Hummels Handschrift

Das Manuskript des beliebten Konzerts für Klappentrompete ist als Faksimile erschienen. Eine Einladung zum Tüfteln.

Seite aus dem Faksimile

An der Hochschule der Künste Bern (HKB) wird die Forschung mit dem Schwerpunkt Interpretation stark gefördert. Resultate dieser profunden und gewissenhaften Studien sind einige wertvolle Publikationen im Blechbläserbereich, die in der SMZ zum Teil schon rezensiert wurden. (vergl. Neuausgabe der Trompetenschule von Eugène Roy, SMZ 10/2010, S. 34)

Johann Nepomuk Hummel (1778–1837) schrieb sein Konzert für Trompete und Orchester in E-Dur für Anton Weidinger (1766–1852), den Wiener Klappentrompetenvirtuosen, für den auch Joseph Haydn im Jahre 1796 sein Trompetenkonzert in Es-Dur schrieb. Die Uraufführung fand am 1. Januar 1804 am kaiserlichen Hof in Wien statt. Das Originalmanuskript liegt in der British Library, London.

Das vorliegende Faksimile zeigt die ganze Partitur in gut lesbarer Handschrift. Der Herausgeber Edward H. Tarr kommt durch Schriftvergleiche zum Schluss, dass es sich um die autografe Handschrift des Komponisten handeln muss, obwohl die Partitur in mehreren Arbeitsschritten entstand. Die Solostimme wurde in einer anderen Schriftfarbe notiert und ist an manchen Stellen mit Melodievarianten überkritzelt (Vereinfachungen des Solisten?). Mehrere Sprünge sind eingezeichnet, an zwei Stellen sogar mit eingeklebten Einlageblättern realisiert.

In Tarrs kritischem Kommentar (dt./frz./engl.) werden die Änderungsvorschläge untersucht und können in der Solostimme direkt mit dem Original verglichen werden. Ein weiteres Kapitel widmet sich der Klappentrompete, dem ursprünglichen Forschungsprojekt und -objekt. Die meisten der heute noch vorhandenen ca. 150 Originalinstrumente sind linksgriffig und mit 5 Klappen ausgestattet – leider ist keines von Weidinger erhalten geblieben. Somit bleiben viele Fragen zur historischen Aufführungspraxis mit diesem Instrument Spekulation und dem Tüfteln jener Trompeter überlassen, die sich auf das Spiel mit der Klappentrompete einlassen.

Johann Nepomuk Hummel, Concerto a Tromba principale 1803, Facsimile, (= HKB Historic Brass Series 4), TP 306, Fr. 85.00, Editions Bim, Vuarmarens 2012

id., Einführung, Historische Betrachtung, Analyse, Kritischer Kommentar, Original-Solostimme, von Edward H. Tarr; deutsch TP 306d; französisch TP 306f; englisch TP 306e; je Fr. 22.00, Editions Bim, Vuarmarens 2012

Improvisation, Jazz und Klezmer

Eine besonders gelungene Einführung in die Jazzimprovisation, nun auch für Tenorsaxofon; Klezmer für zwei und ein gut angeleiteter Einstieg in den Jazz.

Foto: Gift Habeshaw/unsplash.com

Charlier und Sourisses führen in die Improvisation ein

Das herausragende Heft, Initiation et perfectionnement à l’improvisation, das bisher nur für Altsaxofon erhältlich war, gibt es neu auch als Ausgabe für das Tenorinstrument. Es enthält zehn Stücke über geläufige Akkordfolgen (Blues, Anatole/Turnaround), Standards (Doxy, So What …), aber auch einen Bossa Nova, eine Batucada, ein modales Stück mit «keltischen» Anklängen, das an Jan Garbarek erinnert u. a. Etwas sperrig im Umgang ist das erste Stück, das formal recht anspruchsvoll auf wechselnden ionischen Tonleitern basiert. Davon soll man sich jedoch nicht abhalten lassen, weiter einzutauchen, denn die übrigen Themen sind eingängig und von einer grossartigen Rhythmusgruppe unterstützt: die beiden Autoren, André Charlier und Benoît Sourisse, komplettiert mit Jean-Michel Charbonnel am Bass.

Das Konzept ist nicht neu, aber mit gutem Notensatz hervorragend umgesetzt. Zu jedem Stück liefern die Autoren einige präzise Erläuterungen (viersprachig) zur Improvisation, die den Schülerinnen und Schülern Hinweise auf stilistische und harmonische Gegebenheiten vermitteln. Die Tempi sind moderat, die notierten Soli nicht zu schwer – bevor Stéphane Guillaume am Tenorsax zeigt, wie er spielen würde, wenn es sich nicht um eine pädagogische Publikation handeln würde. Die Play-along-Versionen bieten jeweils ca. 5 Minuten Zeit, Eigenes auszuprobieren.

Les cahiers Charlier Sourisse, Initiation et perfectionnement à l’improvisation, pour saxophone ténor, livre avec CD, AL 30544 (livre) + 30545 (CD), ca. € 17.75 + 7.95, Alphonse Leduc, Paris 2012

Klezmer entdecken mit zwei Saxofonen in zwei gleichwertigen Stimmen.

Die Klezmerduos aus der World-Music-Reihe der Universal Edition sind eine echte Bereicherung des Saxofon-Repertoires. Neun traditionelle und vier musikalisch gleichwertige Neukompositionen des Herausgebers Michael Lösch warten darauf, von spielfreudigen Schülerinnen und Schülern ab mittlerem Spielniveau entdeckt zu werden. Für die Qualität der Bearbeitungen spricht, dass die zweite Stimme in jeder Beziehung ebenso interessant wie die erste ist. Einmal ist sie lebendige, rhythmische Basslinie, dann wieder parallele Unter- oder Oberstimme, aber nie in einem Register, das der Spritzigkeit der Musik hinderlich wäre. Das gilt erfreulicherweise auch für die beigelegte Tenorsax-Stimme. Schwer sind die Duos nicht, sie machen aber nur dann wirklich Spass, wenn man die angegebenen Tempi annähernd erreicht, ohne überfordert zu werden.

Michael Lösch, Klezmer Saxophone Duets (AA / AT), UE 33062, € 17.50, Universal Edition, Wien 2012

Gute angeleiteter Einstieg in den Jazz mit «anpassungsfähiger» Begleit-CD.

Die zehn Stücke bieten Schülerinnen und Schülern, welche die Grundlagen des Saxofonspiels erlernt haben, Übungsmaterial zum Einstieg in den Jazz. Die Phrasierung ist genau notiert, die Tonarten sind einfach, der Tonumfang bequem, und die Begleit-CD stellt bis zu drei verschiedene Tempi zur Verfügung, was ermöglicht, die Stücke auf verschiedenen technischen Niveaus zu spielen. Harmonischer Hintergrund der Stücke sind einerseits bekannte Jazz-Standards, andererseits teilweise mit Zitaten angereicherte Bluesformen.

Der Sound des Saxofons auf der CD ist leicht und etwas unterkühlt, die Rhythmusgruppe ohne Schlagzeug nicht laut, aber präzise und leicht verständlich. Allenfalls ist an der Begleitband hörbar, dass der Autor die Stücke, wie im Vorwort erwähnt, ursprünglich für Flöte geschrieben hat.

Tilmann Dehnhard, Easy Jazz Studies, für Altsaxofon, UE 35262, mit CD, € 17.50, Universal Edition, Wien 2012

Sturm und Drang aus Genf

CD-Rezension: Hier wird keine musikhistorische Leiche exhumiert. Die Musik von Gaspard Fritz pulsiert und begeistert.

Jean-Etienne Liotard, Bildnis der Maria Adelaide von Frankreich in türkischem Gewand, 1753. Ausschnitt aus dem CD-Cover

«Er ist ein hagerer alter Mann, mit dem ich bald bekannt ward. Er war so gefällig, mir eins von seinen Solos vorzuspielen, welches zwar sehr schwer, aber dennoch gefällig war. Ungeachtet er an die siebzig Jahre sein muss, so spielt er doch mit ebensoviel Eifer als ein Jüngling von fünfundzwanzig.» Der berühmte englische Musikreisende Charles Burney erzählt hier von seinem Besuch 1770 bei einem grossen Schweizer Komponisten (wenn man Genf als zugewandten Ort zur Eidgenossenschaft zählen mag): bei Gaspard Fritz (1716–1783), den es bei uns immer noch ein wenig zu entdecken gilt. Fritz erhalte sich gut in der Übung, schrieb schon Burney, «ungeachtet er so wenig Gelegenheit hat, seine Talente zu zeigen und gehörig dafür belohnt zu werden». Die heimische Musikgeschichtsschreibung hat ihn zwar durchaus gewürdigt; Hermann Scherchen setzte sich einst für ihn ein, in Noteneditionen und Aufnahmen. Die Konzertveranstalter vernachlässigen ihn aber eher, dabei ist seine Musik durchaus bemerkenswert. Burney hat ihn treffend beschrieben: diesen Eifer wie von einem Jüngling (auch wenn Fritz da erst 54 war). Auch Händel soll seine Musik gelobt haben.

Die neue Aufnahme von fünf Sinfonien aus den Opera 1 und 6 bestätigt dieses Urteil – und nicht nur deshalb, weil das Orchester La Stagione Frankfurt unter der Leitung von Michael Schneider mit Schwung ans Werk geht. Vom ersten Ton an wird deutlich: Mit einem biederen helvetischen Kleinmeister haben wir es hier nicht zu tun. Diese Musik pulsiert lebhaft, stürmt und drängt, arbeitet mit Kontrasten und kann im nächsten Moment verliebt ein Detail umschwärmen. Es sind schönste Zeugnisse eines musikalischen Stils, der die Gemüter direkt ansprechen wollte: durch Unmittelbarkeit, Klarheit, Vielfalt und Spontaneität des Ausdrucks. Nichts dabei wirkt gekünstelt, kein Gran Fett ist daran, man hört dem jederzeit gern zu und hat dabei nie den Eindruck, hier werde bloss wieder mal eine musikhistorische Leiche exhumiert. Fritzens Musik lebt und fetzt!

Image

Gaspard Fritz: 5 Sinfonias (op. 1 Nr. 5 & 6, op. 6 Nr. 3, 5, 6). La Stagione Frankfurt; Leitung Michael Schneider; cpo 777 696-2

Versteckte Schönheit

An diese Klanggestalt der «Kunst der Fuge» muss man sich erst gewöhnen. Der Gewinn ist dann aber umso grösser.

 

Titelseite von Bachs autografem Manuskript, angeschriben von Johann Christoph Altnickol: «Die / Kunst der Fuga / di Sig.o Joh. Seb. Bach. / (in eigenhändigen Partitur)», 1742. Staatsbibliothek zu Berlin

Es fragt sich, was öfter vorkommt: Sind es Einspielungen der Kunst der Fuge oder ihre Charakterisierung als abstrakte Musik, die der Aufführung gar nicht bedarf? Eine «diskografische Lücke» schliessen Johann Sonnleitner und Stefan Müller an den Clavichorden mit ihrer Aufnahme gewiss nicht. Aber sie gewinnen der Kunst der Fuge einen anderen Ton ab als zahlreiche, schon existierende Orgel-, Klavier-, Saxofon- oder Gitarrenbearbeitungen.

Sehr nobel klingen die bachschen Canons, Contrapuncti und Spiegelfugen auf den Nachbauten der Clavichorde Johann Heinrich Silbermanns (1727–1799). Der Kammerton liegt bei 392 Hertz; gewählt wurde die so genannte Neidhardt-Stimmung «für eine grosse Stadt» von 1724. Gewöhnungsbedürftig ist das daraus resultierende, etwas gedeckte Klangbild. Aber es ist eben auch ungeheuer subtil. Leicht fällt das Verfolgen der Stimmen, unterstützt wird es durch moderate Tempi. Das schlichte Karton-Gewand und das zurückhaltende Design entsprechen einer Produktion, die ihre Schönheit erst nach und nach, am Ende aber sehr kräftig entfaltet. Bachs rätselhaft-sperrigem «Glasperlenspiel» (Hermann Hesse) wird das mehr als gerecht. Denn auch die Kraft der Kunst der Fuge liegt bekanntlich in der Tiefe, in einer hochgeistigen Konstruktion, die besondere Interpretationskunst fordert. Stefan Müller und Johann Sonnleitner bringen sie offensichtlich mit.

Image

Johann Sebastian Bach: Die Kunst der Fuge. Johann Sonnleitner und Stefan Müller, Clavichorde. www.contrapunctus.ch

Schoeck-Oper unter der Lupe

Im Zusammenhang mit dem Projekt « ‹Das Schloss Dürande› von Othmar Schoeck – Szenarien zu einer interpretierenden Restaurierung» wurde eine Disseration zur Librettistik ausgeschrieben.

Laut einer Mitteilung der Hochschule der Künste Bern wird unter der Leitung von Thomas Gartmann untersucht, wo und wie sich eine NS-Kontaminierung bemerkbar macht: im Libretto von Hermann Burte wie im Umfeld von Entstehungs-, Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte.

Eine künstlerische Perspektive erprobt dazu, wie weit das Werk neu geschaffen werden kann und muss, mit einer teilweisen Neutextierung durch Francesco Micieli, in stärkerer Anlehnung an die Vorlage Eichendorffs und unter grösstmöglicher Beibehaltung der von Schoeck mitgeprägten dramaturgischen Struktur, sowie einer musikalische Neufassung von Teilen des Werkes mit vorab instrumentatorischen Retuschen durch Mario Venzago.

Eine Projektseite wird demnächst aufgeschaltet unter: www.hkb.bfh.ch
Die Dissertation zur Librettistik wurde öffentlich ausgeschrieben: www.hkb.bfh.ch/de/hkb/stellenangebote
 

Image

Meier Präsident der FH-Rektorenkonferenz

Thomas D. Meier, Rektor der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und Vertreter der Zürcher Fachhochschule (ZFH) in der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen der Schweiz (KFH), löst Marc-André Berclaz (HESSO) als Präsident des Gremiums ab. Das Vizepräsidium geht von Rudolf Gerber an Franco Gervasoni.

Thomas D. Meier, geboren 1958, steht seit 2009 der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) als Rektor vor. Vor seinem Wechsel an die ZHdK hatte er die Position als Direktor des Museums für Kommunikation in Bern inne (1996), anschliessend (2003) amtete er als Direktor der Hochschule der Künste der Berner Fachhochschule (BFH) und gleichzeitig zwischen 2008 und 2009 als Vizerektor.

Der 1967 geborene Franco Gervason ist Direktor der Scuola Universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) Er übernimmt das Amt von Rudolf Gerber, Rektor der BFH, der in den Ruhestand tritt.

Die neue Crew übernehme die KFH-Spitze in einer bildungspolitisch
herausfordernden Phase, in der es darum gehe, die neue Gesetzgebung zur Hochschulförderung und Koordination umzusetzen, schreibt die KFH.

Akkordeon — raus aus den gängigen Schubladen

Trügt der Eindruck oder ist das Akkordeon wirklich auf dem Vormarsch? Wir schauen uns in den Musikschulen um, hören von einem Quartett, das grosse Repertoirewerke für Streicher und Akkordeon neu «serviert»; und Sofia Gubaidulina, die das osteuropäische Bajan in die Neue Musik geholt hat, darf natürlich auch nicht fehlen.

Foto: Kaspar Ruoff
Akkordeon — raus aus den gängigen Schubladen

Trügt der Eindruck oder ist das Akkordeon wirklich auf dem Vormarsch? Wir schauen uns in den Musikschulen um, hören von einem Quartett, das grosse Repertoirewerke für Streicher und Akkordeon neu «serviert»; und Sofia Gubaidulina, die das osteuropäische Bajan in die Neue Musik geholt hat, darf natürlich auch nicht fehlen.

Focus

Nicht nur Schneewalzer
An Musik- und Hochschulen ist das Akkordeon auf dem Vormarsch.

Der Klang des leidenden Menschen
Sofia Gubaidulina hat eine Renaissance des Akkordeons in der Neuen Musik eingeleitet. «Der Weg aus der Sackgasse» für Elsbeth Moser.

L’accordéon au Chili : instrument phare de la cueca
Un intérêt retrouvé pour le folklore remet l’instrument au goût du jour.

Sans sourdine, mais avec accordéon
Un ensemble instrumental hors du commun : nonSordino !

La fisarmonica come incarnazione del contemporaneo
Il percorso attraverso i generi di Danilo Boggini
 

und ausserdem

RESONANCE

L’improvisation, une question de responsabilité et d’engagement.
Interview avec Jonas Kocher

Schlagen – Sprechen – Zeichnen
Schweizer Komponisten bereicherten die Berliner Maerzmusik mit physischer Unmittelbarkeit.

Schweizer Jazzpreise: wirkungsvolles Engagement
Förderpreis Credit Suisse und Jazzpreis der Zürcher Kantonalbank

Ein Sprungbrett – auch ins Ausland
m4music ist zum wichtigsten Treffpunkt der Schweizer Musikbranche geworden.

5 Rappen für 100 Streams
Viel Musik wird gehört – karges Geld geht an die Künstler: Am Festival m4music wurde darüber diskutiert.

Carte Blanche mit Markus Ganz

Rezensionen
Neuerscheinungen (Bücher, Noten, CDs)

 

CAMPUS

Tools, Tricks und theoretische Hintergründe
Die Weiterbildung in Rock und Pop an der Hochschule der Künste Bern

Die Zeiten ändern sich und mit ihnen das Schulfach Musik
Eine Ausstellung im Berner Schulmuseum in Köniz

Talentschmiede in den Alpen
Ein neues Modell der Nachwuchsförderung im Umfeld des Festivals Interlaken Classics

Rezensionen
Unterrichtsliteratur

 

FINALE

Gestreng und offen Rätsel von Thomas Meyer

Kategorien

Ungeliebt, aber überall dabei

Übersetzung Pia Schwab

Übersetzung Pia Schwab

Wenn wir Akkordeon hören, denken wir nicht nur an ein Instrument. Verschiedene, oft negativ besetzte Bedeutungen schwingen mit. So hat man ihm eine ganze Menge, meist wenig schmeichelhafter Übernamen verpasst: Maurer-, Schiffer- oder Arme-Leute-Klavier, um die Distanz zu einem richtigen Klavier deutlich zu machen, Heimatluftkompressor, um es in eine bestimmt «Musikecke» zu stellen, oder gar Quetschkommode. Es ist der Prügelknabe unter den Instrumenten.

Seltsam ist dann aber, dass dieses ungeliebte Akkordeon überall zu finden ist: in den schottischen Jigs, den Tänzen der rumänischen Fahrenden, dem argentinischen Tango, der französischen Musette und in einer ganzen Bandbreite von schweizerischer Volksmusik.

Das Akkordeon ist einfach zu transportieren und kam so mit Soldaten und Seeleuten rasch um die ganze Welt. Zudem kann es ein ganzes Orchester ersetzen. Vielleicht wurde es darum von anderen Musikern schief angeschaut: Im 19. Jahrhundert verloren viele Dorforchester durch das aufkommende Akkordeon ihre Arbeit. Es konnte eine Festgesellschaft ganz allein unterhalten, ganz ähnlich wie das heute ein DJ tut.

Vermutlich war es auch die Allgegenwärtigkeit, die schliesslich zur Ablehnung des Akkordeons führte. In meiner Kindheit war es ohne Frage zum Instrument geworden, das unsere Eltern hörten (ob sie nun Jodel- oder Jacques-Brel-Fans waren). Und wir Jungen mieden es aus Prinzip. Heute ist das zum Glück anders. Heute ist das Akkordeon wieder ins Zentrum des Interesses gerückt: in der neuen Volksmusik, aber auch in der Avantgarde.

Die «Handorgel» ist kein «Klavier zweiter Klasse», es ist ein unglaublich ausdrucksstarkes Instrument, das einen Ton unendlich lange aushalten kann und jederzeit dessen Intensität, Timbre und Vibrato kontrollieren kann. Und es ist ein vielfältiges Instrument, das je nach Gegend unterschiedliche Ausprägungen kennt. Willkommen also in der Welt des Akkordeons und des Schwyzerörgeli (von dem ich schon immer geträumt habe, es einmal bei Scrabble legen zu können).

Herzlich
Ihr

Jean-Damien Humair
 

Kategorien

Bilder zur Musik von Morton Feldman

In einem Workshop an der Design-Hochschule in Genf habe Studenten Videos zur Musik von Morton Feldman geschaffen.

Der Pianist Ivan Ilić wurde im Frühjahr dieses Jahres von der Haute école d’art et de design de Genève eingeladen, während einer Woche mit den Studentinnen und Studenten Videos zu kreieren. Dabei sollten die künftigen Designer die Musik Morton Feldmans kennenlernen und Bilder dazu schaffen: Auszug aus Feldmans Palais de Mari. Klavier Ivan Ilić, Video Stefan Botez

m4music: 5 Rappen für 100 Streams

Wie bereits 2012 wurde am diesjährigen m4music darüber diskutiert, dass unverändert viel Musik gehört wird, aber nur karges Geld zu den Künstlern fliesst.

Die Schweiz ist bekannt für ihr liberales und deshalb umstrittenes Urheberrecht. Bei der Podiumsdiskussion Welches Urheberrecht braucht die Schweiz? war der Ruf nach einer kompletten Revision allerdings kaum noch zu vernehmen. Gefordert wurde vielmehr eine zeitgemässe Auslegung. Tim Renner, Geschäftsführer von Motor Music, erinnerte in seiner Einleitung an das Aufkommen des Radios. Dieses sei ursprünglich als Quelle der Künstlerenteignung empfunden worden. «Musik war plötzlich überall und gratis. Mit der Konsequenz, dass die damalige Schallplattenindustrie auf 5% ihres Volumens zusammengesackt ist.» Jetzt befinde man sich in einer vergleichbaren Situation. «Deshalb brauchen wir Regelungen, die für alle gelten», wie den Kontrahierungszwang, «die rechtliche Verpflichtung, mit einem andern ein Rechtsverhältnis zu begründen» (Wikipedia). Damit könnten Rechteinhaber eines Musikstücks und Nutzer wie die Swisscom zu einer Einigung gezwungen werden.

«Google is too big to pay.»

Poto Wegener, Direktor der Swissperform, sieht im Kontrahierungszwang kein Allheilmittel. So würden etwa Konzerte nicht abgedeckt. Er wünschte sich ein Urheberrecht, das zwischen den verschiedenen Interessenten vermittelt und kritisierte nicht zuletzt das Internet-Unternehmen Google, das mit Gratis-Musikinhalten Millionen verdiene: «Google is too big to pay.» Der Präsident von Musikschaffende Schweiz, Christoph Trummer, erwartet vom Gesetz, dass es die Werke schützt, und Lorenz Haas, Geschäftsführer der Labelverbandes IFPI Schweiz, war es ein Anliegen, das Gebaren von Infrastrukturbetreibern beeinflussen zu können: «Wir fordern von den Hostingprovidern das Einhalten gewisser Sorgfaltspflichten.» Nationalrat Balthasar Glättli von den Grünen kam zum Schluss: «Damit das Urheberrecht neu gestaltet werden kann, müssen sich die Akteure zunächst mal einigen.»

«Für 100 Streams gibt es fünf Rappen.»

Die anschliessende Diskussionsrunde, (Wie) Verdienen Künstler Geld im Internet?, brachte vor allem die im Musikbusiness und bei den Verwertungsgesellschaften herrschende Ungewissheit zum Ausdruck. Während Oliver Sittl, Senior A&R bei Believe Digital, die Möglichkeiten des globalisierten Marktes in höchsten Tönen anpries, verwies Irène Philipp Ziebold, Direktorin der Urheberrechtsgesellschaft Suisa, auf die karge Realität: «Für 100 Streams gibt es fünf Rappen.» Alles andere als ein angemessener Preis, wie sie festhielt. «Wir sind auch weiter am Verhandeln mit dem Videoportal YouTube, doch deren Angebote sind teilweise unglaublich tief.» Ginge man darauf ein, würde die Suisa den von ihr vertretenen Künstlern keinen Gefallen erweisen, sagte sie.

Es dürfe nicht angehen, dass es 15 Jahre dauere, bis ein Musiker jene 50 000 Franken wieder eingespielt habe, die ein Album nun einmal koste, betonte auch Christoph Trummer. Aus dem Publikum meldete sich Daniel Schönberger, Leiter der Rechtsabteilung von Google Schweiz, und erklärte, er habe in der Diskussion einiges nicht sehr Schmeichelhaftes über sein Unternehmen anhören müssen. Er empfand die Kritik, Google scheffle Milliarden mit Musikinhalten von Dritten, als undifferenziert. «Wir sind eine Suchmaschine und liefern vor allem legale Inhalte.» Und das gratis.

Die Freiburger Staatsrätin Isabelle Chassot wird die neue Direktorin des Bundesamtes für Kultur (BAK). Der Bundesrat hat die Freiburgerin zur Nachfolgerin von Jean-Frédéric Jauslin ernannt.

Jauslin nimmt im September die Funktionen als Botschafter der Unesco und der Frankophonie in Paris auf. Isabelle Chassot tritt ihr Amt im November 2013 an. Interimistisch übernimmt der stellvertretende Direktor Yves Fischer die Leitung des Amtes.

Isabelle Chassot (48) ist seit 2002 Staatsrätin des Kantons Freiburg, wo sie der Direktion für Erziehung, Kultur und Sport vorsteht. Seit 2006 ist sie Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK. In dieser Funktion beteiligte sie sich von Anfang an am Nationalen Kulturdialog.

Isabelle Chassot war vor ihrer Wahl in die freiburgische Regierung persönliche Mitarbeiterin von Bundesrat Arnold Koller und von Bundesrätin Ruth Metzler.

Der Regierungsrat des Kantons Aargau hat ein Gesuch der Schweizerischen Akademie für Musik und Musikpädagogik über einen Beitrag von insgesamt 260‘000 Franken aus dem Swisslos-Fonds bewilligt.

Der Beitrag dient dem Aufbau eines Masterstudiums in Musik, von dem eine vielversprechende Ausstrahlung im Kanton Aargau erwartet werden dürfe, schreibt der Aargauer Regierungsrat. Beim geplanten Masterstudiengang handelt es sich um ein gegenüber den Studiengängen der Musikhochschule der FHNW komplementäres Nischenangebot.

Die Schweizer Akademie für Musik und Musikpädagogik SAMP mit Sitz in Aarau stellt in der ganzen Schweiz ein Angebot an vollwertigen musikalischen und musikpädagogischen Berufsstudien in Klassik und Jazz & Popularmusik bereit.

Durch die SAMP werden die bisherigen SMPV-Studiengänge Lehrdiplom und Konzertdiplom im Auftrag des SMPV geführt. Zugleich sind in Kooperation mit der Kalaidos Fachhochschule neue Studiengänge im Angebot und in Planung. Der Bachelor of Arts in Musik steht interessierten Studierenden bereits seit Herbst 2010 offen.

Hohe Auszeichnungen für Zürcher Tanzstudierende

Die 15-Jährige Lou Spichtig, Absolventin der Tanz Akademie Zürich, die zur Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) gehört. hat am Youth America Grand Prix in ihrer Alterskategorie die Goldmedaille gewonnen. Grosse Erfolge haben auch weitere Zürcher Studierende erzielt.

Lou Spichtig ist überdies der Outstanding Artist Award des Dance Magazine Europe verliehen worden. Sie studiert seit 2008 an der Tanz Akademie Zürich und ist bereits mehrfach ausgezeichnet worden.

Zwei weitere ZHdK-Studierende haben in New York brilliert. Der 19-jährige Leonardo Basilio hat für seine Darbietung eine Silbermedaille gewonnen, die 17-jährige Maiko Tsutsui hat den Einzug ins Finale geschafft und den vierten Platz erreicht.

Der Youth America Grand Prix wurde 1999 von zwei ehemaligen Tänzern des Bolschoi-Balletts ins Leben gerufen und dient seither als Sprungbrett für angehende klassische professionelle Tänzerinnen und Tänzer aus der ganzen Welt.

Die Solo-Variationen der Ausgezeichneten werden an der Galavorstellung Fussspuren IX der Tanz Akademie Zürich im Schauspielhaus Zürich, Pfauen, am 18. (ausverkauft) und 20. Mai präsentiert.
 

Friedl-Wald-Stipendien vergeben

Der Saxophonist Lino Blöchlinger und der Posaunist Maro Widmer – beide Studierende der Berner Hochschule der Künste (HKB) – erhalten ein Stipendium der Friedl-Wald-Stiftung in der Höhe von je 14’000 Franken.

Lino Blöchlinger ist Absolvent eines Bachelor-Lehrganges Jazz, Maro Widmer strebt einen Master-Abschluss C&T Jazz Composition & Arrangement an.

Die Basler Friedl-Wald-Stiftung unterstützt förderungsbedürftige und förderungswürdige Schweizer Theater- und Musikschaffende, die das 26. Altersjahr noch nicht vollendet haben. Die Stifterin Friedl Wenner-Wald, war unter ihrem ledigen Namen Friedl Wald eine bekannte und beliebte Schauspielerin.

Heimische Acts nutzen internationale Plattform

Die Schweizer Acts Evelinn Trouble, Velvet Two Stripes und Peter Kernel haben die Gelegenheit, ihr Schaffen im Rahmen des bedeutenden Branchenfestivals The Great Escape im britischen Brighton Veranstaltern und Produzenten zu präsentieren.

Foto: Reto Schmid

The Great Escape gilt als einer der wichtigsten Umschlagplätze Europas für zeitgenössisches Musikschaffen. Besucht wird er sowohl vom breiten Publikum als auch von Talentscouts und weiteren Branchenprofis. Erwartet werden dieses Jahr 15’000 Besucher.

In Brighton werden im Rahmen des 2006 gegründeten Festivals 30 Lokale bespielt. Darüberhinaus werden Debatten, Workshops und Networking-Anlässe veranstaltet. Insgesamt treten 350 lokale und internationale Künstler auf. Der Anlass ist ausverkauft.

Die Schweizer Promotionsorganisation Swiss Muisc Export veranstaltet in Brighton in Zusammenarbeit mit der Fondation SUISA und Pro Helvetia zum ersten Mal einen eigenen Event, den Swiss Business Mixer. Die drei Schweizer Gruppen präsentieren sich sowohl im Rahmen dieses Anlasses als auch im offiziellen Festival-Programm.

Mehr Infos: mamacolive.com/thegreatescape
 

get_footer();