Junge Geigerinnen und Geiger werden an diesem instrumentenbezogenen Heft viel Spass haben.
Walter Amadeus Ammann
- 06. Dez. 2018
Ausschnitt aus dem Titelbild
Wenn Kinder heute wissbegierig sind, surfen sie gerne mit dem Tablet. Diesen neuen Ansatz benutzt auch das bunte 122-seitige A4-Heft Der Violinbegleiter mit seinen vielen hilfreichen Links ins Internet, den ausgezeichneten Fotografien und anregenden Texten. Der Inhalt umfasst Bau und Pflege der Violine, verwandte Streichinstrumente, Orchester, Üben, Notenlesen, musikalische Fachbegriffe, Ensemblespiel, Auftritt und Ratschläge an die Eltern. Alle Kapitel sind aufgelockert mit vielen Rätseln, die das Gelesene vertiefen und festigen können. Die Texte sind beherzigenswert, die Rätsel grossenteils hilfreich; aber sollten die Kinder ihre kostbare Zeit nicht eher mit Üben verbringen, als mit dem Lösen der aufwendigen Zeichnungsaufgaben?
Der Violinbegleiter ist Band 6 der Reihe Musikunterricht: Materialien – Methoden – Modelle; ähnlich gestaltet sind Band 1: Notation und Band 4: Intervalle.
Rudolf-Dieter Kraemer: Der Violinbegleiter – Wissenswertes, Rätsel, Praktisches; Redaktion Albrecht Lamey; Gestaltung, Spiele und Rätsel Lisa Schwenk, 122 S., € 24.80, Wissner-Verlag, Augsburg 2018, ISBN 978-3-95786-030-9
Sprache als Schlüssel zur Musik
Die spielerischen Übungen, die Eberhard Feltz in «Genauer als Worte» vorschlägt, verhelfen zu neuen Einsichten und präziserem Umgang mit der Musik.
Ungewöhnlich an diesem Buch sind nicht nur das Format (24 x 17.5 cm, quer) und die Dicke (4 cm), einzigartig ist auch der Denkansatz gegenüber seinem Thema, der Musik als Sprache, die, gemäss Felix Mendelssohn, genauer als Worte sei. Wir haben diese Sprache teilweise verlernt durch pauschales Hören, Zeitdruck beim Erarbeiten von Interpretationen oder die Fixierung auf eine einzige Frage: «Wie beherrsche ich mein Instrument?»
Eberhard Feltz, Violin- und Kammermusiklehrer an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin und Mentor vieler bekannter Kammermusikensembles, hat auf Zureden der Leitung des Davos Festivals young artists in concert zum Anlass seines achtzigsten Geburtstags eine Auswahl seiner musikalischen Betrachtungen in Buchgestalt herausgebracht: Genauer als Worte. Intuitives Finden – eine Einführung, 44 Übungen und ein «Lösungsteil», der die aufgeworfenen Fragen beantwortet. Dies geschieht meist durch den Abdruck des originalen Meisterwerks, welches die Lernenden in der Fragestellung verändert oder gekürzt zu Gesicht bekommen haben. Das «Finden» kommt dabei einem Nachvollziehen des Komponierens nahe. Eberhard Feltz zögerte bisher mit solchen Veröffentlichungen, weil sein Lehren die unmittelbare Entgegnung durch die Schüler braucht. Der Leser oder die Leserin dieses Buches muss diesen Dialog mit sich selber führen, unter der Anleitung oder besser: auf Anregung des Autors.
Worum geht es denn eigentlich? Vereinfachend kann man den Begriff der «Phrase» anführen. Phrase oder enger formuliert: Satz ist ein Begriff in der Sprache, der auch in der Musik eine Elementarform bezeichnet. Das Sein der Musik ist aber rational nicht zugänglich. Eberhard Feltz will uns zur sinnlichen Wahrnehmung der Musik als Sprache führen, indem er uns anhand dieser Übungen und zahlreicher Zitate von Dichtern, Philosophen und Musikern das Meta-Dasein hinter den musikalischen Gestalten ahnen lässt. Der Autor plädiert für eine «Anhörung» der Welt im Sinne einer inneren «Anschauung» mit allen Sinnen unter der Führung des Ohrs.
Und welchen Nutzen bringt den Studierenden solches Tun? Wer sich auf diese «Übungen» einlässt, und zwar durchaus spielerisch, dem erschliessen sich neue Einsichten, welche auf seinen Umgang mit Musik direkten Einfluss haben werden. Reto Bieri, Intendant des Davos Festivals bis 2018, wo Eberhard Feltz Workshops abhielt, ist stolz auf die Herausgabe dieses Buches in luxuriöser Aufmachung und gibt in seinem Vorwort der Hoffnung Ausdruck, dass es zum «speculieren, studieren und überlegen» (Mozart-Brief vom 31. Juli 1778 über seine Beschäftigung mit Musik) anregen wird.
Eberhard Feltz: Genauer als Worte. Intuitives Finden – 44 Übungen, 346 S., Fr. 35.00 zzgl. Fr. 10.00 Versand, Eigenverlag Stiftung Davos Festival, 2017, ISBN 978-3-033-06344-0, info@davosfestival.ch
Würdigung einer Pionierin
Der Journalist Robert Bösiger und der Fotograf Christian Roth porträtieren die Sängerin, Jodlerin und Erneuerin der Volksmusik, Christine Lauterburg.
Brigitte Bachmann-Geiser
- 06. Dez. 2018
Peter Bichsel und Christine Lauterburg. Foto: Christian Roth
Christine Lauterburg (*1956) fällt auf den ersten Blick durch ihren aus Elementen von Berner Trachten, Punkkultur und Retrolook einzigartig gestalteten Kleidermix auf. Neue Kombinationen wagt die Jodlerin aber auch mit improvisierenden Liedbegleitungen auf Geige, Langnauerörgeli, Talerbecken, Büchel, mit experimentellen und Techno-Bands. Diese innovative Künstlerin hat bereits vor dreissig Jahren begonnen, traditionelle Kühreihen stimmig umzudichten und einem urbanen Umfeld anzupassen. Aus Hie obe. Ho-lobe wurde Hie unde ar Aare, wo d Laschtwäge fahre (CD Schynige Platte). Die erfolgreiche Filmschauspielerin eignete sich das Jodeln in Kursen und Privatstunden an, studierte Jodel- und Volksliedersammlungen, erweiterte ihr Repertoire mit der Hilfe von Tonträgern und wurde Mitglied des Eidgenössischen Jodlerverbandes (EJV). Lauterburgs Erfahrungen beim Wettsingen an einem kantonalen Jodelfest und ihre kritischen Reflexionen sind im Film Alpenglühen (1987) dokumentiert. Seither arbeitet die Sängerin immer wieder mit andern Ensembles zusammen, präsentiert aber auch in Solo-Programmen alte, neu arrangierte Jodellieder und mischt die musikalische Tradition risikofreudig auf.
Dieser verdienstvollen Künstlerin, die in der Schweiz am Anfang der neuen Volksmusik steht, ist durch die Initiative von Robert Bösiger eine über dreihundertseitige, beachtenswerte Monografie gewidmet worden. Der Journalist hat rund dreissig Musiker eingeladen, kleine Texte zu ihrer Kollegin zu verfassen, und diese «Stimmen» zusammen mit 25 mehrseitigen «Begegnungen» publiziert: Transkriptionen der Gespräche Lauterburgs mit je einem Weggefährten anlässlich von Wiederbegegnungen 2017. Immer gleichartige Profilfotos von Christian Roth dokumentieren diese Treffen und halten die vielen Facetten der schillernden Kulturträgerin fest. In jedem dieser Artikel kommen Lauterburgs musikalische Leistungen zur Sprache, eindrücklich dargestellt durch die romanische Sängerin Corin Curschellas, durch den Schwyzerörgeler Markus Flückiger, die Alphornbläserin Eliana Burki, den CD-Produzenten Cyrill Schläpfer, aber auch durch Politiker wie Adolf Ogi, Moritz Leuenberger und den Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried. Peter Bichsel beschreibt Lauterburgs Talent zur steten Erneuerung trefflich: «Wenn jemand gut ist, fängt er immer wieder von vorne an.»
Robert Bösiger und Christian Roth: Alles bleibt anders. Christine Lauterburg, 336 S. incl. CD, Fr. 39.00, Werd-Verlag, Thun 2018, ISBN 978-3-85932-936-2
Tierisches Faksimile
Camille Saint-Saëns gab seinen «Carnaval des animaux» erst in seinem Testament frei. Nun ist ein Faksimile des Autografs erschienen.
Michael Kube
- 06. Dez. 2018
Foto: Manfred Schimmel/pixelio.de
Was wäre die Musik ohne so manches tierische Vergnügen! Es muss ja nicht gerade ein Katzen-Duett oder Petruschkas Tanzbär sein – das ruft allenfalls die Ohren- oder Tierschützer auf den Plan. Einen viel feinsinnigeren Humor hatte Camille Saint-Saëns, als er 1886 während einer von musikalischem Chauvinismus begleiteten Konzertreise durch Deutschland und Böhmen seinen Carnaval des animaux niederschrieb. Ein musikalischer Spass, den er zu Lebzeiten mit wenigen Aufführungen nur im engsten Kreis teilte; allein der auf dem Violoncello zu singende «Schwan» durfte durch die Welt der grossbürgerlichen Salons gleiten. Erst mit seinem letzten Willen erteilte Saint-Saëns schliesslich die Freigabe des Werkes, das seither die Programme zahlreicher Kinderkonzerte füllt. Dass es ihm mit diesem Karneval aber durchaus ernst war, erschliesst sich dem Kenner: In drei Sätzen geht es bekannten Melodien an den Kragen (Rossini, Berlioz, Offenbach), doch auch an «Persönlichkeiten mit langen Ohren» wurde gedacht – wem fällt dazu nicht Mozarts schönes Bonmot ein …
Das Autograf, das nun als grossformatiges (30 x 36.6 cm) Faksimile erschienen ist, zeigt sich diesem trefflichen Humor gegenüber erstaunlich neutral: grosszügig und mit zahlreichen Abbreviaturen geschrieben, kaum Korrekturen, keine weiterführenden Eintragungen, dafür mit einzelnen einfachen Zeichnungen. Ein seltsamer Spagat, der dank einer vorbildlichen und vorbildlich gestalteten Ausgabe nun in aller Hände liegen kann. Nicht nur zu Weihnachten ein tierisch gutes Geschenk.
Camille Saint-Saëns: Le Carnaval des animaux. Fac-similé du manuscript autographe (= de main de maître 2), présenté par Marie-Gabrielle Soret, 192 S., € 200.00, Brepols Publishers, Turnhout 2018, ISBN 978-2-503-58122-4
Walpurgisnacht mit Hindernissen
«Das fliegende Orchester» von Howard Griffiths beschreibt eine herrlich-hindernisreiche Reise auf Hexenbesen, begleitet von der Musik von Fabian Künzli.
Niklaus Rüegg
- 06. Dez. 2018
Ausschnitt aus dem Titelbild
Ein Orchester bekommt eine geheimnisvolle Einladung: Es soll an der Walpurgisnacht auftreten. Nur die Hexe – sie ist zugleich die Konzertmeisterin – weiss, wie man dahin gelangt, schliesslich sind es ja ihre Familienangehörigen, die die Einladung verschickt haben. Die verhexte Konzertmeisterin versucht ihre magischen Fähigkeiten zum Vorteil des Orchesters einzusetzen. Sie organisiert Hexenbesen, einen für jedes Instrument und einen Luxusbesen mit Ledersessel und Minibar für den Maestro. Da sie aber zunächst die richtigen Zaubersprüche nicht trifft, verzögert sich der Abflug. Beim dritten Anlauf gelingt der Start zwar, doch der übellaunige Gnom Knürsch, der die Unterwelt der Konzerthalle beherrscht, unterlässt nichts, um das ihm verhasste Orchester loszuwerden. Er manipuliert die Hexenbesen so, dass das fliegende Orchester und sein Maestro vorerst in früheren Jahrhunderten landen. Dort treffen sie auf Tschaikowsky, Bach, Mozart, Rossini und Beethoven, die ihnen höchstpersönlich ihre gerade komponierten Meisterwerke vorspielen. Sogar Knürsch lässt sich schliesslich von der schönen Musik erweichen und leiht Beethovens Ode an die Freude seine scheppernde Stimme.
Nach Die Hexe und der Maestro und Die Orchestermäuse legt Howard Griffiths ein weiteres unterhaltsames musikalisch-pädagogisches Kinderbuch vor. Angenehm locker und ganz ohne belehrenden Ton wird der Hörer auf eine fantastische Zeitreise zu Highlights der klassischen Musik eingeladen. Martina Gedeck erzählt lebendig und charakterisiert treffend (der Maestro wird mit einem ulkigen englischen Akzent versehen). Zauberhaft und illustrativ sowohl in sinfonischen wie auch melodramatischen Abschnitten ist Fabian Künzlis Musik. Die üppigen Illustrationen von Karin Hellert-Knappe und der Soundtrack mit dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt unter der Leitung von Howard Griffiths vervollständigen dieses gelungene multimediale Gesamtpaket.
Das fliegende Orchester. Ein musikalisches Märchen von Howard Griffiths, Buch mit CD, 60 S., Fr. 29.80, Hug Musikverlage, Zürich 2017, ISBN 978-3-03807-076-4
Unbekannter Camillo Schumann
Die Hornsonaten des Reinecke- und Radecke-Schülers liegen erstmals gedruckt vor.
Jakob Hefti
- 06. Dez. 2018
Camillo Schumann 1896 im Alter von 24 Jahren. Wikimedia commons
Camillo Schumann (1872–1946 ) weist keinerlei Verwandtschaft mit seinem berühmten Namensvetter auf. Er kommt aus Sachsen und war Schüler von Carl Reinecke, aus dessen Hand zwei Trios mit Horn (op. 188 und op. 274) stammen, und von Robert Radecke, in letzter Zeit wiederentdeckt durch CD-Aufnahmen der Klaviertrios mit dem Trio Fontane und der Orchesterwerke mit dem Bieler Sinfonieorchester, beides beim Label cpo.
Seine Sonaten für Horn und Klavier schrieb Camillo Schumann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die erste, Opus 118, im Jahr 1911, die zweite, Opus posthumum, 1936. In dieser Zeit hatte sich die Neue Wiener Schule schon etabliert, einige Spätromantiker blieben allerdings ihrem Stil treu und verstanden es, den Klang des Horns in seiner vollen Blüte auszunützen. Daher möchte man die beiden kaum bekannten Werke als echte Repertoire-Bereicherung verstehen.
Camillo Schumann:
Sonate Nr. 1 F-Dur, EB 32113, € 19.90;
Sonate Nr. 2 D-Dur, EB 32114, € 24.90;
für Horn und Klavier, Erstausgaben,
Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2018
Polyvalente Ausgabe
Diese Version von Tschaikowskys Violinkonzert hebt sich durch die Angabe der editorischen Unterschiede und durch zahlreiche Ausführungsvarianten ab.
Walter Amadeus Ammann
- 06. Dez. 2018
Der Garten von Tschaikowskys Haus in Klin aus der Luft. Foto: Vadim Razumov / wikimedia commons
Der 40-jährige Violinist und Pädagoge an der Musikschule Konservatorium Zürich, Philip A. Draganov, hat bei der Solostimme dieser empfehlenswerten Ausgabe des Violinkonzertes von Tschaikowsky neue Wege beschritten. Nicht nur die Fingersätze und Bogenstriche, die er bei seinen Aufführungen verwendet, sind angegeben, auch viele Alternativen dazu. Ferner sind die im Autograf und in den verschiedenen Erstausgaben stehenden Differenzen im Notentext – zum Teil auf verschiedenen Systemen untereinander – notiert. Das gibt den Studierenden Entscheidungsmöglichkeiten je nach Handgrösse, Klang des Instruments und musikalischen Neigungen, die sonst nur durch das Konsultieren verschiedener Ausgaben möglich wären. Auffallend sind viele Glissandi im Stil des 19. Jahrhunderts, aber auch manche moderne Unter- und Überstreckung, die mit umkreisten Fingerzahlen hervorgehoben sind. Wie umsichtig all die in Fussnoten begründeten Vorschläge sind, beweist die Bemerkung zu einer Version: Man solle sie bei Wettbewerben eher vermeiden! Pikant ist die Empfehlung, bei einer Stelle die tiefoktavierte Version von Leopold Auer zu bevorzugen. Dieser hatte das Konzert als unspielbar taxiert; er hätte es vor einer Uraufführung revidieren wollen.
Im Nachwort über die Quellen ist die wechselvolle Entstehungsgeschichte bis zur Uraufführung durch den Widmungsträger Adolf Brodsky und den späteren Korrekturen durch Tschaikowsky wiedergegeben. Auch auf die Möglichkeit, das Partitur-Autograf, das im Glinka-Museum Moskau liegt, online einzusehen, wird hingewiesen.
Peter Iljitsch Tschaikowsky: Konzert für Violine und Orchester in D-Dur op. 35, Violinstimme mit Bogenstrichen und Fingersätzen von Philip A. Draganov. Klavierauszug von Edward Rushton, Fr. 38.00, Gilgenreiner Verlag, Winterthur 2017, ISMN 979-0-700268-27-5
staunen
Virtuosität, Bekanntes in ungewohntem Rahmen, ungewöhnliche Entwicklungen oder Attribute und überwältigende Shows: Die Musik verschlägt uns den Atem auf vielfältigste Weise.
SMZ
- 06. Dez. 2018
Titelbild: www.neidhart-grafik.ch
Virtuosität, Bekanntes in ungewohntem Rahmen, ungewöhnliche Entwicklungen oder Attribute und überwältigende Shows: Die Musik verschlägt uns den Atem auf vielfältigste Weise.
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Focus
Let’s be amazed — in Erwartung des Staunens Immer schriller, verrückter und schockierender – so ungefähr lässt sich die Geschichte der Rock- und Pop-Show in ein paar Worten zusammenfassen.
Plus vite, encore plus vite ! Pourquoi les musiciens essaient d’étonner les auditeurs par leur rapidité?
Von Himbeeren und Mozart Interview mit der Akkordeonistin Viviane Chassot
Dépayser la musique Satie choississait parfois des indications étonnantes. Il n’a pas été le seul.
Zwischen Dorftheater und professionellem Anspruch Die erstaunliche Entwicklung der Schweizer Operettenbühnen
Pédagogie du chant : que transmettre à un débutant ?
« Ali Baba» pour les 20 ans de l’Accademia d’Archi
MusikpädagogischerAustausch in Baku — 33rd ISME WorldConference
Fördern statt jurieren — Orpheus Competition und Stiftung Orpheum
FINALE
Rätsel — Torsten Möller sucht
Reihe 9
Seit Januar 2017 setzt sich Michael Kube für uns immer am 9. des Monats in die Reihe 9 – mit ernsten, nachdenklichen, aber auch vergnüglichen Kommentaren zu aktuellen Entwicklungen und dem alltäglichen Musikbetrieb.
Hier können Sie die aktuelle Ausgabe herunterladen. Bitte geben Sie im Printarchiv den Suchbegriff «e-paper» ein. Für Abonnentinnen und Abonnenten ist der Download kostenlos.
Allen andern Interessentinnen und Interessenten wird das PDF der aktuellen Ausgabe (oder einer früheren Ausgabe) gerne per E-Mail zugestellt. Kosten: Fr. 8.-. Hier geht es weiter zur Bestellung des e-papers.
Schrittweise und vor allem durch Spielen führt das Heft von Gabriel Koeppen zu den Griffarten der Daumenlage.
Lehel Donath
- 06. Dez. 2018
Foto: Goeke Bross/pixelio.de
Den fortgeschrittenen Cellisten erschliesst die Daumenlage das hohe Lagenspiel. Das Erlernen dieser komplexen Technik wird in älteren Lehrmitteln mitunter recht trocken vermittelt. Ganz anders geschieht das in Gabriel Koeppens Heft Daumenlage. Jede Position wird mit einer kurzen, grundlegenden Übung vorgestellt. Und dann kann bereits mit Spielen losgelegt werden. Sehr geschickt konzipiert ist, dass die allermeisten Stücke in Duo-Form komponiert sind. Dies bietet den Schülerinnen und Schülern eine grosse Intonationshilfe, damit sie im «ewigen Schnee des Kolophoniums» rasch Sicherheit gewinnen. Die musikalischen Übungsstücke enthalten neben bearbeiteten Volksliedern und Originalkompositionen der klassischen Cellisten Dotzauer und Romberg auch zahlreiche Originalstücke und Arrangements von Gabriel Koeppen, die unterhaltsam die Bereiche der E- und U-Musik bedienen.
Gabriel Koeppen: Daumenlage, Duette und Übungen zur Einführung in das Daumenspiel auf dem Violoncello, ED 22567, € 22.00, Schott, Mainz 2017
Zwischen Belletristik und Wissenschaft
Die neue Biografie von Barbara Meier bietet einen süffigen Erzählstil und sehr viele Originalzitate, zudem wertvolle Werkbeschreibungen.
Verena Naegele
- 06. Dez. 2018
Ausschnitt aus dem Titelbild
Eine Biografie zu Alban Berg, erschienen beim Wissenschaftsverlag Königshausen & Neumann, das lässt aufhorchen. Bis jetzt gehört der jung verstorbene Berg zu den in dieser Beziehung wenig beachteten Komponisten, geht doch die letzte, von Constantin Floros verfasste Lebensbeschreibung auf das Jahr 1992 zurück. Eigentlich erstaunlich, denn Werke wie das Violinkonzert oder die Oper Wozzeck gehören zum unverzichtbaren Standardrepertoire der Konzertwelt. Umso gespannter liest man das über 340 Seiten starke Lebensbild, das Barbara Meier verfasst hat.
Unvorbereitet auf Meiers Stil, ist man beim Einstieg in das Kapitel «Familienfoto» allerdings ziemlich irritiert: «Die Familie hat sich um den Mittagstisch versammelt, Conrad Berg, seine Frau Johanna, die Kinder Karl, Alban und Smaragda. […] Das Esszimmer, im neobarocken Stil eingerichtet, macht trotz der Überfülle an Dekor einen behaglichen Eindruck. […] Die Kinder sind gekleidet wie Erwachsene, die Brüder tragen Anzug und Krawatte, Smaragda ein Kleid mit üppigem Kragen […] Das Familienbild lässt nichts ahnen vom baldigen Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie.» So stellt man sich ein Wissenswerk nicht vor, zumal das zur Beschreibung passende Foto seltsamerweise nicht abgedruckt ist – Abbildungen sucht man sowieso vergeblich.
Meiers Schreibweise entpuppt sich also schnell als ziemlich ungewöhnlich, koppelt sie doch eine belletristische Art des Erzählens mit enormem Fachwissen. Sie bietet also kein romanhaftes Schwadronieren, sondern eine gut recherchierte Lektüre, die mit unzähligen Zitaten aus Briefen oder Artikeln gespickt ist und so die Vergangenheit in die Gegenwart holt. Diese Vorgehensweise ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, besonders bei einem Komponisten des 20. Jahrhunderts, wird Wissenschaftlichkeit doch meist mit einem «trockenen» Stil verbunden. Hier haben wir dagegen eine Art «erzählte» Biografie, ein emotionales Vergegenwärtigen, das zuweilen etwas geschmäcklerisch wirkt. So schreibt die Autorin etwa nach der Begegnung Bergs mit Anny Askenase, der Frau des Pianisten Stefan Askenase: «Nach dem Abschied von Anny auf dem Brüsseler Bahnhof will der ‹Trennungsschmerz› nicht vergehen, doch trotz aller ‹Qualen und Schmerzen, ja Todesgedanken› spürt er eine ‹ungeahnte Erhöhung› seines ‹Lebensgefühls›.» Die Schulmusikerin Barbara Meier weiss offensichtlich, wie man das Lesepublikum packen kann.
Wertvoll sind die präzisen Beschreibungen der bergschen Musik. So werden die wichtigsten Werke kenntnisreich und gut verständlich vorgestellt und erläutert, allein der «Ikone» der modernen Oper, dem Wozzeck, widmet sie über 20 Buchseiten. Und als Epilog findet auch das von Friedrich Cerha ergänzte Fragment der Oper Lulu eine eingehende Betrachtung. Schade, fehlen im Anhang biografische Daten und ein Werkverzeichnis.
Barbara Meier: Alban Berg, Biographie, 346 S., € 36.00, Königshausen & Neumann, Würzburg 2018, ISBN 978-3-8260-6391-6
Neue alte Etüden
Klassisch-romantische Kompositionen von Napoléon Coste und José Ferrer y Esteve in fundierten und praktischen Ausgaben.
Werner Joos
- 06. Dez. 2018
Napoléon Coste. Ausschnitt aus dem Titelblatt
Geschmack und Wahrnehmung verändern sich mit der Zeit, aber ein originaler Notentext ist immer ein originaler Notentext. Dies sagt der Verfasser einer Neuausgabe der 25 Études de genre des französischen Gitarristen und Komponisten Napoléon Coste (1805–1883) in seinem ausführlichen englischsprachigen Vorwort. Michael Macmeeken ist es ein Anliegen, die Musik möglichst genau so weiterzugeben, wie sie der Komponist im 19. Jahrhundert gedacht hat.
Der 1805 geborene Coste studierte im damaligen Hotspot Paris bei Altmeister Fernando Sor. Seine Musik ist klassisch-romantisch: gefällig, aber durchaus anspruchsvoll. Die meisten seiner Stücke schrieb er für Freunde und Bekannte; besonders hübsch ist ein seiner Frau gewidmetes Andante. Er selbst benützte eine eigens angefertigte Gitarre mit einer zusätzlichen, frei schwebenden D-Saite. Wer seine Kompositionen auf einem konventionellen Instrument spielt, stimmt deshalb die 6. Saite von E auf D um – was Auswirkungen auf den Fingersatz hat – oder oktaviert das tiefe D im Notentext jeweils um eine Oktave nach oben. Macmeeken lässt dem Spieler die Wahl, indem er Alternativen anbietet oder einzelne Etüden sogar in zwei jeweils eigenständigen Versionen in D- und in E-Stimmung veröffentlicht.
Auch sonst geizt der Herausgeber nicht mit Fingersätzen. Zum einen sind alle Originalangaben abgedruckt, zum anderen bringt Macmeeken kursive Ergänzungen an, wobei zu jeder Zeit klar ist, was vom Komponisten ist und was vom Herausgeber hinzugefügt wurde. So bringt Macmeeken das Kunststück fertig, die Etüdenklassiker aus dem vorletzten Jahrhundert in einer wissenschaftlich fundierten und gleichzeitig alltagstauglichen Ausgabe zu präsentieren. Als Supplement sind noch sechs Stücke angehängt, die Coste für die erweiterte Ausgabe der Sor-Schule geschrieben hatte.
Erst zwei Jahre nach Costes Tod trat in Paris, von Barcelona her kommend, auch José Ferrer y Esteve (1835–1916) auf den Plan. Von ihm sind in den letzten Jahren in verschiedenen Anthologien und Sammelbänden immer wieder kleine musikalische Perlen aufgetaucht, deren Quellen meist in der Bibliothek der Londoner Royal Academy of Music (und dort im Fundus der Robert Spencer Collection) zu finden sind. Nun wurden, mehr als hundert Jahre nach Ferrers Tod, zum ersten Mal auch seine Estudios veröffentlicht. Trotz ihres jüngeren Entstehungsdatums sind sie nicht sehr viel moderner als die Etüden von Coste: zwar eindeutig romantisch, aber noch fest in der klassischen Harmonielehre verankert. Etliche Stücke vermögen durchaus höheren Ansprüchen zu genügen. Abgesehen von den Fingersätzen wird auch in dieser Ausgabe deutlich gemacht, welche Angaben original und welche vom Herausgeber hinzugefügt sind.
Das Notenbild ist tadellos. Umso unverständlicher, dass selbst bei kurzen Stücken, die problemlos auf einer Seite Platz hätten, geblättert werden muss. Auch wirkt die oft wiederholte Angabe «hinge» (Scharnier) als Anweisung für einen flexiblen Teil-Quergriff des linken Zeigefingers mitten im ferrerschen Notentext eher befremdlich. Trotzdem: eine hochwillkommene Bereicherung des traditionellen Etüdenrepertoires.
Napoléon Coste: The Guitar Studies, 25 Études de genre op. 38, 6 Studies from the Sor Method, hg. von Michael Macmeeken, ECH 1402, € 22.90, Editions Chanterelle im Musikverlag Zimmermann (Schott), Mainz 2017
José Ferrer: 24 Estudios für Gitarre, hg. von Jens Franke und Marta Gonzalez Bordonaba, GA 569, € 17.50, Schott, Mainz 2017
Zwei Frauen und ihre Lieder
Die Sopranistin Katrin Frauchiger und die Pianistin Katharina Weber haben eigene Lieder mit Liedzyklen von Jürg Wyttenbach, Hanns Eisler und Alban Berg zusammengebracht.
Walter Kläy
- 05. Dez. 2018
Foto: Elke Sawistowski/pixelio.de
Zwei aussergewöhnliche Musikerinnen aus Bern haben mit der Interpretation von 35 Liedern aus einem Zeitraum von über 100 Jahren eine Kostbarkeit geschaffen: eine Produktion, die in der Programmgestaltung wie in der interpretatorischen Qualität aussergewöhnlich gelungen ist. Beide, die Sopranistin Katrin Frauchiger und die Pianistin Katharina Weber, sind nicht nur exzellente Interpretinnen, sondern auch gewiefte Komponistinnen, und es versteht sich von selbst, dass sie auch ihr eigenes Schaffen dokumentieren, kombiniert mit zwei Liedzyklen ihres Komponisten-Kollegen Jürg Wyttenbach und ausgewählten Liedern von Alban Berg und Hanns Eisler.
Katrin Frauchigers Lieder auf zwei Texte von Meret Oppenheim («Muse der Surrealisten»), Dort oben in jenem Garten und Am Anfang ist das Ende, eingeleitet durch einen Prolog für Klavier solo, sind von expressiver Schönheit, sowohl in der Singstimme wie im freitonalen Klaviersatz.
Trotz stilistischer Verwandtschaft eine ganz andere Sprache sprechen Katharina Webers Lieder aus Zwischenland auf Gedichte von Martin Merz: knappe, ausdrucksstarke Formulierungen, teils abgeleitet von der Rezitation der Texte durch den Dichter selbst, welche der Komponistin auf einer Aufnahme zugänglich war.
Die beiden Liedzyklen von Jürg Wyttenbach – 2014 für Frauchiger und Weber geschrieben – stehen dem Schaffen der beiden Komponistinnen stilistisch ebenfalls nahe. In den 8 Duettini nach Haiku-Gedichten des Japaners Issa (1763–1827) und von Kurt Marti (1921–2017) erweitert Wyttenbach die klanglichen Möglichkeiten: Die Pianistin singt gewisse Passagen im Duo mit und hat auch mal eine Saite des Flügels mit einem Bogen zu streichen. Von strenger Schlichtheit geprägt ist dagegen der Zyklus Drei kurze Gebete an die japanische Göttin der Barmherzigkeit Kannon Bosatsu. Dazu sagte Wyttenbach: «So einfach hatte ich nie geschrieben. Ich wollte einfach mal weg von der Chromatik und hatte beim Komponieren immer wieder diese japanischen Klänge im Ohr.»
Sehr schön finde ich die Kombination mit acht Liedern aus dem Hollywood Songbook (1942/43) von Hanns Eisler und den Sieben frühen Liedern (1905–1908) von Alban Berg. Da kommt Vergangenheit ins Spiel, was sowohl für Wyttenbach wie für Frauchiger und Weber wesentlich ist. Die Gegenwart spiegelt das Vergangene. Ein weiterer Pluspunkt dieser CD ist das Booklet mit dem ausgezeichneten Text von Doris Lanz.
Vom Sprengen des Gartens. Lieder von Jürg Wyttenbach, Katrin Frauchiger, Katharina Weber, Hanns Eisler and Alban Berg. Katrin Frauchiger, Sopran; Katharina Weber, Klavier. NEOS 11809
Gegenwind fürs Zürcher Musikschulgesetz
Der Zürcher Regierungsrat hat einen Gegenvorschlag zu einer Volksinitiative für ein Musikschulgesetz präsentiert. Die Initianten sind vom Entwurf enttäuscht.
Musikzeitung-Redaktion
- 05. Dez. 2018
Foto: Andrea Damm/pixelio.de
Das Initiativkomitee begrüsst laut ihrer Mitteilung die Tatsache, dass der Regierungsrat die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung des Musikunterrichts bestätigt. Es anerkennt auch die Tatsache, dass die Regierung explizit festhält, der Musikschulunterricht solle auf eine verbindliche gesetzliche Basis gestellt werden. Überrascht ist das Initiativkomitee hingegen «über die Unverbindlichkeit der gesetzlichen Festlegungen und die tiefe Kostenbeteiligung», welche die Regierung vorschlage. Der substantielle Bildungs- und Kulturbeitrag der Musikschulen werde vom Kanton «in keinster Weise angemessen mitfinanziert». Die Kosten trügen alleine die Gemeinden und die Eltern.
Das Komitee kritisiert zudem, dass die Regierung offenbar auch keine verbindliche Verankerung der Musikalischen Grundausbildung und der Begabtenförderung vorsieht, obwohl es für diese beiden etablierten Angebote keine Alternativen gebe.
Tourismuspreis für Luzerner Sinfonieorchester
Das Luzerner Sinfonieorchester und sein Intendant Numa Bischof Ullmann haben den Tourismus Award 2018 des Tourismus Forum Luzern erhalten. Die Auszeichnung erfolgt «aufgrund der kulturellen Bedeutung des Orchesters in Luzern sowie aufgrund seiner internationalen Ausstrahlung».
Musikzeitung-Redaktion
- 04. Dez. 2018
Foto: Vera Hartmann
Gemäss der Jury ist das Luzerner Sinfonieorchester ein wichtiger Teil des Luzerner Kulturlebens. Es erfreue sich grosser Beliebtheit bei der einheimischen Bevölkerung und sei daher mitverantwortlich für die hohe Lebensqualität in der Region.
Genauso ausschlaggebend bei der Preisvergabe war laut der Medienmitteilung aber auch die Funktion des Orchesters als Botschafter von Luzern im Ausland. Der Intendant wurde von der Jury «als unermüdlicher Innovator gewürdigt, dessen Visionen das Luzerner Sinfonieorchester zu einem grossartigen Aushängeschild des Luzerner Musiklebens» machten.
Schnäggeloch und Tangochue
Drei neue CDs mit Kinderliedern: traditionelle Melodien in allen Landessprachen, spritzig-verspielte Neuschöpfungen in verschiedenen Stilen oder mit Begleitmaterial zur Verwendung in Kindergärten und Primarschulen.
Pia Schwab
- 04. Dez. 2018
Foto: Meyhome/pixelio.de
Bei CDs für Kinder auf gute Qualität zu achten, lohnt sich doppelt. Natürlich vor allem, um die jungen Ohren hellhöriger zu machen, statt sie zu verstopfen, aber auch im eigenen Interesse. Denn haben die Kinder erst einmal angebissen, werden die Lieder weit öfter «laufen», als es den mithörenden Erwachsenen vielleicht lieb ist. Gleich drei Produktionen sind in den letzten Wochen auf der Redaktion angekommen:
Zum Ersten die neu als CD aufgelegte Version einer 1975 eingespielten Schallplatte: Die Sopranistin Cécile Zemp-Siegrist singt Die schönsten Schweizer Kinderlieder, 32 Lieder in vier Landessprachen in Sätzen von Hansruedi Willisegger. Zehn Instrumentalisten sind beteiligt, aber längst nicht immer im Einsatz, so dass sich äusserst schlichte, transparente Versionen ergeben. Die Sängerin bietet die Lieder ebenfalls sehr schlank und im besten Sinne «kunstlos» dar. Das mag für überfütterte Ohren im ersten Moment etwas mager klingen, erweist sich aber als Wohltat im alltäglichen Gewummer. Die recht hohe Lage ist genau richtig für mitsingende Kinder. Und wer nun findet, De Hans im Schnäggeloch und Au clair de la lune usw. seien für heutige Kinder allzu vorgestrig, der möge es doch auf einen Versuch ankommen lassen. Vielleicht ist das Entdecken besonders spannend, wenn Eltern oder Grosseltern erzählen, wie ihre Welt aussah, als sie diese Lieder sangen.
Im heutigen Alltag angesiedelt und musikalisch spritzig sind Badwanne Pirate. Die Lieder von Simone Schranz und Jacqueline Bernard (beide gehören zur Frauenband siJamais) handeln vom «Chräbu» am neuen Traktor, vom Hässig-Sein und Trösten oder, im charmanten Sprachenmix, vom «Tierli, chi è la più bella, la coccinella». Verspielt, frech, mitreissend, aber auch mal zurückgenommen und ein bisschen sentimental, als Tango, Blues oder Kletzmer, überzeugen diese Lieder von Übermut und Mut-Machen. Die berndeutschen Verse machen mit ihrem reichen, aber nie gesuchten Wortschatz ebenso Spass wie die experimentelle Guggisbergerlied-Variante. Etwas aus der Reihe fällt Ciao Papa, sowohl durch das Hochdeutsch wie durch Perspektive und Duktus. Ich hätte mir (stattdessen oder für die Zukunft) noch mehr dieser pfeffrigen Kinderlieder gewünscht.
Nicht weniger als 36 Lieder enthält sing sam sum! Getextet und komponiert hat sie Stephanie Jakobi-Murer, gesungen werden sie von Kindern aus dem Chor der Musikschule Hünenberg unter der Leitung der Autorin, die durch ihre früheren Liedsammlungen fli, fla, flo!, hula hula hopp! und waduwada! bereits bestens bekannt ist. Hier ist die CD nur ein Element eines Gesamtpakets, denn diese Lieder von De Giraff het Halsweh bis Du bisch bsunderig zielen auf die Verwendung in Kindergarten oder Primarschule. Bei einigen ist die erzieherische Absicht vielleicht etwas überdeutlich, aber die Auswahl ist ja gross. In einem Begleitheft sind sie nicht nur mit Mundart- und hochdeutschem Text notiert, sondern auch charakterisiert, mit didaktischen Tipps zur Einführung, Spiel-, Bewegungs, Begleitungs- und Bastelvorschlägen versehen – immer mit dem Ziel, die Kinder über ihr Tun und Erleben zu den Liedern zu führen.
Guete Tag, guete Tag. Die schönsten Schweizer Kinderlieder. Cécile Zemp-Siegrist, Sopran; Instrumentalensemble; Hansruedi Willisegger, Sätze und Leitung. Liedtexte im Booklet. Instrumentalsätze bei SME Schweizer Musikedition. www.guetetag.ch
Badwanne Pirate. E Hampfele Chinderlieder. Simone Schranz und Jacqueline Bernard, Texte und Kompositionen; Instrumentalensemble. CD in Blechdose, Noten und Texte zum Herunterladen auf der Website. www.badwannepirate.ch
sing sam sum! 36 pfiffige Lieder in Mundart und Hochdeutsch von Stephanie Jakobi-Murer, Lieder-CD (in Mundart gesungen von Kindern aus dem Chor der Musikschule Hünenberg); Liederheft mit Play-along-CD. Edition Pelikan 3035, Hug Musikverlage