Katalanische Gitarrenromantik

Zwei Hefte erschliessen Stücke von hierzulande wenig bekannten Komponisten aus Barcelona

Herausgeber Rafael Catalá. Foto: zVg

Der in Österreich tätige spanische Gitarrist Rafael Catalá macht sich um jene Teile der spanischen Gitarrenmusik des 19. Jahrhunderts verdient, die bisher nicht ins allgemeine Repertoire eingeflossen sind. Im fünften Band seiner Reihe Música Ibérica stellt er Stücke des Katalanen José Broca (1805–1882) neben solche von José Ferrer (1835–1916), der wie Broca in Barcelona, darüber hinaus aber auch in Paris gewirkt hat. Ferrers spätromantische Menuette, Tangos und weitere musikalische «Bouquets», oft seinen Freunden oder fortgeschrittenen Studentinnen gewidmet, überzeugen immer wieder durch ihre wirkungsvolle Musikalität. Auch die Stücke von Broca, dem dreissig Jahre älteren Lehrmeister und Freund, wissen zu gefallen, kommen aber nicht ganz an jene seines Nachfolgers heran.

Im zeitgleich erschienenen vierten Band derselben Reihe stellt uns der Herausgeber alle zehn Werke des zwar weitgehend unbekannten, aber ebenfalls in der katalanischen Hauptstadt aktiven José Costa y Hugas vor. Hier ist der Walzer El Fagot interessant, der unter anderem auch von Daniel Fortea bearbeitet wurde. Und mit dem Hochzeitsstück Rêverie Nupcial werden alle jene Gitarristinnen und Gitarristen bedient, die auf der Suche nach gehaltvollen Tremolostücken sind.Image

José Costa y Hugas, Sämtliche Werke, (=Musica Iberica, Spanische Gitarrenmusik des 19. Jh., Band 4), hg. von Rafael Catalá, D 35 917, €22.95, Doblinger, Wien 2010

José Ferrer & José Brocá, Die kurzen Stücke, (=Musica Iberica, Spanische Gitarrenmusik des 19. Jh., Band 5), hg. von Rafael Catalá, D 35 918, €22.95, Doblinger, Wien 2010

Der britische Komponist, Filmmusiker und Jazzpianist Sir Richard Rodney Bennett ist laut britischen Pressemeldungen in New York im Alter von 76 Jahren verstorben.

Der 1936 in Kent geborene Bennett stammte aus einer musikalischen Familie, seine Mutter war Schülerin des Komponisten Gustav Holst. Er gewann 1953 ein Stipendium für das Royal Academy of Music. Seine Lehrer waren Lennox Berkeley und Howard Ferguson. Von der Komponistin Elizabeth Lutyens wurde er in die Musik der Avantgarde eingeführt, und mit Unterstützung der französischen Regierung bildete er sich während zwei Jahren bei Pierre Boulez weiter. Er war auch häufig Gast der Darmstädter Ferienkurse.

Bennett entwickelte eine eigene Sprache, die als «neoromantischer Serialismus» bezeichnet. In den 1960er-Jahren schrieb Bennett mehrere Opern, darunter die noch heute sehr populäre Kinderoper «All the King’s Men».

Bennett schrieb neben Orchestermusik auch eine Reihe erfolgreicher Filmmusiken, für die er unter anderem dreimal für einen Oscar nominiert wurde. Seine letzte Arbeit für den Film war 1994 die Musik zu «Vier Hochzeiten und ein Todesfall». Daneben war er auch als Jazzpianist aktiv.

Für den frühen Anfang

Der bewährte «Sassmannshaus» liegt nun auch in einer Version für Kontrabass vor.

Ausschnitt aus dem Heftcover

Nachdem vor anderthalb Jahren (SMZ 7-8/2011, S. 34) bereits einige neue Kontrabassschulen besprochen werden konnten, haben nun weitere Neuveröffentlichungen das Angebot bereichert.

Der «Sassmannshaus» ist zwar alles andere als neu. Neu ist, dass die ursprünglich für Violine und Violoncello konzipierte Schule für den frühen Unterricht ab vier Jahren nun für den Kontrabass bearbeitet und herausgegeben wurde. In diesem Alter ist es sinnvoll, mit textunterlegten Übungen zu arbeiten, ein Konzept dass sich durch den ganzen ersten Band zieht. Gleich nach den ersten einfachen Rhythmen auf leeren Saiten wird das Aufsetzen des 1. Fingers geübt. Dies ist auf dem Bass erfahrungsgemäss weniger günstig. Nicht verwendete Finger verkrampfen sich rasch, dasselbe gilt beim Spiel auf den tiefen Saiten sowie beim Aufsetzen und gleich wieder Anheben der Finger auf leeren Saiten. Für die Kleinsten erschwert letzteres die Lagenorientierung. Eher eignet sich Mary had a litttle lamb auf Seite 27. Hier können die jungen Spieler von der vollständig aufgelegten Hand ausgehen und sich mit Anheben der oberen Finger an die darunterliegenden Töne «herantasten».

Die Legatoübungen, oft über die nächste Saite führend, und die Einführung des Lagenwechsels von der 1. in die 2. Lage (statt dem in den meisten aktuellen Schulen bevorzugten Wechsel von der 1. in die 3. Lage) zeigen, dass sich ein für hohe Streicher erfolgreiches Konzept nicht einfach auf den Kontrabass übertragen lässt. Im dritten Band (bis in die 4. Lage) bedarf es bei einem solch frühen Beginn noch einige Zwischenschritte mehr. Trotzdem eignen sich viele Spielstücke und ansprechend arrangierten Duos für den klassisch orientierten Unterricht. Dem Verlag Bärenreiter ist hoch anzuerkennen, dass er sich für den frühen Instrumentalunterricht auf dem Kontrabass einsetzt.Bärenreiters Sassmannshaus, Früher Anfang auf dem Kontrabass, hg. von J. Peter Close und Holger Sassmannshaus; Band 1, BA 9660; Band 2, BA 9662; Band 3 BA 9663; je € 14.50, Bärenreiter, Kassel 2012

Für junge und ältere Spieler

Das «Kontrabass ABC» hat einen dritten Band erhalten. Ein Überblick.

Foto: biggur/depositphotos.com

Um dies vorwegzunehmen: Das auf dem Deckblatt angekündigte Versprechen, dass sich das Kontrabass ABC für junge und ältere Spielerinnen und Spieler eigne, wird eingelöst. Das musikalische Material bewegt sich zwischen klassischer Musiksprache und Standard-Jazz. Letzterer aber ausschliesslich in ausnotierter Weise. Nach je einem Band im Frühjahr 2011 und 2012 setzt nun ein drittes Heft den Aufbau fort.

Der Einstieg im ersten Band mit Flageolett und 3. Lage ist physiologisch günstig, setzt aber ein bereits erworbenes Grundverständnis über das Tonmaterial und die Musiknotation im Bassschlüssel voraus. Nach der Einführung des Bogens folgt die Pizzicato-Technik im Jazz. Die Ziele der jeweiligen Materialien, welche Tonleiter, Übungen und Spielstücke umfassen, sind sachlich, kompetent und ansprechend dargestellt sowohl im Text wie mittels Fotos und grafischer Elemente. Auch die zwei CDs (ausschliesslich für den ersten Band) sind von unprätenziöser Qualität und unterstützen das Selbststudium. Sie enthalten zu allen Übungen entsprechende Modellaufnahmen und Begleitparts. Während der Autor im ersten Band neben den Jazzübungen noch auf traditionelle und klassische bekannte Melodien zurückgreift, ist ab dem zweiten Band das meiste von ihm selbst komponiert. Dies ermöglicht einen konsequenten schrittweisen sowie zielorientierten Aufbau, auf die Dauer wirkt es jedoch berechenbar und bietet zu wenig musikalische Substanz.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Schule vor allem für den Aufbauunterricht mit Jugendlichen und Erwachsene eignet. Sie braucht aber dringend ausreichend ergänzendes Material aus dem vielfältigen originalen Repertoire, welches heute glücklicherweise in zunehmenden Mass wieder greifbar ist.

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Thomas Grossmann, Kontrabass ABC, Schule für junge und ältere Kontrabassistinnen und Kontabassisten; Band 1, GH 11746, mit 2 CDs, Fr. 32.80; Band 2, GH11747, Fr. 28.80; Band 3, GH 11748, Fr. 29.80; Hug Musikverlage, Zürich 2011/2012

Töne aus dem Nichts ins Nichts

Miniaturen für Stimme und Cello von Andrea Lorenzo Scartazzini

Foto: zeferli/depositphotos.com

In Bern kennt man vom Komponisten Scartazzini, 1971 in Basel geboren, vor allem die Oper Wut (2010 im Spielplan des Stadttheaters). Dass ihn auch kleinste Besetzungen mit Singstimme faszinieren, beweisen die ca. vier Minuten beanspruchenden Miniaturen Nachttief und Mond.

Die Anforderungen an den Sänger oder die Sängerin liegen nicht vorwiegend im Treffen der Töne, die auch im Zusammenklang mit dem Violoncello nicht abstrakt wirken; die dynamischen Bezeichnungen – zwischen pppp und mp liegend – sind anspruchsvoll, Töne kommen aus dem Nichts oder verschwinden ins Nichts. Ausserdem hat der Counter oder die Frauenstimme (am besten ein Mezzo) Crotales (kleine Becken) zu spielen, im ersten Satz mit Kontrabassbogen, im zweiten mit Metallbesen.

Die Texte werden als «Boutaden» bezeichnet. (Ich musste diesen Ausdruck nachschlagen: Einfall, Idee, Laune.) Die luftigen Wortschöpfungen wie «Blattanbeter» oder «Windverehrer» sind zusammenhängend komponiert, einzig im dritten Satz verzichtet der Komponist gänzlich auf Text und weist der Stimme eine Sotto-voce-Vokalise zu, entsprechend der vertonten Textzeile: «Ich lausch dem Winde, schweigend und versonnen.» Dafür fällt dem Cello, das bis anhin umspielt, umtrillert und mit Glissandi untermalt hat, die Aufgabe zu, den Wind mit allen Geräuschmöglichkeiten von Bogen und Instrument zu verkörpern.

Die Anweisungen sind im Notentext klar notiert, das erspart das Blättern in einem Index.

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Andrea Lorenzo Scartazzini, Nachttief und Mond, Drei Miniaturen für Counter (oder Frauenstimme) und Violoncello auf Texte von Arno Schmidt, BA 9366, € 9.75, Bärenreiter, Kassel 2012

Vergnüglicher Stilmix für Anfänger

Einfache, anspornende Stücke für Cellisten allein oder im Zusammenspiel.

Ausschnitt aus dem Heftcover

Der Engländer James Rae (*1957) hat bei der Universal Edition mehrere Serien mit Anfängerstücken für verschiedene Blas- und Streichinstrumente veröffentlicht (Debut-Reihe). Junge Cellisten werden an der Sammlung Cello Debut – 12 leichte Stücke für Anfänger für 1–2 Celli gewiss grosse Freude haben. Rae trifft mit den abwechslungsreichen Kompositionen genau den Ton, der Musikschülern den Einstieg in die Musikwelt erleichtert. Ob man sich gerade mit dem TV-Tango, der Ananas Rumba, dem Motorcycle Rock oder dem schaurig-gruseligen Skelett in der Besenkammer beschäftigt: Das Musizieren mit diesem populären Stilmix macht Spass.

Das Heft ist klug multifunktional angelegt: Es enthält Soli mit Begleitung (Nr. 1–4), Ensembles mit Begleitung (Nr. 5–8) und Ensembles mit Begleitung, die mit Heften für andere Instrumente aus der Debut-Reihe kombiniert werden können (Nr. 9–12). Die beiliegende CD mit peppig arrangierten Klavier- und Combo-Begleitungen, mit je einer Play-along-Version und einer kompletten Aufnahme zum Anhören, ermöglicht und erleichtert das Üben zu Hause. Der Cellopart ist auf die erste (enge) Lage beschränkt. Trotz ihrer Einfachheit enthalten die Stücke abwechslungsreiche musikalische und technische Aufgaben. Pizzicato-arco-Wechsel, Synkopen, Tremoli, Sul-ponticello-Spiel, aber auch die Anwendung von Dal-segno-Wiederholungen sind pädagogisch sinnvoll und anregend eingesetzt.

Die Klavierbegleitungen können separat erworben werden oder stehen, wie auch die hübschen Zeichnungen der Ausgabe, auf der Verlagsseite zum Gratis-Download bereit.

James Rae, Cello Debut, 12 leichte Stücke für Anfänger für 1–2 Violoncelli, mit CD und Klavierbegleitung, UE 21534, € 12.95; Klavierstimme, UE 21535, € 14.95; Universal Edition, Wien 2012

Rezension des Debut-Heftes für Flöte: SMZ 3/2012  S.38, 3. Spalte

Kreisen um Schönberg und Suter

Die Pianistin, Sängerin und Lyrikerin Claudia Sutter ehrt in ihrer «Hommage à R. S.» den Komponisten Robert Suter.

Claudia Sutter. Foto: lesalonbleu.ch

Wie in der auf Robert Schumann bezogenen kammermusikalischen Hommage à R. Sch. von György Kurtág herrschen in der Robert Suter (1919–2008) gewidmeten Hommage à R. S. expressive Miniaturen vor. Aus solchen bestehen nicht nur die beiden Suiten für Klavier (1943 und 1945) und das sehr kurze Stück Epilog – Wälzerchen- Reminiszenz (1997) von Robert Suter, sondern auch die Komposition unfassbar en Forme de Suite für Sing- und Sprechstimme und Klavier (2011) von Claudia Sutter.

Die als Pianistin, Sängerin, Lyrikerin und Leiterin der Basler Konzertreihe «Le Salon bleu» bekannt gewordene Musikerin fühlt eine Wesensverwandtschaft mit Robert Suter. Seine Grundprinzipien dienten ihr als Vorbild für ihre Vokalsuite, die eigene Texte mit einem Gedicht von Ingeborg Bachmann verknüpft: Archaisches, Inniges, Abstraktes und Virtuoses. Mit ihrem Einbezug von Sprechstimme und ausdrucksvoller Gestik erinnert die Komposition unfassbar an Schönbergs Pierrot lunaire, der am Ausgang von Robert Suters kompositorischer Entwicklung stand.

Wie Claudia Sutter in ihrer Komposition umkreist auch Robert Suter in seinen Deutschen Chansons für Singstimme und Klaiver (1978 und 1987) den Wiener Zwölftonpionier. Schönberg teilt in seinen Deutschen Chansons (Brettl-Lieder) mit dem Schweizer Komponisten nebst den Textdichtern Otto Julius Bierbaum und Frank Wedekind den leichten Tonfall, Ironie und jenen typischen wienerischen Charme, wie er auch die mit Suter verwandten Chansons von Georg Kreisler auszeichnet. In Suters geistvollen Refrainliedern und den übrigen Kostbarkeiten überzeugt die Künstlerin als einfühlsame Altistin im selben Masse wie als Pianistin in den frei-atonalen Klaviersuiten. Wie sie dort Trillerketten und Legatobögen gestaltet, selbst in Pianissimo-Passagen mit grossem Klangfarbenreichtum verblüfft und dem Notentext bis ins kleinste dynamische Detail hinein die Treue hält, beeindruckt nachhaltig.

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Hommage à R. S. Robert Suter: Suiten für Klavier Nr. 1 & 2, Deutsche Chansons für Singstimme und Klavier ; Claudia Sutter : unfassbar en forme de Suite für Singstimme und Klavier. Claudia Sutter, Klavier, Altstimme und Sprechgesang; Leslie Leon, Mezzosopran. Guild GMCD 7382

Im laufenden Herbstsemester 2012 haben sich insgesamt 12’995 Studentinnen und Studenten an der Universität Basel eingeschrieben. Musikwissenschaft bleibt eine sehr kleine Nische.

SMPV

Nun liegen die offiziellen Zahlen zum Herbstsemester 2012 der Universität Basel vor. Wie schon in den Vorjahren nahm die Zahl der Studierenden auch in diesem Jahr weiter zu. Die Uni verzeichnet zur Zeit insgesamt 12’995 immatrikulierte Studierende, im Jahr zuvor sind es 12’617 Personen gewesen (+378). Damit stieg die Gesamtzahl der Studierenden um 2,5 Prozent und erreicht einen neuen Höchststand.

Einen Master in Musikwissenschaft streben 3 Anwärter an, 12 Studierende bewerben sich um einen Bachelor in dem Fach. Am meisten Master-Anwärter zählen an der Philosophisch-Historischen Fakultät Englisch (27), Geschichte (26) und Deutsche Philologie (18).

 

 

Suisse Diagonales Jazz

Vom 12. Januar bis am 17. Februar bietet das Festival «Suisse Diagonales Jazz» zehn jungen Schweizer Jazzbands die Möglichkeit, in mindestens fünf Clubs ausserhalb ihrer Herkunftsregion aufzutreten, damit sie national beachtet werden.

Der Schweizer Perkussionist Pierre Favre, der Pianist Colin Vallon sowie der Komponist und Pianist Nik Bärtsch eröffnen das Festival «Suisse Diagonales Jazz» in Luzern.

Vom 12. Januar bis am 17. Februar bietet es zehn jungen Schweizer Jazzbands die Möglichkeit, in mindestens fünf Clubs ausserhalb ihrer Herkunftsregion aufzutreten, damit sie national beachtet werden. Das Festival eröffnet sein Programm, unterstützt von Pro Helvetia, am 12. Januar im Südpol in Luzern. Veranstaltet wird das Festival vom Verein Suisse Diagonales Jazz.

Mehr Infos: www.diagonales.ch

Foto: FM Trio (zvg)

Die Mitgliederversammlung der Suisseculture hat die Schriftstellerin Johanna Lier einstimmig zu ihrer Präsidentin gewählt. Johanna Lier tritt die Nachfolge von Ruth Schweikert an, die ihre Präsidentschaft nach vier Jahren abgibt.

Zeitliche Überlastung und weil sie sich wieder vermehrt ihrer Kernbeschäftigung – dem Schreiben – widmen wolle sei der Grund für den Rücktritt Ruth Schweikerts, schreibt Suisseculture.

Bekannt geworden ist Johanna Lier als Schauspielerin in Fredi Murers «Höhenfeuer». Später wechselte Sie zur Literatur. Poesie und Lyrik ist ihr literarischer Schwerpunkt. Zudem ist sie als Freie Journalistin tätig. Sie ist Mitglied im Verband «Autorinnen und Autoren der Schweiz» (AdS).

Johanna Lier tritt ihr Amt als Präsidentin der Suisseculture per sofort an. Sie wird unterstützt von einem elfköpfigen Vorstand, in dem die Schweizerischen Verbände professioneller Kulturschaffender aller Sparten vertreten sind.

Als Dachverband engagiert sich Suisseculture vornehmlich im Bereich landesweiter und übergeordneter Interessen der ihr angeschlossenen Verbände und Organisationen.

Mitglieder sind von der Musikseite her die Schweizerische Interpretenstiftung SIS, das Schweizer Musik Syndikat SMS, der Schweizerische Tonkünstlerverein, die SUISA und die SUISA-Stiftung für Musik sowie der Schweizerische Musikerverband SMV.

Volksmusik: forsch und keck

Ein Ensemble aus Berlin macht Volksmusik oder spielt mit volksmusikalischen Elementen – auch aus der Schweiz.

Foto: Anthony Gomez / unsplash.com

Nein, lustig machen Sie sich nicht, die Damen und Herren der Formation Zeitkratzer. Mit Arnold Schönberg haben sich die zehn Musiker schon beschäftigt, mit der Popmusik Lou Reeds und mit elektronisch experimenteller Musik. Nun also ist die Volksmusik an der Reihe, und die gehen sie nicht minder forsch an als ihre freie Schönberg-Interpretation. Ein vorwärts treibender rumänischer Rhythmus (Bouchimich), eine Melodie aus dem Schweizer Kanton Wallis (Ländler) oder eine Volksmusik-Aufnahme aus Appenzell (Zäuerli) – all das wird in den Händen der zehn Berliner Avantgarde Musiker zu einer seltsam schroffen, ja durchaus urwüchsigen Musik, die nur einen Haken hat: Sie entspricht kaum dem (Klang-)Bild, das viele von der heilen Welt der Volksmusik haben.

Letztlich haben die Zeitkratzer aber vollkommen recht: Ihre vitalen Stücke beruhen nicht weniger auf einer Konstruktion als ungleich sterilere Hochglanz-Inszenierungen von Volkmusik im abendlichen Fernsehprogramm. Wenn rumänische Ingredienzen mit bayerischen und schweizerischen Klängen und Gesängen kombiniert werden, dann treiben die Herren das «fluide» Prinzip mündlich oder musikalisch tradierter Volksmusik gewissermassen auf die Spitze. Weil sie bei ihren Forschungen in den Archiven so manch dissonante und mikrotonale Überschneidungen mit der Kunstmusik des 20. Jahrhunderts entdecken, wird die CD Neue Volksmusik zu einem unmittelbaren Hörspass voller Energie und Spannung. Aufgenommen wurde sie übrigens beim Festival Alpentöne in Altdorf.

Ein Resümee wäre: Zuweilen haben nicht die oft verkopften Avantgardisten, sondern die Bauern die Nasen vorn. Auch das ist natürlich eine kecke Überspitzung – durchaus aber einen Gedanken wert.

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Neue Volksmusik. Ensemble Zeitkratzer. Zeitkratzer Productions. Zkr 0014, Vertrieb Broken Silence

Klassenverbände und Arbeitsgemeinschaften aus ganz Europa sind bereits zum dritten Mal dazu aufgerufen, mit ihren innovativen und kreativen Schulmusik-Projekten eine
Fachjury zu überzeugen.

SMPV

Der ESP wird in den beiden Sparten Musikalische Arbeit im Klassenunterricht und Musikalische Arbeit in Arbeitsgemeinschaften vergeben, die wiederum in jeweils drei Unterkategorien aufgeteilt sind: Klasse 1 – 5, Klasse 6 – 12 und Förderschule.

Insgesamt ist der ESP mit einem Preisgeld in Höhe von 21’000 Euro dotiert, eine einzelne Schule kann mit bis zu 4000 Euro prämiert werden. In den ersten beiden Jahren, in denen der ESP vergeben wurde, sind zwölf Schulen ausgezeichnet worden.

Der Europäische Schulmusikpreis ESP ist 2010 vom Verband SOMM – Society Of Music Merchants e. V. ins Leben gerufen worden. Er wird seither jährlich verliehen. Das erklärte Ziel des Wettbewerbs ist es, den schulischen Musikunterricht mit seinen vielen positiven Aspekten für Kinder und Jugendliche zu stärken.

Mehr Infos: www.europaeischerschulmusik-preis.eu

Bild: knipseline – pixelio.de

Das stilistische Grenzen überschreitende Galatea Streichquartett wird mit dem Förderpreis des Kantons Zürich im Bereich Musik, Tanz und Theater ausgezeichnet.

Mit dem Kulturpreis zeichnet der Regierungsrat Personen oder Gruppen aus, die herausragende künstlerische Leistungen erbracht oder die Kultur mit ihrer Vermittlungstätigkeit gefördert haben. Der diesjährige, mit 50‘000 Franken dotierte Preis geht an den 67-jährigen Gestalter Hans Knuchel.

Junge Künstlerinnen und Künstler mit grossem Entwicklungspotenzial können den mit 40‘000 Franken dotierten Förderpreis des Kantons Zürich gewinnen. Im kommenden Jahr fällt er den Musikerinnen und Musikern Yuka Tsuboi, Sarah Kilchenmann, David Schneebeli und Julien Kilchenmann zu.

Die vier treten seit 2005 unter dem Namen «Galatea Quartett» als klassisches Streichquartett auf, wobei sie regelmässig Genregrenzen überschreiten. So sind sie auch schon mit John Lord von Deep Purple, Tina Turner oder im Musiktheater «The Dark Side of the Moon» nach Pink Floyd von Daniel Fueter aufgetreten. Auch zeitgenössische Werke gehören zu ihrem Repertoire.

Mit der Goldenen Ehrenmedaille zeichnet der Regierungsrat den Sänger und Musiker Fritz Näf für seine grossen Verdienste für das professionelle Chorschaffen in der Schweiz aus. Der 69-jährige Näf studierte an verschiedenen Schweizer Musikhochschulen Gesang und liess sich zum Chor- und Orchesterleiter ausbilden.

Er selber wirkte in zahlreichen Gesangsprojekten mit. 1978 gründete er das professionelle Vokalensemble «Basler Madrigalisten» und 1997 zusammen mit dem Tonhalle-Orchester Zürich den «Schweizer Kammerchor». Von 1986 bis 2000 leitete Näf Musikhochschule und Konservatorium Winterthur.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans anders

Eine Tagung an der Luzerner Musikhochschule beleuchtete wissenschaftliche Aspekte des Musikunterrichts für ältere Menschen.

Im Jahr 2035 wird mehr als ein Viertel der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Die jungen Alten sind gesünder und vitaler denn je und ein grosser Anteil ist interessiert an einer aktiven und vor allem sinnvollen Freizeitgestaltung. Immer mehr ältere Menschen wollen noch etwas Neues lernen, früher Gelerntes auffrischen oder weiterentwickeln. Sie haben Zeit und Geld, viele verfügen über ein überdurchschnittlich hohes Vermögen. Die weit verbreitete Meinung, dass alte Menschen nichts mehr dazulernen können, ist längst widerlegt. Das wachsende Bevölkerungssegment 65+ stellt damit den Boom-Markt der Zukunft dar und bildet auch ein interessantes Zielpublikum für den Musikunterricht. Musikschulen verzeichnen eine Häufung von entsprechenden Anfragen.

Musikgeragogik ist hochschulwürdig
Mitte der Neunzigerjahre wurden in Deutschland an der Universität Vechta und der Fachhochschule Münster die ersten beiden Lehrstühle für Musikgeragogik eingerichtet. Musikgeragogik beschäftigt sich mit musikbezogenen Vermittlungs- und Aneignungsprozessen sowie musikalischer Bildung im Alter. Bei alten Menschen ergeben sich besondere didaktisch-methodische Anforderungen, die sich von der Musikpädagogik für Kinder und Jugendliche unterscheiden. Marc Brand, Dozent für Pädagogik, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Forschung und Entwicklung an der Hochschule Luzern und Organisator der Tagung, hält geragogische Kenntnisse bei Lehrpersonen von älteren Menschen für essenziell: «Die Lehrperson muss ältere Menschen mögen, sich für sie interessieren, Möglichkeiten und Grenzen älterer Schüler erkennen und einen etwas erweiterten kulturellen Horizont aufweisen». Junge Lehrpersonen sollen sich nicht scheuen, ältere Menschen zu unterrichten: «Sofern sie authentisch sind, haben sie keine Probleme.» Zudem können sie viel für den Unterricht mit Kindern und Jugendlichen profitieren.

Teilhabe in jedem Alter
Konzepte wie «Active Ageing» und «Live-Long-Learning» haben auch den Musikunterricht erreicht. Hans Hermann Wickel, Professor für Musikgeragogik an der Fachhochschule Münster, hebt hervor, dass «die Möglichkeit zur aktiven Teilhabe an der Musikkultur» älteren Menschen genauso offen stehen müsse wie den Jungen. Theo Hartogh, Professor für Musikgeragogik an der Universität Vechta, thematisierte in seinem Workshop die neurobiologischen, entwicklungspsychologischen und bildungstheoretischen Hintergründe des Musikunterrichts für alte Menschen. Reinhild Spiekermann, Professorin an der Universität Detmold, umriss in ihrem Referat detailliert die altersbedingt veränderten Ressourcen: «Der Lehrende sollte wissen, welche für den Unterricht relevanten Aspekte des Sehens und Hörens sich wandeln. Auch Veränderungen von Motorik und Kognition spielen eine wichtige Rolle.» Urban Diener, Leiter der Musikschule Stans, hat eine langjährige Erfahrung mit dem Unterrichten älterer Menschen. Seit 1989/90 kann man sich an seiner Schule als Erwachsener musikalisch ausbilden lassen. Zu Beginn machten die «Alten» 1,9 Prozent der Schülerschaft aus. Heute sind es nahezu 10 Prozent. Der Unterricht für Erwachsene stellt aber besondere Anforderungen an die Lehrperson: Sie muss «auf die oft besonderen Bedürfnisse älterer Erwachsener eingehen, gut beraten, schrittweises Herantasten ermöglichen und flexible Angebote machen» können. Ältere Menschen sind anspruchsvoll und wissen meist genau, was sie wollen. Urban Diener stellt folgende Hauptbeweggründe fest: Sie wollen sich «einen lange gehegten Wunsch erfüllen, die neu gewonnenen Freiräume sinnvoll gestalten, etwas für sich ganz persönlich tun und die geistige Fitness erhalten». Erwachsene lassen sich ungern drängen oder tadeln. Sie haben meist keine Ambitionen mehr und lernen aus purer Freude, welche sie sich von der Lehrperson nicht verderben lassen wollen.

Studie an der HSLU
Die Alten sind für die Musikschulen ein «Markt» mit viel Potenzial. An manchen Musikschulen bestehen Angebote für Erwachsene, doch oft weder Konzept noch gezielte Werbung für dieses Kundensegment. Hier gibt es, laut Marc Brand, noch sehr viel zu tun. Grundlagenforschung zum Thema Musikgeragogik liegt reichlich vor, doch mangelt es auf Forschungsebene immer noch an Lebensbiografien älterer Menschen bezüglich Musikunterricht. Marc Brand betreut eine Studie an der Hochschule Luzern, die auf Interviews mit Musikschul-Senioren und ihren Lehrpersonen basiert. Musikunterricht für ältere Menschen soll ins Bewusstsein gerückt und für Musikschulen und Lehrpersonen Material zum Thema bereitgestellt werden. Im Frühling 2013 wird im Rahmen der kantonalen Weiterbildung ein von der Hochschule Luzern geführtes Seminar zum Thema angeboten.

Unterlagen zur Tagung: www.hslu.ch/musik-alter

 

Foto: Mit Musikunterricht erfüllen sich ältere Menschen einen lange gehegten Wunsch. © Marcel Bucher

 

Das Berner Musiktheater hat in der Saison 2011/12 weniger Besucher verzeichnet, die Konzerte des Symphonieorchesters der Bundesstadt waren etwas besser besucht.

Musik Theater Bern hat das erste Geschäftsjahr 2011/12 mit einem positiven Resultat in Höhe von 402‘547 Franken abgeschlossen. Dieses sei auf Kosteneinsparungen, auf höhere Ticketeinnahmen als erwartet sowie auf Sondereffekte aus dem Projekt der Zusammenführung zurückzuführen, schreibt die Institution in ihrer Medienmitteilung. Gegenüber der Voraussaison konnte die Besucherzahl allgemein leicht gesteigert werden.

Den deutlichsten Zuschauerzuwachs verzeichnete das Schauspiel: In seiner letzten Berner Saison präsentierte Schauspieldirektor Erich Sidler mit dem Ensemble 241 Vorstellungen und damit 38 mehr als in der Spielzeit zuvor. Die Besucherzahl stieg von 40‘572 auf 46‘353.

Die Besucherzahl im Musiktheater sank hingegen in 2011/12 um rund 7000 auf 33‘851. Mit ein Grund dafür sei gewesen, dass eine Neuproduktion weniger als im Vorjahr präsentiert worden sei.

Im Musiktheater waren der «Der fliegende Holländer» von Richard Wagner (70 Prozent Auslastung), Mozarts «Cosi fan tutte» (65 Prozent Auslastung) und die Wiederaufnahme von Händels «Semele» (72 Prozent Auslastung) die erfolgreichsten Produktionen. Die Zahl der Konzertbesucher des Berner Symphonieorchesters stieg von 28‘874 auf 30‘316 an.

Die Sparte Tanz unter Leitung von Cathy Marston konnte insbesondere durch eine verstärkte Präsenz im Grossen Haus und die Beteiligung am schweizweitenTanzfestival STEPS Publikum hinzugewinnen: Die Gesamtzuschauerzahl stieg von 9946 auf 10‘697.

Die französischsprachigen Vorstellungen der «Nouvelle Scène» wurden von insgesamt 3453 und damit rund zehn Prozent mehr Zuschauern als im Vorjahr (3124) besucht. 1128 Besucher wurden bei Gastspielen – darunter ein Auftritt der «Kummerbuben» – gezählt.

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