Junge Talente fördern

Stipendien- und Kertész-Wettbewerbe an der Kalaidos Musikhochschule.

Am 13. November 2023 fand der jährliche Stipendienwettbewerb der Kalaidos Musikhochschule statt. Gleichzeitig wurden dieses Jahr die Preise des jährlichen Istvan Kertész-Wettbewerbs vergeben. Die beiden Förderinstrumente zeichnen ausgezeichnete junge Künstler:innen aus und ergänzen die Leistungen des Kalaidos Stipendienfonds, der Studierende in schwierigen finanziellen Situationen unterstützt.

Studierende aller Studiengänge der Kalaidos Musikhochschule waren eingeladen, eine etwa zwanzigminütige Performance mit Stücken verschiedener Stilrichtungen zu geben, um sich für die Stipendien und Preise zu qualifizieren. Von aktuellen Pop-Eigenkompositionen bis zur Orgelmusik war an diesem Konzerttag eine grosse Vielfalt an Stücken, Interpretationen und ganz persönlichen Stilen zu hören. 

Studierende der Jazz- und Pop-Abteilung traten in einer Band mit Gesang, Klavier, Schlagzeug und Bass auf; Studierende der Klassikabteilung spielten Violine, Cello, Klavier, Orgel, Querflöte und Gitarre. Für die verschiedenen Instrumente waren je Expert:innen eingeladen, um die Vorstellungen der einzelnen Studierenden zu beurteilen. Natürlich fiel der Jury die Stipendien- und Preisvergabe nicht leicht – musste sie  doch viele ausgezeichnete Vorführungen verschiedener Stilrichtungen und Instrumentengruppen miteinander vergleichen und einige davon besonders auszeichnen.

Die Stipendien der Kalaidos Musikhochschule gingen an die folgenden jungen Künstler:innen:

  • Alexander Argirov, der gerade erst seine Lehramtsausbildung abgeschlossen und eine Weiterbildung in klassischem Gesang an der Kalaidos Musikhochschule begonnen hat, und mit seiner warmen sonoren Stimme und seinem ausdrucksvollen Textvortrag die Jury begeisterte;
  • Zhang Zhixin, der bald seinen Bachelor im Hauptfach Violine abschliesst und mit seinen vielfältigen Klangfarben und seiner virtuosen Leichtigkeit in Kompositionen von Gabriel Fauré und Henryk Wienawski überzeugte;
  • und die noch nicht einmal zwanzigjährige Inessa Kulmer, die im Master Performance Violine studiert und Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Camille Saint-Saëns und Claude Debussy mit einer grossen Vielfalt an Farben vortrug und die Möglichkeiten ihres Instruments vom leisesten Hauch bis zum Feuerwerk an Akkorden ausreizte. 
  • Ein Förderpreis ging an die Sängerin Katharina Deierlein, den Pianisten Riccardo Venanzi und den Schlagzeuger Wenbiao Yuan, die in einem kleinen, feinen Konzertprogramm Liebeskummer vom 20er-Jahre-Swing bis zur spritzigen Eigenkomposition besangen.
  • Neben den Stipendien wurden auch die Preise des Kértesz-Wettbewerbs vergeben:

Der erste Preis ging an den Pianisten Zeyu Zhao, der im Master studiert und vor allem mit seiner virtuosen Leichtigkeit in der Interpretation eines Werkes von Chopin überzeugt hat. Den zweiten Preis teilen sich die Cellistin Selin Demirel, die Kompositionen Ahmed Adnan Sayguns und Edouard Lalos mit wundervollem Klang und grossflächigen Phrasierungen vortrug, und der Pianist Ruben Russo, der eine Komposition von Brahms mit einer grossen Vielfalt an dynamischer und agogischer Gestaltung interpretierte. Die Organistin Marie Königsbeck, die mit einer Klarheit der Mehrstimmigkeit und einer abwechslungsreichen Registrierung aufwartete, wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Der Schweizer Preis ging an die Geigerin Elisabeth Kulmer, die mit grosser Virtuosität und technischer Präzision glänzte.

Wir Studiengangsleitenden sind nach diesem Tag stolz darauf, alle diese ausserordentlichen Künstler:innen in ihrem Werdegang begleiten zu dürfen. Wir wissen aus eigener Erfahrung, was für ein grosses Engagement, was für ein Durchhaltevermögen und was für eine kreative Energie Musiker:innen brauchen, um von frühem Alter an ein Musikinstrument zu erlernen, eine Unzahl an Stunden damit zu verbringen, Technik und musikalische Gestaltung zu perfektionieren und über alle Hindernisse, nicht zuletzt finanzieller Art, hinweg, dabei zu bleiben, sich für die Musik zu begeistern und diesen Enthusiasmus mit einem Publikum zu teilen. Über die Liebe zur Musik vergessen wir manchmal, welche grosse Leistung dahintersteckt, alles für einen Beruf
zu geben, der in den meisten Fällen mit prekären Arbeitsbedingungen verbunden ist.

Wir freuen uns, die Tätigkeit dieser jungen Künstler:innen finanziell unterstützen zu können und hoffen, mit unserer Arbeit etwas dazu beizutragen, dass sich diese jungen Musiker:innen in ihrer je eigenen Spielart weiterentwickeln und ihr Publikum noch lange mit ihrer Begeisterung für die Musik anstecken und mit ihrem Ausdrucksreichtum verzaubern – haben wir doch in den letzten Jahren gelernt, dass uns gerade in Momenten der Unsicherheit und der Zukunftsangst tief empfundener künstlerischer Ausdruck und das Engagement einer jungen Generation Kraft und Hoffnung geben kann, um der Zukunft optimistischer zu begegnen und sie vielleicht zum Positiven zu wenden. 

Bündner Nachwuchs und internationale Talente

Der Kulturwinter Arosa bietet auch dieses Jahr ein vielfältiges Programm. Neben viel Musik gibt es Vorträge, Lesungen, Gespräche und einen Stummfilm. Aushängeschilder sind dabei die beiden Festivals Arosa Sounds und Klassik Festival Arosa.

Beim Arosa Sounds Anfang Februar ist der Bündner Nachwuchs zentraler Teil des Programms. Unter dem Motto «Bündner Sounds» treten an zwei Abenden je drei Bündner Sängerinnen und Sänger mit der gleichen Begleitband auf. Dabei werden Eigenkompositionen neu arrangiert und im Voraus gemeinsam geprobt. Die Mischung aus jungen und etablierten Musikerinnen und Musikern ist eine Herausforderung, aber bereichernd für alle. Die neuen Interpretationen bringen neue Facetten der Songs zum Klingen und begeistern das Publikum. Marco Todisco, Chiara Jacomet und Julie Fox  werden am Donnerstagabend ihre Qualitäten als Singer Songwriter zeigen, am Freitag wird es rockiger und energetischer mit Dario Hess, Sarah Mark und Gianni Tschenett. Konzerte mit Musikerinnen und Musikern auch von ausserhalb des Kantons Graubünden ergänzen das Festivalprogramm. Dieses Jahr sind der Berner Saxophonist Sha sowie Elvis Coverversionen begleitet von einer Band und Streichquartett zu hören.

Das Klassik Festival Arosa beinhaltet zwölf Konzerte, sieben davon werden von Preisträger*innen des Hans Schaeuble Awards bestritten. Insgesamt sind zwölf Preisträger*innen in Arosa präsent: drei Akkordeonisten, vier Saxophonistinnen, drei Violinisten, eine Bratschistin und eine Cellistin. Sie alle haben im Herbst den jeweiligen Meisterkurs der Arosa Music Academy in Arosa besucht und wurden mit dem Hans Schaeuble Award für ihre ausserordentlichen musikalischen Darbietungen ausgezeichnet. In zwei Gruppen erarbeiten sie in Arosa je ein Konzertprogramm und führen es in Arosa, Chur und Zürich auf. Dabei sind sie in der Klibühni – Das Theater in Chur zu Gast und in Zürich im Rahmen der Konzertreihe Mittagsmusik im Predigerchor der Zentralbibliothek Zürich und in der Johanneskirche Zürich. Mit dem Duo Recantores, bestehend aus Kristina Bistriha, Sopran / Anton Savchuk, Klavier und dem Duo Christoph Croisé, Violoncello / Alexander Panfilov, Klavier sind etablierte international tätige Künstlerinnen in Arosa zu hören. Besonders zu erwähnen ist das Jazz Quartett «Erwin Füchslin – Laurent Girard – Thise Meyer – Madlaina Küng», das improvisierte Musik an der Schnittstelle zwischen Volksmusik, Jazz und Klassik spielt. Bergkirchli-Konzerte mit Jasmine Vollmer, Harfe, Edmauro de Oliveira, Gitarre und Franco Mettler, Klarinette komplettieren das Festivalprogramm. 

Arosa Sounds

1.-3. Februar 2024
Programm
Sha solo / Bündner Sounds mit Marco Todisco, Chiara Jacomet, Julie Fox, Dario Hess, Sarah Mark und Gianni Tschenett / Julie Fox solo / Gianni Tschenett solo / Aloha from Hawaii
Alle Infos unter www.arosasounds.ch

Klassik Festival Arosa

12. – 30. März 2024
7 Konzerte mit Preisträger*innen des Hans-Schaeuble-Awards / Jazz Quartett «Erwin Füchslin/Laurent Girard/Thise Meyer/Madlaina Küng» / Christoph Croisé und Alexander Panfilov / Duo Recantores / Edmauro de Oliveira und Franco Mettler / Jasmine Vollmer
Alle Infos unter www.arosaklassik.ch

International EPTA Conference 2024 in Luzern

Die EPTA Schweiz wird 40! Dies ist Anlass zum Feiern.

Die EPTA Schweiz freut sich, in ihrem Jubiläumsjahr die 46th International EPTA Conference vom 29. Februar – 3. März 2024 in Partnerschaft mit der Hochschule für Musik Luzern durchzuführen. In Europas grösster, jährlich stattfindenden Konferenz rund um das Klavier präsentieren über 50 Referent:innen aus aller Welt Vorträge, Lecture Recitals und Workshops zum Thema «Changes – Visions & Evolutions in Piano Music».

Seit Jahrzehnten bietet die International EPTA Conference ein einzigartiges künstlerisches und klavierpädagogisches Forum für Pianist:innen. Klavierspiel, Interpretation und Klavierpädagogik werden lebendig – neueste Forschung wird geteilt und diskutiert. 

Anmeldungen für Hörer:innen sind bis am 15.2.2024 offen (Early Bird Vergünstigung bis 31.12.23). Nähere Infos sind auf www.epta.ch zu finden. Die EPTA Schweiz freut sich auf alle Begegnungen mit Referent:innen und Gästen.

Rückblick 2023

Im Oktober fand in Zusammenarbeit mit der Hochschule der Künste Bern die Herbsttagung der EPTA Schweiz statt. Der zweitägige Kongress widmete sich dem Thema «Klavier in Bewegung». Im Mittelpunkt standen Workshops und Vorträge zum Thema «Magic Piano» – einem zentralen Forschungsthema der HKB. Radio SRF 2 Kultur war erstmals an einer EPTA-Tagung live zu Gast. Im Konzertsaal wurde die Sendung «Diskothek vor Publikum: Welte Mignon – eine pianistische Zeitreise» unter der Leitung der Musikredaktorin Eva Oertle mit dem Tonmeister Andreas Werner und dem Pianisten Tomas Dratva aufgenommen. 

In den Gesprächen wurden zahlreiche Interpretationsfragen zu Texttreue, Improvisation, Agogik, Artikulation und Dynamik im historischen Kontext diskutiert. Die Aufnahmen der Klavierrollen boten verblüffende Erkenntnisse. Die Sendung kann jederzeit auf www.srf.ch nachgehört werden.

Kulturbotschaft – die kulturpolitische Stossrichtung stimmt, aber es braucht mehr Mittel

Die Kulturbotschaft des Bundes legt die strategische Ausrichtung der Kulturpolitik des Bundes jeweils für eine Periode von vier Jahren fest. Sie beinhaltet die Ziele, die wichtigsten Massnahmen und die Finanzierungsrahmen sämtlicher Förderbereiche des Bundes.

Bis am 22. September 2023 hatten interessierte Kreise die Möglichkeit, eine Stellungnahme zur Kulturbotschaft 2025–2028 einzureichen. SONART machte von dieser Möglichkeit Gebrauch und stimmte seine Stellungnahme mit den Dachverbänden Suisseculture, Suisseculture Sociale, Schweizer Musikrat sowie der Taskforce Culture ab.

Nachfolgend werden einige ausgewählte Punkte aus der Stellungnahme von SONART erläutert.

Soziale Sicherheit

Es ist erfreulich, dass der Bund die soziale Sicherheit der Kulturschaffenden mit verschiedenen Massnahmen verbessern möchte. Denn wie in jedem anderen Berufsfeld sollen auch in der Kultur Arbeitsbedingungen herrschen, die es professionellen Kulturschaffenden erlauben, unter guten Rahmenbedingungen ihren Beruf auszuüben. Dazu gehören eine angemessene Entschädigung der geleisteten Arbeit sowie eine ausreichende soziale Absicherung durch das Sozialversicherungssystem.

Die Berücksichtigung angemessener Entschädigungen bei der Beurteilung von Fördergesuchen – wie in der Kulturbotschaft vorgesehen – ist deshalb zu begrüssen. Dass bei der Beurteilung der Angemessenheit die Empfehlungen der Berufsverbände für Gagen und Honorare herangezogen werden sollen, ist durchaus vielversprechend. Diese Berücksichtigung angemessener Entschädigungen muss mit entsprechenden Mehrmitteln für die Kulturförderung gewürdigt werden.

Allerdings lassen sich die systembedingten Probleme über die Kulturförderung allein nicht lösen, es braucht Anpassungen des Sozialversicherungssystems für atypische Erwerbsformen allgemein sowie für Selbständigerwerbende. Aus diesem Grund ist positiv zu bewerten, dass in gewissen Themenbereichen eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt für Kultur BAK und dem Bundesamt für Sozialversicherungen BSV in Aussicht gestellt wird und auch punktuelle Anpassungen des Sozialversicherungssystem ins Auge gefasst werden. Allerdings müsste unseres Erachtens das Sozialversicherungssystem ganz grundsätzlich auf sog. «atypische Arbeitsverhältnisse» – ein zunehmendes Phänomen in allen Branchen – angepasst werden.

Berücksichtigung des ganzen Wertschöpfungsprozesses in der Kulturförderung

Es ist sehr zu begrüssen, dass im Rahmen der Aktualisierung der Kulturförderung zusätzlich die der Produktion vor- und nachgelagerten Phasen gefördert werden sollen. Wir sind überzeugt davon, dass sich mit einer Förderung von vorgelagerten Phasen (Recherche und Entwicklung) und mit einer Verbesserung der Förderung der nachgelagerten Phasen (Promotion, Diffusion und Vermittlung) einerseits die finanzielle Situation der Kulturschaffenden verbessern lässt, anderseits aber diese Art der Förderung auch viel eher dem künstlerischen Schaffensprozess entspricht.

Verstärkte Zusammenarbeit in der Kulturpolitik

Positiv zu werten ist weiter, dass der Bund in der Kulturpolitik die Zusammenarbeit mit den Kantonen, Städten, Gemeinden, Kulturverbänden und privaten Kulturförderinstitutionen verstärken möchte. Die Erfahrungen während der Pandemie, aber auch im Vorfeld der Erarbeitung der Kulturbotschaft zeigen unseres Erachtens, dass insbesondere der Austausch zwischen staatlichen Entitäten, die für die Kulturförderung zuständig sind einerseits und den Kulturverbänden anderseits gewinnbringend ist.

Musikförderung

Auch im Bereich der Musikförderung sind einige wichtige Neuerungen vorgesehen. SONART begrüsst beispielsweise den Ausgleich der Unterschiede in den Fördermassnahmen für verschiedene Musikgenres. Es ist ebenfalls richtig, dass einerseits künftig Projekte in den Bereichen Pop, Rap und Elektro verstärkt gefördert sowie anderseits auch ausgewählte Festivals und Veranstaltungsorte unterstützt werden sollen.

Für eine erfolgreiche Umsetzung der Massnahmen durch Pro Helvetia braucht es aber deutlich mehr Mittel, als bislang für die Musikförderung zur Verfügung standen. 

Erfreulich ist, dass als kulturpolitisches Ziel auch «die Weiterentwicklung angemessener Rahmenbedingungen im digitalen Umfeld» genannt wird. Dazu gehören nach Auffassung von SONART u.a. Massnahmen, welche die global ausgerichteten grossen Streaming-Plattformen wie beispielsweise Spotify verstärkt zu lokalem Handeln stimulieren. Es ist zentral, dass die internationalen Streaming-Plattformen Teams vor Ort in der Schweiz haben, die die vielfältige Schweizer Musikszene kennen und Schweizer Musik auf den Playlists im In- wie im Ausland platzieren, so dass deren Sichtbarkeit verbessert wird.

Finanzrahmen Kulturförderung des Bundes

Die vom Bund für die Vierjahresperiode vorgesehenen Finanzmittel sind nicht ausreichend. Schon nur angesichts der Teuerung und der vom Bund angekündigten allgemeinen Kürzung des Kulturbudgets im Jahr 2024 braucht es ein stärkeres Wachstum des Budgets, als vorgesehen. Das Wachstum des Kulturbudgets in den Jahren 2025–2028 müsste mindestens 2,5 % betragen (anstelle des vorgesehenen durchschnittlichen nominalen Wachstums von 1,2 %).

Aufbruchstimmung am Gesundheitstag Musik

Am 19. Symposium von Swissmedmusica zeigte sich, dass in der Musikwelt in Sachen Prävention noch Nachholbedarf besteht.

Die Salle Grenette in Fribourg wurde am 11. November 2023 zum Treffpunkt aller Schweizer Interessierten in Sachen Musik und Gesundheit. Da versammelten sich Fachpersonen aus Musikhochschulen, Verbänden, Physiotherapeutinnen, Pädagogen und Forscherinnen zum Thema. Sie entwarfen ein differenziertes Bild davon, wie in der Schweizer Musikszene mit Fragen um physische und psychische Gesundheit umgegangen wird. Wie kann das individuelle Musizieren verbessert werden, ohne die Moativation daran zu verlieren, war eine der Kernfragen. Neuere Forschungsresultate zeichnen dabei zur Zeit ein eher beunruhigendes Bild. Elena Alessandri, Leiterin des Kompetenzzentrums Music Performance Research an der Hochschule Luzern – Musik (HSLU-M), präsentierte zum Beispiel neuere Studien, die darauf hinweisen, dass Musikstudierende schon zu Beginn ihres Studiums im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich mit physischen und psychischen Defiziten zu kämpfen haben. 

Aus der Hochschul-Praxis berichteten Carine Tripet-Lièvre, Studiengangsleiterin Allgemeine Pädagogik an der Haute école de musique Genève – Neuchâtel, Andreas Cincera, der unter anderem an der Scuola Universitaria di Musica della Svizzera Italiana in Lugano (SUM) und an der Berner Fachhochschule (BFH/HKB) tätig ist, sowie Oliver Margulies, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Musikphysiologie, Präventiv- und Musikermedizin im Departement Musik der ZHdK. Müsste man aus ihren Referaten ein gemeinsames Fazit ziehen, dann wohl vor allem dies: Es gibt in Sachen ganzheitlicher Musikpädagogik, die das innere Feuer der Studierenden nicht zum Erlöschen bringt, noch viel zu tun. Cincera illustrierte die Aufgabe mit einem virtuellen dicken Buch, das die zahllosen noch nicht in Angriff genommenen Forschungen zum Thema auflisten würde.

Als Keynotesprecherinnen amteten die Kinder- und Jugendpsychiaterin Anke Grell und die deutsche Musikermedizinerin Antonia Pfeiffer. Erstere zeigte die kindliche und jugendliche Hirnentwicklung und ihren Zusammenhang mit Fähigkeiten, respektive Defiziten der Selbstwirksamkeit auf. Antonia Pfeiffer wurde krankheitsbedingt per Video und Zoom zugeschaltet. Sie erläuterte Varianten von Klopftechniken, mit denen etwa Auftrittsängsten entgegnet werden kann. Die Techniken sind aus der Kinesiologie bekannt. Pfeiffer stellte Weiterentwicklungen durch den deutschen Mediziner Michael Bohne vor.  

Gesundheitstag Musik für alle 

Mit dem Gesundheitstag Musik bietet Swissmedmusica einen Networking-Anlass, der alle Aspekte der Prävention, Pädagogik und Musikermedizin abdeckt und Interessierten jeglicher Couleur eine praxisorientierte Informationsplattform bietet. Teil der Offensive ist auch ein Verzeichnis von Gesundheitsangeboten der Gesellschafts-Mitglieder auf der Webseite Swissmedmusica.ch (unter «Angebote»). Mitglieder profitieren zudem von einem reichhaltigen Newsletter mit Hinweisen auf Veranstaltungen, aktuellen Nachrichten aus der Musikermedizin, Literatur- und Medienhinweisen und weiteren interessanten Inhalten. Ein Mitgliedschaft steht allen offen, die bewusste Gesundheitsarbeit als Chance zur Verbesserung des eigenen Musizierens und der allgemeinen Lebensqualität sehen.   

Der nächste Gesundheitstag Musik findet am 9. November 2024 im Luzerner Neubad statt, in enger Zusammenarbeit mit dem Team der HSLU-M soll dabei erneut ein Überblick über zeitgemässe Methoden und Techniken der  Prävention und des gesunden, inspirierten Musizierens geboten werden.  

Link zum Bericht von Marianne Wälchli

Stimmen aus dem Archiv

Die Archivalien der SMG haben seit August ein neues Heim in der UB-Basel gefunden. Ein fünfköpfiges Archivteam hat die Bestände über den Sommer akribisch sortiert, fachgerecht verpackt und für den Transport nach Basel vorbereitet. «Lauschen» Sie den Stimmen aus dem SMG-Archiv.

«Lieber Herr Doktor, Sie wissen gar nicht, was Sie mit Ihrem Schreiben vom 8.1.55 – für das ich Ihnen trotzfem [sic!] danke – angestellt haben: einem Basler zuzumuten, am Fasnachtsmontag in Bern einen Vortrag zu halten! Spass beiseite: wenn alle Stricke rissen, käme ich sogar am 28.2 nach Bern, denn ich freue mich sehr darauf. […]» So liest sich der erste Abschnitt aus der Antwort von Hans Ehinger an Kurt von Fischer, damaliger Präsident der SMG-Sektion Bern, auf dessen Einladung für einen Vortrag. Ein humorvoller Brief wie dieser ist nur ein kleiner Bestandteil des SMG-Archivs, welches aus Protokollen, Mitgliederlisten, Korrespondenzen, Veranstaltungsprogrammen und vielen weiteren Dokumenten besteht. Seit einigen Jahren stellte sich für die SMG die Frage, wie diese Dokumente aus der Geschichte der SMG fachgerecht aufbewahrt werden können. Auf die Initiative von Zentralpräsidentin Cristina Urchueguía wurde im Dezember 2022 mit der Universitätsbibliothek Basel, wo die Bestände der Ortsgruppe Basel schon lagern, ein Vertrag geschlossen, damit die SMG-Archivalien in deren Bestand übergehen können und für die Forschung zugänglich sind. Während die Bestände der Sektion Svizzera italiana bereits im Staatsarchiv des Kantons Tessin aufbewahrt werden, waren die restlichen Bestände bei den verschiedenen Sektionen in der Schweiz verteilt. Das Archivmaterial der SMG wurde meist in Ordnern, Kisten und Couverts aufbewahrt und musste für die Archivierung sortiert und neu verpackt werden. 

Nie wieder Bostitch: die Materialität des Archivs 

Dem Aufruf der SMG folgend fand sich dafür ein beherztes, fünfköpfiges Archivteam zusammen, bestehend aus Cristina Urchueguía, Tim Bösiger, Dominic Studer, Gabrielle Favre und Helen Gebhart. Im Juli folgte das Team der Einladung von Iris Lindenmann (Fachreferentin Musik) und Lorenz Heiligensetzer (Sammlungsverantwortlicher Archive) in die UB-Basel, wo eine Einführung in die Kunst der Archivierung geboten wurde. Zur grossen Freude des Archivteams wurden auch weisse Laborkittel zur Verfügung gestellt. Bald war klar, dass bei der Archivarbeit ständig Entscheidungen gefällt werden müssen: Welche Dokumente müssen archiviert werden und welche können getrost weggeschmissen werden? Soll eine übergrosse Seite in ein Sonderformat gepackt werden, oder besser gefaltet archiviert werden? Wie werden Papiere am besten verpackt, damit die ursprüngliche Ordnung von Forscher:innen wiedererkannt werden kann? Nach dem Workshop machte sich das Team an die Arbeit, die Archivalien der Sektion Basel, Zürich, Bern und der Zentrale zu sichten und neu zu verpacken. In den darauffolgenden Wochen kämpfte das Team intensiv gegen eingerostete Heftklammern, zusammengeklebte Seiten und viel Staub aus mehreren Jahrhunderten. Dominic Studer, der die Arbeit im ersten Moment eher als eintönig empfand, erzählt von seinen Erfahrungen: «Kaum etwas war so mühsam, wie dünnes Durchschreibepapier von den teilweise rostigen Bostitch-Klammern zu entfernen. Umso schöner war dafür, wenn man einen relativ «metallfreien» Ordner zum Archivieren erwischte. Auch die langfristige Wirkung von Klebeband auf Papier war recht erstaunlich. Das sind denke ich Dinge, die man sich beim Archivieren der eigenen Akten kaum überlegt. Seit dem Praktikum habe ich keinen Bostitch mehr verwendet!». 

Zum Vorschein kamen bei der Archivierung viele spannende Dokumente: kalligraphisch gestaltete Mitgliederausweise, handgeschriebene Briefe auf unterschiedlichstem Papier,  Veranstaltungsprogramme, darunter ein Vortragskonzert bei der Sektion Zürich von Wanda Landwoska «Cembalo und Clavichord bei J.S. Bach» aus dem Jahr 1922. Besonders aufregend war es zu entdecken, welche bekannten Musikwissenschaftler:innen in der Vergangenheit schon bei der SMG vorgetragen hatten. 

Auf den Spuren der Familie 

Neben der Geschichte der SMG liessen sich auch persönliche Spuren im SMG-Archiv verfolgen, wie Gabrielle Favre erzählt: «Meine Eltern waren beide Musikwissenschaftler und Mitglieder der SMG; mein Vater engagierte sich auch im Vorstand der Sektion Bern, und meine Mutter war über mehrere Jahre, in der gleichen Sektion als Rechnungsrevisorin tätig. Beide nahmen natürlich oft an den von der SMG angebotenen Veranstaltungen teil, an welche ich sie öfters auch begleitete. Von daher erwuchs mein historisches Interesse an der Archivierung der SMG-Dokumente, und es freute mich während der Projektarbeit ganz besonders, wenn wir im Team auf Dokumente stiessen, die «Spuren meiner Eltern» enthielten.»

Lizenz- und andere Verträge – eine Übersicht

Ein Kernstück im Musikgeschäft sind «Lizenzverträge» in unterschiedlichsten Formen. Eine Lizenz ist einfach gesagt die Erlaubnis, sehr oft gegen Entgelt, ein Recht zu nutzen. Lizenzen können sich auf unterschiedlichste Rechte beziehen.

Symbolbild. Foto: chaoss/depositphotos.com

Denkbar sind die Persönlichkeitsrechte für die Verwendung des Abbilds einer Künstlerin, die Markenrechte für die Verwendung eines Bandlogos zur Herstellung von Merchandise, die Urheberrechte für die Auswertung eines Songs oder die Leistungsschutzrechte für die Auswertung einer Aufnahme. Der Lizenzvertrag regelt deshalb, wer welches Recht in welchem Rahmen (inhaltlich, zeitlich und räumlich) zu welchen Bedingungen nutzen darf.

Praktisch alle Musikschaffenden sind in ihrem Berufsleben in erster Linie mit Verträgen konfrontiert, die sich auf die Rechte an ihren Kompositionen (Urheberrechte) oder auf ihre Rechte als Interpret*innen (Leistungsschutzrechte) beziehen. Dolly Parton hat den Song I Will Always Love You komponiert und getextet und ist somit die Urheberin des Songs. Kommerziell ein Welthit wurde der Song durch die Aufnahme von Whitney Houston. Whitney und ihre Mitmusiker*innen hielten als Interpret*innen die Leistungsschutzrechte daran. 

Eine Musikerin oder ein Label, welche Aufnahmen veröffentlichen möchte, engagiert als Ergänzung regelmässig «Session Musicians», die im Studio mitwirken. Damit die Musikerin bzw. das Label anschliessend die Aufnahme auswerten darf, braucht sie nun die Lizenz an den Rechten der Session Musicians. Dazu unterzeichnen die Beteiligten regelmässig eine Künstlerquittung, welche eine sehr einfache Form eines Lizenzvertrags darstellt. Mit der Künstlerquittung verkaufen die Session Musicians alle Rechte an der Aufnahme gegen eine einmalige Pauschale. Sie behalten einzig diejenigen Rechte, welche sie von Gesetzes wegen nicht weggeben können (z.B. die Vergütungsansprüche für das Senden oder Aufführen der Aufnahmen, welche in der Schweiz von Swissperform wahrgenommen werden). Der Verkauf der Rechte gilt regelmässig für immer, für die ganze Welt sowie für alle Arten der Nutzung. 

Um eine Aufnahme unter die Menschen zu bringen, schliessen Künstler*innen in der Regel so genannte «Künstlerverträge», «Bandübernahmeverträge» oder «Vertriebsverträge» mit einem Label oder einem Vertrieb bzw. Aggregator. Welcher Vertragstyp am passendsten ist, hängt insbesondere davon ab, wer das wirtschaftliche Risiko für die Produktion und die Vermarktung der Aufnahme trägt. Beim Künstlervertrag übernimmt das Label den Löwenanteil der Kosten von Produktion bis Vermarktung und Vertrieb. Dafür muss sich die Künstlerin über mehrere Jahre persönlich an das Label binden und überträgt die Rechte an den Aufnahmen für Jahrzehnte. Zudem erhält das Label hier den Grossteil der Einnahmen aus der Auswertung. Beim Bandübernahmevertrag bezahlt die Künstlerin die Produktion und liefert fertig gemischte Aufnahmen, teilweise bereits mit Artwork etc. ab. Beim Vertriebsvertrag übernimmt der Vertrieb bzw. der Aggregator nur noch die Logistik (digital / physisch), alle anderen organisatorischen und finanziellen Aufgaben werden von der Künstlerin getragen.

Der Bandübernahmevertrag wird oft mit dem Verlagsvertrag verwechselt. Während der Verlag sich um die Auswertung der Urheberrechte an der Komposition (unabhängig von einer bestimmten Aufnahme) kümmern soll, regelt ein Bandübernahmevertrag die Rechte an einer konkreten Aufnahme. Beim Song I Will Always Love You wäre somit ein Verlag für die Rechte von Dolly Parton als Komponistin und Texterin zuständig und eine Plattenfirma für die Rechte von Whitney Houston an der Aufnahme.

Bei allen diesen Verträgen sollten sich Musiker*innen als Erstes Gedanken darüber machen, wer wieviel Geld und Aufwand in die Veröffentlichung der Aufnahme steckt. Diese Risikoteilung sollte sich anschliessend in der Erlösteilung im Vertrag widerspiegeln: je höher das wirtschaftliche Risiko einer Partei, desto höher sollte ihr Anteil an den Einnahmen sein. Weiter sollte man sich genau überlegen, welche Vertragsdauer und welche Dauer der Rechteübertragung vereinbart wird. Auch hier gilt: je höher das eigene wirtschaftliche Risiko, desto kürzer die Dauer. Formulierungen wie «für die Dauer der Schutzfrist» heissen übersetzt «für 70 Jahre». Zu guter Letzt sollte man ganz genau bei der Umsatzbeteiligung hinschauen. Ich sollte anhand
des Vertrags möglichst einfach berechnen können, wieviel Geld ich aus der Auswertung der Aufnahme erhalte. Entscheidend ist nicht nur die Höhe des Prozentsatzes sondern auch dessen Basis: Sätze wie «… nach Abzug der Kosten …» ohne dass diese Kosten im Vertrag definiert werden, sind regel-
mässig eine Quelle für unerfreuliche Diskussionen.

Deshalb meine Empfehlung zum Schluss: Nehmt euch genügend Zeit für die Verhandlungen und lasst euch von einer Fachperson beraten.

Chantal Bolzern
… ist Rechtsanwältin, Mediatorin und Co-Präsidentin von Helvetiarockt.

Musiklexikon der Schweiz (MLS)

Mit einer öffentlichen Tagung am 23.–24. November und einem assoziierten Schreib-Workshop werden zwei Facetten des neuen Musiklexikons der Schweiz präsentiert: Seine wissenschaftlichen Grundlagen und seine Verankerung in der breiten Öffentlichkeit.

Die Musikgeschichte der Schweiz ist eine bis zum Rand gefüllte Schatztruhe, in welcher sich die unterschiedlichsten Schmuckstücke entdecken lassen. Doch viel zu oft sind diese Juwelen nur mit dem langwierigen Durchforsten von Archiven und Bibliotheken zu finden oder konnten überhaupt noch nicht zu Tage gefördert werden. Wer kennt zum Beispiel den Komponisten und Musikverleger Emil Ruh, oder die Komponistin und Psychoanalytikerin Elisabeth Spöndlin? Während bei Emil Ruh die Nachfahren befragt werden müssten, ist für Letztere die Suche nach Informationen nicht schwierig: Die faszinierende Komponistin Elisabeth Spöndlin ist bereits im MLS verzeichnet. Das moderne e-Lexikon gestaltet die Schatzsuche erheblich leichter und öffnet den Zugang zur Schweizer Musikgeschichte mit einem Klick. 

Wissenschaftlichkeit, Mehrsprachigkeit, Zugänglichkeit

Das MLS ist ein Projekt der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft (SMG). Es wird von einem Kuratorium der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) bestehend aus Irène Minder-Jeanneret (Präsidentin), Caiti Hauck (Vize-Präsidentin, Universität Bern), Cristina Urchueguía (Universität Bern), Sandra Tinner (Schweizer Musikrat), Marco Jorio (ehemaliger Chefredaktor des Historischen Lexikons der Schweiz), Pio Pellizzari (ehemaliger Direktor der Schweizerischen Nationalphonothek), Christiane Sibille (ETH Zürich), Stefanie Stadler Elmer (Universität Zürich), Moritz Kelber (Universität Augsburg) geleitet und verantwortet. Das Kuratorium hat das MLS von Anfang an als modernes Nachschlagewerk konzipiert und dazu vier Ziele formuliert. Erstens sind dies die Erschliessung und Dokumentierung der Musikkultur und Geschichte und zweitens die Bereitstellung von wissenschaftlichen Beiträgen, welche Text, Ton, und Bild beinhalten sowie in verschiedenen Sprachen abrufbar sind. Die unbegrenzte öffentliche Zugänglichkeit und nachhaltige Aufbewahrung des Kulturguts sind das dritte Ziel und viertens wird die Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen angestrebt. Um das MLS vorzustellen und die Lust am Schreiben zu wecken, organisiert das Kuratorium im November eine Tagung und ein Workshop.

Tagung: Das MLS als e-Lexikon 

Vom 23.-24. November findet die Tagung «Musik in der Schweiz in Geschichte und Gegenwart: Das Musiklexikon der Schweiz für das 21. Jahrhundert» statt und bietet ein vielseitiges Programm an. Vertreter:innen von über 15 verschiedenen Lexika, Datenbanken und digitalen Informationsprojekten wie RISM, Memoriav, Wikipedia, Oesterreichisches Musiklexikon online uvm., präsentieren ihre Arbeit und diskutieren über die Herausforderungen und Chancen von Musik-Nachschlagewerken im 21. Jahrhundert. Neben der Tagung, bei der alle interessierten Personen herzlich willkommen sind, bietet das MLS zudem einen Workshop zum Schreiben von lexikographischen Artikeln an. Im Workshop am 25. November in Bern wird vom MLS-Team vermittelt, wie Informationen etwa aus Vereins- und Familienarchiven aufgearbeitet werden können, um diese in einen MLS-Artikel zu verwandeln. Im Sinne der kulturellen Teilhabe ruft das MLS zur Beteiligung beim Schreiben von Beiträgen auf: Komponierte ihr Grossvater? War ihre Tante Musikverlegerin? All jene Zeugnisse und viele mehr sind Teil der Musikgeschichte der Schweiz und können durch ihre Beteiligung Ein-gang in das MLS finden (s. S. 53). 

Le Dictionnaire de la musique en Suisse donne accès à l’histoire de la musique en Suisse à toutes les personnes intéressées. Afin de présenter le DMS et de susciter l’envie de contribuer des articles, sa rédaction organise une conférence et un atelier en novembre. La conférence « La musique en Suisse, hier et aujourd’hui : Le Dictionnaire de la musique en Suisse pour le XXIe siècle» aura lieu les 23 et 24 novembre, avec des intervenant-e-s qui représentent représentants une quinzaine de lexiques, de bases de données et de projets d’information numériques. Le 25 novembre, l’équipe du MLS organise un atelier pour apprendra à rédiger des articles de dictionnaire ; toutes les personnes intéressées sont invitées.

l Dizionario della musica in Svizzera apre l ’accesso alla storia della musica svizzera a tutte le persone interessate. Per presentare la MLS e risvegliare il desiderio di scrivere, il Consiglio di fondazione organizza dal 23 al 25 novembre una conferenza e un workshop. La conferenza avrà un programma vario, con la partecipazione di rappresentanti di oltre 15 enciclopedie, banche dati e progetti di informazione digitale. Nel workshop, il team MLS insegnerà come scrivere articoli di enciclopedia.

Zwei neue Vorstandsmitglieder im Schweizer Musikrat

Anlässlich der ausserordentlichen Delegiertenversammlung des SMR vom 1.9.2023 sind zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt worden.

Nicht nur auf eidgenössischer Ebene sind/waren Wahlen in diesem Herbst angesagt. Im Vorstand des Schweizer Musikrats waren zwei Plätze neu zu besetzen: Karin Niederberger, Präsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbands, und Patrizia Lais, Verband Schweizer Schulmusik, traten aus ihren Ämtern beim SMR zurück. Bevor die Neuwahlen vollzogen wurden, dankte die Präsidentin Rosmarie Quandranti den abtretenden Vorstandsmitgliedern für ihre Mitarbeit im Vorstand des SMR. Für beide Plätze im Vorstand kandidierten mehrere Personen, so dass es eine spannende Wahl wurde.

Als Nachfolgerin für Karin Niederberger wurde Yvonne Glur, Präsidentin von accordeon.ch, gewählt. Sie wird also den Bereich der Amateurmusik im Musikrat vertreten. Yvonne Glur ist Akkordeonistin und unterrichtet sowohl an der regionalen Musikschule Zofingen als auch an der Pädagogischen Hochschule Luzern. Sie ist ausserdem als Jugend & Musik-Leiterin und -Ausbild-erin aktiv. Ehrenamtlich leitet sie zwei Formationen von jungen Akkordeonist:innen. 

Für die zweite Position im SMR-Vorstand (Bereich Bildung/Forschung/Wissenschaft) wurde Rico Gubler, Fachbereichsleiter Musik an der Hochschule der Künste in Bern, gewählt. Rico Gubler ist sowohl Profi-Musiker (Saxophon) als auch ausgebildeter Jurist und seit diesem Jahr Mitglied der Konferenz Musikhochschulen Schweiz (KMHS). 

Um beim Thema Wahlen zu bleiben: Noch wissen wir nicht, wer neue:r Kulturminister:in der Schweiz wird… – wobei Bundesrat Alain Berset zu sagen pflegte: «Die Schweiz hat keinen Kulturminister, sondern nur einen Innenminister.». Allgemein ist bekannt, dass er der Musik sehr nahe steht und privat gerne in die Klaviertasten greift. Anlässlich der Verleihung der Schweizer Musikpreise im September liess er es sich nicht nehmen,
mit dem Hauptgewin-ner, dem Trompetisten Erik Truffaz, ein Jazz-Duett zu spielen! Welches Instrument wird wohl der/die zukünftige Schweizer Kulturminister:in spielen? 

Wie jedes Jahr im September traf sich der Schweizer Musikrat zum Austausch mit den Kolleg:innen der Musikräte aus Deutschland und Österreich. Das Treffen fand dieses Jahr in Regensburg / D statt. Sie fordern in der gemeinsamen «Erklärung von Regensburg» die Parlamente und Regierungen aller föderalen Ebenen der DACH-Regionen auf darzulegen, mit welchen Massnahmen sie die Umsetzung der UNESCO-Erklärung Mondiacult von 2022 verwirklichen wollen.

Als Kuratoriumsmitglied des Musiklexikons Schweiz (MLS) engagiert sich der SMR an der Tagung «Musik in der Schweiz in Geschichte und Gegenwart: Das Musiklexikon der Schweiz für das 21. Jahrhundert» vm 23.-24. November an der Universität Bern und motiviert möglichst viele Musikinteressierte, am Workshop vom 25. November teilzunehmen, der Gruppen und Einzelpersonen darin unterstützt, die lokale Musikkultur mit Worten, Bildern und Klängen zu dokumentieren. 

Jubiläum: 100 Jahre SUISA

Die Suisse Auteurs, das sind heute über 40 000 Komponistinnen und Komponisten, Textautorinnen und -autoren sowie Musikverlegerinnen und -verleger, die ihre Urheberrechte durch die SUISA wahrnehmen lassen. Und in diesem Jahr blickt die Genossenschaft auf ein ereignisreiches Jahrhundert für die Musik zurück.

Heute ist fast alles digital – damals im Jahr 1923 war das meiste noch mechanisch. Der technologische Wandel hatte immer wieder Anpassungen des Urheberrechtsgesetzes zur Folge. Und so beginnt die bewegte Geschichte der SUISA kurz nachdem 1922 die erste Verbesserung des ursprünglichen Schweizer Urheberrechtsgesetzes von 1883 in Kraft getreten ist.

Die Komponistinnen und Komponisten wie auch Musikerinnen und Musiker damals waren in Sorge, dass Musikautomaten ihre Live-Auftritte konkurrenzieren. Wichtigste Aufgabe der im Juni 1923 gegründeten MECHANLIZENZ AG war es, die Herstellung von Tonträgern zu lizenzieren. Schallplatten standen noch in den Anfängen und so drehte es sich hauptsächlich um die Musikdosen, die vor allem aus der Gegend um Yverdon und Sainte-Croix den Weg in die ganze Welt fanden. 

Alles für die Musik

Ein Jahr später erfolgt die Gründung der GEFA, der schweizerischen Gesellschaft für Aufführungsrechte. Nach der Einführung des neuen Verwertungsgesetzes wird die GEFA von einem Verein in eine Genossenschaft umgewandelt und nimmt am 1. Januar 1942 die Tätigkeit unter einem neuen Namen auf: SUISse Auteurs – oder eben kurz die SUISA.

1946 beschliesst der Vorstand, einen Geschäftssitz in Lausanne zu eröffnen, um die Mitglieder und Kunden/innen in der Westschweiz besser betreuen zu können. Zudem wird die Niederlassung in Lausanne auch Anlaufstelle für alle Kinos, Filmproduzenten und Fernseh-Werbeauftraggeber der ganzen Schweiz. Noch im selben Jahr bezieht eine kleine Belegschaft den Bel-Air-Turm, das damals grösste Hochhaus der Schweiz. Im Jahr 1954 wird in das künftige «Haus der Musik» in Lausanne umgezogen. Ab 2002 wird für die Kundinnen und Kunden und Musikschaffenden im Tessin dann auch eine Zweigniederlassung in Lugano existieren.

Steigender Musikkonsum

In den Nachkriegsjahren wird immer mehr Musik konsumiert und auch immer mehr komponiert. Zwischen 1942 und 1960 verdreifacht sich die Mitgliederzahl der SUISA. 1958 wird die MECHANLIZENZ AG der SUISA angegliedert, bleibt aber vorerst juristisch unabhängig. 22 Jahre später wird die vollständige Fusion der beiden Gesellschaften beschlossen.

Ab 1961 übernimmt Ulrich Uchtenhagen die Geschicke der SUISA und führt sie während 28 Jahren durch die Veränderungen in der Zeit der Hochkonjunktur. In seine Zeit fällt der Aufbau des Weltverzeichnisses der Urheber/innen und Verleger/innen. Vom Weltverband der Verwertungsgesellschaften (CISAC) erhält die SUISA den Auftrag, eine «Liste» mit allen Komponisten/innen, Textautoren/innen und Musikverlegern/innen zu erstellen, die bei einer Urheberrechtsgesellschaft angemeldet sind. Daraus entsteht das CAE-Verzeichnis der Compositeurs, Auteurs und Éditeurs über alle Sparten wie Musik, Literatur, Film oder bildende Kunst. Schnell listet dieses schon mehr als eine Million Urheber/innen und Verleger/innen.

Die SUISA bietet dieses Verzeichnis als Dienstleistung allen Verwertungsgesellschaften weltweit gegen Bezahlung einer Nutzungslizenz an. Seit Ende der 90er Jahre ist das CAE das IPI (Interested Parties Information), auf das online alle Rechteinhaber/innen rund um den Globus zugreifen können. 

In den 60er und 70er Jahren wird das partnerschaftliche Verhältnis zu wichtigen Nutzern wie der SRG und dem Gastgewerbe vertieft. Der gesteigerte Musikkonsum und immer mehr angemeldete Werke verlangen nach einer eigenen EDV-Anlage zum Verarbeiten der damals enormen Datenmenge. Mitunter wegen des damals riesigen Platzbedarfs der Informatik baut die SUISA den heutigen Hauptsitz an der Bellariastrasse in Zürich Wollishofen, den sie im Herbst 1968 bezieht.

Fördern und einfordern 

Ende der 80er Jahre wird die «SUISA-Stiftung für Musik», die heutige FONDATION SUISA gegründet. Initiator war der Westschweizer Komponist und Schriftsteller Michel Bühler und seine Idee einer zentralen Struktur zur Unterstützung des Chansons. So ist die Aufgabe der FONDATION SUISA denn auch die Förderung des aktuellen Musikschaffens in der Schweiz und im Ausland, wofür heute jährlich rund 2,5 Millionen Franken vergeben werden.

Der Beginn des Online-Musikvertriebs Ende der 90er Jahre ist der Startschuss zu tiefgreifenden und anhaltenden Veränderungen. Die EU-Kommission will 2006 mit einer Empfehlung die grösstmögliche Konkurrenz zwischen den Gesellschaften um die Verwaltung der Online-Rechte erreichen. Die Rechteinhaberinnen und Rechteinhaber sollen im Binnenmarkt frei von territorialen Grenzen entscheiden können, welcher Gesellschaft sie ihre Rechte zur Verwaltung anvertrauen. Als Folge entziehen grosse angloamerikanische Major-Verlage den europäischen Verwertungsgesellschaften die Vervielfältigungsrechte in der Hoffnung, diese selbst und direkt bei den bei Online-Musikanbietern zu besseren Konditionen lizenzieren zu können. Die SUISA entwickelt darauf als erste Verwertungsgesellschaft überhaupt ein taugliches System, das die Werk-Anteile der Major-Verlage ausscheiden (sogenanntes «Carve out») und so die Lizenzen bei der Online-Nutzung korrekt abrechnen kann.

Nach der Revision ist vor der Revision

«Braucht die Schweiz ein Gesetz gegen das illegale Herunterladen von Musik?» Dieses Postulat der damaligen Ständerätin Géraldine Savary ist 2010 Anstoss für die letzte Urheberrechtsrevision. Mit dem revidierten URG, das am 1. April 2020 in Kraft getreten ist, wird versucht, die Realität des Online-Geschäfts im Gesetz zu verankern. Doch die Interessen der Nutzer/innen und der Kulturschaffenden liegen in vielerlei Hinsicht weit auseinander. Die Konsumentinnen und Konsumenten erhalten zudem eine starke Position und verteidigen die Erlaubnis zur Privatkopie von Musik mit einer Entschädigung über die Leerträgervergütung. Und so wird es ein Kompromiss, bei dem sich beide Seiten entgegenkommen. Seither hat sich die Technologie wieder rasant verändert: Musik wird immer häufiger gestreamt. Eine Regelung für das Herunterladen von Musik kommt ganz, für Filme knapp zu spät. 

Es steht ausser Frage, dass diese Revision des Schweizer Urheberrechts nicht die letzte, sondern eher bereits der Auftakt zu einer nächsten darstellt. Durch die rasch fortschreitende Digitalisierung und neu aufkommende technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz oder maschinelles Lernen werden die rechtlichen Normen erneut zu überprüfen sein.

Grosse Schritte in die Zukunft

Seit 2010 amtet die aktuelle Geschäftsleitung der SUISA. CEO Andreas Wegelin, sein Stellvertreter Vincent Salvadé sowie COO und erste Frau in der SUISA-Geschäftsleitung Irène Philipp Ziebold lenken nicht nur die Geschicke der SUISA, sie treiben auch die technologische Erneuerung der Informatiksysteme und die Verschlankung und Automatisierung der Prozesse voran.

Nicht zuletzt aufgrund der gut ausgebauten und stetig weiterentwickelten Informatik ist die SUISA gut aufgestellt, um im internationalen Wettbewerb zu konkurrieren. Im Jahr 2017 gründet sie zusammen mit der US-amerikanischen Musikrechte-Organisation SESAC das Joint Venture Mint Digital Services, worüber seither die Abrechnung und Administration des länderübergreifenden Musiklizenzierungsgeschäfts mit Online-Anbietern stattfindet. Im selben Jahr wird auch die Gesellschaft SUISA Digital Licensing mit Sitz in Liechtenstein gegründet, die für die Lizenzierungen von internationalen Online-Musikplattformen zuständig ist. Beide Unternehmen bieten ihre Dienstleistungen auch anderen Verwertungsgesellschaften und Musikverlagen an und betreuten im letzten Jahr das Online-Geschäft von über 22 Verwertungsgesellschaften und 4000 Verlagen weltweit.

Wer hätte diesen Wandel vor 100 Jahren ahnen können? Und wer wagt eine Prognose auf die kommenden? Die Musiknutzung bleibt in stetem Wandel: Sie wird sich noch weiter ins Internet verlagern und die Lizenzierung von Musiknutzung im TV oder von Konzerten erfolgt nicht mehr zwangsläufig nach dem Territorialprinzip sondern durch denjenigen, der den besten Service und die günstigsten Konditionen anbietet. Die SUISA ist bereit für die Herausforderungen und dankt allen ehemaligen und aktuellen Mitarbeitenden, allen Komponisten/innen, Textautoren/innen und Verleger/innen für ihr Engagement und ihr Vertrauen. Gemeinsam machen wir seit hundert Jahren Musik möglich.

www.suisa100.ch
www.suisablog.ch/tag/100-jahre

Christian Ledermann, neues Mitglied des Fachhochschulrats der Kalaidos Musikhochschule

Christian Ledermann, Leiter des Konservatoriums Winterthur, ist neues Mitglied des Fachhochschulrates der Kalaidos Fachhochschule und vertritt dort die Interessen des Departements Musik.

Er bringt als ausgebildeter Musiker und langjähriger Musikschulleiter wertvolle Erfahrungen in künstlerischen, pädagogischen sowie strategisch-organisatorischen Bereichen. 

Lieber Christian, wir gratulieren dir ganz herzlich zu dieser Wahl! Könntest du unseren Leser:innen in kurzen Worten erläutern, was die Aufgaben des Fachhochschulrates sind?
Vielen Dank, ich freue mich auf dieses abwechslungsreiche Amt. Der Fachhochschulrat hat die Aufgabe, die staatlich akkreditierte Fachhochschule in hochschulrechtlichen Fragen zu beaufsichtigen und auch strategisch zu leiten. Er ist das oberste interne Gremium innerhalb unserer Fachhochschule und steht unter anderem in der Verantwortung, die institutionalisierte Akkreditierung sicherzustellen. 

In unserem Arbeitsalltag an der Kalaidos Musikhochschule fällt der Name des Fachhochschulrates meist bei Reglementsanpassungen oder bei der Lancierung neuer Studiengänge.
Genau. Eine der häufigsten Aufgaben des Fachhochschulrates ist es, Anpassungen in Curricula, zum Beispiel in Bezug auf die institutionalisierte Akkreditierung, zu überprüfen. Ebenso werden von den Departementen neu eingereichte Studienangebote diskutiert und auf Parameter wie Strategie, Durchführbarkeit, Marktumfeld oder Berufsfeld abgeklärt. 

So auch das Departement Musik, welches Bachelor- und Masterstudiengänge mit Modulen wie zum Beispiel Selbstmarketing, Fundraising, Argumentieren/Verhandeln erweitert hat. Dein und auch mein absolviertes Musikstudium kannten solche Fächer nicht. Trotzdem kommen wir heute über die Runden. Wie stehst du zu diesen Anpassungen?
Wie alle Berufe ist auch derjenige der/des Musikers:in heute nicht mehr derselbe wie vor 20 Jahren. Das Argument «früher gings auch ohne» ist wenig stichhaltig. Wir müssen den Anspruch haben, die angehenden Musiker:innen nicht nur auf ihrem Instrument zu Profis auszubilden, sondern sie profund auf ein Leben als Musiker:innen vorzubereiten. Der Arbeitsalltag besteht in den meisten Fällen nicht aus Vollzeitjobs. Sie sind eigentlich Unternehmer:innen mit vielfältigem Angebot. Sie müssen der Gesellschaft stets wieder sagen, weshalb es sie und ihre Tätigkeit braucht. Sie können nicht darauf warten, dass die Arbeit einfach zu ihnen kommt.

Diese Realität über den Arbeitsalltag zeigst du unseren Bachelorstudierenden im Modul «Berufsfeldkunde» und besprichst sie mit ihnen. Nachdem du dieses Modul als Dozent übernommen hast, wurde es von dir inhaltlich neu aufgestellt. Was war deine Motivation hinter den Anpassungen?
Es fehlte mir an Glaubwürdigkeit, da der Dozent bisher nur über Musikschul- und Orchesteranstellungen referierte. Unser Anspruch war es, den Studierenden einen möglichst realen Einblick in die Breite der Berufsfelder zu geben. Das neue Modell ermöglicht dies: Wir treffen Musiker:innen an ihrem Arbeitsplatz, führen mit ihnen und den Studierenden Diskussionen über Alltag, Motivation, «Angebotsempfänger:innen», Faszination und ihre Zukunft. 

Häufig kam in diesen Diskussionen das Thema Digitalisierung zur Sprache. Gerade in der klassischen Musik erlebe ich diesem Thema gegenüber häufig Abneigung. Die Kalaidos Musikhochschule ist dezentral
organisiert und baut somit teilweise auf digitaler Vermittlung auf. Wie erlebst du dieses Thema?
Gerade im Modul Berufsfeldkunde zeigt sich, wie Remote und vor Ort sinnvoll verbunden werden können: Was im Unterrichtszimmer mit Referat, Diskussion und Beamer präsentiert wird, kann gerade so gut online stattfinden. Unsere Studierenden müssen dafür nicht für eine Vorlesung aus ganz Europa nach Zürich reisen. Wenn wir den Orchestermusiker im Einspielzimmer oder die freischaffende Musikerin bei der Bandprobe besuchen, machen wir das vor Ort. 

Diese Haltung wird auch in den restlichen Modulen bzw. in all unseren Studiengängen von uns angewendet. Hauptfach-, Fachdidaktik- und Nebenfachunterricht finden vor Ort statt. So auch einige Module, bei welchen eine physische Präsenz sinnvoll ist. Der Theorieunterricht findet hingegen vollumfänglich remote statt. Trotzdem flammt schnell die Kritik auf «Remote kann den Modulunterricht vor Ort nicht ersetzen».  Wo ist die Grenze von Remote und vor Ort?
Man muss sich bewusst sein, dass Remote-Unterricht kein Vor-Ort-Unterricht auf dem Bildschirm ist. Unsere Dozierenden haben die anspruchsvolle Aufgabe, ihren Remote-Unterricht von Grund auf auf die digitale Struktur aufzubauen und mit den dafür vorgesehenen  Vermittlungsmöglichkeiten (welche täglich vielfältiger werden) zu versehen. Meines Erachtens ist es nicht zielführend, die beiden Unterrichtsarten gegeneinander auszuspielen. Vielmehr gilt es im Gespräch mit allen Beteiligten, Möglichkeiten sowie Grenzen auszuloten und mit den Erfahrungen eine vorläufige Anwendung festzulegen. Das (Arbeits-)Leben spielt sich heute fast überall in einer Mischung aus Remote und vor Ort ab, wobei die Grenzen nach Bedarf immer wieder diskutiert und angepasst werden. Warum sollte es in der Musik anders sein? 

Kraftquelle Musik

Wie verhindern wir, dass unser inneres Feuer beim Musizieren erlischt? Antworten gibt es am 11. November in Fribourg an einem Tag des gesunden Musizierens.

Die SMM macht ihr 19. Symposium zu einem «Gesundheitstag Musik» und ermöglicht einen einmaligen, breiten Überblick über zukunftsweisende Konzepte und die vielfältige Praxis der Gesundheitsvorsorge beim Musizieren. Eingeleitet wird der Tag von der Kinder- und  Jugendpsychiaterin ­Anke Grell, die am Zürcher Zentrum für Angst- und Depressionsbehandlung auch die Musikermedizin vertritt.  

Laut Anke Grell hat sich die psychische Belastung für Berufsmusikerinnen und Berufsmusiker durch die Pandemie vielfältig verändert. Abhängig von der ganz persönlichen Situation litten und leiden viele unter ganz konkreten existenziellen Ängsten in der nahen und fernen Zukunft. In Umfragen wurde eine Zunahme von Angst- und Depressionssymptomen festgestellt. Die berufliche Identität wurde auf einmal politisch und gesellschaftlich anders wahrgenommen. Viele haben sich die Sinnfrage gestellt und zum Teil andere Tätigkeitsfelder für sich entdeckt, die sie auch aus unterschiedlichen Gründen nach der Pandemie beibehalten haben.

Andauernde Überforderungssituationen ­können bei sonst alltäglichen und angenehmen Tätigkeiten zu Erschöpfung und Interessensverlust führen, so auch beim professionellen Musizieren. Die Fähigkeit, emotional auf Ereignisse zu reagieren nimmt ab, es können Schlafstörungen und Appetitverlust hinzukommen. Auch Ängste und Befürchtungen treten vermehrt auf, im musikalischen Kontext besonders Auftritts- und Versagensängste. 

Aufklärung und Enttabuisierung

Orchester, Musikhochschulen und Musikschulen können mit Prävention durch Information, Aufklärung und Enttabuisierung Burn-outs ihrer Mitarbeiter vorbeugen, erklärt die Psychiaterin weiter. Sie können ein Lern- und Arbeitsklima schaffen, in dem es möglich ist, Schwierigkeiten selbstverständlich anzusprechen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Sie können Wissen vermitteln, wie ein gesunder Körper und eine gesunde Psyche beim Musizieren und Lernen funktionieren und was Warnzeichen für körperliche und psychische Überlastungen und Krankheiten sind. All dies könne  zum Beispiel in Vorlesungen, Workshops, Diskussionsrunden, Supervisionen und Einzelberatungen geschehen.

Auch Anlaufstellen für Personen mit bereits bestehenden Beschwerden seien wichtig. Hier habe sich ein vielfältiges Netzwerk von Fachpersonen etabliert, das in den entsprechenden Fachgesellschaften in der Schweiz (Swissmedmusica), in Deutschland (Deutsche Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin) und in Österreich (Österreichische Gesellschaft für Musik und Medizin) organisiert ist. Ein positives Beispiel sei die Kooperation der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) mit dem Zentrum für Angst- und Depressionsbehandlung Zürich (ZADZ) zu nennen, an dem sie tätig ist. Es ermögliche Studierenden und Mitarbeitenden der ZHdK psychosoziale Beratung und Behandlung.

Wohlwollend mit sich selbst

Ein Patentrezept, um die Freude und den inneren Antrieb des Musizierens wachzuhalten, gibt es laut Grell leider nicht. Am wichtigsten ist es, erklärt die Psychiaterin, den Fokus darauf zu richten, worum es eigentlich geht: die Musik und die Freude am Musizieren. Das ist eingestandenermassen leichter gesagt als unter bestimmten äusseren und inneren Umständen getan. Wohlwollend mit sich selbst, den eigenen Fähigkeiten und der aktuellen Tagesform umzugehen, sich vom Perfektionismus ein Stück weit zu befreien und den Erwartungen von aussen mit einer gesunden Distanz zu begegnen, kann hier sehr hilfreich sein. Wenn sich Erschöpfungszeichen bemerkbar machen: Nicht zögern, Unterstützung zu holen! Die eigenen Grenzen wahrzunehmen und danach zu handeln, ist eine Stärke!

Der Gesundheitstag Musik steht als Infoplattform und Vernetzungsanlass allen offen.

Mehr Infos und Anmeldung: 

swissmedmusica.ch/aktuelles-symposium

Zentrum für Angst- und Depressionsbehandlung Zürich: 

www.zadz.ch

Klangpracht in der Alten Eidgenossenschaft

Zum Fest des Heiligen Michael komponierte 1749 der Luzerner Franz Joseph Leonti Meyer von Schauensee (1720–1789) eine dreichörige Festmesse, die dank der Editionsarbeit einer Genfer Forschergruppe nun im Konzert zu hören sein wird.

Spätestens seit dem Ende des 17. Jahrhunderts begingen die Chorherren im Stift St. Michael Beromünster (LU) mit dem allergrössten kirchenmusikalischen Aufwand im Kirchenjahr das Fest des Heiligen Michael (29. September) und das anschliessende Kirchweihfest (30. September). Das Zeremoniell verlangte an beiden Festtagen eine doppel- oder dreichörige Festmesse. Wenig überraschend zogen die Feierlichkeiten nicht nur Gottesdienstbesucher(innen) von nah und fern an, sondern auch Musiker(innen), die sich Tage zuvor in Beromünster eingefunden hatten, um die Musik einzustudieren. 

Im Jahr 1749 gelangte eine von Franz Joseph Leonti Meyer von Schauensee (1720–1789) eigens für die Festlichkeiten komponierte dreichörige Festmesse zur Aufführung. Während Markus Lutz (1772–1835) den Luzerner Patrizier als den «berühmteste[n] schweizerische[n] Tonkünstler seiner Zeit» bezeichnete, ist Meyer von Schauensee heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass moderne Editionen seiner Werke fast komplett fehlen. Um einen Eindruck der spätbarocken musikalischen Pracht im Chorherrenstift Beromünster zu gewinnen und Meyer von Schauensees Musik genauer studieren zu können, haben sich Raphael Eccel, Grégory Rauber, Luc Vallat und Christoph Riedo zum Ziel gesetzt, die für das Stift Beromünster komponierte Messa Solenne a 3 Cori in einer historisch-kritischen Edition herauszugeben und in der Editionsreihe der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft zu veröffentlichen.

Das Vorhaben der Genfer Musikwissenschaftler erhielt dadurch Auftrieb, dass die Konzertreihe der Klosterkirche Muri/AG und das Festival Alte Musik Zürich Interesse an einer Aufführung der dreichörigen Festmesse zeigten. Meyer von Schauensees Werk wird nun sowohl am 22. September in Zürich als auch am 24. September in Muri/AG unter der Leitung von Jakob Pilgram zu hören sein. Die Aufführenden sind das Vokalensemble larynx (3 Solistenquartette) und das Capricornus Consort Basel (3 Streichquintette, 3 Orgeln, 6 Trompeten, 2 Hörner, 1 Pauke). Das zweite Konzert wird gefilmt, aufgenommen und auf der Webseite des Festival Alte Musik Zürich zugänglich sein. So kann auch in Zukunft ein Eindruck des musikalischen Glanzes in Beromünster, der dem zahlreicher anderer eidgenössischen Ordenskirchen ebenbürtig war, gewonnen werden.

Tatsächlich kamen die Gottesdienstbesucher(innen) in den Genuss eines einzigartigen Hörvergnügens. Denn die auf drei Klanggruppen aufgeteilten Sänger und Instrumentalisten boten in der Stiftskirche nachweislich ein polyphones Spektakel sondergleichen. In der aus 24 Sätzen bestehenden Messe schöpfte Meyer von Schauensee aus, was die Mehrchörigkeit zu bieten hat: von der vollen, dreichörigen Klanglichkeit über alle denkbaren Kombinationen des Zusammenspiels der drei Klanggruppen bis hin zu verschiedenen Echoeffekten. Genauso eindrücklich verdeutlicht die transkribierte Partitur erstmals, wie gut Meyer von Schauensee, der von 1740–42 bei Ferdinando Galimberti (?–1751) in Mailand studiert hatte, den Musikstil der frühen Mailänder Symphoniker um Giovanni
Battista Sammartini (1700/1-1775) verinnerlicht hat. 

Informationen zu den Konzerten

Freitag, 22. September 2023 um 19.30 Uhr im Fraumünster in Zürich im Rahmen des Festival Alte Musik Zürich. Konzerteinführung um 18.15 Uhr im Zentrum Karl der Grosse (Kirchgasse 14).

Sonntag, 24. September 2023 um 17 Uhr in der Klosterkirche Muri/AG im Rahmen der Konzertreihe Musik in der Klosterkirche.

Information zur Edition 

Franz Joseph Leonti Meyer von Schauensee (1720–1789): Messa Solenne a 3 Cori, hrsg. von Raphael Eccel, Grégory Rauber, Luc Vallat
und Christoph Riedo, 7. Band der Editionsreihe Musik aus Schweizer Klöstern, Bern: Peter Lang (in Vorbereitung). 

Die Herausgeber sind weiterhin auf der Suche nach Geldmitteln, um die Ausgabe zu realisieren. 

Kontakt: christoph.riedo@unige.ch

Kunst und Forschung sind kein Widerspruch!

Die Musikpädagogin und Forscherin Silke Kruse-Weber berichtet über ihre neuen Forschungsergebnisse und die Bedeutung des Forschungsunterrichts an Musikhochschulen.

Silke Kruse-Weber ist Dozentin an der Kalaidos Musikhochschule und war bis September 2022 Professorin für Instrumental- und Gesangspädagogik an der Kunstuniversität Graz. Ab Herbst 2023 wird sie eine Vertretungsprofessur in Augsburg innehaben. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen u. a. in der Entwicklung der Instrumental- und Gesangspädagogik als Wissenschaftsdisziplin und im Wissenstransfer zwischen Theorie und Praxis durch Reflective Practice. Ihr neues Reflexionstools Reflect! ist gerade erschienen.

Silke, du hast gerade neue musikpädagogische Forschungserkenntnisse publiziert, kannst du sie kurz zusammenfassen?
Danke der Nachfrage! Über meine Publikationen freue ich mich gerade sehr. Während Theorie und Praxis in der Musikpädagogik oft als gegensätzlich gesehen werden, werden sie durch Reflect!, ein Beobachtungs- und Reflexionstool für den Instrumental- und Gesangsunterricht, verbunden. Ein spielerisches und künstlerisch angelegtes Kartenset inspiriert zu einer forschenden Haltung und zu einem selbstbestimmten Austausch über die Qualität von instrumentalem und vokalem Lehren und Lernen.

Bei meiner Studie Reflective Practice in Innovative Music Schools handelt es sich um ein Wissenstransferprojekt, in dem Musikschullehrende, Forschungsteam und Lehrende einer Universität in dichtem Austausch stehen. Auch hier geht es um den Bezug zwischen Theorie und Praxis, insofern als neueste Entwicklungen aus der Forschung in die Praxis übertragen werden – z. B. die Ausrichtung auf Schüler:innen-Zentriertheit oder eine
Öffnung für verschiedenste Sozialformen von Unterricht.

Es geht also darum, die eigenen musikpädagogischen Kenntnisse zu reflektieren, wie vermittelst du das deinen Studierenden?
Reflexion lässt sich lernen und muss nicht einsam erfolgen, sie funktioniert am besten als kollaborative Praxis, bei der Peers voneinander lernen. Es ist wichtig, Zeit und Raum für Reflexion zu schaffen. Ich zeige in Seminaren und Fortbildungen oft Ausschnitte aus Unterrichtsvideos und frage nach einer Beschreibung der Situation. Fast immer wird stattdessen bewertet. Beschreibungen ohne Bewertung sind schwierig. Lehrende fokussieren gerne auf Defizite der Schüler:innen. Wir überlegen, was negative Bewertungen bewirken und stellen fest, dass Lernende dabei oft auf Verteidigungskurs gehen und die offene Bereitschaft zum Lernen verloren geht.  

Welche Kompetenzen sind entscheidend, um die eigenen Kenntnisse zu reflektieren und zu erweitern?
Ich denke, es handelt sich um aufeinander aufbauende Kompetenzen: forschende, reflexive und wissenschaftliche. Eine forschende Haltung bietet die Grundlage für Reflexion. Reflexive Kompetenzen erfordern Neugier, Offenheit sowie Empathie, um neue Perspektiven einnehmen zu können und einen Sachverhalt zu durchdringen. Sie äussern sich in differenziertem Fragen. Eine Wissenschaftsorientierung ist eine weitere Grundkompetenz. Sie erlaubt es, aus Erkenntnissen und Theorien für einen bestimmten Zweck eine plausible und stimmige Auswahl zu treffen. Wissenschaftliche Forschung z. B. in Masterarbeiten basiert schliesslich auf einem mehr regelgeleiteten Arbeiten.

Sind diese Kompetenzen auch für Performance-Studierende wichtig?
Gerade Performance-Studierende profitieren von reflektierenden Praktiken! Beim Üben und Musizieren ist es wichtig, immer wieder neue Handlungsalternativen zu entwickeln. Stereotypes Üben ist nicht effizient. Studien haben gezeigt, dass man effizienter übt, je mehr man sich mit den eigenen Zielsetzungen auseinandersetzt und Übeprozesse evaluiert. Außerdem ist es wichtig, in der eigenen Karriere offen zu sein. Berufsfelder ändern sich gerade stark, und Musiker:innen sollten mit Komplexität und Unvorhersehbarkeit umgehen können. Reflective Practice kann Veränderung und Anpassung an Situationen begünstigen. Das ist das Spannende für jede Person, Künstler:innen und Pädagog:innen.

Wie helfen Reflexionsvermögen, Neugierde und wissenschaftliches Denken dabei, gute Künstler:innen oder Pädagog:innen zu sein?
Reflective Practice ist eine Schlüssel-kompetenz für gutes Lehren, pädagogisches Handeln und eine gelungene kreative Praxis. Wir brauchen heute besonders Musiker:innen und
Pädagog:innen, die kritisch denken, verantwortungsvoll und flexibel sind.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind hingegen nicht direkt auf die Praxis des Unterrichtens oder Spielens übertragbar. Jede Unterrichtssituation und jede Musiziersituation ist sozial und somit unvorhersehbar. Wissenschaftliche Erkenntnisse geben nur eine Sichtweise vor, wie man Praxis beleuchten kann.

Seit du Forschungsdozentin bist, gehen unsere Studierenden gerne in den sonst oft ungeliebten Forschungskurs, und die Qualität der Masterarbeiten ist gestiegen – was ist dein Geheimnis?
In diesem Kurs geht es darum, Studierende für Forschung zu begeistern. Sie lernen z. B. eigene Forschungsfragen zu stellen und für diese wissenschaftliche Recherchen anzustellen. Sie lernen eine bestimmte Art der Reflexion und Wertschätzung im Hinblick auf die Darstellung von
wissenschaftlichen Ergebnissen, auch wie man mit Gedankengut und Erkenntnissen einer wissenschaftlichen Community umgeht und wie man von ihr lernen kann. Nicht selten eröffnet eine wissenschaftliche Arbeit Studierenden neue Perspektiven, wohin die Ausbildung gehen kann. Die Studierenden fragen sich zu Beginn des Kurses immer, warum sie das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten lernen sollen. Aber das sehe ich nicht als Problem, sondern als Aufforderung, neue Perspektiven zu entwickeln.

Detaillierte Infos zu den Neuerscheinungen kann man auf dieser Website erhalten: www.kruse-weber.com

Junge Talente aus dem Tessin gehen auf Tour

Neben dem «Hans-Schaeuble-Award» hat Arosa Kultur auch das Format «Junge Talente im Konzert» seit einigen Jahren erfolgreich durchgeführt. Als Abschluss des Meisterkurses gaben die jungen Talente drei Konzerte in der Schweiz.

Auf 2022 wurde in Zusammenarbeit mit dem OSI (Orchestra della svizzera italiana) und dem CSI (Conservatorio della svizzera italiana) ein neues Konzept für einen Meisterkurs erarbeitet. Bis zu 10 Student*innen des Pre-Colleges des CSI werden von Robert Kowalski, dem 1. Konzertmeisters des OSI, in Arosa eine Woche betreut und unterrichtet.

Dieses Jahr fand der Meisterkurs vom 26. bis 29. Juni statt, im Anschluss fanden drei Konzerte in Arosa, Cham und Lugano statt. Die vier jungen Musikerinnen, Adelaide Chiaradonna, Leon Bekaj, Gianluigi Sartori und Ares Midiri, alle zwischen 14 und 17 Jahre alt, erlebten lehrreiche Tage in Arosa. Die vier Probetage und die drei Konzerte waren intensiv und lehrreich und dank der routinierten, fachlich und menschlich ausgewiesenen Leitung durch Robert Kowalski und der Korrepetition von Redjan Teqia konnten sie wertvolle Erfahrungen sammeln.

Der nächste Meisterkurs wird im Juni 2024 stattfinden, die kleine Konzerttournee wird die jungen Musiker*innen neben Arosa, Cham und Lugano zusätzlich nach Zürich oder Bern führen.

«Hans-Schaeuble-Award» und das Arosa Klassik Festival

Seit 2015 wird jedes Jahr an mehrere Teilnehmende der Arosa Music Academy der «Hans-Schaeuble-Award» vergeben. Die Arosa Music Academy ist ein internationaler Meisterkurs der Musik-Kurswochen Arosa für die Instrumente Violine, Viola, Violoncello, Saxophon und Akkordeon. Wie in den letzten Jahren werden auch diesen Herbst mindestens acht Teilnehmende der academy mit einem «Hans-Schaeuble-Award» ausgezeichnet. Die Auszeichnung beinhaltet eine Einladung zur aktiven Teilnahme am Arosa Klassik Festival im darauffolgenden Winter. Unter der Leitung von Markus Fleck (Violine) und Lars Mlekusch (Saxophon) werden je ein  Kammermusikprogramm erarbeitet und anschliessend in Arosa, Chur und Zürich aufgeführt. 

In Chur werden die Konzerte in Zusammenarbeit mit der klibühni, Das Theater veranstaltet, in Zürich findet ein Konzert im Rahmen der Konzertreihe «Mittagsmusik im Predigerchor» der Zentralbibliothek Zürich statt.

Das Arosa Klassik Festival 2024 findet vom 14. bis  30. März in verschiedenen Konzertlokalen in Arosa statt. Neben den Kammermusikkonzerten der Hans-Schaeuble-Preisträger*innen wird ein Ensemble des Conservatorio della Svizzera auftreten. Dazu erwartet die Besuchenden ein musikalisch breites Programm mit klassischer, jazziger und volkstümlicher Musik. 

Informationen zum Festival werden  Ende November auf www.arosaklassik.ch aufgeschaltet. 

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