Ritterschlag im Repertoire

Die im Konzentrationslager entstanden Oper «Der Kaiser von Atlantis» in revidierter Ausgabe.

Felix Nussbaum (1904–1944): Triumph des Todes (Ausschnitt aus dem Titelblatt des Klavierauszugs)

Viktor Ullmann (1898–1944) gehört zu jenen Komponisten, die während der fatalen Jahre des «III. Reichs« nicht nur physisch vernichtet wurden, sondern deren Schaffen mit erschreckender Gründlichkeit auch aus dem Gedächtnis und dem Musikleben verbannt wurde. Erst Ende des 20. Jahrhunderts war das Interesse gross genug für eine wirkliche Aufarbeitung. Es kamen Werke ans Licht und, mehr noch, auf die Bühnen, welche aufgrund ihrer Qualität heute im Repertoire einen bleibenden Platz beanspruchen dürfen.

Dies gilt im schmalen Schaffen von Ullmann insbesondere für sein Streichquartett op. 46, mehr aber noch für die im KZ Theresienstadt entstandene Oper Der Kaiser von Atlantis, die nicht weniger als 32 Jahre auf ihre Uraufführung warten musste – obwohl doch gerade im Epilog zur Melodie des Luther-Chorals Ein feste Burg nach Erlösung gerufen wird: «Komm Tod, du unser werter Gast, / in unsers Herzens Kammer. / Nimm von uns Lebens Leid und Last, / führ uns zur Rast nach Schmerz und Jammer.»

Erstmals 1992 erschienen, wird das vielschichtige Werk nun in einer neu revidierten Ausgabe vom Schott-Verlag vorgelegt – und dass dies in der Reihe der Edition Eulenburg geschieht, darf als ein Ritterschlag im Repertoire angesehen werden. Die stilistisch flexible wie ihrer Instrumentation nach schillernde Partitur wird dabei ergänzt um einen Anhang mit alternativen Versionen, einen Kritischen Bericht und ein ausführliches Vorwort.

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Viktor Ullmann, Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung op. 49b (1943/44), Spiel in einem Akt von Peter Kien, hg. von Henning Brauel; Studienpartitur, ETP 8067, € 36.00; Klavierauszug, ED 8197, € 36.00; Eulenburg/Schott, Mainz 2015

Theater ohne Drama

Huldigende Planeten interpretiert vom Barockorchester La Cetra und dem Vokalensemble Basel.

Bild: Manuel Tellur/pixelio.de

Selbst das ehrwürdige Label Archiv Produktion ist bei der Gestaltung der CD-Covers der Mode verfallen, Bilder auszusuchen, die überhaupt keinen Bezug haben zum musikalischen Inhalt. Auf der Ersteinspielung einer Serenade des Wiener Hofkapellmeisters Antonio Caldara bewundern wir das Porträt einer maskierten jungen Dame, deren Gesicht und Décolleté mit bunten Schmetterlingen bedeckt ist. Dabei bietet das Werk vieles an, was die Fantasie der Hörer und Leser beflügeln könnte.

Caldara schrieb La concordia de’ pianeti 1723 als Glückwunsch und Huldigungsgabe für die Kaiserin Elisabeth, die damals gerade schwanger war. Die Gattungsbezeichnung ist wörtlich zu nehmen: Die Serenade wurde unter freiem Himmel – a ciel sereno – uraufgeführt. Zwar weist das Libretto die übliche Folge von Rezitativen und Da-capo-Arien auf, die Unterschiede zu einer Oper sind aber relevant. Es gibt vier Chöre, statt dem in Opern üblichen Tutti im Finale; anstelle einer fortschreitenden Handlung besingen die verschiedenen Götter des griechischen Olymp im Turnus die kaiserliche werdende Mutter. Die Arien der Götter werden ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten entsprechend vertont, Mars beispielsweise singt mit Trompetenbegleitung (Nr. 28, Da mia tromba). Ohne Spannung, ohne Story könnte das Ganze langweilig werden. Die Musik bleibt aber recht abwechslungsreich, oft mit einem tänzerischen, nie schwermütigen Charakter.

Vor allem sorgt das Barockorchester La Cetra unter Andrea Marcon für einen glanzvollen Musikgenuss. La Cetra ist ein wichtiger Bestandteil des Basler Musiklebens, besonders die jährliche Produktion am Theater Basel. Auch im Ausland werden die Musiker geschätzt; Caldaras Serenade wurde im Januar 2014 in Dortmund aufgeführt und aufgenommen. Das Orchester spielt hervorragend: energisch, präzis, klanglich eine Freude. Die Sänger vermögen insgesamt auf diesem Niveau zu bleiben. Besonders zu erwähnen sind die Leichtigkeit und der Geschmack in den Verzierungen von Carlos Mena (Mars), beispielsweise in seiner Arie Non v’è bella che non creda (Nr. 12). Die Stimme von Franco Fagioli (Apoll) ist sehr eindrucksvoll, jedoch würde eine etwas deutlichere Aussprache sicher nicht schaden (Nr. 13, So ch’io dal suolo alzai).

Das Booklet liefert alle Informationen über das Werk und den Komponisten, die man sich beim ersten Kennenlernen wünschen kann; das Libretto ist viersprachig abgedruckt. Auf den 52 Seiten haben neben den Gesichstzügen Antonio Caldaras und Andrea Marcons leider keine weiteren Bilder Platz gefunden.

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Antonio Caldara: La concordia de’ pianeti. La Cetra Barockorchester & Vokalensemble Basel; Delphine Galou, Veronica Cangemi, Ruxandra Donose, Franco Fagioli, Carlos Mena, Daniel Behle, Luca Tittoto, Solostimmen; Andrea Marcon, Leitung. 2 CDs. Deutsche Grammophon 479 3356

Hobby? Akkordeonspielen!

Eine breit angelegte und optimal aufbauende Schule für Jugendliche und Erwachsene.

Foto: Horst Benner/pixelio.de

Der Lehrgang von Sabine und Hans-Günther Kölz bezieht sich auf das Standardbass-Akkordeon mit Pianotastatur. Er ist übersichtlich gegliedert in verschiedene sogenannte Levels, die sich jeweils mit einem bestimmten Themenschwerpunkt auseinandersetzen. Was ebenfalls auffällt, sind die speziell bezeichneten Bereiche: «Beatbox» für Rhythmusschulung, «Freetime» für improvisatorische Anregungen, «Fingerfitness» für technische Übungen und «Musikwissen» für Theorie.

Der erste Band (es gibt zwei) ist mit über 100 Seiten sehr «gewichtig» geraten. Die Notensysteme sind gross, was mir bei einem Lehrwerk für dieses Kundensegment nicht zwingend nötig erscheint. Ich finde es wertvoll, dass in Level 1 etwas zur Geschichte des Akkordeons erzählt wird. Danach folgen jedoch Schlag auf Schlag Erklärungen zur Haltung des Akkordeons, zu Spielweise (Handhabung), Aufbewahrung und Pflege, Notensystem und Notenwerten, Takt, Taktangaben und Auftakt, Rhythmus, Artikulation, Dynamik … Wir haben hier also quasi ein Nachschlagewerk vor uns. Die meisten der musiktheoretischen Aspekte sind an dieser Stelle überflüssig, da sie innerhalb der nachfolgenden Übungen, Spielstücke und Lieder nochmals erklärt werden. Die Literaturpalette ist sehr vielfältig, und durch ansprechende Begleit- bzw. Partnerstimmen klingen bereits die einfachsten Stücke sehr interessant. Hinweise zu Komponisten, Musikformen, aber auch neue Thematiken werden jeweils sehr auffallend in einem farbig hinterlegten Kasten präsentiert. Die notierten Zählhinweise sowie die eingetragenen Balgzeichen finde ich überflüssig. Das Zählen gewährleistet nicht, dass der Grundschlag (Puls) bzw. Rhythmus gespürt wird. Die Wichtigkeit einer guten Balgeinteilung ist unbestritten, ebenso, dass man die dazugehörenden Zeichen kennen muss. Gerade bei Jugendlichen und Erwachsenen unterscheiden sich aber die Grössen der Akkordeons immens und der Luftverbrauch der Instrumente weicht stark ab, so dass sich eine genau eingetragene Einteilung der Balgwege im Lehrgang nicht bewährt.

Die beigefügte CD beinhaltet sämtliche Stücke und auch die entsprechenden Übungen. Für meine Ohren klingen die Aufnahmen zwar klar, aber zu monoton und synthetisch (Einbezug elektronischer Instrumente). Das Lehrwerk lässt genügend Raum für eigene Kompositionen und liefert interessante Hinweise zu Improvisationen, Übevarianten, Transpositionen usw. Der fortschreitende Aufbau bezüglich Tonumfang und rhythmischem Material ist optimal gelungen.

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Sabine und Hans-Günther Kölz, Akkordeon spielen – mein schönstes Hobby. Die moderne Akkordeonschule für Jugendliche und Erwachsene, Band 1, ED 20951, mit CD, € 22.99, Schott, Mainz 2013

Kontrapunkt-Rezepte

Ein klar aufbauendes Lehrbuch, das sich auf Quellen stützt und Lust auf eigene Versuche macht.

Foto: Michael Apmann/pixelio.de

Die Monografie Kontrapunkt I: Die Musik der Renaissance von Johannes Menke bildet den zweiten Band der vom Laaber-Verlag veranlassten Reihe Grundlagen der Musik. Menke ist Professor für historische Satzlehre an der Schola Cantorum in Basel und seine Publikation ist u. a. aus der Arbeit mit seinen Studenten hervorgegangen. Das Buch soll keine Abhandlung zur Geschichte der Satzlehre, sondern vielmehr ein Lehrbuch sein, das informieren, anregen und orientieren möchte. Der Autor erreicht sein Ziel mit einer begeisternden Art, einem äusserst systematischen und durchdachten Aufbau sowie nicht zuletzt einer einfachen und verständlichen Ausdrucksweise. Dabei verfolgt er konsequent einen historischen Ansatz, fügt gekonnt (selber übersetzte) Quellentexte ein und scheut sich beispielsweise im Einleitungsteil «Allgemeine Grundlagen» auch nicht, grafische oder tabellarische Darstellungen aus Traktaten einzufügen. So wird dem Leser die Welt der Renaissance eindrücklich vor Augen geführt und gleichzeitig werden Sachverhalte wie die Solmisation, Musica ficta oder Modalität auf verständliche Weise erklärt. Besonders die Modalität mit ihren im 16. Jahrhundert drei parallel koexistierenden Systemen (die klassischen acht Modi, die zwölf Modi Glareans sowie die acht Psalmtöne) wurde bisweilen auch schon auf verwirrende und konfuse Art erörtert.

Für Menke sind Traktate weniger Gesetz- als vielmehr Rezeptbücher, die Möglichkeiten aufzeigen und in denen sich die verschiedenen Autoren über ihre persönlichen Vorlieben äussern. Bei einer solch unverkrampften Einstellung, die nicht unverzüglich die Energie auf zu vermeidende Fehler lenkt, fällt es dem Leser leicht, bald mit den ersten eigenen Kompositionsübungen zu beginnen oder zumindest einige der vielen abgebildeten Notenbeispiele selber zu spielen. Menke beginnt rasch mit relativ einfachen vollstimmigen Beispielen (etwa mit Kadenzbildungen, sogenannten clausulae), damit gar nicht erst eine Hürde vor der Vollstimmigkeit aufgebaut wird. Obwohl Kontrapunkt I: Die Musik der Renaissance als Lehrbuch und nicht als eigentliches Arbeitsbuch angelegt ist, enthält es zahlreiche Anregungen und Orientierungshilfen, um selber kompositorisch aktiv zu werden. Insofern bietet Menkes Buch sowohl Studenten, Berufsmusikern und Musikliebhabern eine gewinnbringende Lektüre und kann auch Lehrpersonen mit wertvollem Anschauungsmaterial oder als Nachschlagewerk dienen. Einen kleinen Wermutstropfen stellen lediglich einige fehlerhafte doppelte Leerzeichen oder die wenigen sprachlichen Fehler dar, die bei einer zusätzlichen Textkorrektur ohne Weiteres gefunden worden wären.

Ganz seinem Konzept folgend, überlässt Menke auch das letzte Wort den Quellen und zitiert im Nachwort Gallus Dresslers Empfehlungen an Lernende und Lehrende aus dessen Praecepta musicae poëticae (1563).

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Johannes Menke, Kontrapunkt I: Die Musik der Renaissance, Grundlagen der Musik 2, 324 S., € 29.80, Laaber-Verlag, Laaber 2015, ISBN 978–3–89007–825–0

Fit für die Flöte

Eine gelungene Sammlung von Atem- und Körperübungen für Unterricht und eigenes Spiel.

Foto: epics – fotolia.com

Das Buch entstand, wie die Autorin am Anfang schreibt, weil sie selbst ihr Flötenspiel als zu verkrampft empfunden hatte. Daraufhin begann sie sich mit den Vorgängen im Körper während des Spielens zu befassen. Angela Buer-Meinschien, die Flöte und Klavier unterrichtet und eine Eutonieausbildung hat, beschäftigt sich dabei mit der Körperspannung beim Musizieren, die sowohl zu stark als auch zu schwach sein kann, und dem bewussten Einsatz des Zwerchfells. Im ersten Kapitel «Ankommen» werden verschiedene Übungen zur Lockerung vorgestellt wie Beinschwingen, Armschwingen und Körperabklopfen, auch wurden Übungen aus der Kinesiologie integriert, wie die Überkreuzübung. Im zweiten Kapitel widmet sich die Autorin dem Aufrichten und dem Bodenkontakt, um dem Flötenspiel eine stabile Grundlage zu geben. Dabei geht sie auch auf die Lockerung der Muskulatur von Nacken, Schultern, Gesicht und Hals ein.

Das Kapitel «Atmung» beginnt mit der Anregung der Atmung durch Schnuppern und Schnüffeln und der Druckpunktübung der bekannten Atemtherapeutin Ilse Middendorf. Es folgen Übungen zur Erweiterung der Einatmungskapazität bei der Bauch-, Rippen-Flanken- und Brustatmung und wie man diese in einem Atemgang zur Vollatmung vereinen kann; ebenso zur besseren Führung der Ausatmung. Das grundlegende Thema der Atemstütze beschreibt sie als Koppelung der Anspannung des Zwerchfells und der Vollatmung und illustriert dies mit weiteren Übungen. Am Schluss werden noch kurz die Themen «Kräftiger Ton» und «Schlanker Ton» beleuchtet. Zusammenfassend bietet die Autorin noch verschiedene Übungsprogramme für die «Müde Grundstimmung» und die «Unruhige Grundstimmung» als Vorbereitung auf das Flötespielen.

Das Buch gibt einen vielseitigen Überblick über die verschiedenen Atemübungen, mit denen das Körpergefühl beim Spielen verstärkt und Spannungen ausgeglichen werden können. Welche der 60 Übungen dem eigenen Spiel am meisten nutzen, wird jeder und jede am besten selbst erproben.

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Angela Buer-Meinschien, Mach dich fit fürs Flötespielen! 60 Körperübungen zu Atemtechnik, Haltung und Entspannung, UE 36 389, 34 S., € 9.95, Universal Edition, Wien 2015

Drescher Leiter der Schola Cantorum Basiliensis

Die Fachhochschule Nordwestschweiz hat Thomas Drescher per April 2016 zum neuen Leiter der Schola Cantorum Basiliensis gewählt. Er leitet die Schule bereits heute interimistisch.

Foto: zvg

Thomas Drescher ist promovierter Musikwissenschaftler und bereits seit 26 Jahren an der Schola Cantorum Basiliensis tätig, zuerst als Mitglied der Forschungsabteilung und seit 1998 als Stellvertretender Leiter. Ebenso war er über zwanzig Jahre als freier Musiker (Ensemblesänger/Barockvioline/Viola) in verschiedenen Ensembles und Orchestern der Alten Musik tätig.

Die 1933 gegründete Schola Cantorum Basiliensis ist ein Ausbildungs- und Forschungsinstitut für Alte Musik. Seit 2008 bildet sie zusammen mit der Hochschule für Musik die Musikhochschulen FHNW. Sie ist damit auch Teil der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).
 

Stadttheater Biel muss renoviert werden

Eine umfassende Zustandsanalyse des Bieler Stadttheaters hat laut einer Mitteilung der Stadt aufgezeigt, dass der Spielbetrieb für die Saison 2016/17 wegen mangelnder Personensicherheit möglicherweise nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

Foto: Roland Zumbuehl/wikimedia commons

Für die dringenden Unterhaltsarbeiten hat der Gemeinderat – vorbehätlich der Zustimmung durch den Stadtrat am 21. April 2016 – einen Verpflichtungskredit von 2,425 Millionen Franken genehmigt, damit wie geplant vor dem Sommer 2017 mit den notwendigen Arbeiten begonnen werden kann.

Das Stadttheater Biel wurde laut der Stadtbehörden seit dem Jahr 1979 nicht mehr umfassend renoviert. Es wurde weder gestalterisch noch technisch den heutigen Anforderungen angepasst. Aufgrund der latenten Gefährdungen und Dringlichkeit wurden im Sommer und Herbst 2014 bloss ein kleiner Teil der Sofortmassnahmen bezüglich Brandschutz und Personensicherheit zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes 2014/2015 umgesetzt.

Auch Bühnen- und Haustechnik sind stark veraltet, und mindestens ein Teil der elektrischen Installationen muss  ersetzt werden, damit der Betrieb in den nächsten Jahren noch aufrechterhalten werden kann.

Als öffentlich zugängliches Gebäude soll das Stadttheater Biel überdies den aktuellen Normen betreffend Hindernisfreiheit angepasst werden. Neben kleineren Anpassungen im Eingangsbereich und im Invaliden-WC, müssen im Zuschauerbereich zusätzliche Rollstuhlplätze geschaffen werden. Der Orchestergraben muss auch einen hindernisfreien Zugang erhalten, was mittels einer Rampe gelöst werden kann.

 

Firnis beeinflusst Klang von Geigen

Firnisse schützen Kunstwerke und Holzinstrumente vor Schäden durch Umwelteinflüsse. Wie der Firnis den Klang von Geigen beeinflusst, wurde bis vor Kurzem aber kaum erforscht. Jetzt haben Empa-Forschende diesen Zusammenhang untersucht und ihre ersten Resultate veröffentlicht.

Bild: Empa

Marjan Gilani von der Empa-Abteilung «Angewandte Holzforschung» und weitere Mitarbeitende, darunter die Geigebauerin Johanna Pflaum, untersuchten zwanzig Holzproben auf ihr Klangverhalten und bestrichen sie mit ausgewählten Firnissen. Stets fünf der zwanzig Holzzuschnitte pro Probentyp bekamen den gleichen Firnis aufgetragen und wurden elf Stunden mittels UV-Licht getrocknet und ausgehärtet.

In Längsproben erhöhten die Firnisse die Klangdämmung des Kern- und des Jungholzes und senkte deren Steifheit im Vergleich zum Rohzustand. Das kann wünschenswert sein: Je elastischer das Holz einer Geige ist, desto wärmer und weicher klingen die hohen Töne. Jedoch geht mit dieser Veränderung ein Verlust an Klarheit und Schärfe der Geigenklänge einher. Anders verhielt es sich bei Querproben. Für diese stiegen sowohl die Klangdämmung als auch die Steifheit. Ebenso erhöhten sich die Werte für die Klangausbreitung.

Allgemein kristallisierte sich ein Zusammenhang zwischen der Firniskomposition, der Mikrostruktur der Holz-Firnis-Verbunde, deren mechanischen Eigenschaften und ihres Klangverhaltens heraus. Diese Befunde wollen Gilani und ihre Forschungsgruppe in weiteren Studien verfeinern. Dazu wird ab April 2016 ein weiterer Wissenschaftler zum Forschungsteam stossen.

Zu Vergleichswecken analysierte die Empa-Gruppe auch zwei antike Violinen (aus Cremona und Sachsen) im Zentrum für Röntgenanalytik. Die Geige aus Sachsen zeigte feinste Risse im Firnis sowie Einschläge auf der Oberfläche und litt an Holzwurmbefall. Im Vergleich zu dieser Geige wies die Violine aus Cremona eine höhere Dichte des Holz-Firnis-Verbundes auf. Mit der Dichte steigen auch die Steifheit und die Werte der Klangausbreitung – die Cremoner Geige wird daher klarere Töne hervorgebracht haben als die Geige aus Sachsen.

Mehr Infos: www.empa.ch/web/s604/varnish-and-violins

Erste «Basel Composition Competition»

In Zusammenarbeit mit der Paul Sacher Stiftung wird 2017 erstmals die «Basel Composition Competition» durchgeführt. Der internationale Kompositionswettbewerb steht unter der Leitung des Jurypräsidenten Wolfgang Rihm.

Wolfgang Rihm. Foto: ©Universal Edition/Eric Marinitsch

Die erste «Basel Composition Competition» findet vom 16. bis 19. Februar 2017 statt. In einem Auswahlverfahren werden zehn Kompositionen nominiert, die im Rahmen eines öffentlichen Wettbewerbs vom Sinfonieorchester Basel und vom Kammerorchester Basel aufgeführt werden. Die drei besten Kompositionen werden ausgezeichnet und erhalten Preisgelder über insgesamt 100’000 Franken.

Der Wettbewerb richtet sich an Komponistinnen und Komponisten jeden Alters aus der ganzen Welt, die neue Werke komponieren und nach Basel zur Uraufführung bringen. Im Rahmen von drei Wettbewerbskonzerten und einem Abschlusskonzert, die zwischen dem 16. und 19. Februar 2017 stattfinden, werden drei Werke ausgezeichnet.

Mehr Infos: www.baselcompetition.com

 

St. Gallen will Klanghaus-Entscheid prüfen

Am 1. März 2016 ist der Bau des Klanghauses Toggenburg in der Schlussabstimmung des St.Galler Kantonsparlamentes gescheitert. Die Regierung will das Projekt weiterverfolgen und die Gründe für das Scheitern der Vorlage prüfen.

Aussensimulation des geplanten Klanghauses. Bild: nightnurse images, Zürich

Mit 56 Ja-Stimmen und 43 Nein-Stimmen hat das Klanghaus Toggenburg in der Schlussabstimmung das qualifizierte Mehr von 61 Stimmen nicht erreicht. Damit kann das Projekt dem St.Galler Stimmvolk vorerst nicht zur Abstimmung vorgelegt werden. Die Regierung bedauert laut der Medienmitteilung des Kantons den Entscheid. Sie «sieht darin eine verpasste Chance für das Toggenburg und den ganzen Kanton St.Gallen». 

In einem ersten Schritt sollen nun die Gründe für das Scheitern der Bauvorlage in der Schlussabstimmung erfasst und gewichtet werden. Das Baudepartement und das Departement des Innern werden zusammen mit der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann, der Klangwelt Toggenburg und weiteren Interessierten die Kritikpunkte analysieren. Die Regierung möchte bis nach den Sommerferien die jetzt entstandene Ausgangslage neu beurteilen, allfällige Abklärungen vornehmen und dann entscheiden, ob und in welcher Form das Projekt wieder aufgenommen werden kann.
 

Jean-Pierre Pralong Direktor von Kultur Wallis

Die Generalversammlung von Kultur Wallis hat den Sittener Umweltwissenschaftler und Projektmanager Jean-Pierre Pralong per April dieses Jahres zum neuen Direktor gewählt.

Foto:© Niels Ackermann

Kultur Wallis fördert das Walliser Kulturschaffen innerhalb und ausserhalb des Kantons und setzt sich für die Anerkennung der künstlerischen Tätigkeit ein. Dem Verein sind von der Vereinigung der Walliser Städte und der Dienststelle für Kultur Kulturaufgaben des Kantons übertragen worden, unter anderem die  Promotion, die Information und  die Förderung künstlerischer Produktionen.

Der 39-Jährige Pralong stammt aus Sitten und hat nebst einem Phil. I-Abschluss und einem Doktortitel für Geo- und Umweltwissenschaften auch ein Diplom in Projektmanagement. Seine berufliche Erfahrung sammelte er sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor.

 

Kammerer Orköster in Burghausen ausgezeichnet

Das bläserlastige Kammerer Orköster um den Trompeter Richard Köster, einem Studenten der Hochschule der Künste Bern (HKB), hat beim Nachwuchswettbewerb der 47. Internationalen Jazzwochen Burghausen den ersten Preis geholt.

Richard Köster vor dem Burghauser Mautnerschloss und Jazzkeller. Foto: IG Jazz e.V. Burghausen

Richard Köster stammt aus dem oberbayerischen Burghausen und ist Jazz-Student an der HKB. Die Band setzt sich zusammen aus Richard Köster (tp, flh), Benjamin Daxbacher (as), Alois Eberl (tb), Christian Zöchbauer (tb), Beate Wiesinger (b) und Jakob Kammerer (dm). Die beiden Bandleader Köster und Kammerer gaben der Band ihren Namen. Kennengelernt haben sich die sechs jungen Musiker beim Musikstudium in Wien.

Die Interessengemeinschaft Jazz Burghausen e.V. schreibt den Europäischen Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis in Zusammenarbeit mit der Stadt Burghausen jährlich aus. Der Preis dient der aktiven Nachwuchsförderung im Jazz. Zugelassen sind alle Stile des Jazz. Die Teilnahme ist auf das Höchstalter von 30 Jahren beschränkt.

 

Filmmusikpreis der Suisa-Stiftung

Mit dem Filmmusikpreis der Fondation Suisa wird die Wichtigkeit der musikalischen Arbeiten im Film hervorgehoben. Kandidaturen für den diesjährigen Preis in der Kategorie Spielfilm können bis am 13. Mai 2016 eingereicht werden.

Bild aus «Darkstar» von Belinda Sallin mit der 2015 prämierten Filmmusik von Peter Scherer

2016 wird der mit 25’000 Franken dotierte Preis in der Kategorie Spielfilm vergeben. Zugelassen sind Originalkompositionen zu Spielfilmen ab einer Gesamtdauer von 60 Minuten, veröffentlicht entweder 2015 oder 2016. Kandidaturen können bis am Freitag, 13. Mai 2016, eingereicht werden.

Die Musikförderstiftung der Suisa vergibt den Preis seit mehr als 15 Jahren und unterstreicht damit die Wichtigkeit von musikalischen Arbeiten in der siebten Kunst. Auf der Liste der bisherigen Preisträger finden sich die Namen von renommierten Schweizer Filmmusikkomponisten wie Alex Kirschner (Preisträger im Jahr 2000), Balz Bachmann (2003 und 2006), Niki Reiser (2001 und 2011), die Geschwister Baldenweg (2010) und Marcel Vaid (2009). Die letztjährige Auszeichnung, erstmals vergeben in der Kategorie Dokumentarfilm, wurde an Peter Scherer verliehen, der den Preis nach 2007 zum zweiten Mal erhielt.

Mehr Informationen zur Ausschreibung und das Reglement des Filmmusikpreises der Fondation Suisa gibt es unter: www.fondation-suisa.ch/filmmusikpreis
 

Markus Flury überraschend gestorben

Wie der Schweizer Musikrat mitteilt, erlag Markus Flury am 7. März überraschend schnell seinem langjährigen Leiden.

zVg/SMR

Gemäss der offiziellen Mitteilung von Irène Philipp Ziebold und Stefano Kunz, Vizepräsidentin und Geschäftsführer des Schweizer Musikrats (SMR), verliere der SMR durch den Tod Markus Flurys «eine Persönlichkeit, die sich seit vielen Jahren zuerst als Vorstandsmitglied und seit 2011 als Präsident mit grossem Engagement für die Anliegen der Musik in der Schweiz eingesetzt hat. Entsprechend wird er dem Musikrat und der musikalischen Schweiz fehlen.»

Eine Würdigung seines Wirkens erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Die offizielle Trauerfeier findet am Dienstag, 15. März 2016, um 14 Uhr in der Röm.-Kath. Kirche Hägendorf statt. Der Schweizer Musikrat lädt die musikalische Schweiz ein, Markus Flury bei dieser Gelegenheit nochmals die Ehre zu erweisen. Die Urnenbeisetzung erfolgt im engsten Familienkreis.

Schumanns erstes Klaviertrio in Dresden

Die Sächsische Landesbibliothek in Dresden hat bei einem amerikanischen Antiquariat die bisher in Privatbesitz befindlichen Skizzen zu Robert Schumanns erstem Klaviertrio op. 63 erworben und macht sie öffentlich zugänglich. Das Trio gilt als Schlüsselwerk seiner Gattung.

Bild: Sächsische Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

Die Skizzen verblieben bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Besitz von Schumanns ältester Tochter Marie. 1911 wurden sie bei C. G. Boerner in Leipzig zum Verkauf angeboten und gelangten in die Schumann-Sammlung des Zwickauer Oberbergrats und Schumann-Liebhabers Alfred Wiede. Von dort wurden sie zwar zumindest anlässlich des Schumannfestes 1922, bei dem das Werk auch gespielt wurde, noch einmal ausgestellt. Danach aber verschwanden sie im privaten Tresor.

Nun kehren Schumanns Skizzen an ihren Ursprungsort zurück und werden allen Interessierten zugänglich gemacht. An der SLUB Dresden ergänzen sie einen zwar kleinen, aber für Schumanns Dresdner Zeit typischen Bestand an Autographen und Handschriften.
 

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