Basel entzieht Musikern Aufenthaltsbewilligungen

Abklärungen des Amtes für Wirtschaft und Arbeit sowie Gespräche mit dem Bundesamt für Migration haben laut dem Kanton Basel-Stadt ergeben, dass bisherige Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen für Musikerinnen und Musiker nicht länger erteilt werden können.

Foto: Aka / pixelio.de

Musikerinnen und Musikern aus Drittstaaten seien in den vergangen Jahren immer Bewilligungen erteilt worden, die nicht hätten erteilt werden dürfen (siehe SMZ-Nachricht). Die meisten seien bereits Ende 2013 und anfangs 2014, einige wenige erst im September 2014 orientiert worden. Den Betroffenen würden Übergangsfristen bis mindestens Ende August 2015 gewährt, schreibt der Kanton weiter.

Gespräche mit dem Bundesamt für Migration hätten ergeben, erklärt der Kanton, dass diese Bewilligungen auf keinen Fall weiter erteilt werden dürfen. Die Musikerinnen und Musiker können nur dann weiter in der Schweiz wohnen und arbeiten, wenn sie die strengen Voraussetzungen für kontingentierte Kurz- oder Daueraufenthaltsbewilligungen erfüllen. Dies dürfte gemäss Einschätzung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit und des Bundesamtes für Migration in der Regel nicht der Fall sein.

Von der Praxisänderung sind rund 55 Musikerinnen und Musiker betroffen. Für diejenigen rund 18 Personen, die bereits vor dem 1. Januar 2011 solche Bewilligungen erhalten haben, will der Kanton in Zusammenarbeit mit dem Justiz- und Sicherheitsdepartement sowie dem Bundesamt für Migration nach einer humanitären Lösung suchen. Es soll ihnen der dauernde, legale Aufenthalt in der Schweiz ermöglicht werden.

Den anderen wird für 2015 eine neue Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung nur erteilt, wenn sie die strengen Voraussetzungen für eine kontingentierte Kurz- oder Daueraufenthaltsbewilligung erfüllen.
 

Schimmelbefall an Orgeln soll geklärt werden

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat ein Forschungsprojekt zum Schimmelbefall an Orgeln gestartet. In dem dreijährigen Projekt soll zunächst eine Reihenuntersuchung an etwa 100 Instrumenten stattfinden.

Orgelpedal. Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

In der zweiten Projektphase wird eine grössere Anzahl von Orgeln näher untersucht. Unter anderem geht es um die Bestimmung der angetroffenen Pilze, die detaillierte Aufnahme des baulichen Zustandes der Kirche und die Erfassung des Raumklimas sowie Forschungen zur Restaurierungs- und Sanierungsgeschichte.

In einem Vorprojekt wurden Schimmelpilze nicht nur an den Instrumenten, sondern auch an anderen Stellen im Kirchenraum festgestellt, weshalb nun die ganzen Gebäude in den Blick genommen werden. Dabei spielt auch die Frage eine Rolle, ob der Befall durch Sanierungsmassnahmen der letzten zwanzig Jahre begünstigt wird, etwa weil der Luftaustausch durch dichtere Fenster verringert wurde oder Oberflächenbeschichtungen Verwendung fanden, die den Pilzen als Nährboden dienen.

Im Projekt arbeiten Fachleute aus den Bereichen Bauklimatik, Materialkunde, Mikrobiologie, Restaurierungswissenschaften und Denkmalpflege zusammen, die auf die enge Kooperation mit den Orgelsachverständigen der Kirchen und Denkmalfachbehörden, den Kirchengemeinden, Orgelbauern und Organisten setzen.

Frauen im Mittelpunkt

Die gemeinnützige Organisation Femmusicale tritt erstmals mit Konzerten und einem Referat an die Öffentlichkeit.

www.femmusicale.ch,SMPV

Diesen Frühling wurde die Vereinigung «Femmusicale» ins Leben gerufen. Präsident Patrizio Mazzola konnte Bundesrätin Simonetta Sommaruga für das Patronat gewinnen. Gemäss den Statuten will die Vereinigung musikalische Veranstaltungen organisieren, in denen Frauen als Künstlerinnen oder Managerinnen eine wichtige Rolle spielen. Kernstück ist das jährliche Festival Femmusicale in Bern. Ein Teil allfälliger Gewinne soll an Organisationen verteilt werden, die für Frauenrechte kämpfen.

Eine erste Veranstaltungsreihe findet in Bern vom 14. bis 16. November statt. Den Auftakt bildet ein Vortrag der Historikerin Brigitte Rentsch zum Thema Frauen in der abendländischen Musikgeschichte. In sieben Konzerten stehen Interpretinnen und Werke von Komponistinnen im Mittelpunkt.

Weitere Informationen: www.femmusicale.ch
 

Erstes Zertifikat vergeben

Die Musikschule Knonaueramt darf sich als erste Gesundheitsfördernde Musikschule nennen. Das Zentrum Weiterbildung der Zürcher Hochschule der Künste in Zusammenarbeit mit dem Verband Zürcher Musikschulen hat ihr das entsprechende Zertifikat am 7. November 2014 verliehen.

Foto: Antonik Seidler / pixelio.de

Eine gesundheitsfördernde Musikschule ist sich möglicher psycho-physischer Belastungen und gesundheitlicher Probleme durch das Musikmachen bewusst. Sie fördert Prävention und Gesundheitsförderung bei ihren Musiklehrpersonen sowie deren Musikschülerinnen und -schülern und bietet in regelmässigen Abständen musikphysiologische Weiterbildungsveranstaltungen an. Einer Zertifizierung gehen jeweils folgende musikphysiologische Fortbildungsveranstaltungen für die Lehrpersonen voran:

  1. Grundlagen-Referat
  2. Allgemeiner praktischer Grundkurs
  3. Instrumentenspezifischer Aufbaukurs
  4. Einführungskurs zu den Themen Auftrittstraining, Bühnenkompetenz und konstruktiver Umgang mit übermässigem Lampenfieber

Weiterhin bietet eine zertifizierte Musikschule ihren Lehrpersonen die kostenlose Möglichkeit zu musikphysiologischen Beratungen bei Fachpersonen des Bereichs Musikphysiologie / Musik- und Präventionsmedizin der ZHdK an.

Interesseierte Musikschulen wenden sich an horst.hildebrandt@zhdk.ch oder elisabeth.danuser@zhdk.ch.

 

MAS in Musikphysiologie
Weltweit noch einmalig ist das vom Schweizerischen Hochschulzentrums für Musikphysiologie SHZM unterstützte und an den Musikhochschulalltag angegliederte Weiterbildungsstudium zu einem sogenannten Master of Advanced Studies (MAS) in Musikphysiologie an der Zürcher Hochschule der Künste. Seit 2002 werden die teilnehmenden Musikpädagoginnen und -pädagogen in dem semesterweise strukturierten Unterricht zu Multiplikatoren musikphysiologischer Inhalte bzw. zu einer nächsten Generation von musikphysiologisch Lehrenden an den Musikhochschulen und Musikschulen ausgebildet. Im Zentrum stehen physiologische Strategien für die Prävention und Lösung musikmedizinischer Probleme. Die Ausbildung findet in enger Kooperation mit den bestehenden Angeboten für Musikstudierende sowie mit weiteren musikpädagogischen und musikpraktischen Angeboten statt. Sie enthält ein breites Spektrum zu den Themen Vorbeugung, Lernphysiologie, mentales Training, Bühnenkompetenz, Methodik und Fachdidaktik sowie zu physiologisch fundierten (Selbst-)Anleitungsstilen. Weiterhin werden Einführungen in verschiedene Körper(wahrnehmungs)schulen, Trainingslehren und Selbsterfahrungsformen sowie Hospitationsmöglichkeiten bei musikphysiologischen Beratungen angeboten. Ein wesentlicher Bestandteil sind der Einzelunterricht in Angewandter Musikphysiologie mit dem eigenen Instrument bzw. Gesangsfach und ein supervidiertes Unterrichtspraktikum mit individueller Arbeit an Fallbeispielen. Den Abschluss bildet nach einem Projektmanagement-Kurs die Durchführung und Evaluation eines institutionell relevanten musikphysiologischen Projektes in Verknüpfung mit einer Diplomarbeit.

Die Absolventen dieses Weiterbildungsstudiums sind selbst künstlerisch und musikpädagogisch an Hochschulen, Konservatorien und Musikschulen tätig und gehören inzwischen zu dem Dozierenden-Pool, welcher diverse musikpädagogisch-physiologische Angebote wie Referate, Kurse, Workshops und Einzelberatungen zur Verfügung stellt. Inzwischen haben mehrere Musikschulen und Musikhochschulen musikphysiologische Lehr- und Beratungsdeputate in ihrem Curriculum verankert. Die Zahl der von Absolventen gegebenen Weiterbildungskurse summiert sich bereits auf über 170. Mit den Kursen der Dozierenden zusammengerechnet haben in den letzten zwölf Jahren über 300 musikphysiologische Weiterbildungskurse stattgefunden.

Musikphysiologie an der ZHdK
 

Thomas Hampson im Interview

Am 12. November stellt der herausragende Bariton in Zürich sein Buch «Liebst du um Schönheit – Gespräche mit Clemens Prokop» vor.

Foto: Dario Acosta,SMPV

Das Buch ist im Sommer 2014 erschienen und widmet sich gemäss Ingrid Wanja (operalounge.de) weniger dem Werdegang des Sängers als vielmehr «seinen Erfahrungen und Ansichten mit und über die Kunst».

Wie Musik Hug mitteilt, wird Thomas Hampson von Andreas Müller-Crepon am
12. November in der Steinway Gallery von Musik Hug in Zürich zu diesem Buch interviewt. Im Anschluss daran signiert er Buch und CDs.

Thomas Hampson: Liebst du um Schönheit – Gespräche mit Clemens Prokop
192 Seiten, Henschel Verlag / Bärenreiter
ISBN 978 3 89487 912 9
Fr. 33.90

 

Der Stellenwert der Kultur in der Schweiz

In einer repräsentativen Umfrage, durchgeführt von den Meinungsforschern von Isopublic, sind im Sommer 2013 4048 Personen aus der gesamten Schweiz mittels Fragebogen unter anderem zu ihrem Kulturverständnis und -konsum befragt worden.

Foto: Christiane Heuser / pixelio.de

72 Prozent der Befragten geben an, dass Kultur in ihrem Leben einen eher hohen oder sehr hohen Stellenwert hat. Eine deutliche Mehrheit sieht in der Kultur ein bedeutendes Mittel zur Sicherung nationaler Eigenheit, zur Weiterentwicklung der Gesellschaft und der Integration.

78 Prozent interessieren sich für kulturelle Äusserungen in unterschiedlichen Stilrichtungen, bloss 15 Prozent geben an, sie hätten «hauptsächlich Interesse an
einer bestimmten Stilrichtung».

Mit Abstand (65 Prozent der Nennungen) der wichtigste Grund für den Kulturkonsum ist, das Bedürfnis, «etwas zu lernen». Auf dem zweiten Rang (46 Prozent), findet sich der Wunsch, «etwas Besonderes zu erleben». 79 Prozent sehen in der Kulturförderung sowohl Staat als auch Privatwirtschaft in der Pflicht. Bloss 7 Prozent möchten diese ausschliesslich aus privaten Mitteln alimentiert sehen.

Die Studien können hier unentgeltlich von der Webseite des Migros Kulturprozentes heruntergeladen werden.

 

Sichtbare Musik an den Science Days

Studierende der Pädagogischen Hochschule und der Musikhochschulen FHNW haben im süddeutschen Europapark an Science Days Experimente zum Thema Akustik präsentiert. Das Wissenschaftsfestival zieht rund 20’000 Besucher und Besucherinnen an, darunter sehr viele Schulklassen.

Foto: Europa-Park

Mit dem Projekt wollen die Initianten Tibor Gyalog (Pädagogische Hochschule) und Beat Hofstetter (Hochschule für Musik) den Zugang zum interdisziplinären Thema Akustik von der Physik und der Musik her erschliessen, schreibt die FHNW.

Die Präsentation sei auf sehr gute Resonanz gestossen: Neben vielen tausend Besuchern gab es einen TV-Kurzbericht in der Landesschau des Südwestfunks und eine Einladung an das Peking Science Festival 2015. Vorgesehen sind zudem Präsentationen am Jubiläumsanlass «150 Jahre Akademie der Naturwissenschaften» im Herbst 2015 und an der TuN Basel 2016.
 

Nach Westen und zurück

«Eldorado» und «American Dream» – diese Schlagworte haben im Zeitalter von Globalisierung und Internet ihre Faszination längst eingebüsst. Umso mehr interessiert die Frage nach den Wechselwirkungen zwischen dem Westen und uns.

Nach Westen und zurück

«Eldorado» und «American Dream» – diese Schlagworte haben im Zeitalter von Globalisierung und Internet ihre Faszination längst eingebüsst. Umso mehr interessiert die Frage nach den Wechselwirkungen zwischen dem Westen und uns.

Editorial

Focus

«Ausgezeichnet, aber er übt viel zu viel»
Walter Furrer über seine Studienjahre in Paris

Melting Pomme
Jazzmen et Jazzwomen suisses aux Etats-Unis
Deutsche Zusammenfassung

La pluralité constitue la musique américaine
Henry Cowell, Lou Harrison, Alan Hovhaness et Harry Partch

Alle brasilianische Musik ist melancholisch
Interview mit Luiz Alves da Silva

Genf – Paris, zweimal hin, einmal zurück
Pierre Wissmer und sein Leben zwischen Rhone und Seine

 

… und ausserdem

RESONANCE

Si le festival est beau à voir, il sera beau à entendre : La Côte flûte festival

Décloisonner la profession de luthier : « Strings attached » à Berne

Im Vorbeigehen mitspielen: Novoflot vor dem Berliner Volkstheater

Naturhorn zwischen Plattenbauten: Die Schweiz an der 13. Pyramidale

Wer hat die Kulturbotschaft gelesen?

Stimmen für die SMZ!
Les voix s’élèvent pour la RMS

Carte Blanche mit Andreas Kolbe

Rezensionen Klassik, Lokales und Globales – Neuerscheinungen

 

CAMPUS


Musique à l’hôpital psychiatrique

Dieses Haus vibriert: Die ZHdK ist ins Toni-Areal gezogen

Rezensionen Unterrichtsliteratur – Neuerscheinungen

klaxon Kinderseite
 

FINALE


Rätsel:
Michael Kube sucht
 

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Digitale Zugänge zum 17. Jahrhundert

Eine Kooperation von gegenwärtig 22 deutschen Bibliotheken macht über 100’000 von den rund 300’000 im Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts online verfügbar. Die Materialsammlung ist auch für die Musikforschung ergiebig.

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de,SMPV

Die meisten dieser Einrichtungen folgen unter der Federführung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel einem Masterplan zur Gesamtdigitalisierung der Drucke des 17. Jahrhunderts. Er sorgt dafür, dass flächendeckend und ausgewogen digitalisiert wird, dass Doppeldigitalisierungen vermieden werden und dass alle teilnehmenden Einrichtungen je nach Leistungsfähigkeit und Bestandsumfang Titel beitragen können.

Die Transformation der in deutschen Bibliotheken aufbewahrten Drucke in digitale Form schaffe die Grundlage für neue Forschungsfragen, schreiben die Verantwortlichen. Die systematische Digitalisierung der schriftlichen Quellen sei eine zentrale Voraussetzung nicht nur für den ungehinderten Zugang zu Werken der kulturellen Überlieferung für jedermann, sondern auch für die Weiterentwicklung der Digital Humanities beziehungsweise der digitalen Geisteswissenschaften.

Mehr Infos: www.vd17.de

 

Das neue Beethoven-Referenzwerk

Über einen Zeitraum von 15 Jahren hat ein Team massgeblicher Fachleute in enger Zusammenarbeit mit den internationalen Beethoven-Forschungszentren das neue, rund 2000 Seiten starke Beethoven-Werkverzeichnis erarbeitet. Am 30. Oktober wurde es mit einem Festakt vorgestellt.

Die Herausgeber Norbert Gertsch, Julia Ronge und Kurt Dorfmüller. Fotos: G. Henle-Verlag,SMPV

1955 veröffentlichte der G. Henle-Verlag mit dem Verzeichnis sämtlicher vollendeter Werke Ludwig van Beethovens von Georg Kinsky und Hans Halm einen Meilenstein der Beethoven-Literatur. Seitdem ist die Beethoven-Forschung in vielen Bereichen geradezu explodiert. Die neue Gesamtausgabe der Werke ist weit fortgeschritten, der gesamte Briefwechsel und die Konversationshefte Beethovens sind in exzellenten Ausgaben aufgearbeitet. Hinzu kommen wegweisende Arbeiten internationaler Autoren zum Schaffensprozess Beethovens, die unser Bild des Komponisten verändert haben. Grund genug, diesen aktuellen Forschungsstand nun in einem neuen Standardwerk für eine breite Leserschaft aufzubereiten!

Das neue, zweibändige Beethoven-Werkverzeichnis erleichtert durch klare Gliederung
den individuellen Zugang: Der Darstellung der historischen Aspekte eines jeden Werks – Entstehung, Herausgabe, erste Aufführungen, Widmungsträger etc. – folgt in einem zweiten Abschnitt die Beschreibung der Handschriften und Drucke. Erstmalig werden dabei unter den Autografen auch die Skizzen zum Werk umfassend nachgewiesen. Die Drucke erfassen auch zeitgenössische Nachdrucke und Arrangements unter Angabe von Fundorten.

Die Werke ohne Opusnummer werden um 23 neue Werke ergänzt. Hinzu kommen eigene Kapitel zu unvollendeten Werken Beethovens, seinen Kompositionsstudien, Opern- und Oratorienplänen und Abschriften aus Werken anderer Komponisten und aus Theoretika. Mehrere Anhänge stellen Informationen zu unechten und zweifelhaften Werken sowie zum Verlags- und Druckwesen der Beethoven-Zeit zusammen. Umfangreiche Übersichten und Register erleichtern dem Leser das Auffinden der gewünschten Information.

Inhalt

  • Werke mit Opuszahl
  • Werke ohne Opuszahl
  • 23 neue Werke ohne Opuszahl
  • 23 unvollendete Werke
  • Opern- und Oratorienpläne
  • Kompositionsstudien
  • Abschriften Beethovens aus Werken anderer Komponisten
  • Abschriften Beethovens aus Theoretika
  • Unechte und zweifelhafte Werke
  • Anhang zu Verlagswesen, Druckgeschichte und Sammelausgaben
  • Register und Übersichten: Systematische Werkübersicht; Chronologie der Werke nach Entstehung und nach Erstveröffentlichung; Verzeichnis der Originalverleger, Widmungsempfänger und Textdichter sowie der Titel- und Textanfänge von Vokalwerke

Hauptteil des Katalogs in Deutsch, Einleitung in Deutsch und Englisch

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Ludwig van Beethoven – Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis
Bearbeitet von Kurt Dorfmüller, Norbert Gertsch und Julia Ronge
Unter Mitarbeit von Gertraut Haberkamp und dem Beethoven-Haus Bonn
Revidierte und wesentlich erweiterte Neuausgabe des Werkverzeichnisses von Georg Kinsky und Hans Halm
2 Bände, Leinen, 1.996 Seiten, 18,5 × 26,5 cm, Lesebändchen
HN 2207, ISBN 978-3-87328-153-0
Subskriptionspreis bis 31. 12. 2014: € 435,—
Preis ab 01. 01. 2015: € 495,—
Erscheinungstermin: 01. 11. 2014

Weitere Einzelheiten

In den Big Apple beissen

Sie sind talentiert, solide ausgebildet, in der hiesigen Szene aktiv – und dann verabschieden sie sich für eine Weile oder definitiv. Was bringt Jazzmusikerinnen und -musiker dazu, sich in Amerika niederzulassen, insbesondere in New York?

Ohad Talmor. Foto: Elena Carminati
In den Big Apple beissen

Sie sind talentiert, solide ausgebildet, in der hiesigen Szene aktiv – und dann verabschieden sie sich für eine Weile oder definitiv. Was bringt Jazzmusikerinnen und -musiker dazu, sich in Amerika niederzulassen, insbesondere in New York?

Kaum hatte die Pianistin Sylvie Courvoisier das Konservatorium in Vevey abgeschlossen, als sie sich in den Hexenkessel zeitgenössischer Musik in Brooklyn rund um John Zorn stürzte. Teil dieser Welt geworden, hat sie bis heute etwa dreissig CDs mit den grossen Namen der Szene aufgenommen: Ellery Eskelin, Fred Frith, Joey Baron … Zusammen mit ihrem Mann, dem Geiger Mark Feldman, tritt sie überall auf der Welt auf.

Einige wagen den Sprung über den grossen Teich, um ihre Ausbildung weiterzuführen. Der Mundharmonikaspieler Gregoire Maret, der das Conservatoire Supérieur de Musique de Genève abgeschlossen hat, spielt heute mit Cassandra Wilson, George Benson, Marcus Miller, Elton John und Sting. Er ist eine Grösse auf seinem Instrument wie Toots Thielmans.

Vor ihnen hatte sich beispielsweise Daniel Schnyder in New York niedergelassen. Er komponiert Kammermusik, arrangiert und produziert Jazz. Kürzlich war er vom Orchestre de Chambre de Lausanne für eine Carte-blanche-Abend eingeladen. Das lässt sich oft feststellen: Wenn sich die Ausgewanderten etabliert haben, kommen sie zurück, sei es als begehrte Gäste, sei es, um sich wieder hier niederzulassen wie der Saxofonist George Robert. Nachdem er zusammen mit dem legendären Phil Woods und später mit dem fabelhaften Trompeter Tom Harrell auf der ganzen Welt gastiert hatte, liess sich der Genfer in Bern nieder, wo er während zehn Jahren die Swiss Jazz School leitete. Heute ist er verantwortlich für die Abteilung Jazz der Musikhochschule Lausanne.

Bei einer Musik, die aus Nordamerika stammt, ist dieser Austausch keineswegs erstaunlich. Nach Konzerten von Duke Ellington und Sydney Bechet auf dem alten Kontinent und der nachfolgenden Bebop-Welle wurden in den Sechzigerjahren hierzulande Jazzschulen gegründet. Die Swiss Jazz School in Bern war europaweit die erste. Heute ist angesichts der immer dichteren Durchdringung von amerikanischen und europäischen Praktiken kaum mehr zu sagen, wer wen auf welche Weise beeinflusst.

«Musikalisch bringen die USA nichts»

Ohad Talmor ist einer dieser Grenzgänger. Er lebt in Brooklyn und unterrichtet einmal pro Monat per Skype am Genfer Konservatorium. Sowohl seine Schulzeit wie seine musikalische Ausbildung hat er teilweise in der Schweiz, teilweise in den Vereinigten Staaten absolviert – in der Klassik und im Jazz. Martha Argerich und Steve Swallow waren seine Lehrer, aber auch Lee Konitz, mit dem er sechs CDs aufgenommen hat und um die Welt getourt ist. Angesprochen auf den Einfluss amerikanischer Spielweisen sagt er kategorisch: «Musikalisch bringen die USA nichts. (…) Es ist die einmalige Konzentration ausserordentlich guter Musiker, die den Aufenthalt wertvoll macht.»

Einen Unterschied sieht Talmor bei der wirtschaftlichen Seite: «Das Geschäft hat in den USA immer die Oberhand. Die Musik wird vor allem als ‹Entertainement› betrachtet, als Kunst hat sie einen schweren Stand. Die Gagen sind deutlich tiefer als in Europa und Konzerte werden von einigen Begeisterten aus eigener Initiative durchgeführt.» Einen Veranstaltungsort, der auf Kreation setzt, hat Talmor gleich selbst mitgegründet: das Seeds in Brooklyn. Vor allem improvisierte Musik steht auf dem Programm, und regelmässig sind auch einige Schweizer zu Besuch, beispielsweise Jacques Demierre, Nicolas Masson oder Jean-Lou Treboux.

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Ein Requiem für Minenarbeiter

Zum 35-jährigen Bestehen bringt der Pan-Verlag ein besonderes Werk aus seinem Programm zur Aufführung: das Bolivianische Requiem.

Arbeiter in der Silbermine von Potosí, Bolivien. Foto: Christophe Memeboeuf, wikimedia commons

Juan Arnez (*1950) hat als elternloses Strassenkind die sozialen Missstände in seiner Heimat am eigenen Leib erfahren. Später lernte er Panflöte spielen, wurde Autor, Komponist, Musiker und Sänger. Er schloss sich zwei weiteren Musikern an und gründete die Gruppe Los Kusis de Bolivia. Das Trio wurde äusserst erfolgreich, bekam Aufträge für Radiosendungen, Fernsehauftritte, Theaterauftritte und Schallplattenaufnahmen und nahm an namhaften Festivals teil. Durch Konzerte und den Verkauf von Tonträgern trug Arnez zur Finanzierung des Baus einer Schule und eines Mütterzentrums bei.

Arnez hat zahlreiche Stücke komponiert mit dem Ziel, die kulturelle Tradition seines Heimatlandes zu vermitteln. Die instrumentale Besetzung des Requiems ist vielfältig: sechs Panflöten, Akkordeon, drei Quenas, Charango, Geige, Gitarre, Kontrabass und Perkussionsinstrumente wie Marakas, Glockenspiel, Regenstab, Bongos, Triangel, Bombo und Trommel. In seiner Wegleitung weist der Komponist auf abweichende Möglichkeiten hin. Ursprünglich wurde es für sieben Musiker, fünf Solisten und einen siebenstimmigen Chor geschrieben. Die neue Fassung besteht aus einer Sängergruppe mit zwei Sopranistinnen, einer Altistin, einem Tenor, einem Bariton, einem gemischten Chor und einem Kinderchor.

Die «Messe für einen Minenarbeiter» ist zehnteilig und folgt formal dem lateinischen Ordinarium der katholischen Kirche. Eingestreut ist nach dem Sanctus ein Te Deum als Lacrimosa ll. Es ist aber kein Requiem im üblichen Stil. Es ist ein Hilferuf gegen soziale Ungerechtigkeit, wie sie noch in vielen Ländern der Welt an der Tagesordnung ist. Mit dem Bolivianischen Requiem setzt sich Juan Arnez für die Minenarbeiter ein, die unter Ausbeutung leiden. Es ist ein besonderes Verdienst des Pan-Verlages dieses Werk als Jubiläumsgabe zur Aufführung zu bringen.

Unter der Leitung von Stefan Ruppen wird das Werk am Sonntag, den 23.November, in der Kollegiumskirche Brig, am Mittwoch, den 26.November, in Trogen und schliesslich am Donnerstag, den 27. November, in der französischen Kirche in Bern aufgeführt.
> www.spirit-singers.ch

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Juan Arnez, Bolivianisches Requiem, Misterium del socavon, für Soli, gemischten Chor und Instrumente, Chorpartitur, pan 1203A, € 25.00, Pan-Verlag, Basel 2014

Spass mit neuen Spieltechniken

Sarah Chardonnens Lehmann hat mit «Zigana» einen aussergewöhnlichen Band mit 23 kurzen Übungsstücken – allesamt Eigenkompositionen – für junge Klarinettisten zusammengestellt.

Foto: Joachim Grote/pixelio.de

Das Heft der am Konservatorium Fribourg unterrichtenden Klarinettistin steht in französischer Sprache. Jedes Stück ist zwei bis drei technischen Aspekten des Klarinettenspiels gewidmet. Das fängt an mit dem Aufwärmen, einer Ansatz- und einer Zungenübung und geht bis zu erweiterten Spieltechniken auf der Klarinette. Der als Duett angelegte Zweizeiler Funambule (Seiltänzer) widmet sich Mikrointervall-Glissandi in der dritten Lage, wobei die entstehenden Reibungen gleichzeitig die Ohren der Spieler öffnen. Weitere Stücke beschäftigen sich mit Slaps, Mehrklängen und Achteltönen. Während die Griffe für die Mikrointervalle und Mehrklänge angegeben sind, fehlen leider Anweisungen zum Ausführen der Slapzunge.

Die letzten drei Stücke des Hefts vereinigen mehrere der zuvor separat erarbeiteten Techniken und eignen sich auch für Vorspiele oder Stufentests. Zigana, das namensgebende Stück, ist eine Zigeunerweise mit langsamer Einleitung, flottem Mittelteil und einer auskomponierten Kadenz zum Schluss. Zu diesem und vier weiteren Nummern liegt auch eine Klavierbegleitung bei. Jonglages ist ein Duett mit vielen Vorschlägen und einer auf die beiden Stimmen aufgeteilten Melodie, was für die Spieler eine rhythmische Herausforderung darstellt, gleichzeitig aber auch mit viel Spass verbunden ist. Beim letzten Titel Le Serpent et la Mouche handelt es sich um ein Solostück, bei dem die zuvor erarbeiteten neuen Spieltechniken voll zum Zuge kommen.

Diese ansprechenden Übungsstücke vernachlässigen nicht den musikalischen Ausdruck und die bildhaften Titel regen die Fantasie der Spieler an. Die Ausgabe richtet sich an fortgeschrittene Anfänger, welche die Grundlagen des Klarinettenspiels bereits beherrschen und Lust haben, neue Spieltechniken auf ihrem Instrument zu erkunden.

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Sarah Chardonnens Lehmann, Zigana, 23 courtes pièces originales et dynamiques, dont cinq avec piano, pour jeunes clarinettistes. C06756, € 19.20, Editions Combre (Henry Lemoine), Paris 2013

Ein Klavier auf Reisen

Stile aus den verschiedensten Teilen der Welt werden hier zum Ausgangspunkte für Improvisationen.

Foto: Marcus Winkler/pixelio.de

Wer auf Reisen geht, orientiert sich oft an einem Fahrplan, muss aber immer wieder improvisieren können und sich auf Neues einlassen. – Und genau dies ist das Anliegen von Andreas Hirche in Ein Klavier geht auf Reisen, erschienen bei Breitkopf Pädagogik. Die sorgfältig ausgesuchten Beispiele sind mit Schwierigkeitsgraden versehen und geben dem Spieler eine Art Fahrplan zu vielen kleinen Improvisier-Inseln, auf denen es dann zu verweilen gilt. Die Auswahl richtet sich an alle, die sich angesprochen fühlen von Weltmusik und die offen sind, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Ob eher meditativ in sich gekehrt wie in der japanischen Musik oder lebhaft und extravertiert wie in der Musik des Balkans oder Südamerikas, für jeden Geschmack gibt es etwas zu finden.

Der Autor versteht das Heft als eine Art Klavierschule und gibt mit diesem Ansinnen eine Fülle von sehr hilfreichen Hinweisen. Einerseits Hintergrundwissen zu den verschiedenen Stilen, aber auch spieltechnische Hilfen und Überlegungen zu Aspekten wie «Balance zwischen Üben und Spielen», «Flow», ,«Technik» oder «Problem mit der Unabhängigkeit». Darüber hinaus findet man im Anhang ein ausführliches Glossar der wichtigen Fachbegriffe, und eine beigelegte CD gibt die Möglichkeit, die Stücke zu hören und zu Play-alongs im mp3-Format das Improvisieren zu üben.

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Andreas Hirche, Ein Klavier geht auf Reisen. Weltmusik, Rhythmus, Improvisation, EB 8819, mit CD, € 24.90, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2014

Wo ist der Westen?

Amerika hat Generationen von Europäern zum Träumen gebracht. Schweizer ganz besonders. Auch wenn wir uns das heute kaum vorstellen können: Bis ins 19. Jahrhundert starben in unserem Land Menschen vor Hunger. Auswandern war überlebensnotwendig. So entstand 1819 in Brasilien die Stadt Nova Friburgo, gegründet von 265 Familien aus der Schweiz, in einer Region, deren Klima demjenigen ähnelte, das sie verlassen hatten. In den Vereinigten Staaten gibt es nicht weniger als 16 Städte oder Dörfer namens «Luzern» und selbstverständlich finden sich auch einige «Geneva».

Mit der Wende zum 20. Jahrhundert verlor das «Eldorado» an Glanz; die USA, der «American Dream», wurden zum Inbegriff des faszinierenden Westens. Das galt auch für Musiker, Dvořák etwa, der von 1892 bis 1896 Direktor des Konservatoriums in New York war und dort seine Sinfonie aus der Neuen Welt schrieb, ein so emblematisches Stück, dass es Neil Armstrong später auf dem Mond hinterlegte. Im Musical West Side Story träumten puertoricanische Einwanderer den amerikanischen Traum, und in der Popmusik besangen etwa Joe Dassin L’Amérique, die Mamas & Papas versanken in California Dreamin’ und Patrick Juvet schwärmte: I love America.

Das alles scheint heute weit weg; Amerika bringt uns nicht mehr zum Träumen. Die Globalisierung und das Internet haben den technologischen und sozialen Vorsprung jenseits des Atlantiks dahinschmelzen lassen. Angesichts der heutigen wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten blickt kaum jemand mehr neidisch nach Westen.

Das Thema dieser Nummer wird dadurch noch vielschichtiger. Es sind die unzähligen Wechselwirkungen mit dem Westen, die uns beschäftigen: sei es im Jazz, sei es in den Eindrücken eines jungen Deutschschweizer Komponisten, der das Pariser Musikleben bestaunt, sei es im Hin und Her der brasilianischen Musik im Laufe der Jahrhunderte. Vier amerikanische Komponisten, die hierzulande noch zu entdecken sind, runden den Focus ab.

Brechen wir also auf zur (Wieder-)Entdeckung des Westens!

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