Musik bei Tagesanbruch

Seit bald zehn Jahren kann man im Genfer Freibad Les bains des Pâquis um sechs Uhr früh Musik erleben: Morgendämmerungskonzerte. Nicht nur die Zuhörer lieben diese einzigartigen Anlässe, auch die Musiker.

Auf der Terrasse des Freibads kurz vor Konzertbeginn. Foto: Fausto Pluchinotta
Musik bei Tagesanbruch

Seit bald zehn Jahren kann man im Genfer Freibad Les bains des Pâquis um sechs Uhr früh Musik erleben: Morgendämmerungskonzerte. Nicht nur die Zuhörer lieben diese einzigartigen Anlässe, auch die Musiker.

Stellen Sie sich 500 Leute vor, die noch vor Sonnenaufgang auf der Terrasse eines Freibades sitzen, um den Tag zu den Klängen eines Konzerts zu begrüssen! In den Bains des Pâquis kommt das Publikum von überall, aus dem Quartier, der Stadt, der Umgebung, aus dem benachbarten Frankreich, sogar aus dem Kanton Waadt. Und es kommt schon seit fast zehn Jahren, jeweils von Mitte Juli bis Ende August, täglich.

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«Exotisches» …

Das Freibad des Pâquis mitten in Genf wurde 1872 als Holzkonstruktion in den See gebaut, Ende des 19. Jahrhunderts gelangte es in den Besitz der Stadt, und nach 1930 folgte ein Neuaufbau aus Stein. Mit dem eher symbolischen Eintrittspreis von zwei Franken und freiem Zugang ausserhalb der Badezeiten ist es ein Lieblingsort vieler Genfer und hat jährlich fast eine Million Besucher. In den Achtzigerjahren brachten Pläne für eine intensivere Nutzung des Geländes durch einen Veranstalter den Badefrieden durcheinander. Die Alteingesessenen gründeten die Association des usagers des Bains des Pâquis (AUBP) und kämpften für die Erhaltung des bisherigen Zustands. 1988 stimmten ihnen die Genfer Stimmbürger mit 75% zu. Seither verwaltet die AUBP das Bad und organisiert in diesem aussergewöhnlichen Rahmen auch eine ganze Reihe von kulturellen Veranstaltungen: Karneval, Tanzanlässe, Ausstellungen, einen Adventskalender, bei dem täglich ein Umkleidekabinentürchen aufgeht – und Konzerte. Zuerst als Dank an die vielen Musikerinnen und Musiker gedacht, die die Abstimmungskampagne unterstützt hatten, waren Konzerte im Freibad bald nicht mehr wegzudenken. Und sie sind bis heute, wie die übrigen Aktivitäten, gratis, dank der Subventionierung der Stadt Genf, der Unterstützung der Lotterie romande und privaten Geldgebern.

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… und Klassisches zwi- schen 6.00 und 7.00 Uhr.
Fotos: zvg

Bei den Morgendämmerungskonzerten springen einige Besucher noch schnell ins Wasser, bevor es anfängt, allen wird eine Tasse Kaffee oder ein kaltes Getränk angeboten und sie hören an den rund 50 Tagen eine gemischtes Programm aus Klassik, Jazz, Folklore aus den verschiedensten Ländern, Chanson, Rock und Elektro. Die Künstler erhalten eine bescheidene Gage, und nach dem Konzert wird ihnen ein reichhaltiges Frühstück serviert, das oft auch dazu genutzt wird, mit den Zuhörern zu schwatzen. Im Moment bereiten die Verantwortlichen die Saison 2014 vor. Die Fans haben schon den Wecker gerichtet, um sie nicht zu verschlafen.

www.bains-des-paquis.ch/Evenements/Aubes-musicales

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Stadt und Kanton Genf kooperieren in Sachen Kultur

In einer gemeinsamen Erklärung konkretisieren der Kanton und die Stadt Genf eine engere Kooperation in der Kulturpolitik, basierend auf dem am 27. Juli dieses Jahres in Kraft getretenen kantonalen Kulturfördergesetz.

Grand Théâtre de Genève, Foto: zvg

Der Kanton wird sich unter anderem stärker engagieren in der Unterstützung von Genfs kulturellen Leuchttürmen. Dies betrifft etwa Investitionsvorhaben der Nouvelle Comédie und den laufenden Betrieb des Grand Théâtre. Auch die Erweiterung des Historischen Museums will der Kanton verstärkt mittragen.

Zur Umsetzung des Gesetzes soll in einer nächsten Etappe 2014 ein konsultativer Kulturrat (Conseil consultatif de la culture) ins Leben gerufen werden. Ziel der Kooperation  ist «eine kohärente Kulturpolitik von Stadt und Kanton sowie die Ermöglichung des Zugangs aller zur Kultur».

Standardwerk für Spezialisten

Die digitale Musikproduktion ist ein weitverzweigtes, komplexes Gebiet. Martin Neukom nähert sich den Phänomenen mit einer mathematischen Betrachtungsweise.

Ausschnitt aus dem Buchcover

Die Ursprünge liegen im Jahr 1957: Auf einem IBM-709-Computer komponierte der amerikanische Komponist Max Mathews das erste digitale Werk der Musikgeschichte. 17 Sekunden ist es lang und klingt heute ähnlich befremdlich wie die analogen Ringmodulatoren, die Karlheinz Stockhausen, Karel Goeyvaerts und Gottfried Michael Koenig in Köln benutzten. Unmittelbar nach 1957 Jahren passierte wenig. Erst in den Siebzigerjahren kam die Sache ins Laufen: 1974 gibt es die erste Konferenz für Computermusik. Ab 1977 erscheint das Computer Music Journal, das bis heute Entwicklungen reflektiert, die mit Instrumentenkunde und Harmonielehre nur noch sehr bedingt in Einklang zu bringen sind.

Dies gilt auch für das nun erstmals auf Englisch erschienene Signals, Systems and Sound Synthesis. Gerald Bennett, Gründer des ehemaligen Zürcher Instituts für Computermusik und Klangtechnologie, hat sich die Mühe gemacht, das 2003 von Martin Neukom publizierte Buch inklusive mancher Überarbeitungen und Ergänzungen zu übersetzen. Herausgekommen ist ein Standardwerk, allerdings eines für Spezialisten. Zum einen liegt das an der Flut neuerer Kompositionsprogramme und der Diversifikation digitaler Musikproduktion, die so heterogene Bereiche umfasst wie Fast Fourier Transformation, Granularsynthese oder die Arbeit mit Max-Patches. Zum anderen liegt die Komplexität in der Methodologie begründet. Neukom argumentiert streng mathematisch. Selbst verhältnismässig einfache akustische Grundlagen wie Ausbreitung von Schallwellen oder die Unterscheidung von Klangstärke und Klangintensität weiten sich so schnell zu komplexen Problemfeldern, die der gewiefte Akustiker durchschauen mag, sich aber dem Verständnis des weniger zahlenaffinen Musikhistorikers entziehen.

Dem mehr als 600-seitigen Wälzer fügten Neukom und Bennett eine CD bei, die neben dem kompletten Buchinhalt auch Klangbeispiele bietet. Da die meisten Dateien in ungewöhnlichen Programmiersprachen wie Mathematica Notebooks, Csound oder C/C++ geschrieben sind, ist der Download spezieller Anwendungen wie etwa eines Wolfram CDF Players vonnöten. Wer jedoch nicht im Besitz eines aktuellen Betriebssystems ist, wird sich auf die zum Glück traditionell bedruckten Seiten beschränken müssen.

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Martin Neukom Signals, Systems and Sound Synthesis, ins Englische übersetzt von Gerald Bennett, 619 S., Fr. 110.00, mit CD, Peter Lang Verlag, Bern 2013, ISBN 978-3-0343-1428-2

Der erste Interpret schrieb mit

Dvořáks zweites Cellokonzert liegt endliche in einer vorbildlichen Ausgabe vor, die auch den Einfluss des Widmungsträgers dokumentiert.

Dvořák-Denkmal in Prag. Foto: Richard Villalon / fotolia.com

Die Edition von Antonín Dvořáks monumentalem zweiten Cellokonzert in h-Moll op. 104 ist eine lange Leidensgeschichte. Vergleicht man herkömmliche Ausgaben (auch solche, die sich als «Urtext» ausgeben), bemerkt man rasch frappante Abweichungen zwischen Partitur, Solo-Stimme und Orchestermaterial. Damit räumt die neue Bärenreiter-Ausgabe endlich gründlich auf. Jonathan Del Mar hat überaus gewissenhaft alle erhaltenen Quellen untersucht, darunter zwei, die bis dahin entweder ignoriert oder in hohem Masse unterschätzt wurden.

Auch der Einfluss des Cellisten und Widmungsträgers Hanuš Wihan ist ausführlich dokumentiert. Del Mar weist nach, dass nicht nur gewisse Passagen in Dvořáks Autograf von ihm geschrieben wurden, sondern auch einige Details in den Orchesterstimmen von ihm stammen. Dies belegt, wie eng die beiden Musiker während der Entstehung des Werkes zusammenarbeiteten.

Die Anstrengungen führten zu einer massstabsetzenden Edition, die erstmals seit der Erstveröffentlichung des Konzerts im Jahr 1896 Dvořáks definitive Fassung des Soloparts wiederherstellt. In fast jedem Takt unterscheidet sie sich von allen modernen Ausgaben. Auch in den Orchesterstimmen wurden Hunderte von Korrekturen vorgenommen. Der separat erhältliche Kritische Bericht in englischer Sprache ist in dieser Hinsicht besonders aufschlussreich.

Es ist zu hoffen, dass diese Ausgabe sich rasch als Standardmaterial durchsetzen wird.

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Antonín Dvořák: Koncert pro Violoncello h-Moll op. 104, Urtext hg. von Jonathan Del Mar; Partitur, BA 9045, € 55.00; Bearbeitung für Violoncello und Klavier des Komponisten BA 9045-90, € 14.95; Kritischer Bericht, BA 9045-40, € 29.95; Bärenreiter, Prag 2011

Barocke Vorbilder

Eine Blockflötensonate an den Grenzen, aber immer innerhalb des tonalen Rahmens.

Foto: Tobias Jacob / fotolia.com

Gleich vier glückliche familiäre Umstände waren bei der Entstehung der vorliegenden Sonata in d für Altblockflöte und Orgel beteiligt: Den Mittelsatz der Sonate schrieb Hans Chemin-Petit 1963 ursprünglich zur Taufe seines Enkels Hajo – eine heiter-idyllische Aria im Dreivierteltakt mit Beginn und Ende im ruhigen Andante-Tempo und einem etwas schnelleren Mittelteil. Dass er schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts überhaupt für Blockflöte komponierte, verdanken wir dem Umstand, dass eine seiner Töchter – Jeannette Chemin-Petit – Blockflötistin war, zunächst als Schülerin Linde Höffer-von Winterfelds, danach selbst als Professorin in Berlin. Und der dritte Umstand ist in Hans Chemin-Petits eigener Biografie zu finden: Geboren 1902 in Potsdam als Sohn eines Kapellmeisters und einer Sängerin, genoss er schon früh Klavier- und Cellounterricht, studierte später Violoncello und Komposition an der Musikhochschule in Berlin und gelangte sowohl als Cellist, als Chordirigent, aber auch als Komponist zu grosser Bedeutung. Sein umfangreiches Œuvre umfasst fast allen Gattungen und beinhaltet eben auch zahlreiche Werke für Blockflöte, von klein besetzter Hausmusik bis hin zum grossen Doppelkonzert für Blockflöte, Cembalo, Streicher und Schlagzeug. Allerdings muss sich Chemin-Petit auch kritische Fragen gefallen lassen: Als Mitglied des NS-Altherrenbunds war er einer Ideologie verpflichtet, die ihn, seine Werke und sein Wirken in ein zwiespältiges Licht rücken. So wurde z. B. seine Kantate An die Liebe am Reichsmusiktag 1938 aufgeführt.

Hans Chemin-Petit lotet in seiner Sonata in d wie überhaupt in seinen Werken die Grenzen der Tonalität aus, in der er aber immer verhaftet bleibt. Auch formal ist sein Denken der Tradition verpflichtet: Sowohl das auf Symmetrie angelegte Formverständnis, die kunstvolle, an J. S. Bach geschulte Polyfonie, die Art der Rhythmik und die Satzmodelle (Aria, Gigue) verweisen auf barocke Vorbilder, haben aber dank der ganz persönlichen Tonsprache und dem melodischen Reichtum Chemin-Petits ein neues Kleid erhalten. Die beiden Instrumente Altblockflöte und Orgel sind gleichberechtigte Dialogpartner.

Die zuerst entstandene Aria erweiterte der Komponist im Sommer nach der erwähnten Taufe um die beiden Ecksätze Allegro und Gigue zu einer dreisätzigen Sonate nach klassischem Vorbild. Dass sie überhaupt ediert wurde – Glücksfall Nummer vier – verdanken wir seiner zweiten Tochter (und Mutter des Täuflings) Andrea Witte.

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Hans Chemin-Petit (1902-1981), Sonata in d für Altblockflöte und Orgel, hg. von Andrea Witte, EM 2165, € 15.00, Edition Merseburger, Kassel 2013

Virtuose Fantasien

Themen aus berühmten Opern in Versionen für Flöte und Klavier oder Orchester.

Anafesto Rossi als Rigoletto, 1911. Foto: May Moore, State Library of New South Wales / flickr commons

Passend zum Verdi-Jahr hat der Schweizer Flötist Emmanuel Pahud seine Flute Collection mit Opernfantasien über dessen Werke bereichert, die im 19. Jahrhundert für Kammermusik- und Hauskonzerte entstanden sind. Aufgrund Theobald Böhms technischer Entwicklungen erwuchs Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Generation von Flötisten, die ihre Virtuosität unter anderem dazu nutzten, populäre Musik, wie es die damaligen «Opernhits» waren, in effektvolle Paraphrasen und Fantasien einzukleiden. Pahud beabsichtigt einerseits, diese teilweise in Vergessenheit geratenen Bravourstücke in der Originalfassung für Flöte und Klavier wieder zum Leben zu erwecken, und hat andererseits erkannt, dass sich diese auch als Flötenkonzerte eignen, sodass er von Yoel Gamzou zu allen Werken noch eine Orchesterbegleitung anfertigen liess.

Bei der Fantasie über «La Traviata» handelt es sich um die populären Bearbeitungen durch die renommierten italienischen Flötisten Emanuele Krakamp und Giulio Briccialdi, die beide auch als Komponisten tätig waren. Für die neue Ausgabe hat Yoel Gamzou ihre beiden Versionen zu einem Ganzen zusammengeführt. Die einzelnen Abschnitte beginnen immer mit bekannten Themen, die dann bald von Girlanden üppig ausgeschmückt werden.

Die Fantasie über «Rigoletto» für zwei Flöten und Klavier wurde von den Brüdern Karl und Franz Doppler komponiert, die als reisende Flötenvirtuosen im 19. Jahrhundert international bekannt waren und dieses Stück wahrscheinlich auf ihren Konzerttourneen zum Besten gaben. Die Fantasie enthält auch die berühmte Sopranarie Caro nome di lui si amato, die in der Oper mit zwei Flöten im langsamen Eingangsthema besetzt ist. Gekonnt werden die beiden Flötenstimmen oft in süsslichen Sexten geführt und wechseln sich mit Thema und virtuoser Umspielung ab, sodass sich zwei gleichwertige Instrumentalstimmen gegenüberstehen. Diese Fantasie ist auch dynamisch interessant abgestuft und wirkt dadurch sehr farbenreich.

Die Bearbeitung der Arie des Lensky aus Tschaikowskys Oper «Eugen Onegin», deren Tonumfang zwar vom kleinen h bis zum viergestrichenen c reicht, lebt eher von ihrer ausdrucksvollen Melodik als von virtuosen Passagen. Die Fassung geht auf ein Arrangement aus den Zwanzigerjahren von Leopold Auer für Violine und Klavier zurück und wurde von Guy Braunstein, dem derzeitigen Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, revidiert und für Flöte und Klavier herausgegeben. So stellt dieses Werk nun auch eine Bereicherung des Repertoires für Flötistinnen und Flötisten dar.

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Giuseppe Verdi , Fantasie über «La Traviata» für Flöte und Klavier nach den Fantasien von Emanuele Karakamp und Giulio Briccialdi bearb. von Yoel Gamzou, (The Flute collection UE 35314, € 22.95, Universal Edition, Wien 2012

Giuseppe Verdi/Franz und Karl Doppler, Fantasie über „Rigoletto“ für zwei Flöten und Klavier, UE 35315, € 24.95

Peter Iljitsch Tsaikowsky, Arie des Lensky aus der Oper «Eugen Onegin», für Flöte und Klavier bearbeitet von Guy Braunstein, UE 35313, € 18.95

Klangblumen

Neue Harfenstücke, die zum eigenen Experimentieren anregen können.

Foto: Marit Peters / pixelio.de

Ursprünglich wurden die Klangblumen von der deutschen Komponistin Barbara Heller für Klavier geschrieben; später hat sie sie für Violine und Klavier weiter bearbeitet. Es stellte sich heraus, dass sich beide Versionen grössten Teils auch sehr gut für Harfe bzw. Harfe und Violine eignen. Domenica Reetz und Marianne Boettcher haben sie entsprechend eingerichtet.

Die einzelnen Stücke tragen sehr bildhafte Titel, teils Namen von Blumen, teils Fantasiebezeichnungen wie Flatterblume, Papierblume, Gräser im Wind, Eisblume usw. und ermöglichen dadurch einen direkten, assoziativen Bezug zu den verschiedenen Klangbildern. Jedem Stück liegt je nach Charakter ein musikalischer Gedanke (eine Skala, eine Beschränkung auf bestimmte Intervalle, eine musikalische Geste oder ein rhythmisches Element) zugrunde, welcher eine starke Stimmung auszustrahlen vermag und Spieler und Zuhörer gleichermassen in Bann zieht.

Während die Klangblumen für Harfe solo aus 17 Stücken bestehen, weist das Heft für Violine und Harfe deren 14 auf (und nicht 13, wie fälschlicherweise auf dem Heftumschlag vermerkt!). Teils wurden die gleichen Stücke erweitert oder auf die beiden Instrumente verteilt, teils kamen auch neue Stücke dazu. Die Klangblumen können als Zyklus oder auch einzeln gespielt werden. Sowohl die Solo- wie auch die Duostücke eignen sich auch hervorragend für Jugendliche, die dadurch mit sehr stimmungsvoller Musik unserer Zeit in Berührung kommen und vielleicht sogar angeregt werden, mit den musikalischen Ideen weiter zu experimentieren.

Manche Stücke sind auf der keltischen Harfe oder der Tiroler Harfe spielbar. Bis auf ganz wenige falsche Pedalbezeichnungen ist die Ausgabe sehr schön und übersichtlich gestaltet. Ich kann diese zwei Werke wärmstens empfehlen.

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Barbara Heller: Klangblumen, 17 Stücke für Harfe solo, hg. von Domenica Reetz, ED 21020, € 11.99, Schott, Mainz 2011

Barbara Heller: Klangblumen, 13 Stücke für Violine und Harfe, hg. von Marianne Boettcher, ED 21021, € 16.99, Schott, Mainz 2011

Das Universum der Discjockeys

In den letzten zwanzig Jahren sind Tanzanlässe mit DJs zu einem Hauptphänomen des Nachtlebens geworden. Mit Hilfe der neuen Technologien und Medien bewegen sie die Massen.

Foto: DR
Das Universum der Discjockeys

In den letzten zwanzig Jahren sind Tanzanlässe mit DJs zu einem Hauptphänomen des Nachtlebens geworden. Mit Hilfe der neuen Technologien und Medien bewegen sie die Massen.

Zum Teil gilt der DJ zwar noch als blosser «Plattenaufleger», aber immer öfter wird seine Tätigkeit als eigenständige Kunst begriffen. Er hat so viele Möglichkeiten, seinen «Mix» zu gestalten, wie es Musikstile gibt. Reiht er Musikstücke aneinander, so geht es darum, einen Rhythmus oder eine Melodie in die folgende übergehen zu lassen, um die Zuhörer, ohne dass sie es richtig wahrnehmen, von einer Stimmung in die nächste zu führen. Internationalen Erfolg erringen vor allem DJs, die auch als Produzenten tätig sind. Sie arrangieren bestehende Tonspuren, montieren musikalische Ausschnitte, sogenannte samples, aus allen möglichen Stücken, mischen, fügen Effekte und selbst aufgenommene Geräusche oder Klänge bei und schaffen so ihre eigenen Titel. Ihre Arbeit entspricht der eines Komponisten. Meist bereiten sie ihre Stücke vor und spielen sie dann an den Anlässen ab, aber es gibt auch DJs, die improvisieren. Vor allem an Electro-Festivals werden solche, live gemischten, im Konzert entstehenden sets geboten.

Puristen arbeiten mit Plattenspielern, die es wieder in fast allen Clubs gibt und die ein physisches Manipulieren an den Klangträgern ermöglichen. Laptops und USB-Sticks mit umfangreichen Klangdatenbanken gehören ebenso zum Handwerkszeug wie Mischpult und Kopfhörer. Für die produzierenden DJs sind auch digitale Kompositionsprogramme und virtuelle Instrumentalklänge wichtige Hilfsmittel. Wer all diese Elemente beherrscht, ist aber nicht automatisch ein guter DJ. Denn dieser passt seine Darbietung dem Anlass, dem Ort, dem Publikum an. Und nicht nur das: Vor allem anderen ist der DJ ein showman. Er braucht Bühnenpräsenz, Kommunikationstalent, muss von sich reden machen und sich ein Stammpublikum aufbauen. Er muss auf sein Publikum eingehen und zugleich stets am Puls der Zeit sein, neue und unverwechselbare Klänge in seine sets einbauen. Kreativität, Anpassungsfähigkeit und Persönlichkeit sind wie in jeder künstlerischen Disziplin die Grundvoraussetzungen für den Erfolg.

Stilistische Explosion
Einer der Ursprünge der DJ-Bewegung ist die Ölkrise. Als in den Automobilhochburgen Detroit und Chicago in den Siebzigerjahren die Arbeitslosigkeit stark zunahm, wuchs parallel dazu das Interesse für Soul und Disco-Musik, die «natürlichen Eltern» der house music. Nach und nach traten Synthesizer und Rhythmusboxen in dieser Musik immer stärker in den Vordergrund, bis sie zum eigentlichen Kern eines Stücks wurden. Parallel dazu trieb in Europa etwa die Gruppe Kraftwerk ähnliche Experimente ins Extrem, was den Weg ebnete für verschiedenste mit dem house verwandte Stile: alles, was sich unter dem Sammelbegriff electro zusammenfassen lässt. Vorreiter waren die DJs in Berlin, in Schweden und Holland, die auch jetzt noch an der Spitze vieler Entwicklungen stehen.

Heute lässt sich eine regelrechte stilistische Explosion feststellen, die alle Genregrenzen niederreisst. Viele DJs legen ihrer Musik nicht nur Electroklänge zugrunde, sondern schöpfen aus allen möglichen, oft auch entlegenen Stilen. Damit entziehen sich die Ergebnisse jeder Etikettierung und «verdauen» gewissermasen, was es an aktuellen Klangphänomenen gibt. Alles ist möglich – solange das Publikum mitgeht. Bei den meisten Anlässen ist immer noch am wichtigsten, dass der DJ zum Tanzen animiert. Daher muss er sich, so frei er auch sonst gestalten kann, an recht eng reglementierte Tempi halten: 140 BPM für Dubstep, 175 BPM für Drum’n Bass usw.

Nachhinkende Ausbildung
Angesichts der raschen Entwicklung und Veränderung der Szenen und Stile hinkt die Ausbildung hinterher. Es gibt Kursangebote für computergestützte Musik, daneben die «klassischen» Ausbildungen zum Komponisten oder Toningenieur. In der Westschweiz ist die Swiss DJ School von Djerem in Lausanne im Moment die einzige, die konkret auf die DJ-Tätigkeit vorbereitet. In der Deutschschweiz bieten mehrere private Veranstalter Workshops, Gruppen- und Einzelunterricht an. In Basel existiert eine Schule speziell für DJanes. Stilwahl, Repertoireaufbau, Kommunikation und Netzwerkaufbau werden behandelt. An der Hochschule der Künste Bern, Abteilung Pop & Rock, ist die DJ-Kultur Teil des CAS-Moduls Performance, Produktion & Publishing.

Mit oder ohne Ausbildung gibt es eine ganze Menge professionelle oder halbprofessionelle DJs, aber nur wenige schaffen es auf internationale Bühnen. Viele kommen nur mit Neben- oder anderen Hauptbeschäftigungen über die Runden.

Prekäre Rechtslage
Wer ein Stück remixen oder Teile eines bestehenden Stückes verwenden will, braucht die Zustimmung der Rechteinhaber. Hat er sie erhalten, kann er an den Erträgen des neu entstandenen Stücks als Arrangeur oder auch als Produzent teilhaben. Nicolas Pont, Jurist bei der Suisa, gibt jedoch zu bedenken, dass nur wenige DJs eine Liste der verwendeten Stücke einreichten und dass es grundsätzlich schwierig sei, ein Kontrollsystem einzurichten. Vor kurzem hat die Suisa aber an sechzig Veranstaltungsorten «Hitboxen» mit einem Erkennungssystem für die erklingenden Stücke installiert.
 

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Musik Hug setzt im Handel neue Akzente

Musik Hug schliesst die Filiale an der Markt-/Spitalgasse in St. Gallen. Gleichzeitig wird im Februar 2014 in der Ostschweizer Metropole ein Pianohaus eröffnet. Das Musikhaus wird überdies seinen Webshop erneuern.

Foto: Laurent Hamels – Fotolia.com

Mit rund 900 Quadratmeter Verkaufsfläche, verteilt auf zwei Etagen, soll an der Fürstenlandstrasse in St. Gallen das grösste Fachgeschäft der Ostschweiz für akustische Flügel und Klaviere, digitale Pianos, elektronisches Musikzubehör sowie ausgewähltes DJ- und Home-Studio-Equipment entstehen.

In den letzten fünf Jahren habe sich vor allem der Verkauf von Tonträgern massiv hin zu Online-Bezugsquellen verschoben, schreibt Musik Hug. Deshalb werde der Webshop mit über 350’000 Noten und Musikbüchern grundlegend überarbeitet. Bald könnten zusätzlich rund 400’000 Klassik-, Jazz- und Pop/Rock-CD, Instrumenten-Spezialangebote sowie Zubehör online bezogen werden.

Die aufgrund der Umstrukturierung verbundene Aufgabe der St. Galler Musik Hug Filiale habe möglicherweise einen Abbau von 11 bis 14 Stellen zur Folge, der mit einem Sozialplan begleitet werde. Den betroffenen Mitarbeitenden und insbesondere den Lernenden werde nach Möglichkeit in den Filialen mit Vollsortiment eine neue Stelle angeboten.

OSR und Miguel Esteban haben sich geeinigt

Das Orchestre de la Suisse romande (OSR) und sein früherer Geschäftsführer Miguel Esteban, der kurz nach Stellenantritt wieder entlassen worden ist, haben sich vor Gericht offenbar geeinigt.

Victoria Hall in Genf, eine der Hauptspielstätten des OSR, Foto: BiiJii, wikimedia commons

Laut der Westschweizer Zeitung «Le Temps» hat die Leitung des Orchesters orchesterintern einen Brief zirkulieren lassen, in dem sie die gerichtliche Einigung bekannt gibt. Über Details der Vereinbarung wird nichts öffentlich gemacht.

Ursprünglich stand eine Forderung Estebans in der Höhe von 1,8 Millionen Franken gegenüber dem OSR im Raum. Esteban war 2012 kurz nach seiner Amtsübernahme aus unbekannten Gründen wieder freigestellt worden

Wo Hollywoods Musiker ihr Handwerk lernen

Zu den Top 10 der Kaderschmieden der Film- und Musikstadt Hollywood bei Los Angeles gehören die wichtigsten amerikanischen Ausbildungsinstitute. Aber auch eine europäische Eliteschule findet sich darunter.

Foto: Sörn, Flickr.com

Wer in der Welt der Blockbuster, Musicals und Stadionkonzerte Karriere machen will, ist am besten beraten, wenn er sich sein Rüstzeug am Berklee College of Music erwirbt. Sie hat die engsten Beziehungen zur Szene und das höchste Ansehen. Eine weitere gute Adresse in Los Angeles ist die Thornton School der USC (University of Southern California). Die Herb Alpert School der UCLA (Universtiy of California Los Angeles) findet sich auf dem vierten Rang.

Auf dem dritten und fünften bis achten Rang finden sich aber bereits die bedeutendsten Schulen der Ostküste, die New Yorker Juilliard School, die Eastman School of Music der University of Rochester, das Steinhardt Department of Music and Performing Arts Professions der New York University, das Curtis Institute of Music in Philadelphia und das New England Conservatory of Music von Boston.

Auf dem Platz neun findet sich das California Institut of the Arts und auf dem zehnten schliesslich das einzige europäische Ausbildungszentrum, das Royal College of Music in London.

Pro Helvetia fördert Musikinformationsprojekte

Mit dem Schwerpunkt «Digitale Kultur» reagiert Pro Helvetia auf die Omnipräsenz Neuer Medien. Im Fokus sind mobile Geräte, die Digitalisierung in den Kunstsparten und interdisziplinäre Kooperationen. Gefördert werden unter anderem Informationsprojekte in der Musik.

Foto: Victor Tongdee – Fotolia.com

Rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung nutzt heute ein Smartphone. Auch andere mobile Geräte, die uns erlauben, immer und überall online zu sein, sind tief in unseren Alltag eingedrungen. Wie wirkt sich diese Omnipräsenz aufs künstlerische Schaffen aus? Und welche neuen künstlerischen Ausdrucksformen bringen sie hervor? Diese Fragen greift die Schweizer Kulturstiftung von 2013 bis 2015 mit ihrem neuen Programm «Mobile. In Touch with Digital Creation» auf.

Die zweite Achse des Schwerpunkts «Digitale Kultur» öffnet sich den Einflüssen der Digitalisierung auf die Verbreitung, die Promotion und die Vermittlung in den klassischen Kunstdisziplinen wie beispielsweise Literatur im Netz oder Musikinformationsprojekte.

Über die Ausschreibung «Interdisziplinäre Kooperationsprojekte Neue Medien» sind schliesslich Gemeinschaftsprojekte von Veranstaltern, Institutionen und Produzenten gesucht, die sich künstlerisch mit jüngsten digitalen Technologien oder deren gesellschaftlichen und kulturellen Auswirkungen auseinandersetzen.

Der Schwerpunkt «Digitale Kultur» der Pro Helvetia umfasst die Jahre 2012 bis 2015 und hat ein Budget von 1,8 Millionen Franken. Gesuche sind über www.myprohelvetia.ch einzureichen.

 

Ein Schweizer an der Spitze der Musikhochschule Lübeck

Der Senat der Musikhochschule Lübeck (MHL) hat Rico Gubler – zur Zeit Studiengangleiter an der Hochschule für Musik in Basel – mit eindeutiger Mehrheit zum neuen Präsidenten der MHL gewählt. Er tritt damit die Nachfolge von Inge-Susann Römhild an, die die Hochschule seit 1994 geleitet hat.

Foto: zvg

Den 41-jährigen Zürcher Gubler hat die Findungskommission unter 18 externen Mitbewerbern ausgewählt, wie die MHL schreibt. Gubler tritt seine sechsjährige Amtszeit am ersten März 2014 an. Er ist zurzeit Studiengangleiter an der Hochschule für Musik in Basel, wo er auch mit Aufgaben der Hochschulleitung betraut ist.

Gubler studierte Saxophon, Komposition und Jura und wirkte neben seinen Verwaltungsaufgaben als freischaffender Saxophonist und Komponist sowie als Dozent an verschiedenen schweizerischen Hochschulen.

Inge-Susann Römhild leitet die MHL noch bis zum 28. Februar 2014. Mit 19 Jahren Amtszeit ist sie aktuell die am längsten amtierende Leiterin einer deutschen Musikhochschule. Sie wurde 1994 erstmals zur Rektorin der MHL gewählt. Nach vier weiteren Amtszeiten als nebenamtliche Rektorin wurde sie 2008 erstmals zur hauptamtlichen Präsidentin.

Bienenklänge werden zur begehbaren Installation

Die erstaunliche Vielfalt von Bienenklängen ist derzeit am Zoologischen Museum der Universität Zürich zu hören – in einer begehbaren Klanginstallation des Musikers Beat Hofmann.

Foto: gnubier / Pixelio.de,SMPV

Die Klanginstallation basiert auf der Masterarbeit von Hofmann an der Zürcher Hochschule der Künste. Der Musiker untersuchte, welche Geräusche in einem Bienenstock wahrnehmbar sind. Die bisher kaum gehörten Geräusche und Klänge macht er durch Körperschallaufnahmen hörbar.

In einem überdimensionalen, begehbaren Bienenstock dringen Besucherinnen und Besucher des Zoologischen Museums der Universität Zürich in die Geheimnisse der Bienenklänge vor. Sie hören im Innern des Bienenstocks, dass auf dem Boden krabbelnde Bienen wie bedrohliche Trommelwirbel tönen, während sich auf den Waben Plätschern, Tröpfeln und Trippeln vernehmen lässt. Verlassen sie den Bienenstock, bewegen sie sich in der Anflugschneise der Bienen. Dort summt es zuerst klassisch, doch bald wird das Summen von menschlichen Stimmen abgelöst, die sich ebenso schwebend im Raum bewegen wie die Bienen.

Für die Aufnahmen logierte Hofmann ein Bienenvolk in einen mit Mikrophonen ausgestatteten Versuchskasten ein und isolierte diesen mit 300 Kilogramm Sand schalldicht. Die Spezialmikrophone verband er mit einem Computer und dies alles in Anwesenheit des Bienenvolkes, das sich möglichst natürlich verhalten sollte.

Hofmann arbeitete mit Berufsleuten aus Physik, Tontechnik, Film, Fotografie und Schreinerei, aber auch mit Imkerinnen und Imkern zusammen. Und für die Wandlung des Naturklangs zum Kulturklang in der Anflugschneise der Bienen gründete er ad hoc einen Chor. Experimentierfreudige Jugendliche und Erwachsene überführten, ausgehend von den Klängen und Bewegungen der Bienen, den Naturklang der Bienen in eine eigene ästhetische Ausdrucksweise.

Mehr Infos: www.zm.uzh.ch

Statik historischer Klaviere unter der Lupe

Statiker der TU Dresden modellieren in Zusammenarbeit mit der ETH und Genfer Spezialisten, wie Klimaschwankungen und mechanische Beanspruchungen historischen Klavieren schaden und wann sie noch gespielt werden können.

Foto: Petra Engeljehringer / Pixelio.de,SMPV

Erste Untersuchungen sind bereits in einem Vorgängerprojekt von 2009 bis 2011 vorgenommen worden. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Aufgabe, das sogenannte Tragverhalten der historischen Objekte realitätsnah zu simulieren, extrem komplex und der Forschungsbedarf sehr gross ist.

Neben den Modellierungen der Dresdner Wissenschaftler werden die Schweizer Kooperationspartner von der ETH Zürich im experimentellen Teil des Projekts die spezifischen Materialeigenschaften untersuchen. Neben den Hölzern stehen vor allem die damals üblichen Klebstoffe und Beschichtungen im Focus.

Am Ende wollen die Forscher nicht nur verstehen, welche Beanspruchungen zu welchen Schäden führen, sondern auch Grenzwerte festlegen und Empfehlungen für die Aufbewahrung und Nutzung der historischen Holzobjekte formulieren.

Die Wissenschaftler des Dresdner Instituts für Statik und Dynamik der Tragwerke um Michael Kaliske kooperieren für die Untersuchungen mit dem Institut für Baustoffe der ETH Zürich, dem Händel-Haus in Halle/Saale und dem Musée d’Ethnographie in Genf.

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