Die Honorare müssen nach oben

Nach drei Jahren Detailarbeit legt SONART seine Honorarempfehlungen vor. Der Verband der freischaffenden Musiker*innen ist zusammen mit den meisten Kulturverbänden in bester Gesellschaft. Die Empfehlungen bilden die komplexe Welt der freien Musikberufe ab: Kreation, Interpretation und Management in allen Sparten. Vor allem aber tragen sie dazu bei, die Gagen existenz­sichernd zu machen.

Uns ist bewusst: Das Niveau der SONART Honorarempfehlungen liegt für viele Veranstaltende in allen Sparten teilweise erheblich über dem aktuellen Stand. Nicht alle aus der Szene können hier von vornherein mitziehen. Gerade aber auch deshalb hat SONART – wie alle anderen Berufsverbände im Kultursektor – seine Empfehlungen erlassen und damit eine Lücke geschlossen: Wir wollten wissen, was lebenssichernde Honorare für Komposition, Songwriting, Konzertaufführungen, Produktionsmanagement sowie alle weiteren musikalisch-künstlerischen Aktivitäten von Musikprofis sind.

SONART hat sich dabei vorerst von der Frage leiten lassen, wie existenzsichernde Honorare ausgestaltet sein müssten. Vergleichbar mit anderen selbständigen Berufsfeldern, zum Beispiel im Handwerk, welche nebst dem Einkommen auch die Sozialleistungen, die Altersvorsorge, Versicherungen und Investitionen abdecken müssen. Die faire Gage für ein Konzert mit 800 CHF pro Person mag auf den ersten Blick hoch aussehen. Dahinter stecken aber drei bis vier Stunden Präsenz im Konzertsaal, unzählige Proben- und Übungsstunden, Anreise, Instrumente, usw. Aus diesem Blickwinkel sind die von uns empfohlenen Honorare absolut angemessen.

FairPay – MinimumPay: Ein ­Bandbreitenmodell für die Praxis

Honorare auf dem freien Markt sind aber auch Verhandlungssache. Den Musiker*innen ist auch mit der Rückenstärkung durch die SONART-Empfehlungen nach wie vor überlassen, zu welchen Honoraren sie auftreten – ihre Verhandlungspartner haben viele andere Kosten und können nicht in jedem Fall Hand bieten. Für uns auch klar: In der Musikszene sind Musiker*innen auf die Veranstaltenden angewiesen, es ist bei bestem Willen nicht immer das Maximum möglich, wenn ein Konzert zustande kommen soll. Deshalb arbeiten die SONART-Empfehlungen mit einem Bandbreitenmodell: FairPay ist die Höhe eines angemessenen Honorars, MinimumPay (je nach Kategorie zwischen 20 und 25 % tiefer angesetzt) ist die untere Grenze, welche nach Anwendung von Reduktionskriterien wie Grösse der Veranstaltung, Berufserfahrung, und Region nicht unterschritten werden sollte.

Kulturförderung: Ohne mehr Mittel sind die Ziele kaum erreichbar

Die Kulturbotschaft des Bundesrates, sowie die öffentlichen und privaten Kulturförderer erwarten von den Verbänden Honorarvorgaben und wollen die Zusage für Projektunterstützungen von der Frage abhängig machen, ob vom Gesuchsteller angemessen Gagen vorgesehen sind. Diese Praxis führt aber ohne entsprechende Mehrmittel für die Kulturförderung zu einer Verknappung und zu erheblich weniger unterstützten Gesuchen.

In dieser Konstellation sind die SONART-Empfehlungen ein Signal zur Weiterführung des Diskurses, der in der Pandemie in den Jahren 2020–2022 angesichts des Prekariats in der Kulturszene gestartet hat: Letztlich geht es darum, Zehntausende von Kulturschaffenden – darunter gut 10 000 bis 15 000 freischaffende Musiker*innen – abzusichern. Alle reden vom grossen gesellschaftlichen Wert und der wichtigen Rolle der Kultur – SONART will dazu beitragen, dass den Worten bald auch Taten folgen.

 

Alle Informationen, die SONART Honorarempfehlungen, ein ­Honorarrechner sowie Fragen & Antworten unter ­www.sonart.swiss/honorarempfehlungen.

 

Michael Kaufmann ist Präsident von SONART seit 2020. Er ist in Kultur- und  Musikinstitutionen tätig und auch musikalisch vielfältig unterwegs.

Tagung: Professionelle Musikausbildung

Am 23. und 24. Juni 2025 findet an der Zürcher Hochschule der Künste eine Tagung mit Referaten und Zeitzeugenberichten zur Vorgeschichte des Departements Musik von 1873 bis heute statt.

Seit über 150 Jahren existierte im Kanton Zürich eine erstaunliche Vielfalt an Schulen für angehende Berufsmusiker und -musikerinnen. Heute sind diese alle in das Departement Musik der ZHdK eingegangen. Besonders die Zeit um die Jahrtausendwende war geprägt von Fusionen, Integrationen und Neuorganisationen. Auf das Zusammengehen von Konservatorium Zürich und Musikakademie Zürich folgte die Fusion mit dem Konservatorium Winterthur, die Integration der Schauspiel- und der Tanzakademie, die Verbindung mit dem Rhythmikseminar, den Ausbildungen in Schul- und Kirchenmusik und schliesslich die Grossfusion mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst zur heutigen ZHdK. Noch heute sind die unterschiedlichen Herkünfte und Geschichten der Teilinstitutionen zu spüren. Aber eine genaue Aufarbeitung der institutionellen Wandlungen und der Kräfte von aussen und innen, die auf diese Veränderungen einwirkten, steht noch aus. Darum hat das Institute for Music Research der ZHdK begonnen, die Akten und Protokolle, die Jahresberichte und Hauszeitungen zu sichten. Dabei hat sich gezeigt, dass bislang nicht einmal die Namen aller Studierenden und Dozierenden seit den Gründungen der verschiedenen Schulen bekannt sind.

Denn bis im Jahre 1944 existierten im Kanton Zürich vier Institutionen, an denen professionelle Musikerinnen und Musiker ausgebildet wurden: die Musikschule Winterthur (ab 1952 auch Konservatorium; gegründet 1873), das Konservatorium Zürich (gegründet 1876), die Musikakademie Zürich (gegründet 1891) sowie das Privatkonservatorium José Berr (1913–1944). Es gibt also genügend Stoff, um die Unterschiede in den Entwicklungen jener Schulen aufzuzeigen, welche in das heutige Departement Musik eingegangen sind.

Bei der Durchsicht der schriftlichen Dokumente ist aber auch klar geworden, dass darin die wichtigsten Revolutionen häufig gar nicht genau benannt sind, weil sie damals allen Beteiligten nur allzu vertraut waren.

Aus diesem Grund besteht unsere Tagung nicht bloss aus Vorträgen, welche historische Fakten zu einzelnen Teilschulen resümieren, sondern auch aus offenen Gesprächen mit damaligen Zeitzeugen; denn die bisherige Arbeit hat gezeigt, dass persönliche Konstellationen, temporäre Schlagworte und politisches Kalkül hinter den damaligen Entscheidungen standen, welche ihrerseits die Atmosphären innerhalb der betreffenden Schulen bestimmt haben. Dabei haben auch die Bologna-Reform und die Verpflichtung der Fachhochschulen zur Forschung die genannten Prozesse zeitlich und inhaltlich begleitet. Letztlich münden diese Rückblicke in die Frage, wie sich vor dem Hintergrund der institutionellen Wandlungen die musikalische Ausbildung der Studierenden verändert hat und ob die Errungenschaften von damals nicht auch Rückschritte mit sich gebracht haben.

Darum richtet sich die Einladung zur Teilnahme an dieser Tagung an alle, die sich für Fragen der professionellen Musikausbildung interessieren, selbst – innerhalb des Kantons Zürich oder ausserhalb – als Studierende oder Lehrende an jenen Veränderungen teilgenommen haben und heute darüber reflektieren möchten. Das Forschungsprojekt «Professionelle Musikausbildung im Kanton Zürich» wird die Ergebnisse in die weitere Aufarbeitung einbeziehen und setzt sich zum Ziel, die Besonderheiten der zürcherischen Entwicklungen in den grösseren Kontext der Musikausbildung in Europa zu stellen. Denn was wäre eine Musikforschung, wenn sie nicht die biografischen, pädagogischen und institutionellen Grundlagen einbezieht, auf denen doch jede Musikerin und jeder Musiker und damit letztlich das ganze Musikleben basiert?

Freie unter Druck

Soziale Medien und Streamingdienste haben den emotionalen und mentalen Druck auf Freischaffende massiv verstärkt.

Laut Branchenkennern kämpfen Konzertveranstalter und Labels in den  letzten Jahren zunehmend mit kurzfristigen Absagen von Konzerten und Produktionsterminen. Der Grund sind offenbar psychische und psychosomatische Erkrankungen. Vor allem freie Musikerinnen und Musiker spüren den stark gestiegenen Druck, Aufgaben wie das Marketing selber zu übernehmen, die ihnen früher von den Labels und Agenturen abgenommen wurden. Es wird von ihnen heute erwartet, dass sie auf den sozialen Medien ständig präsent sind und ihre Fanbasis selber aufbauen. Auf der andern Seite sind frühere Einnahmequellen, der Tonträgerverkauf und Konzertgagen massiv eingebrochen. Und nun droht auch noch ein Wegfall weiterer Verdienstmöglchkeiten, durch den vermehrten Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der Produktion von Gebrauchsmusik.

Die britische Musikergewerkschaft Musicians‘ Union (UM) hat in einer Studie schon 2016 noch vor der Corona-Pandemie festgestellt, dass mehr als zwei Drittel der Freischaffenden unter starken Angstzuständen und  Depressionen litten, dreimal so viel als die Durchschschnittsbevölkerung. Sie hat mit einem Leitfaden für Freischaffende reagiert, der helfen soll, mit den heutigen mentalen und emotionalen Herausforderungen bewusst umzugehen.

 

Der Leitfaden findet sich im Web mit einer Suche nach «A-Young-Freelancers-Guide-to-Mental-Health-and-the-­Music-Industry.pdf»

Neue Vorstandsmitglieder im Schweizer Musikrat für die Periode 2025 – 2029

Anlässlich der Gesamterneuerungswahlen im Schweizer Musikrat wählten die Delegierten 7 neue ­Vorstandsmitglieder und Nationalrat Stefan Müller-Altermatt als neuen Präsidenten.

Anfangs April tagten die Delegierten des Schweizer Musikrats (SMR) in einem Gebäude des Kompetenzzentrums Militärmusik in Aarau. Die Gastgeber empfingen die Versammlungsteilnehmenden mit einem fast halbstündigen Platzkonzert der Militärmusik Rekrutenschule 16/1-2025. Vor dem offiziellen Versammlungsbeginn richteten sowohl Oberst Philipp Wagner, Kommandant des Kompetenzzentrums Militärmusik, als auch Dr. Hanspeter Hilfiker, Stadtpräsident von Aarau, Grussworte an die Anwesenden. Der Schweizer Musikrat dankt an dieser Stelle nochmals allen Beteiligten für die festliche Umrahmung des Anlasses!

Die Präsidentin des SMR, Rosmarie Quadranti, führte wie immer eloquent und mit einer Prise Humor durch die Versammlung. Das Haupttraktandum waren die Erneuerungswahlen für die Periode 2025 – 2029. Sieben bisherige Vorstandsmitglieder hatten aufs Ende der letzten Amtsperiode ihren Rücktritt bekannt gegeben. Ihrer zum Teil sehr langjährigen Mitarbeit im Vorstand verdankt der SMR sehr viel. Entsprechend wurden diese mit viel Applaus und einem Geschenk verabschiedet. Es handelt sich um Irène Philipp, David Schneebeli, Elisabeth Karrer, Andy Kollegger, David Burger und Letizia Carigiet.

Auch die Präsidentin Rosmarie Quadranti hat ihren Rücktritt auf Ende dieser Amtsperiode bekannt gegeben, weil sie der Ansicht ist, dass eine Person mit «direktem Draht nach Bern» die Anliegen der Schweizer Musikszene noch besser in die Politik einbringen kann. Für dieses Amt konnte der Solothurner Nationalrat Stefan Müller-Altermatt gewonnen werden, der vielen Delegierten als Präsident der Parlamentarischen Gruppe Musik bereits bekannt ist. Stefan Müller-Altermatt wurde einstimmig als neuer Präsident gewählt. Er tritt sein Amt allerdings erst auf den 1. August 2025 an, da er bis dahin noch das Gemeindepräsidium an seinem Wohnort inne hat. Rosmarie Quadranti bleibt somit bis 31. Juli 2025 Präsidentin des SMR, aber wurde dennoch bereits bei dieser Gelegenheit für ihren unermüdlichen Einsatz im SMR mit einer schönen Rede von Irène Philipp, viel Applaus und einem Geschenk gewürdigt.

Der SMR freut sich auf die Zusammenarbeit im neuen Vorstand und wird sich mit aller Kraft weiterhin für die Verbesserung der kultur- und bildungspolitischen Rahmenbedingungen in der Schweiz für das Schaffen, Vermitteln, Verbreiten und Bewahren der Musik in ihrer ganzen Vielfalt, die die Schweiz zu bieten hat, engagieren.

Eine Brücke zwischen den Generationen

Jedes Jahr bietet das Finale des SJMW einen einzigartigen Einblick in die Lebendigkeit der Schweizer ­Jugendmusikszene. Es ist der Moment, in dem sich Talent, Hingabe und Leidenschaft begegnen – und in dem sich die Zukunft unserer Musikkultur abzeichnet.

Jeden Frühling erlebt die Schweizer Jugendmusik einen Moment besonderer Intensität: Talent trifft auf Engagement, Leidenschaft auf Disziplin, und junge Menschen hören auf sich selbst und aufeinander. Es ist eine einzigartige Gelegenheit, die Vielfalt der musikalischen Ausdrucksformen in unserem Land aus nächster Nähe zu erleben.

Das Finale 2025 des SJMW, das vom 1. bis 4. Mai in Zürich stattfand, war ein konzentriertes Zusammenspiel aus Kreativität, Präzision und Inspiration. 326 junge Musiker:innen aus allen Landesteilen erreichten die Schlussrunde. Sie traten in den Kategorien Classica, Composition, FreeSpace und Jazz&Pop an.

Während drei intensiver Tage voller Musik und Austausch, die sich auf die Musikschule Konservatorium Zürich, das Schulhaus Hirschengraben, die Universität Zürich und den Musikklub Mehrspur verteilten, bewerteten 67 Fachjuror:innen die Darbietungen der Teilnehmenden. Einmal mehr wurde die aussergewöhnliche Qualität eines Wettbewerbs sichtbar, der jungen Künstler:innen ebenso viel bietet wie dem Publikum und der musikalischen Bildungslandschaft insgesamt.

Die Zahlen der Kategorie Classica sprechen für sich: Es wurden 36 erste Preise mit Auszeichnung, 94 erste Preise, 112 zweite Preise und 58 dritte Preise vergeben. In den Kategorien Composition und FreeSpace wurden jeweils 3 erste Preise mit Auszeichnung, 3 erste Preise und 3 zweite Preise vergeben. In der Kategorie Jazz&Pop wurden 13 Preise verliehen.

Wie jedes Jahr bildete das Preisträgerkonzert den Höhepunkt des Finales. Es fand am Sonntag, dem 4. Mai, im Grossen Saal des MKZ statt. In festlicher Atmosphäre und vor einem begeisterten Publikum überzeugten die jungen Preisträger:innen mit musikalischer Reife und Bühnenpräsenz. Die Vielfalt der Programme und das hohe technische Niveau beeindruckten ebenso wie die spürbare Freude am Musizieren.

Das Konzert, aufgezeichnet von Radio SRF 2 Kultur, wird am Sonntag, dem 27. Juli 2025 um 16 Uhr in der Sendung «Im Konzertsaal» ausgestrahlt.

Neben der künstlerischen Exzellenz beeindruckt der SJMW jedes Jahr durch seine Fähigkeit, Gemeinschaft zu stiften. Hinter jeder Darbietung stehen individuelle Wege, engagierte Lehrpersonen, unterstützende Familien und Institutionen, die an musikalische Bildung glauben. Es ist eine Welt in Bewegung, getragen von unsichtbaren, aber starken Netzwerken.

Mit Blick nach vorn: Die Ausgabe 2026 und das 50-Jahr-Jubiläum

Mit dem Blick nach vorne sei bereits so viel verraten: Das nächste Finale findet vom 30. April bis zum 3. Mai 2026 erneut in Zürich statt. Die Entrada-Vorspiele werden vom 13. bis 15. März in verschiedenen Schweizer Städten ausgetragen.

Doch bevor dieses neue Kapitel beginnt, hält das Jahr 2025 noch ein besonderes Ereignis bereit: Am Samstag, dem 13. September, wird in der Tonhalle Zürich das 50-Jahr-Jubiläum des SJMW offiziell gefeiert.

Ein vielschichtiges und emotionales Fest erwartet die Gäste – mit Konzerten, Begegnungen, einer Ausstellung und der Teilnahme von Preisträger:innen aus fünf Jahrzehnten. Den Auftakt macht das Kinderkonzert «Die kleine Fräxli» in der Kleinen Tonhalle unter der Leitung von Fränzi Frick mit unseren jüngsten Preisträger:innen. Im Konzertfoyer gibt es eine Ausstellung zur Geschichte des Wettbewerbs und eine Buchvernissage. Beim krönenden Jubiläumskonzert stehen Werke von Johannes Brahms, Frank Martin sowie zwei bedeutende Uraufführungen von Richard Dubugnon und Daniel Schnyder auf dem Programm. Sie werden von den Preisträger:innen des SJMW und dem Tonhalle-Orchester Zürich unter der Leitung von David Bruchez interpretiert. Ein musikalischer Jazz-Ausklang im Foyer rundet den Tag ab.

Fünfzig Jahre sind ein bedeutsamer Meilenstein für jede Institution. Für den SJMW sind sie lebendiger Ausdruck eines kontinuierlichen Engagements für die Jugendmusik – eine kulturelle und gesellschaftliche Investition, die Inspiration, Wert und Zukunft geschaffen hat.

Von elektroakustischer Musik zu Sound Arts

Elektroakustische Musik in der Hochschulausbildung in der Schweiz.

In der Schweiz fanden anders als in benachbarten Ländern die Anfänge der elektroakustischen Musik nicht ausschliesslich in Studios an Rundfunkanstalten statt. Obwohl auch hier bereits in den 1950er Jahren mit der Gründung des «Centre de Recherches Sonores de la Radio Suisse Romande» in Genf ein solches existierte. Das Feld für die Schweizer Musikhochschulen wäre also theoretisch schon sehr früh offen gewesen.

Weiter ging es in den 1950er Jahren mit einer prominent besetzten Tagung zum Thema elektronische und konkrete Musik in Basel, gefolgt vom Weltmusikfest der IGNM in Zürich zum gleichen Thema. Internationales Aufsehen erregte das Experimentalstudio von Herrmann Scherchen im Tessiner Gravesano mit der Zeitschrift «Gravesaner Blätter» sowie einer UNESCO Tagung zu elektronischer Musik. Der Jazzmusiker und Schweizer Pionier der elektronischen Musik, Bruno Spoerri, ist da bereits aktiv und experimentiert mit frühen elektronischen Instrumenten und bald auch mit ersten Computern. Er gründet 1985, noch bevor die im Umbruch befindlichen Schweizer Musikhochschulen das Themenfeld für sich entdecken, die für die weitere Entwicklung wichtige unabhängige «Schweizer Gesellschaft für Computermusik».

Zwei Jahre später erfolgt mit der Gründung des Elektronischen Studios der Musikakademie der Stadt Basel unter der Leitung des Schweizer Komponisten Thomas Kessler die erste Etablierung eines Studiengangs unter dem Dach einer Musikhochschule. Nun bestand auch in der Schweiz die Möglichkeit, elektroakustische Musik mit Tonbandmaschinen, Synthesizern und professioneller Studiotechnik zu studieren.

Angesichts der technologischen und ästhetischen Popularisierung elektronischer Künste gründen alle Schweizer Musikhochschulen Ende der 1990er Jahre entsprechende Studiengänge mit unterschiedlichen Ausrichtungen. Allen gemeinsam ist die Öffnung der bis dahin eher akademischen elektroakustischen Musik in verschiedene Richtungen. Zunehmend werden die Fluxus Bewegung und Videokunst ebenso als Vorläufer für die elektronischen Künste begriffen wie Sound Arts, Performance Arts und Medienkunst, die internationale Szene hat diese Entwicklung vorbereitet: Bildende Künstler wie Bill Fontana können mit der neuen technologischen Materialität von Sound erstmals «plastisch» arbeiten, während Architekten wie Bernhard Leitner mit Räumen aus Klang experimentieren. Künstler*innen wie Alvin Lucier, Max Neuhaus, Nam June Paik, Christina Kubisch und Laurie Anderson finden neue Zugänge zum Sound über den öffentlichen Raum, die Skulptur oder die Performance. Diese Phänomene bewegen sich abseits der traditionellen kompositorischen Strategien bzw. der elektroakustischen Künste wie Tonbandkompositionen, Computermusik oder algorithmische Komposition.

«Audiodesign» nennt sich der Studiengang am elektronischen Studio der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel. An der 2002 in Bern gegründeten ersten Hochschule der Künste der Schweiz  heisst dieser Studiengang zunächst «Musik und Medienkunst»;  er wird 2018 in «Sound Arts» umbenannt. Die «Schweizer Gesellschaft für Computermusik» geht 2005 im «Institute für Computermusic and Soundtechnology» (ICST) auf, welches Teil der 2007 gegründeten Zürcher Hochschule der Künste wird.

Allen gemeinsam ist, dass Themenfelder wie Filmvertonung, Klanginstallationen, Field Recordings, Szenografie, Game Sound und Hardware Hacking ebenso wie elektronische Gehörbildung, Live-Elektronik, verschiedene Programmiersprachen und experimentelle Ansätze in der Pop- und Clubmusik ihren festen Platz in den Curricula finden. So wundert es nicht, dass Transdisziplinarität für viele Jahre zum bestimmenden Diskursfeld aller Hochschulen wird. Wie können die verschiedenen Künste – auch unter dem Aspekt ihrer universellen Repräsentation in den digitalen Medien – sinnvoll geöffnet und verknüpft werden?

Dies stellt in der Konsequenz einen historisch angestammten Kanon an Themen, Technologien und Ästhetiken zunehmend und radikal in Frage. Angesichts der universell verfügbaren digitalen Hard- wie Software ist nach dem Stellenwert und der Ausbildung in traditioneller Musiktheorie, Musikgeschichte und Gehörbildung zu fragen.

Schliesslich stellt die Entwicklung generativer KIs und ihrer weiter zunehmenden Möglichkeiten in Bezug auf Komposition, Sounddesign und Simulationen neue Herausforderungen dar. Damit sind wir in einer ähnlichen Situation wie in den 1950er Jahren, als die damals neuen Möglichkeiten der Elektronik grundsätzliche Weichenstellungen erforderten. Allerdings befinden sich die Schweizer Musikhochschulen nun in einer wesentlich besseren Ausgangslage. Ich hoffe sie nehmen die Herausforderung an.

Michael Harenberg unterrichtet Komposition und Medientheorie am Studiengang Sound Arts

Musik-Kurswochen mit 1300 Anmeldungen

Mitte Juni startet die 39. Ausgabe der Musikkurswochen Arosa. Bereits haben sich fast 1300 Teilnehmende zu den 132 Kurswochen angemeldet. Und täglich werden es mehr.

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Kurswochen für Volksmusik, Alphorn und Böhmische Blaskapelle. Wer noch einen Kurs besuchen möchte, findet auf der Internetseite musikwochen.ch alle Informationen zu den Kursen, Anmeldung und freien Plätzen. Einige Kurse sind bereits ausgebucht.

Meisterkurse Arosa

Unter dem Label «Masterclasses Arosa» bündelt Arosa Kultur all jene Kurse der Musik-Kurswochen Arosa, die das Niveau von Meisterkursen anbieten. Insgesamt sind es 16 Einzelkurse für verschiedene Instrumente. Ein spezielles Angebot innerhalb der Meisterkurse ist die «AROSA MUSIC ACADEMY», welche Einzelunterricht mit intensivem Kammermusikunterricht kombiniert. Als Dozierende bei den Meisterkursen sind bekannte Musikerinnen und Musiker wie Maurice Steger, Simon Fuchs, Lars Mlekusch, Markus Fleck, Jens Lohmann, Isabelle Schnöller und viele andere tätig.

Attraktive Auszeichnungen für Teilnehmende der Meisterkurse

Arosa Kultur hat für Teilnehmende der Meisterkurse attraktive Auszeichnungen geschaffen. Der Hans-Schaeuble-Award wird an maximal neun Teilnehmende vergeben. Ein Award beinhaltet ein Konzertengagement im Rahmen des Festivals Arosa Klassik im darauffolgenden Winter. Dabei bietet Arosa Kultur die Möglichkeit für kammermusikalische Auftritte mit renommierten Musikern.

Der Award kann dank der finanzieller und ideeller Unterstützung der Hans Schaeuble Stiftung vergeben werden.

Kultursommer Arosa mit breitem Kulturangebot

Eröffnet wir der diesjährige Kultursommer am Samstag, 5.Juli, mit dem Salonorchester der «kammerphilharmonie graubünden». Mit dem Programm «m-ta-ta, m-ta-ta… Walzer oder nie!» verneigen sich die Musiker:innen vor dem unangefochtenen Walzerkönig Johann Strauss (Sohn), der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiern würde.

Die langjährige Tradition der Opernaufführungen wird auch dieses Jahr fortgeführt. Dieses Mal ist das Opernkollektiv Zürich zu Gast auf der Waldbühne. In «Viva la mamma» von Gaetano Donizetti sorgt Mamma Agata für ziemlich Aufruhr auf der Opernbühne.

Kinderanlässe gehören seit jeher zum festen Bestandteil des Arosa Kultursommers. An fünf Montagen ab dem 7. Juli verzaubern verschiedene Theatergruppen, Musiker und Puppenspielerinnen jeden Montag Kinderherzen, Eltern, Götti’s und Nani’s mit ihren Darbietungen. Auch zu hören: Swing de paris, Gypsy Jazz; Izamanja, Rock; Philipp Furrer & das Transatlantik Ensemble, Schweizer Weltmusik; Trio Willi Valotti, Volksmusik; «Wiibli ond Mandli» u.a

Fast schon legendär sind die Bergkirchlikonzerte. Jeweils dienstags um fünf treten Musiker:innen in der auf 1900 m.ü.M gelegenen und 532 Jahre alten Kapelle auf. Lesungen und Vorträge runden das vielfältige Angebot ab. Bei schönem Wetter finden viele der Veranstaltungen auf der zauberhaften Waldbühne von Arosa statt.

 

Alle Informationen sind auf www.arosakultur.ch zu finden.

Künstliche Intelligenz und Musik

Die ambivalente Beziehung zwischen Kunst und Technologie kommt seit einiger Zeit wieder in Schwung. Grund ist die generative künstliche Intelligenz mit ihrer Revolutionierung der Schaffensprozesse.

Es gibt noch Leute, die auf ihrem alten Mobiltelefon dreimal auf die Taste «2» drücken, um in einer SMS den Buchstaben «c» einzutippen. Die auf den Fortschritt bedachte und kompetitive Ordnung, in der wir leben, macht die Nummernblockanhängerschaft aber zu Out-, und alle anderen zu Insidern. Wir können es uns nämlich in der Regel nicht leisten, in etwas mehr Zeit als nötig zu investieren. Neue bahnbrechende Technologien, die uns bei alltäglichen Dingen Zeit ersparen, faszinieren uns deswegen gezwungenermassen – und sie machen uns gleichzeitig auch ein bisschen nervös.

Mit dem Oszillieren zwischen Faszination und Nervosität gegenüber technologischem Fortschritt sind Kunstschaffende bestens vertraut. Friedrich Nietzsche etwa warnte im Jahr 1882 vor der Schreibmaschine. Er schrieb (ironischerweise auf seiner neuen Schreibmaschine): «Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken». Die Skepsis gegenüber dem Neuen hat sich aber weder damals noch später jemals wirklich durchgesetzt. Im Nachhinein ist das auch gut so, denn schliesslich hat die Schreibmaschine ja geholfen beim Bücherschreiben. Und auch danach hat weder der Phonograph das Live-Konzert vom Markt verdrängt noch das Kino dem Theater ein Ende gesetzt.

Das neue Phänomen, von dem wir gerade nicht so sicher sind, ob wir es uns wirklich aneignen sollten, nennt sich Generative Artificial Intelligence, kurz: GenAI (oder auch einfach «KI») – wiederum Faszination und Nervosität zugleich. Faszinierend ist, dass diese Technologie innert Sekunden Musik komponieren, arrangieren, produzieren, mixen und mastern kann. Nervös macht die Angst vor der eigenen Entbehrlichkeit und den damit verbundenen finanziellen Engpässen sowie die Sorge um das mögliche Aussterben von «echter» Musik. Sollten die Kreativen dieses Tool nun anwenden oder nicht? Sollen Kunsthochschulen den Umgang mit GenAI gar lehren? Und wo führt das hin?

Einen elementaren Unterschied zwischen GenAI und früheren technischen Errungenschaften gilt es dabei genauer zu betrachten: GenAI funktioniert strenggenommen nicht, sondern sie reagiert. Das heisst, sie macht nicht das, was ihr beauftragt («gepromptet») wird, sondern das, was ihr mit grösster Wahrscheinlichkeit in Auftrag gegeben werden wollte. Gibt man beispielsweise in das Eingabefeld einer textgenerierenden KI den Buchstaben «c» ein, schreibt die KI kein «c», sondern so etwas wie «Hey! Du hast nur ein ‘c’ geschrieben – war das ein Versehen oder brauchst du Hilfe mit etwas Bestimmten?» Möchte man von der KI also einfach den Buchstaben «c», muss man ihr befehlen «Schreib den Buchstaben ‹c›!». Um ein neues Buch (selbst) zu schreiben, ist man also mit der Schreibmaschine (oder gar mit dem Nummernblock eines alten Handys) als Werkzeug besser ausgestattet. Will man hingegen einfach ein neues Buch (generieren lassen), ist ChatGPT wohl das effizientere Tool (ungeachtet der qualitativen Komponente).

Beim Musikmachen geht es im Grunde genommen darum, eine Idee sorgfältig zu verwirklichen; durch die Ansteuerung von Parametern, die Analyse des so Bewirkten, den Abgleich des Zwischenresultats mit der zugrundeliegenden Idee, die Neuausrichtung der Parameter usw. Komponieren, Produzieren und Interpretieren ist deswegen die eigentliche Schnittstelle zwischen (nichthörbaren) Ideen und (hörbaren) Musikwerken. Lässt sich diese Schnittstelle nun gänzlich automatisieren, kann bei dem Hörbaren allenfalls zwar von Musik die Rede sein, diese Musik wurde aber nicht geschaffen, sondern lediglich entdeckt. Den kulturellen Wert solcher Musiken müssen wir wohl noch eruieren, in rechtlicher Hinsicht ist die Lage aber klar: Urheberrechtlich schutzfähig ist gerade eben nicht die entdeckte, sondern nur die geistig geschaffene Musik.

Fehlgeleitet wäre vor diesem Hintergrund zwar die Schlussfolgerung, Musikmachen sei ab sofort jedermenschs Sache. Als Trost taugt diese Erkenntnis aber wenig, wenn sich Musikmachen irgendwann nicht mehr monetarisieren lässt, weil das Generieren von Musik per Klick viel günstiger und schneller ist. Diesem Umstand wird aber kaum auf künstlerischer Ebene entgegenzuwirken sein, sondern auf regulatorischer.

In Bezug auf den künstlerischen Umgang mit GenAI ist zu hoffen, dass auch in der Musik Ungeahntes mittels dieser neuen Technologie hervorgebracht wird. Denn daran, dass unser Schreibzeug an unseren Gedanken mitarbeitet, ist grundsätzlich nichts auszusetzen, solange eine Kollaboration zwischen Mensch und Maschine noch stattfindet.  Der die Idee verwirklichende Gestaltungsprozess sollte dabei aber bestenfalls nicht komplett dem Zufall bzw. dem undurchschaubaren Algorithmus überlassen werden. Werkzeug ist nämlich nur, was sich auch als solches einsetzen, sich also gezielt bedienen lässt. Insofern liegt die Kunst – vielleicht sogar im wörtlichen Sinne – darin, die GenAI wie ein Werkzeug einzusetzen: sie soll funktionieren, nicht frei reagieren.

 

Noah Martin

… leitet das Generalsekretariat der SUISA und betreut im Rahmen dieser Aufgaben das Dossier KI.

14. Europäisches Jugendchor Festival Basel

Vom Mittwoch, 28. Mai – Sonntag, 1. Juni 2025 findet das 1992 gegründete Europäische Jugendchor Festival (EJCF) in der Region Basel statt. 2’700 Kinder und Jugendliche aus dreizehn europäischen Ländern, ein Gastchor aus Kamerun sowie ein Publikum von rund 40’000 Personen werden dazu erwartet.

Über 30 hochstehende Chorkonzerte und ein dichtes Rahmenprogramm für Singfreudige jeden Alters lassen die Auffahrtstage zum grossen Fest der Begegnung und des kollektiven Singens werden. Ein farbenprächtiger Klangteppich breitet sich über die Auffahrtstage in Basel aus: Zwölf Jugendchöre aus Frankreich, Island, Lettland, ­Litauen, Niederlanden, Norwegen, Rumänien, Spanien-Andalusien, Spanien-Baskenland, der Tschechischen Republik, der Türkei und Ungarn, ein Gastchor aus Kamerun sowie sechs Jugendchöre aus verschiedenen Schweizer Sprach­regionen geben über 30 Chorkonzerte der Extraklasse. Eine Festivaleinladung erhält, wer nebst hervorragenden musikalischen Fähigkeiten auch Bühnenpräsenz und Ausstrahlung besitzt.

Zwischen ESC und Frauen-EM zündet das EJCF ein Feuerwerk der Chormusik

Das EJCF 2025 wird zwischen dem Eurovision Song Contest ESC und der Frauen-EM ein Angebot bereitstellen, das auch jene Bevölkerungsschichten anspricht, die dem Rummel der diesjährigen Basler Mega-Events lieber ausweichen. Mit seinem Anspruch, die Herzen der Menschen mit unverstärkter Chormusik zu berühren und das Wir-Gefühl beim kollektiven Singen zu stärken, erreicht es neben Chorfans auch Menschen, die sich von einer stimmungsvollen Atmosphäre und viel singfreudiger Jugendlichkeit begeistern lassen.

Ein reich befrachtetes Programm

Ein Besuch am Jugendchorfestival in Basel lohnt sich als choraffine Konzertbesucher:in, aber auch als Musiker:in mit professionellem Blick. Die unzähligen Festivalkonzerte mit den besten Kinder- und Jugendchören aus ganz Europa und Kamerun berühren, beflügeln und unterhalten, sind aber auch Ideenlieferant für neues Repertoire, für Ideen zur Umsetzung von Musik auf der Bühne und im Konzertraum und für neuartige Konzertkonzepte.

Wer einen Überblick über das Festivalgeschehen sucht, reist am Mittwoch vor Auffahrt für die Eröffnungsshow «Fulminantes Chorspektakel» an. 900 Jugendliche aus ganz Europa und 400 Singende aus Gymnasien der Region Basel präsentieren sich und ihr Herkunftsland mit einem aussagekräftigen Chorwerk, zeigen gemeinsam eine Choreografie von Daniel Raaflaub zum Stück «Dona nobis pacem» von Susanna Lindmark und führen eine Neukomposition für 1000stimmigen Chor und Elektronik von James Varghese auf. Das Grusswort übernimmt Bundesrat Beat Jans. Konzertliebhaber:innen haben die Qual der Wahl. Über 30 Konzerte decken Bedürfnisse von verspielten bis traditionellen Chorkonzerten an den schönsten Konzertorten in der Region Basel ab. Singfreudige besuchen die Sing mit!-Veranstaltungen mit Patrick Barrett und Flavia Walder im Theater Basel, nehmen an Workshops der Chöre aus Frankreich, Norwegen oder Spanien auf dem Chorschiff teil oder geniessen das spontane Loopsingen mit Anders Edenroth in «The Big Sing» auf dem Münsterplatz. Wer mit Kindern nach Basel reist, besucht am besten am Samstagnachmittag das «Singe uf dr Strooss» auf fünf Open air-Bühnen in der Basler Innerstadt oder geniesst an den Nachmittagen auf dem Barfüsserplatz eine Karussellfahrt, begleitet von live gesungener Musik. Und last but not least, wer sich noch nicht für das 14. Schweizerische Chorleitungstreffen angemeldet hat, sollte dies schleunigst nachholen. So viel Weiterbildung und Begegnung unter Gleichgesinnten, sind in der Schweiz nur selten zu haben.

Auf nach Basel zum Fest der Chormusik! Der Vorverkauf für die Konzerte mit Ticketverkauf hat bereits begonnen. Alle Informationen dazu gibt es auf www.ejcf.ch.

 

14. Schweizerisches Chorleitungstreffen

Do 29. Mai 2025 in der Musik-Akademie Basel

Neun Workshops zu Themen wie Stimmbildung, Kinderchor, Loop-Singen, Speedy-Teaching, Pop-Chor und Festliteratur

Tagespass inkl. Lunch: CHF 60.00

 

Mehr Infos über:

www.ejcf.ch

www.facebook.com/jugendchorfestival 

www.youtube.com/user/EJCFBasel

www.instagram.com/ejcf_basel

 

50. Ausgabe SJMW: Das Finale als Ziel… und als Neuanfang

Der SJMW befindet sich mitten in seiner 50. Ausgabe – ein bedeutender Meilenstein, der ein halbes Jahrhundert Engagement für die Förderung junger musikalischer Talente in der Schweiz widerspiegelt.

Im vergangenen März fanden die Vorrunden des Wettbewerbs (Entrada) statt, an der über tausend junge Musiker:innen aus der ganzen Schweiz teilnahmen. Die Städte Arbon, Genf, Neuenburg, Risch-Rotkreuz, Sion und ­Winterthur wurden zu Gastgeberinnen einer intensiven musikalischen Marathonveranstaltung, bei der sich Solist:innen, Duos und Kammermusikensembles vor einer Fachjury präsentieren konnten. Die Teilnehmenden gaben ihr Bestes, um einen der begehrten Preise zu gewinnen, die zur Teilnahme an der nächsten Runde berechtigen.

Die Vorspiele wurden aufmerksam von einer 101-köpfigen Jury verfolgt, die insgesamt 51 Juryrunden durchführte. Die Expert:innen bewerteten die Darbietungen mit grosser Sorgfalt und gaben wertvolles Feedback, um die jungen Musiker:innen auf ihrem künstlerischen Weg weiterzubringen. Am Ende der Entrada wurden 621 Preise vergeben – darunter 71 erste Preise mit Auszeichnung und 181 erste Preise.

Die Vorrunden in den Kategorien Composi­tion, FreeSpace und Jazz&Pop fanden in digitaler Form statt. 9 junge Komponist:innen, 1 Künstler in der Kategorie FreeSpace und 25 Teilnehmende im Wettbewerb Jazz&Pop konnten sich für das ­Finale qualifizieren.

Finale: Symbol neuer künstlerischer Aufbrüche

Es gibt Stationen im Leben junger Musiker:innen, die einen Wendepunkt markieren – das Finale des SJMW gehört zweifellos dazu. Nicht nur die Emotionen auf der Bühne, sondern vor allem das, was dieser Moment bedeutet, bleibt im Gedächtnis: ein erster grosser Meilenstein, eine Gelegenheit zur echten Auseinandersetzung – und vor allem ein Ausgangspunkt für neue künstlerische Impulse.

Vom 1. bis 4. Mai 2025 empfängt Zürich die 287 Finalist:innen des Wettbewerbs. Es sind junge Menschen, die mit Ausdauer, Talent und Leidenschaft die Herausforderungen der Vorrunden gemeistert haben. Für sie ist Musik nicht nur eine Disziplin, sondern eine Sprache, mit der sie ausdrücken, was mit Worten oft nicht zu sagen ist.

Die Musikschule Konservatorium Zürich wird für die Finalist:innen für vier Tage zu einem Zentrum der Kunst, Energie und des Austauschs: Junge Menschen aus allen Sprachregionen der Schweiz teilen ihre Geschichten durch Auftritte, die Epochen und Stilrichtungen überbrücken.

Auch die Finalrunde der Kategorie Jazz&Pop (Come Together) wird Teil dieses besonderen Wochenendes sein: Die ausgewählten Projekte werden am 3. Mai 2025 auf der Bühne des Musikklubs Mehrspur auftreten – in einem authentischen Club-Setting, das Raum für Spontaneität, Groove und Begegnung bietet.

Doch das Finale ist weit mehr als die Endphase des Wettbewerbs. Es ist eine tiefgreifende Lernerfahrung – man lernt, sich selbst und andere zu hören, konstruktive Kritik anzunehmen und die Bühne als Ort des Miteinanders zu begreifen, nicht nur als Prüfstein. Die Begegnungen zwischen den Auftritten, die Gespräche auf den ­Gängen, die unterstützenden Blicke unter den Teilnehmenden – all das macht das Erlebnis aus, das weit über das Musizieren hinausgeht.

Die Jurys werden nicht nur bewerten, sondern auch das Potenzial, die Einzigartigkeit und die Entwicklung jedes Einzelnen erkennen. Jedes erhaltene Wort ist ein Samenkorn, das weiter wächst, jede Begegnung eine mögliche Inspira­tionsquelle.

In einer Welt, die sich immer schneller dreht, schenkt der SJMW jungen Menschen eine besondere Zeit: Zeit zum Zuhören, zum Vertiefen und zum Träumen. Genau das macht das Finale zu einem Ereignis mit Blick in die Zukunft – denn es ehrt das Vergangene und richtet den Blick auf das, was noch kommen kann.

Preisträger:innenkonzert: Die Zukunft von heute hören

Der Höhepunkt der gesamten Veranstaltung wird das Preisträger:innenkonzert am 4. Mai 2025 sein – der glanzvolle Abschluss des Finales. Auf der Bühne stehen die Gewinner:innen verschiedenster Disziplinen. Jede:r von ihnen bringt nicht nur technische Exzellenz mit, sondern auch die Fähigkeit, mit Leidenschaft und Echtheit zu berühren.

Das Programm wird, wie in den vergangenen Jahren, vielfältig und überraschend sein: Ein klangliches Mosaik, das von feinster Kammermusik bis zu zeitgenössischen Ausdrucksformen reicht.

Für das Publikum ist es eine einmalige Gelegenheit, die vielversprechendsten Talente der Schweizer Jugendmusikszene live zu erleben. Für die jungen Künstler:innen bedeutet es einen unvergesslichen Moment: vor einem begeisterten Publikum aufzutreten, in einem renommierten Rahmen – das ist eine prägende Erfahrung, die neue künstlerische Perspektiven eröffnen kann.

Wir laden alle – Lehrpersonen, Familien, Fachleute und Musikliebhaber:innen – herzlich ein, an diesem besonderen Ereignis teilzunehmen. Das Preisträger:innenkonzert ist nicht nur ­eine Darbietung, sondern auch eine Einladung, den Enthusiasmus, das Engagement und die ­Vision einer ganzen Generation junger Menschen zu teilen, die mit ihrer Musik hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Klangreisen durch die Schweiz um 1800

Zwei Ausstellungen in Luzern und Bern enthüllen das reiche Musikleben beider Städte – verankert in lokalen Quellen, vernetzt mit anderen Teilen der Schweiz und Europa.

Die Musikgeschichte der Schweiz im 18. und frühen 19. Jahrhundert, geprägt durch das aufkommende städtische Konzertwesen, ein musikbegeistertes Bürgertum sowie viele weitere AkteurInnen, ist bislang nur einer kleinen Gruppe von SpezialistInnen bekannt. Um dieser Forschungslücke entgegenzuwirken und die lokale Musikgeschichte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, fördert der Schweizerische Nationalfonds im Rahmen eines Agora-Projekts den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Ziel des Projekts ist es, aktuelle musikwissenschaftliche Erkenntnisse auf innovative Weise einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Das an der Hochschule der Künste Bern (Projektleitung: Claudio Bacciagaluppi) und der Universität Genf (Mitgesuchsteller: Christoph Riedo) verankerte Vorhaben hat bereits zwei Ausstellungen realisiert (im Historischen Museum Basel und in der Zentralbibliothek Zürich) sowie eine Vielzahl von Workshops angeboten – darunter spezifische Formate für Schulklassen unter der Leitung der Musikvermittlerin Irena Müller-Brozović. Bevor das Vermittlungsprojekt im Juli 2025 seinen Abschluss findet, werden nochmals zwei Ausstellungen präsentiert, die frische Einblicke in das reiche musikalische Erbe der Schweiz bieten.

Lukas Sarasin

Sowohl die Luzerner als auch die Berner Ausstellung rücken das lokale Musikleben in einen gesamtschweizerischen Kontext. Beide folgen dem Leitgedanken «Vom Musikzimmer in den Konzertsaal», der die zwei zentralen und eng verknüpften Pole des eidgenössischen Musiklebens betont: das häusliche Musizieren und das aufkommende Konzertwesen. Diese Verbindung wird in beiden Ausstellungen durch den Basler Musikliebhaber Lukas Sarasin (1730–1802) exemplarisch veranschaulicht. Als passionierter Musikliebhaber und engagierter Sammler verbrachte Sarasin unzählige Stunden in seinem Musikzimmer, wo er eifrig Geige und Kontrabass übte. Gleichzeitig wirkte er als Mitglied des Basler Collegium Musicum an öffentlichen Konzerten mit und verband so in idealtypischer Weise die Intimität des häuslichen Musizierens mit dem gesellschaftlichen Ereignis des öffentlichen Konzertwesens. Seine über 1300 Kompositionen umfassende Musikbibliothek wird im Rahmen des SNF-Projekts von Roberto Scoccimarro erstmals rekonstruiert und ab Sommer 2025 auf der Projektwebseite sowie RISM Online zugänglich sein.

Luzern

In der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (Standort Sempacherstrasse) werden ausgewählte Dokumente aus dem eigenen Bestand präsentiert. Dazu gehören kostbare Musikalien der 1806 gegründeten Theater- und Musikliebhaber-Gesellschaft, einer Vorgängerinstitution des heutigen Luzerner Sinfonieorchesters. Ihr umfangreicher Katalog veranschaulicht das damals vielfältige internationale Repertoire und enthält ebenso detaillierte Instrumentenlisten. Weitere Themenschwerpunkte der Ausstellung sind die in Luzern wirkenden Komponisten Joseph Franz Xaver Dominik Stalder (1725–1765), Franz Xaver Leonti Meyer von Schauensee (1720–1789) und der aus der Oberpfalz stammende Jesuit Constantin Reindl (1738–1799). Zudem stehen die Kammermusik sowie einige in Luzern komponierte und aufgeführte musiktheatrale Werke (Singspiele, Pantomimen, Opern) im Mittelpunkt.

Bern

Musikliebhaber wie Sarasin gab es in der ganzen Schweiz viele. In der Ausstellung im Klingenden Museum Bern stehen mit Gabriel Emanuel von May (1741–1836) und Karl Friedrich von Steiger (1754–1841) zwei herausragende Beispiele im Fokus. Von Steiger war ein begeisterter Musikdilettant mit einer beachtlichen Musikbibliothek und veranstaltete exklusive Konzerte für geladene Gäste. Anhand von von Steigers Sammlung wird zudem sein Verhältnis zu Musiklehrern und seine Vorliebe für Flötenmusik dargestellt. Ergänzend können BesucherInnen über bereitgestellte Tablets kurze Videofilme ansehen, Musik hören oder vertiefende Informationen abrufen. Die Ausstellung «Vom Musikzimmer in den Konzertsaal» ist im Klingenden Museum bis März 2026 zu erleben.

 

Informationen zu den Ausstellungen

Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (Standort Sempacherstrasse): 28. März – 4. Juli 2025. Öffnungszeiten: Montag – Sonntag 08:00 – 20:00, gratis.

Klingendes Museum Bern: 7. Mai 2025 – März 2026

Öffnungszeiten: Mittwoch – Samstag 14:00 – 17:00, Sonntag 11:00 – 17:00, Eintritt: 12/5 CHF

Mit frischen Kräften ins neue Jahr

Swissmedmusica begrüsst eine neue Sekretärin und lädt ein zum Symposium 2025 mit spannenden nationalen und internationalen Referentinnen.

Unsere Sekretärin Tirza Vogel kann sich beruflich weiterentwickeln und hat uns deshalb gebeten, sie von den Sekretariatsaufgaben zu entlasten. Sie hat für den Vorstand ausgezeichnete Arbeit geleistet und wird uns bei einzelnen Aufgaben weiterhin unterstützen. An der Mitgliederversammlung wählten unsere Mitglieder Céline Stocker-Aregger neu in den Vorstand. Wir freuen uns, dass wir mit ihr eine für das Sekretariat bestens qualifizierte und hochmotivierte Nachfolgerin gefunden haben. Céline ist gelernte Kauffrau. Sie war als Personalassistentin für mehrere Innerschweizer Unternehmen tätig. Heute ­arbeitet sie – auch für Musiker und Musikerinnen – als Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Arbeitsintegration.

Save the date: Symposium 2025 am 22. November in Biel

Das Swissmedmusica-Symposium 2025 findet am 22. November im Bieler Farelsaal statt, der ­Titel ist noch offen. Als Referentinnen konnten wir mit Sara Ascenso, Pauline Gropp und Chiara ­Samatanga Enderle aber bereits spannende ­Referentinnen gewinnen.

Sara ist Pianistin und als Psychologin am ­Royal Northern College of Music (RNCM) in Manchester tätig. Sie forscht unter anderem zur positiven Pädagogik in Konservatorien. Pauline studierte in Köln und Münster Klavier, Gesang und Medizin und forscht zum Thema Bühnenpersönlichkeit. Chiara hat neben Cello auch Psychologie studiert und zu «Mindwandering and Boredom in Classical Musicians» geforscht. Sie unterrichtet an der Hochschule der Künste Bern.

Hilfe, mein Konzert wurde kurzfristig abgesagt!

Konzertabsagen kurz vor Durchführung der Veranstaltung sind ärgerlich und führen immer wieder zu Unsicherheiten bei Musikschaffenden. SONART erklärt, wie du dich davor schützen kannst.

Die Konzertabsage kommt aus dem Nichts. Der Bus ist bereits gemietet und die Anzahlung getätigt, die Audiotechnikerin gebucht, die Vorbereitungen sind in vollem Gange, die Promo läuft auf Hochtouren. Und dann kommt sie auf einmal, die Absage – nur wenige Tage vor dem Konzert.

Wird ein Konzert kurzfristig abgesagt muss im Streitfall der Sachverhalt einer rechtlichen Würdigung unterzogen werden. Haben die Parteien für ein Konzert keinen schriftlichen Vertrag geschlossen oder enthält ein bestehender Vertrag keine Regelung zu einer Absage, sind regelmässig (aber nicht immer!) die Bestimmungen des Werkvertrages (Art 363 OR ff.) anwendbar. Der Rücktritt von einem Werkvertrag ist in Art. 377 OR geregelt, wonach dieser gegen «volle Schadloshaltung» erfolgen kann. Insofern besteht im Streitfall unter der Bedingung der Anwendbarkeit von Art. 377 OR zwar ein gewisser Schutz für Musikschaffende, die Durchsetzung der Ansprüche kann aber mit erheblichem Aufwand verbunden und kostspielig sein, sollte sich die Gegenpartei dagegen wehren.

Wie also können sich Musikschaffende vor kurzfristigen Absagen besser schützen? Das Problem liegt oft in der fehlenden Schriftlichkeit der Vereinbarung, denn ein Konzertvertrag kann formfrei abgeschlossen werden. Um Missverständnissen vorzubeugen, empfiehlt SONART daher, zumindest die wichtigsten Punkte schriftlich festzuhalten, idealerweise in einem Konzertvertrag, mindestens aber in einer Zusammenfassung der wesentlichen Vertragspunkte (einem sogenannten «Deal-Memo») beispielsweise per E-Mail. Dieses Deal-Memo sollte durch den/die Veranstalter*in schriftlich rückbestätigt werden.

Eine Konventionalstrafe – beispielsweise in der Höhe der vereinbarten Gage – kann helfen, unnötige und kurzfristige Konzertabsagen zu verhindern, da diese mit einer Entschädigung gekoppelt werden. Im konkreten Fall müsste der/die Veranstalter*in die Gage gestützt auf die Vertragsverletzung umgehend bezahlen.

Um den Unsicherheiten rund um das Thema kurzfristige Konzertabsagen Rechnung zu tragen, hat SONART ein Merkblatt mit den wichtigsten Fragen und Antworten und praktischen Handlungsempfehlungen erstellt. Das Merkblatt sowie ein Mustervertrag mit ergänzenden Erläuterungen stehen SONART-Aktivmitgliedern auf Anfrage zur Verfügung.

 

David Burger ist Mitarbeiter Mitgliederberatung & Projekte und ist zuständig für die juristischen Beratungen bei SONART. Er hat Rechtswissenschaften studiert mit Schwerpunkt Vertragsrecht und Urheberrecht.

50 Jahre Junge Musik: Die Schweiz als Klangheimat 

Der 50. Schweizerische Jugendmusikwettbewerb startet unter neuer Leitung und will seine Bedeutung als Referenz für junge Musiktalente weiter auszubauen.

Zu Beginn des Jahres 2025 bereitet sich der Schweizerische Jugendmusikwettbewerb auf ein bedeutendes Jubiläum vor: fünfzig Jahre Geschichte. Fünfzig Jahre, in denen der Wettbewerb eine zentrale Rolle in der Förderung junger Musiktalente gespielt und entscheidend zur Ausbildung zukünftiger Akteure der Musikszene beigetragen hat.

Frischer Wind für das nächste Kapitel

Das Jubiläum ist nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch für eine symbolische Stabübergabe: Andreas Wegelin übernimmt das Amt des Präsidenten des Stiftungsrats und leitet damit eine Ära der Erneuerung und Kontinuität ein. Gleichzeitig übernimmt Stefan Escher die Leitung der Geschäftsstelle von der langjährigen Geschäftsführerin Valérie Probst.

Mit grossem und unermüdlichem Einsatz hat Valérie Probst den Wettbewerb über viele Jahre hinweg geprägt und Generationen junger Musiker:innen inspiriert. Vor ihrem Abschied hat sie sorgfältig die Vorbereitungen für die Jubiläumsausgabe des Wettbewerbs mit derselben Hingabe durchgeführt, die ihr Wirken stets geprägt haben. Ihre Vision und ihr Begeisterung sind nicht nur in der Geschichte des Wettbewerbs verankert, sondern auch in jedem Schritt, der diesen Meilenstein möglich gemacht hat. Dieses letzte Engagement, das mit dem aktuellen Team organisiert wurde, stellt ein würdiges Vermächtnis ihres langjährigen Wirkens dar. Wir danken ihr von ganzem Herzen für ihre herausragende Arbeit.

 

Von der Entrada zum Finale

Vom 14. bis 16. März 2025 findet in sechs Schweizer Städten die Entrada statt, bei der rund tausend Musiker:innen aus der ganzen Schweiz antreten werden. Auch die Jubiläumsausgabe wird vier Disziplinen umfassen: Classica, Jazz&Pop, Composition und FreeSpace. Jede Kategorie bietet Raum für unterschiedliche musikalische Ausdrucksformen, aber alle haben ein gemeinsames Ziel: jungen Musiktalenten eine Plattform zu bieten, auf der sie sich messen und weiterentwickeln können.

Classica verkörpert die älteste Tradition des Wettbewerbs. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, ein Repertoire zu erarbeiten, das von der Barockmusik bis zur grossen Literatur des 19. Jahrhunderts reicht. Alte Musik und Zeitgenössische Musik ermöglichen es ihnen, historische und neue Klangwelten zu erkunden.

Jazz&Pop, FreeSpace und Composition sind dagegen die modernsten Disziplinen. Jazz&Pop umfasst Improvisation und moderne Musik. FreeSpace lässt jungen Künstler:innen maximale kreative Freiheit. Composition bietet jungen Komponist:innen die Möglichkeit, ihre künstlerische Stimme zu entwickeln und mit Klangfarben zu experimentieren.

Das Finale findet vom 1. bis 4. Mai 2025 in Zürich statt – dem Gründungsort des Wettbewerbs vor 50 Jahren. Traditioneller Höhepunkt ist das Preisträgerkonzert, bei dem die Triumphierenden auftreten werden.

 

Ein Wettbewerb als Spiegel der Schweizer Musiklandschaft

Was den SJMW einzigartig macht, ist sein Geist der Gemeinschaft und des Austauschs. In jeder Ausgabe wird die Musik zum gemeinsamen Idiom, das kulturelle, geografische und stilistische Unterschiede überbrückt. Die Schweiz mit ihrer Vielfalt an Sprachen, Traditionen und kulturellen Einflüssen wird so zur Botschafterin einer Musik, die Grenzen überwindet. Und doch bleibt der Wettbewerb tief in seinem Schweizer Kontext verwurzelt, getragen von einer Musikkultur, die sich aus den Klanglandschaften und Traditionen des Landes speist.

In seinem 50. Jahr feiert der Wettbewerb nicht nur die Kontinuität eines Projekts, sondern auch das stetige Wachstum einer nationalen musikalischen Identität. Jede Ausgabe ist ein Schritt in die Zukunft, und baut auf einem soliden Fundament auf: einem Land, das mit seinem offenen Geist stets ein Labor für neue musikalische Ideen war. Die Schweiz ist Heimat vieler – und Heimat einer musikalischen Tradition, die sich ständig weiterentwickelt, sich treu bleibt und sich doch immer wieder neu erfindet. Der Schweizerische Jugendmusikwettbewerb ist ein lebendiges Zeugnis davon.

Das musikalische Fundament legen

Musik und Bewegung oder Rhythmik? Musikgrundschule oder Elementare Musikpädagogik? Dieses Berufsfeld hat viele Namen. Aber immer geht es um das Herzstück der Musikpädagogik, am Puls der Gesellschaft. 

Wer mit einem solchen Bachelor- oder Master-Diplom in der Tasche die Musikhochschule verlässt, ist gefragt, ja begehrt. Denn die meisten Kantone kennen diesen besonderen Musikunterricht in der Primarschule, die Schüler :innenzahlen steigen, und erweiterte Angebote im Rahmen der Ganztagesschule führen zu zusätzlichem Lehrpersonenbedarf. So arbeitet denn der Grossteil der Absolvent :innen des Fachbereichs Musik und Bewegung (auch) an der Volksschule. Dort erfüllen sie einen wesentlichen Teil des Bildungsauftrags im Fach Musik. Ohne ihr Engagement steht die musikalische Bildung still. In einer Gesellschaft, in der das aktive Musizieren nicht automatisch Teil des Familienlebens ist, legen diese Musiklehrpersonen das Fundament für den allgemeinen, aktiven Zugang zur Musik – und mehr als das : « Es werden sensorische, soziale, kreative und visionäre Kompetenzen geschult, die Basis der so dringend gefragten ’future skills’ » meint Claudia Wagner von der HKB.

 

Die Praxis der Chancengerechtigkeit

Gemeinsam mit dem Kollegium der Primarschule setzen sich die Musiklehrpersonen Tag für Tag für die Chancengerechtigkeit im realen Leben ein, jenseits grosser Worte und Konzepte. Die Heterogenität in den Klassen ist gross und wächst weiter. Hier ist pädagogisches Handwerk gefragt. Alle Schweizer Musikhochschulen tragen diesen Anforderungen in ihren Ausbildungen Rechnung. So sagt Dominique Regli-Lohri von der Hochschule Luzern – Musik : « Die Pädagogik wird gestärkt, damit unsere Studierenden im Berufsalltag bestehen und ihr gelerntes Wissen weitergeben können. Dazu gehören nicht nur fachspezifische Aspekte, sondern beispielsweise auch Kenntnisse über Klassenführung, Konfliktlösung und Kommunikation. »

 

Ein breites Berufsfeld

Dass diese Spezialist :innen für musikalische Frühförderung an Schulen so begehrt sind, verstellt vielleicht den Blick auf die weiteren Berufsoptionen. Aber auch sie sind von grosser Bedeutung : « Ich finde, der Vorschulbereich müsste auch stärker abgedeckt werden, für 2-, 3-, 4-Jährige », sagt Stefanie Dillier, Präsidentin von Rhythmik Schweiz. « Ich habe etwas Bedenken, dass dieser Bereich verloren geht, wenn die altgedienten Rhythmikerinnen in den kommenden Jahren in Pension gehen. Aber wenn man mit kleinen Kindern im Elementarbereich nicht Musik macht, wenn man nicht mit ihnen singt und sich bewegt, dann verpasst man etwas. » Zudem stellen Ruth Frischknecht, Edith Stocker und Christian Berger von der ZHdK fest : « Ausserschulisch entstehen immer mehr neue Berufsfelder in den Bereichen Community Arts, Musikvermittlung, Aktivierung usw. »

 

Föderalismus

Es ist klar : Ohne diese grundlegende musikpädagogische Arbeit ist kulturelle Teilhabe in der Musik undenkbar. Die Schweizer Bundesverfassung hält daher in Artikel 67a, Absatz 2 fest : Bund und Kantone « setzen sich im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für einen hochwertigen Musikunterricht an Schulen ein ». Die Verbände im Bereich Musikalische Bildung sind nicht der Meinung, dass dies heute schon erreicht ist. Sie setzen sich intensiv für Verbesserungen ein. Denn im Berufsfeld Volksschule besteht noch keine gesetzliche Basis für einen schweizweit einheitlichen, verbindlichen Einbezug der bestens qualifizierten Musiklehrpersonen mit Musik und Bewegung-Abschluss ins Kollegium. So unterscheidet sich die Handhabung von Kanton zu Kanton, ja von Gemeinde zu Gemeinde. Basel-Stadt gilt dabei als vorbildlich, wird doch Musik und Bewegung über alle sechs Jahre der Primarschule in Halbklassen unterrichtet. Das findet Katrin Rohlfs von der Hochschule für Musik Basel erfreulich. « Dass kantonale Bestimmungen so unterschiedlich sind, spricht aber nicht für eine Chancengleichheit in der kulturellen Bildung, wie sie in der Bundesverfassung verankert ist », merkt sie kritisch an.

 

Ausblick

Es bleibt also wichtige politische Arbeit zu leisten. Aber das Berufsfeld ist schon heute inspirierend und vielfältig wie kaum ein zweites. Alle Verantwortlichen für die Ausbildungen in Musik und Bewegung an Schweizer Musikhochschulen weisen darauf hin, dass auch das musikalisch-künstlerische, stilistische Spektrum sehr breit ist, dass mit Menschen in jedem Alter gearbeitet werden kann und dass die solide musikpädagogische und künstlerische Ausbildung mit einem Blick auf die Entwicklungen unserer Gesellschaft laufend erweitert wird, natürlich auch im Bereich digitaler Zugänge.

Im Zentrum stehen aber weiterhin die Menschen als sinnliche Wesen, oder in den Worten von Florence Jaccottet von der Haute Ecole de Musique de Genève : « L’approche de la musique par le mouvement fait écho à une demande actuelle forte dans un paysage musical en pleine transformation, ou l’innovation se traduira peut-être de plus en plus par le désir du musicien de faire appel non pas à l’intelligence artificielle mais bien physique et sensible. »

 

Prof. Dr. Valentin Gloor
… ist Direktor der Hochschule Luzern – Musik.

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