Freies Formverständnis

Bei der Neuausgabe von Clara Schumanns «Drei Romanzen» wird ihre Zusammenarbeit mit Joseph Joachim und Wilhelm Joseph von Wasielewski deutlich.

Clara Schumann um 1853. Fotograf unbekannt / wikimedia commons

Die Drei Romanzen für Violine und Klavier von Clara Schumann treffen beim ersten Kennenlernen sofort ins Herz mit ihren melancholischen, harmonisch reichen Melodiebögen, den fröhlichen Vogelrufen und der beschwingten Begleitung. Ihre Neuausgabe durch die weltweit tätige Geigerin und Pädagogin Jacqueline Ross hat gewichtige Vorteile: In einer dreisprachigen Einführung erzählt sie, wie Clara die Romanzen in Bewunderung von Joseph Joachims Spiel schuf. Romanzen waren bei Schumanns beliebt, weil sie durch freieres Formverständnis der Subjektivität, Spontaneität und dem Gefühlsausdruck mehr Aufmerksamkeit schenkten. Robert animierte seine Frau immer zum Komponieren, liess sogar Lieder von ihnen beiden gemeinsam drucken.

Das in dieser Ausgabe zusätzlich abgedruckte Autograf der ersten Romanze, das Clara dem befreundeten Geiger Wilhelm Joseph von Wasielewski schenkte, gibt Hinweise auf verschiedene Fassungen. Offenbar hatten sie gemeinsam daran gearbeitet. Gewisse Verbesserungen, entstanden anlässlich gemeinsamer Aufführungen der Romanzen mit Joseph Joachim, gelangten nicht mehr in die gedruckte Erstausgabe bei Breitkopf von 1856. Sie sind aber im hier vorhandenen Urtext eingearbeitet. Der ausschliesslich englische Critical Commentary beschreibt die Unterschiede der verschiedenen Autografe und Manuskripte zur Erstausgabe. Der Performing Practice Commentary ist ein lohnendes Lehrwerk zur Aufführungspraxis des 19. Jahrhunderts und gibt zu vielen Stellen jeder Romanze Ausführungsvorschläge für die Interpretierenden. Es werden zwei Violinstimmen geliefert: ein Urtext mit einigen von Joachim überlieferten Fingersätzen und eine von Ross eingerichtete Stimme, deren Vorschläge stilgerecht sind.

Für mich gehören Claras Drei Romanzen untrennbar zusammen mit Roberts Fünf Stücken im Volkston, original für Violoncello und Klavier, von Ernst Herttrich für Violine herausgegeben (Henle, HN 911). Im April 1849 schrieb Clara in ihr Tagebuch: «Diese Stücke sind von einer Frische und Originalität, dass ich ganz entzückt war.» Man darf davon ausgehen, dass die Violinversion auf Schumann zurückgeht; und eines der Stücke hat Joseph Joachim schon 1853 aufgeführt. Beim Musizieren aber stellt sich heraus, dass sich die Violine – eine Oktave höher klingend – zu sehr von dem zur Celloversion unveränderten Klavier absondert; es entsteht eine klangliche Lücke.

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Clara Schumann: Drei Romanzen für Violine und Klavier op. 22, hg. von Jacqueline Ross, BA 10947, € 19.95, Bärenreiter, Kassel 

Rührendes Wiegenlied

Schlichter Klang und hindernisfreie Ausführung prägen dieses typisch pärtsche Stück.

Foto: Kendra Wesley/unsplash.com

Arvo Pärt hat wohl ein zartes Verhältnis zu einem Enkelkind. In die einfache Melodie seines Estonian Lullaby wird ein feines Staccato-«Gut-Nacht!»-Motiv erst im Klavier eingeflochten, dann in der Geige mit Pizzicato oder Flageolett zum Einschlaf-Ausklang geführt.

Das ursprünglich für eine Frauenstimme komponierte Stück basiert auf einem Volkslied. Es dauert zwei Minuten und ist für beide Instrumente leicht zu spielen.

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Arvo Pärt: Estonian Lullaby, für Violine und Klavier, UE 38100, € 14.95, Universal Edition, Wien

Von der Angst und der menschlichen Wärme – Poulencs «Dialogues des Carmélites»

Nach achtzehn Jahren kehrt Francis Poulencs bewegende und auch befremdende Oper ans Zürcher Opernhaus zurück. Die Aufführung unterstreicht die im Titel stehenden «Dialoge» und zeigt Erbarmen mit Bühnenfiguren und Publikum.

Madame de Croissy – Evelyn Herlitzius / Blanche – Olga Kulchynska. Fotos: Herwig Prammer/OHZ

Von den vielen grossen Opern des 20. Jahrhunderts ist sie eine der exzeptionellsten, eine, die beim Erlebnis, zumindest bei mir, höchst widersprüchliche Gefühle hervorruft: So anziehend ist sie wie abstossend und befremdlich. Francis Poulencs Dialogues des Carmélites, uraufgeführt 1957, also mitten in der Hochblüte der Darmstädter Avantgarde, steht musikalisch ausserhalb ihrer Epoche. Sie ist tonal, kantabel, klar gebaut, zauberhaft orchestriert, ja sogar einschmeichelnd und eingängig, sie ist leicht und auf mozartsche Weise beweglich – und doch kann sie sich momentweise sehr abrupt verhärten. Sie stammt von einem Filou, einem Causeur und Charmeur, der gleichzeitig zum Mönchischen neigte und tiefreligiös war.

Dieses Werk ist nicht nur eine Oper ohne Liebes- und Kampfszenen, also ohne die grossen Theatergefühle, sondern tatsächlich, wie der Titel andeutet, eine Dialogoper. Der Text von Georges Bernanos ist geschliffen scharf wie ein Messer und dabei ideologisch gefärbt: «Schwärzester Katholizismus», wie ein Kollege einmal sagte, aus einer Zeit des militanten Antikommunismus. Er verherrlicht die katholische Kirche und restituiert sie durch das Martyrium, es macht Aufklärung rückgängig. Man bedenkt das die ganze Oper hindurch mit und wird doch zutiefst in den Konflikt, ja den Abgrund hineingezogen.

Das Publikum leidet mit

Das liegt nicht nur an der historisch verbürgten Geschichte, dass die Karmeliterinnen von Compiègne von den Jakobinern unterdrückt, gefangengenommen, verurteilt und hingerichtet wurden. Dahinter leuchtet in dieser Version eine sehr menschliche Seite auf: das Mitleiden, das sich auf den Zuhörer überträgt. Ausgehend von der wahren Begebenheit von 1794 hatte die deutsche Schriftstellerin Gertrud von Le Fort 1931 ihre Novelle Die Letzte am Schafott geschrieben und dabei eine fiktive Person hinzugefügt: die junge Adlige Blanche de la Force, die als Sœur Blanche de l’Agonie du Christ in den Karmel eintritt und in diese Ereignisse hineingezogen wird. Force und Agonie (die Namen sprechen!), Kraft und Todesangst, sind bestimmend für die Handlung. Blanche ist auf der Flucht, auf Weltflucht, sie ist von panischer Angst getrieben und findet eine Sicherheit in der Strenge des Ordens.

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Ensemble, Tänzerinnen und Tänzer

Darum geht es in dieser Oper zunächst, dafür fand Poulenc eine ebenso einfache und wie unmittelbar aufwühlende Tonsprache. Und hier steckt auch die Stärke der neuen Zürcher Inszenierung, achtzehn Jahre nach der starken Aufführung in der Regie von Reto Nickler. Die niederländische Regisseurin Jetske Mijnssen setzt genau da an. Sie aktualisiert nichts äusserlich, belässt die Kostüme (Gideon Davey) im späten 18. Jahrhundert, setzt alles in ein hohes, meist karges, für die jeweiligen Szenen wandelbares Bühnenbild (Ben Baur) und fügt, abgesehen von einer erzählerischen Tanzeinlage zu Beginn, keinen Zierrat bei. Wichtiger sind die langen, distanzierenden Tische, an denen Gespräche stattfinden, und die vielen Stühle, mal unordentlich, mal geordnet im Raum postiert, schliesslich umgestossen. Es schafft eine beklemmende Atmosphäre, und darin versteht Mijnssen die Personen überzeugend zu führen, allen voran die in ihrer gesanglichen und darstellerischen Expressivität subtile Blanche von Olga Kulchynska.

Die Nonnen bleiben Individuen

Darum herum findet sich der heterogene Kreis der Nonnen, die allesamt starke Individualitäten (und Sängerinnen) sind: die mütterliche, etwas pathetische Priorin (Inga Kalna), die strenge, zum Äussersten entschlossene Mère Marie (Alice Coote), die junge, liebliche, zu Visionen neigende Constance (Sandra Hamaoui) und die ängstliche Jeanne (Liliana Nikiteanu). Und da ist die erste Priorin, die im ersten Akt stirbt, auf geradezu unwürdige Weise voller Todesangst und Verzweiflung, eindringlich dargestellt von Evelyn Herlitzius. Es sind keine Glaubensmaschinen, die uns da entgegentreten, sondern verletzliche, verunsicherte und unterschiedlich reagierende Menschen. Und das ist es schliesslich, was der Aufführung eine einnehmende menschliche Wärme verleiht, etwas, das auch das Orchester, die Philharmonia Zürich unter der Leitung von Tito Ceccherini, ausstrahlt: Kompaktheit und Klarheit, farbenreich, nie ins Extrem gehend. Diese Wärme, die die Frauen bei aller klösterlichen Strenge untereinander finden, lässt die Angst umso deutlicher hervortreten. Mijnssen arbeitet hier auf eindrückliche Weise mit der Körpersprache.

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Ensemble und Chor

Gnädige Inszenierung

Bleibt die berühmte Schlussszene, die weit mehr als ein Opernfinale ist. Ähnlich wie das letzte Bild in Bernd Alois Zimmermanns Die Soldaten, wo sich die Zeiten übereinanderblenden und zu einem Gesamtbild des Kriegs zusammenschiessen, übersteigert sich hier das persönliche Schicksal der Frauen in einem Massaker, und es stellt eigentlich jede Regie vor ein unlösbares Problem. Wie den Tod zeigen? Die Nonnen sterben nacheinander auf dem Schafott. Untermalt von einem unruhigen Puls, der bei Poulenc häufig erscheint, wenn es um den Tod geht, singen sie das Salve Regina. Mit jedem hörbaren Heruntersausen der Guillotine verstummt eine Stimme, bis nur noch eine einzige übrig bleibt, jene der Blanche, die sich zum Martyrium entschieden hat.

Dieser Schluss ist eine Stärke, aber auch eine Schwäche des Stücks, weil er theatral so extrem eindrucksvoll ist und dabei den Rest der Oper auszulöschen droht. Das menschliche Miteinander, das Dialogisieren in einem weiteren Sinn, das das Werk bis dorthin prägt, geht in ein Tötungsritual, in ein kollektives Sterben über. Man kann sich vorstellen, wie schmerzhaft es für den Komponisten gewesen sein mag, seine Geschöpfe sterben zu lassen und die harten Schneidgeräusche des Fallbeils in den sanften und doch starken Frauengesang hineinzusetzen: unerbittlich, realistisch unregelmässig und musikalisch «sinnvoll». Da erreichen Kunst und Können die Grenze zur Grausamkeit.

Blanche – Olga Kulchynska / Sœur Constance – Sandra Hamaoui

In der Zürcher Inszenierung nun wird gerade das abgemildert. Die Schlussszene löscht nichts aus, sondern fügt sich sogar folgerichtig in den Abend ein, wenn er dabei auch an Härte verliert, so als habe man Mitleid mit dem Komponisten und seinen Geschöpfen. Die Guillotine ist akustisch nicht vordringlich, sondern bleibt fast im Hintergrund. Als Zeichen des Sterbens senken die Frauen nur den Kopf. Die Szene verliert so ihren Schrecken. Mijnssen beharrt auf der Individualität der Nonnen, im Tod streicht jede noch ihren Namen von einer Wand und verlässt die Bühne gesenkten Haupts. Das ist gnädig, mit den Figuren und mit uns, und verschleiert doch ein wenig die Inkommensurabilität dieser ungeheuerlichen Oper.

Opernhaus Zürich

noch bis 5. März 2022

Erlass einer neuen Kulturförderungsverordnung

Der Winterthurer Stadtrat hat die Weisung zur neuen Kulturförderungsverordnung an das Stadtparlament überwiesen. Anpassungen betreffen die Finanzierung, die Sichtbarmachung der kulturellen Vielfalt sowie die Klärung, was unter Kultur und Kulturförderung zu verstehen ist.

Winterthurer Stadtrat. Foto: Stadt Winterthur

In der Vernehmlassung haben laut der Medienmitteilung der Stadt die Mehrzahl der kulturellen Organisationen und die SP die unbestimmte Formulierung bezüglich «einer angemessenen Finanzierung der Kulturförderung» im Verordnungsentwurf beanstandet. Der Stadtrat hat dem Bedürfnis nach mehr Planungssicherheit Rechnung getragen, indem er die Kürzungsklausel in den Subventionsverträgen entschärft hat.

Eine grosse Mehrheit der Stellungnahmen wies auf die hohe Bedeutung der Sichtbarmachung des Kulturlebens in der Stadt hin und wünschte sich eine explizite Verankerung in der Verordnung. Die Sichtbarmachung der kulturellen Vielfalt durch das Kulturmarketing wird deshalb im Verordnungsentwurf ausdrücklich aufgenommen.

Weiter wurde die verschiedentlich geübte Kritik an den «Kann-Formulierungen» zu den Förderungsmassnahmen berücksichtigt. In diesem Zusammenhang wurde auch das mehrfach geäusserte Anliegen, den Förderpreis in der Verordnung zu verankern, aufgenommen.

Der Stadtrat hat die Weisung zur neuen Kulturverordnung nun an das Stadtparlament zur Verabschiedung überwiesen. Heisst das Parlament die Verordnung gut, wird diese voraussichtlich auf Anfang 2023 in Kraft treten.

Mehr Infos:
https://stadt.winterthur.ch/gemeinde/verwaltung/stadtkanzlei/kommunikation-stadt-winterthur/medienmitteilungen-stadt-winterthur/erlass-einer-neuen-kulturfoerderungsverordnung

Berns Musikkommission mit Neuzugängen

Die Stadtberner Exekutive hat neue Mitglieder in die Musikkommission, die Literaturkommission und die Theater- und Tanzkommission gewählt.

Gemeinderat der Stadt Bern 2021–2024. Foto: Stadt Bern

In der Musikkommission wurden laut der Mitteilung der Stadt Arnaud Di Clemente und Katharina P. Langstrumpf gewählt. Arnaud Di Clemente war sechs Jahre lang künstlerischer Leiter der Berner Konzertveranstalterin «bee-flat», lebt mittlerweile in Lausanne und arbeitet dort an der Eröffnung eines neuen Jazz-Clubs sowie als Booker des Festivals «Cully Jazz».

Katharina P. Langstrumpf bewegt sich seit vielen Jahren im Pop- und Rockbereich, betreut mit der eigenen Booking-Agentur zahlreiche Schweizer Künstler und ist Crew-Mitglied der Band «Patent Ochsner». Die beiden neuen Mitglieder treten die Nachfolge des bisherigen Präsidenten Fabio Baechtold sowie von Sabine Ruch an. Das bisherige Kommissionsmitglied Nils Kohler hat das Präsidium per Anfangs 2022 übernommen.

Neu in der Literaturkommission sind Susanne Schenzle, Céline Tapis und Johannes R. Millius. Neu gewählt als Mitglieder der Theater- und Tanzkommission sind Melanie Grütter, Emily Magorrian und Jonas Junker.

Nicht alle Musik gefällt

In einer aktuellen Studie zeigt ein Team des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) in Frankfurt am Main, welche Gründe hinter der Ablehnung bestimmter Arten von Musik stecken können.

Foto (Symbolbild): Teerapun/depositophotos.com,SMPV

Bis auf wenige Ausnahmen standen bei den bisherigen Forschungen zum Musikgeschmack die Vorlieben für bestimmte Musik im Fokus. Das Forschungsteam konzentrierte sich bei seinen Untersuchungen nun erstmals explizit auf die Ablehnung von Musik. In ausführlichen Interviews mit 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus fünf Altersgruppen erfragten sie die spezifischen Gründe, die hinter deren individuellen musikalischen Ablehnungen steckten.

Die Forscherinnen ordneten die Gründe für die Ablehnung drei Kategorien zu: erstens objektbezogene Gründe, wie Komposition oder Text, zweitens subjektbezogene Gründe, wie emotionale Wirkungen oder Diskrepanzen zum Selbstbild, und drittens soziale Gründe, die sich auf das eigene soziale Umfeld und die dort üblichen Geschmacksurteile beziehen (in-group) oder auf andere Gruppen, denen sich die Teilnehmer nicht zugehörig fühlen (out-group).

Abgesehen von den Gründen für die Ablehnung gegen bestimmte Arten von Musik beschrieben die Befragten auch persönliche Reaktionen, die eintreten, wenn sie mit der von ihnen abgelehnten Musik konfrontiert werden. Dazu zählten unter anderem emotionale, körperliche und soziale Reaktionen, die vom Verlassen des Raumes bis zum Abbruch sozialer Kontakte reichten.

Während frühere Forschungsergebnisse bereits zeigen, dass musikalische Ablehnungen wichtige soziale Funktionen erfüllen, erweitert die aktuelle Studie die Begründungen um musikbezogene und persönliche Aspekte. So dienen musikalische Ablehnungen beispielsweise auch dem Erhalt guter Laune, sind Teil des Identitätsausdrucks oder helfen bei der sozialen Abgrenzung. Damit erfüllen sie ähnliche Funktionen wie musikalische Vorlieben, allerdings werden sie weniger offen und eher indirekt geäussert.

Originalartikel:
https://www.aesthetics.mpg.de/newsroom/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detail/article/ungeliebte-musik-was-steckt-dahinter.html

Tonhalle hält an Maskenpflicht fest

Gemäss heutigem Beschluss des Bundesrats werden auch in der Tonhalle Zürich ab morgen keine Zertifikatskontrollen mehr durchgeführt. Weiterhin gilt in der Kleinen wie in der Grossen Tonhalle dennoch Maskenpflicht.

Deckengemälde im Grossen Saal der Tonhalle Zürich. Foto:SMZ/ks

Die Schutzmassnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 werden schweizweit weitgehend aufgehoben. Die neuen Entscheide der Regierung treten am Donnerstag, 17. Februar 2022 in Kraft.

Die Tonhalle-Gesellschaft Zürich AG respektiert laut ihrer Mitteilung «die individuellen Bedürfnisse der Gäste nach Schutz» und ist daher in Absprache mit dem Opernhaus Zürich, dem Schauspielhaus Zürich und weiteren Theatern zum Schluss gekommen, dass die Maske bis auf Weiteres auch in beiden Sälen der Tonhalle Zürich Pflicht bleibt.

Aufgehoben werden die Zertifikatskontrollen. Der Barbetrieb wird ab 17.02.2022 wieder aufgenommen. Das Tonhalle-Bistro wird ab dem 25.02.2022 jeweils vor den Konzerten geöffnet sein.

Kurze Wege fördern musikalische Bildung

Wo die Wege zu einer öffentlichen Musikschule kurz sind, nehmen häufig besonders viele Menschen Unterricht. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie des Deutschen Musikinformationszentrums MIZ, einer Einrichtung des Deutschen Musikrats.

Foto: llcv/depositphotos.com

Hohe Anteile von Musikschülerinnen und -schülern korrespondieren oft mit kurzen Wegen zur nächsten Unterrichtsstätte. Dazu hat das MIZ berechnet, wie gross die durchschnittlichen Entfernungen zwischen den Unterrichtsstätten sind, ausgewiesen nach Regionen mit niedriger, mittlerer und hoher Besiedlungsdichte. Bundesweit betragen sie in Regionen mit dichter und mittlerer Besiedlung durchschnittlich 2 bzw. 4 Kilometer. Hier werden doppelt so viele Menschen erreicht wie in gering besiedelten Gebieten, wo es 9 Kilometer sind.

Deutschlandweit gibt es 933 öffentliche Musikschulen mit rund 21’000 Unterrichtsstätten, die von 1,5 Millionen Menschen besucht werden. In Hamburg und Nordrhein-Westfalen besuchen beispielsweise rund 24 Prozent der Kinder im Grundschulalter eine Musikschule, während es in Bremen 5 Prozent sind. Ausgeglichener stellt sich die Lage bei den 10- bis 14-Jährigen dar. Dort liegt der Musikschüleranteil in den meisten Ländern zwischen 8 und 10 Prozent. Baden-Württemberg liegt mit 16 Prozent vorn.

Originalartikal:
http://miz.org/news-deutsches-musikinformationszentrum-veroeffentlicht-studie-zu-infrastruktur-und-nutzergruppen-oeffentlicher-musikschulen-n21963
 

Susanne Abbuehl ab September in Basel

Susanne Abbuehl wird neue Leiterin des Instituts Jazz der Hochschule für Musik FHNW am Jazzcampus der Musik-Akademie Basel. Sie wird ihr Amt am 1. September 2022 antreten.

Susanne Abbuehl. Foto: zVg

Gemäss einer Mitteilung der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW übernimmt Abbuehl die Nachfolge des Gründers und langjährigen Leiters des Instituts, Bernhard Ley, der zum 31. August 2022 in Pension geht.

Susanne Abbuehl studierte am Königlichen Konservatorium Den Haag Jazzgesang bei Jeanne Lee und schloss mit einem Master Degree in Jazz Performance und Musikpädagogik cum laude ab. Daneben wurde sie von Diderik Wagenaar in Komposition unterrichtet und verbrachte mehrere Studienaufenthalte in Indien, wo sie klassischen indischen Gesang erlernte. Für ihre internationale Tätigkeit als Jazzmusikerin und Komponistin wurde sie vielfach ausgezeichnet. Zurzeit ist sie Professorin und Leiterin der Jazzabteilung am Königlichen Konservatorium Den Haag, zuvor war sie Leiterin des Instituts Jazz & Volksmusik an der Hochschule Luzern.
 

Pandemie vernichtet zehn Millionen Arbeitsplätze

Schätzungen der Unesco zufolge fielen weltweit allein 2020 rund zehn Millionen Arbeitsplätze in der Kultur- und Kreativwirtschaft der Pandemie zum Opfer. Der Bericht «Re|Shaping policies for creativity» analysiert die globalen kulturpolitischen Trends der letzten Jahre.

Foto (Symbolbild): kyrien/depositophotos.com

Nach Zahlen der Weltkulturorganisation hatte die Branche in den untersuchten Ländern 2020 Einnahmenverluste zwischen 20 und 40 Prozent zu verkraften. Die Pandemie habe zudem deutlich gemacht, wie unzureichend Kulturschaffende abgesichert sind. Ihre Arbeitsbedingungen müssten verbessert werden. Neben einem Mindestlohn schlagen die Autorinnen und Autoren der Studie die Einführung von Renten- und Krankenversicherungssystemen für Freischaffende vor.

Auch in Sachen Geschlechtergerechtigkeit sieht die Unesco Handlungsbedarf. So wird aktuellen Zahlen zufolge weltweit nur etwa ein Drittel aller nationalen Kunstpreise an Frauen verliehen. Besonders in Führungspositionen seien sie weiter unterrepräsentiert. Um diesem Missstand zu begegnen, schlagen die Autorinnen und Autoren der Studie vor, die öffentliche Finanzierung von Kunst und Kultur an Massnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter zu knüpfen.

Mehr Infos:
https://www.unesco.de/kultur-und-natur/kulturelle-vielfalt/weltbericht-zur-kulturpolitik-veroeffentlicht

 

Cereghetti in Basel Dozent für Gehörbildung

Der Tessiner Posaunist, Blasmusikdirigent und Musiktheoretiker Roberto Cereghetti wird Dozent für Gehörbildung an der Basler Hochschule für Musik, Klassik.

Roberto Cereghetti studierte Posaune an der Musikhochschule Lugano und an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau Gehörbildung. Seine Ausbildung zum Dirigenten absolvierte er in der Schweizer Militärmusik und an der Musikhochschule Lugano.

Roberto Cereghetti ist heute als Musikdozent und Dirigent tätig. Seit 2013 ist er Lehrer für Musiktheorie und Gehörbildung an der FeBaTi (Tessiner Blasmusikverband). Von 2016 bis 2018 erhielt er einen Lehrauftrag in den Fächern Solfège und Gehörbildung an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau. Seit 2018 unterrichtet er Gehörbildung an der Hochschule für Musik FHNW in Basel und seit 2019 als Dozent für Musiktheorie an der Bundesakademie in Trossingen (DE).

Derzeit ist Roberto Cereghetti Musikalischer Leiter von vier Musikvereinen: Im Jahr 2015 übernahm er die musikalische Leitung des Musikverein Concordia Dornach und im 2018 der Harmoniemusik Stans. 2020 übernahm er zudem die Leitung der Musikgesellschaft Niederhasli und der Filarmonica Comunale Riva San Vitale.

Weiter amtet Roberto Cereghetti als Experte bei Blasinstrument-Prüfungen an Musikschulen und Blasmusikverbänden und wird regelmässig als Fachexperte für Gehörbildung an Musikhochschulen angefragt.

Zwischenbilanz zur Covid-Nothilfe

Seit März 2020 richtet der Verein Suisseculture Sociale die Covid-Nothilfe für professionelle Kulturschaffende aus. 8432 Gesuche für eine Unterstützung von rund 3000 Personen um jeweils zwei Monate hat er seit März 2020 fertig bearbeitet.

Foto (Symbolbild): RomeoLu/depositophotos.com

6645 Gesuche wurden angenommen. Insgesamt wurden laut der Mitteilung von Suisseculture knapp 23 Millionen Franken ausgeschüttet – für viele Kulturschaffende war die Nothilfe das einzige Einkommen in diesen schwierigen Zeiten.

Mit der pandemischen Entwicklung rund um Omikron hat der Bundesrat in den letzten Wochen vermehrt Signale gesendet, die auf ein Ende der Einschränkungen in der Kultur- und Veranstaltungsbranche hindeuten: Zertifikat-, Sitz- und Maskenpflicht könnten bald aufgehoben werden.

Doch auch dem Bundesrat ist klar: Mit dem Ende der Massnahmen enden nicht automatisch auch die finanziellen Auswirkungen der Pandemie. Kulturveranstaltungen brauchen Vorlaufzeiten in Planung und Bewerbung, Bookings werden noch zurückhaltend gemacht – und wie schnell das Publikum in die Säle zurückkehrt, ist noch völlig offen.

Aus diesen Gründen haben Bund und Parlament beschlossen, einzelne Massnahmen bis Ende 2022 zu verlängern – ungeachtet der weiteren pandemischen Entwicklungen und der davon abhängigen Massnahmen. Dies gilt nicht nur für die Transformationsprojekte der Kantone, sondern insbesondere auch für die Covid-Nothilfe von Suisseculture Sociale.

Damit erhalten Kulturschaffende, die sich wegen der Covid-Krise noch immer in existentieller Not befinden, weiterhin Hilfe. Gesuche zur Deckung eines Defizits in den Lebenskosten können nach wie vor alle zwei Monate eingereicht werden.

Thurgau unterstützt weiterhin Kulturschaffende

Der Regierungsrat des Kantons Thurgau macht für Recherchestipendien an Kulturschaffende im Jahr 2022 einen Beitrag von 250’000 Franken frei. Er will damit auch im dritten Coronajahr die gezielten kantonalen Massnahmen weiterführen.

Mit Recherchestipendien werden insbesondere Formatwechsel gefördert. Foto: Dillon Shook (s. unten)

Die Recherchestipendien, die 2020 und 2021 durch die Kulturstiftung des Kantons Thurgau vergeben worden sind, haben sich laut der Medienmitteilung des Kantons als ergänzende Massnahme bewährt. Deshalb hat der Regierungsrat beschlossen, sie auch im 2022 weiterzuführen. Die Vergabe ist explizit nicht mit einer Ausstellung oder mit Auftritten verbunden und umfasst alle vom Kanton Thurgau geförderten Sparten.

Mit der Ausschreibung und Vergabe von 40 Recherchestipendien für Kulturschaffende im Kanton Thurgau im 2022 beauftragt das Kulturamt die Kulturstiftung des Kantons Thurgau. Für professionell arbeitende Kulturschaffende mit Bezug zum Kanton Thurgau wird die Möglichkeit geschaffen, zukunftsgerichtet ihre künstlerische Arbeit weiter zu entwickeln.

Ein Recherchestipendium umfasst die Bezahlung eines Honorars von 6000 Franken.  Unterstützt werden insbesondere die Weiterentwicklung der künstlerischen Arbeit sowie das Prüfen von Formatwechseln, die das Werk erweitern. Eine Jury aus Mitgliedern der Kulturstiftung wird über die Vergabe der Stipendien entscheiden.

Alpentöne mit neuem Team

Die langjährige Moods-Co-Direktorin Carine Zuber, der Agenturleiter Tobias Bolfing, Boris Previšić, Direktor des Instituts Kulturen der Alpen, sowie der Altdorfer Karl Marbet übernehmen bei Alpentöne die künstlerische Leitung und das Festivalmanagement.

V.l.n.r.: Knüsel, Zuber, Bolfing, Marbet, Previšić (bild: zVg)

Das neue Programmteam arbeitet laut Mitteilung des Festivals an einem sehr alpinen und gleichzeitig internationalen Festival. Klänge, Töne, Geräusche aus den Bergen — von singenden Seilbahnseilen über summende Seen und donnernden Steinschlag bis hin zum Grollen der Lawinen, gewissermassen die Materialität der Alpen — stehen im Mittelpunkt des internationalen Festivals.

Neben Konzerten im Theater Uri, im Cinema Leuzinger und auf dem Lehn (neben ein paar anderen Spielorten) stehen Spoken Word-Beiträge, Filme, Installationen sowie eine Tagung rund um Religiosität und Musik im Alpenraum auf dem Programm. Das Festival wird vom 17. bis 20. August 2023 stattfinden, als Finale ist der Klangspaziergang vorgesehen.

Das 1999 gegründete Festival ist keinem musikalischen Stil verpflichtet. Das Thema ist eindeutig, nicht aber das Genre, das am ehesten mit dem Begriff Neue Volksmusik charakterisiert werden kann. Geschäftsführer ist der frühere Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel.

Leitungswechsel bei der Camerata Zürich

Der Vorstand der Camerata Zürich und die amtierende Geschäftsführerin Raluca Matei haben nach neun gemeinsamen Jahren entschieden, ihre Zusammenarbeit per Ende der laufenden Saison zu beenden.

Camerata Zürich (Bild: Florian Kalotay)

Raluca Matei hat laut der Mitteilung der Camerata 2013 die Geschäftsführung übernommen. Auf ihre Initiative sei die Konzeption und Durchführung der erfolgreichen 60-Jahres-Jubiläumssaison des Orchesters zurückgegangen. Ein von ihr eingeführter Strategiewechsel mit einem Schwerpunkt auf der Förderung zeitgenössischer Schweizer Musik und Interpreten hätten überdies eine Rückkehr zu den Gründungsideen der Camerata Zürich ermöglicht.

Zudem sei es ihr gelungen, neue Kooperationen zu erschliessen, um das Orchester in Zürich und darüber hinaus zu vernetzen. Im Bereich Musikvermittlung lancierte sie zuletzt in Zusammenarbeit mit Cornelia Nick ein Angebot für Kinder und Jugendliche, das in kürzester Zeit grosse Resonanz fand. Die 50-Prozent-Stelle wird per August 2022 ausgeschrieben.

 

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