meinte, er wäre vermutlich Musiker geworden, wenn er nicht Physiker wäre. Er denke in Musik, lebe seine Tagträume in Musik, sehe sein Leben als Ausdruck der Musik. Sie hob die Kompetenzen hervor, die die Musik und das Zusammenspiel oder -singen im Chor und Orchester fördert, und bezeichnete sie als Schlüsselkompetenzen der Zukunft. Der VMS sei für den Bund ein zentraler Partner, gemeinsam habe man die beiden nationalen Programme Junge Talente Musik und Jugend+Musik entwickelt. „Die Musik ist kein Luxus und darf auch keiner werden“, sagte sie.  Schliesslich bedankte sie sich bei den Musikschulen und den Musikpädagog:innen. Ihre Arbeit erfordere Kompetenz und Leidenschaft – sicher könnten sich die Anwesenden alle an engagierte Musikpädagog:innen erinnern, die ihnen die Welt der Musik eröffnet hätten. Für ihre Rede und die spontanen Fragen an die Musiker:innen des JSO erntete auch sie einen grossen Applaus.

Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider im Gespräch mit Musiker:innen des Jugend Sinfonie Orchesters (Bild: Roland Juker)

Yvonne Glur, Vizepräsidentin des Schweizer Musikrats, in Vertretung des SMR-Präsidenten Stefan Müller-Altermatt, meinte in ihrer Ansprache: „Dass es Musikschulen gibt, ist von unschätzbarem Wert für die Gesamtgesellschaft. 600’000 Amateure und Profis sind im Schweizer Musikrat vereint. Ohne den VMS, ohne die Musikschulen wäre es nur ein Bruchteil.“ Auch Andreas Wegelin, Präsident des Schweizer Jugendmusikwettbewerbs und CEO der SUISA, bedankte sich beim VMS. Musikalisch begabte Kinder zu fördern, sei eine sinnstiftende Arbeit, die der VMS und der Schweizer Jugendwettbewerb gemeinsam hätten. Er wies zudem auf Gefahren hin, die das Schweizer Musik- und Kulturschaffen bedrohten: Künstliche Intelligenz, die weltweit verlässliche Regeln erfordere, damit Kreativität nicht wegrationalisiert werde – und die Halbierungsinitiative.

Der 14jährige Yann Hostettler zeigte mit drei Stücken auf, was mit dem Hackbrett musikalisch alles möglich ist. Er spielte ein Stück von den Beatles, den Appenzeller Bläss sowie auch Yann Tiersen. Und David Barta aus Lausanne, der sich für elektronische Musik begeistert, spielte einen Drum’n’Bass-Track ab und gab anschliessend Einblick in seine Ableton-Session, präsentierte seinen Lieblings-Synthesizer und erklärte die Effekte, die er über die einzelnen Spuren gelegt hatte. Für Begeisterung sorgte auch der Auftritt eines Jazz-Ensembles der Swiss Jazz School Bern – die Musiker:innen spielten ganz am Schluss zwei modale Stücke voller Energie.

Schliesslich verdankte Vorstandsmitglied Eva Crastan die Musikschulen und ein Team von power_up Radio der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, die die Jubiläumstournee möglich gemacht hatten.

Mit einem Apéro Riche ging der Abend bei gemütlichem Beisammensein zu Ende. Die Gäste aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland tauschten sich aus und stiessen miteinander an. Auf weitere 50 Jahre, hiess es dabei mehrmals – das wollen wir gern hoffen.

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Ein Digitalisierungskonzept für die musikalische Bildung

In enger Zusammenarbeit mit Expert:innen und der Delegiertenversammlung entwickelte der Verband Musikschulen Schweiz ein Digitalisierungskonzept.

Es ist als strategischer Handlungsrahmen für Musikschulen und Kantonalverbände und auch den VMS selbst gedacht und enthält Hintergrundinformationen und Empfehlungen für den digitalen Wandel in der musikalischen Bildung. Leitfrage ist die Folgende: Wie können die Chancen der Digitalisierung wirksam und sinnvoll für die musikalische Bildung und die Organisation der Schweizer Musikschulen genutzt werden? Das Konzept ist als Website angelegt. Es gibt Musikschulen Grundlagen und Empfehlungen in die Hand, und wird so zum Instrument für die Entwicklung eigener Digitalisierungs-Strategien.

KI in Musikschulen?

Richard-Emmanuel Eastes ist promovierter Pädagoge und Philosoph und arbeitet als Wissenschaftskommunikator, Berater, Dozent und Leiter der Abteilung für Bildungsentwicklung und Innovation an der HES-SO. Dort ist er auch Mitglied der KI-Steuerungsgruppe. Er beriet den VMS bei der Entwicklung eines Digitalisierungskonzepts für Schweizer Musikschulen.

Richard-Emmanuel Eastes, wie kann KI einer Musikschule nützen?

Es ist wichtig, zwischen Tools und der Umsetzung zu unterscheiden. Für den VMS ist die Umsetzung wichtig. Wir haben bei der Entwicklung des Digitalisierungskonzepts vier Kategorien definiert: die Verwaltung, den Unterricht, das musikalische Schaffen und die Kommunikation. Chatbots wie ChatGPT sind sehr hilfreich, um uns bei zeitaufwändigen Aufgaben zu unterstützen: Briefe schreiben, Protokolle verfassen und Kurzberichte erstellen. KI kann beispielsweise handgeschriebene Notizen umwandeln und uns bei der Strukturierung von Dokumenten, Kursübersichten und Stundenplänen unterstützen. Es gibt auch Tools, die anschauliche Bilder oder sogar Videos generieren. Unterdessen gibt es verschiedene spezialisierte Tools, wie zum Beispiel Metronaute (siehe Artikel auf der Fokus-Seite, Anm. d. Redaktion), die im Unterricht hilfreich sein können. Eine andere Anwendungsmöglichkeit sind Tools, die beim Finden von Ideen oder Sounds unterstützen. Auch im Bereich der Inklusion kann KI unterstützend einwirken.

 

Direkt weiter zum Digitalisierungskonzept

Screenshot des interaktiven Digitalisierungskonzepts – einem Rahmendokument für Musikschulen

 

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20 Jahre MAS Musikmanagement

Der VMS entschied bereits in den 1990er Jahren: Für die musikalische Bildung in der Schweiz braucht es nicht nur professionelle Musikpädagog:innen, sondern auch ein gut ausgebildetes Führungspersonal.

Felix Bamert, ehemals Vorstandsmitglied des Verbands, gehört zu den ersten Absolventen einer solchen Weiterbildung. Als er an der Hochschule der Künste Bern die Leitung des MA in Music Pedagogy übernahm, entwickelte er den MAS Musikmanagement, eine modulare Weiterbildung, in deren Rahmen Absolvent:innen auch das Diplom als „Musikschulleiter:in VMS“ erlangen können. Der Weiterbildungsstudiengang feierte das 20. Jubiläum im November 2025 mit einem thematisch breit gefächerten Symposium.

Felix Bamert, Leiter MAS Musikmanagement und ehemaliges VMS-Vorstandsmitglied (Bild: zvg)

VMS: Felix, wenn du auf die letzten zwanzig Jahre MAS Musikmanagement zurückschaust – wie geht es dir dabei?

Felix Bamert: Es fühlt sich äusserst schön, erfüllend und bereichernd an. Es ist eine riesige Freude, dass das möglich war, mit all den Menschen; der Kooperation mit dem VMS, den Dozierenden und vor allem mit den Studierenden und Absolvent:innen. Und es ist auch eine gewisse Ehrfurcht dabei. Wir durften so viele Menschen auf ihrem Weg begleiten.

Gab es in der Weiterbildung wichtige Veränderungen in den letzten Jahren?

Ja, wir sind stets am Weiterentwickeln und quasi immer auf der Reise. Wir bieten ein CAS pro Semester an und wir versuchen neue Impulse zeitnah aufzunehmen und umzusetzen. Bei den Studierenden gibt es auch verschiedene Entwicklungen und Veränderungen: Sie bauen auf diversen Hintergründen und Laufbahnen auf, wirken noch aktiver mit, sind durchmischter geworden. Es freut mich, dass viele sich dafür interessieren, Verantwortung zu übernehmen und in die Führung zu gehen.

Es ist übrigens immer schön, ehemalige Studierende wiederzusehen, und zu hören, wo und wie sie unterwegs sind. Wir haben Absolvent:innen, die Musikschulen oder andere Institutionen leiten, und auch solche, die in die Politik eingestiegen sind. Das finde ich genial: Musiker:innen und Bildungsmanager:innen, die die Gesellschaft mitgestalten und prägen.

Woher kommt deine persönliche Motivation, dich für die Bildung und die Musik zu engagieren?

Ich habe Musik studiert, zuvor jedoch auch verschiedene andere Berufsfelder und deren Aspekte erlebt. Die Musikpädagogik und Musikmanagement haben mich dann richtig gepackt. Ich sehe darin sehr viel Spielraum und viele Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Ich bin überzeugt, wir können in diesem und durch dieses Feld gesellschaftlich echt etwas bewirken! Das möchte ich weitergeben.

An wen richtet sich der MAS Musikmanagement? Wer soll sich anmelden?

Im Prinzip jede Person mit einem musikalischen oder pädagogischen Hintergrund, die offen und neugierig ist, und die sich darauf freut, von uns und den Mitstudierenden zu lernen. Wir haben eine breite Community aufbauen können, auch gerade nach dem Studium – das möchten wir auch bewusst pflegen. Musikpädagog:innen und Musikverantwortliche haben viele Freiheiten, im Sinne von Möglichkeiten sich einzubringen und zu wirken. Damit folgt aber auch das Risiko, sich manchmal ein bisschen einsam zu fühlen. Deshalb sind Kontakte und ein regelmässiger Austausch umso wichtiger.

Eindrücke vom Symposium zum 20jährigen Jubiläum des MAS Musikmanagement (Bilder: zvg)

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