15 Jahre Helvetiarockt

Von der Nachwuchsförderung zur Unterstützung von professionellen Musikschaffenden: Die Angebote von Helvetiarockt sind divers. Ein Überblick.

Seit 2009 setzt sich der schweizweit aktive Verein Helvetiarockt für mehr Frauen, inter, non-binäre, trans und agender Menschen im Schweizer Musikbusiness ein. Obwohl gefühlt mittlerweile mehr Diversität auf den hiesigen Club- und Festivalbühnen vertreten ist als damals: Helvetiarockt ist noch lange nicht am Ziel. Während in den Musikschulen nach Schätzungen rund 50 % Mädchen aktiv sind, findet sich im professionellen Bereich auf allen Ebenen kaum Geschlechtergerechtigeit, wie eine Vorstudie zu den Geschlechterverhältnissen im Schweizer Kulturbetrieb von Pro Helvetia und dem Zentrum für Gender Studies der Universität Basel im Jahr 2019 offenbarte. Die Studie geht zwar vom gelesenen Geschlecht und von einem zweigeschlechtlichen System aus, wobei sich Helvetiarockt explizit auch für inter, non-binäre, trans und agender Personen einsetzt. Nichtsdestotrotz kann von einem ausgeglichenen Anteil an Frauen und Männern keine Rede sein. Im Rock-, Pop- und Jazzbereich macht die Bühnenpräsenz von Frauen 11 % aus, in der Musikproduktion sind es gerade mal 2 % und an Schweizer Musikhochschulen sind nur 12 % der Lehrpersonen Frauen.

Der Blick zurück

Diesen Missständen wirkt Helvetiarockt nun bereits seit 15 Jahren entgegen. Mit mittlerweile 12 Festangestellten in den Bereichen Helvetiarockt Music Lab, Helvetiarockt On Tour, Fundraising, Kommunikation und Administration und mit insgesamt rund 800 Stellenprozenten, über 40 Coaches sowie Anlässen in 17 Kantonen dreht der Verein an den verschiedenen Schrauben dieses offensichtlich misogynen Systems. 

Angefangen mit Workshopangeboten für den Nachwuchs, etwa mit den ersten Bandworkshops im Jahr 2012, kamen später Angebote zu den Themen Aufnahmetechnik und Songwriting hinzu. Gleichzeitig hat sich Helvetiarockt im Branchennetzwerk stark gemacht, um sich den Wünschen und Bedürfnissen der professionellen Musiker*innen anzunehmen. 

Im Hier und Jetzt

«Obwohl es sich nur um einen Workshop handelt, prägen die paar Tage während des Songwriting Camps das Leben junger Menschen enorm», wie Muriel Rhyner sagt. Die im Tessin wohnhafte Musikerin und Regiomanagerin von Helvetiarockt spricht dabei von Empowerment, von einer Stärkung des Selbstbewusstseins. «Es ist spürbar, dass mit den Personen auf verschiedenen Ebenen etwas passiert», so Rhyner. Wer zum ersten Mal eine Musiksoftware öffnet, kann ob der technischen Möglichkeiten schnell überfordert sein, wie Musikerin und Regiomanagerin Jasmin Albash aus Basel weiss. «Sich die Zeit zu nehmen und ohne Druck in einem Safe Space auszuprobieren und dabei Tipps von einer professionellen Produzentin zu erhalten, ist Gold wert», so Albash: «Egal in welcher Altersgruppe sich die Teilnehmenden befinden – dumme Fragen gibt es nicht. Wir wollen sicherstellen, dass sich alle trauen, sich mit ihren Anliegen an die Coaches zu wenden.» 

Insbesondere die Studio Workshops «Recording Step By Step», die sich an interessierte Frauen, inter, non-binäre, trans und agender Personen im Bereich Tontechnik und Studioaufnahmen richten, stossen auf reges Interesse. Während eines halben Jahres können in einem professionellen Studio die Grundkenntnisse der Ton- und Studiotechnik erlernt und zum Schluss ein Song aufgenommen und abgemischt werden. 

Blick nach vorn

«Dass diese Angebote stets so schnell ausgebucht sind, zeigt uns, dass es an niederschwelligen Angeboten mangelt», wie Rhyner sagt. Auch die Workshops im Bereich der Professionals wie «Pay Your Way», der sich um Finanzierung dreht, oder der Workshop «Cut Trough The Noise» zu Kommunikation, Booking und Promotion in der Musikwelt, sind meist rasch ausgebucht. «Eigentlich sind alle Workshops überbucht, die sich an alle Altersgruppen richten», so Albash. Mit Jugendförderung ist es demnach nicht getan: Eine altersunabhängige Förderung von Frauen, inter, non-binären, trans und agender Menschen ist gefragt. Helvetiarockt kann dieses Bedürfnis nicht flächendeckend und ausreichend anbieten, weshalb der Verein in Zukunft darauf angewiesen sein wird, Synergien für eine nationale, übergreifende Abdeckung im Bereich der gemeinsamen Förderung nutzen zu können.

Helvetiarockt On Tour :

Seit über einem Jahr beschäftigt sich Helvetiarockt On Tour mit dem Thema sexualisierte Gewalt in Clubs und an Festivals. Hierzu finden bis Ende 2025 Workshops und Austauschformate in der Deutsch- und Welschschweiz statt. Alle Infos unter www.diversityroadmap.org

Weitere Infos zu Helvetiarockt: www.helvetiarockt.ch

Jugendmusik im Fokus: SJMW 2024

Auch in diesem Jahr hat der SJMW die Tore zu einem vielfältigen Klangpanorama geöffnet und wurde zum Rahmen für eine unvergessliche Erfahrung vor dem grossen 50-Jahr-Jubiläum.

Während wir diese Zeilen schreiben, sind die Bühnen zwar verstummt, aber das Echo der Emotionen und schwingenden Melodien der Entrada und der Live-Vorspiele 2024 hallt weiterhin in den Herzen derer wider, die das Glück hatten, dieses aussergewöhnliche Ereignis zu erleben; es war eine zauberhafte Reise durch die verschiedenen Nuancen der Jugendkunst. 

Von der Classica-Entrada bis zu den Live-Vorspielen 

Für den Classica-Wettbewerb haben vom 22. bis 24. März sechs Schweizer Städte – Arbon, Hünenberg, Burgdorf, Winterthur, Genf und Lugano – ein musikalisches Kaleidoskop beherbergt, das das Talent und die Leidenschaft für Musik von insgesamt 934 jungen Musiker:innen unseres Landes ins Rampenlicht gerückt hat. Darunter waren 701 Teilnehmer:innen in der Solo-Kategorie und 233, die in der Kammermusiksektion antraten. Mit 373 Anmeldungen haben die Streicher-Solos die Szene dominiert. Auch die Harfe verzeichnete eine grosse Teilnahme mit insgesamt 56 Spieler:innen. Obwohl das Klavier nicht in der Solo-Kategorie vertreten war, mit 46 Teilnehmer:innen für Klavier-Duos war dieses Instrument zweifellos der Protagonist in der Kammermusik-Kategorie. 

Parallel dazu haben die Teilnehmer:innen des Jazz&Pop-Wettbewerbs vom 2. bis 24. März erneut Basel, Bern, Lausanne, Luzern und Zürich belebt, wodurch ein musikalischer Dialog und eine einzigartige Gelegenheit zum Teilen und Entdecken zwischen den Schweizer Städten entstand. Trotz der im Vergleich zum Classica-Wettbewerb geringeren Beteiligung haben die 105 Musiker:innen mit beeindruckendem Talent bei hochwertigen Aufführungen überzeugt. Insgesamt wurden 38 Performances bewertet, darunter 12 in der Jazz- und 23 in der Pop-Kategorie, welche die Jury verzaubern konnten. Auch die 13 teilnehmenden Bands, darunter 8 in der Pop-, 3 im Jazz- und schliesslich 2 in der Large-Ensembles-Kategorie, haben majestätische und fesselnde Darbietungen abgeliefert.

Die Vorfreude auf das am 9.-12. Mai 2024 in La Chaux-de-Fonds geplante Finale aller Wettbewerbe ist wie ein emotionales Crescendo, bei dem alle Finalist:innen dieselbe Bühne teilen und die musikalischen Seelen der Schweizer Jugend harmonisch vereinen werden. Nachfolgend öffnet sich für die Sieger:innen jeweiliger Kategorie eine Welt von Chancen durch das Förderprogramm. Von der Möglichkeit, mit renommierten Orchestern öffentlich aufzutreten, bis hin zu Erfahrungen in professionellen Aufnahmestudios, stellt dieses von allen Teilnehmer:innen begehrte Programm einen wichtigen ersten Schritt für das nächste  Kapitel in der musikalischen Karriere der aufstrebenden Talente dar.

Die Bühne für musikalische Innovationen

Die Fachjury vertieft sich aktuell in die Videos und Kompositionen des FreeSpace- (5 Anmeldungen) und Composition-Wettbewerbs (20).
Es ist die Zeit, in der die Kreativität zum Leben erwacht und einzigartige, teilweise auch provokante Werke entstehen. Der Höhepunkt dieser kreativen Bahn wird am 11. Mai 2024 in La Chaux-de-Fonds mit den Live-Auftritten erreicht. Dieser Moment wird zu einer künstlerischen Gemeinschaft, in der das Publikum die Möglichkeit haben wird, sich in die kühnsten Kreationen der jungen Künstler:innen zu vertiefen.

Das SJMW strebt stets danach, ein Leuchtturm für musikalische Vielfalt zu sein, wo Noten über Traditionen tanzen können. Die offene Disziplin «FreeSpace» ist eine Einladung, die eigene Vorstellungskraft freizusetzen und das unbegrenzte Potenzial der musikalischen Eingebung zu erkunden. Jede:r Teilnehmer:in ist dazu ermutigt, transdisziplinäre Produktionen auf die Bühne zu bringen, welche improvisierte Musik erforschen und originelle Beiträge, die künstlerische Konventionen herausfordern, umfassen. Damit öffnet sich die Tür zum Universum des musikalischen Experimentierens. 

Nächste Termine 

CLASSICA – das Finale

09. – 12. Mai 2024

Jazz&Pop – Come Together

11. Mai 2024

Live-Performance

11. Mai 2024

www.sjmw.ch

Ort für alle Finals:

La Chaux-de-Fonds,

Conservatoire de musique neuchâtelois

cmne.ch

«Es könnte nicht besser laufen»: Studienalltag einer Violinistin

Die internationale Ausrichtung der Kalaidos Musikhochschule mit weltweitem Netzwerk renommierter Kooperationspartner ermöglicht Studierenden höchste Flexibilität bei enger persönlicher Betreuung.

Die Kalaidos Musikhochschule wurde im Jahr 2011 gegründet und nimmt heute als einzige private Fachhochschule einen wichtigen Stellenwert in der Schweizer Bildungslandschaft ein. Die internationale Ausrichtung umfasst ein weltweites Netzwerk an renommierten Kooperationspartnern. Das breit gefächerte Angebot umfasst Musikstudien in den Bereichen Klassik, Jazz & Popular Music und ermöglicht Studierenden höchstmögliche Flexibilität bei enger persönlicher Betreuung.

Frau Kulmer, warum haben Sie sich für die Kalaidos Hochschule entschieden?
Das Besondere an der Kalaidos Hochschule ist, dass man das Studium unabhängig vom Ort auf einem unglaublichen Niveau absolvieren kann. Das Studium an der Hochschule gibt mir das Privileg, nicht nur bestmöglich ausgebildet zu werden in Bereichen wie Business, Fundraising oder Selbstmarketing, was für mich als zukünftige Berufsmusikerin unerlässlich ist. Ich habe ausserdem die Möglichkeit, bei Prof. Alexander Gilman zu studieren, der an der Kalaidos Musikhochschule und am Royal College of Music lehrt. Bei ihm kann ich mich auf höchstem Niveau sowohl technisch auf dem Instrument als auch in meiner Musikalität weiterentwickeln.

Prof. Gilman, Ihr Lehrer, unterrichtet in London. Wie funktioniert das?
Da ich mich entschieden habe, nicht mehr in London zu leben, wie am Anfang meines Masters Performance, sondern in der Schweiz, habe ich meinen Unterricht so angepasst, dass ich sowohl Online-Unterricht als auch Präsenzunterricht mit Prof. Gilman in London habe. So haben wir über einen längeren Zeitraum eine sehr gute Kommunikationsebene gefunden. Ich muss sagen, es könnte nicht besser laufen!

Apropos, wie stehen Sie zum Thema Online-Unterricht, auch was die Gruppen-Module an der Kalaidos Hochschule betrifft?
Ich finde, dass die Dozierenden das toll machen! Ich persönlich habe nur positive Erfahrungen mit dem Online-Unterricht gemacht. Natürlich ist auch Präsenzunterricht sehr wichtig. Aber für die Zukunft denke ich, dass eine Kombination aus Online- und Präsenzunterricht die perfekte Lösung ist, wie es die Kalaidos bereits umgesetzt hat.

Wie sieht Ihr Studium im Alltag aus?
Wie integrieren Sie Einzelunterricht, Fachdidaktik und Modulunterricht in Ihr Leben als Musikerin? Mein Alltag besteht aus Selbstüben, dem Musikpädagogik-Studium, in dem ich gerade den theoretischen Teil meistere, dem Unterrichten meiner Schüler und der Arbeit an einer privaten Schule in Basel. Alles zusammen erfordert ein gut geplantes Zeitmanagement, da ich auch Auditions für Orchesterstellen oder Wettbewerbe vorbereiten muss. Sport ist ebenfalls wichtig als Ausgleich, ich gehe zweimal pro Woche ins Fitnessstudio. Nebenbei interessiere ich mich auch für Mentalcoaching und Meditation.

Aktuell sind Sie nun bereits mitten in Ihrem zweiten Master, der Musikpädagogik Klassik. Was ist das Besondere und Reizvolle an dieser doppelten Ausbildung für Sie?
Ich habe bereits in jungen Jahren mit verschiedenen Professoren in verschiedenen Ländern gearbeitet und mein Ziel ist es, als Geigerin und Musikerin mein Wissen und meine Erfahrungen an Kinder und Jugendliche weiterzugeben. Mir liegt viel an klarer Kommunikation im Unterricht, daher finde ich es z. B. spannend, dass einer der Schwerpunkte des Pädagogik-Studiums auf Psychologie liegt. Ich erhoffe mir vom Studium Antworten darauf, wie ich den Unterricht gut strukturieren und gestalten kann und wie ich auf die Bedürfnisse meiner Schülerinnen und Schüler eingehen kann. Ich bin sehr gespannt darauf, was ich noch lernen werde und wie sich dieser Master positiv auf meine zukünftige Musikkarriere auswirken wird.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Mit welchen musikalischen Projekten beschäftigen Sie sich gerade?
Im Moment bereite ich mich intensiv auf einen Wettbewerb vor, der mir sowohl finanzielle Unterstützung als auch die Möglichkeit bieten könnte, Projekte in der Schweiz zu organisieren. Außerdem plane ich, mich für weitere Auditions für ein Orchesterpraktikum zu bewerben. Für diesen Sommer bereite ich mich auch mit einem neuen Programm für die Sommerakademie des Mozarteums in Salzburg vor. Und natürlich bin ich aktiv auf der Suche nach noch mehr Schülerinnen und Schülern, um viel praktische Erfahrung im Unterrichten zu sammeln!

Liebe Frau Kulmer, herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für das Pädagogik-Studium und Ihre musikalische Zukunft!

Performing an Inuit Environmentalism?

Die Dissertation untersucht, inwiefern sich Inuit Ontologien und Epistemologien im Repertoire, dem Aufführungskontext und der Alltagsfunktion von Katajjaq resp. Katajjaniq widerspiegeln.

Beim Inuit Kehlkopfgesangsspiel – genannt Katajjaq im Gebiet Nunavut resp. Katajjaniq im Gebiet Nunavik – stehen sich zwei Personen – traditionellerweise Frauen – sehr nahe gegenüber. Teilweise halten sie sich zusätzlich an den Schultern oder Armen fest. Der «Leader» beginnt ein rhythmisches Klangmotiv zu singen, das von der zweiten Person entweder imitiert (Kanon) oder mit einem zweiten Motiv beantwortet wird (Call-and-Response). Die Person, die zuerst aus dem Rhythmus fällt, der zuerst die Luft ausgeht oder die zuerst zu lachen beginnt, hat das Spiel verloren. 

Die Technik des Kehlkopfgesangs, die beim Katajjaq resp. Katajjaniq angewendet wird, ergibt sich aus einer Kombination von stimmhaften und stimmlosen Lauten auf die Ein- und Ausatmung. Die dabei erzeugten Körpervibrationen dienen auch dazu, auf dem Rücken getragene Babys in den Schlaf zu wiegen. 

Christliche Missionierungsbestrebungen und koloniale Assimilierungsstrategien führten durch die Unterdrückung kultureller Ausdrucksformen beinahe zum vollständigen Verschwinden des Inuit Kehlkopfgesangs sowie des Katajjaq resp. Katajjaniq. Wiederbelebungsbemühungen der Tradition haben 2014 zur Erklärung von Katajjaniq als Teil der Quebec’s Intangible Heritage geführt. Dennoch ist es in den letzten Jahrzehnten zu Veränderungen im Aufführungskontext, der Alltagsfunktion und dem Repertoire gekommen. 

Anstatt wie traditionellerweise von zwei Sängerinnen im Kontext eines Spiels oder als schamanisches Ritual zur positiven Beeinflussung der Jagd, wird Katajjaq resp. Katajjaniq gegenwärtig von einer bis zu vier Personen als Freizeitbeschäftigung, zum Ausdruck der eigenen Inuit Identität oder zur Verbreitung aktivistischer Anliegen wie der Promotion der Inuit Sealing Industrie praktiziert. Darüber hinaus mischen Inuit Kehlkopfsänger:innen zunehmend traditionelle Elemente, Techniken und Songs des Katajjaq resp. Katajjaniq mit anderen Musikformen. 

Ein zentraler Aspekt von Katajjaq resp. Katajjaniq ist aber weiterhin die Imitation von Natur-, Tier- und Alltagsgeräuschen, wie sich im Namen von traditionellen Songs widerspiegelt. Beispielsweise beschreibt der Song Qimmirulapik (Poor little puppy) die Beziehung zwischen einer Inuk Jägerin und einem ihrer Schlittenhunde. Der Einfluss der persönlichen Beziehung «to the land» und somit lokalen Ortschaften, zeigt sich ebenfalls im jeweilligen Songrepertoire. So scheint der Song The Walrus im Katajjaq in Nunavut, nicht aber im Katajjaniq in Nunavik gesungen zu werden. 

Die Dissertation, die im Bereich der Kulturellen Anthropologie der Musik an der Universität Bern verfasst wird, untersucht daher die folgende Frage: Und zwar, welchen Einfluss der persönlichen Beziehung «to the land» sowie von Inuit Ontologien und Epistemologien – insbesondere in Bezug auf die Beziehung zwischen Menschen, Natur und more-than-human – auf das Repertoire, den Aufführungskontext und die Alltagsfunktion von Katajjaq resp. Katajjaniq. In diesem Kontext stellt sich auch die Frage, ob und inwiefern sich diese aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels in der Arktis, aufgrund der Umsiedlung in die südlichen urbanen Städte Montréal und Ottawa oder aufgrund des zunehmenden Gebrauchs von Social Media verändern. 

Die Priorität von kanadischen Inuit Organisationen sowie Inuit Kehlkopfsänger:innen ist die Bewahrung, Weitergabe und die Bewusstseinsbildung von Katajjaq resp. Katajjaniq als traditionelles Inuit Kehlkopfgesangsspiel. Da die Forschungskollaboration mit Inuit Kehlkopfsänger:innen ein zentraler Aspekt der Arbeit darstellt, ist ein Ziel des Projekts daher die Errichtung einer gemeinsam betriebenen Website. Dort können Videos, Tonaufnahmen, Interviews, Informationen und Forschungsbeiträge gesammelt werden. 

Der Link verweist auf die Publikation «La Musique qui vient du froid. Arts, chants et danses des Inuit» auf der Website Les Presses de l’Université de Montréal, wo sich öffentlich zugängliche Hörbeispiele und Videos zu Katajjaq finden. 

pum.umontreal.ca/catalogue/la_musique_qui_vient_du_froid/contenusupplementaire

Grüessech, bonjour, hello, ciao, ciao ciao

Forum SKJF, oder warum (ein-)singen glücklich macht.

Am 2. März 2024 trafen sich rund 50 interessierte Kinder- und Jugendchorleitende aus der ganzen Schweiz zum Forum SKJF, welches im Yehudi Menuhin-Forum in Bern stattfand. SKJF-Vizepräsident Michael Schläpfer sorgte als Moderator für Informationen und reibungslose Abläufe. Der bekannte Berner Chorleiter Patrick Secchiari begeisterte mit Erfahrung, Kreativität, Kompetenz und ungemeiner Singlust.

Patrick Secchiaris Markenzeichen sind seine gut gelaunte Präsenz, soziale Wachheit, musikalische Souveränität, eine partnerschaftliche Kommunikation bei gleichzeitiger Autorität, eine zielführende Kreativität am Objekt und seine grossartige Musikalität. Es macht einfach unglaublich Spass, mit ihm zu singen, auch wenn – oder vielleicht gerade wenn – man/frau selber Chorleiter:in ist. Seine träfen Sprüche aus seiner reichhaltigen Erfahrung mit Chorgruppen verschiedenster Zusammensetzung und von jung bis alt haben einerseits Unterhaltungswert und eröffnen andrerseits neue Wege in der Chorleitung. Zum Beispiel seine 360 Grad Moderation regt an, über die eigene Rolle als Chorleiter:in nachzudenken. Zwischen den Workshops SKJF animierte Vereinspräsidentin Vreni Winzeler die Teilnehmenden mit einem Gruppen-Speed-Dating, ihre Anregungen und Tipps in die Entwicklung des Formats «Off SKJF» einzubringen. Ausgehend vom so genannten «SKJF Singplausch» für Kinder im Alter zwischen 7 und 12 Jahren, dachten die Chorleitenden darüber nach, wie dieses Modell für die Altersgruppe zwischen 12 und 19 Jahren angepasst werden könnte. Und last but not least bot sich den Teilnehmenden mehrere Male über den Tag verteilt die Gelegenheit, sich in gemütlicher Atmosphäre auszutauschen & vernetzen. 

Das nächste Forum findet am Samstag, 1. März 2025 wiederum in Bern statt. Save the Date. 

Der Countdown läuft

Die Vorbereitungen haben ein Ende: Beim Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb steht der März 
ganz im Zeichen der Vorrunden.

Die Entrada der Kategorie Classica finden vom 22. bis 24. März parallel an sieben verschiedenen Orten in der Schweiz statt; die PreSelection Jazz&Pop sind über die Wochenende im März verteilt und finden 2024 live in fünf verschiedenen Städten statt. Zum ersten Mal werden 2024 alle Disziplinen zum grossen Finale zusammenkommen: Vom 9. bis 12. Mai werden in La-Chaux-de-Fonds die Finale Classica, Jazz&Pop sowie die Live-Performances Composition und FreeSpace ausgetragen. Dies ist der 49. Schweizerische Jugendmusikwettbewerb.

Die meist monatelangen Vorbereitungen auf das Vorspiel im Rahmen des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs gehen in die Endphase. Manch ein Teilnehmer entdeckt da und dort neue Seiten an den gewählten Stücken. Jetzt gilt es, die heiklen Passagen endgültig in den Griff zu bekommen, die Stücke aber durch zu häufiges Spiel nicht platt zu walzen. Was wohl die Jury dazu sagen wird? Ob die Stückwahl überhaupt glücklich war? Für grundlegende Zweifel am Programm ist es zu spät: Die Stückwahl musste bis Ende November mit der Anmeldung eingereicht werden. Ob es gelingen wird, den Auftritt zu geniessen? Wann findet er überhaupt statt? Und wo? Den Teilnehmenden wird spätestens drei Wochen vor dem Auftritt Zeit und Ort bekannt gegeben. Ob es für einen 1. Preis und damit für eine Teilnahme am Finale reicht?

Die Vorspiele der Entrada und die PreSelec-tion Jazz&Pop sind öffentlich und finden in der ganzen Schweiz statt, dieses Jahr für Classica in Arbon, Burgdorf, Genf, Hünenberg, Lugano und Winterthur und für Jazz&Pop in Basel, Bern, Lausanne, Luzern und Zürich. Während die Kammermusik-, Composition-, FreeSpace- und Jazz&Pop-Wettbewerbe jährlich stattfinden, wechseln sich die Solo-Wettbewerbe ab: Bei den Entrada werden Ende März neben den Solostreichern auch Holzblasinstrumente, Akkordeon, Harfen und Schlagzeug im Wettbewerb zu hören sein. Die Spezialisten für alte Instrumente, mehrere Gitarren- und Klavierduos sowie andere spannende kammermusikalische Beiträge werden in den Ensemblekategorien antreten. Im Bereich Jazz&Pop wiederum verspricht die ästhetische Bandbreite der teilnehmenden Solist:innen, Bands und Large Ensembles einen spannenden und abwechslungsreichen Wettbewerb für Publikum und Jury.

In der Kategorie Classica Solo stammen 62 der diesjährigen Anmeldungen von Harfist:innen, 27 von Kontrabassist:innen und 11 von klassischen Schlagzeuger:innen. Die meisten Anmeldungen wurden jedoch für die traditionellen Instrumente Violine und Violoncello eingereicht, nämlich 331. Unter den Holzblasinstrumenten haben sich 115 zwischen Klarinettist:innen und Querflötist:innen, 26 Fagottist:innen und sogar 5 Panflötist:innen für den diesjährigen Wettbewerb angemeldet.

Beim Wettbewerb Classica Solo und Kammermusik ist die Alterskategorie III (*2007-2009), die Kategorie mit den meisten Anmeldungen. An zweiter Stelle liegt die Altersgruppe II (*2010-2012), gefolgt von der Altersgruppe IV (*2004-2006) und der Altersgruppe I (*2013-2016).

Verglichen zu 2023 hielt sich die Zahl der Anmeldungen für FreeSpace und Composition konstant. Für den Jazz & Pop Wettbewerb gingen diesmal erfreuliche 48 Anmeldungen ein.

Allen Teilnehmer:innen ist zu wünschen, dass das viel gepriesene Momentum auf ihrer Seite ist und dass sie – mit oder ohne Preis – mit einigen guten Erfahrungen für ihren Einsatz und ihr Engagement belohnt werden.

Marta-Walter-Preis

Zusammen mit der dritten Durchführung des SMG-Studientages kommt es in diesem Jahr 
zu einem weiteren Höhepunkt: die Verleihung des Marta-Walter-Preises steht an.

Die Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (SMG-SSM) verleiht alle zwei Jahre den Marta-Walter-Preis (vormals Handschin-Preis) für eine herausragende Promotionsarbeit im Bereich der Musikforschung. Der Preis ist nach der Schweizer Musikwissenschaftlerin Marta Walter benannt, die mit ihrem Legat an die SMG die finanzielle Grundlage des Preises gestiftet hat. Nun ist es wieder so weit, dass sich exzellente Forschende sich mit ihrer Doktorarbeit für den Preis direkt bei der Gesellschaft für den Marta-Walter-Preis 2024 bewerben können. Das Preisgeld beträgt 3.000 CHF. Bewerbungsberechtigt sind Doktorierte, die
ihre Promotion zwischen dem 01.01.2022 und dem 31.12.2023 einschliesslich der Verteidigung abgeschlossen haben und weitere Kriterien erfüllen. 

Appel à candidature pour le Prix Marta-Walter 2024
La Société Suisse de Musicologie (SMG-SSM) décerne tous les deux ans le Prix Marta-Walter (anciennement Prix Handschin) à un travail de doctorat remarquable dans le domaine de la recherche musicale. Le prix porte le nom de la musicologue suisse Marta Walter qui, par son legs à la SSM, a fourni l’assise financière du prix. Son montant s’élève à 3 000 CHF. La remise du prix aura lieu dans le cadre de la Troisième journée d’études de la SSM. Les candidat(e)s peuvent postuler directement auprès de la société pour l’obtention du prix.  Les candidats pris en considération doivent avoir achevé leur doctorat, y compris la soutenance, entre le 01.01.2022 et le 31.12.2023, et répondre à d’autres critères. 

Bando di concorso per il Premio Marta-Walter 2024
Ogni due anni la Società Svizzera di Musicologia (SMG-SSM) assegna il Premio Marta Walter (precedentemente Premio Handschin) a una
tesi di dottorato eccellente nel campo della ricerca musicale. Il premio prende il nome dalla musicologa svizzera Marta Walter che, con un lascito alla SMG, ha garantito il contributo finanziario alla base del premio. Il premio ammonta a 3000 franchi svizzeri. La cerimonia di premiazione si svolgerà nel corso della terza giornata di studio della SMG- SSM. A partire dall’anno 2014 le/i candidate/i, in possesso dei requisiti previsti, potranno presentare domanda di partecipazione al concorso direttamente alla Società. 

3. SMG-Studientag
Nach der erfolgreichen Durchführung des ers-ten  und zweiten Studientags in Bern und Basel, findet dieses Treffen der Schweizer Nachwuchsforschenden am 20. September 2024 an der Zürcher Hochschule der Künste statt. Die Tagung besteht aus Posterpräsentationen, Vorträgen, gemütlichen Kaffeepausen und gipfelt in der
Verleihung des Marta-Walter-Preises. Der Call for Contributions richtet sich an alle BA-, MA-Studierenden und Doktorierenden der Musik (-wissenschaft) an Schweizer Universitäten und Hochschulen. 

Stellenausschreibung SMG
Sind sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? Dann bewerben Sie sich bei der SMG für die Leitung der SMG-Geschäftsstelle. 

Termine
Bewerbungsfrist Marta-Walter-Preis: 15.03.2024
Beitragseinreichung Studientag 2024: 31.05.2024
Bewerbung SMG-Geschäftsstelle: 29.02.2024

Streaming: Schweizer Musik sichtbar machen

Streaming-Anbieter entscheiden durch Setzen bestimmter Songs in beliebte Playlists über Erfolg oder Misserfolg eines Stücks. Für Schweizer Acts sind die Hürden besonders hoch. Das muss sich ändern.

Streamingplattformen sind für die Musikmärkte unerlässlich geworden. Am grössten ist die Bedeutung von Playlists beim Marktführer Spotify, allerdings werden dort Schweizer Acts kaum in die plattformeigenen Playlists aufgenommen, weil es keine Kurator:innen gibt, die sich um das Schweizer Angebot und Repertoire kümmern. Für die Künstler:innen und ihre Labels ist dies eine kaum überwindbare Hürde, um Sichtbarkeit, Streams und damit letztlich überhaupt Einnahmen zu generieren.

Streaming trug 2023 mit satten 88 Prozent zum Umsatz mit Tonträgern in der Schweiz bei, Tendenz steigend. Die Grösse des Angebots liegt heute schon bei über 100 Millionen Titeln. Die zentrale Herausforderung liegt darin, in dieser Masse überhaupt wahrgenommen zu werden. 

Entscheidend für den Erfolg ist die Aufnahme der eigenen Titel in populäre Playlists, insbesondere in jene, welche die Anbieter selbst zusammenstellen und fortlaufend kuratieren. 35 Prozent des Musikkonsums auf der Plattform des Marktführers Spotify geschieht über hauseigene Playlists, weshalb dieser Anbieter erheblichen Einfluss darauf hat, welche Musik überhaupt wahrgenommen und gespielt wird und wer folglich Einnahmen erhält.

Spotify berücksichtigt einheimische Musik der Schweiz jedoch kaum: Schweizer Musik ist in den Playlists von Spotify deutlich untervertreten, wie ein Vergleich der hiesigen Versionen dieser Playlists mit jenen ähnlicher Märkte (Belgien, Dänemark, Niederlande, Norwegen, Spanien, Finnland) zeigt. 

Dadurch sind Schweizer Künstler:innen die Chancen, die solche global verfügbaren Plattformen bieten könnten, von Anfang an praktisch verwehrt. Denn «unsichtbare» Künstler:innen werden weder Fans im In- und im Ausland hervorbringen noch Einnahmen erzielen, möge ihre Musik noch so gut sein. Dies sei nachfolgend an einem Beispiel illustriert.

Spotify veröffentlicht länderspezifische Versionen von «New Music Friday», einer international sehr erfolgreichen Playlist. Hier werden wöchentlich Neuerscheinungen vorgestellt, wobei sowohl internationale als auch nationale Acts vorgestellt werden. Die nachfolgende Grafik zeigt, dass der Anteil einheimischer Künstler:innen in vergleichbaren europäischen Ländern durchschnittlich bei über 30 Prozent liegt, mit einer Bandbreite von rund 20 bis 50 Prozent. Nicht so in der Schweiz: Hier schwankt der Anteil einheimischer Künstler:innen zwischen null und zwölf Prozent. Die Schweiz liegt weit abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Warum ist aber der Anteil von Schweizer Acts derart tief? Der Grund liegt darin, dass Spotify das Schweizer Angebot von Berlin aus mit Personal steuert, das hauptsächlich für den zehnmal grösseren deutschen Markt beschäftigt wird und über keinerlei Kenntnisse der hiesigen Musikszene verfügt, erst recht nicht über jene der Romandie, der italienischen und der rätoromanischen Schweiz. Das Schweizer Angebot wird gleichsam nebenbei erledigt, während die Hauptaufmerksamkeit auf den deutschen und internationalen Acts liegt.

Dieses Verhalten Spotifys bedeutet für die Schweizer Musikschaffenden und Labels eine schwerwiegende Behinderung des Zugangs zum nationalen und globalen Musikmarkt. Das Entwicklungspotential unserer heimischen Künstler:innen wird von Beginn an abgeschnitten: Wer schon für das nationale Publikum schwer sichtbar ist, wird es nie in internationale Playlists schaffen und folglich auch nie zu internationalem Erfolg kommen. Die Chancen eines globalisierten und digitalisierten Musikmarktes können so nicht genutzt werden; es liegt auf der Hand, dass dies auch finanzielle und kulturelle Folgen hat.

Zu fordern ist von sämtlichen bedeutenden Streamingplattformen die Einrichtung einer Schweizer Redaktion mit Sitz in der Schweiz, die Willens und in der Lage ist, der hiesigen mehrsprachigen Musikszene im hiesigen Angebot eine angemessene Plattform zu bieten. Dies liegt nicht nur im Interesse der Schweizer Musikwirtschaft, sondern auch der Schweizer Konsument:innen aller Landesteile. 

Langjährige und umfangreiche Bemühungen der Verbände der Schweizer Musikschaffenden und der Rechteinhaber haben gegenüber gewichtigen Streaming-Plattformen leider nicht dazu geführt, dass diese in der Schweiz eine Niederlassung mit Personal in Betrieb genommen hätten. Nun hat auch die Politik die ungenügende Präsenz der grossen Streamingprovider in der Schweiz wahrgenommen und beginnt zu reagieren. Eine im Herbst 2023 von Nationalrat Müller-Altermatt eingereichte Interpellation «Diskriminierung der Schweizer Musikschaffenden auf dem Streamingmarkt beseitigen» wurde vom Bundesrat positiv beantwortet. Müller-Altermatt doppelte sodann mit einer Motion unter dem gleichen Titel nach und verlangt «die gesetzlichen Grundlagen so anzupassen, dass in- und ausländische Unternehmen, die in der Schweiz Musik über elektronische Abruf- und Abonnementsdienste anbieten, das Schweizer Musikschaffen in der Präsentation ihres allgemeinen und kundenindividuellen Angebots angemessen und nichtdiskriminierend abbilden und hervorheben müssen. Diese Unternehmen sollen verpflichtet werden, mit den massgebenden Verbänden der Schweizer Musikschaffenden und Produzenten eine Branchenvereinbarung abzuschliessen. Eine Regelung der Umsetzung durch den Bund und Sanktionsmechanismen sind subsidiär zu Branchenvereinbarungen vorzusehen, falls diese nicht innert nützlicher Frist zustande kommen.» Beide Vorstösse wurden von Mitgliedern unterschiedlichster Parteien von links bis rechts mitunterzeichnet. 

Auf die Reaktion des Bundesrats und unserer neuen Kulturministerin Elisabeth Baume-Schneider darf man ebenso gespannt sein wie auf die Bereitschaft des Parlaments, die Schweizer Musik durch einfache Instrumente wirksam sichtbarer und damit erfolgreicher zu machen. Wir bleiben dran!

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Vom Beruf zur Berufung …

… aber die Bildungs-Strukturen für «Lebens Lange Lernen» stimmen oft (noch) nicht.

Ein Studium in fortgeschrittenem Alter ist oft nur möglich, wenn dieses individuell an die familiäre und berufliche Situation angepasst werden kann und keine Altersguillotine erbarmungslos zuschlägt.

Die nachfolgenden Interviews zeigen, dass ein Berufsstudium in der Lebensmitte dank gereifter Lebensphilosophie, Lebenserfahrung und Erwartungen auf einen sehr fruchtbaren Boden fällt.

Der Megatrend «Lebens Langes Lernen» ist wohl die offensichtlichste Konsequenz darauf, dass wir gesünder älter werden und die Freizeit nicht primär zur Erholung, sondern zum Vergnügen, Reisen oder eben zur Weiterbildung nutzen können. Da ist es nicht überraschend, dass viele auch mit 30, 40 oder gar 50 Jahren noch einen Berufswechsel anstreben und so die Berufung zum Beruf machen wollen.

Dass ein Berufsstudium auch in fortgeschrittenem Alter möglich ist, zeigen die konkreten Fälle von Isabelle Schmied (42) und Dr. Andrea Schmidinger (51), die heute praktizierende Fachärztin für Neurochirurgie ist. Beide haben sich entschieden, bei der Kalaidos einen Bachelor of Arts in Music zu absolvieren, weil sie hier ihr Studium mehr als an anderen Hochschulen den persönlichen Gegebenheiten individuell anpassen können.

Michael Bühler hat sich mit ihnen unterhalten.

Was hat Sie bewogen, noch einmal die Schulbank zu drücken und ein Musikstudium zu absolvieren?

Isabelle Schmied: Auch wenn mich die Liebe zur Musik seit früher Kindheit begleitete, fand ich erst mit 21 Jahren zum klassischen Gesang. Der Wunsch eines Gesangsstudiums schlummerte lange in mir, doch erst als ich Anfang 30 zu meiner Lehrerin fand, die mir endlich die richtige Technik für ein freies und natürliches Singen vermittelte, fasste ich den Entscheid, diesen lange gehegten Traum wahr werden zu lassen. Es mussten noch zehn Jahre vergehen, bis die Lebensumstände
gepasst hatten.

Andrea Schmidinger: Ich habe schon im-mer Geige studieren wollen, mich dann aber für die Medizin entschieden. Nach Studium, Facharztausbildung und familiären Herausforderungen nehme ich mir seit ein paar Jahren Zeit für professionellen Unterricht. Letztes Jahr durfte ich mit dem Amateur-Orchester, in dem ich spiele, Wieniawskis 2. Violinkonzert als Solistin aufführen. In dem Kontext wurde mir klar, dass nun der richtige Zeitpunkt für das Musikstudium gekommen ist.

Welche Voraussetzungen mussten für Sie erfüllt sein, damit Sie Ihr Studium mit Ihrem Beruf oder Ihrer privaten Situation überhaupt vereinbaren können?

IS: Für mich waren die örtliche und zeitliche Flexibilität zentral, damit ich meine vielfältigen Engagements als Leiterin von 3 Chören, meine gleichzeitige Ausbildung zur Jodelchordirigentin, wie auch meiner Teilzeit-Anstellung bei der schweizerischen Chorvereinigung unter einen Hut bringe. Die Möglichkeit, einen Teil meines Studiums mit online-Unterricht zu absolvieren, ist mir deshalb sehr wichtig.

AS: Am wichtigsten ist für mich zum einen die Möglichkeit, das Studium modular gestalten zu können; zum anderen ist sicher ein sehr gutes Zeitmanagement wichtig, ein Raum, in dem man jederzeit üben kann und last but not least: ein sehr toleranter Partner.

Wie hat Ihr privates Umfeld auf Ihren Entscheid reagiert?

IS: Meine Familie und Freunde haben sich ausnahmslos über den Entscheid für mich gefreut, da sie genau wissen, dass ich mir damit einen lang gehegten Traum erfüllen kann.

AS: Aus meinem engsten Familien- und Freundeskreis kamen durchweg unterstützende, positive Rückmeldungen.

Wird Ihr Entscheid, in einen Hochleistung-Beruf einsteigen zu wollen, von anderen Musiker:innen ernst genommen oder belächelt?

IS: Bis jetzt habe ich eigentlich nur positive Rückmeldungen erhalten. Und was andere über meinen Entscheid denken, spielt für mich eine untergeordnete Rolle, denn ich weiss meine beruflichen Möglichkeiten einzuschätzen und habe realistische Erwartungen.

AS: Die Musiker:innen, mit denen ich befreundet bin, finden das prinzipiell gut, wenngleich sie es auch nicht so ganz verstehen, da ich ja auch schon einen tollen Beruf habe.

40 Jahre EPTA Schweiz

Die EPTA Schweiz feiert ihren runden Geburtstag mit einer internationalen Konferenz in Luzern vom 29.2. bis 3.3.2024.

Symbolbild: kzwwsko/depositphotos.com

Wolfgang Clausnitzer, Vorstandsmitglied, spricht mit unserem Präsidenten Tomas Dratva.

Tomas, die EPTA gibt es in der Schweiz seit 40 Jahren, was ist die EPTA und worin besteht ihr Nutzen?

Die EPTA (European Piano Teachers’ Association) wurde in Grossbritannien in den 1970er Jahren gegründet. Bald folgten in vielen europäischen Ländern nationale EPTA-Gründungen – in der Schweiz im Jahre 1984. Zu den wichtigsten Anliegen der EPTA gehören der fachliche Austausch, die Vernetzung und die Weiterbildung unter Pianist:innen. Dies findet vor allem in Form von internationalen und nationalen Konferenzen und Tagungen statt.  

Bald steht die internationale Konferenz an, wie oft gibt es das?

Die «46th International EPTA Conference 2024» in Luzern steht in der langen Reihe von Konferenzen, welche jährlich in einem anderen Land durchgeführt werden, zuletzt in Rom, Guimarães und Madrid. Bei diesen Konferenzen handelt es sich um die europaweit grössten Kongresse rund um das Thema Klavier.

Was sagst Du zum Angebot der internationalen Konferenz in Luzern?

Wir bieten ein sehr abwechslungsreiches Programm mit 50 Referent:innen aus aller Welt, welche sowohl zu künstlerischen als auch zu klavierpädagogischen Themen in Form von Lectures, Lecture Recitals und Workshops vortragen werden.

War es schwer, so viele Referenten und Referentinnen zu gewinnen?

Wir schätzen uns glücklich, dass wir mit der Hochschule Luzern – Musik und deren Studierenden und Forschenden einen starken und attraktiven Kooperationspartner gefunden haben. Unser «Call for Proposals» im vergangenen Sommer zum Thema «CHANGES – Visions & Evolutions in Piano Music» wurde von vielen Pianist:innen und Forschenden beantwortet. Dies hat es uns eher leicht gemacht, unsere Kongressinhalte anzubieten. 

Wir freuen uns auf lehr- und ereignisreiche Klaviertage und ermuntern das Schweizer Fachpublikum zum Besuch. Selten findet ein hochkarätiger Klavierkongress so nah vor unserer Haustüre statt. Anmeldungen für Hörer:innen sind bis am 15. Februar 2024 möglich.

Musik-Kurswochen Arosa 2024

Die 38. Musik-Kurswochen bieten von Juni bis November 127 Kurse an. Nebst unzähligen Kursen für Amateure, finden auch wieder diverse Meisterkurse statt.

Seit 38 Jahren bietet der Verein Arosa Kultur die Musik-Kurswochen Arosa an. Jeden Sommer und Herbst finden rund 1400 Teilnehmende den Weg in die herrliche Bergwelt von Arosa. Im Einsatz stehen rund 200 versierte Kursleitende aus der Schweiz und dem Ausland. Die meist 6-tägigen Kurse richten sich sowohl an Laienmusiker:innen wie auch an Berufsmusiker:innen und Studierende.

Nicht nur Musik-Kurse im Angebot

Die rund 80 Instrumentalkurse sind für die verschiedensten Streich-, Blas-, Tasten- und Percussions-Instrumente ausgeschrieben. Ein buntgemischtes Programm erwartet die Teilnehmenden der verschiedenen Chor- und Singwochen. 

Arosa Kultur bietet aber nicht nur Musik-Kurse an. Im Programm finden sich auch Malkurse, diverse Tanzkurse, ein Kurs für Sprechtraining und ein Instrumentenbaukurs. Erneut finden auch verschiedene Anfängerkurse und spezielle Kurse für Kinder und Jugendliche statt.

Neu im Programm

Folgende Kurse werden im 2024 zum ersten Mal angeboten: Anfägerkurs für Zither mit Hedi und Hans Eggimann– Kammermusik für Gitarre/Streicher/Querflöte mit Nicolas Corti, Han Jonkers und Hieronymus Schädler – Flamencogitarre mit Alexander Gil – Gospelwoche mit Susan Wipf und Herbert Sahli – Innovative Strings mit Michèle Walther – Filmmusik für Klavier mit Laura Valkovsky – Meisterkurs für Piccolo mit Nolwenn Bargin – Renaissance Tanz und Musik mit Véronique Daniels und Claire Foltzer und Barockvioline mit Claire Foltzer und Andreas Westermann.

Arosa Music Academy und Meisterkurse 

Auch im Bereich der Spitzenförderung sind die Musik-Kurswochen Arosa international mit dabei. 15 verschiedene Meisterkurse und zwei Arosa Music Academy’s finden im Sommer und Herbst 2024 in Arosa statt. Unter den Teilnehmenden werden mehrere Preise der Hans Schaeuble Stiftung verliehen. 

Informationen und Anmeldung

Alle Informationen über die Kurse sowie die Anmeldung finden
Sie im Internet unter www.musikkurswochen.ch oder www.meisterkursearosa.ch. Das gedruckte Kursprogramm kann bei der
Geschäftsstelle von Arosa Kultur (siehe Kontakt) bestellt werden. Für Frühbucher gibt es bis Ende Februar 40 Franken Rabatt.

Ein neues Team für neue Herausforderungen

Die Kalaidos Musikhochschule beginnt das Jahr 2024 mit grossen personellen Veränderungen. Sowohl Studiengangsleitungen als auch die Leitung der Administration werden neu besetzt.

Mit Leslie Leon (Studiengangsleitung Master Pädagogik), Jens Bracher (Studiengangsleitung Master Performance) und Luise Tophoff (Leitung Administration) haben wir kompetente und engagierte Mitarbeitende gefunden. Leslie ist Sängerin und Hochschuldozentin für Sprecherziehung und Kommunikation, Jens Trompeter und bisher Leiter eines Hochschul-Career Centers, Luise hat Erfahrungen als Teamleiterin in einem internationalen Unternehmen und einem privaten Bildungsinstitut. Alle drei haben sich in einem Bewerbungsverfahren als unsere Wunschkandidat:innen erwiesen und legen eine grosse Begeisterung für die Leitung der Musikhochschule an den Tag. Nach vielen erfüllten
Jahren an der Kalaidos freut sich das nun ehemalige Team darauf, ihr Engagement aus der Ferne beobachten zu können.

Warum habt ihr euch an der Kalaidos Musikhochschule beworben?

Luise Tophoff (LT) Ich freue mich auf die Arbeit in einem innovativen Umfeld, das mit der Zeit geht, in einer Fachhochschule, die sich den Lebenssituationen der Studierenden anpasst. 

Leslie Leon (LL) Ich freue mich, meine Expertise in Musikpraxis und Hochschuldidaktik jetzt für die Kalaidos Musikhochschule einzu-
setzen.

Jens Bracher (JB)  Nach meinen Erfahrungen an einer norddeutschen Musikhochschule kann ich nun in der Nähe meines Wohnortes und meiner Kinder tätig sein!

Was liegt euch bei der Weiterentwicklung der Hochschule am Herzen?

JB Als private Hochschule kann und muss die Kalaidos anders agieren als öffentliche Institutionen. Das bedeutet, dass die aktuelle Musiklandschaft direkter in den Blick genommen werden,
ja geradezu vorhergesehen werden muss, um
Angebote schneller auf die Bedürfnisse Studierender zuzuschneiden.

LT Eine stärkere Vernetzung mit anderen Fachbereichen könnte uns die Chance bieten, voneinander zu profitieren und einander gegenseitig zu inspirieren. Besonders am Herzen liegt mir auch die zielgerichtete, kooperative Teamarbeit, die kontinuierliche Vertiefung fachlichen Wissens und die qualitativ hohe Betreuung der Studierenden.

Wie wird sich die Musikhochschullandschaft verändern? In welchen Bereichen sollten sich Musikhochschulen wandeln, um den Anforderungen neuer Berufsfelder, technischer Entwicklungen und Studierenden-Generationen gerecht zu werden?

LL Schauen wir uns globale Bildungstrends an, sehen wir, dass die Zukunft des Lernens digitaler sein wird. Wir werden uns mit Themen wie Mobiles Lernen, dem Einsatz von adaptiven Lernalgorythmen, personalisierten Lernprozessen und individuellen Learning Journeys auseinandersetzen und auch den Aspekt der Gamifizierung von Lernprozessen nicht ausser Acht lassen. Dennoch erwarte ich auch eine Gegentendenz, und diese macht ein Studium an einer Musikhochschule wie der Kalaidos so wertvoll: die direkte, persönliche, analoge Kommunikation, das persönliche Erleben von Musik.

JB Die Frage der Relevanz des Musikberufs wird sich noch stärker stellen. Hier werden wir Studierende verstärkt zur Reflexion über ihr
Berufsfeld einladen und die Auseinandersetzung mit dem Selbstverständnis als Künstler:in in der Gesellschaft fördern. Dies geht einher mit der Vermittlung und Verbindung von Kunst und Entrepreneurial Mindset, was keinen Widerspruch
darstellt.

Es wird in letzter Zeit oft darüber geredet, dass es zu viele Musikstudierende gebe, die am Jobmarkt keine Chance haben. Braucht die heutige Welt weniger Künstler:innen?

JB Ich würde nicht davon sprechen, dass wir zu viele Leute in die Chancenlosigkeit entlassen, sondern davon, dass  viele Musikstudierende auf zu wenige Berufsfelder hin ausgebildet werden. Wir können gar nicht genug Leute musikalisch bilden! Es braucht aber zusätzliche, ausserfachliche Schlüsselqualifikationen, die Musikschaffenden die Möglichkeit geben, sich selbst einen breiteren ‘Markt’ zu erschliessen.

LL Im Sinne der wachsenden Wertschätzung des Direkten und Analogen brauchen wir mehr Künstler:innen, die nicht im Elfenbeinturm der Kunst bleiben, sondern ihre Kunst erfahrbar
machen für verschiedenste Menschen: junge wie alte, mit wenig und viel Vorbildung, in verschiedenen Kontexten. Die Kunst muss zu den Menschen kommen – so können wir einen Beitrag leisten und unsere Wirkungsfelder, und damit die Nachfrage nach Kunst steigern.

Was sind aus eurer Sicht die grössten Herausforderungen für das Jahr 2024? Auf was freut ihr euch?

JB In einem kleinen Team wirken zu können, freut mich besonders. Gespannt bin ich auch auf den Kontakt mit Studierenden und Dozierenden. 

LT Die wachsenden Anforderungen an die Flexibilisierung und Individualisierung von Bildungswegen zu erfüllen und Absolvent:innen auf gesellschaftliche Herausforderungen vorzubereiten, wird ein wichtiges Thema bleiben. Ich freue mich darauf, mich dieser Aufgabe zu stellen und in Zusammenarbeit mit dem Team dazu beizutragen, dass Studierende ihr Studium mit grösstmöglicher Flexibilität gestalten können.

Wir sind sehr froh, dass ihr nun in der Leitung der Kalaidos Musikhochschule tätig seid, dass ihr Studierenden ein Studium mit grosser Flexibilität und Praxisnähe ermöglicht, und wir wünschen euch alles Gute und viel Erfolg dabei!

Codewort: Mutter Helvetia

Musiktheater spielt bis heute eine nicht zu unterschätzende Rolle für die symbolische Selbstdefinition europäischer Gesellschaften. Das SNF-Forschungsprojekt Opera mediatrix befasst sich mit den Besonderheiten des Schweizer Repertoires.

«Music is not a thing but an activity, something that people do.» So erklärte der amerikanische Musikologe und Komponist Christopher Small vor 25 Jahren die Bedeutung seiner Wortschöpfung Musicking. Diese gemeinschafts(ab)bildenden Dimension von Musik steht im Zentrum des vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Forschungsprojekts Opera mediatrix. Es beschäftigt sich mit dem zeitgenössischen Musiktheater in der Schweiz. 

Akzent auf dem Kollektiv

Die Verknüpfung von Musicking mit Geschichten und szenischer Darstellung prädestiniert das Genre Musiktheater für die ästhetische Verschlüsselung von Wir-Identitäten. Ein Vergleich prägnanter einheimischer Produktionen scheint deshalb besonders geeignet, um landestypische Eigenarten herauszuarbeiten im Hinblick auf das Verhältnis von Musiktheater und kollektiver Identitätsbildung. Und tatsächlich hat das Projektteam der Hochschule der Künste Bern, bestehend aus Leo Dick, Katelyn King und Noémie Favennec einige konstante Muster in der hiesigen Gattungsgeschichte identifizieren können.

Entgegen den dramaturgischen Konventionen in der klassischen Oper rückt das Schweizer Musiktheater im 20. und 21. Jahrhundert nicht das handelnde Individuum, sondern das – zumeist passiv leidende – Kollektiv in den Fokus. Das Genre geht damit grundsätzlich konform mit ähnlichen Tendenzen in benachbarten Kunstdisziplinen. Doch während sich etwa in der Schweizer Literatur und bildenden Kunst eine kritische Tradition der unerbittlichen Analyse verfehlten Gemeinschaftshandelns etabliert hat, neigt das Musiktheater (wie übrigens auch der Schweizer Film) nach wie vor zur impliziten Idealisierung eines „einig Volk von Brüdern“ (und Schwestern). Damit beteiligt sich die Gattung unterschwellig an der Konstruktion eines harmonisierenden Selbstbildes der Schweiz, das seit Beginn des 20. Jahrhunderts vonseiten einer politischen Elite unter dem Label der Helvetia mediatrix propagiert wird. Das gilt auch für Stücke von progressiven Musiktheatermacher*innen, die jeglicher reaktionärer Schweiztümelei unverdächtig sind.

Musiktheatrale Mutter-Kind-Symbiosen

Ob im musikalischen Theater von Christoph Marthaler oder Thom Luz, ob in Kammeropern von Mela Meierhans oder Helena Winkelman: Stets aufs Neue wird im hiesigen Repertoire das singende und musizierende Kollektiv auf die symbolische Suche nach einer verloren gegangen Mutter-Kind-Symbiose geschickt. 

An die Stelle von Schillers zukunftsgerichtetem Freiheitspathos beim Rütlischwur tritt dabei die verhaltene, melancholische Rückschau und Ursprungssehnsucht. Sinnbildlich hierfür steht in jüngerer Zeit etwa das Finale von Xavier Dayers Alzheim, in dem sich eine Gruppe von Demenzkranken kurz vor dem geistigen Wegdämmern noch an das Lied des Wehrliknaben aus der eigenen Kindheit erinnert. Anders als in der epischen und dramatischen Literatur des Landes, etwa in Jeremias Gotthelfs Die schwarze Spinne oder in Friedrich Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame, betritt demgegenüber kaum je die strafende oder grausame Mutter die Schweizer Musiktheaterbühne. Das metaphorische Feld bleibt innerhalb des Genres weitgehend der Beschwörung des Idealbilds einer schützenden und nährenden Mutter (Helvetia) überlassen.

Kunstforschung an der Schnittstelle zwischen kultureller und politischer Bildung

Das Forschungsprojekt ist einerseits als Beitrag zur Geschichtsschreibung in einem von der Musikwissenschaft immer noch vernachlässigten Repertoirefeld zu verstehen. Andererseits strebt das Forschungsteam auch an, Aufklärungsarbeit im Übergangsbereich zwischen kultureller, ästhetischer und politischer Bildung zu betreiben. Veröffentlichungen von vergleichenden Stückanalysen, etwa im Sammelband Musicking Collective, der in Kürze im Verlag Argus erscheinen wird, zielen darauf ab, narrative Kompetenz zu vermitteln. Damit ist in diesem Fall das Wissen darüber gemeint, auf welche Arten sich politische Narrative offen oder verdeckt in (musiktheatrale) Kunstwerke einschreiben. Idealerweise resultiert daraus eine Sensibilisierung für manipulative Mechanismen von politischem Storytelling in künstlerischer Verpackung. Wie jede Form von Theater ist schliesslich auch das Musiktheater wie geschaffen für eine spielerische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, mit Identitäts- und Sinnfragen.

104. Hauptversammlung

Am 1. Dezember 2023 trafen sich die SMG Mitglieder in Basel zur alljährlichen Hauptversammlung, welche in Zusammenarbeit mit der Paul Sacher Stiftung organisiert wurde.

Wie immer wurde die geschäftliche Hauptversammlung von einem Zusatzprogramm umrahmt. Zuerst waren die Mitglieder eingeladen, die neu eröffnete Ausstellung «Ligeti-Labyrinth» im Musikmuseum Basel zu besichtigen. Heidy Zimmermann, Kuratorin der Ausstellung und der Ligeti Sammlung in der Paul Sacher Stiftung, gab eine interessante Einführung zum Leben und Schaffen von György Ligeti, zu dessen 100. Geburtstag die Ausstellung konzipiert wurde. Die beeindruckende Auswahl von Musikmanuskripten, Tonaufnahmen und weiteren Dokumenten aus Ligetis Leben sorgte unter den Mitgliedern für viel Gesprächsstoff.

Nach der Ausstellung führte ein kurzer Spaziergang durch die Altstadt Basels auf den Münsterhügel, wo die Hauptversammlung im Saal der Allgemeinen Lesegesellschaft statt fand. 

SMG-Hauptversammlung 

Cristina Urchueguía, Zentralpräsidentin der SMG, leitete die 104. Hauptversammlung der Zentralgesellschaft und berichtete über das vergangene Jahr. Nach den Schwierigkeiten in der Corona-Pandemie konnten nun wieder alle Veranstaltungen reibungslos verlaufen. Drei Projekte im vielfältigen Programm der SMG im Jahr 2023 wurden besonders hervorgehoben: 

Am 17.-18. November fand die Arbeitstagung «Die nötigen Schritte tun.» Karl Nef (1873–1935) und die Musikwissenschaft – Arbeitstagung zur Feier von 100 Jahren Ordinariat an der Universität Basel“ am Musikwissenschaftlichen Seminar Basel statt. Die Tagung zeigte die Wichtigkeit der Infrastruktur auf, zu denen Karl Nef massgeblich beigetragen und für welche er lobbyiert hatte, wie z.B. die Musikabteilung der UB Basel und die Instrumentensammlung des Historischen Museums
Basel. 

Vom 23.-25. November fand die Tagung „Musik in der Schweiz in Geschichte und Gegenwart: Das Musiklexikon der Schweiz für das 21. Jahrhundert“ und ein dazugehöriger Workshop an der Universität Bern statt. Mit der Tagung wurde ein wichtiger Schritt in die Richtung eines neuen, modernen und vernetzten Musiklexikons gemacht.  

Im Laufe des Jahres 2023 wurden die Archivbestände der Sektionen Bern, Luzern und Zürich und der Zentrale gesammelt an die Universitätsbibliothek Basel übergeben. Dort befanden sich bereits die historischen Dokumente der Sektion Basel, die auf eine 1899 gegründete Vorgängergesellschaft zurückgehen. Die Archivalien der Sektionen Tessin sind bereits in öffentlichen Archiven (Bellinzona, Genf) verwahrt. Dank der Freiwilligenarbeit von Studierenden, SMG-Mitgliedern, der Zentralpräsidentin und der Geschäftsführerin der SMG konnte das Material im Vorfeld für das Archiv aufbereitet und sachgerecht verpackt werden, so dass die Erschliessung und Bereitstellung bereits im Gang ist. 

Wie bei allen Vereinen üblich, wurde den SMG-Mitgliedern auch die Jahresrechnung vorgestellt und zur Abstimmung vorgelegt. Nach dem Bericht von Quästor Christoph Ballmer wurde dem Zentralvorstand einstimmig die Décharge erteilt. Die versammelten Mitglieder bedankten sich bei Christoph Ballmer für seine exzellente Arbeit. 

Statutenänderungen 

Im vergangenen Jahr hat der Zentralvorstand die Statuten diskutiert, um diese bei Bedarf zu aktualisieren. Daraus sind zwei Änderungsvorschläge für die Statuten heraus gegangen. Zum einen soll die Bezeichnung «Ortsgruppen» in «Sektionen» geändert werden, da die Ortsbindung für eine Mitgliedschaft nicht mehr im Vordergrund steht und des weiteren soll der Vorstand (Zentralgesellschaft) als Zentralvorstand genannt werden, damit es nicht zu Verwirrungen zwischen dem Zentralvorstand und den Sektionsvorständen gibt. Die vorgeschlagenen Statutenänderungen wurden von den Mitgliedern angenommen. Zudem wurde der Antrag zur Auflösung des Dissertationsfonds zugunsten des Editionsfonds einstimmig genehmigt.

Weitere Mitteilungen  

Cristina Urchueguía informierte die Mitglieder über den Tod von Angelika Salge, Leiterin der Musikabteilung der ZB Zürich und Mitglied der SMG-Editionskommission, und würdigte sie als eine sehr geschätzte Kollegin. Den Angehörigen und Arbeitskolleg:innen sprach Cristina Urchueguía im Namen der SMG herzliches Beileid aus. Im Gedenken an Angelika Salge erhoben sich die Mitglieder für eine Schweigeminute.

Nach drei Amtszeiten als Zentralpräsidentin der SMG-SSM wird Cristina Urchueguía ihr Amt ab der nächsten Hauptversammlung zur Verfügung stellen. Sollte sich niemand für die Präsidentschaft melden, wird sie ihr Amt weiter ausüben. 

Die nächste Hauptversammlung wird im Herbst 2024 stattfinden. 

Jugend Akkordeon Orchester – Entfache deine Leidenschaft

Bist du bereit, dein Talent auf die schrägen Töne des Akkordeons zu entfesseln? Hier bei uns geht es nicht nur um Noten und Rhythmen, sondern um eine witzige und einzigartige Reise durch die Welt der Musik.

Die Förderung musikalischer Talente ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung und die Entfaltung individueller Potenziale. Ein entscheidener Faktor für den Erfolg dafür ist das qualifizierte Leitungsteam.

Dieses bringt nicht nur eine fundierte Ausbildung im Bereich Musikpädagogik mit, sondern auch eine Leidenschaft für das Akkordeonspiel und die individuelle Förderung jedes Teilnehmers. 

Die Erfahrung einer Teilnahme stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein der Jugendlichen, sondern fördert auch den Wettbewerbsgeist und die Weiterentwicklung der musikalischen Fertigkeiten.

Warum du dabei sein solltest: 

Erlebe die Kraft der Musik: Lerne von einem inspirierenden Dirigenten und entfalte dein volles musikalisches Potenzial. 

Entdecke verschiedene Stile: Das Akkordeon bietet unendliche Möglichkeiten zur musikalischen Entfaltung. 

Werde Teil unserer Gemeinschaft: Knüpfe Freundschaften in einer unterstützenden Umgebung und teile die Freude am Musizieren mit Freunden.

Worauf wartest du noch?

Melde dich jetzt an und starte dein musikalisches Abenteuer! Teile diese Chance mit Freunden und motiviere sie, sich anzuschliessen. Sei dabei, wenn wir die Bühne erobern und die Welt mit unserer Musik verzaubern! Melde dich jetzt an und erlebe die Faszination des Akkordeons.

Anmeldung: 

Melde dich mit einem Email unter info@accordeon.ch 

Detaillierte Informationen findest du unter www.accordeon.ch

Liebe Lehrperson, Motiviere deine Schüler*innen sich anzumelden. (Akkordeon, Schlagzeug oder Klavier)

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