Das «Schlagzeug» immer dabei

Zwei neue Bücher leiten an zur Bodypercussion. Das erste ebnet den Einstieg eher für (nicht zu kleine!) Kinder, das zweite für Jugendliche und Erwachsene.

Foto: Kzenon / fotolia.com

Schnipsen, patschen, schlagen, stampfen, Hände reiben, klatschen. Auf und mit dem eigenen Körper. Das nennt sich Bodypercussion und ist in den letzten Jahren en vogue in der Schulmusik – gleich auf welcher Stufe, ob im Kindergarten oder in der Primar- und Sekundarschule. Es ist insofern eine einfache Sache, weil ohne Voraussetzungen zu erlernen und im Resultat motivierend für die Schülerinnen und Schüler. «Einfach» auch in dem Sinne, dass das Instrument, der Körper, immer mit dabei ist. Die Bodypercussion-Patterns hingegen können schon komplex sein. Mehrstimmige Arrangements mit vertrackten Bewegungsabläufen, das müssen zuerst auch die Lehrpersonen üben, bevor sie eine Gruppe zum Grooven bringen. Andererseits: Rhythmusunterricht kann auf einfachem Niveau beginnen und doch schnell zu Erfolgserlebnissen führen. Und es entspricht dem kindlichen und jugendlichen Bewegungsbedürfnis.

Am Anfang von BodyGroove stehen Warm-ups, einfach und schwungvoll. Up and down and left and right – let’s clap the same speed. Grundlegend ist und bleibt der Puls. Erst wenn der von alleine läuft, kommen Rhythmen dazu, bis der ganze Körper zum Schlagzeug wird. Als nächster Schritt folgen Melodien und Texte, die ihrerseits die Rhythmen stützen und illustrieren. Hier zeigt sich die Nähe der Bodypercussion zum Rap und zum Beatboxen. Die Texte der Arrangements dürften etwas anspruchsvoller, interessanter sein: «Das ist mein Stuhl, ja das ist mein Stuhl» – das wirkt etwas bieder, etwas aufgeräumt.

Vormachen – Nachmachen, das ist hier die natürlichste Lehrmethode. Aber nicht nur. Die «Tipps zu Erarbeitung» bringen Hinweise, wie dieses Muster variiert und erweitert werden könnte. Zum Beispiel kann auch mal ein Schüler Spielleiter sein. Oder die Schülerinnen und Schüler erfinden eigene Bodypercussion-Patterns. Die Aufführungsstücke, die wie die Kreisspiele, Kanons und Rhythmicals auf der DVD vorgestellt werden, zeigen, wie mans machen könnte. Dabei wird eine grosse Klangvielfalt sichtbar, die nur schon durch die verschiedenen Klatschtechniken entstehen. Let us play the Groove!

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Von «einfach» über «mittel» bis «anspruchsvoll»: Das Buch von Maurizio Trové ist didaktisch geradlinig aufgebaut. Im ersten Teil werden die binären und ternären Rhythmen eingeführt sowie rhythmische Grundmuster und Klatschkombinationen vorgestellt. Grundpuls in den Füssen, Rhythmen in den Händen, Akzentuierungen, Klangerweiterungen durch verschiedene Schlagtechniken, Taktverschiebungen, Kombinationen aus 8er-, 6er- und 4er-Rhythmen, Polyrhythmik. Die Übungen werden laufend komplexer und anspruchsvoller. Gehirnhälften trainieren! Kopf, Hände und Füsse sind gleichermassen gefordert. Üben ist also angesagt – aber nicht nur: Die «Gruppenspiele» sorgen für Auflockerung und öffnen den Raum fürs Improvisieren und Interagieren. Das macht Spass, relax! Doch jetzt fängts erst richtig an. Die Klatschrhythmen werden auf dem Körper verteilt, es ertönen Brust-, Oberschenkel- und Wangenschläge, und durch die Vielfalt der Geräusche entsteht ein lebendiger Rhythmus, der zum Tanzen auffordert. Die Videoclips zeigen dies anschaulich und prägnant. Allerdings könnten sie etwas länger sein, damit der Leser die Möglichkeit erhielte, die Rhythmen zusammen mit den Clips zu üben. Eine Loopfunktion, die die Patterns endlos wiederholt, wäre hilfreich. Ebenso fehlt das Einzählen, damit man richtig startet.

Die Latin Grooves und die Pop/Rock Grooves im dritten Teil sind so arrangiert, dass sie gut zum Klassenmusizieren passen oder Chorstücke rhythmisch-perkussiv begleiten können. Hier und in den Arrangements des zweiten Teils zeigt sich, was Bodypercussion vermag: Mit Schwung und Fantasie die Klänge des eigenen Körpers entdecken. Dazu liefert das Buch vielerlei Anregungen.

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Richard Filz und Ulrich Moritz, BodyGroove, Bodypercussion für Kinder und Jugendliche von 9-13 Jahren, HI-S6903, mit DVD (Video und Audio), Fr. 38.90, Helbling, Bern u.a. 2013, ISBN 978-3-86227-102-3

Maurizio Trové, Bodypercussion – Mein Instrument, 111 S., mit DVD, € 28.50, Academia-Verlag, St. Augustin 2014, ISBN 978-3-89665-627-8

Merkwürdiger Eigensinn

Drei Streichquartette, komponiert im Verlauf von 20 Jahren, geben Einblick in die Kammermusik Hermann Suters.

Hermann Suter porträtiert von Heinrich Altherr, 1922. Quelle: Kunstmuseum Basel / wikimedia commons

So etwas wie ein alter Bekannter ist Hermann Suter nicht. In der Schweiz war er tätig, leitete als Dirigent sowohl den Basler Gesangsverein, die Basler Liedertafel und die symphonischen Konzertreihen der Allgemeinen Musikgesellschaft. Neben seinen vielen Dirigaten, zu denen von 1918–1921 noch die Leitung der Basler Musikschule und des Basler Konservatoriums kam, ergab sich nur ein schmales kompositorisches Œuvre. Wenn jemand Suter kennt, so geht es wohl zurück auf die Begegnung mit dem Oratorium Le laudi di S Francesco d’Assisi (1925) und das dem Geiger Adolf Busch gewidmete Violinkonzert op. 23 (1924).

Die in der Reihe Musiques Suisses erschienenen drei Streichquartette erlauben nun einen schönen Einblick in die Kammermusik, zugleich auf den kompositorischen Werdegang. 1901 entstand das erste Quartett in D-Dur, 1910 schrieb Suter sein zweites in cis-Moll, 1918 folgte das letzte, sogenannte «Amselrufe»-Quartett op. 20 in G-Dur. Progressiv sind alle drei nicht. Bezugspunkte sind in erster Linie Johannes Brahms, auf einer zweiten Ebene Richard Wagner nebst Max Reger und auf einer dritten ist der Einfluss des von Suter stets bewunderten Beethoven spürbar. Zutiefst rätselhaft wie Beethovens Spätwerk sind die Quartette nicht. Überraschungen aber bergen sie durchaus. Schon im ersten gibt es – besonders deutlich zu Beginn des zweiten Satzes «Moderato, con svogliatezza» – ungewöhnliche Wendungen, die durch die deutschen Bezugspunkte nicht erklärbar sind.

Zumindest eine gewisse Eigenständigkeit ist also spürbar. Im dritten Streichquartett geht sie über in etwas befremdenden Eigensinn. Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs zieht sich Suter, wie der Bookletautor Georg-Albrecht Eckle zu Recht formuliert, «fast kindlich in das Idyll zurück, das er in einem heiter melancholischen, äusserst abgehobenen dreisätzigen Quartett aufleben lässt».

Zu solch historischen «Querständen» gesellen sich manche Schräglagen intonatorischer Natur. Da es sich beim BeethovenQuartett um gestandene Profis handelt, dürften die mikrotonalen Bereicherungen auf Zeitnot bei der Einspielung zurückzuführen sein. Trotz mancher Vorbehalte: Die CD bleibt eine beredte Fundgrube für eine Schweizer Musikgeschichte, die noch zu schreiben ist.

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Hermann Suter: Sämtliche Streichquartette. BeethovenQuartett: Mátyás Bartha, Laurentius Bonitz, Violine; Vahagn Aristakesyan, Viola; Carlos Conrad, Violoncello. Musiques Suisses MGB CD 6279

Neue Wege, neue Töne

Der Berner Musiker Tobias Jundt hat von Berlin aus den internationalen Durchbruch geschafft. Auf dem vierten Album seines Projekts Bonaparte zeigt er sich vielseitiger.

Tobias Jundt. Foto: Melissa Jundt

In der Schweiz schrieb Tobias Jundt einst mit Erfolg Songs für sich und andere Popsänger, aber auch Musik für Jazzbands, Streichquartett und Orchester. 2008 zog er trotzdem nach Berlin, weil man in der Schweiz eigentlich nur mit Mainstream-Popmusik oder in stark subventionierten Genres wie Jazz oder Klassik überleben könne. Er aber wollte in einem Nischenbereich Songs schreiben, die nicht von Mainstream-Radios gespielt werden und deshalb nach einem «viel grösseren Spielfeld» verlangen. Dies ist ihm von Berlin aus geglückt: Er tritt mit seiner Band Bonaparte selbst in fernen Ländern wie China auf, sein neues Album wird sogar in den USA veröffentlicht.

Das vierte Bonaparte-Album ist nicht zufällig selbstbetitelt, denn Tobias Jundt sucht darauf nach neuen künstlerischen Wegen und einem eigenständigeren Ausdruck. Er ist sich offensichtlich bewusst geworden, dass der hektisch-grelle Party-Sound der letzten Alben zwar zu seinen wilden Shows passt, sich sonst aber schnell abnützt. Auf Bonaparte klingt sein Elektro-Pop noch immer meist kantig, rau und aufgeregt. Doch finden sich darauf auch ruhigere und vielschichtigere Songs, denen man auch zuhause gerne zuhört.

Dies hat viel mit den Texten zu tun. Jundt albert seltener wortspielerisch herum, sondern sinniert öfter wie in Me So Selfie, das den Selbstdarstellungszwang thematisiert. Herausragend ist der nachdenkliche Song Into The Wild, zu dem man auf der Bonaparte-Website einen eindrücklichen Videoclip findet. Zu acht der neuen Songs soll es gemäss Jundt einen solchen Videoclip geben, womit er seinem Bestreben nach einer Art Gesamtkunstwerk schon recht nahe kommt. Die künstlerische Umorientierung zeigt sich auch live. An einem Konzert in Zürich setzte Bonaparte in verkleinerter Besetzung weniger auf Show und mehr auf die Musik, was beim Publikum trotzdem durchwegs gut ankam.

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Bonaparte: ‚Bonaparte‘, Warner Music. www.bonaparte.cc

Matthew Gee mit Tschumi-Preis ausgezeichnet

Matthew Gee, Studierender der Klasse Ian Bous­fields und derzeitiger Soloposaunist des Royal Philharmonic Orchestra London, ist im Rahmen der Solisten­prüfung der Berner Hochschule der Künste (HKB) mit dem Eduard-Tschumi-Preis 2014 ausgezeichnet worden.

Foto: Bethany Clarke

Matthew Gee habe die Jury besonders mit «Solo für Posaune und Orchester» von Luciano Berio (2000) überzeugen können, schreibt die HKB. Ihr Masterstudium in Specialized Music Performance ebenfalls erfolgreich abgeschlossen haben Matthjis Broersma, Monika Cekala, Miriam Prandi (Cello) und der Pianist Arturs Cinguievs.

Der Tschumi-Preis, der jährlich für die beste Solisten­prüfung an der Hochschule der Künste Bern ver­geben wird, ist mit einer Preissumme von 12’000 Franken bemessen.

Bereits im vergangenen März hatte das hauseigene Hochschulorchester die Master Specialized Performance-Studierenden Monika Gajdos (Flöte), Esra Kerber (Bratsche) und den Tschumipreisgewinner Matthew Gee, Posaune begleitet.

Sommersaison bei Youth Classics

Der 2011 gegründete Verein zur Förderung junger Künstler führt vom 12. bis 23. Juli Masterclasses auf der Musikinsel Rheinau durch. Öffentliche Konzerte finden in Schaffhausen und Zürich statt.

Philip A. Draganov unterrichtet an den Masterclasses 2013. Foto: Youth Classics,SMPV

Rund 60 hochbegabte Musik-Nachwuchskünstlerinnen und -künstler aus Amerika, Deutschland, Georgien, Israel, Rumänien, Russland, Taiwan, der Urkaine und der Schweiz treffen sich dieses Jahr zu den Masterclasses auf der Musikinsel Rheinau. Neben individuellem Unterricht finden Workshops statt. Das Dozententeam unter der Leitung des Youth Classics Gründers Philip A. Draganov setzt sich zusammen aus Jens-Peter Maintz, Igor Ozim, Nora Chastain, Jose G. Flores, Louise Hopkins, Tamara Kordzadze, Tim Kliphuis und Volker Jacobsen.

Konzertreihe
Bestandteil der Masterclasses sind öffentliche Konzerte, die die jungen Talente auf Prüfungen und Wettbewerbe vorbereiten. Das diesjährige Gala-Konzert in der Tonhalle Zürich findet am 22. Juli statt. Am 20. Juli wird eine Sonntags-Matinée mit Brunch direkt auf der Musikinsel Rheinau abgehalten und am 18. und 19. Juli werden in der Rathauslaube in Schaffhausen zwei weitere Konzerte gegeben.

Biel erhält eine neue Theater- und Konzertbühne

Der Gemeinderat der Stadt Biel hat für die Renovation des Theater Palace einen Projektierungskredit bewilligt. Der Saal in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs soll an die Nutzung für Theater-, Opern-, Tanz- und Musikaufführungen angepasst werden.

Foto: Guenter Hamich / pixelio.de

Der Gemeinderat hat nach langer Abklärung im vergangenen Jahr beschlossen, den Kinobetrieb auf Sommer 2014 im Palace einzustellen, und er hat anschliessend die Nutzer zur Renovation konsultiert. Insbesondere sollen die Sicht und die Akustik im Saal verbessert sowie die Technik erneuert werden.

Die Kosten für die Renovation werden auf rund 5 Millionen Franken geschätzt, wobei rund die Hälfte durch Beiträge vom Lotteriefond und von Dritten gedeckt werden soll. Die Renovation ist für 2016 vorgesehen.

Die Stiftung Spectacles français, die bereits die Gastspielsaison im Palace organisiert, soll den Betrieb und die Vermietung des Palace übernehmen. Das Palace soll zu attraktiven Bedingungen an Veranstalter und Private vermietet werden. Der Palace-Saal ist mit seinen 580 Plätzen in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Biel und mitten auf der Sprachgrenze gelegen von grosser Bedeutung für die Region. Er ergänzt das Stadttheater und komplettiert die städtischen Infrastrukturen für die Bühnenkünste.

 

Best of Demotape Clinic 2014

m4music, das Popmusikfestival des Migros-Kulturprozent, hat die Compilation «The Best of Demotape Clinic 2014» mit den verheissungsvollsten 13 Titeln des diesjährigen Newcomer-Wettbewerbs veröffentlicht.

Foto: Alessandro Della Bella / Ennio Leanza,SMPV

Die Demotape Clinic ist der grösste Wettbewerb für Schweizer Nachwuchsmusiker. Für die 16. Ausgabe haben Newcomer aus der ganzen Schweiz 825 Songs aus den Kategorien Pop, Rock Urban and Electronic eingereicht. Eine Jury hörte sich sämtliche Songs an und präsenterte die besten am 28. und 29. März am Festival m4music. Branchenprofis kommentierten die Tracks öffentlich vor dem Festivalpublikum und gaben den Bands Tipps.

Die spannendsten Demos, darunter auch die Gewinner der Fondation-Suisa-Awards, sind zum neunten Mal auf einer CD-Compilation vereint. Mit Somnambulant Cannibal hat die Deathcore-Band Conjonctive aus Nyon den Hauptpreis «Demo of the Year 2014» gewonnen.

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Die CD The Best of Demotape Clinic 2014 bietet einen einzigartigen Einblick in das Schaffen des Schweizer Popmusiknachwuchses. Die CD wird an die Entscheidungsträger der Schweizer Musikszene  verteilt. Unter www.demotapeclinic.ch kann die Compilation als Stream angehört und, solange Vorrat. kostenlos als CD bestellt werden.

Vierjahres-Planung zur Berner Kulturförderung

Für die Subventionsperiode 2016 bis 2019 hat der Gemeinderat der Stadt Bern (die Exekutive) ein Planungspapier verabschiedet, das nun in die Vernehmlassung geht. Die Planung zeigt auf, welche Schwerpunkte gesetzt werden.

Die Dampfzentrale, eine ausschliesslich von der Stadt subventionierte Institution. Foto: Raphael Frey

Für die gemeinsam mit Kanton und Regionsgemeinden finanzierten Institutionen im Bereich der Präsidialdirektion soll die Stadt ab 2016 20,83 Millionen Franken pro Jahr ausgeben; der grösste Teil davon geht an Konzert Theater Bern. Dieser Betrag umfasst eine Erhöhung von insgesamt rund 500‘000 Franken, verteilt auf die acht Institutionen.

Für die neu elf ausschliesslich von der Stadt subventionierten Institutionen sollen künftig 6,27 Millionen Franken ausgegeben werden; darin enthalten sind 316‘000 Franken Subventionserhöhungen brutto.

Schliesslich sollen die Kredite für die direkte Förderung (Projektbeiträge, Kulturaustausch, Investitionsbeiträge und anderes) deutlich erhöht werden, nämlich um rund 670‘000 Franken. Damit wird nicht zuletzt einer langjährigen Forderung aus dem Stadtrat nachgekommen, den Anteil der direkten Förderung am Gesamtvolumen zu steigern.

Insgesamt machen die vorgesehenen Erhöhungen 4,7 Prozent aus; die Beiträge der Mehrjahresverträge bleiben über die gesamte Laufzeit konstant.

Die Vernehmlassung über die Vierjahresplanung dauert bis Ende August 2014. Bereits im Dezember 2014 sollen die neuen Leistungsverträge dem Gemeinderat vorliegen. Die entsprechenden Kreditbeschlüsse des Stadtrats sind für März 2015 geplant, die Volksabstimmung am 14. Juni 2015.

Mehr Infos: Vernehmlassungsvorlage
 

Sorge um Konsequenzen des Freihandels mit USA

Die deutsche Kulturpolitische Gesellschaft verfolgt die Verhandlungen zum geplanten transatlantischen Freihandels- und Investitionsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den USA mit grosser Aufmerksamkeit und Besorgnis. Das TTIP könne erhebliche negative Folgen für die Kulturentwicklung in Deutschland und Europa haben, schreibt sie.

Bild: leszekglasner – Fotolia.com

Die Gesellschaft verlangt, dass die Bereiche Kultur und Audiovisuelles von den Verhandlungen ausgenommen werden. Kultur sei in Europa auch ein öffentliches Gut, dessen Schutzauftrag in Deutschland durch das Grundgesetz, die Landesverfassungen, die europäischen Verträge und nicht zuletzt eine UNESCO-Konvention verpflichtend ausgestaltet sei.

Die Kulturpolitische Gesellschaft spricht sich überdies gegen die Einführung eines Investor-Staat-Klageverfahrens einschliesslich der Möglichkeit zur Anrufung privater Schiedsgerichte aus. Sowohl die EU als auch die USA verfügten über Justizsysteme, die zu den am höchsten entwickelten der Welt gehörten.

Die grundlegende Bedeutung und Dimension der im Freihandelsabkommen behandelten gesellschaftlichen Bereiche erfordern nach Überzeugung der Kulturpolitischen Gesellschaft höchste Transparenz unter substantieller Einbeziehung der nationalen Politik und Zivilgesellschaft. Dazu gehöre, dass die Verhandlungsführung und die Abstimmung darüber nicht nur in den Händen der EU liege. Auch die nationalen Parlamente sollen mitentscheiden dürfen.

Swissperform steigert Einnahmen erneut

An ihrer 21. Dele­gier­ten­ver­sammlung in Biel hat Swissperform die Jahresrechnung 2013 genehmigt. Die Brutto-Tarifeinnahmen sind auf 47,6 Millionen Franken gesteigen. Dies sind 8,35 Prozent mehr als das letztjährige Rekord­ergebnis.

Sitz der Swissperform in Zürich. Foto: Swissperform, wikimedia commons

Die Brutto-Tarifeinnahmen beliefen sich 2013 auf 47‘557‘035 Franken (+8,35%). Die Organisation zählt 12‘585 Mitglieder und Auftraggeber (+ 11.32%) und förderte im Berichtsjahr kulturelle und soziale Projekten im Umfang von 4‘388‘982 Franken. Der Verwaltungsaufwand betrug 8,40 % (2012: 8.28 %). Die Organisation zählte durchschnittlich 18,83 Mitarbeiter (Vorjahr 18.58) auf 15,43 Vollzeitstellen (Vorjahr 15,55).

Ausgewertet wurden 2‘749‘329 Sendeereignisse (Vorjahr 2‘712‘972) mit 166‘471 Aufnahmen im Phonobereich (Vorjahr 168‘780) und 53‘824 ausgewertete Sendeereignisse (Vorjahr 73‘921) mit 4688 Werken im Audiovisionsbereich (Vorjahr 4‘730).

An der Delegiertenversammlung fanden zudem Ersatzwahlen für diverse Gremien statt. Gewählt worden sind Jörg Glauner (Warner Music) in die Fachgruppe Produzierende Phono, Rolf Simmen als Vertreter der Ausübenden in das Kuratorium sowie Peter Frei (bisher), Marco Zanotta (bisher) und Maurizio Dottore (neu) als Stiftungsräte der Stiftung Phonoproduzierende.

Swissperform ist die unter staatlicher Aufsicht stehende Verwertungs­gesellschaft für die Leistungsschutzrechte (auch verwandte Schutzrechte genannt) in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Die Gesellschaft macht gegenüber den Nutzern diejenigen Ansprüche der Inhaber von Leistungsschutzrechten geltend, die durch Zweitnutzungen ihrer Leistungen entstehen. Ihre nächste Delegiertenversammlung wird am 16. Juni 2015 in Zürich stattfinden.
 

Management-Buyout beim Musikhaus Krompholz

Alexander Steinegger, der Geschäftsführer des Berner Musikhauses Krompholz, übernimmt per 1. Oktober 2014 im Rahmen eines Management-Buy-outs die Geschäftstätigkeit und das Personal des Unternehmens. Das Lokal in der Altstadt wird aufgegeben.

Spitalgasse, die bisherige Adresse des Musikhauses Krompholz. Foto: Roland Zumbühl, picswiss

Steineggerr beabsichtigt laut der offiziellen Medienmitteilung, das traditionsreiche Unternehmen unter dem neuen Namen Krompholz Musik AG weiterzuführen. Am neuen Standort an der Effingerstrasse 53 in Bern werden ab 1. Oktober 2014 akustische und elektronische Tasten- und Saiteninstrumente sowie Noten angeboten.

Die Mitarbeiter der Krompholz-Klavierwerkstatt kümmern sich auch künftig um den Service und die Reparatur der Instrumente. Verzichtet wird künftig allerdings auf den Verkauf von Streichinstrumenten.

Der Verkauf der Aktivitäten des Musikhauses Krompholz führt zu einer Sonderabschreibung auf dem Warenlager in der Höhe von rund einer Million Franken. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Suisa macht im Online-Bereich mehr Umsatz

An ihrer diesjährigen Generalversammlung hat die Suisa eine Steigerung der Einnahmen aus Urheberrechten von 131,7 Millionen Franken auf 135,7 Millionen Franken bekanntgegeben. Neu in den Vorstand gewählt worden ist Christian Fighera, Kodirektor des Lausanner Musikunternehmens Two Gentlemen.

Foto: Comugnero Silvana – Fotolia.com

Laut der Suisa, der Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik, sind 2013 die Einnahmen aus der Verwertung von Urheberrechten im In- und Ausland um 3 Prozent auf 135,7 Millionen Franken (Vorjahr 131,7 Millionen Franken) gestiegen. Der Gesamtumsatz inklusive Nebeneinnahmen hat 2013 insgesamt 144,9 Millionen Franken betragen, das entspricht einer Steigerung um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (141 Millionen Franken).  Bei einem Verwaltungsaufwand von 26,9 Millionen Franken betrug der durchschnittliche Kostenabzug 12,47 Prozent.

Das Online-Wachstum zeige, dass die Suisa für die Urheber und Verleger von Musik auch im diesem Markt eine zunehmend wichtige Rolle spiele, schreibt die Genossenschaft. Zu den bereits bestehenden Verträgen mit marktführenden Anbietern wie Spotify, iTunes oder YouTube werden dieses Jahr noch weitere hinzukommen. Die Suisa hat letztes Jahr erstmals mit Online-Anbietern internationale Lizenzen vereinbart.
Die Internet-Musikservices erhalten damit direkt eine Lizenz auch für Nutzungen ausserhalb der Schweiz.

Die Einnahmen aus dem Online-Geschäft können den fortschreitenden Rückgang bei der Tonträgerherstellung allerdings nicht kompensieren. Die Einnahmen aus den Leerträgervergütungen hinken laut Suisa der Marktentwicklung hinterher.  Diese Einnahmen waren zwar erstmals seit vielen Jahren nicht mehr rückläufig (4,1
Millionen Franken). Für das private Kopieren konnten aufgrund eines ausstehenden Entscheids vom Bundesverwaltungsgericht nach wie vor noch keine Entschädigungen für Smartphones in Rechnung gestellt werden.

Aus dem Konzert-Bereich (Aufführungsrechte) hat die Suisa im vergangen Jahr erheblich höhere Einnahmen verzeichnen können. 2013 wuchs dieser Bereich um 11 Prozent auf 47,2 Millionen Franken (Vorjahr 42,5 Millionen Franken). Den grössten Teil des Umsatzes machten allerdings auch 2013 wieder die Senderechte mit Einnahmen in der Höhe von 60,8 Millionen Franken aus.

Anstelle von Jean-Michel Valet, der nach sieben Jahren aus dem Vorstand zurücktritt, wählte die Generalversammlung Christian Fighera, Kodirektor des Lausanner Unternehmens Two Gentlemen, in den Vorstand.

Anerkennung für Aargauer Schulmusikprojekte

Der Aargauer Wettbewerb Funkenflug lädt Schulen ein, eigene kulturelle Projekte umzusetzen. Dieses Jahr sind in diesem Rahmen mehrere Schulmusikprojekte ausgezeichnet worden, unter anderem ein rhythmisches, musikalisches Theater der Heilpädagogischen Schule und eine Mozart-Oper-Inszenierung einer Kantonsschule.

Stomp is back. Foto: zvg,SMPV

Ausgezeichnet worden sind Stomp is back, ein rhythmisches, musikalisches Theater der Heilpädagogischen Schule, Stiftung Schürmatt, Zetzwil, Das Geheimnis der sieben Perlen, ein Musikprojekt der Primarschule Dolenzelg Windisch, ein Weihnachtsmusical der Oberstufe Merenschwand sowie eine Bastien-und-Bastienne-Produktion der Alten Kantonsschule Aarau. Daneben gab es einen Preis für Animationsfilme der Primarschule Untersiggenthal.

Im Rahmen von Funkenflug werden jedes Jahr «herausragende Kunst- und Kulturprojekte ausgezeichnet. Projekte, die mit innovativen künstlerischen Ansätzen realisiert worden sind und belegen, was neue Ansätze in der kulturellen Bildung möglich machen».

Die Gewinner erhalten ein Preisgeld von je 5000 Franken. Weitere Projekte können von der Jury als besondere Praxisbeispiele veröffentlicht werden. Die Preise werden den Schulen an einer öffentlichen Preisfeier überreicht.

Mehr Infos:
https://www.ag.ch/de/bks/kultur/kulturvermittlung/kultur_macht_schule_1/funkenflug/funkenflug.jsp

Preisträger der Happy New Ears-Initiative 2015

Zum dritten Mal werden mit den Happy New Ears-Preisen in den Kategorien Komposition und Publizistik zur Neuen Musik Persönlichkeiten gewürdigt, die sich um die Unterstützung und die Weiterentwicklung der Neuen Musik verdient machen.

Rebecca Saunders. Foto: Katrin Schander, C.F. Peters

Von der Hans und Gertrud Zender-Stiftung ausgezeichnet worden sind die Komponistin Rebecca Saunders (Preisgeld 10’000 Euro) und der Musikkritiker Gerhard Rohde (Peisgeld 8000 Euro). Einen Förderpreis (4000 Euro) erhält der Philosoph Christian Grüny.

Die Schülerin von Wolfgang Rihm und Nigel Osborne lehrt heute als Professorin an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und ist seit 2009 Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Gerhard Rohde ist Mitherausgeber der Neuen Musikzeitung und arbeitet als freier Mitarbeiter für die FAZ. Der Happy New Ears-Preis für Publizistik wird ihm für seine jahrzehntelange kritische Berichterstattung auf dem Gebiet der Neuen Musik verliehen.

Die vom Komponisten und Dirigenten Hans Zender im Jahre 2004 gegründete Hans und Gertrud Zender-Stiftung verleiht seit 2011 in zweijährigem Turnus einen Preis jeweils in den Fächern Komposition und Publizistik.

Das Bernd-Alois-Zimmermann-Werkverzeichnis

Mit dem Verzeichnis der Werke von Bernd Alois Zimmermann (1918–1970) veröffentlichen Schott Music und die Akademie der Künste Berlin das erste umfassende, nach historisch-kritischen Methoden erarbeitete Werkverzeichnis eines Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.



Bernd Alois Zimmermann 1954. Foto: © Schott Promotion,SMPV

Rund 350 erhaltene, verschollene, unvollendete und fragmentarische Werke sind in dem über1300 Seiten starken Band, herausgegeben von Heribert Henrich, verzeichnet. Neben der Darlegung musikalischer Quellen erfassen die Werkeinträge auch Erstveröffentlichungen von Zimmermanns Briefen, Notizen und Kalendereinträgen mit allen für das jeweilige Werk relevanten Stellen.

Das Werkverzeichnis enthält zusätzlich 23 farbige Abbildungen von Autografen. Es ist Teil der wissenschaftlichen Erschließung des Bernd-Alois-Zimmermann-Archivs der Akademie der Künste Berlin und basiert auf Vorarbeiten des verstorbenen Zimmermann-Forschers Klaus Ebbeke.



Aus dem Vorwort: «In kaum einer anderen Epoche trat eine Avantgarde (…) auf den Plan, die so vehement mit der Vergangenheit brach und nach radikalen tonsprachlichen und kompositionstechnischen Neuerungen strebte. Mit entsprechendem Aufwand suchten die Vertreter dieses musikalischen Umbruchs, das eigene Tun zu erklären und zu rechtfertigen, zumal die Angriffe, denen sie sich zunächst ausgesetzt sahen, von erdrückender Massivität und Vehemenzwaren. Und gleichzeitig herrschte auch innerhalb dieser Gruppe von Neuerern, etwa wenn es um Prioritätsansprüche ging, ein ausgeprägtes Konkurrenzdenken. Auf diese Weise entstand eine Form des Sprechens und Schreibens über die komponierte Musik, die nicht wenig von taktischen Erwägungen bestimmt war. Dieser Diskurs aber schob sich (…) sehr stark vor das musikalische Phänomen selbst (…)»

Heribert Henrich, Verzeichnis der musikalischen Werke von Bernd Alois Zimmermann und ihrer Quellen, Mitarbeit von Klaus Ebbeke, 1326 S., Leinen, € 199.00, Schott, Mainz 2014, ISBN 978-3-7957-0688-3
 

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