Zürcher Kammerorchester erhält Wäckerlin-Preis

Der mit 60’000 Franken dotierte Lily-Waeckerlin-Preis für Jugend & Musik 2013 der Stiftung Accentus geht an das Projekt «Musik mit Globi – eine Reise durch die Welt der Töne» des Zürcher Kammerorchesters.

Bild: Orell Füssli Verlag,© Orell Füssli Verlag

Das Zürcher Kammerorchester (ZKO) bedient seit vielen Jahren mit verschiedenen Formaten auch die kleinen Zuhörer. Platz in der Konzertplanung haben verschiedene Kinderkonzerte-Formate.

Das Kinderkonzert «Musik mit Globi – eine Reise durch die Welt der Töne» wird in der kommenden Saison in enger Zusammenarbeit mit dem Globi-Verlag und in Anlehnung an das neu produzierte gleichnamige Globi-Buch uraufgeführt. Mit dabei sind Timo Schlüssel, der für die Geschichte und die szenische Umsetzung verantwortlich ist sowie die Komponisten Rodophe Schacher und Aurelio Meyer.

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Der Lily Waeckerlin-Fonds der Stiftung Accentus verleiht jährlich einen Musikpreis. Ausgezeichnet wird jeweils ein innovatives und qualitativ hochstehendes Projekt im Bereich Jugend und Musik. Mit der Auszeichnung will die Stiftung Kinder und Jugendliche motivieren, Musik nicht nur zu konsumieren, sondern sich aktiv damit auseinanderzusetzen. Die Vermittlung und die Heranführung an das musikalische Werk spiele daher bei der Preisvergabe eine besondere Rolle, schreiben das ZKO und die Stiftung Accentus.

Ein ausschlaggebendes Kriterium für die Preisvergabe ist, wenn immer möglich, das Vorhandensein eines Element, das die aktuelle Phase des Projektes überdauert. Laut Michael Hess, Projektmanager bei der Stiftung Accentus, ist dies mit dem neuen Globi-Buch gegeben, ähnlich wie das letztes Jahr im Projekt des Luzerner Theaters oder 2009 in demjenigen der Gare des enfants der Fall war.

Bisher wurden folgende Projekte mit dem Lily-Wackerlin-Preis ausgezeichnet:
2012: «Fräulein Bixel und Herr Glück», Kinderoper des Luzerner Theaters
2011: Oberwalliser Singschule cantiamo, Brig, Projekt ‚Singen ist cool‘
2010: Verein Tönstör, Bern, Projekt «Still-Leben»
2009: Gare des enfants, Basel, Projekt «Wegweiser Musik»
2008: Musikschule Köniz, Projekt «Travesías»
2007: Ecole de Musique du Conservatoire de Lausanne, Projekt «Structure ‹musique-école›»
2006: Musikhochschule Luzern, Projekt «Air Condition»
2005: Conservatorio della Svizzera Italiana, Projekt «Musikwahrnehmung: Förderung durch Improvisation und Komposition»

www.accentus.ch
www.zko.ch
 

PGM: Mit einem Gratisangebot kann ich nicht konkurrenzieren

In der Sitzung der Parlamentarischen Gruppe Musik PGM vom 13. März ging es um Urheberrecht und Internetpiraterie im Musikmarkt. Der Schweizer Singer-Songwriter Ivo Sidler gab als direkt Betroffener Auskunft.

Ivo Sidler backstage. Foto: © 2013 by Tabea Hüberli

Es wurde noch nie so viel Musik konsumiert wie heute. Die Umsätze der Musiklabel sind aber in den letzten zehn Jahren um 67 % zurückgegangen. Die Einbrüche verlaufen umgekehrt proportional zur Zunahme der Breitband-Internetanschlüsse in den Schweizer Haushalten. Der Bundesrat kam 2010 in seiner Beantwortung des Postulats Savary zum Schutz der Urheberrechte im Internet zur Ansicht, es seien keine zusätzlichen Massnahmen nötig. Diese Einschätzung führte dazu, dass sich Betroffene im Verein Musikschaffende Schweiz zusammenfanden. Bundesrätin Simonetta Sommaruga setzte im letzten Jahr die Arbeitsgruppe AGUR 12 ein, die die aktuelle Urheberrechtssituation prüfen und Lösungsansätze aufzeigen soll.

Den ersten Teil der PGM-Sitzung bestritt Lorenz Haas, Rechtsanwalt und Geschäftsführer von IFPI Schweiz, dem Branchenverband der Schweizer Musiklabel. Er legte die Geschäftspraktiken unlauterer Websites zum Musik-Download und mögliche Gegenmassnahmen dar, etwa das in Frankreich sehr erfolgreich angewandte Warnhinweismodell. (Auffällig viele solcher weltweit operierenden Piraterieseiten haben übrigens ihren Sitz in der Schweiz. Und oft sind renommierte Schweizer Firmen auf solchen Seiten mit Werbung präsent.) Haas betonte, dass es nicht um neue rechtliche Bestimmungen gehe, sondern um die bessere Durchsetzung der bestehenden. Der zentrale Punkt des schweizerischen Rechts, nämlich der straffreie Download, bleibt unangetastet, der strafrechtlich relevante Upload soll aber wirksam bekämpft werden. Die Arbeit in der AGUR 12 beurteilt Haas zum jetzigen Zeitpunkt als eher enttäuschend, da allzu viele Gruppierungen beteiligt seien und die Gespräche dementsprechend unspezifisch verliefen.

Interview mit Ivo Sidler

Im zweiten Teil des Treffens befragte Stefano Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Musikrats, den Singer-Songwriter Ivo Sidler. Dieser ist seit 12 Jahren als selbständiger Musiker tätig, gründete 2007 sein eigenes Label und engagiert sich als Vorstandsmitglied im Verein Musikschaffende Schweiz.

Stefano Kunz: Was hat Dich zu Deinem Engagement gebracht?
Ivo Sidler: Ein Beispiel: 20 Minuten hat während Jahren quasi Werbung gemacht für Links, über die man gratis Musik herunterladen kann. Ich habe mich immer gefragt, warum die Musikszene nicht zusammensteht und sich dagegen wehrt. Dem Fass den Boden herausgeschlagen hat dann der Bericht des Bundesrats, der keinen Handlungsbedarf sah. Im Verein Musikschaffende Schweiz empfanden wir es als Affront und mangelnde Wertschätzung, dass unser Staat es den Leuten ermöglicht, unsere Arbeit gratis beziehen zu können.

Warum ist es gerade der Gratisdownload, der Dir ökonomisch so weh tut?
Warum täte es der Swatch oder der Novartis ökonomisch so weh, wenn die Konsumenten nichts für ihre Produkte bezahlen würden? Solange die Leute etwas gratis beziehen können, werden sie bestimmt nicht dafür zahlen. Mit einem Gratisangebot kann niemand von uns konkurrenzieren.
Ich habe letztes Jahr mit meinem neusten Song an der Ausscheidung für den European Song Contest teilgenommen, nicht unbedingt wegen des ESC, vor allem aber deshalb, weil das heute eine der letzten Möglichkeiten hierzulande ist, mit Musik ins Fernsehen zu kommen. Das Komponieren, Produzieren, Aufnehmen, Abmischen plus die TV-Show hat letztlich insgesamt 27 000 Franken gekostet. Am Tag nach der Ausstrahlung konnte man den Song legal bei iTunes kaufen. Aber am gleichen Tag war er auch bereits auf verschiedenen Gratisseiten illegal erhältlich. Laut Abrechnung habe ich diesen Song bis heute etwa 500 Mal verkauft. Von 500 x 1.60 Franken kann ich nicht 27 000 Franken refinanzieren.
Jetzt kann man natürlich sagen, ich hätte schlecht kalkuliert. Es kann mir aber auch niemand sagen, wie viele den Song heute haben, ohne dafür bezahlt zu haben. Hätten wir gewonnen, wären wir nach Aserbaidschan eingeladen worden. Wir sind Zweite geworden. Das ist ein Risiko, das ich einzugehen bereit bin. Aber es ist ein ganz anderes Risiko, wenn ich damit leben muss, dass die Leute in diesem Land die Wahl haben, ob sie den von mir definierten Preis für ein Album oder einen einzelnen Song bezahlen wollen, oder ob sie das eben irgendwo auch gratis beziehen können.

Das Internet bringt also eine klare Wettbewerbsverzerrung?
Nicht das Internet als solches. Aber die gesetzlichen Regelungen. Allein die Tatsache, dass man die Leute glauben lässt, sie könnten unsere Arbeit gratis haben, widerspricht allem, was sonst in unserem Leben alltäglich ist und worauf sich unsere Gesellschaft in einem Grundkonsens geeinigt hat – nämlich dass wer eine Leistung erbringt, für diese Leistung auch zu entschädigen ist.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen Gratisangebote. Das sind unternehmerische Entscheidungen. Wenn jemand 50 000 Franken in eine CD steckt, ein Label findet, das nochmals so viel für Marketing und Promotion aufwendet, und dann das Produkt letztlich gratis anbieten will, dann soll man das von mir aus machen können. Ich aber will das nicht. Und viele andere mit mir auch nicht. Das Urheberrechtsgesetz besagt, dass wir als Urheber alleine darüber entscheiden können, wem und zu welchem Preis wir unser Produkt anbieten. Es geht deshalb nicht an, dass die Konsumenten sagen können: Das interessiert uns nicht, wir bekommen es ja eh gratis.
Ich gehe ab und zu in Schulklassen und frage konkret: Wo kauft ihr eure Musik? Die Jugendlichen lachen mich nur aus. Sie werden in dieser Einstellung bestärkt durch die gesetzliche Regelung, dass der Download – woher auch immer – legal ist. Nicht alle bei uns finden das richtig. Diese Haltung mag nicht opportun sein, das ist uns klar, aber eigentlich beginnt das Problem schon dort. Wenn man diesen Umstand jetzt nicht mehr zu ändern bereit ist, dann muss man wenigstens endlich bei all jenen ansetzen, die unsere Arbeit unerlaubt zur Verfügung stellen.

Gibt es aus deiner Sicht eine Ideallösung?
Wir wollen keine subventionierte «Randgruppe» auf Staatskosten werden und deshalb wollen die meisten von uns auch keine Flatrate, durch die letztlich jeder Bürger gezwungen wäre, für etwas zu bezahlen, das er unter Umständen gar nicht will.
Die Lösung muss also sein, dass wir unseren Markt wieder zurückbekommen, dass wir den Preis für unsere Arbeit wieder selber bestimmen und unser Geschäft so führen können, wie es jedem Gewerbetreibenden in diesem Land zusteht. Wenn der Preis zu hoch ist und unsere Songs deshalb niemand kauft, haben wir wohl schlechte Songs geschrieben. Das ist unser geschäftliches Risiko, mit dem jeder Unternehmer leben muss. Es legitimiert aber noch lange niemanden, unsere Arbeit ungefragt und vom Staat abgesegnet gratis zu beziehen.
Zudem, auch Streaming ist nicht für jeden Urheber das Zukunftsmodell, denn lange nicht jeder Urheber ist gleichzeitig auch noch Interpret. Als Urheber müsste man pro
Monat 10 370 000 Downloads generieren, um auf das minimale Grundeinkommen von 2800 Franken zu kommen. In der Schweiz ist das schlicht eine Illusion.

Hochschule der Künste Bern präsentiert «Cor chaussier»

Am 24. April findet im Kongresshaus Biel zum Abschluss des Forschungsprojekt «Historisch informierter Blechblasinstrumentenbau» der Hochschule der Künste Bern (HKB) das Konzert «Cuivres français» mit dem Sinfonie Orchester Biel statt.

Das 8. Sinfoniekonzert des Sinfonie Orchesters Biel konzentriert sich ganz auf die französische Musik – noch genauer auf die Klangfarben des französischen Blechs.  Höhepunkt ist Camille Saint-Saënsʼ Konzertstück für Horn und Orchester; der Solist Ulrich Hübner spielt ein eigens für dieses Konzert gebautes «Cor chaussier», das im Rahmen des Forschungsprojekts der Hochschule der Künste Bern entwickelt worden ist.

Ins HKB-Projekt sind ergänzend zu historischen und interpretatorischen Untersuchungen die archäometallurgische Expertise der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa und des Paul Scherrer Instituts eingeflossen.

Ausgegangen worden ist dabei von neueren Kritiken der bislang geltenden, aber mittlerweile überholten Doktrin, dass primär die geometrische Form der klingenden Luftsäule für Klang und Spieleigenschaften eines Blasinstrumentes verantwortlich seien, unabhängig von Material und Wandstärke.

Mehr Infos: www.ogb-sob.ch/de/agenda/2013/04/24
 

Bühne — die im Dunkeln sieht man nicht

Im Halbdunkel der Seitenbühne entdecken wir Berufe, die uns wenig bekannt sind, und in der Enge des Orchestergrabens fragen wir nach dem Selbstverständnis der Musiker. Wir leuchten an ungewohnte Orte und stellen uns die «unsichtbare» Musik selber auf der Bühne vor.

Stadttheater Bern, Blick vom Schnürboden auf die Bühne. Foto: Franziska Scheidegger, Der Bund
Bühne — die im Dunkeln sieht man nicht

Im Halbdunkel der Seitenbühne entdecken wir Berufe, die uns wenig bekannt sind, und in der Enge des Orchestergrabens fragen wir nach dem Selbstverständnis der Musiker. Wir leuchten an ungewohnte Orte und stellen uns die «unsichtbare» Musik selber auf der Bühne vor.

Focus

Lorsque le rideau tombe, il faut laver les costumes
Interview d’Eric Vigié, directeur général de l’Opéra de Lausanne

Gute Oper muss nachvollziehbar sein
Andreas Homoki, der neue Chef des Zürcher Opernhauses, und seine täglichen Herausforderungen als Intendant

Teil eines grossartigen Ganzen
Musizieren im Opernorchester – ein Rückblick auf Höhen und Tiefen

Dans les coulisses de l’ABC, trois lieux… sans coulisses
La musique se joue aussi dans des lieux qui n’ont pas été conçus pour cela.
Zusammenfassung

Die sich selber inszenierende Musik
Töne benehmen sich bisweilen wie Akteure.

 

und ausserdem

RESONANCE

La flûte de pan quitte le répertoire populaire
Interview avec Jeanne Gollut

Horn, Alphorn und Traumlandschaften in Prag
In Tschechien erklang Schweizer Musik im Rahmen des Projektes «Švýcarské jaro/Swiss Spring».

Ein zünftiges Geschenk
Die Camerata Bern erhielt zum 50. Geburtstag 14 nach barockem Vorbild gefertigte Streichinstrumente.

Un moment de djembé pour réduire les inégalités
AfricanDrum.ch est un programme musical ludique. Entretien avec Florina Mansani

Frühmorgendliches Gebimmel – mitternächtliches Wetterleuchten
Über die Ausstellung «Glocken immer & überall» in der Willisauer Musikinstrumentensammlung

Rezensionen
Neuerscheinungen (Bücher, Noten, CDs)

«Mit einem Gratisangebot kann ich nicht konkurrenzieren»
Die Parlamentarische Gruppe Musik diskutierte über Urheberrecht und Internetpiraterie. Im zweiten Teil berichtete der Singer-Songwriter Ivo Sidler von seinen Erfahrungen.
Das Interview in voller Länge

Carte Blanche mit Jenny Berg
 

CAMPUS

 

Smartphone et apprentissage instrumentale
Les technologies de la communication et de l’information ont pénétré le monde de l’école.

Auf der Suche nach neuen tiefen alten Streichertönen
Ein Forschungsprojekt an der Schola Cantorum Basiliensis/FHNW

Konzertantes Wetteifern
Bericht über die Studientage Improvisation an der Schola Cantorum Basiliensis

Ungehörte Utopien
In der Kaserne Basel wurde «Ars vivendi» uraufgeführt, eine Kooperation zwischen der Schola Cantorum Basiliensis und der freien Theatergruppe Capri Connection

Rezensionen
Unterrichtsliteratur

 

Kategorien

Nationales Festival für einheimische Bands

Am Dienstag, 2. April, wurde in St. Gallen der Verein «jazzin» gegründet.

Nicole Jo am «jazzin» 2012 in der Lokremise St. Gallen, Foto: Samuel Forrer

An der Veranstaltungsreihe Monday Night-Music in Flawil, die ihren Anfang unter der Leitung von Urs C. Eigenmann im Jahr 2007 genommen hat, ist die Idee des nationalen Festivals jazzin entstanden. Es ist ein Anlass für einheimische Bands (Schweiz und angrenzende Landesbezirke) für die Stile Swing, Funk, Soul und Acid-Jazz, für die es in der Schweiz kaum Plattformen gibt.

Das erste nationale Festival fand aus Anlass der 1150-Jahrfeier Flawils im Jahre 2008 im damals neuen Gemeindesaal statt. Die Idee, das Festival jährlich wiederkehren zu lassen, war aus finanziellen Gründen gescheitert. Erst 2011, nochmals in Flawil, wurden das zweite und letztes Jahr in St. Gallen das dritte jazzin durchgeführt. Der Anlass in Flawil war schlecht besucht, was den Organisatoren veranlasst hatte, das Festival 2012 nach St. Gallen zu zügeln. Der volle Saal in der Lokremise im letzten November gab dieser Entscheidung recht.

Bis anhin war das Festival ein Kind des Vereins Night-Music in Flawil, der als Trägerverein fungierte. An der letzten Mitgliederversammlung wurde die Trennung des Vereins und des Festivals beschlossen. jazzin machte sich somit selbständig und gründete am 2. April den neuen Verein jazzin.

Das nächste Festival findet am Samstag, 21. September, statt.

www.jazzin.ch
 

Kunstgenüsse im Dauerauftrag

Im Orbital Garden System des Musikers Don Li realisieren klingende, bildende und darstellende Künste gemeinsame Projekte. Ein neues Finanzierungssystem soll nach dem Motto «Kunst vor Haben» freien Eintritt für alle ermöglichen.

Foto: Orbital Garden

Seit 1993 arbeitet der Berner Komponist Don Li an der Verbindung von Groove- und Minimal Music. Er nennt dieses musikalische und kompositorische Konzept der Reduktion und Repetition «Tonus-Music». Einen Raum gab er diesem Konzept durch die Gründung des Tonus-Music Labors in Bern, das 2012 in Orbital Garden umbenannt wurde. Es befindet sich seit 10 Jahren an der Kramgasse 10 in Bern.

Nun möchten Don Li und sein Team diesen Keller, in dem Kunst-, Installations- und Performance-Anlässe verwirklicht werden, für ein breites Publikum öffnen. Das Geld dafür soll in einer «Wolke» zusammenkommen. Gesucht sind 500 Personen, die monatlich per Dauerauftrag mindestens 10 Franken einzahlen. Damit werden die Künstlerhonorare und weitere Kosten gedeckt, während die Organisation wie schon seit Jahren ehrenamtlich geleistet wird. So haben alle Interessierten freien Eintritt in den Kunstkeller und können sich immer wieder mit dem aktuellsten Kunstschaffen auseinandersetzen.

 

Wechsel im Haus der Volksmusik in Altdorf

Ab dem 1. Juli 2013 übernimmt Markus Brülisauer die Leitung des Kompetenzzentrums für Fragen rund um die Volksmusik.

Foto: zvg

Wie das Haus der Volksmusik mitteilt, verlässt Johannes Schmid-Kunz das Haus nach 5-jähriger Leitung auf eigenen Wunsch, um sich neuen Aufgaben zuzuwenden. Sein Nachfolger wird Markus Brülisauer, der bereits seit 1. Mai 2012 für das Haus in verschiedenen Funktionen tätig ist. Der Historiker und ausgebildete Musikvermittler ist aktiver Volksmusikant und Präsident des Volksmusikvereins March und Umgebung «ufgspillt & tanzet». Neben der 50%-Anstellung in Altdorf arbeitet Markus Brülisauer als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum Altes Zeughaus, Solothurn.

Das Haus der Volksmusik kümmert sich um Forschung, Dokumentation, Nachwuchsarbeit und das Thema Volksmusik in der Schule; zudem ist es ein vielseitiges Kurszentrum und hat die künstlerische Verantwortung für das Volksmusikfestival in Altdorf. Es arbeitet eng mit den wichtigsten nationalen Volkskulturverbänden zusammen und administriert die Interessensgesellschaft für Volkskultur in der Schweiz (IGVS).
www.hausdervolksmusik.ch
 

Musik für eine Innerschweizer Odyssee

Im Rahmen des Kulturprojekts «sagenhaft» der Albert Koechlin Stiftung vertonten Studierende der Hochschule Luzern den Odysseus-Mythos.

Foto: Ingo Höhn/Luzerner Theater

Gemäss einer Medienmitteilung der Hochschule Luzern findet am 18. April die Premiere von Odyssee Innerschweiz statt. Für diese Theaterexpedition durch fünf Kantone hat das Luzerner Theater einen Kompositionsauftrag an die Musikhochschule Luzern vergeben. Es entstanden fünf Werke für kleines Instrumentalensemble und Gesangssolisten, die unter dem Titel Ansichten einer Reise von Studierenden und Ensemblemitgliedern des Theaters aufgeführt werden. Bis zum 15. Juni ist das Stück in Luzern zu sehen, sowie je einmal in Schwyz (17. Mai), Altdorf (25. Mai) und Buochs (7. Juni). Daten und Spielorte: www.luzernertheater.ch/ansichten

Im Rahmen von sagenhaft verwirklichen verschiedenste Institutionen insgesamt 27 Projekte wie Konzerte, Performances, Ausstellungen oder Theateraufführungen. Sie werden von der Albert Koechlin Stiftung mit insgesamt 1.1 Mio. Franken unterstützt.
www.sagenhaft13.ch
 

Wer bei der Produktion «Vaudeville! Open Air» mit auf der Bühne stehen möchte, ist am 10. April zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.

Für die Theaterproduktion Vaudeville! Open Air unter der künstlerischen Leitung von Tomas Schweigen sucht das Theater Basel Statistinnen und Statisten jeden Alters. Es werden keine schauspielerischen Vorkenntnisse benötigt.

Aufgeführt wird dieses Stück nicht im Theater, sondern auf einer eigenen Bühne auf dem Theaterplatz. Die Premiere findet am 3. Mai 2013 statt.

Interessierte sind zu einer Informations-Veranstaltung am Mittwoch, 10. April um 19.00 Uhr im Foyer des Schauspielhauses, Steinentorstrasse 7, eingeladen.
Anmeldung erwünscht unter: e.boehmer@theater-basel-ch
 

Carbon-Posaunenschallbecher

Eine deutsche Firma hat zusammen mit Werkstoffwissenschaftlern einen Posaunenschallbecher aus leichtgewichtigem High Tech-Material entwickelt.

Foto: Musik Amrein,SMPV

Der Posaunen-Schallbecher aus Carbon ist laut einer Medienmitteilung von Musik Amrein eine Weltneuheit. Ein Jahr lang wurde er von der Lübecker Firma mit modernster Technik und dem Know-how spezialisierter Werkstoffwissenschaftler entwickelt. Das leichtgewichtige High Tech-Material Carbon wiegt 20% weniger als Messing und erlaubt eine optimale Handhabung des Instrumentes und bequemes Musizieren.

Die Carbon-Schallbecher (auch: Schallstücke) werden wie Blech-Schallstücke auf einem Drehdorn gefertigt, dessen konvex und konkav ausgeformte Oberfläche auf reinste Intonation abgestimmt und ausgemessen ist. Das Material besitzt eine sehr hohe Steifigkeit und gleichzeitig eine geringere Dichte als Metall, es ist korrosionsbeständig und abnutzungsfrei. Selbst einen Sturz übersteht ein solches Schallstück ohne Verformungen und Beulen. Carbon heizt sich bei starker Sonneneinstrahlung nicht auf und ist alterungsbeständig.

Der Klang des Schallstückes an der Posaune ist angenehm weich, die Töne kommen leicht und fokussiert. Professionelle Posaunisten verschiedener Stilrichtungen haben die Carbon-Schallstücke getestet und positive Rückmeldungen abgegeben. Dies ermutigte Amrein, Prototypen auf der Frankfurter Musikmesse vom 10. bis 13. April in der Halle 4.1, Stand D58) erstmals der Öffentlichkeit vorstellen.
Ein nächster wichtiger Schritt wäre die Entwicklung von Tuba-Schallstücken, um das Gewicht dieser Instrumente zu reduzieren.

www.musik-amrein.com
 

Kanton und Stadt Luzern fördern gemeinsam Künstlerinnen und Künstler durch Beiträge (mindestens 15’000 und höchstens 30’000 Franken), die jährlich im Rahmen von Wettbewerben vergeben werden. Die diesjährige Ausschreibung läuft bis zum 15. Juli.

Die Wettbewerbskommission von Kanton und Stadt Luzern hat sich bei der Ausschreibung 2013 für folgende vier Sparten entschieden: Produktdesign, Illustration, Pop/Rock/
Elektro/HipHop, Jazz/Improvisierte Musik.

Im Bereich Musik definiert die Kommission neu zwei separate Sparten. Der Bereich Jazz/Improvisierte Musik wird zum ersten Mal als eigene Sparte ausgeschrieben und erhält so eine gezieltere Förderung.

Die Jurys setzen sich wie folgt zusammen:

Pop/Rock/Elektro/Hiphop
Mathias Menzl, Musikredaktor beim TV-Sender Joiz, Zürich
Elia Rediger, Künstler, Musiker und Bandmitglied «the bianca story», Basel und Berlin
Marlies Seifert, Musikredaktorin 20 Minuten, Zürich

Jazz/Improvisierte Musik
Lucas Niggli, Musiker und Komponist, Uster
Lisette Spinnler, Musikerin und Dozentin, Basel
Marc Stucki, Musiker und Komponist, Bern

Die Dossiers können bis zum 15. Juli 2013 eingereicht werden.
Weitere Informationen: www.werkbeitraege.ch
 

Der Kanton Glarus sichert 38 Einzelpersonen oder Organisationen aus dem Lotteriefonds für kulturelle Zwecke Beiträge als direkte Beiträge oder als Defizitdeckung zu – total 586’300 Franken.

Bewilligt worden sind für das Jahr 2013 ein Betriebsbeitrag von 220‘000 Franken und ein Defizitbeitrag von 25‘000 Franken für das Kunsthaus sowie ein Beitrag von 5000 Franken und ein Defizitbeitrag von 35’000 Franken für die Musikwoche Braunwald.

Das Kulturzentrum holästei erhält einen Betriebsbeitrag von 30‘000 Franken und einen Defizitbeitrag von 10‘000 Franken, der Glarner Singverein für sein Hauptkonzert einen Defizitbeitrag von 26‘900 Franken. Die Bergklang GmbH, Sound of Glarus wird mit einem direkten Beitrag von 15‘000 Franken unterstützt und mit einem Defizitbeitrag von 25‘000 Franken.

Schliesslich erhalten der Alpwirtschaftliche Verein für das Buchprojekt «Glarner Alpwirtschaft» einen Beitrag von 20‘000 Franken und der Verein Sernftalbahn Engi für die Gleisüberdachung Eng einen Beitrag von 40‘000 Franken.

Der Stiftung Landesplattenberg Engi wird an die Kosten der Neuerschliessung des Plattenberges Engi ein Beitrag von 25 Prozent der beitragsberechtigten Kosten von 1,5 Millionen Franken, im Maximum 375‘000 Franken, gewährt. Zusätzlich wird der Stiftung an die Kosten der Erneuerung der audiovisuellen Multimedia-Schau ein Beitrag von 72‘000 Franken zugesichert. 322‘000 Franken werden dem Lotteriefonds entnommen, 125‘000 Franken für die Erschliessung dem Tourismusfonds.

Drei Gesuche sind abgelehnt, zwei zurückgestellt worden.

Drei Jahrhunderte Violintechnik

Eine kommentierte, mit klingenden Beispielen und Faksimiles vervollständigte Quellensammlung.

Ausschnitt aus dem Buchcover

Zwei schwere querformatige broschierte Bände (je 700 Seiten) geben uns sowohl ausführliche Überblicke als auch detailreiche Einblicke in die Schriften und Noten, wie in den drei Jahrhunderten zwischen 1550 und 1850 Violinen und verwandte Instrumente gebaut, gestimmt, intoniert und gehalten wurden, wie die Bögen geformt waren und geführt wurden, welche Verzierungen, Effekte, Arpeggien, Skordaturen, Interpretationen, Kadenzen üblich waren und welche pädagogischen Hilfsmittel zur Verfügung standen. – Eine kostbare Zusammenstellung, die ich wärmstens empfehlen kann.

Es ist ein Genuss, die einleitenden Abschnitte der Kapitel zu lesen. Die vielen nach Entstehungsjahren geordneten Quellenzitate anschliessend an die Kapitel sind bereichert mit vielen noch nie gesehenen Abbildungen und Notenfaksimiles und stehen auf Deutsch und in Originalsprache zur Verfügung. Ich vernehme vieles, von dem ich in meinem langen Leben noch nie gelesen habe, oft sehr unterhaltend und zum Schmunzeln aber gewiss geeignet zum ernsthaften Studium. Hier einige Beispiele meiner Faszination:

  • I 31 (Band 1 Seite 31): Geraffte Auslegung des Begriffes Tempo rubato.
  • I 90: Kaufpreis einer Stainer-Geige in Form einer hohen Lebensrente an den Verkäufer, einen alten Geiger!
  • I 191: Spohr verlangt temperierte Intonation.
  • I 332: Tartini beschreibt in seinem Lehrbrief an Maddalena Sirmen-Lombardini von 1760, wie ein sorgfältiger Bogenansatz zu schönem Klang führt.
  • II 12: Nie wäre mir bewusst geworden, dass im 3. Satz der a moll-Solosonate von Bach die Begleitung als «Bogenvibrato» benannt sein könnte.
  • II 14: Dank sorgfältiger Erforschung von Wortbedeutungen mit Hilfe des Grimmschen Wörterbuches kann die Autorin Kochs Beschreibung, Vibrato sei eine «verjährte Spielmanier» als durch jahrelangen Gebrauch zur Gewohnheit gewordene Spielmanier deuten.
  • II 55-63: Hilfreiche ausführliche Aufstellung aller Verzierungsnamen und deren Bedeutung.
  • II 146 zu Jean-Joseph Cassanéa de Mondonvilles Sonaten Les sons harmoniques (Paris 1738): Empfehlung zur Aufführung dieser ersten Sonaten, in denen Flageoletts in die Komposition integriert wurden.
  • II 332 und 486: Spannende Anekdoten aus dem Leben von Karl Ditters von Dittersdorf.
  • II 332: Lolli empfiehlt, keine Finger liegen zu lassen, weil sie dämpfend wirken.
  • Kapitel XII: Interpretation mit sehr reichen Quellen auf 135 Seiten.

Ein 62-seitiges Quellenverzeichnis beweist die fleissige Belesenheit der in Bern geborenen, in Wien und Innsbruck lebenden, auch in Europa und den USA lehrenden barockgeigenden Autorin Marianne Rônez. Die reichen Anhänge enthalten kostbare Notenfaksimile, z.B. Tartinis vollständige Regole «schelettri» (Schemata zur Bildung von Kadenzen), Baillots Orgelpunkte aus L’Art du Violon (ein technisch anregender Gang durch den Quintenzirkel), Spohrs 7. Konzert von Rode als Duett mit vielen Spielanweisungen oder aus Michel Correttes L’Ecole d’Orphée je ein Duett in französischem und italienischem Stil (letzteres hörbar auf der CD).

Kombinations- und Differenztöne

Vergeblich habe ich gesucht nach Hinweisen, dass bestimmte Töne auf dem Streichinstrument mit Hilfe der Resonanz der leeren Saiten und derer Obertöne auf genaue Intonation geprüft werden können, wie ich das in meinem Unterricht nutzbringend angewandt habe (nach Christine Heman, Intonation auf Streichinstrumenten, Bärenreiter 1964). Einzig im Kapitel Besondere Effekte II 144 und 157 berichtet Rônez von Francesco Galeazzi, der mit leeren oder gegriffenen Oktaven den gespielten Ton dank der entstehenden Resonanz verstärkte und von J. P. Billiard, der einen gestrichenen Ton intensiviert mit stumm Greifen von dessen Oktav oder Prim und darauf noch eine Terz anschlägt, um den gestrichenen Ton in Vibration zu bringen.

Noch mehr erstaunt mich, dass, ausser II 158 wo Baillots Orgelnachahmung mit dem dritten Ton beschrieben wird, nichts über die Kombinations- oder Differenztöne steht. Diese entstehen gut hörbar beim Spielen von Doppelgriffen, haben die Frequenz der Differenz der Schwingungszahlen der gespielten Töne und sind sehr hilfreich für das Stimmen der Saiten und für die die Intonation – in meinem Studium und bei der Arbeit mit meinen Schülern ein ständiges Werkzeug. Giuseppe Tartini, der viele Schüler aus ganz Europa unterrichtete, war einer der ersten, der dieses Phänomen beschrieb. Die Doktorandin Angela Lohri hat mir den Trattato 1754 von Tartini vermittelt, aus dessen 1. Kapitel ich frei und stark verkürzt übersetze: «Wenn zwei Töne … einige Zeit ausgehalten werden, gibt es einen dritten Ton (terzo suono) … Wenn ich auf meiner Violine auf zwei Saiten spiele, kann ich die Form des Intervalles physikalisch begegnen, was den Vorteil der sicheren Intonation für mich und meine Schüler und des Beweises der präzisen diatonischen Tonleiter hat.» 1767, als sein Trattato schon europaweit bekannt geworden war und auch gelobt (Rousseau, Martini, d’Alembert, Serre), und kritisiert wurde (Rameau) verteidigte sich Tartini in seinem De’ Principij 1767: «Im Jahr 1714, als der Autor [Tartini] 22jährig war, hat er das Phänomen auf seiner Violine in Ancona, entdeckt, woran sich nicht wenige noch lebende Zeugen zu erinnern vermögen. Er machte sie in seiner Schule zu Padua, eröffnet 1728 zur fundamentalen Regel der perfekten Intonation für die Jungen…»

Klingende Beispiele

Die beigefügte CD illustriert mit vielen wunderschön von Rônez mit Kolleginnen eingespielten Stücken die Entwicklung der Interpretation von 1585 bis 1803. Leider stimmt das Verzeichnis II 684 nicht ganz mit dem Inhalt der CD überein, was ich hier nach Rücksprache mit der Autorin wie folgt berichtige: Montéclairs Duo in französischer Untergrifftechnik mit gelockerten Strichregeln fehlt, deshalb ist auf Track 8 das Stück 9 usw. Weil Track 26, Lolli, Adagio. Avec beaucoup de Grace, ein nicht verzeichnetes Stück ist, stimmen ab hier die Tracks wieder.

Marianne Rônez, Die Violintechnik im Wandel der Zeit, Die Entwicklung der Violintechnik in Quellenzitaten, Von den Anfängen bis Pierre Baillot 1835, (=Musik: Forschung und Wissenschaft, Bd. 3), 1416 S. in zwei broschierten Bänden mit CD, € 84.90, Lit-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-643-50377-0

Kantabilität als oberstes Prinzip

Der Pianist Patrizio Mazzola spielt und charakterisiert Domenico Scarlatti.

Domenico Scarlatti porträtiert von Domingo Antonio Velasco 1738. Casa-Museu dos Patudos / wikimedia commons

Es kommt eher selten vor, dass ein Interpret im eigenen Einführungstext, sofern sich ein solcher Vergleich überhaupt anstellen lässt, ebensoviel zu sagen hat wie mit seiner Werkdarstellung. Dem in Bern und Luzern unterrichtenden Schweizer Pianisten Patrizio Mazzola gelang zusammen mit einer hellhörigen und ausdrucksvollen Interpretation von 35 Sonaten Domenico Scarlattis eine verbale Präsentation, die aus zwei Gründen spezielle Beachtung verdient. Lag der ersten, vor mehreren Jahren erschienenen CD ein allgemein gehaltener Text mit Porträtcharakter bei, so stellt die Einführung zur zweiten den italienischen Altersgenossen von Bach und Händel nicht nur als «klavieristischen Propheten» dar. Mit kurzen, vortrefflichen Charakterisierungen bereitet Mazzola den Hörer auf die Stücke und deren betont kantable Gestaltung vor. Die Sonate in F-Dur L 474 / K 107 hört sich nach der Lektüre des Werkkommentars möglicherweise anders an als ohne: «Die heitere Stimmung in Dur schlägt in beiden Teilen in dramatische Verbissenheit um, die sich nicht mehr aufhellt. Ein Beispiel, wo eine Dur-Sonate in Moll endet – bei Scarlatti eine natürliche Logik, bei anderen Komponisten eine sehr seltene Ausnahme.»

Der Vielfalt von Scarlattis melodischen, harmonischen und spieltechnischen Einfällen trägt die Auswahl auf ideale Weise Rechnung. Auf eine empfindungsvolle, rhythmisch profilierte Sonate wie diejenige in g-Moll L 488 / K 8 folgt mit L 388 / K 2 in G-Dur eine spielerische, fast toccatenartige. Mit subtilem Pedalgebrauch kunstvoll ausgekostete Kantabilität und angriffige Motorik lösen sich fliessend ab, die Unterschiede könnten nicht grösser, der Radius der vielen Klangschattierungen und dynamischen Feinheiten nicht weiter sein. Wie sehr sich Mazzola als gebürtiger Südländer in Scarlattis Ausdruckskosmos einzufühlen vermag, veranschaulicht auch ein eigenes «Encore» im Stil des 1685 geborenen Neapolitaners.

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Domenico Scarlatti: Sonaten Vol II (20 Sonaten und «Encore»). Patrizio Mazzola, Klavier. Müller & Schade M & S 5072/2. (Vol. I, 15 Sonaten, M & S 5067/2)

In den Kulissen des ABC, drei Orte … ohne Kulissen

Die Musik spielt oft an Orten, die ursprünglich nicht dafür gedacht waren. Welche Vorteile bieten solche Räume? Antworten aus den drei Sälen des Kulturzentrums ABC in La Chaux-de-Fonds.

Foto: Alain Taquet
In den Kulissen des ABC, drei Orte ... ohne Kulissen

Die Musik spielt oft an Orten, die ursprünglich nicht dafür gedacht waren. Welche Vorteile bieten solche Räume? Antworten aus den drei Sälen des Kulturzentrums ABC in La Chaux-de-Fonds.

Bevor wir in die virtuellen Kulissen der Räume vordringen, die das Kulturzentrum ABC ausmachen, lernen wir Yvan Cuche kennen, den unermüdlichen und – wie die Räume selbst – etwas atypischen Direktor. Der ausgebildete Physiker hat schon seit jeher mehr für Musik übrig, die ihn herausfordert, sich ihm widersetzt, als für Discomusik und «boum boum». Er war Pionier und Präsident der Vereinigung für zeitgenössische Musik CMC in La Chaux-de-Fonds. Mit dem Präsidium des ABC erhielt er ab 2008 die Möglichkeit, andere Kunstformen einzubeziehen und zugleich weiterhin diejenige Musik zu programmieren, deren Widerspenstigkeit er so schätzt.

Das Théâtre du Coq ist kein Hühnerhof
Das ehemalige Strassenbaulager hat sich zu einem akustischen Bijou gemausert. Der Holzkubus überrascht durch seine Höhe. Dieses Miniaturtheater für etwa fünfzig Zuschauer ist besonders geeignet für Konzerte in intimem Rahmen: Soli, kleine Ensembles, elektroakustische Projektionen, die man im Liegestuhl geniessen kann. Regelmässig dient es auch als Aufnahmeort. Der Bratschist und Komponist Garth Knox konnte dank dieser Akustik Stücke an der Grenze des Hörbaren in sein Recital aufnehmen. Fritz Hauser, dessen Trommelkonzert hier buchstäblich atemberaubend ausfiel, bereute, seinen riesigen Gong nicht mitgenommen zu haben, mit dem er sehr subtile Klänge erzeugt.

Die deutsche Kirche – ein kultischer Ort wird Kultort
Im 19. Jahrhundert war La Chaux-de-Fonds zweisprachig, 1853 wurde eine Kirche für die Deutschsprachigen eingeweiht. 1982 übernehmen Jazzmusiker den mittlerweile von seiner religiösen Ausstattung befreiten Raum. Eher zufällig kommt es zu einer Theateraufführung – die sich als wegweisend herausstellt: dieses Gebäude, Eigentum der Gemeinde, ist ein idealer alternativer Kulturraum. Das Innere bleibt fast gänzlich, wie es war, mit seiner knarrenden Holzgalerie, den spitzbogigen Fenstern. Die Lichtanlage wird im Laufe der Jahre verbessert und was an Bühnenmaterial fehlt, leiht sich ABC als Betreiberin von anderen Theatern der Stadt. Gaël Chapuis, der Techniker ringt dem Raum ungeahnte Qualitäten ab. Mit einer Unzahl an Tüchern und Vorhängen schneidert er für jedes Konzert eine Akustik nach Mass. Dieser Ort verführt die Musiker dazu, mit dem Raum zu spielen, beispielsweise einen Interpreten auf der Empore spielen zu lassen. Thierry Simonot platzierte sein Acousmonium und ein «Publikum» von Lautsprechern kurzerhand in den Sitzreihen, während sich die Zuschauer auf die Bühne setzten.

Ein Kino für Auge und Ohr
Die ebenso blauen wie plüschigen Sessel dieses Saales schlucken einen guten Teil der Geräusche. Er wird vor allem für Projekte benutzt, die Bild und Ton in Verbindung bringen: Kino-Konzerte, Filme mit Live-Musik. Die innovative Rockgruppe SZ wird demnächst Comic-Zeichnungen für Kinder ab 18 Monaten in Musik setzen.

 

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