Josep Planells gewinnt Neue Szenen IV

Josep Planells Schiaffino, der Empfänger der Roche Young Commission 2019 von Roche und Lucerne Festival, ist einer der Gewinner des Kompositionswettbewerbs Neue Szenen IV der Deutschen Oper Berlin in Kooperation mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler.

Josep Planells Schiaffino (Bild: zVg)

Neben Josep Planells Schiaffino (28) sind die britisch-chinesische Komponistin Jamie Man (30) und die aus den Philippinen stammende Feliz Anne Reyes Macahis (30) die Ausgezeichneten des Wettbewerbs. Die Jury unter dem Vorsitz des Komponisten Detlef Glanert wählte sie für das Stipendium zur Komposition neuer Musiktheaterwerke aus.

Von 2006 bis 2010 studierte Josep Planells Schiaffino am Conservatorio Superior de Música seiner Geburtsstadt Valencia bei José Cerveró mit Abschlussdiplom Klarinette. Von 2010 bis 2014 belegte er das Fach Komposition bei Arnulf Herrmann an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin und schloss dort seinen Master bei Hanspeter Kyburz an.

2017 nahm er an Meisterklassen im Fach Dirigieren der Lucerne Festival Academy bei Heinz Holliger und Matthias Pintscher teil, in den Jahren 2015 und 2016 auch bei Peter Eötvös, Helmut Lachenmann und Peter Rundel. Josep Planells wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und erhielt Kompositionsaufträge, unter anderem für Les Vents Français und Eric Le Sage sowie der Roche Young Commissions 2019 des Lucerne Festivals. Erste Musiktheatererfahrungen machte er bei Franck Ollu am Theater Basel und an der Staatsoper Berlin bei Wolfgang Rihms Jakob Lenz.

Salzburger Stier für Jazzschul-Absolventen

Der Emmentaler Christoph Simon, ein Absolvent der Swiss Jazz School in Bern, ist der Schweizer Titular des Salzburger Stiers 2018. Mitempfänger sind die österrreichischen Science Busters und Pigor & Eichhorn aus Deutschland.

Christoph Simon (Bild: zVg)

Christoph Simon wurde 1972 in Langnau im Emmental geboren. Er absolvierte zunächst in Bern die Swiss Jazz School. 2014 und 2015 wurde er gleich zweimal in Folge Schweizer Meister im Poetry Slam. Er gewann 2015 die «Sprungfeder» der Oltner Kabarett-Tage, ab 2018 tourt er mit seinem dritten Solo-Programm «Der Richtige für fast alles» durch die Schweiz und durch Deutschland. Mittlerweile hat er auch fünf Romane, Kinderbücher und Gedichte publiziert.

Der mit je 6000 Euro dotierte Salzburger Stier ist der renommierteste Kleinkunstpreis im deutschen Sprachraum. 1982 wurde er zum ersten Mal vergeben. Hinter dem Preis stehen die öffentlich-rechtlichen Radiostationen in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz und in Südtirol, die sich zu einer Radiovereinigung zusammengeschlossen haben. Die Schweizer Jury erklärte Simon einstimmig zum Gewinner.

 

Tod des Cellisten Daniel Pezzotti

Der multistilistische Schweizer Cellist Daniel Pezzotti ist laut einer Todesanzeige des Opernhauses Zürich im Alter von 55 Jahren den Folgen einer schweren Krankheit erlegen.

Daniel Pezzotti 2011 am Montreux Jazz Festival (Bild: Webseite Andreas Vollenweider)

Pezzotti schloss 1981 sein Studium am Konservatorium Zürich bei Claude Starck mit Auszeichnung ab. Im Bereich der klassischen Musik weist ihn eine rege internationale Konzerttätigkeit als Solist und Kammermusiker aus. Ab 1986 war er Mitglied des Orchesters der Oper Zürich. Daneben war er auch als Jazzmusiker tätig.

Als Freund des brasilianischen Multiinstrumentalisten Hermeto Pascoal trat er 1992 mit dessen Gruppe in Rio de Janeiro, Rom, Florenz, Genf und Zürich auf. Aus dieser gemeinsamen Arbeit entwickelte sich ein Duo mit Carlos Malta, dem Flötisten und Saxophonisten aus Pascoals Gruppe. Weiterhin nahm er mehrfach mit Andreas Vollenweider und mit Thierry Lang auf. In Rio de Janeiro wirkt Pezzotti als Gastdozent beim International Cello Encounter. An der Zürcher Hochschule der Künste lehrt er als Dozent Violoncello.
 

Gisler mit Goldenem Uristier geehrt

Der Regierungsrat des Kantons Uri verleiht den «Goldenen Uristier» an den Bürgler Jonny (Ernst) Gisler, Volksmusikant und Komponist, für seine ausserordentlichen Leistungen zugunsten der Urner und Schweizer Volksmusik.

Ernst Gisler (Bild: zVg)

Jonny Gisler nimmt laut der Mitteilung des Kantons Uri seit Jahrzehnten eine bedeutende Stellung in der Innerschweizer Volksmusikszene ein. Vergleichbar mit dem verstorbenen Otto Truttmann, dessen virtuoses Blockflötenspiel in der ganzen Schweiz bekannt wurde. Jonny Gislers harmonische, an sein Vorbild Albert Hagen erinnernde Kompositionen finden weit über das Urnerland hinaus eine grosse Zuhörerschar. Sein humorvoller Charakter, seine Bescheidenheit und das grosse musikalische Können erklären den Erfolg.

Jonny Gisler unterstützte seit der Gründung die Initiativen des Hauses der Volksmusik in Altdorf. Er trat prominent an den Alpentönen und am Volksmusikfestival Altdorf auf. Mit anspruchsvollen Stücken und mit seiner melodiös-filigranen Spielweise prägte er die neuere Dynamik in der Schweizer Volksmusik.

Die Ehrennadel «Goldener Uristier» wurde erstmals anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Kunst- und Kulturstiftung Uri im Jahr 2011 vergeben. Sie wird an Persönlichkeiten oder Institutionen verliehen, die ein nachhaltiges Werk geschaffen und sich für das Urner Kulturleben ausserordentlich verdient gemacht haben.

Tod des Schweizer Komponisten Klaus Huber

Der Schweizer Komponist Klaus Huber ist laut einer Mitteilung auf seiner Webseite im Alter von 92 Jahren am 2. Oktober 2017 in Perugia gestorben.

Der 1924 in Bern geborene Huber studierte Violine bei Stefi Geyer und Komposition bei Willy Burkhard und Boris Blacher. Von 1964 bis 1973 leitete er die Kompositionsklasse an der Musikakademie Basel. 1969 gründete er das Internationale Komponistenseminar in Boswil und von 1973 bis 1990 war er Leiter der Kompositionsklasse und des Instituts für Neue Musik an der Musikhochschule in Freiburg/Breisgau.

Zu seinen Schülern gehörten Brian Ferneyhough und Hans Wüthrich in Basel, Wolfgang Rihm, Younghi Pagh-Paan, Toshio Hosokawa, Michael Jarrell, Günter Steinke, Dieter Mack, Claus-Steffen Mahnkopf, Johannes Schöllhorn, Richard Nikolaus Wenzel und eine Handvoll weiterer heute renommierter Komponistinnen und Komponisten.

Brian Ferneyhough würdigt Hubers Schaffen auf der Webseite klaushuber.com als verwurzelt sowohl in der mittelalterlichen als auch in der seriellen Kompositionspraxis. Anders als manche seiner Generationsgenossen habe er es aber vermieden, «auf eine marktgängige Ansammlung von stilistischen Merkmalen festgelegt zu werden, weil jedes seiner Werke eine höchst individuelle Antwort auf eine klar fokussierte und technisch genau ausgefeilte Reihe von Sachverhalten ist und zugleich auch ein präzises, stets erneutes Nachdenken über das Verhältnis der zeitgenössischen Musiksprachen zur realen, unvollkommenen Welt, in die sie eingebettet sind.»

Von 1979 bis 1982 war Huber Präsident des Schweizerischen Tonkünstlerverein. Neben zahllosen weiteren bedeutenden Preisen wurde Huber 2009 auch mit dem renommierten Ernst von Siemens-Musikpreis ausgezeichnet.

Medienpreis Leopold 2017/18

Unter den vier Produktionen, die der Verband deutscher Musikschulen als besonders «gute Musik für Kinder» ausgezeichnet hat, findet sich auch «Die Orchestermäuse» von den Hug-Musikverlagen.

Ausschnitt aus dem CD-Cover von «Die Orchestermäuse»,SMPV

Am 29. September hat der Verband deutscher Musikschulen (VdM) zum elften Mal zusammen mit dem Bundesjugendministerium im WDR Funkhaus Köln den Medienpreis für gute Musik für Kinder verliehen. Eine Expertenjury hatte im Vorfeld aus über 150 Bewerbungen 15 Musiktonträger für die Empfehlungsliste ausgewählt. Vier Produktionen sind nun mit dem begehrten Medienpreis Leopold ausgezeichnet worden, dem Gütesiegel des VdM für besonders «gute Musik für Kinder».

Überreicht wurde der Leopold durch den VdM-Vorsitzenden Ulrich Rademacher und den Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Ralf Kleindiek. Rademacher sagte: „Die Idee zum Medienpreis Leopold war von Anfang an, noch mehr ‚gute Musik‘ in die Familien zu tragen und damit Musik als lebensbegleitendes Gut so früh wie möglich Kindern zugänglich zu machen. Auch im aktuellen, elften Wettbewerbszyklus haben uns Produzenten und Verlage, Komponisten und Künstler wieder mit ihren Ideen, ihrem Engagement für die Sache und der Qualität ihrer Produktionen überzeugt und begeistert. Wir wünschen uns, dass diese Begeisterung ansteckt und Wirkung entfaltet.“

Der Medienpreis Leopold wird seit 1997 alle zwei Jahre vom Verband deutscher vergeben. Er gilt als eine der wichtigsten deutschen Auszeichnungen für Musiktonträger für Kinder.

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Die Gewinner:

Die Orchestermäuse – Ein musikalisches Märchen
Ab 5 Jahren; Hug & Co. Musikverlage, Zürich

Innerrhoder Kunststiftung zeichnet Klanglandschaften aus

Die Innerrhoder Kunststiftung vergibt für das Projekt «Klanglandschaften» ihren mit 10’000 Franken dotierten Werkbeitrag 2017 an Roswitha Gobbo.

Roswitha Gobbo (Bild: zVg)

Die 1989 geborene Roswitha Gobbo ist Absolventin der Zürcher hochschule der Künste, arbeitet mit sehr unterschiedlichen Medien und kombiniert diese immer wieder auf neue Weise miteinander. Klanglandschaften ist ein Blog (klanglandschaften.wordpress.com), auf dem regelmässig Aufnahmen von Soundscapes aus Südamerika publiziert werden. Sie bestehen aus «akustischen Erscheinungen, die an einem Ort auftreten». Das können Naturgeräusche, Sprache, Arbeits- und Maschinenlärm sowie Musik sein.

Seit dem Jahr 2000 vergibt die Innerrhoder Kunststiftung in unregelmässigen Abständen Werkbeiträge, um zeitgenössisches Kunstschaffen zu fördern. Der Stiftungsrat hat an seiner Sitzung vom 18. September 2017 einstimmig beschlossen, den diesjährigen Werkbeitrag von 10‘000 Franken an Roswitha Gobbo, Appenzell zu vergeben. Die Verleihung des Preises findet am 18. November statt.

Ausserrhodener Kulturbeiträge

Mit der zweiten Fördertranche von 2017 aus dem Kulturfonds unterstützt der Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden fünf Projekte mit insgesamt 79’700 Franken, darunter eine multimediale Publikation der Band Europa: Neue Leichtigkeit.

Europa: Neue Leichtigkeit (Bild: zvg)

Zwei der fünf Projekte sind kantonsübergreifend angelegt: Das von allen Ostschweizer Kantonen getragene vierjährige Pilotprojekt «Buch und Literatur Ost+» und die alle drei Jahre stattfindende jurierte Ausstellung «Heimspiel». Die weiteren geförderten Projekte sind «Unter Artgenossen» vom Theater Fleisch + Pappe von Kathrin Bosshard und Philipp Langeneggers musikalische Lesung mit dem Titel «Vo Heeme» zu Jakob Hartmann, einem der bedeutendsten Appenzeller Mundartdichter.

Das Departement Bildung und Kultur des Kantons hat in der ersten Jahreshälfte zudem für 52 Gesuche insgesamt 114’376 Franken gesprochen. Die unterstützten Projekte werden im kantonalen Kulturblatt Obacht Kultur Nr. 28 aufgeführt.

Abbau des Musikunterrichts in Österreich

Die Rahmenbedingungen für den Musikunterricht an Österreichs Schulen hätten sich in der letzten Dekade massiv verschlechtert, erklärt der Österreichische Musikrat (ÖMR). Besonders prekär sei die Situation in der Volksschule. Die musikalische Ausbildung werde an den Pädagogischen Hochschulen massiv zurückgefahren.

Foto: w.r.wagner / pixelio.de

Musikalisch überforderte Lehrkräfte sängen oder musizierten nicht mehr mit den Kindern oder es finde gar kein Musikunterricht mehr statt, erklärt der Rat weiter. Die gegenwärtige bildungspolitische Diskussion fokussiere viel zu sehr die Pisa-Fächer (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften). Die künstlerisch-kreativen Fächer vermittelten aber ebenfalls unverzichtbare Kompetenzen wie Kreativität, soziales Miteinander und Gestaltungsvermögen.

Der ÖMR fordert eine qualitative und quantitative Absicherung des Musikunterrichts, die Realisierung eines flexiblen Fachlehrerprinzips für musisch-künstlerische Fächer an den Volksschulen, die Ausweitung des Musikunterrichts in der Volksschule auf zwei Wochenstunden, den Ausbau der Kooperationen von Schulen mit Musikschulen und die Einrichtung einer musikpädagogischen Koordinationsstelle im Bildungsministerium.
 

Neue Wege der Kulturförderung in Chur

Die Stadt Chur lancierte im Mai 2017 ein Pilotprojekt auf der Crowdfunding Plattform wemakeit für audiovisuelle künstlerische Projekte. Ab sofort können über den Channel der Stadt Chur künstlerische Projekte in allen Sparten gefördert werden. Die Stadt Chur beschreitet damit neue Wege der Kulturförderung.

Kopfsteinpflaster in Chur. Foto: Paul-Georg Meister

Die Stadt Chur unterstützt kulturelle Projekte mit Bezug zur Stadt. Dies können ein Hörspiel, Kurzfilme, Leseabende oder ein Gedichtband sein. Wer eine Crowdfunding-Kampagne bei wemakeit lanciert und 33 Prozent des Finanzierungsziels erreicht, erhält das zweite Drittel (maximal 3’000 Franken) von der Stadt Chur.

Das letzte Drittel muss wieder über die Crowd gesammelt werden. Romanische Projekte werden zusätzlich mit 1000 Franken durch die Lia Rumantscha unterstützt. Die Lia Rumantscha fördert und unterstützt die romanische Sprache und Kultur in der ganzen Schweiz.

Wemakeit und die Stadt Chur laden alle interessierten Kulturschaffenden zu einer Informationsveranstaltung zum Projekt ein. Sie findet am Donnerstag, 9. November 2017, um 17 Uhr im Gemeinderatssaal im Rathaus Chur, Poststrasse 33, statt. Anmeldungen sind bis Dienstag, 7. November 2017, an caroline.morand@chur.ch oder Telefon 081 254 44 10 zu richten.

Basler Kulturpreis für Kaserne-Leiterin Schlewitt

Carena Schlewitt, die künstlerische Leiterin der Kaserne Basel, erhält den mit 20’000 Franken dotierten Basler Kulturpreis 2017. Die Kaserne Basel gilt unter anderem als wichtigstes Konzerthaus für Populärmusik in der Nordwestschweiz.

Carena Schlewitt (Foto: Eleni Kougionis)

Carena Schlewitt hat laut dem Kanton «als Persönlichkeit verbindend und integrativ mit der Kaserne Basel auf dem Kasernenareal und in die Stadt hinein gewirkt». Sie habe den Aufbau einer überregional anerkannten freien Theater- und Tanzszene und den Erhalt der Kaserne Basel als wichtigstes Konzerthaus für Populärmusik in der Nordwestschweiz erreicht sowie das Basler Theaterfestival als wichtiges internationales Festival in der Schweiz positioniert.

Carena Schlewitt, geboren in Leipzig, studierte Theaterwissenschaften an der Humboldt Universität Berlin und war an der Akademie der Künste in Ost-Berlin und am Podewil sowie beim Festival Theater der Welt, Berlin tätig. Sie wirkte als Dramaturgin und stellvertretende künstlerische Leiterin am Forum Freies Theater Düsseldorf und als Theaterkuratorin und stellvertretende künstlerische Leiterin am Berliner Theater Hebbel am Ufer. 2018 wird sie die Intendanz von Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste Dresden übernehmen.

Der Basler Kulturpreis wird dieses Jahr zum 45. Mal vergeben. Die Jury für die Verleihung 2017 setzt sich zusammen aus Peter Bläuer, Direktor der Kunstmesse Liste Art Fair Basel; Vadim Jendreyko, Filmemacher und Produzent; Marc Krebs, Kulturredaktor bz Basellandschaftliche Zeitung; Ellinor Landmann, Redaktion Kunst und Gesellschaft, Radio SRF2Kultur; Felix Meyer, Direktor Paul Sacher Stiftung; Manuela Waeber, freie Lektorin, Jeannette Voirol, Leiterin Kulturinstitutionen Abteilung Kultur (Vorsitz).
 

Probenhaus für das LSO

Ende 2019 soll das Probenhaus des Luzerner Sinfonieorchesters in Betrieb genommen werden. LSO-Intendant Numa Bischof Ullmann gab Einblick in den Stand der Planung und das Nutzungspotenzial des neuen Gebäudes.

Aussenansicht des Probenhauses. Bild: LSO/Enzmann Fischer & Büro Konstrukt AG,Bild: LSO / Enzmann Fischer & Büro Konstrukt AG, Luzern

Residenzorchester im Kultur und Kongresszentrum Luzern zu sein, das tönt sehr gut und beflügelt das Luzerner Sinfonieorchester (LSO) seit Jahren. Im Probenalltag spüren die Musikerinnen und Musiker aber wenig von diesem Glanz. Dunkel sei es im Probenraum, die Luft schlecht und die Akustik völlig ungenügend. Seit Jahren sucht das Orchester deshalb nach einer adäquaten Heimstätte. Nun ist es diesem Ziel mit dem vorliegenden Projekt schon sehr nahe gekommen: Ein Probenhaus soll in Kriens gebaut werden, direkt neben dem Neubau der Hochschule Luzern – Musik und dem Kulturzentrum Südpol, das auch die Luzerner Musikschule und das Luzerner Theater beherbergt. Das Probenhaus soll gleichzeitig als Zentrum der «Kinder- und Jugendprojekte und eine Art Kompetenzzentrum für inklusive Musikvermittlung» dienen, den LSO-Musikerinnen und -Musikern Übungsräume bieten und auch andern Institutionen offenstehen. Jetzt, wie Numa Bischof Ullmann an der Pressekonferenz vom 26. September mit grosser Freude bekannt gab, wird die Stiftung für das Luzerner Sinfonieorchester Ende Woche den Baurechtsvertrag mit der Stadt Luzern und der Stockwerkeigentümerschaft Südpol unterschreiben, bis Ende Jahr soll die Baueingabe erfolgen, der erste Spatenstich wird im Frühling erwartet und fertig sein soll der neue «Arbeitsort» Ende 2019. Im Südpol entsteht also eine Art «Musicampus», auf dem sich die verschiedenen Generationen treffen, Ausbildung, Berufsalltag und Laienmusizieren sich gegenseitig befruchten und musikalische Stile verschmelzen.

Als Sieger aus dem Architekturwettbewerb hervorgegangen sind Enzmann Fischer & Büro Konstrukt AG, Luzern, dasselbe Team, das auch den HSLU-Neubau realisiert. Der Gebrauchscharakter des Orchesterhauses steht im Vordergrund. Es steht auf Stelzen, um die Parkplätze zu erhalten. Auf einer ersten Ebene befinden sich 10 Einzelprobenräume, auf der zweiten 3 Registerprobenräume und auf der dritten schliesslich der durchschnittlich 10,5 Meter hohe Probesaal mit einer Kubatur von 3900 Kubikmeter. Es wird auf dem Campus keinen andern Raum von dieser Grösse geben und somit ist er auch für andere Nutzer sehr attraktiv. Für die Akustik ist die Applied Acoustics GmbH aus Gelterkinden verantwortlich. Das Scheddach passt nicht nur gut in die industrielle Umgebung, sondern wirkt sich auch mit den Deckensegeln positiv auf die Schallverteilung aus.

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Probensaal

Weitgehend privat finanziert

Ein Zweckbau soll es also werden, der den Probe- und Übealltag der Orchestermitglieder optimiert, dem Orchester eine Heimat bietet und Raum für die vielseitige Vermittlungsarbeit schafft. Details zu den Betriebskosten werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben. Für die Baukosten von total 8 Millionen haben private Mäzene, Gönnerinnen und Privatpersonen bereits 5 Millionen zugesichert – ein schönes Zeichen einer ausserordentlichen Verbundenheit der Luzerner mit ihrem Orchester. Numa Bischof Ullmann, der das Fundraising verantwortet, ist ihnen allen dafür sehr dankbar. Geplant ist zudem eine Crowdfunding-Aktion, die in das Benefizkonzert «Jeder Sitzplatz – ein Baustein» am 8. Juni 2018 mündet. 75 Prozent der Karten seien bereits verkauft und der Erlös gehe zu 100 Prozent ans neue Haus. Sollte die öffentliche Hand sich finanziell am LSO-Bauprojekt beteiligen wollen, würde sie mit offenen Armen empfangen.

Die Probentage in stickigen, schlecht klingenden Sälen dürften also bald gezählt sein. Und nicht nur das. Man darf gespannt sein, wie sich die Beziehungen im Südpol entwickeln werden. Bekanntlich gibt 1+1 mehr als 2 – möge sich aus dem Südpol-Dreiklang ein vielstimmiger Wohlklang entwickeln.
 

Weitere Informationen

 

Link zum Projekt auf der LSO-Website

Zwischenruf der Dach-Musikräte

Im Rahmen ihrer diesjährigen Herbsttagung im Kloster Seeon haben die nationalen Musikräte Deutschlands, Österreichs und der Schweiz (der sogenannten Dach-Region) einen gemeinsamen Zwischenruf verabschiedet: Sie fordern die Politik auf, Digitalisierung von der Kultur her zu denken.

(v.l.): Huber, Kunz, Ziebold, Krüger, Höppner, Hertel (Bild: DMR)

Die Bedeutung der Digitalisierung für die Kultur und insbesondere für die Musik müsse weiter in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt werden, erklärt dazu Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrates. Der gemeinsame Zwischenruf mit Österreich und der Schweiz sei ein wichtiger Impuls für die gesellschaftspolitische Verortung des Musik- und Kulturlebens im digitalen Zeitalter.

Hinter dem Zwischenruf stehen Harald Huber, Präsident Österreichischer Musikrat, Stefano Kunz, Geschäftsführer Schweizer Musikrat, Irène Philipp Ziebold, Präsidentin Schweizer Musikrat, Martin Maria Krüger, Präsident Deutscher Musikrat, Christian Höppner, Generalsekretär Deutscher Musikrat, sowie Paul Hertel, Vizepräsident Österreichischer Musikrat.

Der Zwischenruf:
1. Chancen und Herausforderungen: das Digitale Zeitalter bietet faszinierende Möglichkeiten wie fundamentale Herausforderungen für unsere Gesellschaften.
2. Das Digitale Zeitalter ist zuerst eine kulturelle Herausforderung und im Nachgang eine technologische Herausforderung.
3. Medienkompetenz ist vor allem eine kulturelle Kompetenz. Derzeit wird die Digitalisierung nahezu ausschliesslich unter technologischen Gesichtspunkten behandelt. Es reicht nicht, die Klassenzimmer mit Computern auszustatten.
4. Künstliche Intelligenz, die zunehmende Virtualisierung von Lebenswelten und die technologischen Weiterentwicklungen bergen Veränderungspotentiale auf den einzelnen Menschen wie für das Zusammenleben in unseren Gesellschaften. Die Veränderungen in der eigenen Wahrnehmung, in der Wahrnehmung des Anderen, in der Kommunikation und im Rezeptionsverhalten gehören dazu.
5. Das Digitale Zeitalter bietet neue Chancen, das Bewusstsein für kreatives Schaffen (Sauerstoff der Gesellschaft) in seinem immateriellen und materiellen Wert zu befördern. Dazu gehört auch die Transformation analoger Geschäftsfelder in die digitale Welt.
6. Digitales Zeitalter inspiriert analoges (Er)Leben und umgekehrt: Die faszinierenden Möglichkeiten der Digitalisierung lassen eine neue Entdeckerlust am analogen Entdecken beobachten.

Kanton Schwyz verlagert Kulturlastenausgleich

Das Stimmvolk des Kantons Schwyz hat entschieden, die Beiträge des Kantons an die Kultureinrichtungen in Luzern und Zürich ab 2022 nicht mehr über das reguläre Budget zu bestreiten, sondern dafür Gelder des Lotteriefonds zu verwenden.

Foto: Patrick Nouhailler/flickr.com

Die Kündigung der Vereinbarung über die interkantonale Zusammenarbeit im Bereich überregionaler Kultureinrichtungen ist mit einem Stimmenverhältnis von 26 926 Ja (55,88 Prozent) zu 21 258 Nein (44,12 Prozent) gutgeheissen worden. Die am stärksten nach Zürich orientierten Gemeinden Feusisberg, Wollerau und Freienbach erreichten die höchsten Zustimmungen von über 60 Prozent. Abgelehnt wurde die Vorlage in den Gemeinden Schwyz und Innerthal.

Im Rahmen eines Entlastungsprogramms hat der Regierungsrat dem Kantonsrat ein Massnahmenpaket von Aufgabenverzichten, Leistungsreduktionen und Lastenverschiebungen vorgelegt. Eine der Massnahme: Leistungen im Bereich Kulturlastenausgleich sollten künftig aus Mitteln des Lotteriefonds statt aus dem allgemeinen Staatshaushalt beglichen werden. Um dies zu ermöglichen, beantragte  der Rat einen Austritt aus der Kulturlastenvereinbarung auf den nächsten ordentlichen Kündigungstermin per Ende 2021.

Mit der Kündigung der Kulturlastenvereinbarung fällt die gesetzliche Verpflichtung des Kantons zum finanziellen Ausgleich der überregionalen Kulturlasten weg. Er kann somit seine Erfolgsrechnung in der Grössenordnung von rund 1.8 Millionen Franken jährlich entlasten. Kulturschaffende befürchten allerdings, dass damit für die kantonale Kulturförderung aus dem Lotteriefonds weniger Mittel zur Verfügung stehen werden.

Der Musikkritiker zwischen Produzent und Konsument

Ein Projekt des Schweizerischen Nationalfonds, der Hochschule Luzern – Musik und der University of Sheffield untersucht die Rolle der Musikkritik im Klassikmarkt. Dazu wird eine Umfrage durchgeführt, die bis Ende Jahr online ist.

I-vista / pixelio.de

Im Projektbeschrieb auf der Website der Hochschule Luzern – Musik wird die Untersuchung wie folgt vorgestellt: «Sowohl in der Tagespresse als auch im Internet werden täglich Besprechungen von Musikaufnahmen und -aufführungen publiziert. Eine zentrale Funktion solcher Besprechungen besteht darin, der Konsumentin und dem Konsumenten eine Art Orientierungshilfe zu bieten. (…) Das vorliegende Projekt (…) untersucht die Funktion der Kritik im Klassik-Musikmarkt aus der Perspektive von Kritikerinnen bzw. Kritikern und Konsumentinnen bzw. Konsumenten und bestimmt die Merkmale der Musikkritik, welche das Konsum- und Kaufverhalten am meisten beeinflussen. Bei der Untersuchung werden Interviews und Experimente sowie Fragebogen und qualitative Textanalyse eingesetzt.» Projektleiterin ist Elena Alessandri. Man geht davon aus, dass das Projekt «ein vertieftes Verständnis der von der Musikkritik bewirkten und psychologisch motivierten Verhaltensweisen von Konsumentinnen und Konsumenten liefern» wird. «Dieses Verständnis bildet die Basis für einen gezielteren und effektiveren Umgang mit Musikkritik, insbesondere mit Blick auf die durch einen heute kaum mehr überschaubaren Musikmarkt bewirkte Orientierungslosigkeit.»

Teil des Projektes ist eine Umfrage bei Personen, die gerne klassische Musik hören. Die Umfrage wird online durchgeführt und ist bis Ende Jahr hier aufgeschaltet:
Link zur Umfrage

 

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