Die Volksmusik-Sammlung von Hanny Christen

Eine einzigartige Zusammenstellung der Schweizer Tanzmusik zwischen 1830 und 1960 liegt schon seit einiger Zeit in einer zehnbändigen, nach Regionen geordneten Buchausgabe vor.

Die Kapelle Fränzli Waser. Foto: Terra Grischuna 3/2013, wikimedia commons,SMPV

Vorwiegend in den Jahren 1940 bis 1960 bereiste die Volkskundlerin Hanny Christen (1899–1976) die Deutschschweiz und trug ihre riesige Sammlung an Volksmelodien zusammen. Einerseits wurde ihr von älteren Spielleuten vorgespielt oder vorgesungen, was sie dann in ihren kleinen Notizbüchlein aufschrieb, andererseits wurde ihr zuweilen auch gestattet, ganze Tanzbücher der Spielleute abzuschreiben. Da viele dieser Musikanten damals bereits zwischen sechzig und achtzig Jahre alt waren, reicht diese Sammlung bis weit ins 19. Jahrhundert zurück.

Unter dem Patronat der Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz (GVS) und unter der Leitung von Fabian Müller arbeitete ein Autorenteam während rund einem Jahrzehnt an der Herausgabe dieser Sammlung, die im Nachlass von Hanny Christen gefunden wurde. 2002 erschien sie aufgearbeitet als Enzyklopädie in 10 Bänden mit ca. 12000 Melodien, umfangreichem Bildmaterial und einem zusätzlichen Registerband.

Die Herausgeberin, die Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz, und der Mülirad-Verlag bieten die Gesamtausgabe nun zu einem besonders günstigen Preis an:

Alle 10 Bände + Registerband: statt Fr. 598.- nur Fr. 200.-
Einzelbände je CHF 30.- Band IX vergriffen! 

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Band I: Zürich, Schaffhausen, St. Gallen I, (mit umfangreichen Informationen zur Sammlung, zu Hanny Christen und zur Schweizer Volksmusik allgemein)
Band II: St. Gallen II, Graubünden, Tessin
Band III: Appenzell
Band IV: Aargau, Basel I
Band V: Basel II, Jura
Band VI: Fribourg, Wallis, Bern I
Band VII: Bern II, Solothurn
Band VIII: Zug, Luzern, Uri I
Band IX: Uri II, Schwyz, Unterwalden I
Band X: Unterwalden II, Glarus
Band R: Registerband

Werkbeiträge des Kantons St. Gallen

Das Amt für Kultur des Kantons St.Gallen schreibt auch dieses Jahr Werkbeiträge und Rom-Aufenthalte für Kulturschaffende aus. Für die Förderung in den Sparten angewandte und bildende Kunst, Literatur, Musik sowie Theater und Tanz steht ein Betrag von 200’000 Franken zur Verfügung. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 20. März 2014.

Auf dem Kapitolinischen Hügel in Rom. Foto: Luigi Versaggi, wikimedia commons

Die Kulturförderung des Kantons St.Gallen vergibt jährlich Werkbeiträge an Kunstschaffende. Die Beiträge unterstützen Künstlerinnen und Künstler der Sparten angewandte und bildende Kunst, Literatur, Musik, Theater und Tanz mit einem budgetunabhängigen, fixen Beitrag. Die Unterstützung soll Kunstschaffenden die nötige Zeit geben, ihre Ideen, Projekte oder Werke auszuarbeiten oder ihre künstlerische Tätigkeit weiterzuentwickeln.

Auch ist es möglich, eine individuell zugeschnittene Weiterbildungsidee einzureichen, welche gezielt einen speziellen Aufenthalt oder Stage beinhaltet, der die weitere Entwicklung spezifisch fördert. Die Werkbeiträge sollen Projekte ermöglichen, die der künstlerischen Arbeit neue Impulse geben oder auch Gelegenheit bieten, andere Formen der Zusammenarbeit und der Begegnung auszuprobieren.

Eine zusätzliche Fördermöglichkeit ist der Aufenthalt in der Atelierwohnung in Rom, welche neu in Zusammenarbeit mit dem Verein Freunde Kulturwohnung Rom finanziert wird. Dort steht jeweils während drei Monaten eine Wohnung im lebendigen Quartier San Lorenzo zur Verfügung.

Mehr Infos: www.sg.ch/home/kultur/foerderung/beitraege.html

Javier Hagen neu gewählt

Die Generalversammlung bestimmte Javier Hagen als Nachfolger von Nicolas Farine.

Wie die Gesellschaft mitteilt, wurde Javier Hagen in Bern am 15. Dezember von der Generalversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Neue Musik (SGNM) – der Schweizer Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) – zum neuen Präsidenten gewählt. Hagen wird Nachfolger von Nicolas Farine, der weiterhin als Vizepräsident für die SGNM tätig sein wird. Daneben nehmen Max E. Keller (Sekretär), Pierre-Alain Monot und Egidius Streiff in den Vorstand der SGNM Einsitz.

Javier Hagen ist Sänger und Komponist, Präsident der IGNM-VS (Int. Gesellschaft für Neue Musik Sektion Wallis), Gründer des Festivals für Neue Musik Forum : : Wallis, Vorstandsmitglied von Swissfestivals und stellt mit UMS ’n JIP eines der aktivsten Ensembles für Neue Musik der Gegenwart. 2013 wurde er mit dem Kulturpreis des Kantons Wallis ausgezeichnet.

Tod des Musikethnologen Marcel Cellier

Mit ihm verbunden wird unweigerlich der Name des Panflötenvirtuosen Gheorghe Zamfir: Sein Entdecker für den Westen, der Produzent und Organist Marcel Cellier, ist im Alter von 88 Jahren in Vevey verstorben.

Foto: © Catherine Cellier / (Dajoeri Panflöten)

Der Hobbyorganist Cellier war ursprünglich in der Privatindustrie als Buchhalter und Verkäufer tätig. Daraus ergaben sich seine Kontakte nach Osteuropa.

In den 1960er-Jahren bereiste er mit seiner Frau Catherine die damals noch schwer zugänglichen Länder Ost- und Südeuropas und dokumentierte die lokalen Volksmusiken mit Tonband und Kamera.

Als Promotor des bulgarischen Frauenchors «Le Mystère des Voix Bulgares» wurde er 1990 mit einem Grammy ausgezeichnet. 2012 ist sein Wirken im Dokumentarfilm «Balkan Melodie» auch mit kritischen Untertönen aufgearbeitet worden.

Die in einer Lausanner Kirche aufgenommen Aufnahme Celliers und Zamfirs «Flûte de pan et orgue», verkörpert ein Stück populäre Musikgeschichte der 1970er-Jahre. Sie ist über 1,5 Millionen mal verkauft worden und hat in der Schweiz einen Boom der Panflötenmusik und der osteuropäischen Folklore ausgelöst.

Handschin-Preis für Musikwissenschaft

Seit 2007 verleiht die Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (SMG) alle zwei Jahre den Handschin-Preis für den musikwissenschaftlichen Nachwuchs. 2014 können sich geeignete Kandidaten direkt bei der Gesellschaft für den Preis bewerben.

Jacques Handschin (mit freundlicher Erlaubnis von Het Orgel/NL),SMPV

Bewerbungsberechtigt sind Doktorierte, die ihre Promotion zwischen dem 1.Januar 2012 und dem 31. Dezember 2013 (einschliesslich der Verteidigung) abgeschlossen haben.

Sie müssen überdies Schweizer Bürger sind oder an einer Schweizer Institution promoviert haben oder mit ihrer Dissertation einen relevanten Beitrag zur schweizerischen Musikgeschichte leisten, Staatsbürgerschaft und akademische Filiation spielen hierbei keine Rolle.

Bewerbungen nimmt die Geschäftstelle der SMG bis 28. Februar 2014 an, elektronische Bewerbungen können an den Sekretär Benedict Zemp gerichtet werden. Der Preis ist mit 10’000 Franken dotiert.

Mehr Infos: www.smg-ssm.ch

Monika Grütters deutsche Kulturstaatsministerin

Monika Grütters, die in der letzten Wahlperiode bereits den Vorsitz des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestags innehatte, wird im neuen Kabinett Staatsministerin für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt.

Monika Grütters 2009. Foto: Christof Rieken, wikimedia commons

Johanna Wanka bleibt Ministerin für Bildung und Forschung. Sie verantworte damit auch weiterhin grosse Modellvorhaben in der kulturellen Bildung, schreibt der Deutsche Kulturrat. Dorothee Bär, die bei den Koalitionsverhandlungen von Unionsseite die Arbeitsgruppe Digitale Agenda geleitet hat, wird Staatssekretärin für Digitales. Maria Böhmer, bislang im Bundeskanzleramt Staatsministerin für Integration, wird Staatsministerin für Kultur im Auswärtigen Amt.

Ein eigentliches Bundeskulturministerium wird es in der neuen Bundesregierung nicht geben. Die Kulturpolitik wird in einer Reihe von Bundesministerien und im Bundeskanzleramt verantwortet. Neben dem Bundeskanzleramt wird besonders im Aussen-, Bildungs-, Wirtschaft-, Arbeits- und Justizministerium in den nächsten vier Jahren aktiv Kulturpolitik gemacht.

Gema und Musikveranstalter einigen sich

Die deutsche Urheberrechtsgesellschaft GEMA und die Bundesvereinigung der Musikveranstalter e. V. haben sich auf einen Gesamtvertrag geeinigt. Er regelt die Vergütung für die Nutzung des GEMA-Repertoires bei Einzelveranstaltungen mit Livemusik oder Tonträgerwiedergabe sowie in Musikkneipen oder Clubs und Diskotheken.

RainerSturm / pixelio.de

Der Vertrag regelt die Lizenzvergütung der Urheber und deren Verleger für die Nutzung ihres musikalischen Repertoires in künftig vier Tarifen: Einzelveranstaltungen mit Livemusik (U-V) oder Tonträgerwiedergabe (M-V) ebenso, wie die Musiknutzung im Bereich von Musikkneipen (M-CD II 1) oder Clubs und Diskotheken (M-CD II 2).

Die neu vereinbarte Tarifstruktur ist linear ausgerichtet, das heisst: je grösser die Veranstaltungsfläche und je höher das Eintrittsgeld, umso höher ist die urheberrechtliche Vergütung, die der Veranstalter leisten muss. Konzertveranstaltungen sind von der Strukturreform nicht betroffen. Für sie gilt seit 2010 ein eigenständiger Tarif.

Mehr Infos: www.gema.de/veranstaltungstarife

Diapason d’Or für Berner Bach-Album

In der Dezemberausgabe 2013 der französischen Zeitschrift Diapason werden der Blockflötist Michael Form und der Cembalist Dirk Börner – beides Dozierende an der Hochschule der Künste Bern (HKB) – für ihr Album Bach Remixed mit dem Diapason d’Or ausgezeichnet.

Ausschnitt aus dem CD-Cover

Auf dem beim Heidelberger Label Note1 erschienenen Album gruppieren Michael Form und Dirk Börner Sätze aus Werken Bachs zu sechs neuen Blockflötensonaten.

Der Blockfötist Michael Form ist Mitglied verschiedener Ensembles, An der HKB hat er mit dem Cembalisten Dirk Börner, der in Bern und Lyon unterrichtet, das Forschungsprojekt zum Verhältnis von Tanz und Musik bei Marin Marais betreut.

Bach hat in Leipzig eine Auszeit genommen

Wer sich gewundert hat, dass die ungeheure Produktivität Johann Sebastian Bachs Schaffenskraft nie gemindert hat, darf nun zur Kenntnis nehmen, dass der Thomaskantor offenbar auch mit Erschöpfungssyndromen zu kämpfen hatte. Darauf lässt zumindest ein vom Bach-Archiv neu aufgefundenes Dokument schliessen.

Bach-Denkmal vor der Thomaskirche in Leipzig. Foto: Makrodepecher / pixelio.de,SMPV

Das Dokument ist durch einen Mitarbeiter des Bach-Archivs Leipzig in Döbeln entdeckt worden. Der Brief eines Bach-Schülers belegt, dass sich der Komponist in seinen späten Lebensjahren weitestgehend von seinen Aufgaben als Kantor und Leiter der Kirchenmusik zurückgezogen hat. Der letzte Lebensabschnitt des Thomaskantors lag bis dato weitgehend im Dunkeln.

Der Fund gelang dem Privatdozenten Michael Maul im Finale des durch die Gerda Henkel Stiftung finanzierten Forschungsprojekts «Systematische Erkundung der Lebenswege von Bachs Thomanern», das 2012 anlässlich des 800jährigen Jubiläums des Thomanerchors startete.

Lucerne Festival schreibt Wettbewerb aus

Lucerne Festival und das Kunstmuseum Luzern rufen gemeinsam auf, die vielfältigen Beziehungen von Bildender Kunst und Musik, von visuellem Ausdruck und Klang zum Thema zu machen: 2014 wird zum zweiten Mal die Schnittstelle der beiden Sparten mit einem Wettbewerb gefördert.

Soundzzz2013_PERFORMANCE_FISCHER_THEINERT. Foto: LucerneFestival / Peter Fischli

Der Wettbewerb richtet sich an junge, aufstrebende Künstler, die alleine, zu zweit oder zu dritt zum Thema «Psyche» ein Projekt entwickeln. «Psyche» ist das allgemeine Motto von Lucerne Festival 2014, das vom 15. August bis 14. September durchgeführt wird. Als «artiste etoile» amten dabei die Geigerin Midori und die Sopranistin Barbara Hannigan, als «composer-in-residence» die Koreanerin Unsuk Chin und der Österreicher Johannes Maria Staud.

Das erste soundzzz-Projekt gestalteten unter dem Motto «Recode Revolution» dieses Jahr der Klarinettist Nils Fischer und der Licht-Künstler Kurt Laurenz Theinert in der Ausstellung «Revolution» im Kunstmuseum Luzern. Museumsraum, Exponate und Publikum dienten ihnen als Projektionsfläche – und wurden damit Teil eines Licht-Klang-Spektakels. Am grossen Finale am 13. September beteiligten sich zahlreiche Luzerner Improvisationskünstler: Tänzer, Performer und Musiker.

Das nun von der Jury ausgewählte Projekt wird während Lucerne Festival im Sommer 2014 in den Ausstellungen im Kunstmuseum Luzern realisiert. Eingabeschluss für Bewerbungen ist Freitag, 14. Februar 2014.

Mehr Infos unter www.lucernefestival.ch/en/lucerne_festival_academy/soundzz_2014/

Erster Preis für Lausanner bei Leipziger Dirigierwettbewerb

Lorenzo Viotti, der 1990 in Lausanne geborene Chefdirigent des Akademischen Symphonie Orchesters der Wirtschaftsuniversität Wien, hat beim Dirigierwettbewerb der mitteldeutschen Musikhochschulen in Leipzig den ersten Platz belegt.

Lorenzo Viotti im Juni 2012 mit dem ASO in Wien. Foto: © photonews.at/Georges Schneider

Viotti studiert an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar in der Klasse von Nicolás Pasquet und Martin Hoff. Den zweiten Platz belegte Giedre Slekyte aus Leipzig (Klasse Barbara Rucha) und den dritten mit Johannes Köhler wiederum ein Student aus Weimar (Klasse Gunter Kahlert / Martin Hoff/ Nicolás Pasquet).

Viotti hat als 10-Jähriger mit einem Schlagwerkstudium begonnen. 2008 machte er seinen Abschluss mit Auszeichnung am Konservatorium der Stadt Lyon. Parallel dazu studierte er Klavier und Gesang.

Nach zahlreichen nationalen Konzertauftritten als Orchester- und Kammermusiker übersiedelte er 2009 nach Wien, um sein Studium fortzusetzen. Seit Februar 2012 ist Lorenzo Viotti Chefdirigent des Akademischen Symphonie Orchesters der Wirtschaftsuniversität Wien (ASO). Im Sommer 2012 wurde er im Weimarer Meisterkurs von Nicolás Pasquet für das Abschlusskonzert mit der Jenaer Philharmonie ausgewählt.

Neue Empfehlungen fürs Schweizer Urheberrecht

Die Schweizer Arbeitsgruppe zum Urheberrecht (AGUR12), die von Bundesrätin Simonetta Sommaruga im August 2012 einberufen wurde, hat ihren Schlussbericht veröffentlicht.

Foto: nmann77 – Fotolia.com

In der Arbeitsgruppe haben Kunstschaffende sowie Vertreterinnen und Vertreter der Produzenten, der Wirtschaft, der Nutzer und der Konsumenten während gut einem Jahr die zahlreichen Kritikpunkte am Urheberrecht im digitalen Zeitalter zusammengetragen und intensiv diskutiert.

Als Ergebnis schlägt die AGUR12 ein Massnahmenpaket mit fünf Schwerpunkten vor: Verbesserung der Information für die Konsumenten, Ausbau und damit Steigerung der Attraktivität legaler Angebote, Vereinfachung der Bekämpfung der Piraterie, Steigerung der Effizienz und Transparenz der Verwertungsgesellschaften sowie Anpassung der Schranken des Urheberrechts an die neusten Entwicklungen.

Diese Empfehlungen richten sich teils an die Rechteinhaber und die Verwertungsgesellschaften, teils an den Gesetzgeber und die Verwaltung. Downloads vom Internet sollen zulässig bleiben; unbewilligte Uploads dagegen bleiben verboten.

Der Schlussbericht der AGUR12: www.ige.ch

Thomas Pfiffner folgt auf Sylvester Vieli

Der Stiftungsrat hat den derzeitigen Direktor des Musikkollegiums Winterthur, Thomas Pfiffner, per 1. April 2014 als Nachfolger von Sylvester Vieli ernannt.

Thomas Pfiffner. Foto: Musikkollegium Winterthur

Sylvester Vieli, der seit 1990 für die Stiftung tätig war, ab 1992 als deren Geschäftsleiter, tritt in den Ruhestand. Er hat die Stiftung seit ihrer Gründung geprägt und massgeblich mitgeholfen, sie als eine der international führenden Institutionen in der Förderung hochbegabter junger Musikerinnen und Musiker zu etablieren. Wie die Stiftung mitteilt, ist es seinem hohen professionellen, organisatorischen und werberischen Geschick zu verdanken, dass die Förderkonzerte der Stiftung, die Internationalen Orpheum Musikfesttage zur Förderung junger Solisten, die Extrakonzerte und Nachförderungsprogramme beim Publikum, in Fachkreisen, bei den Sponsoren und bei den Künstlern heute über einen exzellenten Ruf verfügen.

Thomas Pfiffner wird seine neue Funktion am 1. April 2014 antreten. Bis Sommer 2014 steht er dem Musikkollegium für die künstlerische Planung weiterhin zur Verfügung, um die Nachfolgeregelung der Intendanz in optimaler Weise zu ermöglichen. Bereits als Thomas Pfiffner Geschäftsführer des Zürcher Kammerorchesters war, hat der Stiftungspräsident Hans Heinrich Coninx mit ihm zusammengearbeitet. Gemäss Mitteilung der Stiftung freue er sich, dass sich Pfiffner für Orpheum entschieden hat: «Er ist auf Grund seiner Erfahrung und breiten Vernetzung in der Welt der klassischen Musik eine Idealbesetzung unserer Geschäftsleitung. Er wird unsere Kernidee der Förderkonzerte weiterführen, dabei aber neue Wege beschreiten, so wie er es an jeder seiner bisherigen beruflichen Stationen eindrücklich getan hat».

www.orpheum.ch
 

Rätoromanisches Label

Zeitgenössische Musik rätoromanischer Künstlerinnen und Künstler hat ihr eigenes Label: R-tunes. Neben der Produktion von Tonträgern nimmt es die Aufgaben einer Künstleragentur für ausgewählte Musikerinnen und Musiker wahr.

Cover der jüngsten Neuerscheinung: Pascal Gamboni, Tiara,SMPV

Hinter R-tunes stehen Manfred Zazzi, Toningenieur sowie Mitinhaber und Leiter der 571 Recording Studios in Zürich, und Michel Decurtins, Journalist bei Radiotelevisiun Svizra Rumantscha und Hörspielproduzent. Für das Marketing testet R-tunes neben branchenüblichen Kanälen auch «traditionelle» und zugleich neue Wege (Verkauf in Dorfläden oder Coiffeursalons). Die für Künstlerinnen und Künstler vielleicht schwierigsten Arbeiten, Administration und Fund Raising, sind Teil des Angebots. Als Künstleragentur veranstaltet R-tunes nicht nur Albentaufen, sondern organisiert auch Tourneen. Dabei werden auch Konzerte angepeilt, die über den regionalen Rahmen hinausgehen. Rätoromanische Musik sollte sich auch auf nationalen und wenn möglich internationalen Bühnen präsentieren.

Das Repertoire geht von Liedermacherinnen und Liedermachern über Performaces zu Jazz und Rap. Über die Website können die Produktionen des Labels bestellt werden. Darüber hinaus werden CDs rätoromanischer Künstler angeboten, die diese im Eigenverlag herausgegeben haben.

www.r-tunes.ch

 

Musik tut gut

Eine inspirierende Rundschau über frühkindliche Musikpädagogik von der ersten Schweizer Musik-Kita bis zu Education-Konzerten. Bericht von der Luzerner Tagung «Musiklernen von klein auf».

© Westend61 – Fotolia.com

Wie müssen Bildungserlebnisse gestaltet werden, damit sich das individuelle Potenzial der Kinder entfalten kann? Das ist die Kernfrage jeglichen pädagogischen Bemühens, und es war auch die Kernfrage der Vorträge und Workshops an der Luzerner Fachtagung Musiklernen von klein auf. Über hundert Instrumentalpädagoginnen und -pädagogen waren gekommen, um ihr Wissen zu erweitern, um Anregungen für ihre tägliche Arbeit zu bekommen, oder um endlich einmal zu hören, wie man denn mit ganz jungen Kindern am besten arbeitet. Denn nahezu alle – das wurde in den Kaffeepausen kontrovers diskutiert – stellten diesbezüglich Defizite in ihrer Berufsausbildung fest.
Nach dem «Sprung ins kalte Wasser» des Unterrichtens folgte bei vielen der teilnehmenden Instrumentalisten das Bedürfnis, ihre pädagogischen Kenntnisse zu vertiefen. Im Gegensatz zu verschiedenen CAS-Angeboten an Schweizer Hochschulen bot die Luzerner Tagung mit Vorträgen und Workshops ein konzentriertes, dabei ausgesprochen breites und zeitlich eng begrenztes Angebot an Ansätzen, Themen und Fallbeispielen zur frühkindlichen Musikpädagogik.
Zunächst einmal galt es, über die aktuellen Unterrichtssituationen nachzudenken. Der Luzerner Gastgeber Walter Hess stellte fest, dass Kinder heute deutlich mehr Zeit in Tagesbetreuungen statt in Kleinfamilien verbringen. In welcher Weise dadurch überhaupt noch Raum für frühkindlichen Instrumentalunterricht zur Verfügung steht oder ob stattdessen vielmehr die Instrumentalpädagogen ihrerseits in die Kindertagesstätten und Schulen Einzug halten müssten, blieb eine offene Frage.

Brabbeln …
Bereits Kleinkind-Betreuerinnen können durch einen bewussten Umgang mit Musik das natürliche Interesse der Kinder fördern, wie Stefanie Stadler Elmer vom Psychologischen Institut der Universität Zürich erklärte. Sie zeigte auf, wie eng Sprachentwicklung und Singenlernen miteinander verknüpft sind. Während des ersten Lebensjahres ist beides nicht zu unterscheiden; die kindliche Vokalisation – das typische Baby-Gebrabbel – tendiert mal mehr zur Imitation von Silben, mal eher zur Intonation verschiedener Tonhöhen und melodischer Verbindungen. Erst im zweiten Lebensjahr lernt das Kind, zwischen beiden Modalitäten zu unterscheiden, wobei das Nachahmen von Melodien deutlich leichter fällt als das Nachahmen von Silben. Die Regelhaftigkeit des Singens entspricht viel eher den natürlichen Wahrnehmungs- und Produktionsfähigkeiten des Säuglings und des Kleinkindes. Daher sollten Kindertagesstätten ihren Schützlingen vielseitige Hörangebote machen und Stimme, Motorik und Sensorik dabei gleichermassen einbeziehen. Schon eine eintägige Weiterbildung könne einen deutlich bewussteren Umgang der Erziehungspersonen mit den meist ohnehin schon in Kitas anzutreffenden Liedern und musikalischen Ritualen nach sich ziehen, meinte Stadler Elmer. Konkrete Vorschläge hat sie in ihrem Buch Kind und Musik zusammengetragen, das 2014 erscheint.

… toben …
Die Bewegungswissenschaftlerin Renate Zimmer betonte, wie elementar es für Kinder sei, über den eigenen Körper einen Zugang zur Musik zu finden. Ihr Buch Toben macht schlau!? spielt auf die in den Medien immer wieder geäusserte These an, Musik mache schlau. Dass beides im Kindesalter die Synapsenbildung anregt – und damit salopp gesagt «schlau» macht – zeigte Zimmer anhand zahlreicher Bilder. Zimmer verwies auf die Anthropologie, die den Menschen als ein auf Bewegung und Erfahrung angelegtes Wesen sieht, das des Einsatzes aller Sinne bedarf, um sich ein Bild von der Welt und sich selbst zu machen. Für Kinder heisst dies konkret, dass Bildung ein aktiver Prozess sein muss, in dem das Kind seine eigene Selbstwirksamkeit erlebt. Eigenwille und Eigensinn prägen die Grundhaltung des Kindes; beides muss im Bildungsprozess gefördert und gefordert werden. So soll etwa ein Kind selbst herausfinden können, ob man mit einem Pfirsich genauso klangvoll auf den Tisch schlagen kann wie mit einer Rassel. Erst das intensive Erleben über alle Sinne macht wirkungsvolles Lernen aus. Dass es dabei auch die Begleitung durch Erwachsene braucht, bestritt Zimmer nicht – schliesslich ist Bildung auch ein sozialer Prozess. Elementar sei jedoch die Bewusstmachung der Verhältnisse. Den anwesenden Instrumentalpädagoginnen empfahl sie, auf die oft gestellte Frage nach ihrem Beruf nicht etwa zu antworten: «Ich unterrichte Geige.» Sondern: «Ich unterrichte Kinder.»

… und spielen
Wie man ganz konkret den Instrumentalunterricht bereichern kann, zeigte Madeleine Zulauf von der Formation Musique Recherche Zulauf. Sie bemerkte, dass die pädagogische Anwendung des Spiels im Kindergarten sehr verbreitet, im frühkindlichen Instrumentalunterricht des sechsten und siebten Lebensjahres aber kaum anzutreffen sei. Selbst die jüngsten Kinder lernten ganz traditionell, wie man vorgegebene Musik reproduziere. Die Didaktik ziele stark auf Imitation und Wiederholung und vernachlässige die Kompetenzbildung zur Entwicklung einer eigenen Musiksprache. Hier könnten spielerische Improvisationen in den Instrumentalunterricht integriert werden. Zulauf zeigte Beispiele, in denen Kleinkinder dazu ermuntert werden, eine Bilderbuchgeschichte mit dem Instrument ihrer Wahl musikalisch zu begleiten. Wichtig für das Kind sind dabei die Bereitstellung verschiedener Instrumente bzw. Klangerzeuger und die Wertschätzung der musikalischen Produktion durch die Erwachsenen. Instrumentalpädagogen können diese Unterrichtseinheiten dann durch Aufnahme, Abhören und Selbstanalyse des Kindes begleiten; sie können anhand der Improvisation musikalische Termini einführen und zur Notation der Improvisation anregen.

Auch in den anschliessenden Workshops kam die Improvisation immer wieder zum Einsatz: Sei es als Rhythmusspiel im Workshop Wechselwirkungen elementarer musikalischer Erfahrungen durch Bewegung in der Rhythmik von Sabine Hirtler von der technischen Universität Kaiserslautern, sei es als musikalisches Response auf ein Ligeti-Stück im Workshop Zwischen Konzert und Education-Projekt: Konzertpädagogische Veranstaltungen mit Kindern, Jugendlichen und einem jungen Publikum mit Barbara Stiller von der Hochschule der Künste Bremen. Andrea Holzer-Rhomberg stellte ihre Streicherschule Fiedel Max vor, bei der das Spiel mit Zaubertönen, Bogengeist und Reisen ins Ohrenspitz-Land Elemente des ganzheitlichen Lernens darstellen, und Susan Young von der University of Exeter machte auf die vielfältigen musikalischen Alltagserfahrungen und -aktivitäten von Kindern aufmerksam.
Wie denn die Eltern für das frühkindliche Musizieren zu überzeugen seien, wurde in der abschliessenden Podiumsdiskussion gefragt. Neben all den wissenschaftlichen Studien, die die Vorteile mittlerweile belegten, gab Aron Braun, Geschäftsführer der Musikalischen KiTa Zimballo, der ersten und bisher einzigen Musik-Kita der Schweiz, den Grund seines Engagements an: «Weil Musik gut tut.»
 

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