aufschreiben

Klänge festhalten: Notationssysteme – Digital oder analog? – Noten lesen – Über Klänge schreiben – Und etwas Praxis: Wie hält man einen musikalischen Gedanken digital fest?

aufschreiben

Klänge festhalten: Notationssysteme – Digital oder analog? – Noten lesen – Über Klänge schreiben – Und etwas Praxis: Wie hält man einen musikalischen Gedanken digital fest?

Focus

 

A chaque civilisation sa notation
Petit tour d’horizon non exhaustif

Tasten, Stifte, Algorithmen
Viele Komponisten schreiben heute noch mit Stift auf Papier

Keine Scheu vor digitalen Noten
Interview mit dem Gitarristen und Computerexperten Marcel Vonesch
Link zu einigen Schulungsvideos auf YouTube

Un pas vers la partition à l’écran
Les tablettes électroniques vont-elles remplacer les partitions ?

«Alle Wochen von uns einen langen Brief»
Willy Burkhard schrieb in 32 Jahren über 180 Briefe an Fritz Indermühle

 

… und ausserdem

RESONANCE


Un « mal nécessaire » — entretien avec Marie-Christine Raboud-Theurillat

Drinnen und draussen — Barblina Meierhans und Beat Furrer in Witten

Marignano musikalisch-couturistisch — XiViX Op. 1515 in Bern

Rezensionen — Neuerscheinungen 

Carte Blanche mit Francesco Biamonte

 

CAMPUS


«Kompass Musikvermittlung» — Médiation musicale : un guide
Download des Artikels aus dem Printarchiv (PDF, Suchbegriff: Kompass)

«Sind Musikwettbewerbe nur gut gemeint?» — Podium in Basel

Musizieren im instrumentalen Gruppenunterricht — Symposium in Wien

Rezension Unterrichtsliteratur — Neuerscheinung

klaxon — Kinderseite
 

FINALE


Rätsel
 — Pia Schwab sucht

Download aktuelle Ausgabe

Hier können Sie die aktuelle Ausgabe herunterladen. Bitte geben Sie im Printarchiv den Suchbegriff «e-paper» ein.

Kategorien

Hin zur Partitur auf dem Bildschirm

Werden Tablets nach und nach die Notenblätter auf den Pulten der Musiker ersetzen? Laufende Versuche scheinen vielversprechend, aber es dürfte noch lange dauern, bis das Papier wirklich ausgedient hat. Die Musikhochschule Lausanne testet nun selbst.

Foto: Nicolas Ayer, HEMU-CL
Hin zur Partitur auf dem Bildschirm

Werden Tablets nach und nach die Notenblätter auf den Pulten der Musiker ersetzen? Laufende Versuche scheinen vielversprechend, aber es dürfte noch lange dauern, bis das Papier wirklich ausgedient hat. Die Musikhochschule Lausanne testet nun selbst.

Berge von Noten, die mitgeschleppt werden müssen, gehören zum Musikeralltag und bringen nicht nur Rückenschmerzen, sondern auch Platzprobleme im Notenschrank. Digitalisierte Noten, seien es eingelesene Papierpartituren oder am Computer erstellte Notensätze, können dagegen in schier unbegrenzter Menge heruntergeladen und aufbewahrt werden. Aber werden diese Noten im künstlerischen und pädagogischen Umfeld auch wirklich eingesetzt? Entsprechen die Lesegeräte und Hilfmittel wirklich den Bedürfnissen der Musikerinnen und Musiker?

Tablets und Smartphones haben einen Boom bei E-Books und allgemein bei der Lektüre digitalisierter Dokumente ausgelöst. Elektronische Partituren und entsprechende Lesegeräte werden dagegen noch wenig verwendet, vor allem in der klassischen Musik. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Die persönliche Notensammlung ist jederzeit und überall verfügbar, ebenso Noten, die aus dem Internet heruntergeladen werden können. Notizen und Anmerkungen können problemlos angefügt werden. Das Versenden der Noten an Mitmusiker oder Schüler ist per E-Mail überaus einfach. Hilfsmittel wie Stimmgabel oder Metronom sind oft integriert. Transpositionen sind einfach und schnell durchführbar. Die Lampe auf dem Notenpult ist überflüssig, und die Partituren können projiziert werden, was für Chor- oder Ensembleproben, aber auch für schulische Zwecke praktisch ist. Musikbibliotheken können dank elektronischen Partituren Werke bereitstellen, für die sie sonst keinen Platz hätten. Zudem ist es möglich, dass mehrere Personen gleichzeitig ein Werk konsultieren und aus der Ferne «ausleihen».

Das Experiment des Brussels Philharmonic
2012 spielte das Orchester Brussels Philharmonic ein Konzert ab digitalen Partituren. Auf dem Programm standen Ravels Bolero und Auszüge aus Werken Wagners. Die Stücke waren im Vorfeld der Aufführung digitalisiert worden. Die Musikerinnen und Musiker hatten nun mit einem nur 600 Gramm leichten Tablet alle Noten dabei. Ab der ersten Probe brauchten sie sich nichts mehr zu notieren, die Anmerkungen erschienen ausgehend vom Tablet des Dirigenten in ihren Noten. «Umgeblättert» wurde automatisch, abgestimmt auf das dirigierte Tempo. Und schliesslich konnte in einer Hochrechnung eine finanzielle Ersparnis von rund 25 000 Euro pro Jahr für das Brussels Philharmonic ermittelt werden, wenn immer mit Tablet gespielt würde.

Bei all diesen Vorteilen ist es erstaunlich, dass das Experiment nicht weiterverfolgt wurde. War es nur ein Marketing-Gag oder ist die Technologie noch nicht ausgereift? Tatsächlich muss man bei dieser Methode fürchten, dass zur falschen Zeit umgeblättert wird, die Augen können von der steten Helligkeit des Schirms oder von den allzu kleinen Noten ermüden.

Use_tab
Ausgehend von diesen Überlegungen hat die Bibliothek der Musikhochschule und des Konservatoriums Lausanne 2014 das Projekt «use_tab» lanciert. Schüler und Lehrer, Studenten und Professoren sollen im täglichen Gebrauch herausfinden, wie praktisch Tablets wirklich für sie sind. Mehrere Geräte (iPad air, ausgestattet mit einem Programm zum Notenlesen und Notizenschreiben, z. B. Forscore, sowie einem Pedal, um das Umblättern auszulösen) wurden verschiedenen Benutzergruppen zur Verfügung gestellt. Durch die Auswertung ihrer Erfahrungen erhofft man sich erste Ergebnisse, über Nutzen und Einsatzmöglichkeiten dieser Technologie (hardware und software), sei es beim individuellen Üben, im Ensemble oder im Unterricht.

Kategorien

Mehr als ein einsamer Hirte

Zum zweiten Mal treffen sich die Schweizer Panflötistinnen und Panflötisten am 5. September in Rümlang. Es werden über 1000 Fans erwartet.

Foto: Daniel Leclercq/WikimediaCommons,SMPV

Die «Panflöte» – das ist doch das Instrument, auf dem peruanische Indios in der Bahnhofsunterführung El condor pasa spielen? Manchmal trifft das zu. Allerdings erhält man damit ein sehr einseitiges Bild der Panflöte. Varianten dieses Instruments gibt es schliesslich auf der ganzen Welt. Die südamerikanische Panflöte allerdings ist am Festival nicht vertreten. Die rumänische Panflöte kann viel mehr: Von virtuoser Barockmusik über sehnsüchtige Romantik bis hin zu moderner Klassik reicht das Repertoire des alten Instruments. Dass es mit der Orgel verwandt ist, merkt man am besten, wenn ein ganzes Panflöten-Ensemble spielt. Nicht wegzudenken ist natürlich die Volksmusik aus Osteuropa. Denn bekanntlich stammen die ganz grossen Panflötisten aus Rumänien.

Die Panflöte in der Schweiz
Angesichts so unterschiedlicher Stilrichtungen war es schon ein Erfolg, die verschiedenen Gruppen der Panflötistinnen und Panflötisten überhaupt an einen Tisch zu bekommen. Über fünf Jahre dauerte die Planungsphase für das erste Festival in Winterthur 2012. Am 5. September 2015 kommen sie nun aus der ganzen Schweiz und Liechtenstein zum zweiten Mal zusammen. Die meisten Anlässe sind öffentlich.

Die Gemeinde der Panflötisten existiert in der Schweiz seit etwa vierzig Jahren. Der aktuelle Kino-Film Balkan-Melodie erzählt, wie es dazu kam. Damals reiste der Genfer Musikethnologe Marcel Cellier nach Rumänien und brachte von dort Gheorghe Zamfirs Musik nach Westeuropa mit. Zamfirs erste Platte bildete die Basis für die Szene, die sich bald in der ganzen Schweiz ausbreitete.

Neben vielen Schweizer Schulen, welche Panflötenunterricht im Einzel- und Gruppenunterricht bereits anbieten, gibt es seit bald 15 Jahren die Möglichkeit, die Panflöte mit einem Lehr- und Konzertdiplom beim SAMP/SMPV abzuschliessen. In Luzern ist es inzwischen auch möglich, auf der Panflöte einen Hochschulabschluss zu machen. Das Panflöten-Podium Schweiz setzt sich intensiv für die Interessen der Berufsausbildung ein.

TTIP-Proteste am Tag der kulturellen Vielfalt

Am 21. Mai findet am internationalen Tag der kulturellen Vielfalt der Tag des Deutschen Kulturrates gegen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership), das geplante Freihandelabkommen Europas mit den USA, statt. In vielen deutschen und österreichischen Städten gibt es dazu Aktionen, Diskussionen und Demonstrationen.

Postkarte des Deutschen Kulturrats zum Aktionstag

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin werden Musiker und Sänger aus zehn Nationen ihre Stimmen gegen TTIP erheben. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat zudem bundesweit die Aktion «Buchhandel statt Freihandel» gestartet. Zum Aktionstag erscheint ausserdem ein Handbuch (TTIP, CETA & CO: Zu den Auswirkungen der Freihandelsabkommen auf Kultur und Medien, 270 Seiten, ISBN 978-3-934868-34-2) zu den Auswirkungen der Freihandelsabkommen auf Kultur und Medien. 34 Autorinnen und Autoren beleuchten die geplanten Abkommen und ihre Wirkungen auf den Kulturbereich.

TTIP soll dazu dienen, den Handel von Gütern und Dienstleistungen zwischen den USA und der Europäischen Union zu verbessern, indem bestehende Handelshemmnisse beseitigt werden. Als solche Handelshemmnisse werden für potentielle US-amerikanische Unternehmen in Deutschland auch die Buchpreisbindung, das europäische Urheberrecht, die öffentliche Kulturförderung und die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch die Haushaltsabgabe betrachtet.

Deutsche Politiker wie der Bundestagspräsident Norbert Lammert sehen in TTIP ausser den prognostizierten Impulsen für Wirtschaft und Beschäftigung für die EU die Chance, «gemeinsam mit den USA möglichst hohe globale Standards zu setzen und unseren westlichen Ansprüchen, etwa in den Bereichen Umwelt-, Verbraucher- und Arbeitnehmerschutz und öffentliche Einrichtungen weltweit Geltung zu verschaffen.»
 

Mehr Infos: www.tag-gegen-ttip.de

Materialien zu Bruckners Sechster aufgefunden

Der Dirigent und Musikwissenschaftler Benjamin-Gunnar Cohrs hat im Archiv des Stiftes St. Florian handschriftliche Materialien zu Bruckners Sechster Sinfonie entdeckt, die bislang als verschollen galten.

Stiftsbibliothek St. Florian. Foto: Zairon, wikimedia commons,SMPV

Wie Cohrs schreibt wurde ein handschriftlicher Stimmensatz von Bruckners Sechster Sinfonie kopiert, der sowohl für eine Novitätenprobe von 1882 der Wiener Philharmoniker wie auch für die Erstaufführung von 1883 von Adagio und Scherzo unter Wilhelm Jahn Verwendung fand. Bisher sei angenommen worden, dass dieser Stimmensatz verschollen sei. Dies vermerkt auch Leopold Nowak im Revisionsbericht zur Sechsten.

Benjamin-Gunnar Cohrs hat zunächst einen Überrest des Satzes im Archiv des Stiftes St. Florian entdeckt – eine Stimme für Fagott I aus Kopistenhand, mit autographen Eintragungen, sowie auf der Titelseite mit dem anonymen Bleistift-Vermerk «Gesellschaft der Musikfreunde Wien» (GdM). Cohrs´ weitere Suche im Archiv der GdM in Wien brachte dann den gesamten Stimmensatz zutage; es fehlt nur die in St. Florian befindliche Fagott-Stimme.

Frühere Forscher haben dies laut Cohrs vielleicht deshalb übersehen, weil der Stimmensatz unter der gleichen Signatur wie die Widmungs-Partiturkopie indiziert ist, aber im Archiv-Magazin an einem anderen Standort verwahrt wird. Der Stimmensatz besteht aus allen Bläserstimmen, Pauken und je einer Streicherstimme (mit Ausnahme der Viola, von der sechs Exemplare erhalten sind). Der Kopist muss noch identifiziert werden. Die meisten Stimmen enthalten einige autographe Korrekturen sowie auch Bleistift-Anmerkungen von Spielern.

Mehr Infos: www.benjamingunnarcohrs.com

73 x 3 Antworten

Über Jahrzehnte hat Bálint András Varga zeitgenössischen Komponisten die immer gleichen Fragen gestellt. Das Resultat sind Werkstattberichte in nuce, die eine enorme Bandbreite von Auskünften erhalten.

Foto: Claudia Hautumm/pixelio.de

Das Problem, Nähe und Distanz in ein gesundes Verhältnis zu bringen, ist ein zutiefst menschliches – somit auch eines der Geschichtsschreibung. Wer etwas über die jüngere Musikpraxis erfahren will, trifft in der Regel auf distanziert-abstrakte Theorien, kulturgeschichtliche Konstellationen oder Beobachtungen aus der Vogelperspektive, wie sie einem wissenschaftlichen Vorgehen auch gebühren. Bálint András Varga, langjähriger Leiter der Promotions-Abteilung der Editio Musica Budapest, geht einen anderen Weg: Er nimmt die Abkürzung, er überlässt den Beteiligten das Wort. Drei Fragen stellte Varga 73 Komponisten von Gilbert Amy bis Hans Zender: Hatten Sie ein Erlebnis, das ihr musikalisches Denken veränderte? Lassen sie sich von Klängen ihrer Umgebung beeinflussen? Inwieweit kann man von einem persönlichen Stil sprechen und wo beginnt die Selbstwiederholung?

Nicht alle Komponisten können mit solchen Fragen etwas anfangen – sei es, weil sie lieber komponieren oder komponieren müssen, sei es, weil sie die Fragen schon zu oft hörten und oft beantworteten. Diejenigen, die sich einliessen, antworteten in enormer Bandbreite. Während zum Beispiel der Amerikaner Elliott Carter die Selbstwiederholung als ein Zeichen von Ermüdung deutet, hält sie der Italiener Sylvano Bussotti offenbar für unvermeidbar: «Selbstwiederholung (Vivaldi, Rossini, Webern etc. etc. etc. etc.) ist in erster Linie eine biologische Konstante des Menschen, nicht des Komponisten im Speziellen. Sie entsteht nicht, sie ist schon da. Stil ist eine retrospektive Kategorie, die meist a posteriori von Kritikern festgelegt wird, oft ohne den tiefen Sinn musikalischer Schöpfung zu bedenken.»

Viele Antithesen zeichnen ein sehr heterogenes Bild der Musik nach 1945. Grossen Anteil an der lebendigen Meinungsvielfalt hat die Auswahl der Komponisten, die von keinerlei Scheuklappen zeugt. Durch seine vielen Kontakte erreichte Varga namhafte Vertreter der amerikanischen Schule (Earle Brown, John Cage, Morton Feldman), viele Grössen der europäischen Avantgarde (Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen, Helmut Lachenmann), jüngere Komponisten wie Mark André, ältere wie Klaus Huber oder Krzysztof Penderecki. Allein Komponistinnen fehlen weitestgehend; leider kommen nur Unsuk Chin, Sofia Gubaidulina und Rebecca Saunders zu Wort.

Dennoch: Die sicher sehr aufwendige Sammlung bleibt faszinierend. Man wird nicht alles in einem Rutsch lesen. Vermutlich dient der mehr als 400-seitige Wälzer eher als Nachschlagewerk, das erste Annäherungen an einen ausgewählten Komponisten erlaubt. Vieles wirft aber auch ein erhellendes Licht auf das Musikschaffen vergangener Jahrhunderte. Wenn der Schweizer Klaus Huber auf den Produktionszwang inklusive Zeitdruck zu sprechen kommt, dann darf man auch schon mal an die Arbeitsbedingungen Johann Sebastian Bachs, Antonio Vivaldis oder Joseph Haydns denken. Das individuelle, subjektiv gesättigte «Opus perfectum et absolutum» ist in den Augen der meisten Komponisten nicht mehr als eine romantische Erfindung. Sie haben recht.

Image

Bálint András Varga, Drei Fragen an 73 Komponisten, aus dem Englischen von Barbara Eckle, 416 S., € 29.90, ConBrio Verlagsgesellschaft, Regensburg 2014, ISBN 978-3-940768-42-1

«Fürchten wir das Beste…»

Lange Zeit gab es bloss Aufnahmen davon. Jetzt sind die Lieder und Chansons von Georg Kreisler als Noten erhältlich. In einer preisgekrönten Ausgabe.

Georg Kreisler 2009. Foto: Marcel601, wikimedia commons

«Das Kabarett ist tot . Mause-miese-ratze-fiese-tot?» – Nein, nicht mehr. Georg Kreislers Chansons leben wieder auf in der mit dem deutschen Musikeditionspreis 2015 ausgezeichneten Neuausgabe, die aus der Zusammenarbeit von Thomas A. Schneider mit Barbara Kreisler-Peters entstanden ist und vom Schott-Verlag herausgegeben wird. Band 1 bis 3 sind bereits erschienen, Band 4 ist fast fertig und wird bald veröffentlicht. Band 5 ist konzipiert. Die Hefte enthalten jeweils 24 bis 30 Lieder und Chansons.

Hätte es das Kabarett nicht schon gegeben, man hätte es erfinden müssen für diesen bedeutenden, grossartigen, witzigen, bitterbösen, hellsichtigen, tiefschwarz-humoristischen Künstler, Pianisten, Dichter und Sänger, der aus der Überzeugung heraus, der Mensch werde nicht dumm geboren, sondern dumm gemacht, den Dummschwätzern den Kampf angesagt hat; mit ebenso klugen wie angriffslustigen Parolen. «Ich weiss nicht, was soll ich bedeuten», sagte Georg Kreisler einmal über sich und präsentiert sich der Nachwelt als zerrissene Persönlichkeit zwischen den Wünschen, zu unterhalten und zu provozieren. So vielfältig erleben wir ihn auch. «Er hat die Wahrheit, wie er sie wahrnahm, an ihrem Schopf gepackt und solange hinter sich hergezogen, bis sie redete und sogar sang», schreibt der Herausgeber Thomas A. Schneider über ihn.

Georg Kreisler wurde 1922 in Wien geboren. 1938 musste die Familie Kreisler vor den Nazis fliehen, und Georg nahm als jüdischer Exilant 1943 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Bis zu seinem Tod im Jahre 2011 bekundete er: «Auf keinen Fall bin ich Österreicher.» Da er in Amerika seiner Zeit zu weit voraus war und sein sarkastischer Humor die Amerikaner überforderte (z. B. Please, shoot your husband), kehrte er in den 50er-Jahren nach Europa zurück und bescherte uns ein Werk mit gut 300 Chansons, von denen die meisten leider nur in Fragmenten, Notizen und Skizzen dokumentiert und manche anscheinend verloren gegangen sind. Zwar war die Nachfrage nach Noten zu Kreislers Chansons stets gross, jedoch lagen die meisten Stücke nur als Audio-Dokumente vor. Georg Kreisler hatte alles im Kopf, für ihn bestand keine Notwendigkeit, sie aufzuschreiben. Jede Anfrage nach Noten hat Kreisler mit dem lapidaren Satz beantwortete: «Die kann ja wohl jeder nach meinen Audio-Aufnahmen aufschreiben.»

Der Herausgeber Thomas A. Schneider hat Pionierarbeit geleistet. Nachdem er, seines Zeichens Organist, Pianist, Schauspieler und Sänger, nach eigenen Angaben etwa 20 Jahre lang darauf gewartet hatte, dass da «einer käme und die Chansons aufschreibe», aber nichts geschah, fing er selbst mal an: Seit über zwei Jahren nunmehr arbeitet er an den Transkriptionen, denen fast ausschliesslich Aufnahmen von Kreisler selbst zugrunde liegen. Er arbeitet sich auch noch immer durch Skizzenmaterial vieler Chansons, das leider nur selten die Qualität der Noten des Eine-Frau-Musicals Lola Blau erreicht. Er findet meist nur eine Singstimme und Akkordsymbole, fast nie mit Text unterlegt. Ausserdem stimmen die Notizen häufig nicht überein mit den bekannten Tondokumenten. Kreisler improvisierte gern und gestaltete aus dem Moment heraus, und so versteht Thomas A. Schneider konsequenterweise seine Niederschriften als «… solides Trampolin für Kreisler-Interpreten. Hüpfen müssen sie aber schon selber.»

Die vorliegenden Noten orientieren sich an Spielbarkeit und Übersichtlichkeit, auch kommt es zu gewissen Vereinfachungen, die den Interpreten aber ermutigen sollen, so frei mit den Vorlagen umzugehen, wie ihr Schöpfer selbst.

Die Chansons wurden nach Themenkreisen geordnet. «Alltag und seine Bewältigung», «Mann und Frau», «Politik und öffentliche Ordnung» heissen diese Kapitel zum Beispiel. Und so können wir je nach Lebenssituation und Stimmung nachschlagen, nachlesen, nachsingen, was für ein «Ticker» ein Politiker nun eigentlich ist.; wir können uns mit der Telefonbuchpolka von der Vielfalt österreichisch-tschechischer Namensvarianten inspirieren lassen, wir können zwei alten Tanten beim Tangotanzen auf die Beine schauen und endlich, endlich mal in grossem Stil Tauben vergiften. Ganz nach Laune und Bedarf.

Georg Kreisler ist tot.
Es lebe Georg Kreisler.

Image

Georg Kreisler, Lieder und Chansons, für Gesang und Klavier, hg. von Thomas A. Schneider und Barbara Kreisler-Peters, Bände 1–3, ED 21831–21833, je € 29.50, Schott, Mainz

Autograf eines Fauns

Das Initialwerk einer neuen Epoche, Debussys «Prélude à l’après-midi d’un faune», als Faksimile in herausragender Qualität.

Ausschnitt aus dem späteren Ballettplakat mit Vaslav Nijinsky von Léon Bakst. Quelle: wikimedia commons

Wohl keine andere Komposition hätte sich besser für die Eröffnung einer neuen, von der Bibliothèque nationale de France herausgegebenen repräsentativen Faksimilie-Reihe geeignet als Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune – jene sinfonische Dichtung aus dem Jahre 1894, die, aus heutiger Perspektive betrachtet, wie der Beginn der modernen Musik anmutet. So lautet jedenfalls ein durchaus zu Recht formuliertes Bonmot von Pierre Boulez.

Anders als man es aufgrund der keineswegs gradlinig verlaufenden Entstehungsgeschichte vermuten könnte – erste Entwürfe stammen von 1890/91, der Plan zu einer dreiteiligen Suite blieb unausgeführt –, handelt es sich bei der nun als Faksimile in bester Druckqualität vorliegenden autografen Partitur um eine Reinschrift, die zumal als Stichvorlage diente. Die überformatige Ausgabe ist damit in gleich doppelter Weise imposant; hinzu kommt die bei Brepols übliche, aufwendige, jedenfalls erstklassige grafische wie verlegerische Ausstattung.

Ein wenig darf man sich allerdings wundern – darüber nämlich, dass die in französischer Sprache abgefasste, mehrere Aspekte instruktiv abdeckende Einleitung von Denis Herlin keine Übersetzung erfuhr (etwa ins Englische), wie dies bei solchen Ausgaben von absehbar herausragender Bedeutung nicht nur üblich ist, sondern wohl auch für eine weitere Rezeption geboten erscheint. Einer «grande nation culturelle» würde dies wohl kaum schaden, vielmehr könnte sie wahre Grösse beweisen.

Image

Claude Debussy, Prélude à l’après-midi d’un faune. Fac-similé du manuscrit autographe de la partition d’orchestre (= de Main de maître 1), 80 S., 320 x 430 mm, € 150.00, Brepols Publishers, Turnhout/Belgien 2014, ISBN 978-2-503-55134-0

Schweyzer dantz

Hiesige Volksmelodien aus Renaissance und Barock für Melodieinstrument und Begleitung in heutiger Notation bereitgestellt.

Tabulatur von Georg Wieze, 1616. Fundaziun Planta Samedan

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Sammlung von rund 90 einstimmigen Melodien, die Christoph Greuter aus Handschriften und Drucken des 16. und 17. Jahrhunderts schweizerischer Provenienz oder mit Bezug zur Schweiz zusammengetragen und für den praktischen Gebrauch eingerichtet hat, ist ein Glücksfall. Der Autor, an der Schola Cantorum Basiliensis diplomierter Lautenist und Spezialist für historische Zupfinstrumente, kennt sich auch in verschiedenen Gitarrenstilen aus. In seinen umfassenden Studien bis hin zur E-Gitarre in Slidetechnik erkannte er, dass sich ältere Volksmusik der Schweiz nicht nur für historische, sondern für alle Melodieinstrumente eignet.

In aufwendigen Recherchen hat der Forscher und Berufsmusiker 20 Handschriften aus der Schweiz, vor allem aus der Universitätsbibliothek Basel und der Fundaziun Planta in Samedan, und einige gedruckte Lauten- und Orgeltabulaturen (Griffschriften) auch aus den Nachbarländern nach weltlichen Schweizer Melodien (z. B. Schweyzer dantz, Zürich Tantz, Marche suisse, Solothurner danz, Pretigauwer Dantz) durchsucht und sie in den originalen Tonarten transkribiert. Als Ergänzung finden sich in Buchstaben notierte Akkordfolgen für begleitende Instrumente, so dass sich die Edition für historisch orientierte Instrumentalisten, fürs Laienmusizieren und ganz besonders für musikpädagogische Bedürfnisse anbietet. Christoph Greuters professionell eingerichteter Melodienschatz wird aber auch Spielleute und Folkies begeistern, die sich ihr Material bislang selbst aufbereiten und in Tabulaturschrift überlieferte Stücke recht und schlecht in heutige Notation übertragen mussten. Die nun so leicht zugänglichen Schweizer Renaissance- und Barock-Melodien dürften zudem Komponisten und experimentelle Volksmusiker zur weiteren Verarbeitung inspirieren.

Das 60-seitige Notenheft konzentriert sich auf Tänze und Lieder, die der Herausgeber in 15-jähriger Arbeit gefunden und bearbeitet hat. Für einen zweiten Band wünschte man sich Melodien, auf die in schweizerischen Flugblattliedern hingewiesen wird und die sich meistens auffinden lassen. Es empfiehlt sich zudem, unter den historischen Basler Fasnachtsmärschen jene zu prüfen, die aufs Feldspiel der alten Eidgenossen zurückgeführt werden können.

Christoph Greuter hat in dankenswerter Weise Einzelleistungen von Arnold Geering, Hans in der Gand, Martin Staehelin, Joachim Marx, Robert Grossmann und anderen Musikwissenschaftern und -ethnologen gesichtet, um weitere Funde ergänzt und alle Melodien für die Praxis harmonisiert. Er hat damit eine Lücke in den schweizerischen Musikdenkmälern gefüllt und einen wesentlichen Beitrag zum immateriellen Kulturerbe geleistet.

Image

Radix. Früheste Schweizer Musik im Volkston. Musik in der alten Eidgenossenschaft aus Musikhandschriften und -drucken des 16. und 17. Jahrhunderts, hg. von Christoph Greuter., Bestellnr. 1068, Fr. 29.00, Mülirad Verlag, Altdorf 2014

Pianistische Hürden groovig verpackt

Jazz, Afro-Caribbean, Evergreens: Von Mike Cornick gibt es Hefte für den Klavierunterricht in fast allen Stilen.

Foto: protopic/fotolia.com

Die Langeweile ist bekanntlich der Todfeind des Lernens, während unser Gehirn auf stetiges Wiederholen angewiesen ist. Schon bei Carl Czerny finden wir als Lösung für diesen Zielkonflikt den Trick des unablässigen Neuverpackens. In seinen 160 kurzen (8-taktigen) Übungen zum Beispiel, finden wir immer und immer wieder den Dominantquartsextakkord mit regelkonformer Auflösung. Das harmonische Klischee ist dabei teilweise so gut verpackt, dass wir die Floskelhaftigkeit gar nicht mehr wahrnehmen.

Der erfolgreiche Vielschreiber pianistischer Unterrichtsliteratur, Mike Cornick, scheint das Rezept seines Vorvorgängers verinnerlicht zu haben. Sowohl in der Sammlung In the Groove and More als auch in den drei 2014/15 erschienenen Bänden seiner Style Collection, Jazz, Afro-Caribbean und Evergreens, verpackt er pianistische Dauerherausforderungen immer wieder neu und raffiniert.

Im Band Jazz finden wir elf Standards und zwei Eigenkompositionen, die sich am traditionellen Jazz orientieren. Überwiegend Swing in seinen Varianten und ein binär zu phrasierender Ragtime dienen dem Training der heimtückischen Verschiebung der Taktschwerpunkte auf die Schläge 2 und 4 und des Vorziehens einzelner stiltypischer Taktteile um einen ternären Achtel. Leider sind die im Jazz unbedingt immer mitzulesenden Akkordchiffrierungen grafisch weit unter das Basssystem gerutscht. Sinnvoller wäre in Anlehnung an die Lead Sheet-Notation ein Abdruck derselben unmittelbar über der Melodie. Im Gegensatz zum Generalbass harmonisieren wir im Jazz ja «Songs», also die Melodien. Zudem soll das im Arrangement präzis Notierte im Jazzunterricht möglichst schnell als eine von vielen Varianten verinnerlicht werden, wie das Akkordsymbol umgesetzt werden kann, aber keineswegs muss. Kein Jazzpianist wird beispielsweise den wiederholten A-Teil eines Stücks zwei Mal gleich spielen. Dem Schüler soll stets klar sein, dass in der Praxis des Jazz improvisiert entsteht, was hier als verbindlich abgedruckt wird. Zur eigentlichen Improvisation wird er leider im Band selber nicht explizit aufgefordert.

Image

In den afro-karibischen Stücken bzw. deren Arrangements ist in obigem Zusammenhang erstaunlich, wie oft sich Cornick zum verpönten Streckmittel des Copy-Paste verleiten lässt. Die typischen Tonartenwechsel machen alleine den Stil noch keineswegs aus. Dasselbe in Grün nochmals abzudrucken mag allenfalls dem Transpositionstraining dienen, steigert sonst jedoch lediglich die Seitenzahl der Publikation. Pianistisch herausfordernder wäre ein dramaturgisch dem Tonartenverlauf folgend verdichteter, teilweise reharmonisierter oder um Oktavierungen erweiterter Satz.

Image

Wer sich an die Schreibe Cornicks gewöhnt hat, findet im Band Evergreens die Hits, die nach der Arbeit mit der Schule Piano Coach 1 und 2 (ebenfalls von Cornick) sein Repertoire ergänzen und erweitern. Ob wir jedoch auf eine weitere vereinfachte Version des Entertainers, des Maple Leaf Rags, von La Cucaracha oder Summertime gewartet haben, wagt der Schreibende zu bezweifeln.

Image

Cornicks Stärke bleiben die didaktisch solid geschriebenen Eigenkompositionen. Hier kann der sichtlich erfahrene Pädagoge aus dem Vollen schöpfen, ohne sich an Vorgängerarrangeuren messen zu müssen. Die 14 Stücke aus In the Groove and More sind ein toller Rundumschlag für die Mittelstufe vor allem klassisch vorgebildeter Schüler. Da auch jene spätestens ab diesem Niveau mit den Akkordsymbolen, vor allem der jazztypischen Septakkorde auf allen Harmoniestufen, konfrontiert werden sollten, ist es unerklärlich, ja fast schon ärgerlich, dass kein einziges Symbol die charakteristischen Voicings bezeichnet und den Weg in den Druck gefunden hat. Ebenso ärgerlich sind die heute halt üblichen Gimmik-CDs. Die gewählten synthetischen Sounds sind so billig und dürftig abgemischt, dass von einem Nutzen der Aufnahmen kaum gesprochen werden kann. Da ist das gute alte Metronom schon fast wieder das solidere Play-along.

Image

Cornick Mike, In the Groove and More, 14 unterhaltsame mittelschwere Stücke für Klavier, UE 21669, € 13,95, Universal Edition, Wien 2014

Mike Cornick, Style Collection – Jazz, Beliebte Jazzstandards, Blues und Spirituals in mittelschweren Bearbeitungen für Klavier, UE 21650, jeweils mit CD, € 17.95

id., Afro-Caribbean Style Collection, UE 21651

id., Style Collection – Evergreens, UE 21652

Immer mehr Deutsche besuchen Kulturevents

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hat die Nachfrage nach kulturellen Angeboten in den Jahren 1995 bis 2013 in Deutschland untersucht. Auffallend etwa ist, dass Menschen in Städten nicht kulturaffiner sind als auf dem Land.

Foto: Uwe Steinbrich/pixelio.de

Besuchten laut der Studie im Jahr 1995 nur rund die Hälfte aller Erwachsenen hochkulturelle Angebote, waren es im Jahr 2013 bereits 58 Prozent. Ähnlich entwickelte sich die Nachfrage nach populärkulturellen Angeboten wie Jazz- und Pop-Konzerten oder Musik- und Filmfestivals.

Private Haushalte in Deutschland haben – so zeigt die laufende Wirtschaftsrechnung – im Jahr 2011 durchschnittlich jeweils 144 Euro für Kulturveranstaltungen ausgegeben, also in der Summe 5,7 Milliarden Euro – rund ein Viertel mehr als im Jahr 2003.

Die staatlichen Kulturausgaben lagen im Jahr 2009 – dem jüngsten Jahr, für das entsprechende Daten vorliegen – bei insgesamt 9,1 Milliarden Euro. Das waren zwar 1,6 Milliarden Euro oder 22 Prozent mehr als noch im Jahr 1995, allerdings hat sich das allgemeine Preisniveau im selben Zeitraum um 23 Prozent erhöht. Insgesamt betrachtet heisst das: Obwohl die staatlichen Ausgaben für Kultur real stagnieren, nutzen immer mehr Menschen entsprechende Angebote.

Frauen besuchen der DIW-Studie zufolge häufiger hochkulturelle Veranstaltungen als Männer. Je älter ein Mensch ist (bis zum 75. Lebensjahr) und je höher sein Bildungsabschluss, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass er Opern, Theater und Museen besucht. Arbeitslose nehmen seltener Kulturangebote wahr als Erwerbstätige und Einwohner ländlicher Gebiete seltener als die städtische Bevölkerung. Berücksichtigt man allerdings, dass in ländlichen Regionen weniger kulturelle Veranstaltungen stattfinden, die Steuereinnahmen geringer sind und die durchschnittlichen Einkommen kleiner, unterscheidet sich die Kulturnachfrage nicht mehr gegenüber den Städten.

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die grösste und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt.

Mehr Infos: www.diw.de

Lernfähiger Roboter wird zum Opernakteur

Pygmalion ist ja Opernstoff durch und durch. Die Komische Oper Berlin nimmt die Menschwerdung der Puppe beim Wort: Sie macht den autonomen humanoiden Roboter Myon zum Helden einer Oper – mit dem sinnigen Titel «My Square Lady».

Was macht einen Menschen zum Menschen? Wie lässt sich ein Gegenstand oder ein «einfaches Lebewesen» zu einem solchen formen? Mit dem Stück My Square Lady nach George Bernhard Shaws Schauspiel Pygmalion und Frederick Loewes Musical My Fair Lady suchen das deutsch-britische Performancekollektiv Gob Squad, das Forschungslabor Neurorobotik der Beuth Hochschule für Technik Berlin und die Komische Oper Berlin nach möglichen Antworten.

Gob Squad begeben sich mit Myon auf eine Entdeckungsreise durch die Komische Oper Berlin. Myon soll das »Kraftwerk der Gefühle« Oper in all seinen Facetten erkunden und dabei lernen, was es heisst, menschliche Gefühle zu empfinden, sie auszudrücken und bei anderen hervorzurufen. Ob Myon schliesslich zum Menschen oder gar zum Opernstar taugt, wird er am Ende der Spielzeit auf der grossen Bühne unter Beweis stellen.

Ein Interview mit Myon: www.youtube.com/watch?v=eWlWUrxLhrk

Kontroverse um Basler Lärmschutzbestimmungen

Kulturstadt Jetzt, ein «parteiunabhängiges Komitee für die Förderung der Kultur und die Belebung der Stadt» sieht die musikalische Eventkultur der Stadt Basel wegen neuer Lärmvorschriften gefährdet. Das zuständige Amt für Umwelt und Energie (AUE) der Stadt versteht die Aufregung nicht.

Wie weit dürfen die Regler geöffnet werden! Foto: Marvin Siefke/pixelio.de

Veranstalter und Musiker in der ganzen Schweiz seien auf das neue Basler Bass-Regime aufmerksam geworden. Ihre Reaktionen machten deutlich, dass Basel mit den vom Amt für Umwelt und Energie (AUE) definierten Regeln keine Partys mehr zu feiern habe, schreibt Kulturstadt Jetzt, eine Vereinigung, die unter anderem von der Basler Popförderung und dem Jugendkulturfestival Basel getragen wird.

Die vom AUE neu definierten Regeln zur Beschränkung von Bassfrequenzen würden einem Verbot von zeitgenössischer elektronischer Musik gleichkommen, schreibt Kulturstadt Jetzt weiter. Anlässe wie das Open Air Basel, Beat on the street/Jungle Street Groove, das Imagine, das JKF und weitere seien bedroht. Und neue Clubgründungen seien nicht mehr möglich. Betroffen seien Künstler und Liebhaber einer Vielzahl an Genres: Dub, Techno, Elektro-Rock, Hip Hop, Trip-Hop und alle anderen Stile, welche von Bässen leben.

Das AUE gibt sich in einer Medienmitteilung erstaunt. Die Bewilligungspraxis bezüglich Lärmschutz habe sich im Kanton Basel-Stadt «im Wesentlichen» nicht verändert. Es gälten nach wie vor die Grenzwerte gemäss Richtlinie der Vollzugshilfe der kantonalen Lärmschutzfachleute Cercle Bruit.

Bei der Bewilligung von Musikveranstaltungen im Freien gehöre Basel überdies zu den liberalsten Städten der Schweiz, schreibt das AUE weiter. So seien sogar in der Innenstadt Musikkonzerte bis zu einer Lautstärke von 100 dB(A) möglich, mit der Empfehlung, eine Differenz zwischen dB(C) und dB(A) von 14 einzuhalten. In Zürich zum Beipiel liege der Grenzwert für Openair-Veranstaltungen in der Innenstadt bei dB(C) 100, was soviel heisse, dass bei basslastiger Musik mit einer Differenz zwischen dB(C) und dB(A) von 14, maximal eine Lautstärke von 86 dB(A) erlaubt sei.

Waadtländer Kulturchefin geht in den Ruhestand

Brigitte Waridel beendet ihre Tätigkeit als Leiterin des Waadtländer Service des affaires culturelles (SERAC) per Ende Jahr. Die Stelle soll nächstens ausgeschrieben werden.

Foto: J.Magnin-Gonze/serac

Brigitte Waridel begann ihren Staatsdienst 1976 als Angestellte der Kantonalen und Universitären Biblothek, die sie als Directrice adjointe von 1981 bis 1993 mitleitete. 1995 übernahm sie die Leitung des «Service des activités culturelles», der später zu den «Services des affaires culturelles (SERAC)» wurde.

Ihr engagierter Einsatz für die Kultur habe nicht zuletzt dazu geführt, dass der Begriff «culture» 2009 in den Departementsnamen «Département de la formation, de la jeunesse et de la culture» aufgenommen wurde, schreibt der Kanton.

Eine wichtige Rolle habe sie bei der Gründung der Haute Ecole de théâtre de Suisse romande in Lausanne, der Welschschweizer Filmstiftung und dem Label+ Théâtre romand gespielt.
 

Cyrill Schürch ausgezeichnet

In Venedig wurde am 6. Mai der mit 10 000 Franken dotierte Mario Merz Prize in der Kategorie Musik an den Schweizer Komponisten und Pianisten Cyrill Schürch verliehen. Die Anmeldefrist für die nächste Vergabe läuft bis Ende Mai.

Cyrill Schürch / Foto: zVg

Die Jury für die Kategorie Musik setzte sich zusammen aus Thomas Demenga, Dieter Ammann, Alexander Lonquich und Willy Merz.

Cyrill Schürch wurde für sein Werk Soirée für Kammerensemble ausgezeichnet. Wie die Fondazione Merz mitteilt, bewogen folgende Qualitäten die Jury zur Vergabe des Preises an den 1974 geborenen Luzerner Komponisten: «hohe lyrische Sensibilität», «Effizienz der Instrumentalkomposition und ein weises Gleichgewicht zwischen Innovation und Kenntnis der Tradition».
Neben Schürch waren für den Preis Paolo Boggio (Vercelli 1964), Arturo Corrales (El Salvador 1973), Vassos Nicolaou (Zypern 1971) und Vito Zuraj (Maribor 1979) nominiert.

Im Bereich Kunst erhielt der ägyptische Künstler Wael Shawky den 1. Preis.

Die Fondazione Merz in Turin verwaltet seit 2005 den Nachlass des Künstlers Mario Merz. Der alle zwei Jahre verliehene Mario Merz Prize zeichnet Talente im Bereich zeitgenössischer visueller Kunst und Musikkomposition aus. Er will mit Ausstellungen und Musikinitiativen ein neues künstlerisches Netzwerk zwischen der Schweiz und Italien knüpfen.
Anmeldefrist für die zweite Runde ist der 1. Juni 2015 um Mitternacht.

get_footer();