Musik wie ein Bild von Mondrian

Das Kunstmuseum Solothurn zeigt bis am 4. Februar 2018 die grafischen Partituren Hermann Meiers. Am 2. Dezember sind einige Werke zu hören.

«Stück für grosses Orchester», 1960. © Paul Sacher Stiftung, Basel, Sammlung Hermann Meier

«Ich muss Ihnen gestehen, dass ich dieses Konzerts wegen schlecht zweg bin. Ich zittere davor. Hab Angstträume. Leberbeschwerden. Kann nicht mal Wein trinken. Fürchterlich. Dieses Konzert wird sicher mein letztes sein.» So schrieb der Solothurner Komponist Hermann Meier (1906–2002) am 31. Januar 1984 an den Pianisten Urs Peter Schneider, der sich immer wieder und als einer der ersten für sein Œuvre einsetzte.

Wie wäre es Meier wohl ergangen, wenn er gewusst hätte, dass sich die Leute bei der Vernissage in der Eingangshalle eines Kunstmuseums drängen würden, um seine Partituren, Skizzen, Zeichnungen und Pläne zu betrachten? Und dass das Sinfonie Orchester Biel Solothurn unter Kaspar Zehnder in einem anschliessenden Konzert in der Solothurner Franziskanerkirche sein Orchesterstück Nr. 6 von 1957 aufführen würde, mitten hineingesetzt zwischen die Sätze von Beethovens Vierter? Wie wäre er sich vorgekommen, der sich selber – in einem wahrscheinlich nie abgeschickten Gruss an den Lehrer Wladimir Vogel – als «das kleine Hänschen» bezeichnete?

Hermann Meier mag all jenen als Beweis gelten, die schon immer wussten, dass die wahre Kunst fernab der Zentren und ihrer Betriebsamkeit entsteht. Die Schweiz hat einige von dieser Spezies aufzuweisen, man denke nur an den Zofinger Alfred Wälchli oder die Künstler der Art brut. Meier ist ja immer noch nahezu unbekannt, dieser «Schönberg aus dem Schwarzbubenland», wobei man ihn mit Schönberg ein wenig in die falsche Ecke drängt. Gewiss entdeckte er früh die Atonalität für sich, und gewiss hat er sich bei Vogel in die Zwölftontechnik eingearbeitet, aber so gern und streng angewandt hat er sie offenbar nicht, und wenn man seine Kompositionen hört, versteht man auch warum. Diese Musik ist eher auf klangliche Massen ausgerichtet, die sich herb nebeneinanderstellen, mit vielen Pausen, sehr eigen und kompromisslos. Eher ist er ein helvetischer Ustwolski, ein erratischer Block, im Hauptberuf Primarlehrer in Zullwil.

Ein Aussenseiter mit Gespür für fundamentale Strömungen

Ein schwarzer Bube zumindest in der Musik, schroff oft und kantig, mit vielen Abgründen – und wohl auch nicht fürs Kompromisslerische geeignet. Lang tüftelte er an seinen Stücken, wie seine Skizzen und Pläne andeuten. Sie bilden das Zentrum der Solothurner Ausstellung Mondrian-Musik, die vergleichsweise wenig Musik bereithält, sondern diesen ausstellbaren Aspekt betont. Zu Recht. Denn diese «graphischen Welten des Komponisten Hermann Meier», wie der Untertitel lautet, weisen jenseits der Musik noch in ganz andere Richtungen. Es sind, ähnlich wie beim Basler Robert Strübin (1897–1965), einer weiteren Aussenseiterfigur, Augen-Musiken oder Ohren-Grafiken – und in ihrer Eigenwilligkeit und konstruktiven Strenge irgendwie typisch helvetisch: visueller Serialismus, verwandt mit den Zürcher Konkreten, mit Max Bill und Richard Paul Lohse. 1936 sprach Bill erstmals von «Konkreter Kunst», Ende der 40er-Jahre wurde Meier darauf aufmerksam. Eine tiefe Anregung waren dabei auch die Bilder Piet Mondrians. Und so schuf er zu einer Zeit in der Provinz grafische Partituren, als auch die berühmten Partituren etwa von Earle Brown, Morton Feldman und Iannis Xenakis entstanden, die längst ihren Platz in der Musikgeschichte gefunden haben. Die Paul-Sacher-Stiftung, wo der Meier-Nachlass liegt, hat zum Vergleich einige dieser Partituren beigesteuert. Ein Fund: Brown benutzte für sein epochales December 1952 ebenso wie Meier Millimeterpapier.

Vor allem dienten ihm diese Grafiken – «Grundrisse», wie Meier sie nannte – als Vorlagen für elektronische Musik, mit der er sich von 1973 bis 1983 intensiv befasste. Auch damit war er ähnlich wie Benno Ammann oder Oscar Wiggli ein in der Schweiz einsamer Pionier. Tatsächlich könnte man das jetzt alles auf den Millimeter genau zumindest in der Grafik studieren, denn leider blieben ausser den Klangschichten alle Projekte unrealisiert: Es ist Musik im imaginären Raum. Erst heute werden die Aufzeichnungen nach und nach zu Klang gebracht. Am «Konzerttag» (2. Dezember) sind einige Versionen zu hören.

Aber gerade diese Imagination fördert die Ausstellung auch. Der visuelle Gesamteindruck allein ist repräsentativ und äusserst lohnenswert. Der reichhaltige Katalog stützt sich auf Vorträge des Meier-Symposiums Das Auge komponiert letzten Januar an der Hochschule der Künste Bern (siehe Bericht von Azra Ramić auf musikzeitung.ch/de/berichte/tagungen). Der Kuratorin Michelle Ziegler ist zusammen mit den Musikwissenschaftlern Roman Brotbeck (HKB) und Heidy Zimmermann (Sacher-Stiftung) hier ein Meier-Kompendium gelungen, das hoffentlich dazu beiträgt, diese Musik bekannter zu machen.

Ziegler arbeitet zurzeit an einer Dissertation über das Klavierwerk Meiers; weitere Projekte sind am Laufen. Demnächst soll eine neue Aufnahme seiner Klaviermusik mit Dominik Blum erscheinen, und vielleicht taucht Hermann Meier denn auch gelegentlich in einem grösseren Konzert auf. Was er wohl dazu sagen würde?

Katalog
Heidy Zimmermann, Michelle Ziegler, Roman Brotbeck: Mondrian-Musik. Die graphischen Welten des Komponisten Hermann Meier; 223 S. mit zahlreichen Illustrationen; Zürich, Chronos Verlag, 2017.

Diapason d’Or für Schabernack

Das französische Fachmagazin Diapason hat die CD «Schabernack» von Les Passions de l’Ame mit dem Diapason d’Or ausgezeichnet. Der Preis ist eine der bedeutendsten unabhängigen europäischen Anerkennungen für klassische Musik.

Les Passions de l’Ame (Foto: Guillaume Perret)

Der Diapason d’Or wird monatlich vergeben und ist neben dem Preis der deutschen Schallplattenkritik und den englischen Gramophone Awards einer der gewichtigsten Preise der Branche. Vor kurzem erhielt Meret Lüthi, die künstlerische Leiterin von Les Passions de l’Ame, auch den Musikpreis des Kantons Bern für ihre «herausragende und langjährige musikalische Tätigkeit».

Bereits die CD «Spicy» (2013) des Ensembles ist mit dem Diapason d’Or ausgezeichnet worden, «Bewitched» (2014), mit dem Supersonic Award. Die drei CD sind beim Label Sony Music Switzerland erschienen. Der Name des Orchesters verweist auf einen Aufsatz von René Descartes aus dem Jahre 1649. Darin spricht der Philosoph von der Leidenschaft, die zwischen Körper und Seele vermittelt.

Pro Helvetia mit neuen Stiftungsrätinnen

Der Bundesrat hat für die Kulturstiftung Pro Helvetia zwei neue Stiftungsrätinnen gewählt: Françoise Simone König Gerny ersetzt Felix Uhlmann und Marie-Thérèse Bonadonna ersetzt Anne-Catherine Sutermeister.

Pro Helvetia Hauptsitz. Foto: zVg

Die bisherigen Stiftungsräte Anne-Catherine Sutermeister (Fachbereich Kunst- und Kulturwissenschaft) und Felix Uhlmann (Fachbereich Recht) erreichen das Ende ihres Mandats. Der Fachbereich Recht wird ab 1. Januar 2018 von Françoise Simone König Gerny vertreten. Sie ist Co-Leiterin des Rechtsdiensts im Generalsekretariat des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, Basel-Stadt. Den Fachbereich Kunst- und Kulturwissenschaft übernimmt ebenfalls per 1. Januar 2018 Marie-Thérèse Bonadonna, Kulturdelegierte des Club 44 in La-Chaux-de-Fonds.

Die derzeitige Amtsperiode dauert bis 2019. Die weiteren Stiftungsräte sind Susanna Fanzun, Marco Franciolli, Guillaume Juppin de Fondaumière, Johannes Schmid-Kunz, Nicole Seiler und Peter Siegenthaler.

Der neunköpfige Stiftungsrat der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia ist das strategische Organ der Stiftung. Er repräsentiert die unterschiedlichen Fachbereiche des kulturellen Lebens und die vier Sprachregionen der Schweiz. Der ehemalige Genfer Staatsrat Charles Beer wurde vom Bundesrat in seinem Amt als Präsident der Stiftung bestätigt und wird seine zweite Amtszeit am 1. Januar 2018 antreten.

Prekäre Lehrtätigkeiten für Komponisten in Bayern

Die Fachgruppe E-Musik (FEM) des DKV und der Landesverband Bayern des Deutschen Komponistenverbands (DKV) solidarisieren sich mit den streikenden Lehrbeauftragten der staatlichen bayerischen Musikhochschulen.

Der Protest formiert sich in der Aula der Musikhochschule München. Foto: Juan Martin Koch

Ohne die vielen Lehrbeauftragten an den staatlichen Musikhochschulen in München, Nürnberg und Würzburg wäre deren reichhaltiges Bildungsangebot nicht aufrechtzuerhalten, schreibt der DKV. Die Lehrbeauftragten seien ein tragender Pfeiler der akademischen Musikausbildung in Bayern. Wie ihre festangestellten Kolleginnen und Kollegen leisteten sie vielfach die gleiche Arbeit. Dafür würden sie aber nur mit einem Bruchteil dessen honoriert, was das festangestellte Personal erhält.

Wie dieses erteilen die Lehrbeauftragten Einzelunterricht, geben Seminare und halten Vorlesungen in fast allen Abteilungen und Fächern. Besonders in den Fächern Musiktheorie, Gehörbildung und Komposition unterrichten auch viele Komponistinnen und Komponisten. Das machen sie zum Teil bereits seit Jahrzehnten und müssen laut DKV dennoch jedes Semester um die Verlängerung ihres Lehrauftrags bangen, müssen sich im Gegensatz zu den festangestellten Kolleginnen und Kollegen selbst krankenversichern und selbst für ihre schmale Alterssicherung vorsorgen, ohne Honorarfortzahlung im Krankheitsfall.

Die Lehrbeauftragten sind deshalb für zwei Wochen in den Streik getreten. Sie verlangen unter anderem eine angemessene Honorierung, eine «würdige Alterssicherung», eine für den Lebensunterhalt genügende Wochenstundenzahl, um nicht in Existenznot zu geraten, Mitgestaltungsrecht in den Gremien der Hochschule und Honorarfortzahlung im Krankheitsfall.

Mehr Infos:
www.nmz.de/kiz/nachrichten/deutscher-komponistenverband-landesverband-bayern-solidarisiert-sich-mit-lehrbeauftr
 

Luzerner Anerkennungspreis Für Christov Rolla

Die Stadt Luzern ehrt mit ihrem Kunst- und Kulturpreis den Bildenden Künstler Peter Roesch. Anerkennungspreise gehen an die Übersetzerin Ute Birgi-Knellessen sowie den Musiker Christov Rolla.

Cristov Rolla (Bild: zvg)

Der 1977 im luzernischen Seetal geborene Christov Rolla studierte nach dem Erwerb des Primarlehrdiploms am Lehrerseminar Hitzkirch Chorleitung und Musikpädagogik an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik Luzern. Rolla ist hauptberuflich als freier Theatermusiker tätig.

Mit dem Johanneschor Kriens und dem A-Cappella-Ensemble Integral ist Rolla auch als Chorleiter tätig. Daneben ist er Pianist und Co-Texter der Chanson-Formation Canaille du jour, festes Mitglied der Lesebühne The Beauties and the Beast (Loge Luzern), und er schreibt regelmässig Kolumnen für 041 – Das Kulturmagazin sowie das Werklehrmagazin Werkspuren. Rolla lebt in Luzern.

Der Luzerner Stadtrat würdigt das Schaffen des Künstlers Peter Roesch mit dem Kunst- und Kulturpreis 2017 der Stadt Luzern. Dieser ist mit 25‘000 Franken dotiert. Die Anerkennungspreise an die Übersetzerin Ute Birgi-Knellessen und an Christov Rolla sind mit je 10’000 Franken dotiert.

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Tartinis Theorie des dritten Tones

Beim Spielen von Zweiklängen auf der Geige erklingt ein dritter Ton. Die Schweizerin Angela Lohri hat sich in ihrer Dissertation anhand von Quellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit den Kombinations-, Differenz- und Summationstönen beschäftigt.

Foto: Tobias Kunze/pixelio.de

1714 entdeckte der 22-jährige italienische Geiger und Komponist Giuseppe Tartini, dass beim Spielen von Zweiklängen auf seiner Geige ein dritter Ton («terzo suono») erklingt. Ab 1728 machte er dieses Phänomen für die Zöglinge seiner Schule zur fundamentalen Regel für die Einstimmung, was europaweit bekannt wurde. 1754 und 1767 publizierte er seine Forschungen und diskutierte sie u. a. mit Leonhard Euler. Tartini berichtete, schon Platon hätte davon gewusst und es als ein Zeichen der Weltseele gedeutet: «(…) die Harmonie des Universums ist der ganze Baum; die Musik ist davon ein Ast, jedoch notwendigerweise von gleicher Natur und Wurzel, was die der menschlichen Spezies angeborene Musik offensichtlich beweist, da sie allein befähigt ist zur Wissenschaft der Zahl. In diesem Sinne gibt es in der Zahl Wissen und Natur, (…) und in diesem Sinne ergibt sich die Möglichkeit, den Baum über den Ast zu entdecken, das Ganze vom Teil aus (…)»

Diese harmonikale Sicht Tartinis wird in der heutigen Forschung wieder vermehrt beachtet, besonders seit die neurologischen Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen Ohr und Gehirn zugenommen haben. Die ganzzahlige Ordnung der Obertöne, die allen Klängen immanent ist, wird physiologisch als grundlegend bei der alltäglichen Tonerkennung angeschaut. In den letzten 300 Jahren fanden Forscher immer neue Wege, dem oder besser den Kombinations-, Differenz- und Summationstönen auf die Spur zu kommen.

Die Schweizerin Angela Lohri breitet in ihrer Dissertation die Komplexität und Vielschichtigkeit des Phänomens anhand von Primärquellen mit Fokus auf das 18. und 19. Jahrhundert aus und erklärt die Unterschiede. Sie kommt auf Tartinis ganzheitliche Betrachtung zurück: Der dritte Ton sei der Bass des Zweiklangs und ihrer gemeinsamen Obertöne, also die Einheit in der Vielheit; die Obertöne wiederum stellen die Vielheit in der Einheit dar. Um dies zu illustrieren komponierte er 26 zweistimmige Piccole Sonate für Violine, ohne den Bass dazu zu schreiben: der entstehe von selbst. Tartini wehrte sich gegen die Einseitigkeit von zeitgenössischen Gelehrten und Musikern und betonte, seine Theorie gelte physikalisch (die Kombinationstöne entstehen in der Luft), harmonikal (siehe obiges Zitat) und musikalisch-praktisch als Einheit.

Zum musikalischen Aspekt trägt Lohri Wesentliches bei: Auf Saiteninstrumenten ohne Bünde wie der Violine kann man zwei syntonische Töne (mit ganzzahligen Verhältnissen) spielen und mit den Kombinationstönen exakt kontrollieren, da diese auch bei kleinsten Veränderungen des Fingers auf der Saite sehr deutlich reagieren. Z.B. beim Tritonus kann man den harmonischen Kontext (ist der untere oder der obere Ton der Leitton?) verdeutlichen, hat man doch bei subtiler Einstellung zwei verschiedene Kombinationstöne zur Auswahl! Lohri berichtet von ihren Hörexperimenten mit verschiedenen Geigen und Saiten, wie sie bisher Pierre Baillot und Michelangelo Abbado ähnlich durchgeführt haben. Diese Studien führten sie auch nach Stockholm, wo sie mit einer Streichmaschine noch exakter arbeiten konnte. Das Problem mit der temperierten Stimmung wird philosophisch angegangen, indem Hans Kayser und Dieter Kolk zu Worte kommen: Toleranz zwischen Idee und Wirklichkeit sucht sich mit begrenztem Spielraum einen Weg durch «unsere ganzen Natur- und Geistesbetrachtungen».

Meine Empfehlung zum Studium dieses Buches für Musiker, Instrumentenbauer und als Anlass zu weiterführenden Forschungen untermauere ich mit je einem Zitat von Angela Lohri: «Die Bedeutung der Kombinationstöne liegt … in ihrer Wirkung und Eignung als Methode zur Sensibilisierung der Tonvorstellung … Ihre mathematisch-harmonikalen Eigenschaften verraten uns mehr über das tiefere Wesen der Musik.» Und von Gerhard Mantel: «Streicher an Musikhochschulen verwenden 70-90 Prozent ihrer Übungszeit auf die Verbesserung der Intonation.» Das gedruckte Buch ist sehr hilfreich beim Studium, das viel Vor- und Zurückblättern nötig macht. Der fehlende Index wird vorteilhaft ersetzt durch eine perfekte Suchfunktion bei der elektronischen Variante.

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Angela Lohri, Kombinationstöne und Tartinis «terzo suono», 316 S., 94 Abb. und Notenbsp., freier Download, Paperback € 49.99, Hardcover € 55.99 Schott, Mainz 2016, ISBN 978-3-95983-079-9

Der Opernhimmel in neuer Beleuchtung

Eine neue Reihe der Edition Breitkopf bietet Arienalben, die nach Stimmlage und -fach geordnet sind. Kommentare zu dem Stücken sowie sprachliche, methodische und stilistische Tipps vervollständigen die Ausgaben.

Foto: Roland Ster/flickr.com

Die Edition Breitkopf hat sich darangemacht, das Opernsängerrepertoire neu zu ordnen – welch löbliches Unterfangen! Das Besondere: Die Auswahl der Arien erfolgte nach stimmlichen Kriterien, nach Umfang, Tessitur und Rollentyp, und hiermit wird eine grosse Lücke geschlossen. Kaufte man bisher ein Arienalbum hatte man es meist mit Werken über alle Fächergrenzen hinweg zu tun, da passten vielleicht fünf oder sechs Arien zum eigenen Profil …

Das Anliegen der nun hier vorliegenden Repertoiresammlung ist es, gutes Notenmaterial zusammenzustellen, es übersichtlich zu gliedern und benutzerfreundlich zu präsentieren. Das geschieht durch die Ordnung nach Stimmfächern. Was interessant ist einerseits für Hochschulstudierende und -dozierende, andererseits aber auch für schon im Berufsleben stehende Sänger, die ihr Fachrepertoire erweitern wollen, an einen Fachwechsel denken oder sich auf Theatervorsingen vorbereiten. Die Sammlung enthält sowohl gängige Vorsingarien des jeweiligen Stimmfaches, integriert aber auch weniger bekanntes und schwerer zugängliches Material, zum Beispiel der klassischen Moderne.

So sind die ersten beiden von vier Bänden für Sopran erschienen: Band 1: Lyrische Koloratur und Band 2: Lyrisch – untergliedert in lyrisch-leicht und lyrisch-schwer. Es folgen, wie der Verlag verlauten lässt, Ende 2017 noch die Bände Dramatische Koloratur und Dramatischer Sopran.

Wir finden in diesem ersten Band für Koloratursopran eine erfreulich breite und vielfältige Auswahl vor, die von Händels Alcina zu Mozarts Blondchen, über Lakmé, Juliette und Olympia bis hin zu moderneren Rollen wie der straussschen Zerbinetta und Cunegonde aus Candide von Leonard Bernstein reicht. 27 Arien umfasst dieser Band, ergänzt wird er durch eine CD-ROM mit Arientexten in Originalsprache, sowie deutschen und englischen Übersetzungen der Texte.

Ein Anhang enthält des Weiteren Einzelkommentare zu den Arien: Tonumfang und Spieldauer, ihre Positionierung im Handlungskontext der Oper sowie deren Inhaltsangabe, Charakterisierung der Figur und als Sahnehäubchen quasi: methodische Hinweise aus sängerischer Sicht, gesangstechnische und stilistische Tipps (man «hört» in diesen Kommentaren quasi eine erfahrene Gesangslehrerin, wie sie jeder von uns sicher schon mal hatte – und das sogar zweisprachig …).

Die mit den beiden Sopranbänden und drei Baritonbänden begonnene Reihe soll fortgesetzt werden für Alt, Bass, Mezzo und Tenor und 2019 ihren Abschluss finden.

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OperAria. Repertoiresammlung hg. von Peter Anton Ling und Marina Sandel, je € 29.80, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2017

Bisher erschienen:

Sopran:
lyrisch – Koloratur EB 8867
lyrisch EB 8868

Bariton:
lyrisch EB 8877
lyrisch-dramatisch EB 8878
dramatisch 8879;

 

Historisch informiert üben

Anja Thomann hat in ihrem Technikbuch für Traversflöte historische Quellen zu Übungsreihen ausgebaut, die alle wichtigen Aspekte des Spiels berücksichtigen.

Ausschnitt aus dem Titelblatt

Im Ton- und Technikbuch für Traversflöte Back to Basics stellt die Traversflötistin Anja Thomann gezielte Übungen zu den Bereichen Artikulation, Fingertechnik, Intonation und Tongestaltung zusammen. Die meisten Übungen basieren auf historischen Quellen, die jeweils als Faksimile des Originals vorangestellt werden. Die Autorin hat als Quellen methodische Werke von Michel Corette, Charles de Lusse und Johann Joachim Quantz herangezogen. Ausschnitte daraus werden zu kompletten methodischen Übungen erweitert, sodass mit dem Buch grundlegende Ton- und Technikübungen «historisch informiert» geübt werden können.

Kapitel eins beginnt mit kurzen Präludien, die durch alle Tonarten gehen, es folgen im zweiten Kapitel Einspielübungen, die von der Duole ausgehend zu Triolen und Vierergruppen erweitert werden. Von Anfang an einbezogen sind hierbei auch die im Barock geläufigen Artikulationen wie tidi und diri. In Kapitel drei und vier folgen Tonleitern und Arpeggien. In Kapitel fünf werden typisch barocke Figuren wie Wechselnoten in sequenzierender Weise geübt und auch Terzen- und Quartenketten mitberücksichtigt. Anschliessend kommen im sechsten Kapitel Übungen zur Entwicklung des Tons dazu, die Intervalle, Chromatik und Übungen zur Gestaltung langer Töne durch Schwelltöne enthalten. Das ganze siebte Kapitel widmet die Autorin der Artikulationsart did’ll und erweitert es mit eigenen Übeideen durch Singen und Spielen. Im achten Kapitel werden Verzierungen und Triller, die auf einer Tonleiter basieren, sequenziert. Das Buch endet mit einer ausführlichen Grifftabelle und einer Trillertabelle, die mit hilfreichen Tipps zur Intonation ergänzt sind.

Manch einer wird beim Studium dieser weiterentwickelten wertvollen Übungen von Quantz, de Lusse und Corette feststellen, dass diese in ihrem Aufbau schon vorausnehmen, was später Marcel Moyse oder Paul Taffanael in ihren methodischen Heften für die Böhmflöte gebracht haben. Für einen grundlegenden Aufbau von Ton, Technik und Artikulation auf der Traversflöte ist diese übersichtlich gestaltete Publikation eine grosse Bereicherung, da die wesentlichen Aspekte in einem Heft zusammengefasst sind.

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Anja Thomann: Back zu Basics. Ein Technikbuch für die Traversflöte, EW 982, € 19.80, Edition Walhall, Magdeburg 2016

Sachers Schönberg-Rezeption

Eine Publikation der Paul-Sacher-Stiftung legt Dokumente und Kommentare vor, die aufzeigen, wie sich Komponisten mit Schönbergs Werken auseinandersetzen.

Arnold Schönberg. Zeichnung von Edward Drantler, 2007, wikimedia commons

Durch die Erwerbung vieler Nachlässe von Komponisten, die sich mit der Musik Arnold Schönbergs beschäftigten, kam die Paul-Sacher-Stiftung in Basel in den Besitz zahlreicher Dokumente zu dessen Rezeptionsgeschichte. Als Festgabe zum 70. Geburtstag des Musikwissenschaftlers Hermann Danuser liegen jetzt 59 ausgewählte Dokumente mit Kommentaren von acht Autorinnen und Autoren vor.

Als Dirigent und Mäzen setzte sich Paul Sacher (1906–1999) in erster Linie für Bartók, Honegger, Martin, Strawinsky und für Neoklassizisten wie Martinů und jüngere Komponisten ein. Während sich in Winterthur der Mäzen Werner Reinhart und der Dirigent Hermann Scherchen seit den 1920er-Jahren immer wieder für Berg, Schönberg und Webern stark gemacht hatten, stand mit Schönbergs 2. Streichquartett op.10 in einer Version für Streichorchester erst 1933 ein Werk der Zweiten Wiener Schule auf einem Programm des von Sacher gegründeten und geleiteten Basler Kammerorchesters. In den letzten Lebensjahren sicherte sich Sacher im Hinblick auf seine Stiftung die Handschriften von Schönbergs Fünf Orchesterstücken op. 16 und Kol nidre op. 39. Es kommt einer Ironie des Schicksals gleich, dass der Dirigent, der sich jüdischer Musik gegenüber bis dahin verschlossen gezeigt hatte, damit ausgerechnet eine für Schönbergs Selbstverständnis als Jude zentrale Komposition erwarb.

Die mit Anton Weberns Bearbeitung des Vorspiels zu den Gurre-Liedern für zwei Klaviere zu acht Händen (1909) beginnenden Fallbeispiele spannen einen weiten Bogen bis zu Heinz Holligers Übertragung der Sechs kleinen Klavierstücke für Kammerensemble (2006). Von denselben Stücken werden auch Bearbeitungen durch Wolfgang Rihm und Younghi Pagh-Paan vorgestellt. Unter den frühen kompositorischen Auseinandersetzungen mit Schönbergs Musik ragen Strawinskys Trois poésies de la lyrique japonaise (1912/13) und Milhauds 3. Streichquartett mit Singstimme (1916) hervor. Zu den interessantesten Dokumenten zählen auch Bartóks Beitrag Arnold Schönbergs Musik in Ungarn zur Wiener Avantgardezeitschrift Musikblätter des Anbruch (1920), Schönbergs Klaviersuite op. 25 mit Annotationen von Stefan Wolpe und Klaus Hubers Vortragsmanuskript Versuch über Grösse. Schönbergs Selbstverständnis in seinen Briefen (1974).

Die mit schwarzer und roter Schrift grafisch reizvoll gestaltete Publikation enthält im Anhang eine alphabetische Liste der abgebildeten Dokumente, ein Verzeichnis der auf Schönberg bezogenen Manuskripte und annotierten Druckausgaben in den Sammlungen der Paul-Sacher-Stiftung und ein Namensregister.

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«On revient toujours». Dokumente zur Schönberg-Rezeption aus der Paul Sacher Stiftung, Festgabe für Hermann Danuser zum 70. Geburtstag, Hg. Paul Sacher Stiftung, Basel, 192 S., € 35.00, Schott, Mainz 2016, ISBN 978-3-7957-1202-0

Über Kodálys Kammermusik

Ein deutsches Buch über Zoltán Kodály ist ohnehin selten. Hier ist es zudem ganz seiner Kammermusik gewidmet. – Hoffentlich ein Anstoss für das eine oder andere Ensemble, sie auf das Programm zu setzen.

Briefmarke zum 125. Geburtstag von Zoltán Kodály. Ungarische Post/wikimedia commons

Überblickt man die 57 Bände der Reihe Studien zur Wertungsforschung, staunt man über die Vielfalt der Themenbereiche, wundert sich aber oft auch darüber, dass viele der Erkenntnisse kaum über den Tellerrand der Wissenschaften hinaus gelangen, bis zu den Musikern und Konzertgängern, die ja als deren «Konsumenten» angesehen werden könnten. Da es sich jedoch in den meisten Fällen um die gesammelten Vortragsmanuskripte aus Symposien handelt, deren Sprache bisweilen einem Fachjargon entspricht, müssten sie für Laien «übersetzt» werden. Und so ist es ein weiter Weg bis zu den Interpreten und dann zu den Konzerteinführungen.

Im vorliegenden Band zur Kammermusik des ungarischen Komponisten Zoltán Kodály (1882–1967) sind aber alle Texte in einem erfreulich lesbaren Stil verfasst. Ausserdem sind umfangreiche Partiturbeispiele eingefügt, sodass ein «Mitlesen» im Notenbild den Zugang zu den besprochenen Aspekten erleichtert. Die Cellosonate op. 4 wird von Hartmut Schick unter dem Blickwinkel der Quarte betrachtet, deren Behandlung die Schwelle zur Neuen Musik bildet. Roswitha Schlötterer-Traimer zeigt Volksmusikelemente im ersten und zweiten Streichquartett auf, László Vikárius in der Cello-Solosonate op. 8. Bei Michael Kube steht das Streichquartett op. 2 mit der Rezeption und den Druckausgaben im Mittelpunkt, bei Anna Dalos das Streichquartett op. 10, wobei hier die Zeit des Ersten Weltkriegs mit hineinspielt.

Verdienstvoll ist es, dass der Platz Zoltán Kodály allein gehört (ohne den üblichen Bezug auf Bartók) und dass auch die gesellschaftlich-politische Seite der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg – Kodálys Budapest um 1900 – von Ilona Sármány-Parsons ausführlich dargestellt wird. Thomas Kabisch und Klaus Aringer behandeln die beiden ungewöhnlich besetzten Werke Opus 7 (Duo für Violine und Cello) und Opus 12 (Serenade für 2 Violinen und Viola). Somit werden einige Kompositionen vorgestellt, die ganz selten in die Kammermusikprogramme unserer Tage gelangen. Eine solche Publikation könnte bei Musikern den Namen Zoltán Kodálys in Erinnerung rufen und diesem Mangel abhelfen. Deutschsprachige Literatur ist so rar, dass sogar das kleine Buch mit den fünf Gesprächen, die Lutz Besch mit Kodály geführt hat, mehrfach erwähnt wird (Verlag Arche, Zürich 1966).

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Zoltán Kodálys Kammermusik, Studien zur Wertungsforschung 57, hg. von Klaus Aringer, 239 S., brosch., € 28.50, Universal Edition, Wien 2015, ISBN 978-3-7024-7283-2

Musikalischer Quintenzirkel

Der in Aarau wirkende Violinpädagoge Markus Joho hat mit Violin Circle einen Rundumschlag vollendet, indem er den Quintenzirkel als Thema für eine ganz andere Violinschule wählte.

Ausschnitt aus dem Titelblatt

Die Ohrwürmer berühmter Komponisten und viele selber geschaffene Stücke führen die Lernenden unterhaltsam durch alle Tonarten und liefern unzählige wichtige theoretische und technische Grundlagen für solides Violinspiel. Ich kann mir dieses Heft gut vorstellen als Lehrmittel für erwachsene Anfängerinnen oder Wiedereinsteiger. Für aufgeweckte Kinder kann der Circle als Ergänzung zu einem anderen Lehrgang nützlich sein.

Von den 136 Nummern sind zwei Drittel attraktive Lieder und Kompositionen, mehrheitlich als ausgezeichnete Violinduette gesetzt. Dank übersichtlicher Darstellung mit Stichwörtern neben den Seitenzahlen, blau hinterlegten technischen Angaben und einem alphabetischen Inhaltsverzeichnis wird auswählendes Vorgehen erleichtert. Erklärungen könnten einfacher formuliert und einführende Übungen grafisch attraktiver gestaltet sein. Das Lagenspiel spielt eine nebensächliche Rolle; in einigen Stücken wären alternative Fingersätze ein Gewinn. Wertvoll sind die Behandlung von chromatischen, Ganz-, Blues- und Zigeunertonleitern ebenso die Anregungen zum Improvisieren, Transponieren und Komponieren.

Markus Joho: Violin Circle, Ein vergnügliches Spiel- und Übungsheft rund um die Tonarten und Techniken der Geige, PE 1003, Fr. 29.80, Edition Pelikan/Hug Musikverlage, Zürich 2016

Sozialarchiv übernimmt Gurtenfestival-Dokumente

Die Archive zu den ersten fünf Gurtenfestivals (1977 bis 1983) gehen an das Schweizerische Sozialarchiv in Zürich. Die Gurtenfestival-Pioniere laden dazu ein, weitere Erinnerungsstücke ebenfalls der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

(Foto: Daniel Leutenegger)

Die von Ueli Fricker und Daniel Leutenegger seit über 40 Jahren gesammelten und aufbewahrten Materialien zum Gurtenfestival gehen in den nächsten Monaten ans Schweizerische Sozialarchiv in Zürich. Ergänzt werden sie durch die Akten von Gründungsmitglied Hansruedi Egli, die bislang von Hansueli von Allmens Archiv Cabaret-Chanson-Mundartrock-Mimen in Thun aufbereitet und gesichert worden sind.

Die ersten fünf Gurtenfestivals wurden von einem ehrenamtlich tätigen Organisationskomitee sowie Hunderten von freiwilligen Helferinnen und Helfern durchgeführt und lockten jeweils bis zu 30’000 Menschen auf den Berner Hausberg. Das Gurtenfestival war vollständig werbefrei und wurde ohne jegliches Sponsoring veranstaltet.

Fricker und Leutenegger laden weitere Mitglieder der Organisationskomitees der ersten Jahre, Helferinnen und Helfer, Mitwirkende, Besucherinnen und Besucher, Medienleute und andere damals Involvierte dazu ein, sich ihnen anzuschliessen und ihnen Erinnerungsstücke zu den ersten fünf Gurtenfestivals (Texte, Fotos, Zeichnungen, Videos, Tonaufnahmen, Objekte etc.) anzuvertrauen, die von ihnen gesammelt und dann ans Schweizerische Sozialarchiv weitergeleitet werden.

Für Zustellungen per Post:
Ueli Fricker, Lombachweg 38a, 3006 Bern

Für Zustellungen via E-Mail:
daniel.leutenegger@dreamteam.ch

Tagwacht auf dem Drumset

Claus Hessler forscht nach den Ursprüngen von Trommelsignalen und wie sie in verschiedene Schulen von Rudimental Drumming übernommen wurden.

Claus Hessler. Foto: Florian Alexandru Zorn

Die Aktivitäten in den militärischen Garnisonen wurden durch die Trommeln bestimmt. Spezifische Trommelstücke gaben den Soldaten das Signal zur Tagwacht, zur Versammlung, zu Inspektionen, zum Essenfassen oder zur Nachtruhe. Von den Soldaten wurde erwartet, dass sie sich mit den Trommelsignalen vertraut machten und den Befehlen unverzüglich Folge leisteten. (Freie Übersetzung aus www.warnersregiment.org)

Das Camp & Garrison Duty ist ein Katalog von traditionellen Trommelstücken. Deren Weg von den Anfängen in der britischen Armee bis zum modernen Drumset verfolgt Claus Hessler in seinem jüngsten Werk Camp Duty Update. Er beginnt mit den geschichtlichen Hintergründen und Zusammenhängen europäischer Trommeltradition, von wo der Transfer in die verschiedenen Schulen von Rudimental Drumming weiterverfolgt wird.

Nach einer kurzen Definition des Begriffs «Rudiment» entführt uns der Autor auf eine unterhaltsame Zeitreise in die fantastische Welt des Trommelns. So erfahren wir, dass schon im 14. Jahrhundert erstmals Trommeln, meist in Zusammenhang mit kriegerischen Ereignissen, zur Informationsübermittlung, aber auch zur Einschüchterung des Gegners eingesetzt wurden. Hesslers Horizont umfasst zeitlich mehrere Jahrhunderte bis zur Neuzeit und geografisch praktisch ganz Europa. Sehr aufschlussreich sind die Aussagen zu geografischen und musikalischen Zuordnungen von Rudiments sowie die kurzen Erläuterungen zu «Drag» und «Ruff».

Mit der Air des fifres ou hautbois des französischen Hofmusikers und Komponisten André Danican Philidor geht Hessler im zweiten Drittel seines 90-seitigen Werks zur Praxis über. Sämtliche hier vorgestellten Titel stammen aus dem U. S. Camp & Garrison Duty, der Sammlung, von der Hessler den Titel seines Lehrgangs ableitet. Es finden sich Schmankerln wie The Downfall of Paris oder Yankee Doodle. Stücke wie diese und viele andere sind auf der beigelegten CD mit Piccolo-Flöte eingespielt und stehen auch als Play-alongs zur Verfügung. Hessler präsentiert die Trommelbegleitung in der Originalfassung und in eigenen Bearbeitungen – die für etliche Überraschungen sorgen. Für einige Stücke hat der Autor auch Interpretationshilfen verfasst. Diese sollen dem Spieler anhand von ausgeschriebenen Wirbeln und Verzierungen auf die Sprünge helfen. Alle Notenbeispiele wurden in der Berger-Schrift verfasst, die am Anfang des Buches kurz erläutert wird.

Im Ausblick vertieft Claus Hessler am Beispiel von Another Grenadier die Erkenntnis, dass die Kunst des «Marschtrommelns» durchaus auf das Drumset übertragen werden kann. Eine Tabelle gegen Ende des Buches vergleicht Rudiments und deren Bezeichnungen in den verschiedenen Trommeltraditionen. Ins Auge springt bei den nachfolgenden Übungen die Häufigkeit von Quintolen. Der Autor schreibt dazu im Vorwort: «Dass viele Rudiments vor dem Hintergrund der an Quintolen angelehnten Rhythmik deutlich an Nachvollziehbarkeit und Spielfluss gewinnen, mag für viele Leser ein neuer Aspekt sein.»

Camp Duty Update ist eine erfrischende Abwechslung in der grossen Fülle moderner Schlagzeugliteratur – und sollte gerade deshalb in keiner gut sortierten Sammlung fehlen. Claus Hessler arbeitet als «Clinician» auf internationaler Ebene und schreibt für Magazine wie Modern Drummer. Mit seinen Buchveröffentlichungen und der Doppel-DVD Drumming Kairos setzte er bereits in der Vergangenheit Massstäbe. Er unterrichtet unter anderem an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt.

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Claus Hessler: Camp Duty Update. Vom ursprünglichen Wesen und Sinn der Drum Rudiments, Buch und MP3-CD, 20255G, € 19.95, Alfred Music, Köln 2015, ISBN-13:978-3-943638-93-6

Kodály-Erstausgabe

Zoltán Kodály erstellte von seinem «Ungarischen Rondo» für kleines Orchester auch eine Fassung für Cello und Klavier. Sie liegt nun erstmals gedruckt vor.

Zoltán Kodály 1930. Quelle: Pesti Napló 1850-1930/wikimedia commons

Das 1917 komponierte Ungarische Rondo gehört zu den eingängigsten Kompositionen Zoltán Kodálys: Vier ungarische Volkslieder sowie eine instrumentale Tanzmelodie sind in Rondoform effektvoll zusammengefügt.

Die allgemein bekannte Version für kleines Orchester wurde 1918 in Wien uraufgeführt. Kodály fertigte jedoch noch eine Fassung für Cello und Klavier an, welche 1927 in Budapest erstmals gespielt, aber bis heute nicht veröffentlicht wurde.

Die jetzt bei Editio Musica Budapest erschienene Erstausgabe stellt eine willkommene Bereicherung der Celloliteratur dar. Der Schwierigkeitsgrad des Stückes ist hoch, etwa vergleichbar mit den Drei Stücken für Cello und Klavier von Nadia Boulanger. Der Komponist geizt nicht mit wirkungsvollen Effekten wie Pizzicati der linken Hand, virtuosen Läufen in hoher Lage, Doppelgriffen und sonoren Kantilenen in der Tiefe. Die Behandlung des Celloparts erinnert bisweilen an Kompositionen David Poppers; mit dessen Cellowerken dürfte der selber Cello spielende Kodály vertraut gewesen sein, denn Popper lehrte an der Liszt-Akademie in Budapest.

Die Edition besorgte der ungarische Cellist Miklós Perényi, der das Werk 2003 bei Hungaroton mit Dénes Várjon am Klavier eingespielt hat.

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Zoltán Kodály: Ungarisches Rondo für Cello und Klavier, hg. von Miklós Perényi, Erstausgabe, Z. 14990, Fr. 14.70, Editio Musica Budapest 2016

Sibyl Matter im STB-Stiftungsrat

Der Gemeinderat der Stadt Bern hat Sibyl Matter in den siebenköpfigen Stiftungsrat von Konzert Theater Bern (KTB) gewählt. Sie tritt am 1. Januar 2018 die Nachfolge des langjährigen Stiftungsrats Peter Stämpfli an, der per Ende Dezember 2017 aus dem Stiftungsrat zurücktritt.

Sibyl Matter (Foto: Alexander Egger)

Die 53-jährige Sibyl Matter ist Fürsprecherin, Notarin und Mediatorin und Partnerin in der Rechtskanzlei Solvas. Sie engagiert sich unter anderem als Präsidentin des Blinden- und Behindertenzentrums Bern und als Progr-Stiftungsrätin. Im Auftrag der Familie verwaltet Sibyl Matter die Rechte an den Liedern ihres Vaters Mani Matter.

Peter Stämpfli vertrat die Stadt Bern seit Beginn der neu gegründeten Kulturinstitution Konzert Theater Bern, seit Juli 2011, in deren Stiftungsrat. Er habe viel dazu beigetragen, dass die KTB die anspruchsvolle Startphase gut bewältigt und ihren Platz als bedeutendste Kulturinstitution des Kantons und der ganzen Region gefunden hat, schreibt die Stadt Bern.
 

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