Mitspieler gesucht

Zur Aufführung der «Carmen Suite» von Rodion Schtschedrin im Mai suchen zwei Ostschweizer Orchester gute Amateur-Musikerinnen und -Musiker.

Schauspielerin Annette Stickel in der Rolle der Carmen. Foto: Pascal Démarais,SMPV

Zwei junge Orchester in der Ostschweiz spannen zusammen und planen im Mai 2017 ein gemeinsames Projekt mit Schtschedrins Carmen Suite, das auch für weitere interessierte Laienspieler offen steht. Darum laden das Kammerorchester Sankt Gallen und das Junge Orchester Graubünden für vier Konzerte Mitte Mai 2017 in St. Gallen (Lokremise), Chur und Altstätten junge, junggebliebene und gute Streicherinnen und Streicher zum Mitspielen ein. Eine unbekannte, begeisternde Fassung der berühmten Carmen Suite (mit 5 Schlagzeugern um den Churer Eckart Fritz und Streichorchester) wird zusammen mit den Stammspielern in Proben in Chur und St. Gallen erarbeitet, und dann mit Regie, Bühne, Schauspielern (um die St. Gallerin Annette Démarais, Dimitri Schule), Schlagzeug und viel Energie zusammengesetzt. Dirigent dieser Produktion ist der Flimser Musiker und Cellist Mathias Kleiböhmer

Wir suchen zur Vergrösserung unseres Streichorchesters interessierte Musik-Laien zum Mitspielen. Die Proben beginnen noch im Januar, die Konzerte sind am 12., 13., 14. und 19. Mai 2017.

 

Weitere Infos unter

www.kammerorchestersg.ch

Persönlicher Kontakt: Mathias Kleiböhmer (Dirigent), Tel. 076 377 59 54

Taskforce zum knappen Raum für Aarauer Kulturprojekte

Eine Umfrage unter den Aarauer Kulturschaffenden zeigt, dass Atelier-, Probe- und Vereinsräume in der Stadt ein knappes Gut sind. Um die Situation der Kulturschaffenden zu verbessern, ist die Einrichtung einer Taskforce geplant.

Foto: Oliver Weber/pixelio.de

Die Kulturstelle der Stadt Aarau befragte in einer Online-Umfrage im August und September 2016 Aarauer Kulturschaffende zur aktuellen Situation ihrer Atelier-, Probe- und Vereinsräume. 94 Prozent der angefragten Personen haben teilgenommen.

Die Umfrage zeigt, dass viele Kulturschaffende aktuell auf der Suche nach geeigneten Probe-, Atelier- oder Vereinsräumen in Aarau sind und der Bedarf an Räumen in den nächsten Jahren zunehmen wird. Gesucht werden Räume bis 50 Quadratmeter mit günstigen Mietbedingungen in der Region Aarau. Viele Kulturschaffende sind bereit, Räume in Zwischennutzung für einen bestimmten, festgesetzten Zeitraum zu nutzen.

Die Stadt selbst kann keine eigenen Liegenschaften anbieten. Um die Situation der Kulturschaffenden zu verbessern, ist die Einrichtung einer Taskforce geplant. Diese soll das Thema stärker in das städtische und öffentliche Bewusstsein bringen, den Austausch mit der städtischen Stadtplanung pflegen und Kontakt zu privaten Liegenschaftsverwaltungen suchen. Vor allem die Vermittlung von Raumsuche, Raumangebot und Raum-Mitnutzung soll angegangen werden.

Diese Form infrastruktureller Förderung wurde bereits im Kulturkonzept der Stadt vom Dezember 2014 festgehalten. So erhoffen sich die Verantwortlichen einen unbürokratischen, übersichtlichen und schnelleren Zugang zu Räumen für öffentliche und private (Kultur-)Veranstaltungen durch den Aufbau einer Raumdatenbank.
 

Praktische Musikvermittlung an der Volksschule

Lorenz Indermühle ist Initiator und seit 2005 Leiter des Projekts «Sing mit uns!», das 2016 unter dem Titel «da Pacem» durchgeführt wurde.

Foto: Sing mit uns!

Das Projekt «Sing mit uns!» hat zum Ziel, ganze Schulklassen vom ersten bis fünften Schuljahr Weihnachtslieder aus aller Welt in einem Kinderkonzert aufführen zu lassen, begleitet von einem kleinen, jungen, professionellen Orchester mit Streichern, Bläsern und Harfe. Der Initiator und Leiter ist der in der Gegend von Thun wohnhafte Lorenz Indermühle, der Erfahrung mit Kinderchören und Orchestern hat und dessen Anliegen es ist, allen mitmachenden Kindern tiefe, nachhaltige Erlebnisse mit Musik zu vermitteln. Bei dem Konzert, das wir in der grossen, restlos voll besetzten Kirche Neumünster in Zürich besuchen konnten, hat unser jüngster Enkel, 9 Jahre alt, mitgesungen. Über dreissig Lehrerinnen und Lehrer aus dem Kanton Zürich haben von diesem Angebot Gebrauch gemacht und seit den Sommerferien mit ihren Klassen fleissig geprobt, unterstützt durch eine CD mit den vorzüglichen, schmissigen Orchester-Arrangements.

Die letzte Probe im Schulhaus fand am frühen Advents-Sonntagmorgen statt. Nachher musste eine einzige Gesamtprobe mit Orchester im Neumünster genügen; das Konzert fing um elf Uhr an und geriet ausgezeichnet mit annähernd vierhundert Kindern, die auswendig und sicher sangen. Und da gab es immerhin auch Rumba-Rhythmen, 5/8-Takte usw. zu bewältigen.

Aus dem Programm: Ninõ Lindo aus Venezuela, La marche des Rois aus Frankreich, Dormi, dormi, bel bambin aus Italien, Jingle Bells aus Amerika, Da pacem, Domine von Melchior Franck, Alle Jahre wieder aus Deutschland usw. mit krönendem Abschluss, dem Anfang der ersten Kantate des Weihnachtsoratoriums, kombiniert mit dem Luther-Lied Vom Himmel hoch, da komm ich her.

Man könnte einwenden, da meldeten sich nur Lehrpersonen, die ohnehin mit ihren Klassen viel singen. Aber das wirkt mindestens im Schulhaus ansteckend, und das Projekt weitet sich aus auf viele Kantone und sogar auf deutsche Nachbarschaft. Selbst in Granada fand ein Konzert statt! Das Projekt ist selbsttragend, finanziert durch mässige, für ganze Familien tragbare Eintrittspreise. Und es wirkt integrierend für viele Kinder mit Migrationshintergrund.

Weitere Informationen und Fotos sind einsehbar unter

www.singmituns.ch

Junger Jazz auf Tour

Alle zwei Jahre touren Musikerinnen und Musiker der jungen Jazz-Generation im Rahmen von Suisse Diagonales Jazz kreuz und quer durch die Schweiz. Nun ist es wieder soweit: Vom 14. Januar bis 19. Februar 2017 werden zehn Bands an 25 verschiedenen Orten 60 Konzerte spielen.

Marena Witcher (Bild: zvg)

Das Festival Suisse Diagonales Jazz 2017 vereint 25 Jazzclubs, welche vom 14. Januar bis 19. Februar 2017 sechzig Konzerte mit zehn vielversprechenden, jungen Jazzgruppen organisieren. Die Bands wurden aufgrund ihres künstlerischen Potentials und der Eigenständigkeit ihrer Musik gewählt.

Die Bands kommen aus allen Landesteilen der Schweiz und heissen Esche, Gauthier Toux Trio, Mantocliff, Marena Whitcher’s Shady Midnight Orchestra, Marie Kruttli Trio, Maurus Twerenbold Non Harmonic Quartet, Nojakîn, Pauline Ganty Quartet, Raphael Walsers GangArt und TreMeandy.

Suisse Diagonales Jazz 2017 startet am 14. Januar 2017 in Bern mit einem Matchmaking-Anlass am Nachmittag für die Berufsleute der Jazzszene und einem Eröffnungsanlass am Abend, an dem Jazz-Akteure der ganzen Schweiz zusammenkommen.

Auftreten wird Elina Duni mit ihrem Solo-Projekt «Aufbrechen», beim dem sie in neun verschiedenen Sprachen das Thema «Aufbrechen» besingt. Danach spielen Matthieu Michel, Colin Vallon, Flo Götte und Domi Chansorn im Quartett. Die Konzerte beginnen um 20 Uhr in der Turnhalle im PROGR in Bern.

Frauen in Kultur und Medien

Aus Anlass der Einrichtung eines Runden Tisches hat der Deutsche Kulturrat die Studie «Frauen in Kultur und Medien. Ein Überblick über aktuelle Tendenzen, Entwicklungen und Lösungsvorschläge» als E-Book kostenfrei ins Netz gestellt.

Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

In der Studie wird für einen Zeitraum von über zwanzig Jahren untersucht, wie es um die Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und Medienbereich bestellt ist. Dabei wird sowohl die Ausbildungssituation, die Präsenz von Frauen in Führungsetagen von Kultureinrichtungen, die Partizipation von Frauen an der individuellen Künstlerinnen- und Künstlerförderung und anderes mehr über einen Zeitraum von 20 Jahren in den Blick genommen.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass trotz stärkerer Präsenz von Frauen in einigen Bereichen von Geschlechtergerechtigkeit nicht die Rede sein kann. Das gilt gleichermassen für Kulturverbände. 

Der «Gender Pay Gap» beträgt laut Olaf Zimmermann, dem  Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, im Kulturbereich bei den freiberuflich arbeitenden Künstlerinnen «erschreckende 24 Prozent». Die Deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat als Reaktion auf die Ergebnisse der Studie einen Runden Tisch zum Thema Geschlechtergerechtigkeit einrichtet, an dem Lösungsvorschläge diskutiert werden sollen.

Download der Studie:
https://www.kulturrat.de/wp-content/uploads/2016/12/Frauen-in-Kultur-und-Medien.pdf

Beethoven bleibt ungebrochen populär

Beethoven bleibt unangefochten der meistgespielte Komponist – mit sechs Werken in den Top Ten der meistgespielten Werke überhaupt. Seine Symphonien Nr. 5, 7, 3 und 6 sind in den Top 10, ebenso sein Violinkonzert und sein Klavierkonzert Nr. 5.

Ludwig van Beethoven, Gemälde Joseph Karl Stielers von 1820

Das meistgespielte Werk Beethovens generell ist laut der Statistik der Klassik-Plattform Bachtrack die 5. Sinfonie mit 145 Aufführungen 2016. Tschaikowskys Violinkonzert in D-Dur wurde ebenfalls in die Top 10 gespielt und landet auf Platz drei – so hoch wie nie, während seine Fantasie-Ouvertüre «Romeo und Julia» im fünften Jahr im Aufstieg begriffen ist und es auf Rang 22 schafft.

Auch in diesem Jahr beeinflussen Jubiläen die Rangordnung der Komponisten; Dutilleux, Reger, Ginastera und Satie sind alle nach oben gewandert und Gleiches gilt für Kurtág, der 2016 seinen 90. Geburtstag feierte.

Was den aktivsten Künstler anbelangt, so stand Valery Gergiev nahezu jeden zweiten Tag auf dem Podium – 143 Konzerte und Vorstellungen verzeichnete Bachtrack 2016. Das New York Philharmonic Orchestra hielt seinen Status als aktivstes Orchester und die französischen Brüder Renaud und Gautier Capuçon liegen beide auf Rang 2 der geschäftigsten Violinisten und Cellisten mit nahezu gleicher Zahl an Soloauftritten (50 und 49).

In der Liste der aktivsten Künstler sind kaum Frauen zu verzeichnen, mit Ausnahme der Choreographinnen, die deutlichere Spuren hinterliessen als die Komponistinnen: in der Liste der 30 aktivsten Choreographen finden sich allerdings auch nur gerade 3 Choreographinnen.

Bachtracks Datenbank repräsentiert die Welt der klassischen Musik mit über 32’000 eingetragenen Veranstaltungen für 2016 auf aller Welt. Die Plattform nimmt für sich in Anspruch, die grösste Plattform für klassische Musik weltweit zu sein.
 

Legendäre Musiksammlung in Bern wieder zugänglich

Die ursprünglich in Zimmerwald beheimatete Musikinstrumentensammlung des Blasmusikspezialisten Karl Burri wird als «Klingende Sammlung» im Zentrum Berns wieder zugänglich. Das Zentrum für historische Musikinstrumente öffnet am 21. Januar mit der neu konzipierten Ausstellung «C’est le vent qui fait la musique».

Bild: zvg

Die weit über tausend Instrumente der bedeutenden und international beachteten Sammlung Burri sind an die Kramgasse umgezogen. Eine kleine Auswahl daraus ist – ergänzt durch weitere Objekte – in der Ausstellung zu besichtigen, die vom Musikwissenschaftler Adrian v. Steiger, dem Leiter der Sammlung, konzipiert worden ist. Für die Gestaltung zeichnet der Szenograph Martin Birrer verantwortlich.

Die Besucher und Besucherinnen können zwanzig Instrumente, von der Wikingerlure bis zum Taragot, selber spielen, und in Videos auf iPads können sie die ausgestellten Instrumentengruppen auch hören. Präsentiert werden sechs musikalische Ensembles, von der «Türkisch-Musik», der Blasmusik um 1800, über die Instrumente zu Berlioz‘ Symphonie fantastique bis zur Radfahrermusik.

Nach dem Tag der offenen Tür am 21. Januar ist die Ausstellung von Mittwoch bis Samstag, von 11 bis 17 Uhr geöffnet. In Führungen und Workshops kann zudem die Schausammlung im Untergeschoss besucht werden, wo die Instrumente und ihre Geschichte anschaulich und klingend erlebbar werden.

Nebst der Vermittlung macht es sich die Sammlung zur Aufgabe, die bedeutende Kollektion zu erhalten, zu erweitern und zu erforschen. Sie stellt zudem Spezialisten restaurierte Instrumente für Projekte der historischen Aufführungspraxis zur Verfügung, zum Beispiel dem Orchester der Hochschule der Künste Bern für eine Werkstattaufführung von Strawinskys «Sacre du printemps» im Februar 2017.

Mehr Infos: klingende-sammlung.ch

Landesmusikrat vergibt Musikschulpreis

Der Landesmusikrat des Deutschen Bundeslandes Rheinland-Pfalz vergibt erstmals den «Schülerpreis des Landesmusikrats» an Schülerinnen und Schüler, die kontinuierlich sehr gute Leistungen im Fach Musik erbracht haben.

Logo des Schülerpreises,SMPV

Am Ende der Schulzeit an einer allgemeinbildenden Schule in Rheinland-Pfalz werden die besten Schüler mit dem Preis ausgezeichnet. Ausschlaggebend ist dabei neben guten Noten auch ein besonderes musikalisches Engagement im schulischen (zum Beispiel Schulorchester, Musik AGs und so weiter) und ausserschulischen Bereich (Musikverein, Chor, Wettbewerb und so weiter), das über den regulären Unterricht hinausgeht.

Die Fachkonferenz Musik der jeweiligen Schule entscheidet, wer den Preis erhalten soll. Dabei orientieren sich die Fachlehrerinnen am individuellen Fortschritt, am absoluten und relativen Kenntnisstand der Schüler und an den Zielen des Unterrichts. Die Gewinner erhalten eine Urkunde sowie einen Gutschein in Höhe von 15 Euro, der im Onlineshop eines Musikverlages eingelöst werden kann.

Mehr Infos: www.lmr-rp.de

 

Zohra stattet Zürich einen Besuch ab

Am 21. Januar 2017 spielt das Afghan Women’s Orchestra «Zohra» auf Einladung der Tonhalle-Gesellschaft Zürich im Kleinen Saal und wird sowohl traditionelle afghanische Musik wie auch ein Arrangement von Beethovens Neunter zu Gehör bringen.

Afghan Women’s Orchestra Zohra (Bild: zvg)

Das Frauenorchester befindet sich auf einer internationalen Tournee und gestaltet am Vorabend den Abschlussabend des World Economic Forum in Davos. Nach dem Youth Orchestra of Caracas aus Venezuela und dem Bochabela String Orchestra aus Südafrika, lädt die Tonhalle-Gesellschaft Zürich nun bereits das dritte Jugendorchester aus besonderen Weltregionen ein.

Unter schwierigsten Bedingungen musizieren über dreissig junge afghanische Frauen zwischen 14 und 20 Jahren zusammen in diesem vom Krieg gezeichneten Land. The Afghan Women’s Orchestra ist das erste weibliche Ensemble in der Geschichte von Afghanistan. Vor dem Krieg waren Frauen im öffentlichen Leben präsent, sind Fahrrad gefahren und haben in der Erziehung und im Beruf weitgehend die gleichen Rechte wie die Männer genossen.

Beim von Ahmad Sarmast gegründete Afghanistan National Institute of Music (ANIM), aus dem das Orchester hervorgeht, ist Musik eine Antwort auf Krieg und Zerstörung, ein Weg in die Zukunft hunderter afghanischer Kinder, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit oder sozioökonomischer Umstände.

Mädchen und Jungen lernen durch das gemeinsame Musizieren einen respektvollen Umgang miteinander und bauen geschlechtsspezifische Barrieren ab. Jedes Jahr stehen laut der Medienmitteilung der Tonhalle-Gesellschaft Familien Schlange, um ihre Kinder beim ANIM anzumelden. Die Musik kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten, eine friedliche Zivilgesellschaft in dieser zerrissenen Nation aufzubauen.

Botschaft der St.Galler Regierung zum Kulturgesetz

Die Regierung des Kantons St. Gallen hat die Botschaften zu einem Kulturerbegesetz und einem Kulturförderungsgesetz zuhanden des Kantonsrates verabschiedet. Die Botschaften bilden eine neue gesetzliche Basis, um im Sinn der Kantonsverfassung Kultur zu fördern und das kulturelle Erbe zu bewahren.

Regierungsrat des Kantons St. Gallen. Foto: zvg

Der Kantonsrat soll dank der neu vorgesehenen Kulturförderstrategie regelmässiger und im Rahmen einer Gesamtschau in die Ausrichtung der Kulturpolitik eingebunden werden. Überdies wird die regionale Zusammenarbeit der Gemeinden untereinander und mit dem Kanton in den Kulturförderplattformen (Südkultur, Rheintaler Kulturstiftung, Kultur Toggenburg, Thurkultur und ZürichseeLinth) gesetzlich abgestützt. Die Gemeinden werden zudem auch gesetzlich für die Förderung kultureller Aktivitäten und Baudenkmäler von lokaler Bedeutung zuständig, wobei das Ausmass ihrer Fördertätigkeit in ihrer Verantwortung bleibt.

In der Vernehmlassung, die im Sommer 2016 durchgeführt wurde, hat die klar überwiegende Zahl der 55 Teilnehmenden (Parteien, Gemeinden, kirchliche und kulturelle Institutionen usw.) beide Gesetzesentwürfe als notwendig, zeitgemäss und sinnvoll beurteilt. In der Kulturförderung wird zugunsten der Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden die heutige Praxis festgeschrieben und damit legitimiert.

Die Regierung leitet die Kulturgesetze auf die Februarsession 2017 dem Kantonsrat zu. Die parlamentarischen Beratungen sind in der April- und Junisession 2017 geplant.

 

 

Audioinstallationen in Appenzeller Scheunen

Acht Landwirtschafts-Scheunen werden im September 2017 von Kunstschaffenden mit Audioinstallationen bespielt. Das Projekt ist eines der vom Kanton im kommenden Jahr unterstützten Kulturvorhaben. Ein weiteres ist ein Jubiläum des Schötze-Chörlis Stein.

Schötze-Chörli Stein (Bild: Schötze-Chörli)

Der Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden hat Mitte November die dritte Tranche von Fördergesuchen um Beiträge aus dem Kulturfonds behandelt. Auf Empfehlung des Kulturrates hat er vier Projekten eine Unterstützung zugesprochen. Darunter sind zwei Musikprojekte: Gefördert werden zum einen die verschiedenen Aktivitäten zum 50-jährigen Jubiläum vom Schötze-Chörli Stein AR im kommenden Frühling. Neben der Herausgabe einer CD besteht das Herzstück des Jubiläums in zwölf Veranstaltungen im Appenzeller Volkskundemuseum Stein, die in Form einer musikalischen Reise die Geschichte des Schötze-Chörlis erlebbar macht.

Zum anderen wird die innovative Audioexpo des Vereins «Klang Moor Schopfe» im Gaiser Hochmoor unterstützt. Acht landwirtschaftlich genutzte Scheunen werden von geladenen Kunstschaffenden Anfang September 2017 während zehn Tagen mit Audioinstallationen bespielt. Ein zusätzliches Rahmenprogramm mit Performances und Konzerten wird das Schützenhaus in einen Treffpunkt verwandeln.

Ein dritter Förderbeitrag geht an die Ausstellung zum 25-jährigen Jubiläum der IG Halle in Rapperswil, in der zwei Installationen von Thomas Stricker das Herzstück bilden. Schliesslich wurde auch ein Beitrag für die Herausgabe des Kulturkonzepts 2016 gewährt. Der Regierungsrat hat zudem von den Entscheiden Kenntnis genommen, die das Departement Bildung und Kultur in der zweiten Jahreshälfte in eigener Kompetenz gefällt hat. Insgesamt wurden 64 Gesuche behandelt, davon wurde 47 Projekten eine Unterstützung in der Höhe von insgesamt 88’900 Franken gewährt.
 

Kompositionswettbewerb für geistliche Musik

Das Festival International de Musiques Sacrées, Fribourg regt in seinem aktuellen Wettbewerb Kompositionen an, die vom Gemälde «Vanitas – Stillleben mit Totenkopf» von Sebastian Stoskopff inspiriert sein sollen.

Vanitas, von Sebastian Stoskopff (Bild: Kunstmuseum Basel/Martin P. Bühler)

Die 13. Ausgabe des Wettbewerbs wird in Zusammenarbeit mit der Haute Ecole de Musique Vaud Valais Fribourg (HEMU) und mit Espace 2 – RTS (Radio Télévision Suisse) organisiert und ist ein Instrumental-Ensemble gewidmet.

Die Wettbewerbsteilnehmerinnen und – teilnehmer haben bis zum 15. Oktober 2017 für ein Instrumental-Ensemble komponiertes Werk einzureichen. Das eingereichte Werk ist ausschliesslich für die folgende Instrumentierung zu komponieren:

• 1 Bratsche, 1 Fagott, 2 Posaunen (T + B), 2 Pauken, 1 Harfe;
für ein Instrumental-Ensemble mit 6 Instrumentalisten

Das zu komponierende Instrumentalstück ist vom Gemälde «Vanitas – Stillleben mit Totenkopf» von Sebastian Stoskopff (1597-1658) inspiriert, welches im Kunstmuseum Basel (Schweiz) ausgestellt ist.

Mehr Infos: www.fims-fribourg.ch

Temporäres Tonstudio für Bieler Gurzelen-Quartier

Biel ermöglicht eine Zwischennutzung im ehemaligen Fussballstadion Gurzelen. Ab Januar dient es drei Jahre als Zentrum für kulturelles und soziales Schaffen mit Quartierbezug. Vorgesehen ist unter anderem ein Tonstudio.

Stadion Gurzelen, als dort noch Fussball gespielt wurde. Foto: Simon Bohnenblust/wikimedia commons

Das Konzept des Vereins Terrain Gurzelen sieht vor, ein Zentrum zur Verwirklichung verschiedener Ideen im Bereich der Soziokultur einzurichten und mit den verschiedenen Angeboten und Möglichkeiten Quartierbevölkerung, Kinder, Familien, Kunstschaffende und andere kreative Kräfte anzusprechen und an diesem temporären Freiraum teilhaben zu lassen.

Im Sommer 2016 wurde der Fussballbetrieb auf der Gurzelen eingestellt. Da es drei Jahre dauern wird, bis an dieser Stelle ein neues Quartier konkret Form annehmen wird, will der Gemeinderat eine Zwischennutzung des Areals ermöglichen. Der neu gegründete Verein Terrain Gurzelen konnte mit seinem Konzept überzeugen und wird die Gurzelen in den nächsten Jahren bespielen.

Mehr Infos: www.terrain-gurzelen.org/

Mietvertrag mit Zürcher Cantaleum-Schule genehmigt

Der Zürcher Stadtrat hat den Mietvertrag mit der Cantaleum Zürich AG genehmigt und für bauliche Massnahmen einen Kredit von 720’000 Franken bewilligt. Er ermöglicht damit in einem ehemaligen Waisenhaus ab Sommer 2017 eine Privatschule mit Schwerpunkt Musik.

Haus Sonnenberg. Foto: ©Stadt Zürich,SMPV

Ab Sommer 2017 soll der Nachwuchs die Villa Sonnenberg am oberen Heuelsteig im Zürcher Quartier Hottingen beleben: Die Privatschule Cantaleum wird Kinder im Kindergarten- und Primarschulalter sowohl schulisch als auch musikalisch fördern. Die Schule wird zweisprachig (Deutsch und Englisch) und als Ganztagesschule geführt.

Es ist geplant, dass der Musik- und Singunterricht sowohl integriert in den Stundenplan als auch unterrichtsergänzend stattfindet. Zusätzlich sollen die Kinder im Knaben- oder Mädchenchor mitwirken oder im Instrumentalspiel gefördert werden. Der wichtigste Partner der Schule ist der Verein der Zürcher Sängerknaben (ZSK).

Die Stiftung Cantaleum hat im vergangenen Jahr über eine Million Franken an vorwiegend privaten Spenden gesammelt, um das Haus als Schule einrichten und die Finanzierung der Startphase sichern zu können. Für das Projekt haben sich Persönlichkeiten aus dem Zürcher Kultur- und Bildungsbereich in einem Patronatskomitee engagiert.

Die 1911 erbaute Villa wurde viele Jahre lang als Waisenhaus und später als Unterkunft und Schulraum genutzt. Im Jahr 2000 übertrug die Stadt das Gebäude an die Stiftung Zürcher Kinder- und Jugendheime; 2013 gelangte es wieder in den Besitz der Stadt zurück. Zurzeit wird es durch die Asyl-Organisation Zürich und die Studentische Wohngenossenschaft Zürich zwischengenutzt.
 

Frisst das www seine Kinder?

Am 15. Dezember 2016 fand am Institut Kunst im Kontext der Universität der Künste Berlin die Konferenz «Turning the Tide – Das Blatt wenden» statt. Anlass war die Sorge um die Demokratie angesichts des gegenwärtigen Siegeszugs des Rechtspopulismus in Europa.

pepsprog/pixelio.de

Der unerwartete Brexit-Entscheid und vor allem der Wahlsieg Donald Trumps hätten Bestürzung und Schock ausgelöst, sagte Jörg Heiser, Direktor des Instituts Kunst im Kontext der UdK Berlin, Autor, Philosoph und Musiker. Heiser hatte eingeladen, die Ursachen für die dramatische Situation zu diskutieren, die als eine Bedrohung der Grundwerte der Zivilgesellschaft zu sehen sei.

Die Referenten, darunter die amerikanische Philosophin Susan Neiman, Direktorin des Potsdamer Einstein Forums, der holländische Philosoph Robin van den Akker, die polnische Internet- und Menschenrechtsaktivistin Joanna Bronowicka, die italienische Kuratorin Barbara Casavecchia und der Londoner Künstler Adam Broomberg analysierten die politischen Entwicklungen in ihren Ländern und stellten in ihren Beobachtungen einen Zusammenhang zwischen Social Media und erstarkendem Rechtspopulismus her. Eingeladen war auch der Zürcher Journalist und Ökonom Hannes Grassegger, der sich mit der politischen Instrumentalisierung von Big Data und persönlichkeitsbasierender Beeinflussung von Social Media-Nutzern beschäftigt. Hannes Grassegger hatte zusammen mit Ko-Autor Mikael Krogerus im Interview mit dem Psychologen Michal Kosinski Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt (Link zum Artikel) im Magazin Nr. 48 vom 3. Dezember 2016 einen direkten Zusammenhang zwischen Social Media und dem Wahlsieg Donald Trumps aufgezeigt. Da Grassegger gemäss Auskunft der Pressestelle der UdK aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht anwesend war, hatte er Paul-Olivier Dehaye (Mathematiker, Universität Zürich, und Datenschutz-Aktivist) als Vertretung benannt, der bei den Recherchen, die in den Artikel für Das Magazin eingeflossen sind, massgeblich beteiligt war. Deshalb fand im Rahmen der Tagung ein Skype-Gespräch zu Big Data und Trump-Wahl mit Dehaye statt.

Die auf der Berliner Konferenz geäusserte Bestürzung begründete sich nicht zuletzt in einem Paradigmenwechsel des Internets. Das Lieblingsmedium von Künstlern und Intellektuellen offenbart in den letzten zehn Jahren ein antidemokratisches und antiaufklärerisches Potenzial. Es erwecke den Anschein, dass wir gerade dabei sind, die Grundlagen unseres Gesellschaftsvertrags, die Werkzeuge der Aufklärung, der Logik, der Erkenntnis zu verlieren, ohne es zu merken, so Heiser.

Die Referenten legten in ihren Analysen dar, dass es soziale Netzwerke, Blogs u.ä. seien, die Rechtspopulisten einen sich selbst verstärkenden Resonanzraum böten und mit krassen Lügen – Fake News – und Manipulationen den Boden für rechten Populismus, Fremden- und Minderheitenhass bereiteten. Robin van den Akker analysierte die Social Media Präsenz des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders. Barbara Casavecchia zeigte die wirtschaftliche Verbindung zwischen dem Anführer der italienischen Fünfsternebewegung Beppe Grillo und dem Internetstrategen und Medienmogul Gianroberto Casaleggio. Susan Neiman, Moralphilosophin aus den USA, stellte dar, wie selbstverstärkend extreme Lügen «Hillary Clinton betreibt einen Kinderpornografie-Ring» im Netz und in der Realität wirken.

Was tun?

Was können Künstlerinnen, Künstler und Intellektuelle tun angesichts des Siegeszugs des Rechtspopulismus? Vor allem: die Situation ernst nehmen. Und: Sich Klarheit verschaffen. Transparenz fordern, vor allem Transparenz von den Internet-Konzernen im Umgang mit Big Data. Medienkompetenz aufbauen. Unabhängige und vertrauenswürdige Medien schaffen. Susan Neiman plädierte leidenschaftlich für eine neue Moral der Kommunikation, die auf Klarheit, Komplexität und Verantwortung beruht. Robin van den Akker schlug vor, die Mittel und Methoden der Rechtspopulisten zu nutzen, um einen linken oder ethischen Populismus aufzubauen.

Sind das realistische Handlungsoptionen oder eher ein Ausdruck von Hilflosigkeit? Mit den Antworten muss man sich nicht zufrieden geben, aber es war richtig, dass die Fragen gestellt wurden. Der alarmierende Grundton der Konferenz ist wohl angebracht. Wir stehen bei der Nutzung der neuen Technologien erst ganz am Anfang und es gab keine Lernphase.

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