Das derzeit aktuellste Musiklexikon

Das bewährte Riemann-Musiklexikon wurde überarbeitet und aktualisiert. Mit fünf Bänden ist es sowohl ausführlich wie kompakt.

Foto: dusk – fotolia.com,SMPV

Die Neuauflage des Riemann Musiklexikons bietet zuverlässige Fachinformationen auf dem aktuellsten Stand, erarbeitet von einem internationalen Team renommierter Wissenschaftler. Fünf Bände bieten etwa 9.400 Artikel zu Sachfragen und Grundbegriffen der Musikpraxis und Musiktheorie. Die Artikel berücksichtigen die jüngsten, weltweiten Entwicklungen in der musikalischen Hoch- und Popularkultur, in der Medientechnologie und in musikrelevanten Forschungsgebieten sowie Komponisten und Musiker, die in den letzten Jahrzehnten grössere Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben.
Mit dieser 13. überarbeiteten, aktualisierten und ergänzten Neuausgabe bestätigt das Riemann Musiklexikon seine herausragende Stellung als wichtiges, bei aller Ausführlichkeit doch überschaubares Nachschlagewerk.

Riemann Musiklexikon, hg. von Wolfgang Ruf, Mitarbeit von Annette van Dyck-Hemming, 2532 Seiten in fünf Bänden, ED 9000, € 229.00, Schott, Mainz 2013, ISBN 978-3-7957-0006-5

Schon grosse, aber noch einfache Literatur

Eine neue Reihe der Wiener Urtext Edition schliesst die Lücke zwischen dem Durcharbeiten einer Klavierschule und der weiterführenden Literatur.

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Ausgehend von einem Spielniveau, das mit Stücken wie Bachs Menuett in G (BWV Anh. 116), Mozarts Menuett in F (KV 5) oder Schumanns Wilder Reiter (op. 68/8) umrissen ist, werden für jedes Heft der Urtext Primo-Reihe Werke von drei verschiedenen Komponisten ausgewählt mit dem Ziel, Klavierschülern (oder auch erwachsenen Wiedereinsteigern) eine Bandbreite von Repertoirestücken anzubieten, anhand derer sie ihre technischen und musikalischen Fertigkeiten weiterentwickeln können.

Der Schwierigkeitsrahmen der Stücke ist relativ eng gefasst, um den Band über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren kontinuierlich verwenden zu können. Bei der Repertoireauswahl werden einerseits Stücke des klassichen Unterrichtskanons berücksichtigt, andererseits aber auch weniger bekannte Werke, deren Relevanz für den Klavierunterricht keineswegs geringer ist.

Die Urtext Primo-Bände erscheinen im international anerkannten Standard der Wiener Urtext-Ausgaben. Die jedem Heft beigefügten Erläuterungen sollen dazu beitragen, musikalisch-stilistische, musikgeschichtliche und klavierspezifische Kenntnisse zu vertiefen. Eine Repertoire Tabelle am Ende eines jeden Heftes gibt einen groben Schwierigkeitsüberblick über die zusammengestellten Stücke.

Bisher erschienen:

  • Band 1: Bach – Händel – Scarlatti, UT 52001
  • Band 2: Haydn – Mozart – Cimarosa, UT 52003

In Vorbereitung:

  • Band 3: Beethoven – Schubert – Hummel, UT 52005 (erscheint Herbst 2013)
  • Band 4: Schumann – Brahms – Kirchner, UT 52007 (erscheint Frühjahr 2014)

René Munz, der Leiter des Kulturamtes des Kantons Thurgau, tritt per Ende September 2013 zurück. Er wird neu in die Fachstelle Kultur des Kantons Zürich wechseln und dort die Stabsstelle Kulturpolitik in der Fachstelle Kultur der Kantons übernehmen.

Munz arbeitet seit September 2002 als Leiter des Thurgauer Kulturamtes. Im Zug der Reorganisation des Bereichs Kultur beim Departement für Erziehung und Kultur wurde damals die Fachstelle Kultur zum Kulturamt aufgewertet, indem fünf kantonale Museen und die Kulturförderung in diesem Amt zusammengefasst wurden.

Dabei habe René Munz wichtige Aufbauarbeit geleistet, schreibt der Kanton, mit dem Thurgauer Kulturkonzept die praktischen Leitlinien der Kulturförderung und Kulturpflege geschaffen und weiterentwickelt sowie verschiedene Projekte umgesetzt.

Munz übernimmt im Herbst die kantonale Stabsstelle Kulturpolitik in der Fachstelle Kultur der Kantons Zürich und wird gleichzeitig Stellvertreter der Fachstellenleiterin Kultur. Die Stelle wird demnächst öffentlich ausgeschrieben.
 

Neue Violinsonaten mal jazzig, mal sphärisch

Nichts ist klassischer als die Kombination von Geige und Klavier. Das Repertoire ist hier aber ungewöhnlich.

Mathias Rüegg. Ausschnitt aus dem Heftcover

Wenn man die Geige in die Hand nimmt, um neue Musik vom Blatt zu lesen, freut man sich ausserordentlich, wenn schwierig aussehende Musik gut in die Hand fliesst und beim Überschauen der Partitur ein logischer Aufbau sichtbar wird; das geschah mir bei den Werken Rüeggs und Wolfgangs auffallend.

Mathias Rüegg, der Schweizer Jazz-Arrangeur, war Gründer und Leiter des Vienna Art Orchestra. Er unterrichtet jetzt an den Musikhochschulen Wien und Zürich und komponiert vermehrt Kammermusik. Er schrieb hier eine dreisätzige Jazz-Sonate von einer Viertelstunde Dauer. Zehn sich steigernden Variationen auf einem Harmonieschema folgt ein nachdenklicher Blues mit impressionistischem Gestus, der zwischenhinein rhythmisch gefasst wird. Das motorisch schnelle Finale mit interessanten Taktwechseln und Akzentverschiebungen wird beendet von einem sechs mal achttaktigen «Turn around», der aussieht wie eine Chaconne. Beim Hineinhören wird man hie und da ganz kurz an Grappelli erinnert, aber das zeigt nur auf die Wurzeln dieser charaktervollen, dynamisch differenzierten, für beide Instrumente spannend zu spielenden Musik.

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Mathias Rüegg, three questions – one answer, für Violine und Klavier, D 33205, € 24.95, Doblinger, Wien 2011

Der Kalifornier Gernot Wolfgang entwickelte sich vom Computer-Programmierer über Jazzgitarrist, Filmkomponist zum Schöpfer Neuer Musik. Er lässt sich von der Natur, für deren Erhaltung er kämpft, inspirieren. Sein Rolling Hills & Jagged Ridges ist ausdrucksstark mit sphärischen Klängen, aber in tonalem Rahmen festgehalten. Ein rhythmisches tonwiederholendes Echoduett und aus dem Nebel auftauchende eckige Grate werden virtuos dargestellt. Eine sinnende Violinkadenz mündet mit umherirrenden Pizzicati in Nebelmotiven des Klaviers. Nochmals tauchen in dramatisch untermaltem Unisono die Zacken auf, dann beruhigt der Klaviernebel die Geige zu schwebenden Flageolettklängen, bis das Zwölf-Minuten-Stück in einem gemeinsamen rasanten Aufstieg endet. Hörprobe

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Gernot Wolfgang, Rolling Hills & Jagged Ridges, for Violin and Piano D 19970, € 19,90, Doblinger, Wien 2011

Technische Bausteine

Eine reichhaltige Zusammenstellung von Bruno Schneider für alle, die ein hohes technisches Niveau erreichen und halten möchten.

Foto: stokkete/depositphotos.com

Horn Fundamentals nennt sich ein neues Heft, verfasst vom verdienten Solisten und Hornprofessor Bruno Schneider (Musikhochschule Freiburg im Breisgau, Haute Ecole de Musique Genève). Während seiner langjährigen Tätigkeit hat er eigene Übungen zusammengestellt, um ein hohes technisches Niveau zu erreichen und das angewandte zu konsolidieren, ohne auf Vorbilder ganz zu verzichten (Philip Farkas: The Art of French Horn Playing; Karl Bielig: Kompendium der Horntechnik). Ein Vermächtnis mit Liebe zum Detail. Für Hornstudenten, die es zu etwas bringen wollen. Bruno Schneider, Horn Fundamentals, Horngrundlagen, Etüden, CO89, Fr. 29.00, Edition Bim, Vuarmarens 2012

Instruktives und Unterhaltsames

Leicht fassliche, aber nicht zu unterschätzende Stücke für zwei junge Fagottspieler – und eine Zugabe mit Kontrabass.

Ausschnitt aus dem Titelblatt des Hefts von Hähnchen

Das Fagott spielt in der modernen Musik gegenüber der Klarinette, der Flöte oder auch der Oboe noch immer eine etwas untergeordnete Rolle. Um dem abzuhelfen, sollen bereits junge Leute mit zeitgenössichen Techniken in Berührung kommen, und genau dies ist das Ziel der vorliegenden Sammlung von Fagottduos für den Unterricht.

Als zeitgenössische Techniken werden Mehrklänge, Vierteltöne, Slap-tones, Glissandi, Klappengeräusche, Flatterzunge sowie Einbezug der Stimme behandelt. Wo veränderte Griffe vonnöten sind, finden sich diese immer gleich im Notentext, wodurch Grifftabellen oder Zeichenerklärungen überflüssig werden. Stilistisch bewegen sich die Stücke in einem fasslichen und unkomplizierten Rahmen, sie sind häufig tonal, dabei auch tänzerisch oder liedhaft. Die Schwierigkeit der meisten Stücke sollte nicht unterschätzt werden, wobei nicht unbedingt die zeitgenössischen Techniken, sondern vielmehr grundlegende Zusammenspiel- und Konditionsanforderungen dagegen sprechen, allzu kleine Kinder mit den Stücken zu konfrontieren, obwohl einige Werktitel wie Dicke Schlange im Baum und ihre vermeintliche Beute auf junge Spielende hinweisen.

Nicht weniger als 23 Stücke von acht Komponistinnen und Komponisten sind in der Sammlung enthalten, und einige davon sind zweifellos bis hin zum Hochschulniveau interessant. Musikalisch beeindruckend sind im Besonderen die Fünf Allegorien von Friedrich Schenker und Ein Hauch von Blues von Hermann Keller.Image

Zeitgenössische Musik für zwei Fagotte (Stücke von Bernd Casper, Georg Katzer, Hermann Keller, Friedrich Schenker, Mia Schmidt, Takehito Shimazu, H. Johannes Wallmann, Helga Warner-Buhlmann), hg. von Dieter Hähnchen, FH 3423, € 24.80, Friedrich Hofmeister, Leipzig 2012

Eine charmante Zugabe für Fagott und Kontrabass ist Low Agenda von Gernot Wolfgang. Dem Jazz- und Rockidiom verbunden, zeigen sich beide Instrumente in abwechslungsreichem und farbigem Licht. Fantasievolle Interpretinnen und Interpreten werden die Soli noch reicher ausgestalten wollen und sich Freiräume zu schaffen wissen, aber auch schon eine notengetreue Wiedergabe wird grossen Effekt machen!Image

Gernot Wolfgang, Low Agenda, für Fagott und Kontrabass, Partitur und Stimmen, D 06714, € 16.95, Doblinger, Wien 2011

Widmungen

Ein persönliches Beziehungsnetz spannt sich zwischen Debussy und Strawinsky, Bernstein und Shapero.

 

Eva-Maria Zimmermann und Keisuke Nakagoshi. Foto: zVg

Auf Steigerung angelegt, erreicht die Mind Meld betitelte CD des schweizerisch-japanischen Klavierduos ZOFO (Eva-Maria Zimmermann / Keisuke Nakagoshi) ihren Höhepunkt in der hinreissenden Wiedergabe von Strawinskys epochalem Ballett Le Sacre du Printemps als glanzvollem Schlusspunkt. Mit derselben Konsequenz, wie es die jeweils sehr verschiedenen Tempi durchhält, gestaltet das Duo auch die vielen Ostinati. In den Septimen der Rondes printanières verzichtet es im Unterschied zu anderen Interpreten beharrlich auf Expressivität, indem es genau dem Notentext folgt. Andererseits klingen in dieser Neuaufnahme die dort folgenden Akkordblöcke trotz markanten Akzentuierungen nicht schrill, sondern ungewohnt dumpf.

Gründlich durchdacht und auf ein präzises Konzept getrimmt sind auch die Darstellungen der weiteren, beziehungsreichen Werke. Die gestalterische Einheitlichkeit beeindruckt nicht weniger in den Six Épigraphes antiques von Claude Debussy als in den beiden vorausgehenden amerikanischen Kompositionen.

Stellt die Candide Overture von Leonard Bernstein in einer Bearbeitung von Charlie Harmon eine geistsprühende Hommage à Voltaire dar und ist die brillante Sonate von Harold Shapero dessen Freund Bernstein zugeeignet, so spielen auch gegenseitige Widmungen von Debussy und Strawinsky eine biografisch interessante Rolle. Während der Franzose den dritten Satz seiner Suite ‚En blanc et noir‘ (1915) für zwei Klaviere «à mon ami Igor Strawinsky» überschrieb – den ersten Satz widmete Debussy dem Verleger des Sacre du Printemps, dem Dirigenten Serge Kussewitzky -, komponierte der Russe seine Symphonies d’instruments à vent (1920) «à la mémoire de Claude-Achille Debussy».
Erstaunlicherweise trägt Strawinskys folgenschweres Ballett die Widmung nicht an einen Musiker, sondern an den Maler und Bühnenbildner Nicolas Roerich, der nach seiner Mitwirkung an der Uraufführung des Sacre kaum mehr auffiel.

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Mind Meld. Works for One Piano, Four Hands. Bernstein, Shapero, Debussy, Strawinsky. ZOFO duet (Eva-Maria Zimmermann, Keisuke Nakagoshi). Sono Luminus DSL-92151

Stipendien zu vergeben

Die Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik Freiburg vergibt drei Teilstipendien für das Studienjahr 2013/2014. Anmeldeschluss ist am 27. Juni.

Foto: Kaspar Ruoff

Wer sich bei der Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik (hKDM) in Freiburg für eines der drei Teilstipendien (50%) bewerben möchte, studiert im Hauptfach Gitarre, Piano, Saxofon, Trompete oder Tuba und nimmt an den regulären Auditions im Sommer für das Studienjahr 2013/2014 teil. Denjenigen drei Bewerberinnen und Bewerbern, die an diesen Aufnahmeprüfungen am besten abschliessen, werden 50% der Studiengebühren für das gesamte Studienjahr 2013/2014 erlassen.

Die Auditions (Aufnahmeprüfungen) für das Studium «Populäre Musik» an der hKDM finden statt

live in Freiburg:
Freitag, 12. Juli 2013
Samstag, 13. Juli 2013
Sonntag, 14. Juli 2013

online:
Freitag, 19. Juli 2013
Samstag, 20. Juli 2013

Anmeldeschluss für die live- und die online-Aufnahmeprüfungen ist am Donnerstag, 27. Juni 2013.
 

GNOM wird 20 Jahre alt

GNOM, die Gruppe für Neue Musik Baden, feiert vom 5. bis 9. Juni in Baden ihren runden Geburtstag mit einer Klanginstallation, Konzerten und einem Podium.

«Pegelstand I» 2010 (Badener Holzbrücke), Cathy Van Eck. Foto: Christian Glaus

Das erste Konzert von GNOM begann am 17. Oktober 1993 um 12 Uhr und dauerte im historischen Museum in Baden fünf Stunden. Hierhin kehrt die Gruppe zurück mit dem Jubiläumsprogramm «Hörbar sichtbar», das von ehemaligen aktiven GNOM-Mitglieder gestaltet wurde. Sieben Konzerte werden umrahmt von einer Klanginstallation von Stephan Rinderknecht.

Während am 9. Juni eine Podiumsdiskussion die GNOM-Arbeit reflektiert, wird am 8. Juni um 16 Uhr in einem Festakt im historischen Museum Baden das GNOM-Archiv offiziell dem Stadtarchiv Baden übergeben.

GNOM-Porträt in der SMZ 6/2011

11. Jungfrau Music Festival

Vom 6. bis 13. Juli treffen sich in Bern, Thun und Interlaken Blasmusikformationen aus der ganzen Welt, darunter das sinfonische Jugendblasorchester Simón Bolívar aus Venezuela. Für junge Nachwuchsdirigenten wird ein Meisterkurse angeboten.

Banda Sinfónica Juvenil Simón Bolívar

Aus der Schweiz werden am diesjährigen Jungfrau Music Festival die Swiss Army Big Band, die Swiss Army Brass Band, die Brass Band Berner Oberland, das Sinfonische Blasorchester Bern und das Nationale Jugendblasorchester zu hören sein.

Neben vielen andern internationalen Toporchestern tritt die Banda Sinfónica Juvenil Simón Bolívar (BSJSB) unter der Leitung von Sergio Rosales auf. Wie die das Jungfrau Music Festival schreibt, wurde das sinfonische Jugendblasorchester Simón Bolívar 2005 auf Initiative von Jesús Ignacio Pérez Perazzo und Valdemar Rodríguez gegründet. Die beiden erkannten den Bedarf an einem fest etablierten Bläserensemble, das sich aus den Reihen von El Sistema rekrutiert. El Sistema ist das Nationale System von Kinder-/Jugendorchestern und -chören in Venezuela. 2006 fand das erste offizielle Konzert der BSJSB statt. Die Banda ist das erste und wichtigste Ensemble in dieser besonderen Besetzung (Holz- und Blechbläser, Schlagwerk, Celli und Kontrabässe), das Teil des akademischen Programms von El Sistema wurde. Die Mitglieder im Alter zwischen 12 bis 30 Jahre kommen aus ganz Lateinamerika. El Sistema folgt dem bewährten Modell eines musikalischen Erziehungsprogramms, das nicht nur grosse Musiker hervorbringt, sondern auch die Bedingungen von Tausenden in Armut lebenden Kindern drastisch verbessern kann.

Der Meisterkurs vom 8. bis 12. Juli für 12 aktive Teilnehmer wird von Douglas Bostock geleitet. Zuhörern bietet der Kurs Anregungen für die eigene Arbeit.
 

Boris Brüderlin ist neuer Beauftragter für Kulturprojekte in den Bereichen Tanz, Theater und Jugendkultur in der Abteilung Kultur Basel-Stadt. Er wird unter anderem ein Konzept zur Förderung der Jugendkultur entwickeln.

Der 1979 in Basel geborene Brüderlin ist seit 2010 Geschäftsleiter der Treibstoff Theatertage in Basel und seit 2009 als Dramaturg und Produzent tätig. In Kooperation mit Institutionen wie der Kaserne Basel, dem Theater Roxy, dem Fabriktheater Rote Fabrik Zürich und dem Theaterhaus Gessnerallee Zürich ist er mitverantwortlich für die Produktion von diversen Theater-, Musiktheater- und Tanzproduktionen.

Gestartet hat Brüderlin seine Karriere laut der offiziellen Mitteilung des Kantons 1998 als Darsteller am Jungen Theater Basel. Er studierte Theater-, Film- und Literaturwissenschaften an den Universitäten in Lausanne, Bern und Berlin sowie Dramaturgie in Leipzig. Zwischen 2002 und 2008 arbeitete er als Regie- und Dramaturgieassistent.

Brüderlin obliegt als Beauftragter für Kulturprojekte die Verantwortung für die Förderbereiche Tanz, Theater und Jugendkultur sowie für diesbezügliche Festivals. Er wird Einsitz nehmen im Fachausschuss Tanz/Theater BS/BL und ein Konzept zur Förderung der Jugendkultur entwickeln.
 

Der Staatsrat des Kantons Wallis hat die Kulturpreise 2013 vergeben: Der diesjährige Kulturpreis geht an den Musiker Javier Hagen. Je ein Förderpreis gehen an die Musikerin Sarah Brunner, den Videokünstler Samuel Dématraz und den Schauspieler Léonard Bertholet.

Der 1971 in Barcelona geborene Javier Hagen leitet seit 2006 das Festival für zeitgenössische Musik forum: wallis und ist einer der Mitbegründer der Walliser Sektion der internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Er studierte klassischen Gesang, Lied sowie mittelalterliche und barocke Musik in Deutschland, Italien und der Schweiz.

Sarah Brunner wurde 1984 in Eischoll geboren und studierte an der Hochschule Luzern Orgel bei Monika Henking sowie Kirchenmusik und Chorleitung bei Ulrike Grosch, Stefan Albrecht und Pascal Mayer. Seit 2012 ist sie Kirchenmusikerin in Visp und Zermatt.

Der seit 1980 verliehene Walliser Kulturpreis ist mit 20’000 Franken dotiert. Der 1982 ins Leben gerufene Förderpreis in der Höhe von 10’000 Franken geht an jeweils drei Personen und soll einerseits eine Anerkennung für ihr Schaffen, andererseits aber auch ein Anreiz sein, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen.

Seit 2011 wird ein mit ebenfalls 10’000 Franken dotierter Spezialpreis an eine Person oder an eine Gruppe vergeben, die sich «fernab der Bühne für die Entwicklung der Walliser Kultur engagiert». Er geht dieses Jahr ans Oberwalliser Kellertheater.

Zweifler nicht Värslischmied

Eine Biografie zeigt Hintergründe und unbekannte Seiten von Mani Matter.

Mani Matter auf dem Buchcover

Da sitzen sie: die Gymnasiasten Phil, Bendicht, Alex und Dani in einem Lokal in der Berner Altstadt. Genervt von der Omnipräsenz des Troubadours in den Deutschvorträgen und der scheinbar politischen Belanglosigkeit seiner Texte haben sie eben beschlossen, das nächste Konzert im Bierhübeli zu stören. Als es schliesslich soweit ist, kommt aber alles anders; die Jungs schweigen, irgendwie hat sie dieser Mann, wie er da vorne mit seiner Gitarre steht, nun doch beeindruckt.

Diese Szene schildert der Historiker und Schriftsteller Wilfried Meichtry in der neu erschienenen Biografie über Mani Matter (1936–1972). Schon zu Lebzeiten war der Berner Troubadour ein Idol. Heute, 40 Jahre nach seinem Unfalltod, ist die Popularität ungebrochen: Seine Lieder sind längst Volksgut geworden. Weniger bekannt war bislang die Person dahinter, Mani Matter selbst.

In einer spannenden Sprache schreibt sich Meichtry durch Matters Leben und zeigt einen Mann, der mehr war als ein «Värslischmied»: Familienvater, Philosoph, Politiker, Rechtskonsulent, Kunstliebhaber, Schauspieler und vieles mehr. Besser als in der ebenfalls von Meichtry für das Schweizerische Nationalmuseum konzipierten Ausstellung schafft es der Autor, die Person Matter dem Lesenden näherzubringen und auch unbekannte Aspekte aufzugreifen: das abgebrochene Germanistik-Studium etwa, den passionierten Schach- und Boulespieler, den schlechten Verlierer.

Während die Persönlichkeit Matters in ihrer beeindruckenden Vielseitigkeit erfahrbar wird, bleiben die Liedtexte abwesend – eine Parallele zur Zürcher Ausstellung, die es ebenfalls verpasst hat, zu zeigen, wie genial und tiefgründig Mani Matters Chansons eigentlich sind. In seiner spielerischen Sprache ist kein Wort zufällig gewählt, die Texte sind intensiver Arbeit entwachsen. Zudem ist es schade, dass Meichtry auf genaue Quellenangaben der zahlreichen Zitate verzichtet, und so eine genauere Kontextualisierung verunmöglicht.

Nichts desto trotz beschreibt der Autor einen Mann, der Zeit seines kurzen Lebens immer wieder gezweifelt hat, sich nie sicher war, ob er nun Akademiker oder doch Chansonnier werden sollte. Ein Mann, der das Rampenlicht nie geliebt hat. Mit der Biografie will Meichtry nicht zuletzt eines verhindern: dass Mani Matter auf einen Sockel gehoben wird. Das gelingt ihm auf überzeugende Art und Weise.

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Wilfried Meichtry, Mani Matter. Eine Biographie, 308 S., CHF 34.90, Nagel & Kimche, München 2013, ISBN 978-3-312-00559-8

Kompositionen eines Kosmopoliten

Barocke Solosonaten für Altblockflöte in italienischem, französischem oder ganz freiem Stil von Carl Rosier.

Foto: Clam/pixelio.de

Carl, Charles, Natalis Carolus oder Noël Charles – die Namen und Namensvarianten deuten es an: Rosier(s) war wie die meisten Musiker jener Zeit Kosmopolit, was die spärlichen bekannten Details über sein Leben bezeugen. Geboren 1640 in Lüttich war er ab 1663 Violinist und später Vizekapellmeister im Dienste des Kölner Kurfürsten Max Heinrich in Bonn. Nach der Auflösung der Hofkapelle liess sich Rosier 1675 in Köln nieder, kehrte nach wenigen Jahren wieder nach Bonn zurück, um 1701 eine Festanstellung als Domkapellmeister in Köln anzunehmen, eine Aufgabe, die er bis zu seinem Tod 1725 ausübte. Drucke und Autografe, aber auch Konzerte mit seinem Collegium Musicum belegen ein Wirken auch in den Niederlanden.

Die acht Solosonaten für Altblockflöte und Basso continuo entstammen einem Konvolut von Werken unterschiedlicher Besetzung, die Charles Babell zusammengetragen hatte und in dem sich Sonaten, Suiten und Duette auch anderer Komponisten wie Finger, Paisible, Courteville oder Fiocco befinden.

Rosiers Sonaten setzen sich aus vier bis sieben Sätzen zusammen, in denen sich alle barocken Stile Europas jener Zeit vereinigen: Die motivische und harmonische Verwandtschaft und damit Zyklenbildung der einzelnen Sätze verweist auf das Vorbild der italienischen Sonata da camera. Einige Sonaten scheinen eher vom französischen Stil inspiriert und gebrauchen typische Suitensätze – darüber hinaus gibt es aber auch Beispiele völlig freier Formen. Interessanterweise gibt es zudem einige Bezüge zu Henry Purcells Semi-Opera The Fairy Queen. So erscheinen drei von Purcells Arien praktisch unverändert als Sätze in Rosiers Sonaten g- und c-Moll wieder.

Die vorliegende Ausgabe ist in zwei Bänden mit je vier Sonaten angelegt. Es gibt jeweils eine einzelne Flöten- und Bassstimme, eine Partitur mit beiden Stimmen und eine mit ausgesetztem Generalbass. Fast zeitgleich mit dem Erscheinen der deutschen Ausgabe hat David Lasocki in den USA eine elektronische Stimmen- und Partiturfassung herausgegeben, die ebenfalls auf der Babell-Abschrift basiert: www.instantharmony.net

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Carl Rosier, Acht Solosonaten für Altblockflöte und Basso continuo, hg. von Anne Kräft mit einer Generalbassaussetzung von Thorsten Mann, Erstausgabe; Band 1 (1–4), EW 855; Band 2 (5–8), EW 884; je € 21.50, Edition Walhall, Magdeburg 2012

Keine Krise der klassischen Musik

Im Wiener Museum für angewandte Kunst trafen sich vom 29. Mai bis 1. Juni 850 Fachbesucher, 500 Firmen und Organisationen aus 40 Ländern an der Classical:NEXT, dem Fachforum für alle Sektoren der Klassikbranche.

Reger Besuch am Schweizer Gemeinschaftsstand. Foto: Eric van Nieuwland

Im Eröffnungsreferat betonte Gastredner Daniel Hope, die klassische Musik befinde sich nicht in einer Krise, die Krise bestehe vielmehr darin, dass diese Musik in den letzten Jahrzehnten ignoriert worden sei. Wir müssten jetzt handeln, da junge Menschen je länger je weniger die Chance hätten, diese Musik zu entdecken. In einem sogenannten Network Meeting stellte der Schweizer Geiger und Musikmanager Etienne Abelin zusammen mit Marshall Marcus aus England das Sistema Europe vor, verschiedene europäische Ableger des venezuelanischen El sistema. Auch die Schweiz ist am Sistema Europe beteiligt mit dem sich seit 2011 im Aufbau befindenden Verein Superar Suisse.

Die Fondation Suisa organisierte zusammen mit Pro Helvetia und der Schweizerischen Interpretengenossenschaft einen Schweizer Gemeinschaftsstand, an dem sich folgende Organisationen beteiligten: classYcal-new ways in classical music, Disques VDE-GALLO, Guild GmbH, Lucerne Festival, Musiques Suisse vom Migros-Genossenschafts-Bund, Schweizerischer Tonkünstlerverein und Schweizer Musikzeitung.

Die Classical:NEXT fand 2012 erstmals in München statt. Heuer hat sie sich mit der zweiten Durchführung in Wien zu einem wichtigen wachsenden internationalen Anlass der Klassikbranche etabliert. 120 Aussteller stellten ihr Angebot vor, während 40 internationale Experten an Konferenzen, Diskussionsrunden und Präsentationen teilnahmen und 100 Künstler an verschiedenen Konzerten auftraten. Video-Showcases und Filmvorführungen ergänzten das Angebot.

Initiiert wurde Classical:NEXT von CLASS-Association of Classical Independents in Germany e.V. Veranstalter der Messe ist die piranha womex AG, die seit 1994 jährlich die Musikmesse WOMEX – the world music expo – ausrichtet.
 

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