Eklat an der Musikhochschule Dresden

Der Hochschulrat der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden ist mit sofortiger Wirkung in corpore vom Amt zurückgetreten. In einem Schreiben an Eva-Maria Stange, die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, erklärt er sich.

Neuer Konzertsaal der Hochschule für Musik in Dresden. Foto: SchiDD, wikimedia commons

Grund für den Rücktritt: Der erweiterte Senat hat den Hochschulrat bei der Wahl des neuen Rektors der Musikhochschule übergangen und die bisherige Prorektorin für Lehre und Studium Judith Schinker gewählt. Favorit des Rates war der damalige Rektor Ekkehard Klemm.

Die deutlich unterschiedlichen Vorstellungen zur Weiterentwicklung der Schule zwischen Senat und Rat machten laut dem offenen Brief des Rates an die Staatsministerin Eva-Maria Stange «ein gedeihliches und unbelastetes Zusammenwirken unmöglich». Dem Hochschulrat gehörten Werner Barlmeyer (Vorsitzender), Olaf Bär, Wilfried Krätzschmar, Regine Lorenz und Jan Vogler an. Er wurde im Herbst 2014 für fünf Jahre berufen.

Damit kämpft nun auch eine deutsche Musikhochschule mit Nachfolge- und Strategieproblemen. Vergleichbare Wirren waren an den Musikhochschulen Wien und Graz zu beobachten. Bei diesen traten bereits gewählte Rektoren respektive Rektorinnen das Amt nicht an.

Jazz-Improvisationen mit Software analysiert

Mit Hilfe einer kostenlos offerierten Software von Weimarer und Jenaer Musikwissenschaftler lassen sich Personalstile von Jazzmusikern und Kennzeichen improvisatorischer Schaffensprozesse analysieren. In einer «Weimar Jazz Database» sind dazu mittlerweile knapp 300 Beispiele abgelegt.

Bild: ra2 studio – fotolia.com

Worin unterscheiden sich Swing-Soli von Bebop-Soli und die Improvisationen von Charlie Parker von jenen John Coltranes? Ist es die Linienführung, die rhythmische Gestaltung – oder vielleicht die Auswahl der Töne und Skalen? Wie funktioniert das überhaupt: Improvisieren? Diesen Fragen widmet sich seit Oktober 2012 das Jazzomat Research Project am gemeinsamen Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena, geleitet von Martin Pfleiderer und finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Zunächst wurde die Weimar Jazz Database mit inzwischen 299 Jazzsoli aufgebaut – beispielhaften Improvisationen aus acht Jahrzehnten Jazzgeschichte, die von Studierenden des Jazz- und des Musikwissenschaftsstudiengangs transkribiert worden sind. Parallel hierzu haben die Projektmitarbeiter Jakob Abesser und Klaus Frieler die frei verfügbare Analyse-Software MeloSpyGUI 1.0 entwickelt, die auch für Analysen anderer Musikrichtungen eingesetzt werden kann.

Mit ihr lassen sich per Knopfdruck Informationen über die in den Soli verwendeten Töne, Intervalle und Rhythmen und vieles mehr generieren oder gezielt Patterns in bestimmten Jazzsoli suchen. Dies wiederum ermöglicht detaillierte Beschreibungen der Personalstile von Jazzmusikern und erlaubt übergreifende Schlussfolgerungen zu improvisatorischen Schaffensprozessen.

Die Analysesoftware MeloSpyGUI 1.0 und die Weimar Jazz Database können über die Projekt-Website kostenlos heruntergeladen werden. Dort finden sich auch umfangreiche Dokumentationen und Tutorials zur Software und deren Einsatzmöglichkeiten. Ausserdem werden zu jedem Jazzsolo der Weimar Jazz Database Informationen und erste Analyseergebnisse präsentiert; zudem können dort die Transkriptionen als Midi-Version angehört und heruntergeladen werden.

Webseite: jazzomat.hfm-weimar.de
 

Kantons Wallis fördert Pascal Viglino

Der Unterwalliser Schriftsteller Jean-Marc Lovay erhält den mit 20’000 Franken dotierten Walliser Kulturpreis 2015. Die Förderpreise (je 10’000 Franken) gehen an die Tänzerin Cosima Grand, die Videokünstlerin Malika Pellicioli und den Musiker Pascal Viglino.

Pascal Viglino. Foto: zvg

Pascal Viglino studierte klassische und zeitgenössische Perkussion, Komposition und Musiktheater an den Hochschulen von Genf, London, Barcelona, Berlin und Bern. Von 2000 bis 2006 war er Mitglied des Verbier Festival Orchestra. Regelmässig arbeitet er mit Sinfonieorchestern und Ensembles für Zeitgenössische Musik in Genf, Zürich Opernhaus, Barcelona, Brasilien, Bern, Lissabon und Basel zusammen.

Zum fünften Mal in Folge wird vom Kanton Wallis auch ein Spezialpreis für die Förderung der Kultur vergeben, und zwar an die Stiftung Bretz-Héritier in Savièse. Die Kulturpreisträger wurden vom Staatsrat auf Vorschlag des Kulturrats bestimmt.

Die Entstehung des Walliser Kulturpreises geht auf das Jahr 1980 zurück. Damals hat der Staatsrat entschieden, jedes Jahr einem Walliser Künstler oder einem im Wallis wohnhaften Kunstschaffenden den Walliser Kulturpreis zu übergeben. Die Auszeichnung würdigt die Karriere eines Künstlers oder einer Künstlerin.

Die 1982 ins Leben gerufenen Förderpreise richten sich an junge talentierte Künstlerinnen und Künstler, die an einem Wendepunkt ihrer Karriere stehen. Dieser Schaffensbeitrag soll einerseits eine Anerkennung für ihr Schaffen, anderseits aber auch ein Anreiz sein, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Der seit 2011 vergebene Spezialpreis ist für eine Person oder eine Gruppe bestimmt, die sich mehrheitlich im Hintergrund für die Entwicklung und Förderung der Kultur im Wallis engagiert.

Stiftung Nico Kaufmann prämiert Fatima Dunn

Fatima Dunn ist die Gewinnerin des Stipendiums, das die Stiftung Nico Kaufmann im vergangenen Jahr im Bereich Kleinkunst ausgeschrieben hat. Die Cellistin, Komponistin und Sängerin erhält für ihr Multimediaprojekt «Landfall» einen Unterstützungsbeitrag von 15’000 Franken.

Foto: zvg

Die 1983 in Zürich geborene Performerin Fatima Dunn studierte zeitgenössischen Gesang am Winterthurer Institut für aktuelle Musik WIAM. Anschliessend absolvierte sie ein Master-Studium an der Zürcher Hochschule der Künste in Komposition für Film, Theater und Medien. Seit ihrem Abschluss im Sommer 2013 ist sie als freischaffende Performerin und Sängerin sowie als Theatermusikerin und Filmkomponistin verschiedentlich in Erscheinung getreten.

Zusammen mit der Video-Künstlerin Mirjam von Ow hat Fatima Dunn unter dem Titel «Landfall» eine cineastische Live-Performance verwirklicht, in der Gesang, Violoncello, Elektronik und die grossflächig projizierte Bildwelt eine poetische Reise gestalten. Die «künstlerische Vielseitigkeit, gepaart mit einer hochprofessionellen Umsetzung» hat die Jury der Stiftung Nico Kaufmann bewogen, das Stipendium Dunn zuzusprechen.

Die vom Präsidialdepartment der Stadt Zürich verwaltete Stiftung Nico Kaufmann richtet jährlich ein Stipendium zugunsten von Musikerinnen und Musikern aus, die im Ausschreibungsjahr das 35. Altersjahr noch nicht erreicht haben und in der Schweiz domiziliert sind. Stiftungspräsidentin ist die Stadtpräsidentin. In der Jury für die aktuelle Stipendienvergabe hatten der Direktor des Departements Musik der Zürcher Hochschule der Künste, Michael Eidenbenz, die Liedermacherin Véronique Müller sowie der Kabarettist Joachim Rittmeyer Einsitz.
 

Quoten für heimische Musik in Österreich

Der ORF hat sich mit den Musikschaffenden Österreichs geeinigt: Unter anderem soll auf dem öffentlich-rechtlichen Jugendsender Ö3 der Anteil österreichischer Musik auf 15 Prozent steigen und eine wöchentliche Show mit dem Fokus auf heimischen Künstlern starten.

Foto: I-vista/pixelio.de

Wie der ORF-Pulikumsrat schreibt sollen ein bereits bestehendes Abkommen mit der österreichischen Musikwirtschaft freiwillig verlängert werden. Der ORF-Generaldirektor  Alexander Wrabetz bekennt sich dabei österreichweit zu 30 Prozent österreichischen Musikanteil und 15 Prozent auf Ö3. Zudem will der ORF mit 100’000 Euro jährlich in den österreichischen Musikfonds zurückkehren, den nationalen Musikpreis Amadeus wieder übernehmen und auf Ö3 eine wöchentliche Scoutsendung österreichischer Talente bringen.

In der Schweiz haben die SRG und die Musikvertreter eine Charta der Schweizer Musik abgeschlossen. Darin verpflichtet sich die SRG, in ihren Programmen einen bestimmten Anteil an Schweizer Produktionen (zum Beispiel Produktionen von neuen Talenten) auszustrahlen. Bei diesem Anteil handelt es sich um einen dynamischen Richtwert, der jedes Jahr neu festgelegt wird.

Strikte Auslegung des Laizismus in Genf

Die Stadtgenfer Schulbehörde verhindert, dass fünf- bis siebenjährige Primarschüler in einer Aufführung von Brittens Noah’s Flood mitwirken. Die Aufführung verletzt nach Auffassung der Behörde die laizistische Verfassung.

Keilschrifttafel des Gilgamesch-Epos mit der Sintflutgeschichte, Britisches Museum. Foto: Timo Roller

Die Direction de l’enseignement obligatoire (DGO), die offensichtlich streng gegen Aktivitäten vorgehen will, die mutmasslich gegen die laizistischen Grundprinzipien der Stadt verstossen, verhindert damit ein Projekt des Genfer Kammerorchesters.

Der Entscheid hat international Kopfschütteln provoziert. So schreibt etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung, nun gerate «Genf unvermittelt in den Ruf, mit dem Laizismus noch pingeliger und fanatischer umzugehen als die Franzosen». Und die Wiener Zeitung spricht von einem «missionarischen Atheismus». Zumal die Flutgeschichte «ein mythisches Menschheitserbe» und nicht an eine einzige Religion gebunden sei.

Sänger sind Schauspieler

Der Meisterkurs Chor von Paul Phoenix im Künstlerhaus Boswil ist einzigartig in der Schweiz. Er bringt Chören bei, unter sich und mit dem Publikum zu kommunizieren.

Paul Phoenix ist ein bekannter britischer Tenor. Bis vor vier Jahren war er Mitglied der King’s Singers aus Cambridge. Die sechs Sänger dieses Vokalensembles sind nicht nur durch die ganze Welt getourt, sie haben mit ihren originellen Crossover-Programmen auch schon mehrere Grammy-Awards gewonnen. Mit dem berühmten Ensemble gastierte Phoenix zweimal in Boswil. Seit er nicht mehr mitsingt, konzentriert er sich auf seine pädagogische Tätigkeit und tritt als begehrter Performance Coach sogar in China auf. Seinen Meisterkurs Chor hat er vor vier Jahren speziell für Boswil entwickelt, er nennt ihn lieber Performance Coaching. Gleichzeitig gründete er die Purple Vocals, einen «Vocal Coaching Service», der auch online Coaching über Skype anbietet: www.purplevocals.com

Am Wochenende vom 8. bis 10. Mai war Phoenix nun bereits zum vierten Mal für einen Meisterkurs in Boswil. Der Kammerchor C21 unter der Leitung von Michael Schraner und das Vokalensemble Cantemus unter der Leitung von Judith Flury liessen sich beraten, ein spannender Lernprozess, der zu einem inspirierten Schlusskonzert führte. «Ich finde, das Künstlerhaus ist mit seiner familiären Atmosphäre ein idealer Ort für einen Chorkurs», meint Phoenix im Gespräch, «hier kann man zusammen arbeiten, essen, Zeit verbringen, und es braucht keine besonderen Instrumente, es ist eigentlich ganz einfach, wir singen zusammen. Das heisst: zusammen atmen, auf Details achten, dynamisch arbeiten.»

Verstehen, erzählen, strahlen

Das Besondere an diesem Meisterkurs ist, dass er nicht von einem Chordirigenten gegeben wird, sondern eben von einem Sänger. Was muss man sich unter Performance Coaching vorstellen? Bedeutet das mehr Show, pfiffige Kleidung, spezielle Chor-Aufstellungen? Paul Phoenix geht es nicht um Show, wie ich bei einem Kursbesuch am Samstagmorgen feststellen konnte, ihm geht es um eine bessere Kommunikation mit dem Publikum. Meist spiele sich alles nur zwischen Choristen und Dirigentin ab, das Publikum werde vergessen.

Das Vokalensemble Cantemus von Judith Flury wird in einer Woche in zwei Konzerten ein originelles Shakespeare-Programm präsentieren, der Chor ist top vorbereitet, es geht in diesem Kurs um den letzten, den Meister-Schliff. Die englische Sprache ist nicht einfach zu singen, vor allem das «th» darf nicht zu einem «t» werden. Three words heisst eine Ballade von Juhani Komulainen: ein sehr ruhiges, klanglich schillerndes Stück Musik. «Ihr singt das wie ein Madrigal in der Kirche. Ich vermisse eure Leidenschaft», greift Phoenix ein, «versteht ihr, was ihr singt? Das ist ein Liebeslied, das zwischen Leidenschaft und Resignation schwankt.»

Phoenix liest den Text vor, rezitiert ihn fast so, als würde er ihn singen, die three words sind: I love you. Und tatsächlich, die 24 Sängerinnen und Sänger beginnen zu erzählen. Sie lösen sich vom Notentext, werden freier, der weiche Chorklang gewinnt an Bedeutung und Kontur. «Weshalb schaut ihr alle so ernst drein?», meint Phoenix in seiner sympathisch humorvollen Art und zieht eine Grimasse. «Lächeln, die Augen müssen strahlen, fühlt euch wohl, habt Vertrauen!»

Tempo, Kommunikation

Es ist sehr schwer, im Chor ruhig liegende Klänge zu singen, ohne intuitiv langsamer zu werden. «Ihr verliert so an Spannkraft, der Ausdruck verschwimmt. Achtet gut darauf, dass ihr im Tempo bleibt.» Und siehe da, trotz Piano und liegendem Klang hört man den Sängern plötzlich gespannt zu. Dann fordert Phoenix die Dirigentin Flury auf, sich ganz hinten in den Saal zu stellen und den Chor von dort aus zu dirigieren. Das wirkt, sie singen deutlich spürbar in den Saal hinaus.

Nicht nur die Sängerinnen und Sänger, auch die beiden Dirigenten bekommen einige Tipps: «Ihr steht üblicherweise ja mit dem Rücken zum Publikum. Wendet euch auch mal um, sprecht mit dem Publikum, begrüsst es und sagt lieber ein paar Sätze zu den Stücken, als dass ihr Programmtexte schreibt. Das wirkt enorm.» Und dann das Intonieren: ab Stimmgabel und vorsingen, oder lieber am Klavier? Phoenix rät zu einer kleinen Mundharmonika oder Stimmpfeife, das sei sicherer als das Singen, man gebe sich so auch keine Blösse.

Sommets Musicaux prämieren Harfenistinnen

Die 15. Ausgabe der Sommets Musicaux de Gstaad hat Anaïs Gaudemard mit dem Prix Thierry Scherz der Stiftung Pro Scientia et Arte und Coline Jaget mit dem Prix André Hoffmann ausgezeichnet.

Anaïs Gaudemard. Foto: Sommets Musicaux

Anaïs Gaudemard hat nach einem Diplom in Harfe und Klavier am Konservatorium von Marseille bei Fabrice Pierre in Lyon studiert. Beim internationalen Harfenwettbewerb in Israel gewann sie 2012 den Spezialpreis für die beste Interpretation von «The Crown of Ariadne» von Murray Schafer. Erste Preise erhielt sie beim Torneo Internazionale die Musica in Rom 2012, beim Festival Musical d’Automne des Jeunes Interprètes und beim Franz Josef Reinl-Wettbewerb in München.

Coline Jaget wurde zunächst von ihrer Mutter Helvia Briggen, der Soloharfenistin bei den Nizza Philharmonikern, unterrichtet. 2003 trat sie am Konservatorium von Nizza in die Klasse von Michèle Vuillaume ein. Sie erlangte dort 2009 ihr Diplom mit Bestnote und Auszeichnung. Am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse trat sie in der Folge in die Klasse von Isabelle Moretti ein. Gegenwärtig absolviert sie das letzte Jahr des Masterstudiums.

Der Prix Thierry Scherz würdigt den Mitbegründer und ehemaligen künstlerischen Leiter des Festivals Sommets Musicaux de Gstaad. Er ermöglicht dem Preisträger eine erste CD-Aufnahme mit Orchester und garantiert deren Verbreitung. So hat Anaïs Gaudemard die Gelegenheit, an der Seite des Orchestre de l’Opéra de Rouen Haute Normandie unter der Leitung von Léo Hussain eine CD mit Werken von Nicolai von Wilm, Alberto Ginastera und Einojuhani Rautavaara einzuspielen.

Der mit 5000 Franken dotierte Prix André Hoffmann belohnt die beste Interpretation eines zeitgenössischen Werks. Dieses Jahr handelte es sich um ein Werk des Komponisten in residence der Sommets Musicaux, Ivan Fedele, interpretiert von Coline Jaget.

Suisa hat 2014 ihre Einnahmen erneut gesteigert

Die Suisa (Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik) hat 2014 die Einnahmen aus Urheberrechten erneut gesteigert. Insgesamt betrugen die Urheberrechtseinnahmen 141,3 Millionen Franken, 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bild: Robson/pixelio.de

Inklusive Nebeneinnahmen von 10,3 Millionen Franken lag der Gesamtumsatz bei 151,6 Millionen Franken. (Vorjahr: 144,9 Millionen Franken). Der Verwaltungsaufwand lag im Jahr 2014 bei 28,1 Millionen Franken, der durchschnittliche Kostenabzug ist damit auf 12,3 Prozent leicht gesenkt worden (Vorjahr: 12,47 Prozent).

Zum Anstieg beigetragen haben laut der offiziellen Medienmitteilung der Genossenschaft auch Entwicklungen im digitalen Bereich: Mehreinnahmen aus dem Tarif für die Vergütungen auf Smartphones, steigende Einnahmen aus dem Onlinebereich und die starke Verbreitung von digitalem und zeitversetztem Fernsehen. Vor allem im Online-Bereich bestehe aber weiterhin Handlungsbedarf, damit Rechteinhaber von Musik gerecht vergütet werden.

Dank einer im Juli 2014 erzielten Vereinbarung für die Nutzung privat kopierter Musik auf Smartphones erhielten die Künstler Vergütungen mehrerer Jahre. Die rückwirkenden Zahlungen der Hersteller und Importeure von Smartphones für die Jahre 2010 bis 2014 führten zu Mehreinnahmen von rund 3,6 Millionen Franken. Stark gewachsen ist auch der Online-Bereich. 2014 wuchsen die Urheberrechtseinnahmen aus Download und Streaming um 32 Prozent und betrugen 6,1 Millionen Franken. (Vorjahr: 4,6 Millionen Franken).

Die Zunahme beim Download hängt allerdings nur bedingt mit einer erhöhten Nachfrage nach Download-Angeboten zusammen. Da die Suisa im Online-Bereich Lizenzen für ganz Europa erteilt, stammt die Zunahme vor allem aus der Zunahme der Lizenzierungsgebiete. Beim Streaming haben sich die Urheberrechtseinnahmen von 315‘000 Franken auf 1,5 Millionen Franken beinahe verfünffacht.

10. Todestag von Siegfried Palm

Zu Ehren des grossen Cellisten und bedeutenden Interpreten moderner Musik treten namhafte Interpretinnen und Interpreten in Bern auf, wo Palm während vielen Jahren am Konservatorium Kammermusikkurse gegeben hat. Organisiert wird das Konzert vom ehemaligen Palm-Schüler Werner Schmitt.

Siegrfried Palm. Foto: Yehudi Menuhin Forum Bern

«Man darf alles, nur nicht das Instrument beschädigen». Dies sei Palms Devise im Unterricht gewesen, erinnert sich Werner Schmitt, der bei ihm studiert hatte. Die packende Art, wie Siegfried Palm (1927-2005) an die Neue Musik heranging, habe sich auf seine Schüler übertragen. Er habe jeden einzelnen Ton eines neuen Werkes so ernst genommen, wie andere dies nur mit solchen in klassischer und romantischer Musik getan hätten.
Heinz von Loesch schätzt denn auch Palms Bedeutung wie folgt ein: «Palms Bedeutung für den kompositionsgeschichtlichen Aufstieg des Cellos im Zeitalter der Klangkomposition und der Aktionskunst ist kaum zu überschätzen». Er habe die seltene Gabe besessen, «in den tatsächlich unspielbaren Partien das kompositorisch Gemeinte so weit wie möglich zu erfassen und zu realisieren» (Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil, Band 13, Spalte 55, Stuttgart 2005).

Wie Schmitt berichtet, fanden am Konservatorium in Bern während vielen Jahren sechsmal pro Jahr ein- bis zweiwöchige Kammermusikkurse mit Siegfried Palm statt, den der damalige Direktor Urs Frauchiger nach Bern geholt hatte. Jean-Luc Darbellay, der selber oft an diesen Kursen als Dirigent oder später als Komponist teilgenommen hatte, datiert die Kurse auf die Jahre 1983 bis 2001. Die Kurse seien jeweils mit einem kleinen Konzert abgeschlossen worden, an denen die neu einstudierten Stücke, nur zeitgenössisches und klassisch-modernes Repertoire, vorgestellt und von Siegfried Palm kommentiert wurden. Darbellay schätzt diese Arbeit als spannend ein, «zumal die Einstudierungen auch im Beisein der Kompositionslehrer (Cristóbal Halffter und Dimitri Terzakis) stattfanden. Im Februar 1990 wurde mit Radio-France ein Portrait realisiert über unsere gemeinsame Arbeit und der WDR drehte einen Film Palm in Bern, anlässlich seines 60. Geburtstages.» Aus dieser Periode stammen von Darbellay sieben Cello-Stücke (Solo, mit Ensemble oder mit Orchester) für Siegfried Palm, die dieser in der Schweiz und in Deutschland aufführte.

Julius Berger und Thomas Demenga, keine direkten Schüler von Palm, jedoch von ihm inspiriert, spielen am 6. Juni im Berner Yehudi Menhuin Forum grosse Werke der Celloliteratur: Die vierte Cellosonate von Max Reger bedarf im 21. Jahrhundert einer ästhetischen Neuentdeckung, während Bernd Alois Zimmermanns Sonate für Violoncello solo Palm 1960 enorm herausforderte. Weiter sind neben dem Pianisten Oliver Kern Cellistinnen und Cellisten der jüngeren Generation zu hören: Gunta Abele eröffnet das Konzert mit Jean-Luc Darbellays S für Siegfried Palm aus dem Jahr 2003 für Violoncello solo, während Alessio Pianelli, Moritz Kolb, Clara Rada Gomez , Gaëlle Lefebvre und Alicia Rieckhoff im Ensemble zusammen mit Thomas Demenga Samuel Barbers Adagio for strings op. 11 in der Version für sechs Celli interpretieren.

Gedenkkonzert für Siegfried Palm

Samstag, 6. Juni 2015, 10.30 Uhr
Yehudi Menuhin Forum Bern, Helvetiaplatz 6

Weitere Informationen finden Sie hier

Ein Reglement für die Berner Kulturförderung

Der Regierungsrat des Kantons Bern hat das Organisationsreglement des Gemeindeverbands für die Kulturförderung in der Region Biel/Bienne – Seeland – Berner Jura verabschiedet.

Blick von Twann über den Bielersee und das Seeland. Foto: Roland Zumbühl, picswiss

Der nordbernische Gemeindeverband dient den Gemeinden als Entscheidungsplattform für den Abschluss von Leistungsverträgen mit den Kulturinstitutionen von regionaler Bedeutung. Das Organisationsreglement trage «den speziellen Verhältnissen dieses Kantonsteils sowie der Zweisprachigkeit Rechnung», schreibt der Kanton und sehe  namentlich Teilregionen vor.

Da das Reglement nicht innerhalb der gesetzlichen Frist von den Gemeinden erlassen wurde, hat dies gemäss Kulturförderungsgesetz der Kanton übernommen. Das Reglement wird am 20. Juni 2015 in Kraft treten und die konstituierende Versammlung des Gemeindeverbands für die Kulturförderung wird am 23. Juni 2015 stattfinden.

Pawlica erhält den Kulturpreis 2015 der Stadt Luzern

Der Stadtrat würdigt das künstlerische und kulturvermittelnde Schaffen des Luzerner Musikers Gerhard Pawlica mit dem Kunst- und Kulturpreis 2015 der Stadt Luzern.

Pink Spider. Foto: little jig agency

Gerhard Pawlica präge als Musiker und Vermittler das kulturelle Leben in Luzern durch sein nachhaltiges und unermüdliches Engagement für die Kammermusik, schreibt die Stadt. Sein künstlerisches Wirken als Solocellist in verschiedenen Formationen (21st Century Orchestra, Luzerner Kammermusiker usw.), als Musikvermittler sowie auch als Musikpädagoge verfolge er leidenschaftlich und facettenreich. Pawlica gilt als Pionier der Kammermusikkonzerte in Luzern. 1996 gründete er die Gesellschaft für Kammermusik, die seither jährlich einen Konzertzyklus mit zehn Konzerten veranstaltet.

Pink Spider (alias Valerie Koloszar) widmet sich seit Jahren ihrer musikalischen Karriere und veröffentlichte im Jahr 2014 ihr zweites Album. Die Songs der jungen Multi-Instrumentalistin bestechen laut der Stadt «durch eine ungehörte Tiefe und perfekte Arrangements».

Weitere Anerkennungspreise 2015 gehen an die Filmemacherin Ursula Brunner und die darstellende Künstlerin Nina Langensand. Der Kunst- und Kulturpreis ist mit 25’000 Franken dotiert, die Anerkennungspreise je mit 10’000 Franken.

 

Rölli Präsident des Solothurner Kuratoriums

Der Solothurner Regierungsrat hat den 52-jährigen Christoph Rölli zum neuen Präsidenten des Kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung gewählt. Er tritt die Nachfolge von Heinz L. Jeker-Stich an.

Foto: zvg

Rölli, Mitinhaber der Werbeagentur c & h konzepte und Präsident des Stadt- und Gewerbevereins Solothurn, ist unter anderem als Mitverantwortlicher der Solothurner Kulturnacht, Veranstalter der «Acoustic Nights» im Alten Spital und Mitautor des «LiteraturPanoramas» mit der Solothurner Kultur vertraut.

Das Kuratorium für Kulturförderung des Kantons Solothurn handelt als beratendes Fachgremium im Auftrage des Regierungsrates. Es fördert Kunst- und Kulturschaffende indem es den Regierungsrat in der Kulturpolitik berät und dazu beiträgt, die Aufgaben und Ziele der in der Solothurner Verfassung und dem Gesetz für Kulturförderung formulierten Kulturartikel zu erfüllen. Das Amt des Präsidenten des Gremiums ist im März erstmals öffentlich ausgeschrieben worden.

Musikalische Grundschule verbessert Bildungschancen

Das von der Bertelsmann Stiftung und sechs deutschen Kultusministerien geförderte Projekt Musikalische Grundschule hat seit 2005 an 400 Schulen rund 200’000 Schüler erreicht. Die Resultate sind ermutigend.

Foto: Dieter Schütz/pixelio.de,SMPV

An den rund 90 befragten Schulen, die am Projekt teilnehmen, sagten laut einer Medienmitteilung der Bertelsmann Stiftung 95 Prozent der Pädagogen und 93 Prozent der Eltern, das Lernen mit Musik verbessere die Unterrichtsqualität und wirke sich positiv auf die Entwicklung der Kinder aus.

96 Prozent der Pädagogen und 76 Prozent der Eltern erklärten, Musikalische Grundschulen förderten Kinder individuell nach ihren Interessen, Fähigkeiten und Stärken. Eine Untersuchung der Musikalischen Grundschulen in Hessen ergab bereits 2011, dass sich nach Projektstart die Zusammenarbeit der Lehrer und der Umgang der Schüler miteinander deutlich verbesserten.

Aktuell nehmen an 350 Musikalischen Grundschulen rund 60’000 Schülerinnen und Schüler an den musikalischen Bildungsangeboten teil (durchschnittlich 175 Schüler pro Schule): In Niedersachsen und Hessen an jeweils rund 100 Schulen, in Bayern an 60 Schulen, in Thüringen und Berlin an 35 beziehungsweise 37 Schulen und in Nordrhein-Westfalen an 20 Schulen.

Das Projekt startete 2005 in Hessen in Kooperation mit dem dortigen Kultusministerium. Im Laufe der Jahre kamen fünf weitere Bundesländer als Partner hinzu. Als wichtiger Teil von Schulentwicklung unterstützt das Projekt zudem Inklusion und die Gestaltung von Ganztagsschulen.

Unabhängige Kulturfinanzierung boomt

2014 wurden in der Schweiz 15.8 Millionen Franken durch Crowdfunding vermittelt – im Vorjahr waren es noch 11.6 Millionen Franken. Das zeigt das «Crowdfunding Monitoring 2015» der Hochschule Luzern und Swisscom.

Foto: Zigorio/pixelio.de

Zum zweiten Mal hat das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern den Crowdfunding-Markt hierzulande unter die Lupe genommen. Dafür hat das Forschungsteam die Daten sämtlicher im vergangenen Jahr hierzulande aktiven Plattformen – insgesamt 15 – ausgewertet. In den letzten Monaten sind jedoch noch zahlreiche Marktteilnehmer hinzugekommen. Per Ende April 2015 waren 30 Plattformen mit einer Niederlassung in der Schweiz aktiv, darunter ist mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank seit Ende 2014 eine erste klassische Bank.

15.8 Millionen Franken wurden 2014 in der Schweiz durch Crowdfunding vermittelt – 36 Prozent mehr als im Vorjahr, im Vergleich zu 2011 hat sich das Volumen gar verfünffacht. Das vermittelte Geld entfällt auf 1078 Kampagnen, wie die Phase des Geldsammelns bezeichnet wird. Die absoluten Beträge sind im internationalen Vergleich aber immer noch sehr tief. Der Crowdfunding-Markt in der Schweiz stecke im Vergleich zu den USA oder Grossbritannien nach wie vor in den Kinderschuhen, erklärt  Finanzprofessor Andreas Dietrich, der die Studie zusammen mit Simon Amrein und mit Unterstützung der Swisscom verfasste.

Crowdfunding etabliert sich insbesondere im Kulturbereich zunehmend als alternative Finanzierungsart. So kamen für 216 Musik-, Konzert- und Festival-Kampagnen 2014 knapp 1.5 Millionen Franken zusammen, durchschnittlich also rund 6ʼ850 Franken.

Auf www.hslu.ch/crowdfunding kann die aktuelle Studie kostenlos heruntergeladen werden.
 

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