Ruiniert die globale Konkurrenz die Musikschulen? 

Die Musikschulen verlieren zunehmend die Deutungshoheit über die Musikpädagogik und damit auch über das Gesundheitsmanagement. Am Nationalen Gesundheitstag Musik streiten Repräsentanten privaten und öffentlichen Musikunterrichts über die Konsequenzen.

Nachhaltiges Gesundheitsmanagement beginnt in der Musikpädagogik, in erster Linie in den Musikschulen, die in der Schweiz gut organisiert sind und Präventionsmassnahmen gezielt aufbauen können. Sie haben dazu die Netzwerke und Erfahrungen. Allerdings rütteln mehr und mehr private Anbieter, nationale Internetplattformen und globale Angebote in den Sozialen Medien an den bewährten Fundamenten der Musikpädagogik. Es herrscht mittlerweile eine grosse Vielfalt an methodischen Ansätzen und Anbietern. Das führt dazu, dass die Musikpädagogik vom traditionellen Verkäufermarkt mit stabilen, gewerkschaftlich geschützten und damit vergleichsweise hohen Honoraransätzen zu einem praktisch vollständig liberalisierten und globalisierten Käufermarkt mit hohem Druck auf die Einkommenssituation der Musiklehrpersonen wird. Dabei besteht die Gefahr, dass Gesundheitsmanagement und Prävention als entbehrliche Luxusaspekte des Unterrichts unter die Räder kommen. Erst recht trifft dies auf Formen des Online-Unterrrichts zu, der den Unterrichtenden kaum physische Feedbacks ermöglicht. In Luzern stellen sich unter anderem Philippe Krüttli, der Präsident des Verbands Musikschulen Schweiz, Gerhard Wolters von der von ihm selbst gegründeten «Privaten Akademie für musik­pädagogische Innovation» sowie Dawn Rose, Musikpsychologin der Hochschule Luzern – Musik, diesen Herausforderungen.

Kann die Musikermedizin von der Sportmedizin lernen?

Christoph Reich ist Swissmedmusica-Mitglied und war mehrere Jahre leitender Mannschaftsarzt des Fussballclub Zürich. Er leitet den Medizinischen Dienst des Swiss Paralympic Commitee, ist Verbandsarzt des Schweizerischen Verbands für Behindertensport Plusport und Betreuender Arzt des Regionalen Leistungszentrums Rhythmische Gymnastik.

Was kann die Sportmedizin der Musikermedizin mitgeben?
Christoph Reich: Kurz gesagt: Einen nüchternen Blick auf die Bewegungsmechanik und auf den Trainingszustand. Der Sport hat trotz allen auch dort vorhanden Emotionen und der Bedeutung des körperlichen Ausdrucks in einzelnen Sportarten letztlich viele sehr sachliche Aspekte: Zählen, messen und direkt vergleichen, und so ist es nicht verwunderlich, dass die Bewegungsanalyse, das Wissen über die physikalische Belastbarkeit von Sehnen und der Blick auf den Trainingszustand im Sportalltag sehr präsent sind.

Was können Musiker und Musikerinnen von der Sportmedizin lernen?
Dank der Musikermedizin und der Musikphysiologie ist dieses Wissen heute auch sehr präsent in der Musikerausbildung, und es ist auch bei den Musikern und Musikerinnen angekommen. Letztlich geht es darum, bei der Belastungsgestaltung im engen Kontakt mit dem eigenen Körper zu stehen und mit diesem einen partnerschaftlichen Umgang zu pflegen. Unser Körper ist sehr belastbar, aber immer nur für die Belastungen, auf die er gut vorbereitet wurde.

Mehr zum Nationalen Gesundheitstag Musik vom 9. November 2024 in Luzern: swissmedmusica.ch/gesundheitstag

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Die Förderung kultureller Vielfalt beim SJMW

Der SJMW bringt junge Musiker:innen verschiedener Kulturen zusammen und schafft eine inklusive Plattform, die sowohl die musikalische als auch kulturelle Vielfalt feiert.

Die Schweiz, mit ihrer langen Tradition der Offenheit und Gastfreundschaft, ist ein Schnittpunkt von Kulturen. Dieses einzigartige Merkmal spiegelt sich tief im sozialen und kulturellen Gefüge des Landes wider. Im Herzen Europas gelegen, ist die Schweiz von Ländern mit unterschiedlichen Traditionen umgeben, was zur Bildung einer mehrsprachigen und multikulturellen Gesellschaft geführt hat.

Im Laufe der Jahrhunderte haben Kaufleute, Künstler:innen, Intellektuelle und politische Flüchtlinge in der Schweiz einen sicheren Hafen gefunden und zur Bereicherung des kulturellen Erbes des Landes beigetragen. Diese Vielfalt hat ein Umfeld geschaffen, in dem verschiedene künstlerische Ausdrucksformen gedeihen und miteinander interagieren können.

Dabei hat die Musik eine Schlüsselrolle gespielt, um Menschen über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg zusammenzubringen. Musikfestivals, Schulen und Akademien haben diese Vielfalt zunehmend gefeiert und so eine Klanglandschaft geschaffen, die so vielfältig ist wie die Menschen, die unser Land bewohnen. Bands, Chöre und Schweizer Folkloregruppen integrieren oft Elemente aus anderen Musiken und reflektieren so eine musikalische Identität, die sowohl lokal als auch global ist.

Im zeitgenössischen Musikpanorama sind Wettbewerbe nicht nur eine Bühne für Talente, sondern auch eine entscheidende Gelegenheit, grundlegende Werte wie Inklusivität und Vielfalt auf menschlicher und musikalischer Ebene zu fördern. In der Schweiz nehmen verschiedene Wettbewerbe wie der SJMW eine immer zentralere Rolle in diesem Bereich ein und setzen sich aktiv dafür ein, dass alle jungen Musiker:innen den gleichen Zugang zu diesen wertvollen Angeboten haben.

Der Einfluss der Vielfalt auf die künstlerische Entwicklung

Die musikalische Vielfalt beim SJMW hat einen erheblichen Einfluss auf die künstlerische Entwicklung der Teilnehmenden. Das Auftreten neben Gleichaltrigen mit unterschiedlichen Stilen und Hintergründen stimuliert die Kreativität und ermutigt die Musiker:innen, zu wachsen und zu experimentieren. Diese Konfrontation mit einem breiten Spektrum musikalischer Stilrichtungen ermöglicht es jungen Künstler:innen, ihre Horizonte zu erweitern und ihr Repertoire zu bereichern.

Einer der faszinierendsten Aspekte des SJMW ist die Vielfalt der hier vertretenden Musikgenres. Vom strengen klassischen Stil bis zur ausdrucksstarken Freiheit des Jazz, vom mitreissenden Rhythmus des Pop bis zur Komplexität der zeitgenössischen Musik findet jedes Genre seine Stimme und sein Publikum.

Eine Teilnahme am SJMW bedeutet, die Möglichkeit zu haben, in einem Umfeld aufzutreten, das jede Form musikalischen Ausdrucks wertschätzt. Der Wettbewerb wird so zu einem fruchtbaren Boden für das künstlerische Wachstum, wo sich Einflüsse vermischen und die Grenzen zwischen den Genres fliessend werden. Junge Talente können neue Techniken erlernen, mit verschiedenen Klängen experimentieren und vor allem die Schönheit der musikalischen Diversität entdecken.

Ein Weg des Wachstums und der Entdeckung

Der SJMW setzt sich dafür ein, seine Rolle als inklusive und vielfältige Organisation in der Schweizer Musiklandschaft zu stärken. Dieses Engagement zeigt sich nicht nur in der Erweiterung der in den letzten Jahren angebotenen Musikgenres, sondern auch darin, allen jungen Musiker:innen eine faire und offene Plattform zu bieten. 

In einer zunehmend globalisierten Welt wird die Fähigkeit, Vielfalt zu umarmen, entscheidend für den Erfolg und das Wachstum der nächs-
ten Generation von Musikschaffenden. Durch
die Förderung des kulturellen Austauschs durch Musik bereitet der Wettbewerb die Teilnehmenden nicht nur darauf vor, im globalen Musikbereich zu glänzen, sondern trägt auch dazu bei, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen und das soziale Netz der Schweiz und darüber hinaus zu stärken. 

Musik ist ein mächtiger Katalysator für Ver-änderung und Verständnis, und der SJMW zeigt, wie Wettbewerbe weit mehr als nur einfache Wettkämpfe sein können: Sie können wahre Motoren des Fortschritts und der sozialen Innovation sein.

Der AROSA Kultursommer besticht durch sein breites Angebot

Eröffnet wird der diesjährige Kultursommer am Freitag, 5.Juli mit dem Pianisten Andreas Haefliger.

Andreas Haefliger wird für seine Sensibilität, seine musikalischen Einsichten und sein transzendentes Pianospiel geschätzt. Bekannt für seine innovative Programmgestaltung, bringt er eine allumfassende Leidenschaft und Menschlichkeit in seine Konzertauftritte und Aufnahmen ein. Im Anschluss an das Klavierrezital heisst es dann «Uri inspiriert – Beethoven triumphiert». Der rund 40-minütige Musikfilm des Bündner Filmemachers Daniel von Aarburg zeigt, wie sich Andreas Haefliger während der «Coronazeit» in der Urner Bergwelt mit der Hammerklaviersonate von Ludwig van Beethoven auseinandersetzt.

Quasi als «pre-opening» treten am 27. Juni junge Talente des Conservatorio della Svizzera italiana Lugano in Arosa auf. «Romantik? Romantik!» könnte man ihr Programm betiteln. In diesem Konzert präsentieren sie Werke, die sie, während einer von AROSA Kultur offerierten Probewoche eingeübt haben. Das Konzert wird am 28. Juni auch in Cham und am 29. Juni in Lugano gespielt. 

Die langjährige Tradition der Opernaufführungen wird auch in diesem Jahr fortgeführt. Die Operetta Ardez wird Gast in Arosa sein. «Teater musical sotto le stelle dans le quatre Landessprachen» nennen sie ihren neusten Wurf, frei nach Engelbert Humperdincks Oper «Hänsel und Gretel» in neuem Kleid mit Musik von G.Bizet, F.Lehar, Mani Matter, canzun rumantschas, Cat Stevens u.a.

Auch zu hören: Eine «jazzy» Saxofoncombo aus Bern «klapparat», ein volksmusikalisches Begegnungskonzert mit dem «Jodelclub Hochwang» aus Landquart und der «Brandhölzler Striichmusig», eine Formation aus dem Toggenburg Kinderkonzerte gehören seit jeher zum festen Bestandteil des AROSA Kultursommers. An fünf Montagen ab dem 8. Juli verzaubern verschiedene Theatergruppen, Musiker und Puppenspielerinnen jeden Montag Kinderherzen, Eltern, Göttis und Nanis mit ihren Darbietungen. 

Fast schon legendär sind die Bergkirchlikonzerte. Jeweils dienstags um fünf treten Musiker*innen in der auf 1900 m ü.M. gelegenen und 531 Jahre alten Kapelle auf. 

Lesungen und ein Kunstvortag über Augusto Giacometti runden das vielfältige Angebot ab.

Bei schönem Wetter finden viele der Veranstaltungen auf der zauberhaften Waldbühne von Arosa statt. 

Alle Informationen sind auf www.arosakultur.ch zu finden. 

Wie weiter, wenn Körper und Psyche streiken

In der Sendung «Reporter» vom 29. Mai 2024 berichtet die Schweizer Violinistin Anaïs Chen darüber, wie der immense Leistungsdruck als international tätige Musikerin bei ihr eine fokale Dystonie (den sog. Musikerkrampf) ausgelöst hat und sie heute ihren Beruf kaum noch ausüben kann. Sicher kein Einzelfall. Und jetzt?

Wie können Musiker:innen wie Anaïs in Zukunft ihr berufliches Leben gestalten?

Auch wenn Versagens- und Existenzängste in solchen Situationen lähmend sein können, es ist nicht aussichtslos, auch in fortgeschrittenem Alter beruflich wieder neu Fuss zu fassen. 

Neben der weit verbreiteten fokalen Dystonie scheinen Berufs-Musiker:innen überdurchschnittlich häufig von Erkrankungen betroffen zu sein. Dazu zählen psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen, durch stark repetitive und asymmetrische Bewegungen verursachte orthopädische Beschwerden und natürlich nicht zu vergessen unterschiedliche Formen von Hörschäden, wie Gehörsturz oder Tinnitus.

Auch wenn die Ursachen solcher Erkrankungen bis heute nicht abschliessend erforscht werden konnten, eines haben sie gemein: psychischer Stress wirkt sich sicherlich nicht positiv auf den Verlauf der Erkrankung aus.

Der SRF-Bericht lässt eine zentrale Frage offen: welche beruflichen Möglichkeiten haben betroffene Musiker:innen, wenn sie ihr Instrument und damit ihre hochspezialisierte Tätigkeit nicht mehr beruflich ausüben können?

Welche Qualifikationen, Skills, Know-How oder Persönlichkeitsstruktur können sie anderweitig in die Volkswirtschaft einbringen, damit sie sich und ihre Familie damit ernähren können?

Die naheliegendste Antwort, die sich auch in anderen Berufsgruppen mit vergleichbarer Problematik, wie z.B. im Hochleistungs-Sport, aufdrängt: sie geben mit Coachings und Unterricht weiter, was sie gelernt haben.

Zweifelsfrei kann der Musikunterricht durch einen reichhaltig gepackten Rucksack an jahrelanger Berufserfahrung, gereifter Welt- und Lebensanschauung und jeder Menge Tipps und Tricks wertvoll gestaltet und bereichert werden – nicht zuletzt durch praxiserfahrene Gesundheits-Prävention oder Stressbewältigung.

Nur: Wie realistisch sind die Chancen, in fortgeschrittenem Alter z.B. noch eine Anstellung bei einer Musikschule zu erhalten? Zugegeben, die Konkurrenz schläft nicht und die meisten Musikschulen kämpfen nicht hängeringend um ihr Kollegium.

Aber gemäss einer aktuellen Studie des Verbandes Musikschulen Schweiz (VMS) vom November 2023 ist – je nach Instrument oder Unterrichtsfach – ein gewisses Potenzial auszumachen. Denn die Studie kommt zum Schluss, dass ein beachtlicher Teil der ausgeschriebene Musikschul-Stellen in Bereichen wie u.a. Panflöte, Solfège, Jazz-Violine, Music Production, Jodeln, Musik und Bewegung, aber auch in traditionellen Unterrichtsfächern wie Gitarre, Blockflöte, Oboe, Fagott, Akkordeon, Cello, Kontrabass, Trompete oder Chorleitung nur schwer neu besetzt werden konnten. Bei ländlich gelegenen Musikschulen zeigte sich dies am deutlichsten.

Abgesehen von der fachlichen Kompetenz und pädagogischem Geschick wünschen sich Musikschulen auch Sprachgewandtheit, Teamfähigkeit, administratives Know-How oder Kommunikations- sowie Sozialkompetenz.

Also: Die Welt dreht sich rasch weiter aber mit eben solchen Kompetenzen kann man seine Arbeitsmarkt-Chancen deutlich verbessern – Kompetenzen, die man sich mit Aus- und Weiterbildungen aneignen kann.

Damit diese in Fällen wie dem eingangs erwähnten finanziell tragbar sind, haben wir entschieden, die Anforderungen für finanzielle Unterstützungsbeiträge zu erweitern. Neben überragenden instrumentalen oder gesanglichen Fähigkeiten, die in einem (ggf. psychisch belastenden) Stipendien-Wettbewerb bewertet werden, berechtigen nun auch herausragende fachdidaktische und pädagogische Fähigkeiten oder Konzepte zur Vergabe von Stipendien.

Also: Es ist niemals zu spät, das Richtige zu tun. Melden Sie sich doch bei uns, wir beraten Sie gerne in Aus- und Weiterbildungsfragen.

«Komplexe Fragen stimulieren mich»

Die Stabübergabe am Departement Musik der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ist erfolgt. 
Michael Eidenbenz befragt den neuen Direktor Xavier Dayer über seine Vorstellungen, Wünsche 
und Motive.

Xavier Dayer, neuer Direktor des Departements Musik der ZHdK, im Gespräch mit seinem Vorgänger.

Xavier Dayer, dass künstlerische Laufbahnen in Leitung und Management münden, ist nicht mehr selbstverständlich. Was führte dich auf diesen Weg?
Ich habe einen vielfältigen Lebenslauf, Als Komponist habe ich früh schon Aufträge bekommen und seit den 90er Jahren viel für Ensembles und Orchester geschrieben. Mit 25 wurde ich Theoriedozent, habe an verschiedenen Orten unterrichtet und wurde schliesslich Studiengangsleiter und Dozent für Komposition an der HKB. Einst habe ich klassische Gitarre studiert, die Beziehung zum Instrument bedeutet mir immer noch viel. Seit 2011 bin ich Vorstandspräsident der SUISA und habe dabei das Management mit seinen rechtlichen Herausforderungen, Themen des Marktes und der Internationalisierung kennengelernt. In leitender Verantwortung mit verschiedenen Persönlichkeiten Lösungen zu suchen und dabei Vereinbarungen zu treffen, die nicht bequem, sondern zukunftsfähig sind, ist intellektuell anregend. Komplexe Fragen stimulieren mich. Das Komponieren bleibt dagegen die künstlerische Beschäftigung in gänzlicher Eigenverantwortung. 

Leitung bedeutet, einen Rahmen zu schaffen, in dem die Mitarbeitenden gut arbeiten können.
Genau. Die Leitung ist nicht eine künstlerische Aufgabe, sondern soll den Erfolg vieler Interessen ermöglichen. Und ich habe grosses Vertrauen in das Modell der Kunsthochschule. Ich bin überzeugt, dass in einer jungen Generation das Schaffen und der «Konsum» von Musik mehr und mehr in Verbindung mit anderen Künsten steht, während die losgelöste Musik oft verteidigt und vermittelt werden muss. Aber vielleicht wirken auch traditionelle Konzerte plötzlich wieder wie ein «Dopamin-Detox»! Die Kunsthochschule ist der richtige Ort, um darüber nachzudenken. 

Die Hochschulwelt wird durch technologische Neuerungen und gesellschaftliche Veränderungen herausgefordert, gleichzeitig beruht ihre Wirksamkeit auf Kontinuität.
Themen wie künstliche Intelligenz sind brisant für die Hochschulen, durchaus im positiven Sinn. KI wird vieles übernehmen, was wir bisher der menschlichen Kreativität zugeschrieben haben. Das wirft grosse rechtliche, ethische und wirtschaftliche Fragen auf. Manchmal denke ich, dass wir eher von «universeller Plünderung» als von KI sprechen sollten, da sich einige wenige Profitunternehmen die gesamte Weltkultur aneignen. Umso mehr werden wir immer mehr die Bedeutung der menschlichen Transmission verstehen. Qualitäten wie Persönlichkeit, Bühnenpräsenz usw. werden wertvoller. Wir müssen das Land besetzen, das nicht von diesen Unternehmen genutzt werden kann. 

Dennoch muss man immer mehr erklären, was Musikhochschulen tun – auch Leuten in der Kunstwelt, die wenig Ahnung davon haben…
Ja, ich kenne dieses Sisyphos-Gefühl, es gibt eine Banalisierung der öffentlichen Meinung. Es gehört halt zum Job, zu vermitteln und die Bubbles zu verlassen. Wir dürfen aber nie vergessen, dass das Wichtigste auf der Ebene des Lehrens geschieht. Studieren gleicht einer Photosynthese zwischen Dozierenden und Studierenden. Wir alle haben
Erinnerungen an Schlüsselmomente des Studiums. Diese geschahen im lernenden Kontakt, in der
Arbeit an der Sache, nicht in Sitzungsräumen. 

Und was erwartest du von der Konferenz der Musikhochschulen der Schweiz?
Sie ist eine Gelegenheit, über den eigenen Hochschulkreis hinaus zu blicken, gemeinsam Schwerpunkte abzusprechen – und sich über Begriffe wie «Exzellenz» im Sinne eines anspruchsvollen, aber breiten Qualitätsverständnisses klarzuwerden. Und dank ihrer Kollegialität kann sie den unvermeidlichen Wettbewerb zwischen den Institutionen konstruktiv und anregend gestalten.

Worauf freust du dich?
Auf die Leute, auf Kontakte, auf spannende Kolleginnen und Kollegen in der Lehre, in der Kunst und in der Forschung. Ich sehe grossartige Sachen und bin sehr neugierig. Es ist eine grosse Freude, Teil dieses Abenteuers ZHdK zu sein. 

Ein Tag bei Pro Helvetia

Die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia fördert das zeitgenössische Kunst- und Kulturschaffen aus der Schweiz im In- und Ausland. Dieser Beitrag gibt einen Einblick in die vielfältigen Aufgaben der Musikabteilung.

Der Arbeitstag bei Pro Helvetia beginnt für viele der rund 70 Mitarbeitenden der Geschäftsstelle in Zürich im Zug. Nicht wenige pendeln von Basel, Bern, Fribourg, Lausanne oder Genf. Das garantiert einen spannenden Austausch mit Personen aus allen Landesregionen, was für eine nationale Stiftung von grossem Vorteil ist. Auf der Zugfahrt checken wir E-Mails, schauen Schlussberichte oder Gesuchsunterlagen an, schrauben an Konzeptpapieren und planen Sitzungen. Ein Büro auf Rädern. In Zürich angekommen wird häufig als erstes der Drucker bemüht: Die Beschlussbriefe, Schlussberichte und andere Unterlagen müssen ausgedruckt und weiterverarbeitet werden. 

Das erste Meeting des Tages gilt einem Gespräch mit einem Schweizer Musikfestival: das neue Programm wird vorgestellt, Förderkriterien werden erläutert. Bei der Festivalförderung achten wir – wie bei allen anderen Förderangeboten – auf die überregionale Ausstrahlung: ist das Festival bereits etabliert? Hat es sich in der Szene einen Namen gemacht? Werden Acts aus einer anderen Sprachregion programmiert? Wird es von Stadt und Kanton unterstützt und erfüllt somit das Subsidiaritätsprinzip? Ist das Festival eine wichtige Plattform für die Schweizer Szene? Die Gesprächsnotizen dienen später bei der Beurteilung des Gesuches. 

Nachhaltiges Touring

Anschliessend wird eine neue Eingabe angeschaut: es geht um die Tournee einer etablierten Schweizer Band in China. Bevor wir uns dazu einen abschliessenden Entscheid erlauben, werden die Kolleg:innen der Aussenstelle konsultiert. Sie sind nahe an der chinesischen Szene dran und können beurteilen, ob die Veranstaltungsorte ausreichend etabliert und das Gagenniveau sowie die Beteiligung an den Produktionskosten dem lokalen Kontext angemessen sind. Ausserdem achten wir auf eine nachhaltige Tourneeplanung – das gilt besonders bei so weiten Reisen. Neben Konzerten können auch Aktivitäten wie Workshops, Netzwerktreffen oder Recherche stattfinden. Pro Helvetia unterhält sechs Aussenstellen in verschiedenen Weltregionen. Der Austausch mit diesen Kolleginnen und Kollegen ist immer besonders spannend. 

Beim nächsten Gesuch geht es um eine kleine lokale Konzertreihe eines jungen Streichquartetts, das noch nicht ausreichend etabliert ist. Die beteiligten Komponistinnen und Komponisten sind bisher zwar in ihrer eigenen Stadt gespielt worden, jedoch reicht das leider noch nicht für eine Unterstützung von Pro Helvetia.

Internationale Netzwerk-Arbeit

Am Nachmittag steht eine interne Sitzung zur Planung eines Netzwerkanlasses bei einem Schweizer Festival an: Welche internationalen Kuratorinnen und Kuratoren wollen wir einladen? An welchem Festivaltag lässt sich möglichst viel Schweizer Programm erleben? Welche Musikschaffenden aus der Schweiz laden wir zusätzlich zum Netzwerk-Apéro ein? Der Schritt ins Ausland ist für Musikschaffende aus der kleinen Schweiz enorm wichtig. Hier haben wir einen besonderen Auftrag. Da auch ausländische Veranstalterinnen und Veranstalter wie Festivals und Clubs sich bei uns um Förderung bewerben können, pflegen wir viele Kontakte und gestalten so den Export der Musik aus der Schweiz entscheidend mit. 

Nach der Sitzung geht es weiter mit einer E-Mail unserer Abteilung «Globale Kontakte und Initiativen». Eine bolivianische Kuratorin möchte für vier Wochen die hiesige Elektro-Musik-Szene kennenlernen. Sie hat ein breites Netzwerk in Südamerika und veranstaltet jährlich ein Festival für Clubmusik, inklusive Workshops und Masterclasses. Das ist ganz im Sinne des Kulturaustausches und eine grossartige Plattform. Dieser Researchtrip scheint uns absolut unterstützenswert und mit Hilfe eines Coaches wird sie die Zeit bestmöglich nutzen können. Wir werden dafür sorgen, dass sie neue Kontakte zu DJs, Producern, Labels und Veranstaltenden knüpfen kann.

Vor Feierabend wird noch die Termineinladung für die nächste Retraite bestätigt: unser Ziel ist es, bisher unterrepräsentierte Musikszenen stärker anzusprechen. Neue Fördermassnahmen bedeuten auch viel Diskussionsbedarf! 2024 setzen wir zwei neue Förderangebote um: Push-it richtet sich an Nachwuchsmusikerinnen und -musiker und ihre Labels und Feat. an die Hip-Hop- und Elektro-Szene.

Höchste Zeit, wieder in den Zug zu steigen, denn am Abend steht ein Konzert auf dem Programm: die neue Produktion einer Musiktheater-Compagnie, welche demnächst an einem Festival im Ausland gezeigt wird. Wir haben die Kreation sowie die Tournee unterstützt und sind deshalb besonders gespannt, das Stück nun zu sehen.

Facts & Figures

Wer wird gefördert: Musikschaffende mit Schweizer Pass oder festem Wohnsitz in der Schweiz, die überregional etabliert sind und eigenes Repertoire kreieren sowie Veranstaltende im In- und Ausland

Was wird gefördert: u.a. neue Produktionen, internationale Präsenz (Tourneen, Festivalauftritte), Albumproduktionen mit Release-Tournee, Festivals mit nationalem Renommee

Was sind die wichtigsten Kriterien: Überregionalität, Subsidiarität, angemessene Gagen, innovatives Programm

Tipps für die Gesuchseingabe

• Auf der Website Förderkriterien prüfen und Gesuch online einreichen.

• Online-Maske mit kurzen Texten befüllen, Wiederholungen der Dossier-Texte vermeiden.

• Ein detailliertes Budget sowie ein realistischer Finanzierungsplan sind essenziell.

• Prüfen, ob ein Förderangebot der Abteilung Musik ausgewählt wurde. 

Zwischen Massenpanik und Musikermedizin

Deutschland hat ihn einst für seine Betreuung der Opfer der Duisburger Loveparade geehrt. Heute lehrt er in Köln die Grundlagen des gesunden Musizierens. Am Nationalen Gesundheitstag Musik ist Peer Abilgaard am 9. November in Luzern zu erleben.

Peer Abilgaard hat an der Hochschule für Musik und Tanz Köln Gesang und Trompete studiert und war als Countertenor Gastsolist am Staatstheater Darmstadt und in den  Opernhäusern in Halle, Gera, Altenburg und Bonn. An das Musikstudium schloss er ein Medizinstudium an der Universität Bonn an. Heute ist er Chefarzt der Klinik für Seelische Gesundheit am Evangelischen Klinikum Gelsenkirchen und Prüfer in verschiedenen deutschen Ärztekammern. 

An der Musikhochschule Köln gründete er 2009 das Peter-Ostwald-Institut für Musikergesundheit. Auch das «Netzwerk Musikermedizin Nordrhein», ein loser Zusammenschluss von Therapeutinnen und Therapeuten, Ärztinnen und Ärzten unterschiedlichster Fachrichtungen, geht auf ihn zurück. Als Gründungsmitglied der «Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin» ist er seit vielen Jahren an der Schnittstelle von ausübender Kunst, Musikpädagogik und Medizin engagiert. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen verfolgt er innerhalb der Fachgesellschaft eine ressourcenorientierte Weiterentwicklung des noch jungen Faches. 

Als Autor beschäftigt sich Abilaard mit resilienz- und würdeorientierten Ansätzen in der Psychotherapie, dem Stellenwert nonverbaler Psychotherapie  und einer ichstärkenden Musikpädagogik.

Mehr zum Nationalen Gesundheitstag Musik: swissmedmusica.ch/gesundheitstag

Schweizer Jahrbuch: Identität und Kreativität

Das Schweizer Jahrbuch für Musikwissenschaft komplimentiert mit seiner aktuellen Ausgabe die Trilogie zum Thema «Musik in Krisenzeiten».

Welche Rolle spielt die Musik zuzeiten von persönlichen Krisen? Wie geht man mit Schaffenskrisen um? Und wie werden Identitätskrisen in der Musik porträtiert? Diesen und weiteren spannenden Fragen geht der neuste Band des Schweizer Jahrbuchs für Musikwissenschaft nach, der soeben als dritte Publikation im Golden Open Access Format erschienen ist. Die vier Editorinnen Margret Scharrer, Vincenzina Ottomano, Lea Hagmann und Laura Möckli, die in ganz unterschiedlichen Bereichen der Musikwissenschaft zuhause sind (historische Musikwissenschaft, Musiktheaterwissenschaft, Musikethnologie), komplimentieren damit ihre Trilogie zum Thema «Musik in Krisenzeiten».

Die Begriffe «Krisen» und «Musik» werden dabei weit gefasst. So behandelte der erste Band der Trilogie (Bd. 38, 2021) als Reaktion auf die Covid-19 Pandemie vor allem Pandemien (Covid-19, AIDS), während sich der zweite Band (Bd. 39, 2022) Konflikten und Kriegen (Belliphonie, SARS, Grenzkonflikten etc.) widmete. In ihrer Einleitungen zum aktuellen Band Identität und Kreativität (Bd. 40) schreiben die Herausgeberinnen: 

Krisensituationen gehören zum festen Bestandteil der menschlichen, gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und künstlerischen Erfahrung. Sie stellen zwar Ausnahmesituationen dar, sind aber dennoch überall anzutreffen, nicht nur in Gebieten, die von Hunger, Krieg und Krankheit heimgesucht werden, sondern auch in wohlhabenden Gesellschaften. Krisen manifestieren sich in den unterschiedlichsten Formen und werden auf unterschiedliche Weise wahrgenommen und bewältigt. (SJM, Bd. 40, S. 7)

Der Hauptartikel im aktuellen Band von Naomi Matsumoto (Goldsmiths, University of London), Representing Insanity and the Crisis of Identity through Henry Purcell’s «Bess of Bedlam»  beschäftigt sich mit Henry Purcells Ballade Bess of Bedlam (1683), an deren Beispiel Matsumoto illustriert, wie im 17. Jahrhundert das Konzept des Wahnsinns dargestellt wurde in einer Liedgattung, die als «mad song» bezeichnet wird. Als weiteren Artikel untersucht Florian Besthorns «Ihr Völker lernt gefährlich leben». Mit Katastrophenmusiken auf dem Weg zum Frieden? Jörg Widmanns Oratorium Arche in Bezug auf die Themen Glaube, Göttlichkeit und persönliche Verantwortung, und fragt, wie eine Gesellschaft in Zeiten der Krise neue Antworten auf die Frage nach einer gerechteren Welt finden kann. Martin Pensas Artikel Die Welt in einem neuen Licht sehen – Gustav Mahlers Spätwerk als Symptom einer persönlichen Krise? wirft einen genaueren Blick auf das Spätwerk Gustav Mahlers und die komplizierten Zusammenhänge mit der persönlichen Krise des Komponisten im Jahr 1907 – als er sowohl seine Tochter Maria Anna als auch seine Stelle als Direktor der Wiener Hofoper verlor und gleichzeitig von seinem unheilbaren Herzversagen erfuhr.

Neben den drei Hauptartikeln, beschäftigen sich Autor*innen in der Rubrik «Zeitzeugen» mit weiteren Aspekten von Identitäts- und Schaffenskrisen, etwa im Interview mit der Komponistin Manuela Kerer, im Gespräch mit dem Regisseur Alexander Nerlich, im Projekt Music as Empowerment, das mit Sound-Projekten Sprachbarrieren zwischen Schweizer Forschenden und jungen Geflüchteten im Kanton Luzern zu überwinden sucht, oder in der Bühnenproduktion von Lea Luka Sikau und Nat Jobbins, die sich mit psychischer Gesundheit, Queerness, Wahnsinn, Scheitern und Kreationsprozessen beschäftigt. Die Rubrik «Werkstatt CH» komplementiert den Band mit Berichten zu aktuellen musikwissenschaftlichen Projekten an Schweizer Universitäten und Hochschulen, sowie Tagungsberichten und Buchrezensionen.

DOI:
doi.org/10.36950/sjm.40

CAS FH Musikpädagogik Suzuki-Methode: Eine Teilnehmerin im Interview

Mitten im Suzuki-Leben: Deborah Furrer ist Suzukilehrerin an der Musikschule Zürcher Oberland und unterrichtet an der Steiner Schule Zürcher Oberland Musik. Im Sommer 2023 hat sie an der Kalaidos Musikhochschule den Suzuki Level 1 Kurs abgeschlossen und absolviert zur Zeit Level 2.

Die Kalaidos Hochschule bietet seit drei Jahren in Kooperation mit dem Suzuki-Institut Schweiz und der Suzuki-Ausbildnerin Agathe Jerie die Weiterbildung Musikpädagogik Suzuki-Methode an. Sie steht allen offen, die ein Hochschul-Diplom mit Hauptfach Geige oder Bratsche haben, dauert ein Jahr und findet in einer Intensivwoche in Interlaken und dann im Raum Zürich statt. In Auseinandersetzung mit neuesten Forschungserkenntnissen lernen Studierende, die Praktiken und Theorien Suzuki Shin’ichis anzuwenden. 

Liebe Frau Furrer, warum haben Sie sich zu einer Suzuki-Ausbildung entschlossen?

Weil diese Methode «Hand und Fuss» hat! Vor 7 Jahren startete meine eigene Tochter das Geigenspiel nach der Suzuki Methode. Ich als Mutter und Geigerin hatte Gelegenheit, die Methode in der Praxis gut und fundiert kennenzulernen. Dann in der Ausbildung bekam ich ein differenziertes Wissen vermittelt, wie das komplexe Erlernen des Geigenspiels auf klare und einfache Art und Weise vermittelt werden kann. Das finde ich grossartig!

Was unterscheidet die Suzuki-Methode von anderen musikpädagogischen Ansätzen? 

Neben dem frühen Start mit der „Muttersprachen-Methode“ ist es das Zusammenspiel von Anbeginn: Wir tun es gemeinsam! Zusammen klingt es noch viel schöner! Dies sind wichtige Erfahrungen für das Kind. Es lernt, sich in eine Gruppe einzufügen, auf andere Rücksicht zu nehmen und zuzuhören! 

Daneben wird auf das Notenlesen verzichtet: Dadurch kann die Schulung des Gehörs, die Konzentration auf den Rhythmus und die Intonation, die Geigenhaltung, der Bewegungsablauf beim Spielen, der Klang und der Ausdruck ungestört vonstatten gehen. 

Ausserdem ist die elterliche Unterstützung und die Zusammenarbeit von LehrerIn, Eltern und Kind von grosser Bedeutung. 

Der Unterricht ist also dem Entwicklungsstand, den Fähigkeiten und der speziellen Physiologie von Kleinkindern angepasst und didaktisch speziell konzipiert. Mit diesem Fokus ist die Suzuki-Methode heute aktueller denn je: Frühförderung und Gruppenunterricht sind in aller Munde und werden an vielen Schulen und Musikschulen angeboten.

Was waren die Meilensteine Ihrer Suzuki-Ausbildung?

Ich lernte einen Schatz an Anregungen und Ideen für einen lustvollen, bildhaften, spielerischen und dennoch sehr fundierten Unterrichtsaufbau kennen. Obwohl ich die Ausbildung mit vielen Jahren Unterrichtserfahrung startete, wurden mir viele neue Türen geöffnet und Welten erschlossen – dafür bin ich unendlich dankbar!

Daneben erfuhr ich in der lebendigen und anregenden Zusammenarbeit im Kurs viel über die technischen Aspekte des Geigenspiels. Denn alle Teilnehmenden stellten sich in gewisser Weise wieder an ihren Anfang und hin-terfragten so manche Dinge ganz neu – und alles im Dienste des Kindes und seines Weges zur Musik. 

Schliesslich hatte ich die entscheidende Erkenntnis, dass es bei der Suzuki-Methode um einen Schulungs-, bzw. Erziehungsweg geht, in dem kostbare Fähigkeiten entwickelt werden, die für alle Lebensbereiche von grosser Bedeutung sind. Die Suzuki-Methode ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Lebensschulung.

Inwiefern hat die Ausbildung Ihre Unterrichtspraxis verändert?

Die Methodik öffnete mir die Augen dafür, dass gerade der frühe Anfang die Liebe und Anerkennung der kleinsten Schritte braucht. Das Kind erlebt dadurch von Anbeginn eine wertvolle und entscheidende Verbindung zum Instrument, zur Musik und zu sich selbst – was etwas Wunderbares ist. 

Und eine neue Freude für das Unterrichten ist bei mir gewachsen, so dass ich heute nochmals eine tiefere Sinnhaftigkeit erleben darf. Dafür bin ich sehr dankbar. 

Wie kann man sich den Aufbau der gesamten traditionellen Suzuki-Methode vorstellen?

Die Suzuki-Schule besteht aus insgesamt 10 Bänden und diese werden in fünf verschiedenen Levels erarbeitet. Pro Level braucht man in der Regel ein Jahr. Wie viele Levels man machen möchte, entscheidet man individuell. Die Kalaidos Hochschule bietet aktuell zwei Levels an, d. h. die Ausbildung für die Suzuki-Bände 1 – 3. 

Wie sehen Sie die Zukunft der Suzuki-Methode?

Ich wünsche der Suzuki-Methode, dass ihr Wissen, ihre Philosophie, ja eben ihr Geist von immer mehr Menschen verstanden und gelebt wird, und dass sie immer mehr Musikerinnen und Musikern, die nach einem neuen, tieferen oder höheren Sinn beim Unterricht suchen, die Hand reichen kann!

Weitere Informationen unter: 

www.kalaidos-fh.ch/de-CH/Studiengaenge/CAS-Certificate-of-Advanced-Studies-Musikpaedagogik-Suzuki-Methode

 

CAS FH Musikpädagogik Suzuki-Methode 

Der neue Kurs CAS FH Musikpädagogik Suzuki-Methode startet im August 2024, Bewerbungsschluss ist am 1. Juli 2024!

Veränderungen in der Geschäftsstelle

Helen Gebhart übergibt die Geschäftsführung der SMG an Luc Vallat. In einem kurzen Interview sprechen die beiden Musikwissenschaftler über ihre Verbindung zur SMG.

Après plusieurs années consacrées à la direction de la SSM, Helen Geb-hart quitte son poste afin de s’engager dans un projet de doctorat à l’Université de Bâle, sous la supervision d’Hanna Walsdorf. Avant d’endosser le rôle de responsable de la SSM, Helen a effectué des études de musicologie à l’Université de Bâle. En 2021, elle avait repris le poste de responsable de la SSM à la suite de Benedict Zemp.

Helen Gebhart est remplacée par Luc Vallat. Après des études de musicologie à l’Université de Fribourg, Luc a réalisé un doctorat à l’Université de Berne, sous la direction de Cristina Urchueguía. Actuellement chargé de cours suppléant à l’Université de Genève et collaborateur scientifique pour divers projets, il a repris le poste de responsable de la SSM depuis le 1er mai 2024.

Au moment de se passer le relais, Helen et Luc se sont interviewés mutuellement. Entre souvenirs et projections, les deux musicologues évoquent leurs liens avec la SSM.

Helen Gebhart, du warst in den letzten drei Jahren Geschäftsführerin der SMG. Was war deine Rolle innerhalb dieses Vereins?
Meine Arbeit war sehr vielfältig: ich habe die Vereinsgeschäfte der Zentralgesellschaft, wie die Hauptversammlung, Sitzungen des Zentralvorstands, organisiert, habe die Redaktion für das Schweizer Jahrbuch für Musikwissenschaft gemacht, war verantwortlich für RILM Schweiz und habe Artikel für die SMZ verfasst.

Als Geschäftsführerin hast du verschiedene Aktivitäten geleitet. Welche davon hat dich am meisten geprägt?
Die Publikation des SJM fand ich eine schöne Arbeit, wenngleich eine Herausforderung. Besonders hat mir an dieser Stelle gefallen, dass ich stets neue Leute aus den unterschiedlichsten Musikbereichen kennen gelernt habe.

Was haben dir die drei Jahre bei der SMG als Musikwissenschaftlerin gebracht?
Ich habe verschiedene Forschungsbereiche und -ansätze neu kennen gelernt, und konnte meine Recherche- und redaktionellen Kompetenzen deutlich ausbauen. Mein Horizont in der Musikforschung und dem Arbeitsleben hat sich dadurch deutlich erweitert. 

Nun schlägst du ein neues Kapitel in deiner Karriere auf, indem du dich als Doktorandin dem SNF-Forschungsprojekt «The Night Side of Music» anschliesst. Was ist das übergeordnete Thema dieses Projekts? Worauf wird sich deine Doktorarbeit im Besonderen konzentrieren?
Wie der Titel des Projekts schon andeutet, werden wir uns mit Musik und Nacht in früheren Jahrhunderten auseinandersetzen und erforschen, was «Nachtmusik» ist, wie z.B. ob es einen Unterschied zur «Tagmusik» gibt. In meinem Projektteil lege ich den Fokus auf die Stadt Basel. Man darf gespannt sein! 

Cher Luc, quel a été jusqu’à présent ton lien avec la SSM ?
Pendant la réalisation de mon doctorat, j’ai rejoint la section bernoise de la SSM, avant d’en devenir le vice-président en 2020. Je garde en particulier un excellent souvenir d’un atelier de danse de la renaissance que nous avions organisé en 2021. Etant également rédacteur pour le Dictionnaire du Jura, je m’intéresse beaucoup au Dictionnaire de la musique en Suisse. Je suis donc très heureux de rejoindre la direction de la SSM afin de m’investir dans les multiples facettes de cette société académique !

La SSM est une société plus que centenaire. Quels sont les défis qu’elle devra relever dans les années à venir ?
Toute association est continuellement confrontée à la question du maintien et du renouvellement de ses membres. Il me semble donc important de prendre en considération les intérêts de chacune et de chacun dans les activités de la SSM. Je pense notamment aux nouvelles générations de musicologues, aux différentes régions linguistiques ou encore aux champs d’études et aux projets variés de notre discipline.

Nationaler Gesundheitstag Musik

Am 9. November 2024 organisiert Swissmedmusica in Luzern einen für alle offenen Nationalen Gesundheitstag Musik.

Der Gesundheitstag steht unter dem Motto «Prevention and Musical Excellence» und informiert möglichst umfassend über Präventions- und Therapieangebote in der Schweiz. Hochkarätige Referate informieren über die neuesten Entwicklungen in der musikermedizinischen Forschung, in Workshops können Techniken des gesunden Musizierens erfahren werden.  Eine Tischmesse mit Info-Materialien bietet einen Überblick über Therapie- und Präventionsangebote in der ganzen Schweiz. Fachleute beantworten zudem gerne Fragen zu individuellen Strategien des gesunden Musizierens und zur Steigerung des Wohlbefindens im Musikalltag. Die Referate werden simultan übersetzt. An der Tischmesse präsentieren sich vor allem die Mitglieder des schweizweiten Swissmedmusica-Netzwerkes. Damit sind hohe Qualität und Seriosität der Angebote sichergestellt. 

Mitglied werden

Interessierte, die an der Tischmesse des Gesundheitstages eigene musikermedizinische Angebote präsentieren möchten, können bei Swissmedmusica eine Mitgliedschaft beantragen. Mitglieder werden können auch interessierte Musikerinnen und Musiker. Swissmedmusica unterstützt alle auf dem Weg zum gesunden und emotional erfüllten Musizieren. Mitglieder profitieren überdies von Vernetzungsplattformen aller musikermedizinisch Aktiven in der Schweiz und international, einem exklusiven inhaltsreichen Newsletter mit Informationen zu Medien, Veranstaltungen und aktueller Forschung in der Musikermedizin sowie Vergünstigungen für Fachzeitschriften und dem Eintritt zum Gesundheitstag Musik.

Mehr Infos: swissmedmusica.ch/mitgliedschaft

Mit vereinten Kräften zum Ziel

Ein «Joint Venture» der Swiss Philharmonic Academy (Phil-A), des Neuen Zürcher Orchesters (NZO) und des Alumni- & Sinfonie-Orchesters der Universität Bern (ALSO) mit der Kalaidos Musikhochschule (KMH) bietet die ideale Plattform für solistischen Nachwuchs.

Die praxisnahe Ausbildung insbesondere für Menschen, welche bereits im Berufsleben stehen, ist zentral an der KMH. Dass talentierte Konzertsolist:innen nur darauf warten engagiert zu werden, ist eine tradierte Vorstellung. Der Masterstudiengang «Specialized Performance» setzt genau hier an, um den Absolvierenden zu zeigen, wie sie sich selbstständig den Musikmarkt erschliessen und/oder eigene Projekte konzipieren und durchführen:

Ein Teil der Abschlussprüfung, welche zum Solistendiplom führt, beinhaltet die Aufgabe ein Orchester zusammenzustellen oder mit einem solchen in Kontakt zu treten, um ein Solokonzert zu realisieren. Die Studiengangsleitung unterstützt hier im Hintergrund mit Know-How und Netzwerk.

Erfolgreiche Kooperation

Ein Paradebeispiel dieses Modells befindet sich nun auf der Zielgeraden: KMH-Student Aristotelis Papadimitriou und Dirigent Martin Studer führen am 16. Mai das zweite Klavierkonzert von Sergej Rachmaninov in Zürich auf. Für das anstehende Projekt, bei dem auch Bruckners vierte Sinfonie auf dem Programm steht, kumuliert Studer nun «seine» verschiedenen Orchester, die aus einem reichhaltigen, gut gepflegten Pool von Musizierenden bestehen. Hier harmonieren gestandene Profis neben jungem studentischem Nachwuchs und Amateurmusiker:innen miteinander. 

Generationenübergreifende Förderung und Motivation

Für Martin Studer stand die Unterstützung junger Musizierender in seinem vielseitigen Wirken stets im Fokus. Die Früchte seiner Energie zeigen sich in der Phil-A, dem NZO und ALSO: Allesamt Orchester, welche er nebst anderen Institutionen aufgebaut hat und quasi allein verantwortet. Das klassisch-motivierende Bild eines «self-made-man», der zufrieden auf sein Erreichtes schauen kann und diese Erfahrungen sowie das damit verbundene Wissen gerne weitergibt. Nur zurecht hat die Fachstelle Kultur des Kantons Zürich sein Engagement durch einen Preis anerkannt.

Stagnation ist Rückschritt 

Ideale Voraussetzungen für Aristotelis Papadimitriou. Der in Griechenland geborene, vielfache Wettbewerbspreisträger hat bereits unterschiedliche Musikhochschulen besucht, künstlerisch-musikpädagogische Studien absolviert sowie bei verschiedenen Professor:innen gelernt. Neben seiner aktiven solistischen Tätigkeit unterrichtet er an Musikschulen in Zürich und Umgebung. Auch wenn er die Stabilität schätzt, ist es für Papadimitriou noch nicht genug. Um weiter vorwärts zu kommen und nicht zu stagnieren, wollte er sich den Feinschliff bei Barbara Szczepanska holen, die neben ihrer Professur in Düsseldorf auch akkreditierte Klavierdozentin der KMH ist. Nur durch das flexible, modulare und hochgradig selbstverantwortliche Studienmodell kann er das Curriculum mit seiner Wunschdozentin kombinieren und dieses berufsbegleitend durchführen.

Der Nummer-Eins-Hit der klassisch-romantischen Literatur steht in c-moll

Bevor Papadimitriou Ende Juni mit einem Rezital sein Studium abschliesst, steht nun noch die vorletzte Prüfung an. Das auf die Agenda gesetzte Werk haben er und Studer nicht zufällig gewählt, sondern sie möchten dem Publikum einen Liebling bieten: Rachmaninovs Opus 18 führt die Hall of Fame von Classic FM an – so haben die Hörer:innen des britischen Radiosenders abgestimmt.

Schon bei der Schöpfung war es ein Hit: Sein Konzert half dem russischen Komponisten und Pianisten nach einer tiefen Depression und Schaffenskrise zum Comeback und manifestierte seinen Ruhm.

Konzerttipp
«Romantische Sehnsucht 3.0»
Donnerstag, 16.05.24, 19.30h Zürich, Kirche St. Peter
Programm:
S. Rachmaninov: Klavierkonzert Nr. 2 c-moll, op. 18
A. Bruckner: Sinfonie Nr. 4 Es-Dur «Romantische»
Tickets: www.nzo.ch

Neue Charta der Schweizer Musik mit der SRG

Der Schweizer Musikrat und weitere 9 Verbände unterzeichnen am 14. März 2024 die erneuerte Charta der Schweizer Musik in einem feierlichen Rahmen in Zürich statt. Diese Charta gibt es seit genau 20 Jahren.

Damit ging ungefähr ein Jahr Vorarbeit zu Ende: Anhand der Version von 2016 wurde auf das 20jährige Jubiläum hin der Inhalt der Charta der Schweizer Musik einer kritischen Überprüfung unterzogen und den aktuellen Gegebenheiten angepasst: Der Begriff «Schweizer Musik» ist neu wie folgt definiert: «Als Schweizer Musik – unabhängig von Stil und Sprache – gelten Aufnahmen von Urheber:innen und/oder Interpret:innen, die und/oder Schweizer:innen sind, die und/oder einen klaren Bezug zur Schweiz aufweisen, die und/oder aufgrund der bisherigen Karriere als Schweizer:innen betrachtet werden». Eine gewisse Modernisierung ist auch nötig geworden wegen des veränderten Medienkonsums der Gesellschaft: Die von der SRG produzierten Inhalte sind bereits seit einigen Jahren nicht mehr nur linear als Radio- und TV-Kanäle zu hören und zu sehen, sondern rund um die Uhr in digitaler Version über zahlreiche weitere Kanäle wie Social Media, Podcasts, Streaming etc. verfügbar.

Für die Verbände, die sich für die Musik in der Schweiz einsetzen, sind sicher die folgenden beiden Prinzipien aus der Charta besonders wichtig:

(1) «Es wird anerkannt, dass die Vielfalt und die Neuheiten der gesamtschweizerischen Musikszene – auch über die Sprachregionen hinaus – zum Tragen kommen und die breite Öffentlichkeit dafür sensibilisiert werden soll.»

(2) «Die SRG SSR leistet mit der Berücksichtigung der Schweizer Musik einen unver-zichtbaren kulturellen Beitrag für das Publikum.»

Ebenso wichtig sind die redaktionellen Bei-träge der SRG über die Schweizer Musikszene: In privaten Medien findet die Musikkritik (oder Kulturkritik allgemein) fast nicht mehr statt.

Auch in der erneuerten Charta ist festgehalten, dass sich die SRG verpflichtet, einen angemessenen Teil an Schweizer Musikpro-duktionen in den Radioprogrammen auszustrahlen. Dazu werden jährlich mit den Partner:innen [siehe rechts] der Charta Richtwerte festgelegt, die erfreulicherweise meist übertroffen werden.

Beim Anlass zur Unterzeichnung der Charta im vergangenen März in Zürich hob der Generaldirektor der SRG, Gilles Marchand, in seiner Ansprache die Erfolge der SRG im Musikbereich hervor. Er sieht das Unternehmen als gut aufgestellt für die Herausforderungen der Zukunft. Als Vertreterinnen der Verbände sprachen Sandra Tinner und Cécile Drexel, je Geschäftsleiterinnen des Schweizer Musikrats und von SONART, zu den geladenen Gästen. Sandra Tinner rollte kurz die Geschichte auf, wie die Verhandlungen zwischen Musikbranchen-Verbänden und der SRG Ende der 1980er-Jahre begannen und schliesslich zum Erfolg führten. Cécile Drexel lobte die Charta ebenfalls, unterliess es aber nicht an die SRG zu appellieren, dass bei den Richtwerten für Schweizer Musik noch «Luft nach oben» sei. Einig war man sich, dass die SRG einen unverzichtbaren Beitrag für die Schweizer Musik leistet und dass entsprechend das Engagement gegen die Halbierungsinitiative gross sein wird.

Partner:innen der Charta der Schweizer Musik

  • IFPI Schweiz
  • IG Volkskultur
  • IndieSuisse
  • orchester.ch – Verband Schweizerischer Berufsorchester
  • Schweizer Musikrat (SMR)
  • Schweizerische Interpretengenossenschaft (SIG)
  • Schweizerischer Musikerverband (SMV)
  • Schweizerischer Verband der Musikverlage (SVMV)
  • SONART – Musikschaffende Schweiz
  • SUISA, Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik

Eigene kreative Projekte auf die Beine stellen!

Woher kommt die zunehmende Lust von Musikstudierenden auf Neues, auf Eigenes und auf Interdisziplinäres?

Pavel Stöckmann versuchte in seinem Bachelor-Projekt die Frage zu beantworten, «warum es den Menschen in der Kunst braucht und was ihn ausmacht und weshalb er nicht ersetzt werden kann durch KI.»

Wie neues Publikum für die existentielle Dimension der klassischen Musik begeistert
werden kann, fragte sich Alla Belova in ihrem Masterrezital. «Viele Leute gehen für ein Retreat nach Indien, weil sie denken, dass dies der mentalen Gesundheit hilft. Aber sie wissen einfach nicht, dass sie vor der Haustür ins KKL gehen könnten, um eine vergleichbare Erfahrung zu machen.»

Beide Studierenden der Hochschule Luzern – Musik scheuten keinen Aufwand, um ihre Fragen künstlerisch zu adressieren: Pavel Stöckmann durch umfangreiche Eigenkompositionen, den Einbezug verschiedener Kunst- und Medien-
formen und die Zusammenarbeit mit mehreren Dutzend Musikerinnen und Künstlern, Alla Belova durch musikalische Erforschung der Zeitempfindung in unterschiedlichsten Werken für fünf verschiedene Tasteninstrumente aus mehreren Jahrhunderten – und ihr Rezital war verbunden mit einem mehrmonatigen Vermittlungsprojekt mit Vorträgen, Workshops, Chatgruppen und Kurzvideos auf Social Media, und Publikums-
fragebogen. 

Die Pandemie als Faktor?

Es wird hin und wieder diskutiert, ob die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen der Musikbranche auch künstlerisch-kreative Entwicklungen angestossen hätten. «Viel schneller, als man es sich je vorstellen konnte, sind die Fragen aus dieser Zeit weit weg», ist die Einschätzung von Institutsleiter Michael Arbenz. Andere Faktoren seien für die Entwicklungen weit be-deutender, beispielsweise die mittlerweile allgegenwärtige Verfügbarkeit von Tools, mit denen einfacher als je zuvor auf professionellem Niveau künstlerische Konzepte am Computer bearbeitet und umgesetzt werden könnten.

In langer Frist – der Faktor Curriculum

Während vier Jahrzehnten zeichnete Peter Baur in verschiedenen Funktionen für die Ausbildung junger Musikerinnen und Musiker verantwortlich. In dieser Zeitspanne haben sich nicht nur das Berufsfeld und die Studierenden verändert. Baur weist darauf hin, dass auch die heutigen Prüfungsformate viel mehr Individualisierung erlauben, ja fördern: «Diese Möglichkeiten gab es vor Einführung der Bachelor- und Masterstudien gar noch nicht. Die wesentliche Leistung im heutigen Bachelorprojekt ist die eigenständige Idee, die künstlerisch und organisatorisch umgesetzt und anschliessend reflektiert wird. Ohne inhaltliche Vorgaben.» 

Studienkoordinator Erik Borgir sieht einen grossen Mehrwert in Experimentalformaten, die direkt und kontinuierlich im Studium integriert sind: «Im Fokus der Studiengänge stehen Aufführungserfahrungen. Du kannst üben, soviel du willst, ohne Aufführung weiss du nicht, wo du stehst. Ob eine Idee aufgeht, zeigt sich erst in der Interaktion mit der Bühnensituation, mit dem Publikum – alles andere ist graue Theorie.»

Faktor Infrastruktur

2020 zog die Hochschule Luzern – Musik in ein neues Gebäude mit vielen Experimentier- und Aufführungsorten, damit Ideen nicht graue Theorie bleiben. «Wenn du die Möglichkeiten und die Räumlichkeiten direkt vor dir hast, ist das anregend. In einem Raum Dinge konkret ausprobieren zu können, ist auch für den Entwicklungsprozess zentral. Das war an den früheren Standorten nicht möglich. Die neue Umgebung hat die Lust am Kreieren sehr gefördert», stellt Sascha Armbruster als Dozent und Studienkoordinator fest. Allerdings bringen neue Projekte auch neue Anforderungen mit sich, wie Cornelia Dillier als Leiterin Veranstaltungen/Technik weiss: «Heute braucht es eine Crew drumherum, die begleitet und berät… Es braucht andere Formen von Support.»

Faktor Mensch und mehr

Raum, Technik und Support genügen natürlich nicht. Kreative Projekte hängen von einzelnen Menschen und ihren Fragen ab. Aber die heutigen Formate kreativer Projekte konkretisieren sich oft in Zusammenarbeitsstrukturen, wie auch die hohe Bedeutung der Interaktion in den Abschlussprojekten von Pavel Stöckmann und Alla Belova zeigt. «Je mehr die Studierenden mitbekommen, dass es diese Möglichkeiten gibt, und je mehr sie in einer Umgebung der Kreativität und Kreation sind, desto mehr Interesse haben sie, auch so etwas zu machen», stellt Erik Borgir fest. Und die Umgebung der Studierenden reiche über die Hochschulen hinaus: «Die Schweiz hat eine fantastische Landschaft für diese Art von Arbeit. Es gibt viele kleine Orte, an denen solche Aufführungen möglich sind. Es gibt gute Förderstrukturen. Es gibt eingeschworene Gemeinschaften, die sich dafür interessieren und sich treffen. Und alles liegt geografisch nahe beieinander, sodass man sich schnell gegenseitig kennenlernt.»

Zusammengestellt durch:
Valentin Gloor, Direktor Hochschule Luzern – Musik

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