Herausragende Künstler und Aufnahmen 2014
Am 20. Januar hat die Jury der ICMA die diesjährigen Gewinner bekanntgegeben. Darunter sind Charles Dutoit, Andreas Häfliger und der Coro della Radiotelevisione della Svizzera Italiana und I Barocchisti unter der Leitung von Diego Fasolis.

Die International Classical Music Awards (ICMA) sind die einzigen internationalen Musikpreise für klassische Musik, die von einer unabhängigen Jury vergeben werden. Sie besteht ausschliesslich aus professionellen Kritikern für klassische Musik, die für Magazine, Radiosender und Internetdienste aus 13 Ländern tätig sind. Zur Zeit sind folgende Medien vertreten: Andante (Türkei), Classic Radio (Finnland), Crescendo (Belgien), Fono Forum (Deutschland), Gramofon (Ungarn), IMZ (Österreich), Kultura (Russland), MDR-Figaro (Deutschland), Musica (Italien), Musik & Theater (Schweiz), Opera (England), Orpheus Radio (Russland), pizzicato (Luxemburg), Radio 100,7 (Luxemburg), Resmusica.com (Frankreich), Rondo Classic (Finnland) und Scherzo (Spanien).
Aus 264 nominierten Produktionen wählte die Jury 16 CD- und DVD-Produktionen. Ausserdem vergab sie sieben besondere Auszeichnungen, um herausragende Musiker und Produzenten zu würdigen. Der Schweizer Dirigent Charles Dutoit wurde mit einem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet, Künstler des Jahres wurde Andreas Staier, Nachwuchskünstler des Jahres Adrien Boisseau. Den Titel Label des Jahres darf das spanische Unternehmen Glossa Music tragen, und als beste Website zur klassischen Musik überzeugte die Jury diejenige der Metropolitan Opera Archive. Je eine Auszeichnung für besondere Leistungen erhalten zudem das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg sowie die Ludwig-van-Beethoven-Gesellschaft in Krakau.
Prämierte CDs und DVDs:
Der Geiger Sergey Khachatryan wird mit dem diesjährigen Credit Suisse Young Artist Award ausgezeichnet. Der Preis ist mit 75ʼ000 Franken einer der höchstdotierten der Branche und beinhaltet auch ein Konzert mit den Wiener Philharmonikern im Rahmen von Lucerne Festival im Sommer.
Der gebürtige Armenier Sergey Khachatryan hat 2000 den Jean-Sibelius-Violin-Wettbewerb in Helsinki und 2005 den Ersten Preis des Queen Elisabeth Wettbewerbs in Brüssel gewonnen. Im Juni 2013 ist seine neueste CD mit den Violinsonaten von Johannes Brahms beim Label Naïve erschienen.
Der Credit Suisse Young Artist Award ist eine Initiative von Lucerne Festival, den Wiener Philharmonikern, der Gesellschaft für Musikfreunde Wien sowie der Credit Suisse Foundation. Damit werden jungen Musikern Mittel und Auftrittsmöglichkeiten für die Karriereentwicklung zur Verfügung gestellt.
Die bisherigen Preisträger sind Quirine Viersen (Violoncello/2000), Patricia Kopatchinskaja (Violine/2002), Sol Gabetta (Violoncello/2004), Martin Helmchen (Klavier/2006), Antoine Tamestit (Viola/2008), Nicolas Altstaedt (Violoncello/2010) und Vilde Frang (Violine/2012).
Martin Fahlenbock wird Dozent an der HKB
Mit Beginn des Herbstsemesters 2014 wird der Flötist Martin Fahlenbock, seit 1992 Mitglied im ensemble recherche Freiburg im Br., eine Tätigkeit als Dozent an der Berner Hochschule der Künste (HKB) aufnehmen.

Nach seinen Studien an der Hochschule für Musik in Hamburg bei Karlheinz Zöller ergänzten Begegnungen mit Jean Pierre Rampal, André Jaunet und Peter Lukas Graf seine Ausbildung.
Vor seinem Freiburger Engagement war Fahlenbock regelmässiger Gast beim Ensemble Modern Frankfurt, hatte einen Aushilfsvertag als Soloflötist bei den Hamburger Sinfonikern (1985 bis1987), und er war von 1987 bis 1992 stellvertretender Soloflötist im Philharmonischen Orchester Freiburg.
Fahlenbock ist regelmässig Gast an Konservatorien in Chicago, Peking, Moskau, Salzburg und bei der Fondation Royaumont in Frankreich.
Nominationen für den Swiss Jazz Award 2014
Der Swiss Jazz Award wird von Radio Swiss Jazz und Jazz Ascona heuer zum achten Mal vergeben. Die Öffentlichkeit hat zwischen dem 15. Januar und dem 28. Februar 2014 die Möglichkeit, für eine von sechs nominierten Bands zu stimmen.

Nominiert sind die Formation Belleville mit dem Violinisten Adam Taubitz (Gypsy-Jazz und mehr), die junge Zürcher Band Blue Bolero, das Quartett des Saxophonisten Daniel Blanc, die Sängerin Nicole Herzog mit dem Berner Pianisten Stewy von Wattenwyl, das Trio des in Winterthur geborenen Pianisten Ralf Ruh und die Gruppe Y-Jazz aus Yverdon-les-bains.
Ausgewählt worden sind die sechs Bands von Radio Swiss Jazz, Jazz Ascona und einer Fachjury, und zwar aus Formationen, die über die letzten 18 Monate eine CD publizierten und den höchsten Beliebtheitsgrad bei den Hörerinnen und Hörern von Radio Swiss Jazz erhalten haben.
Die Swiss-Jazz-Award-Gewinner der letzten Jahre waren das Chris Conz Trio (2013), Christine Jaccard & Dave Ruosch (2012), Alexia Gardner (2011) und die Dani Felber Big Band (2010). Eine spezielle Auszeichnung für ihr Lebenswerk erhielten Hazy Osterwald (2009) und Pepe Lienhard (2006).
Abgestimmt werden kann auf www.swissjazzaward.ch
SRF lässt Blasmusiken gegeneinander antreten
Schweizer Radio und Fernsehen sucht für die neue Musikshow «Kampf der Orchester» (nach dem «Kampf der Chöre») die besten Blasmusik-Formationen der Schweiz. Eine Auswahl tritt im Herbst 2014 in drei Live-Shows gegeneinander an.

Allen antretenden Formationen wird ein prominentes Teammitglied zugeteilt, das in die Gruppe integriert werden und aktiv in den Shows mitwirken muss.
Anmeldeberechtigt sind laut der Ausschreibung des Schweizer Fernsehens Blasmusik-Formationen aus der Schweiz, die über ein eigenes Repertoire verfügen, unter anderem auch Pop-Songs spielen können und ihre Auftritte choreographisch inszenieren. Es gibt keine Einschränkungen bezüglich Grösse oder Art der Formation.
Mehr Informationen zur Anmeldung und den Teilnahmebedingungen sind unter srf.ch/kampfderorchester zu finden.
Förderbeiträge von Kanton und Stadt Schaffhausen
Kanton und Stadt Schaffhausen schreiben die Förderbeiträge 2014 zur gezielten Unterstützung kultureller Leistungen aus. Zur Bewerbung eingeladen sind professionell arbeitende Kulturschaffende aller Kultursparten.

Teilnahmeberechtigt sind Kulturschaffende aus dem Kanton Schaffhausen (ohne Altersbegrenzung), die entweder im Kanton heimatberechtigt, seit mindestens drei Jahren im Kanton Schaffhausen wohnhaft sind oder zu einem früheren Zeitpunkt mindestens fünfzehn Jahre Wohnsitz im Kanton Schaffhausen hatten.
Der Produktionsort (Atelierstandort) gilt als Wohnsitz. Ein Fachkuratorium mit unabhängigen Experten entscheidet über die Vergabe der Förderbeiträge. Jährlich steht eine Summe von 110’000 Franken zur Verfügung.
Die Richtlinien sowie Anmeldeformulare können bezogen werden bei:
Geschäftsstelle Förderbeiträge
Erziehungsdepartement, Sekretariat
Herrenacker 3
8200 Schaffhausen
kulturfoerderung(at)ktsh.ch
Mehr Infos: www.sh.ch/index.php?id=614
Orchestra Mozart stellt Aktivitäten vorläufig ein
Das von Claudio Abbado gegründete Orchestra Mozart ist laut internationalen Presseberichten in ernsthaften Schwierigkeiten. Es muss seine Konzerttätigkeit vorerst einstellen. Der Trägerstiftung fehlen die Sponsoren.

Die Finanzierung des 2004 gegründeten Ensembles steht und fällt mit der Präsenz seines Gründers. Abbado hat aber seit September aus gesundheitlichen Gründen alle Konzerte absagen müssen. Laut dem Orchestermanager Fabio Roversi haben sich die Geldgeber deshalb zurückgezogen.
Wann Abbado wieder aufs Podium zurückkehren wird, ist offen. An Ostern sollte das Orchestra Mozart im Rahmen von Lucerne Festival auftreten. Wie die NZZ schreibt, ist der Festival-Intendant Michael Häfliger mit dem Ensemble noch in Verhandlungen, um für das Engagement eine Lösung zu finden.
Schweizer Musikmarkt schrumpft weiter
Die 30 in IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) Schweiz zusammengeschlossenen Musiklabels erzielten laut einer offiziellen Medienmitteilung 2014 einen Gesamtumsatz von 84,8 Millionen Franken und somit 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Schweizer Repertoire trug rund 27 Prozent zu diesem Ergebnis bei.

Die Entwicklung wird durch zwei Trends geprägt: Einerseits setzt sich der Umsatzrückgang im traditionellen CD-Geschäft fort, andererseits befindet sich auch das äusserst dynamische Digitalgeschäft in einem Strukturwandel, in dem die etablierten Download-Angebote durch Streaming-Dienstleister unter Druck gesetzt werden. Rund 6 Millionen Franken (etwa 26 Prozent) der Bruttoumsätze haben die IFPI-Mitglieder in den Aufbau nationaler Talente investiert.
Der Umsatz aus dem Verkauf von CD und anderen physischen Tonträgern trug 47,5 Millionen Franken zum Gesamtumsatz bei (2013: 53,7 Millionen Franken, -12 Prozent), wovon etwa 2 Millionen Franken auf Vinyl und andere Tonträger entfallen. Dieser Umsatzrückgang folgt grundsätzlich dem allgemeinen Trend der Ablösung der CD durch den Musikkonsum im Internet. Verstärkt wird der Trend durch die seit 2010 anhaltende Frankenstärke und die damit einhergehenden Direktimporte durch die Händler und Endverbraucher, was wiederum zu einer Verringerung der Verkaufsflächen für CD führt.
Der Anteil solcher direktimportierter CD beträgt laut IFPI Schweiz schätzungsweise gegen 30 Prozent der Käufe der Schweizer Endverbraucher; diese Einnahmen gehen an den Schweizer Vertrieben vorbei. Andererseits ist aber auch erkennbar, dass sich der Umsatzrückgang im CD-Geschäft zuletzt verlangsamt hat: Nachdem der Rückgang in den Vorjahren sehr drastisch ausfiel, betrug er 2014 noch -6,2 Millionen Franken (-12 Prozent). Der Anteil der physischen Tonträger am Gesamtumsatz betrug 2014 56 Prozent (2013:
58 Prozent).
Kilometerweit durch Musikwelten
Vom 12. bis 15. März findet in Frankfurt die Musikmesse statt, der internationale Branchentreffpunkt für Instrumente, Noten, Musikproduktion und -vermarktung. Tipp für Schweizer Gäste.

Einen Monat früher als in anderen Jahren steht die Frankfurter Messe ganz im Zeichen der Musik. Beim Gang durch fünf riesige Hallen liegt die komplette Wertschöpfungskette der Musikindustrie am Weg: von beat (Schlagwerk und Perkussion) bis bow (Zupf- und Streichinstrumente), von midi (Keyboards, Digital-Pianos, Synthesizer, Kirchenorgeln) bis forte (Klaviere, Flügel, historische Tasteninstrumente), von nota (Noten und Fachliteratur) bis musikbiz (Tonträger-Labels, Musikverlage, Studios, Presswerke und Konzertveranstalter, Festivals und Vermarktungsplattformen, Institutionen, Akademien und Hochschulen) – von der Idee über das Musikmachen bis hin zum Hören der Musik auf Tonträgern oder im Internet.
Publikum und Preise
Gartmann leitet die Berner Graduate School of the Arts
Thomas Gartmann ist von der phil. hist.-Fakultät der Universität Bern und der HKB (Hochschule der Künste Bern) zum Leiter der gemeinsamen Graduate School of the Arts ernannt worden.

Die Graduate School of the Arts (GSA) ist eine Kooperation der Philosophisch-historischen Fakultät der Universität Bern und der Berner Fachhochschule, Departement Hochschule der Künste Bern. Es handelt sich um ein interdisziplinär angelegtes Doktoratsprogramm, das sich sowohl an forschende Künstlerinnen und Künstler, als auch an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler richtet, die sich für künstlerische Praxis interessieren.
In der GSA greifen Theorie und Praxis eng ineinander, ebenso Grundlagen- und praxisorientierte Forschung. Die Doktorierenden realisieren in der GSA ihr eigenes Projekt in einem stimulierenden Umfeld, welches sie in wissenschaftliche und künstlerische Netzwerke einführt. Die Doktorierenden profitieren von Synergieeffekten zwischen beiden Hochschulen und können spezifische Kompetenzen aufbauen.
Die Graduate School war während der dreijährigen Pilotphase von Herbst 2011 bis Sommer 2014 für Angehörige beziehungsweise Absolventinnen und Absolventen der Universität Bern und der Hochschule der Künste Bern zugänglich.
Berner Symphonieorchester auf Deutschlandtournee
Das Berner Symphonieorchester absolviert seine ersten Auslands-Gastspiele mit seinem Chefdirigenten Mario Venzago. Solistin ist die junge Pianistin Lise de la Salle.

Auf dem Programm der BSO-Deutschlandtournee stehen neben Brahms’ dritter Symphonie und Ravels Rapsodie espagnole Arthur Honeggers Liturgische Symphonie. Lise de la Salle wird Saint-Saens’ zweites Klavierkonzert, respektive Chopins zweites Klavierkonzert interpretieren.
Die Konzerte finden am 1. Februar in der Tonhalle Düsseldorf (Ravel, Saint-Saëns, Brahms), am 2. Februar in der Heinrich-Lades-Halle Erlangen (Ravel, Chopin, Honegger) und am 5. Februar in der Liederhalle Stuttgart (Ravel, Chopin, Brahms) statt.
Das BSO ist seit Juli 2011 Teil der neuen Institution «Konzert Theater Bern» der Bundesstadt. Mario Venzago ist seit Beginn der Saison 2010/11 Chefdirigent des BSO. Mit dem Orchester hat er aktuell Bruckners dritte und sechste Symphonie auf CD eingespielt.
Elf Orchester machen sich stark für das aktuelle Schaffen
Mehr als 33 000 Zuhörer bis 2016 für ein neues Repertoire sinfonischer Werke von Schweizer Komponisten – dieses Ziel hat sich das Projekt «Œuvres Suisses» gesetzt, das am 12. Dezember 2013 im Palazzo dei Congressi in Lugano gestartet wurde.

Neue Schweizer Orchesterwerke sollen also geschaffen werden, um die Zusammenarbeit zwischen den zeitgenössischen Komponisten und den Sinfonieorchestern zu verbessern. Diese jahrhundertelange Verbindung, Rückgrat der europäischen Musikgeschichte, scheint seit mindestens dreissig Jahren in einer schweren Krise zu stecken. So wurde keine einzige nach 1980 entstandene Komposition ins Repertoire der Sinfonieorchester oder, als gleichwertige Werke zu denjenigen von Ravel, Brahms, Beethoven oder Mozart, regelmässig in die Konzertprogramme rund um die Welt aufgenommen.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass in der Zwischenzeit keine neuen Kompositionen entstanden wären. Vielmehr lernten wir zahlreiche und wertvolle neue Werke kennen, die von der Kritik und vom Publikum gleichermassen geschätzt wurden. Tatsache ist jedoch, dass es nicht gelungen ist, diese Stücke ins Repertoire zu integrieren, und das führt zwangsläufig zur Frage: Können die Sinfonieorchester heute noch ihren Beitrag zu einem neuen sinfonischen Musikschaffen in der Schweiz leisten?
33 neue Orchesterwerke
Turmglockenspiele in der Schweiz
Oft wird die Orgel als grösstes und schwerstes Instrument betrachtet, dabei geht aber das Turmglockenspiel oder Carillon vergessen, das mehr als 40 Glocken umfassen kann. In der Schweiz gibt es sechs solche Instrumente. On considère souvent l’orgue comme étant le plus grand et le plus lourd des instruments. C’est oublier le carillon, qui peut regrouper plus de quarante cloches. Il existe six de ces instruments en Suisse.


Oft wird die Orgel als grösstes und schwerstes Instrument betrachtet, dabei geht aber das Turmglockenspiel oder Carillon vergessen, das mehr als 40 Glocken umfassen kann. In der Schweiz gibt es sechs solche Instrumente.
On considère souvent l’orgue comme étant le plus grand et le plus lourd des instruments. C’est oublier le carillon, qui peut regrouper plus de quarante cloches. Il existe six de ces instruments en Suisse.
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- Daniel Thomas spielt auf dem Carillon der Kirche Saint Jean-Baptiste in Taninges/Haute-Savoie Daniel Thomas au Carillon de l’église Saint Jean-Baptiste à Taninges en Haute-Savoie
Das französische, zum Teil auch im Deutschen verwendete Wort carillon für Glockenspiel geht auf das Vulgärlateinische quadrinio oder das Lateinische quaternio zurück, der Bezeichnung für eine Vierergruppe. Die ersten mechanischen Glockenspiele im Mittelalter bestanden aus vier Glocken. Bis heute gibt es in der Schweiz eine ganze Reihe von kleinen Spielwerken mit vier, fünf, sechs Glocken. Sie werden mit Hilfe am Klöppel befestigter Ketten oder Seile gespielt. Einige weisen auch einfache Klaviaturen mit grossen hölzernen Tasten oder Stöcken auf. Sie werden vom Glockenspieler stehend betätigt und erlauben kaum ein differenziertes Spiel. Solche Spielwerke findet man beispielsweise in Bourg-Saint-Pierre (VS), Salvan (VS), Gruyères (FR) und Bulle ((FR). Im Tessin, etwa in Muralto und Bellinzona, gibt es auch Modelle mit Metallklaviaturen. Erst auf grösseren Instrumenten kann sich aber ein nuancenreiches und komplexes Spiel fast wie auf dem Klavier oder der Orgel entfalten.
Die World Carillon Federation (WCF) definiert das Glockenspiel als ein Instrument aus gestimmten Bronzeglocken, die über eine Tastatur aus Stöcken angespielt werden. Nur Carillons mit mindestens 23 Glocken kommen in Betracht. In der Schweiz gibt es sechs derartige Instrumente, fünf davon in der Westschweiz (s. Kasten). Sie gehen über drei bis vier Oktaven (35 bis 49 Glocken, deren schwerste mehrere Tonnen wiegen können). Die Kunst des Carillonspiels entwickelte sich vor mehreren hundert Jahren in Flandern (Holland, Belgien, Nordfrankreich). Auch heute gibt es dort die meisten Anlagen und die bekanntesten Spieler.

- Glocken und Klöppel des Carillon de Chantemerle
Die Glocken sind aus Bronze gegossen und harmonisch aufeinander abgestimmt, so dass akkordisches Spiel möglich wird. Sie werden über Tastatur und Pedal angespielt. Die grossen Holztasten oder Stöcke sind über eine Mechanik mit den Klöppeln verbunden, die einen leicht ansprechenden, musikalischen Anschlag ermöglicht. Es gibt kein Dämpfungssystem; einmal angeschlagen schwingt die Glocke frei.
Entwicklung in der Schweiz
In der Schweiz wurde das erste Carillon 1926 in der Kirche von Carouge installiert. Es hat 28 Glocken und eine Klaviatur aus grossen Holztasten, entspricht also nicht dem üblichen Carillon, das Stöcke aufweist. Diese Bauweise war aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts üblich, wurde dann fast überall aufgegeben, ausser in Genf. Die Kathedrale der Stadt wurde 1931 mit einem 16-teiligen Spielwerk ausgestattet, das 1986 auf 20 und 2011 auf 37 Glocken aufgestockt wurde.
1953 brachte der Pfarrer von Pully, Marc Vernet, der zuvor Glockenspieler in Belgien gewesen war, die flämische Art des Carillons mit Stöcken in die Schweiz: Auf seine Initiative hin wurde das Carillon de Chantemerle gebaut. 1985 schenkte die Gesellschaft Zofingia der Kirche in Zofingen ein Glockenspiel mit 16 Glocken, das 1995 auf 24 erweitert wurde.
Mit 36 neuen Glocken (die alten wurden als minderwertig eingestuft und verkauft) von Rüetschi wurde Carouge 2001 das erste Carillon, das über drei Oktaven ging. Seither finden immer samstags auf (oder besser: über) dem Marktplatz Konzerte statt. 2004 folgte das erste Glockenspiel über vier Oktaven in der Abteikirche von Saint-Maurice im Wallis. Und zurzeit werden 24 zusätzliche Glocken für das Chantemerle-Glockenspiel in Pully gegossen. Es wird also bald ein zweites vieroktaviges Instrument in der Schweiz geben, das die Aufführung grosser Repertoirestücke aber auch von Werken für zwei Carillonneure (vier Hände und vier Füsse) erlaubt.

- Neuer Spieltisch des Carillon de Chantemerle.
- Foto: G. Bodden
Glockenspieler: Ausbildung und Repertoire
Zum Üben braucht der Carillonneur ein spezielles Instrument, mag er doch der Umgebung nur ausgereifte Stücke zumuten. Bei diesen Übungscarillons wird mit Metalllamellen, Röhrenglocken oder aufgenommenen Glockentönen ein leiser Klang erzeugt. Eine Glockenspielerschule gibt es in der Schweiz nicht. Eine professionelle Ausbildung, die mit einem Diplom abgeschlossen wird, muss in Holland (Nederlandse Beiaardschool in Amersfoort und Carillon Instituut Nederland in Dordrecht) oder Belgien (Ecole Royale de Carillon in Mechelen) absolviert werden.
Das Repertoire besteht hauptsächlich aus Original- kompositionen und Transkriptionen klassischer Werke. Die meisten Stücke sind für Standardinstrumente von vier Oktaven geschrieben. In Flandern sind schon seit dem 18. Jahrhundert solche Stücke entstanden, das Repertoire ist also breit. Oft improvisieren die Carillonneure auch über bekannte Melodien, wie dies im Herkunftsgebiet des Carillons üblich ist, vor allem zu Marktzeiten, wenn sich viele Menschen in den Strassen bewegen.
In der Schweiz gibt es noch zu wenig grosse Instrumente, um eine Vollzeitstelle als Carillonneur zu ermöglichen. Dazu müsste ein Spieler für drei bis vier Instrumente und ihre jeweiligen Einsätze verantwortlich sein. Üblicherweise wird die Tätigkeit daher mit einer Organisten- oder Pianistenstelle verbunden.
Die grossen Glockenspiele der Schweiz
Genf
- Carouge, Kirche Sainte-Croix, 36 Glocken (fis1, gis1–fis4; 1 Aubry XVII, 1 Piton 1789, 1 Kervand 1839, 33 Rüetschi 2001), Spieler: Constant Deschenaux, Andreas Friedrich und Yves Roure
- Genf, Kathedrale Saint-Pierre, 37 Glocken (e1, a1, h1–a4; 1 Fribor vers 1460, 16 Paccard/Rüetschi 1931, 1 Rüetschi 1991, 19 Paccard 2011), Spieler: Vincent Thévenaz
Waadt
- Pully, Kirche De la Rosiaz, carillon de Chantemerle, 24 Glocken (48 ab 2014; a1, h1–a3; 19 Eijsbouts 1953, 5 Perner 2011, 24 Simon Laudy 2013); Spieler: Daniel Thomas und Jean-Francois Cavin.
Wallis
- Lens, Kirche Saint-Pierre-aux-Liens, 24 Glocken (c1, f1, g1, a1–f3; 2 Rüetschi 1958, 21 Rüetschi 1967, 1 Rüetschi 1995). Spieler: Jean-Daniel Emery
- Saint-Maurice, Abtei, 49 Glocken (gis, cis1, dis1–cis5; 2 Dreffet 1818, 1 Rüetschi 1947, 1 Paccard 1998, 45 Eijsbouts 2003); Spieler: Francois Roten
Aargau
- Zofingen, Stiftsturm, 25 Glocken (c2–c4; Rüetschi 1983/1985/1989/1996/1997/2005); Spieler: Andreas Friedrich und Karl Kipfer
Daniel Thomas
… ist Glockenspieler am Carilon de Chantemerle in Pully und Vorstandsmitglied der Gilde der Carillonneure und Campanologen der Schweiz GCCS, die auch das Verbandsorgan Campanæ helveticæ herausgibt. www.campanae.ch
Literatur:
Glocken – Lebendige Klangzeugen / Des témoins vivants et sonnants. Confédération Suisse, Office fédéral de la Culture, 2008. Rezension in der SMZ 12/2010
Glocken
Was bedeutet es eigentlich, wenn Glocken läuten? Wir lauschen «zweisprachigem» Geläute an der Sprachgrenze, den Röhrenglocken im Orchester, dem Glockenspiel und dem englischen Change Ringing. Zudem berichtet der Leiter der letzten Glockengiesserei in der Schweiz über historische Techniken und heutige Herausforderungen.

Was bedeutet es eigentlich, wenn Glocken läuten? Wir lauschen «zweisprachigem» Geläute an der Sprachgrenze, den Röhrenglocken im Orchester, dem Glockenspiel und dem englischen Change Ringing. Zudem berichtet der Leiter der letzten Glockengiesserei in der Schweiz über historische Techniken und heutige Herausforderungen.
Focus
Was klingt denn da?
Unterschiedliche Geläute aus Schweizer Glockentürmen
Glockengiessen ist nie zweimal das Gleiche
René Spielmann über Tradition und Wissenschaft
Le carillonneur et les grands carillons en Suisse
Le plus lourd de tous les instruments
Deutsche Fassung und Klangbeispiel
Quand l’orchestre fait sonner les cloches
Un instrument recrée la sonorité des cloches : le carillon tubulaire
Wo Glocken stundenlang läuten
Die Tradition des Wechselläutens in England
Artikel, PDF zum Download und Tonbeispiel
… und ausserdem
RESONANCE
Le studio de la Fondation Tibor Varga dans la tourmente
L’orchestra prova a tornare strumento della creazione
«Œuvres Suisses» – Neues sinfonisches Musikschaffen für die Schweiz
Rezensionen Klassik, Rock & Pop — Neuerscheinungen Bücher, Noten, CDs
Carte Blanche mit John Wolf Brennan
CAMPUS
IRMAS Institut de recherche des HEM et de la Haute école de Théâtre
Corelli als Modell Symposium der Schola Cantorum Basiliensis
Rezensionen Neuerscheinungen Unterrichtsliteratur
klaxon Kinderseite
SERVICE
Leserreise nach Krakau
FINALE
Rätsel Dirk Wieschollek sucht
Hochschule der Künste Bern mit beschränkter Platzzahl
Auch im Studienjahr 2014/2015 gelten an der Berner Fachhochschule in den Fachbereichen Musik, Theater und andere Künste sowie im Fachbereich Design Zulassungsbeschränkungen. Dies hat der Regierungsrat des Kantons Bern beschlossen.

Insgesamt stehen an der Hochschule der Künste für Neuzulassungen 385 Studienplätze zur Verfügung. Über die Aufnahme entscheidet eine Eignungsabklärung.
Zulassungsbeschränkungen hat der Regierungsrat auch für die Bachelor-Studiengänge Physiotherapie, Hebamme, Pflege sowie Ernährung und Diätetik erlassen. Für diese vier Studiengänge gibt es für neue Studierende insgesamt 325 Studienplätze. Auch hier entscheiden Eignungsabklärungen über die Aufnahme.
