Neuausrichtung der «Tage für Neue Musik»
Im Rahmen eines dreijährigen Pilotprojekts sollen die Zürcher «Tage für Neue Musik» als Festival für zeitgenössische Musik eine inhaltliche Neuausrichtung erfahren. Die Dienstabteilung Kultur der Stadt wünscht sich eine neue private Trägerschaft.

Die Stadt Zürich sucht laut ihrer Medienmitteilung für die Jahre 2021 bis 2023 eine Trägerschaft der bisherigen «Tage für Neue Musik». Sie sollen im Rahmen des vorliegenden Pilotprojekts sowohl inhaltlich wie formal eine Neuausrichtung und Neupositionierung erfahren. Die Auswahl eines geeigneten Betriebs- und Programmkonzepts erfolgt durch ein zu diesem Zweck gegründetes Gremium mit externen Fachpersonen unter dem Vorsitz des Kulturdirektors der Stadt Zürich.
Die Stadt unterstützt das Festival in der dreijährigen Pilotphase mit einem einmaligen Beitrag von insgesamt 850’000 Franken. Dieser unterteilt sich in einen Startbeitrag von 100’000 Franken im Jahr 2020 und Betriebsbeiträge von je 250’000 Franken für die Jahre 2021 bis 2023. Während der Pilotphase wird das Festival evaluiert. Danach kann die weitere Unterstützung durch die Stadt durch jährliche Betriebsbeiträge geprüft und bei den zuständigen Stellen beantragt werden.
Das Festival für zeitgenössische Musik wurde seit 1986 jährlich durchgeführt. Aufgrund begrenzter finanzieller Mittel wurde 2016 auf einen zweijährlichen Rhythmus umgestellt. Die Reaktion der Musikszene und die Erfahrungen mit dem Ersatzfestival «Focus Contemporary Zürich West» im Jahr 2017 zeigten, dass ein jährliches Festival der zeitgenössischen Musik in Zürich einen hohen Stellenwert hat. Mit dem vorliegenden Pilotprojekt soll eine inhaltliche Neuausrichtung des Festivals geprüft und evaluiert werden.
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Wallis unterstützt Veranstalter
Die Dienststellen des Staates Wallis werden den Organisatoren kantonal unterstützter Veranstaltungen die zugesagten Beträge auszahlen, auch wenn diese aufgrund der Coronavirus-Epidemie abgesagt werden müssen.

Die Kosten, die durch die Vertagung einer Veranstaltung entstehen, werden laut der Meidenmitteilung des Kantons ebenfalls berücksichtigt. Die Zahlung von Subventionen für eine abgesagte oder verschobene Veranstaltung kann nur im Falle eines Defizits erfolgen.
Der Staat Wallis unterstützt zahlreiche Veranstaltungen durch die Gewährung von Subventionen, vor allem in den Bereichen Tourismus, Kultur und Sport. Er verpflichtet sich, die Zahlung der gesprochenen Beträge für jede aufgrund der Coronavirus-Epidemie abgesagte oder verschobene Veranstaltung aufrechtzuerhalten.
Im Falle einer Absage bleiben die zugesagten Zuschüsse den Begünstigten erhalten, sofern sie sich auf die angefallenen Kosten beziehen, die bereits gezahlt wurden oder noch bezahlt werden müssen.
Im Falle einer Vertagung der betroffenen Veranstaltung werden die zugesagten Beträge für die Ausgabe am neuen Datum beibehalten. Ausgaben, die sowohl für die ursprünglich geplante als auch für die verschobene Ausgabe anfallen, können beim Nachweis der entstandenen Kosten berücksichtigt werden. Etwaige Verluste aus früheren Ausgaben können jedoch nicht berücksichtigt werden.
Die betroffenen Dienststellen werden die zugesagten Zahlungen leisten, jedoch vorbehaltlich der Einhaltung der offiziellen Empfehlungen durch die Organisatoren zum Zeitpunkt des Entscheids über die Absage oder Verschiebung der Veranstaltung. Der Zusammenhang zwischen diesem Entscheid und der Coronavirus-Epidemie muss ebenfalls klar sein.
Bildnachweis
Fotograf: Oliver Cossalter
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Palais_du_Gouvernement_Sion.jpg
Lizenz:
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en
Sonate für Klavier Nr. 30
Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf die Sonate für Klavier E-Dur op. 109.

Es gibt die, die immer pünktlich sind. Sie liefern ihre Arbeit in einem ordentlichen Zustand vor der Zeit oder auf den Punkt ab. Und sie hinterlassen auch den Eindruck eines vollkommen geregelten Lebenswandels. Und es gibt die, die einfach immer etwas länger brauchen. Leicht fällt dann das böse Wort vom Prokrastinieren, dabei geht es hier um eine spezielle Form der Kreativität, die nicht den Reiz des «letzten Moments» auskostet, wohl aber erst unter erhöhtem Druck zu den allerbesten Ergebnissen kommt. Ganze Opernouvertüren sind mit dieser verbreiteten Schaffens-Disposition über Nacht gerade noch rechtzeitig fertig geworden. Bis am Ende aber alles gut wird, muss vielfach im Terminkalender geschoben, vertröstet und entschuldigt werden.
Auch Beethoven zählte nicht zu den pünktlichsten Komponisten. Nachdem er den Berliner Verleger schon bei den Schottischen Liedern op. 108 hingehalten hatte, verzögerte sich auch die Ausarbeitung der nicht nur nach aussen hin als Gruppe verstandenen Sonaten op. 109, op. 110 und op. 111. Noch am 31. Mai 1820 hatte er alle Werke für Juli angekündigt – passiert war freilich wenig. Auch die gutwillige Erinnerung im August durch den befreundeten Franz Oliva half nur wenig («auf die Sonate nach Berlin müssen Sie denken»). Schliesslich sah sich Beethoven gezwungen, dem Verlag Auskunft über den Stand der Arbeit zu gewähren. Mit bekannten Schlüsselwörtern und Formulierungen, die sich in solchen Situationen über die Jahrhunderte kaum verändert haben: «Mit den 3 Sonaten wird es schneller gehen als zuletzt mit op. 108; – die erste ist fast bis zur Correctur ganz fertig, und an den beyden lezten arbeite ich jetzt ohne Aufschub.»
Das Warten hat sich freilich gelohnt. Schlesinger bekam Anfang 1821 endlich die versprochene Stichvorlage, vor allem aber Werke, die am Ende von Beethovens Sonatenschaffen konzeptionell einen Aufbruch darstellen. Im Fall der E-Dur-Sonate op. 109 mit einem Kopfsatz, der nicht nur kleinformatig ist, sondern sich auch mit seinen fantasiehaften Adagio-Einschüben von der gängigen Struktur entfremdet, einem forschen, durchkomponierten Scherzo in Moll und einem Variationssatz, der sich mit seinen mehr oder minder deutlichen Rückbezügen alsbald als Finale erweist. Er bildet den Kern der Komposition, auch und gerade mit seinem berührenden Ausdrucksgehalt: Gesangvoll mit inniger Empfindung.
Hören Sie rein!
Petrenko überzeugt als Klangorganisator
Die Berliner Philharmoniker sind glücklich mit ihrem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko. An den Osterfestspielen in Baden-Baden spielen sie unter seiner Leitung Beethoven und Mahler.

Die Berliner Philharmoniker haben schon längst die Bühne verlassen, da kommt Kirill Petrenko nochmals zurück, weil das Publikum nicht aufhört zu klatschen. Der Dirigent verbeugt sich und zeigt hinter sich auf die leeren Stühle. Nicht er, sondern das Orchester verdiene den Beifall, möchte er sagen, auch wenn die Musiker schon beim Feierabendbier sind. Dann huscht der freundliche, kleine Mann wieder mit schnellen Schritten hinaus. Oft hat das Publikum in der Berliner Philharmonie den neuen Chefdirigenten seit Ende August letzten Jahres nicht erlebt, weil Petrenko noch als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München gebunden ist. Beethovens 9. Sinfonie zum Saisonstart, auch am Brandenburger Tor aufgeführt, ein Silvesterkonzert mit der Sopranistin Diana Damrau und die 6. Sinfonie von Gustav Mahler waren bisher die einzigen Programme, die Petrenko in Berlin dirigierte.
An diesem vierten Konzert zeigt sich der neue Chefdirigent im ersten Teil, bei Igor Strawinskys durchaus spröder Symphonie in drei Sätzen und Bernd Alois Zimmermanns sinnlich-groovender Ballettsuite Alagoana, als recht nüchterner Klangorganisator, der häufig mit beiden Armen parallel dirigiert, den Kopf immer wieder in der Partitur hat und klare Einsätze gibt. Kirill Petrenko ist kein Zampano, sondern ein Handwerker. Seine Zeichengebung ist funktional, nicht ästhetisch: kein Kringel zu viel. Er inszeniert sich nicht, sondern macht einfach nur seinen Job. Dabei kann Petrenko im Dirigat aber auch freier werden und den Dingen ihren Lauf lassen, wie es im zweiten Teil, bei den perfekt ausbalancierten Symphonischen Tänzen von Sergej Rachmaninow, zu erleben ist. Den Bläsersoli gibt er genügend Atem, die Homogenität der Streicher beglückt. Alles perfekt aufeinander abgestimmt – die Mannschaft ist der Star.
Der Oper sehr verbunden
Wie genau Petrenko an der Balance arbeitet, kann man in der Generalprobe zuvor beobachten. Kein einfacher Durchlauf ist das, sondern ein Suchen und Finden von modellierten Übergängen, klaren Rhythmen und feinen dynamischen Unterschieden. Freundlich, aber bestimmt, mit leiser Stimme spricht der neue Chef – und die Berliner Philharmoniker spitzen die Ohren. «Kirill Petrenko kommt so gut vorbereitet in die Probe, wie ich es von niemand anderem kenne», sagt Cellist und Orchestervorstand Knut Weber im anschliessenden Gespräch. «Er weiss immer genau, was er korrigieren möchte, und ist dabei sehr schnell. Die Spannung im Orchester ist derzeit auf einem Level, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe.» Von einem langen Honeymoon ist beim Pressegespräch die Rede und von einem Zauber, der noch lange währen werde. «Wir lernen uns ja erst kennen», ergänzt die aus Sankt Georgen im Schwarzwald stammende Intendantin Andrea Zietzschmann. «In der ersten Saison ist er nicht überpräsent. Das tut auch dieser wachsenden Beziehung gut.»
Eine kürzere Tournee im Herbst mit ihm am Pult wurde schon absolviert, zwei weitere werden in dieser Saison noch kommen. Vor allem aber stehen die Osterfestspiele Baden-Baden vor der Tür, die Kirill Petrenko, der ganz der Oper verbunden ist und vor München bereits in Meiningen und der Komischen Oper Berlin Generalmusikdirektor war, am 4. April mit Beethovens Fidelio eröffnet. Die slowenische Schauspiel-Regisseurin Mateja Koležnik wird in Baden-Baden erstmals eine Oper inszenieren und dabei Florestans Wahrnehmung durch Träume erweitern, verrät Andrea Zietzschmann. «Mit unserer Artist in Residence Marlis Petersen haben wir auch eine exzellente Sängerdarstellerin als Leonore.»
Knut Weber freut sich sehr auf die Osterfestspiele und verspricht ein «Feuerwerk an Inhalt». Dass alle 16 Streichquartette Beethovens sowie die Grosse Fuge von 17 verschiedenen Ensembles der Berliner Philharmoniker im Kurhaus Baden-Baden gespielt werden, sei ambitioniert. «Gerade in den Kammerkonzerten schätzen wir auch die vielen persönlichen Begegnungen, die wir mit dem Publikum haben. Dieser direkte Kontakt ist etwas ganz Besonderes in Baden-Baden», sagt er. Neben den Gastdirigenten Herbert Blomstedt, Tugan Sokhiev und dem für Yannick Nézet-Séguin eingesprungenen Schweizer Dirigenten Lorenzo Viotti ist Kirill Petrenko auch in den Orchesterkonzerten zu hören: mit Beethovens Missa solemnis, exklusiv in Baden-Baden, und Mahlers 6. Sinfonie, mit der sich Simon Rattle von den Berliner Philharmonikern verabschiedet hatte.
Die Osterfestspiele möchte Zietzschmann noch stärker international vermarkten. Den immer wieder auftauchenden Abwanderungsgerüchten, dass die Berliner Philharmoniker wieder nach Salzburg zurückkehren würden, begegnet sie mit einem selbstbewussten Lächeln: «Wir fühlen uns in Baden-Baden zu Hause.» Und kündigt an, dass Kirill Petrenko ab 2022 als Operndirigent nur noch in Baden-Baden zu erleben sein werde. Darüber wird man nicht nur in Salzburg enttäuscht sein. Aber Baden-Baden darf sich freuen.
Kantonsmassnahmen zur Epidemieeindämmung
Suisseculture hat für Veranstalter eine Liste aufgeschaltet, der zu entnehmen ist, welche Massnahmen einzelne Kantone zur Corona-Krise getroffen haben.

Die Regelungen werden von den verschiedenen Kantonen zur Zeit uneinheitlich gehandhabt, schreibt Suisseculture, grundsätzlich gelte jedoch fast überall, dass alle Veranstaltungen (privat und öffentlich) dem jeweiligen Kanton gemeldet werden müssen und dass das Publikum darauf hingewiesen werden muss, dass niemand Zutritt erhält, der in den letzten zwei Wochen die vom BAG definierten betroffenen Gebiete besucht hat.
Die folgenden Informationen zu den einzelnen Kantonen können sich laufend ändern. Wer Fragen zu einer konkreten Veranstaltung habe, müsse sich an die Behörden des entsprechenden Kantons wenden. Alle Kantone stellten auf ihren Websites entsprechende Informationen und Kontaktadressen zur Verfügung.
Link zur Suissculture-Zusammenstellung:
https://www.suisseculture.ch/index.php?id=23&tx_ttnews%5Byear%5D=2020&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Btt_news%5D=172&cHash=0f7d764ef005efe2e835fbbec954f755
Musikmesse Frankfurt vertagt
Wegen der fortschreitenden Ausbreitung der durch ein neues Coronavirus verursachten Krankheit Covid-19 wird die Musikmesse 2020 verschoben. Die regionalen Veranstaltungen «Musikmesse Plaza» und «Musikmesse Festival» finden wie geplant statt.

Wie die Messe Frankfurt mitteilt, habe sie sich aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Covid-19 in Europa für die Verschiebung der Musikmesse 2020 entschieden. «Die Gesundheit der Aussteller, Besucher, Partner und Mitarbeiter habe für die Messe Frankfurt oberste Priorität. Der neue Termin wird in Kürze bekannt gegeben. Besuchertickets behalten ihre Gültigkeit.
Der Pop-up Erlebnismarkt ‹Musikmesse Plaza› (3. und 4. April) sowie das ‹Musikmesse Festival› (31. März bis 4. April 2020) können aus heutiger Sicht zu den geplanten Terminen stattfinden. Diese Events richten sich vor allem an ein regionales Publikum aus dem Grossraum Frankfurt.
Die weiterhin verstärkte Verbreitung von Covid-19 in Europa erforderte eine neue Bewertung der Situation in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt. Es soll vermieden werden, dass Teilnehmer der Messe aus Risikogebieten kommen und erkrankt die Messe besuchen. Da diese Messeteilnehmer möglicherweise auch an Covid-19 erkrankt sein können, ist eine gesundheitliche Überprüfung notwendig, um einer weiteren Infektionsausbreitung entgegen zu wirken. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der infektiologischen Risikobewertung. Die notwendige Umsetzung kann durch die Messe Frankfurt nicht realisiert werden. Hinzu kommen vermehrt Reiserestriktionen, die es potenziellen Besuchern wie Ausstellern erschweren, an der Messe teilzunehmen.
Aktuelle Informationen sind abrufbar unter www.musikmesse.com.»
Musikmesse 2020 abgesagt!
Aktualisierung am 13. März 2020
Coronavirus bedroht Musikbranche
Während überall im Land Konzerte abgesagt werden, wächst wegen des Coronavirus in der Musikbranche die Sorge vor einer wirtschaftlichen Katastrophe.

Alle Beteiligten bei Konzerten, die in den nächsten zwei Wochen geplant sind, müssen laut Sonart, dem «Berufsverband freischaffender Musiker*innen», mit grossen Einnahmeausfällen rechnen. Wenn die Massnahmen verschärft oder verlängert werden, also auch Veranstaltungen mit weniger als 1000 Personen abgesagt werden, oder der Ausnahmezustand über den 15. März hinaus bestehen bleibt, wachsen die Verluste mit jedem Tag.
Da sehr viele Musikschaffende in Ensembles, Bands und teilweise Orchestern selbständig erwerbend sind, treffen sie solche Ausfälle besonders hart. Das gilt für das ganze Spektrum, für Jazz- und Popbands ebenso wie für Opern- oder Klassikproduktionen. Freischaffende verdienen oft grosse Teile ihres Jahreseinkommens in der kurzen Zeit, in der die Auftritte stattfinden und müssen so lange Vorbereitungs- und Probephasen querfinanzieren.
Wenn Konzerte nicht stattfinden, betrifft das sehr direkt auch die Veranstalter. Abgesagte Einzelveranstaltungen sind katastrophal betroffen. Auch regelmässige programmierende Musikveranstalter arbeiten oft mit wenig Reserven, so dass schon die Ausfälle von ein paar Wochen zu existentiell bedrohlichen Finanzlöchern führen können.
Sonart erwartet vom Bundesrat, dass er neben den anderen berechtigten Wirtschaftszweigen auch die Musikbranche in ihrer Gesamtheit im Bewusstsein hat und mit einbezieht, wenn weitere Massnahmen und Kompensationsmöglichkeiten diskutiert werden.
Suisseculture begrüsst Kulturbotschaft
Suisseculture, der Dachverband der professionellen Kulturschaffenden, nimmt die neue Kulturbotschaft des Bundes mit Zufriedenheit und Skepsis zur Kenntnis, auch die Massnahmen im Bereich der musikalischen Bildung.

Der Bundesrat mache klar, dass er in der Förderperiode das bisherige Beitragsniveau erhalten will, schreibt Sussculture in einer offiziellen Medienmitteilung. Dies betrachtet der Verband als verbindliches Versprechen und erhofft sich, dass das Parlament diesem Vorschlag folgen wird.
Zwar erachtet Suisseculture die Kulturausgaben von 222,6 Millionen Franken ab 2021 als ausreichend, hält gleichzeitig aber auch fest, dass mit dieser faktischen Fortschreibung des Status Quo keine grossen Entwicklungsschritte möglich sind. Ganz besonders gelte dies auch für die an sich willkommenen Massnahmen im Bereich der musikalischen Bildung: Hier werde ein Bildungsbereich mit Kulturgeldern gefördert. Sollte das Parlament den Budgetrahmen enger fassen, erwartet der Verband, dass der Bund prüft, wie andere Budgets diese Massnahmen mittragen können.
Die ganze Stellungnahme:
Serenade D-Dur
Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf die Serenade für Flöte, Violine und Viola.

Viel zu selten wird reflektiert, dass es oftmals nicht die Komponisten waren, die mit ihren Werken erklärtermassen Musikgeschichte schrieben, sondern vielmehr jene fleissigen Autoren, die auf der Basis von Partituren, Briefen und anderen Dokumenten überhaupt erst einen greifbaren Kontext und Zusammenhang herstellen. Und je weiter man durch die Jahrhunderte zurückgeht, desto weitläufiger werden die Interpretationen und Hypothesen, auf denen sich dann oftmals auch umfassende Gedankengebäude gründen. Bei Beethoven geschieht das weniger – so wähnt man sich sicher und lehnt sich entspannt zurück.
Doch weit gefehlt! Wer bei Beethoven nur an die hinter den grossen Werken wirkenden Ideen glaubt, der wird immer wieder in Erklärungsnot geraten und verzweifelt Argumente bemühen, die Denkordnung wieder glatt zu ziehen. So auch bei der 1802 im Druck erschienenen Serenade op. 25 für Flöte, Violine und Viola. Schon Bezeichnung und Besetzung muten eigenartig peripher an. Hatte Beethoven nicht von seinem Opus 1 ausgehend die ersten Streichquartette op. 18 geradezu systematisch vorbereitet? Hatte er nicht schon längst die überkommenen Traditionen des 18. Jahrhunderts abgestreift? Warum eine Komposition ohne Bass? Und die Tempobezeichnung Allegro disinvolto (heiter lässig) im Finale? –
Wie wunderbar bequem war es da, die Serenade einfach als ein Werk aus Bonner Zeit zu datieren (was aufgrund von Skizzen nicht haltbar ist) oder gar zu vermuten, Beethoven habe mit der Serenade lediglich Giovanni Cappi mit seinem neu gegründeten Verlag helfen wollen. Vielleicht habe auch Cappi selbst den Druck mit der Opuszahl versehen …
Warum aber hätte Beethoven keine Serenade schreiben sollen, nur weil er sich in anderen Gattungen anschickte, nach den Sternen zu greifen? Hilfe und Aufklärung finden sich einhundert Jahre später in einem Brief von Max Reger. Der nämlich hatte nach einem in Form und Textur sinfonisch dimensionierten Streichquartett op. 74 seinem Verlag die dazu im scharfen Kontrast stehende klassizistische Serenade op. 77a (wie bei Beethoven in D-Dur und in identischer Besetzung) am 22. April 1904 mit den Worten an Herz gelegt:
«Anbei finden Sie etwas allerleichtestes, einfachstes u. sehr melodiöses …. Doch bitte ich Sie sehr, dieses kleine unscheinbare Heftchen … nicht ‹von der Seite› ansehen zu wollen, da op. 77a für jeden Fall dazu geeignet sein wird, mir sehr viel neue Freunde zu erwerben u. endlich mal jene Ignoranten ein bißchen zum Schweigen bringen wird, welche da immer behaupten, daß ich nur ‹kompliziert› schreiben könnte u. den ‹Mangel an Einfällen›, den ‹Mangel an Gemüth› durch ‹Wust u. Compliziertheit› verdecken ‹müßte›!»
Hören Sie rein!
Deutscher Musikmarkt wächst
Die Musikindustrie in Deutschland verzeichnet nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr auch im Gesamtjahr 2019 ein deutliches Umsatzplus: Die Einnahmen aus Musikverkäufen und Erlösen aus dem Streaminggeschäft wuchsen um 8,2 Prozent.

In Summe kamen die Einnahmen auf 1,623 Milliarden Euro. Nach den zwei rückläufigen Vorjahren 2017 und 2018 folgt der viertgrösste Musikmarkt der Welt damit 2019 wieder der seit einigen Jahren positiven globalen Entwicklung. Zu dem Umsatzzuwachs haben mehrere Faktoren geführt: die Dynamik des Audio-Streamings (plus 27 Prozent), ein gegenüber dem Vorjahr nahezu halbierter Rückgang der Umsätze mit CDs (minus 10,5 Prozent) sowie ein Plus von 13,3 Prozent bei Vinyl-Schallplatten.
Audio-Streaming als führendes Marktsegment kommt nunmehr auf einen Anteil von 55,1 Prozent am Gesamtumsatz, gefolgt von der CD (29 Prozent), Downloads (6,2 Prozent) und Vinyl (4,9 Prozent Umsatzanteil). Insgesamt sind im vergangenen Jahr 64,4 Prozent der Einnahmen in digitalen Geschäftsfeldern (plus 20,8 Prozent) und, entsprechend, 35,6 Prozent mit physischen Tonträgern (minus 8,9 Prozent) generiert worden.
Mit Blick auf die Anteile bestimmter Musikrichtungen am Umsatz bleibt zwar Pop 2019 mit 25,8 Prozent das umsatzstärkste Genre. Erstmals hat sich aber HipHop/Rap mit einem Anteil von 19,7 Prozent sehr knapp vor Rock (19,6 Prozent) auf Platz 2 geschoben. Ebenfalls unter den nach Umsatz erfolgreichsten fünf Segmenten befinden sich Kinderprodukte (9,8 Prozent) und Dance (7,3 Prozent).
Bisher unbekannter Beethovenländler entdeckt
Ein bis dato unbekanntes und unveröffentlichtes Klavierstück Ludwig van Beethovens wurde von Jochen Reutter, dem Chefredakteur der Wiener Urtext Edition, bei Recherchen in der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus gefunden.

Das Werk ist auf einem Doppelblatt mit Skizzen von Ludwig van Beethoven aus den Jahren 1790 bis 1792 notiert. Am Ende der vierten Seite hatte man unter der Vielzahl unterschiedlichster Skizzen schon vor längerer Zeit ein Andante genanntes Klavierstück entdeckt. Dass sich aber auch auf der ersten Seite ein vollständiges kleines Klavierstück verbirgt, war bislang unbekannt geblieben. Es trägt keinen Titel und beginnt nicht am Anfang, sondern erst gegen Ende einer Zeile, unmittelbar im Anschluss an eine vorhergehende Skizze, was die Auffindbarkeit erschwert.
Als bis dato unbekanntes Stück scheint es noch nicht im neuen Werkverzeichnis auf und trägt weder Opuszahl noch WoO-Nummer. Das 16-taktige Stück zeigt vom musikalischen Charakter her Züge eines Ländlers. Beethoven hat die Melodiestimme seines Stückes lückenlos aufgezeichnet, an wenigen Stellen sogar überarbeitet, die Begleitung in abgekürzter Form notiert. Das Stück erscheint als Erstausgabe der Wiener Urtext Edition (UT 50296).
Wolken
Wolken «hören»? Ja! Der Begriff «Klangwolke» bietet einen grossen Deutungsspielraum: Von der Musik in der Cloud über Ambient als musikalische Duftwolke, diffuse akustische Felder bis hin zu gleichnamigen Musikstücken.

Wolken «hören»? Ja! Der Begriff «Klangwolke» bietet einen grossen Deutungsspielraum: Von der Musik in der Cloud über Ambient als musikalische Duftwolke, diffuse akustische Felder bis hin zu gleichnamigen Musikstücken.
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Focus
Umhüllt von Schall
Interview mit dem Akustiker Jürgen Strauss
Sur un nuage de moins en moins noir
La musique dématérialisée dans le nuage
Django Reinhardts «Nuages»
Musik wie Wolken
Ambient als aktives Nicht-Zuhören
Nur Wasser und Luft?
Von Klangwolken und -nebeln
… und ausserdem
RESONANCE
La musique est-elle politique, abstraite, métaphysique ?
Genevois à lʼhonneur — au programme de lʼOrchestre Da Capo
Das Opernhaus als Treffpunkt — Aviel Cahns erste Genfer Saison
Prophet im eignen Land — die Basler Madrigalisten mit Ammann und Raff
Die Tochter der fernen Geliebten — Minona, Oper von Jüri Reinvere
Der geheimnisvolle Graf und sein Festival — Scelsi-Konzerte in Basel
Im Dschungel verloren — Manuel Rengglis «Brass-Oper» in Luzern
Carte blanche für Max Nyffeler
CAMPUS
Primarschüler neben Profis — Orchesterschule Insel und SOB
Unternehmertum und Lobbying als Vorbild — FMB des VMS in Baden
Zusammen denken und hineinwirken — Symposium in Feldkirch
Das neue «Musiklexikon der Schweiz» ist online
BASIS
Artikel und Nachrichten aus den Musikverbänden
Eidgenössischer Orchesterverband (EOV) / Société Fédérale des Orchestres (SFO)
ForumMusikDiversität (FMD) / ForumDiversitéMusicale (FMD)
Konferenz Musikhochschulen Schweiz (KMHS) / Conférence des Hautes Ecoles de Musique Suisse (CHEMS)
Kalaidos Musikhochschule / Kalaidos Haute École de Musique
Schweizer Musikrat (SMR) / Conseil Suisse de la Musique (CSM) und CHorama
Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (SMG) / Société Suisse de Musicologie (SSM)
Schweizerischer Musikerverband (SMV) / Union Suisse des Artistes Musiciens (USDAM)
Schweizerischer Musikpädagogischer Verband (SMPV) / Société Suisse de Pédagogie Musicale (SSPM)
SONART – Musikschaffende Schweiz
Stiftung Schweizerischer Jugendmusikwettbewerb (SJMW) und Arosa Kultur
SUISA – Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik
Verband Musikschulen Schweiz (VMS) / Association Suisse des Écoles de Musique (ASEM)
FINALE
Rätsel — Torsten Möller sucht
Reihe 9
Seit Januar 2017 setzt sich Michael Kube für uns immer am 9. des Monats in die Reihe 9 – mit ernsten, nachdenklichen, aber auch vergnüglichen Kommentaren zu aktuellen Entwicklungen und dem alltäglichen Musikbetrieb.
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Höhenausflüge auf dem Cello
Der Lausanner Cellist Constantin Macherel zeigt sein subtiles Können in Werken von Boccherini, Servais, Franchomme und Rossini.

Luigi Boccherini (1743–1805) hat wie Johann Sebastian Bach und später Joseph Haydn das Violoncello von seiner Continuofunktion emanzipiert und es in seinen insgesamt zwölf Konzerten als Instrument für echte Virtuosen behandelt. Nun hat sich der Schweizer Cellist Constantin Macherel, 1991 in Lausanne geboren, für seine Debüt-CD mit den London Mozart Players (Leitung: Sebastian Comberti) neben anderen technisch anspruchsvollen, musikalisch eingängigen Stücken auch Boccherinis Cellokonzert in D-Dur (G 479) ausgesucht. Macherels schlanker, flexibler, nur manches Mal etwas enger Ton ist geradezu ideal für die spektakulären Höhenausflüge, die der italienische Komponist vom Interpreten verlangt. Sein Joseph-Hill-Cello aus dem Jahr 1765 klingt in hoher Lage so fein wie eine Violine. Das behutsame, geschmackvolle Vibrato und die luftigen Phrasierungen verleihen der Interpretation Leichtigkeit und Esprit. Der langsame Satz berührt durch seine Schlichtheit. Die London Mozart Players sind feinsinnige Begleiter – nur manchmal, wie im Finale, wünscht man sich noch eine stärkere Profilierung.
In der Fantasie Souvenir de Spa op. 2 von Adrien François Servais zeigt der Cellist, der sein Studium bei Ivan Monighetti in Basel und Raphael Wallfisch in Zürich absolvierte, seine subtile Bogentechnik. Rossinis Une larme, Thème et variations gestaltet er mit grosser Kantabilität. Und auch die begrenzt spannende Musiksprache von August-Joseph Franchomme wird durch Macherels feines stilistisches Gespür aufgewertet wie in den Variations sur deux thèmes (russe et écossais) op. 6. Dass das banale schottische Thema auch gut zu einem Rosamunde-Pilcher-Film passen würde, ist schliesslich nicht die Schuld des Interpreten. Macherels Zurückhaltung macht es geniessbar und verhindert einen zu hohen Kitschfaktor.
Virtuoso Music for Cello. Werke von Boccherini, Franchomme, Rossini und Servais. Constantin Macherel, Violoncello; London Mozart Players, Leitung: Sebastian Comberti. Claves 1903
Schmelzendes Wälzerlein
«Souvenir» von Franz Drdla, ursprünglich für Violine und Klavier, hier in der Bratschenversion.

Der weitgereiste tschechische Violinist František Drdla (1868–1944), Theorieschüler von Anton Bruckner am Wiener Konservatiorium, hat über 200 Werke mit leichter Musik geschrieben: nebst zwei Operetten und einem Violinkonzert viele Genrestücke für Violine und Klavier. Eines der bekanntesten, dieses schmelzende, harmonisch reizvoll begleitete Wälzerlein, ist jetzt auch für Viola dankbar bearbeitet. Es liegt auf der Bratsche in derselben Tonart so gut wie auf der Geige.
Franz Drdla: Souvenir, für Viola und Klavier bearb. von Heinz Bethmann, Partitur und Violastimme, BU 8194, € 11.00, Musikverlag Bruno Uetz, Halberstadt 2019
Mit Blues gegen den Blues
Wer Mike Cornicks Klavierstücke im Heft «Blues in Two and More» aufmerksam und sorgfältig einstudiert, wird belohnt.

Das langsame Swing-Stück Blues in Two hat Mike Cornick (*1947) im Jahr 1994 geschrieben; es erfreut sich seither grosser Beliebtheit. Eben dieses Stück eröffnet den neuen Band Blues in two and more, und es gesellen sich elf neue Kompositionen in verschiedenen Stilen des Jazz dazu. Allen, die manchmal den Blues haben und sich nach musikalischer Abwechslung sehnen, sei es beim Unterrichten oder beim eigenen Spiel, möchte ich diese Sammlung ans Herz legen.
Die zwölf reizvollen Kompositionen decken Stile wie Blues, Swing, Ragtime, Latin und Calypso ab. Sie sind vielleicht nicht schwieriger als viele Stücke der klassischen Mittelstufe, verlangen aber harmonisch und rhythmisch eine ganz andere Spielweise. Gewisse harmonische Abläufe und rhythmische Patterns fühlen sich für den vor allem klassisch ausgerichteten Spieler oft fremd an und bedürfen grosser Aufmerksamkeit. Gerade deshalb lohnt sich die Auseinandersetzung mit diesen so frisch und leicht daherkommenden Stücken. Sie sind anregend, lehrreich, unterhaltend und vertreiben den Blues and more.
Mike Cornick, Blues in Two and More, for intermediate-level players, für Klavier solo, UE 21777, € 15.95, Universal-Edition, Wien 2019



