100 Jahre Caspar Diethelm

Der Innerschweizer Komponist Caspar Diethelm (1926–1997) hätte am 31. März seinen hundertsten Geburtstag feiern können. Sein Werk ist bedeutend – doch droht es in Vergessenheit zu geraten. Daher setzen sich Musiker und Musikerinnen, die ihn noch persönlich gekannt und Werke mit ihm zusammen einstudiert und uraufgeführt haben, dafür ein, dass seine Musik wieder mehr Resonanz bekommt, sei es durch Aufführungen oder durch Aufnahmen. Insbesondere engagiert sich der Pianist Patrizio Mazzola für die Erinnerung an eine herausragende Künstlerpersönlichkeit und ihr Werk.

Caspar Diethelm. Foto: zVg

 

Der hundertste Geburtstag dieses bedeutenden Schweizer Komponisten soll Anlass sein, ihn hier zu würdigen und dazu beizutragen, dass das Andenken an ihn lebendig bleibt. Womöglich ist er jüngeren Menschen bereits nicht mehr bekannt, obwohl er die Schweizer Komponistenlandschaft würdig bereichert hat. Die Schweiz ist allgemein künstlerisch zu bescheiden und damit zu wenig stolz auf ihre Kunstschaffenden der Vergangenheit und Gegenwart im Vergleich zu manch anderen Nationen. Bevor hier auf Diethelms künstlerische Merkmale und Leistungen eingegangen wird, soll eine Auswahl einzelner äusserer Fixpunkte seines Lebens als Rahmen abgesteckt werden.

Vita
 

31. 3. 1926

 

geboren in Luzern

ab 1944 Schüler an Konservatorium und Kirchenmusikschule Luzern
Privatunterricht in Komposition bei Johann Baptist Hilber und Albert Jenny
1946-50 Dirigierunterricht bei Ernst Hans Beer, Luzern, und Alexander Krannhals, Basel
1946-79 Berufstätigkeit als Grundbuchverwalter, Steuerbeamter etc. in Sarnen, politische Aktivitäten dortselbst
1948 – 1952 Kurse bei Hindemith und Honegger, sowie Teilnahme an den Darmstädter Ferienkursen
ab 1958 Dirigententätigkeit (Radio-Orchester Zürich, Einstudieren eigener Werke)
1960 Heirat mit Brigitte, geb. Ullrich, drei Töchter: Esther, Jutta, Irene
1963-93 Lehrer für Musikgeschichte, theoretische Fächer und Kammermusik am Konservatorium Luzern
1969 Kunstpreis des Kanton Obwalden
1985 Kunstpreis des Kanton Luzern
1. 1. 1997 gestorben in Luzern

Kein «Nur-Musiker»

Ich durfte Caspar Diethelm 25 Jahre musikalisch und menschlich begleiten. Die anfängliche gegenseitige Unterschätzung unserer künstlerischen Fähigkeiten schlug bald einmal um in eine grosse Anerkennung füreinander. Anfängliche Skepsis wird ja fast ausschliesslich durch Nichtwissen und Unkenntnis genährt. Dies erinnert an den originellen Spruch in der Sarner Aula Cher, wo (wohl bis heute) gross geschrieben steht: «Mänge macht sich Gedanke aber dänkt nid derbiä.» Dieser markige Satz im originalen Obwaldner Dialekt hätte durchaus von Diethelm sein können (oder stammt er gar von ihm? – wer weiss …). Aussagen «parierte» er schlagfertig, und seine Werke versah er gerne mit passenden Titeln. So ist beispielsweise sein für mich geschriebenes Klavierkonzert mit Yggdrasil betitelt, was von seiner Lektüre der altnordischen EddaTexte herrührt, die ihn immer wieder sehr beeindruckten. Das Wort ist altnordisch für «Weltenesche», gleichsam der Baum des Lebens (alles hängt mit allem zusammen). Andere Werktitel sind etwa Menhir, ein hochragender (bretonischer) Stein-Block, Das Rad des Lebens (nach einem buddhistischen Mandala), Mandala-Sinfonie, Maya (nach den Vier buddhistischen Wahrheiten). Aus diesen wenigen Beispielen wird bereits ersichtlich, welche Phänomene und Wissensgebiete Diethelm durch sein Leben begleitet haben. Auch die Philosophie (er las «alte Griechen» wie Platon oder Aristoteles im Original), die Biologie, Botanik, Pilzkunde (auf professionellem Niveau als kantonaler Pilzkontrolleur!) und seine Aktivitäten als Lokalpolitiker sind zu erwähnen, wobei ich mich hier auf ausgewählte Beispiele beschränke. Seine Bildung war also sehr vielseitig, gar umfassend, soweit das einem Menschen möglich ist. Er war somit kein «Nur-Musiker», hierin etwa Robert Schumann ähnlich.

Künstlerische Eigenständigkeit

Da ich Caspar Diethelm hier aber primär als Komponisten skizziere, sollen hier Charakteristika seines Stils erläutert werden: Stilistisch kommt er ursprünglich nach meinem Dafürhalten durchaus aus der Tradition der deutschen Romantik, was vielleicht überraschen mag. Seine Vorfahren stammen weiter zurück teilweise aus Deutschland. Diese deutsche Romantik, und zwar sowohl die «traditionelle» eines Brahms, Bruch oder Reger etwa, wie auch die «speziellen» Richtungen Bruckners und Mahlers, hat Diethelm in sein grosses umfangreiches Gesamtwerk einfliessen lassen. Er hat sie gleichsam in eine modernere Tonsprache des 20. Jahrhunderts transferiert. Darin ist er vergleichbar etwa mit Bartók, Strawinsky, Martin oder Honegger. Das alles ohne abhängiges Epigonentum, sondern mit grosser Eigenständigkeit. Dazu hat er ähnlich wie Debussy und Ravel gelegentlich einen Hang sowohl zu «Balkanismen» als auch zu fernöstlichen Einflüssen (auch aussermusikalisch).

Von Bruckner erzählte Diethelm diese Anekdote: Auf die Frage, ob er denn nun ein «Brahmsianer» oder «Wagnerianer» sei, habe Bruckner geantwortet: «Bin selber Aner (Einer)». Und zu Honegger bleibt mir ebenfalls etwas unvergesslich: Das Radio spontan einschaltend, ohne zu wissen, welches Werk gerade gespielt wird, dachte ich mir, dass der von mir hier verdächtigte Honegger eben doch noch genialer sei als Diethelm, um danach zu erfahren, dass es sich um die Mandala-Sinfonie von Diethelm gehandelt habe … Fürwahr, Diethelm war «selber Aner», um auf Bruckner zurückzukommen.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Schweiz in Zukunft ihres bedeutenden Sohnes Diethelm erinnert, ihn wieder vermehrt durch seine Musik aufleben lässt und ihn als grossen Botschafter der kleinen Schweiz in die Welt hinausträgt.

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Weitere Materialien und Informationen zu Caspar Diethelm

Eine Selbstverortung Caspar Diethelms, vermutlich Ende der Siebzigerjahre entstanden

«Caspar Diethelm versucht in seinen Werken eine ihm gemässe Aussage zu finden, ohne sich einer bestimmten Schule oder Stilrichtung zu verpflichten. Auf der einen Seite steht eine starke Verwurzelung in der Tradition, in der Landschaft seines Kantons, in dem er seit Geburt lebt und wirkt, und in der Betonung einer schweizerischen Eigenart. Auf der anderen Seite steht die Beschäftigung mit allen Stilrichtungen von der Dodekaphonik bis zur Avantgarde seit Webern. Soweit sie dem Komponisten als Bereicherung seiner Aussagemöglichkeiten gelten können, finden sich Einflüsse all dieser Bereiche mehr oder weniger deutlich. Dagegen wird die ‹Atonalität›, was immer dies in concreto bedeuten mag, vermieden, sondern die Gliederung und Formung der Musik erfolgt nach Gravitationszentren, d.h. nach den Tonalitätsebenen im Sinne Hindemiths. Neben einer selbständigen Harmonik, die neben äusserst komplexen Klängen auch das Einfache nicht vermeidet und einer eigenwilligen und gelegentlich aggressiven Rhythmik mit einer Vorliebe für zusammengesetzte Taktarten, gilt die besondere Hingabe des Komponisten aber dem Element der Melodik und zwar in immer stärker werdendem Masse. Schon in den frühesten Werken sind Anklänge an Elemente der Volksmusik nicht zu überhören, wobei es aber nie zu Zitaten kommt, sondern lediglich zu Bildungen, welche gewissermassen ein schweizerisches oder gar urschweizerisches Klangbild evozieren sollen. Vorbilder des Komponisten sind, ausser den grossen Meistern der Vergangenheit, Paul Hindemith und Bela Bartók, sowie die Schweizer Arthur Honegger, Othmar Schoeck und Frank Martin.»

Veranstaltungen und Publikationen zum Jubiläumsjahr

Neben diversen Konzerten ab Ende März sind zwei CD-Produktionen geplant. Im Oktober erscheint im Label Toccata die Weltersteinspielungen der Konzerte op. 210, 285 und 211 mit der Deutschen Staatsphilharmonie unter der Leitung von Rainer Held. Solist in Yggdrasil ist der Widmungsträger Patrizio Mazzola, der das Klavierkonzert nun uraufführt, nachdem es Esther Diethelm 2024 herausgegeben hat. Den Solopart im Geigenkonzert Anubis übernimmt Sibylle Tschopp, die das Werk noch mit Caspar Diethelm einstudiert und 1996 zur Uraufführung gebracht hat. Im Concerto Hiemalis schliesslich ist Kilian Herold, Solo-Klarinettist der Berliner Philharmoniker, zu hören. Die Vernissage dieser CD findet am 29. November in Luzern statt.

Die zweite CD erscheint im November ebenfalls beim Label Toccata und bringt fünf Ersteinspielungen von Kammermusikwerken.

Weitere Details zu CDs und Konzerten finden Sie in diesem Dokument (Link zu PDF). Ein Newsletter zum Jubiläumsjahr kann über caspardiethelm.com bestellt werden. https://www.caspardiethelm.com/aktuelles.html

Rezension in der Schweizer Musikzeitung

Caspar Diethelm: Symphonic Works, Royal Scottish National Orchestra, Leitung Rainer Held.
Guild GM3CD 7808

Die verzweifelte Lust an der Apokalypse

Das Zürcher Opernhaus zeigt «Monster’s Paradise». Gemeinsam mit Elfriede Jelinek hat die Österreicherin Olga Neuwirth eine höchst aktuelle Oper geschaffen, in der sie die Ungeheuer der Gegenwart aufeinander loslässt.

 

v.l. Andrew Watts (Mickey), Georg Nigl (Der König-Präsident), Anna Clementi (Gorgonzilla). Foto: Monika Rittershaus/Opernhaus Zürich

Der Grand Guignol, dieser aufgeblasene Kasperle aus Frankreich, neigt zum Monströsen, zum Irr- und Surrealen, freilich wird er längst von der Wirklichkeit eingeholt und überholt. Das 1897 eröffnete Théâtre du Grand Guignol in Pigalle, das mit Folter, Vergewaltigung und blutigem Mord schockte, schloss am 5. Januar 1963 mit der Begründung, mit Buchenwald könne man nicht gleichziehen. Die Kunst reicht nicht an die Realität heran. Das wissen auch die beiden Künstlerinnen, die nun eine neue «Grand Guignol Opéra» geschaffen haben.

Ihr Ausgangspunkt ist die Vergeblichkeit des Unternehmens; dennoch versuchen sie es und schicken zwei ihnen ebenbildliche Vampirinnen in die Welt hinaus: um sie vielleicht doch zu retten oder zumindest den schlimmsten Tyrannen zu beseitigen, einen «König-Präsidenten», dessen reales Konterfei wir täglich in den Nachrichten sehen. Sie versagen kläglich; den Präsidenten immerhin frisst ein anderes Monster, der wiederauferstandene Gorgonzilla. Der Weltuntergang lässt sich so jedoch nicht aufhalten; eine Sintflut reisst alles weg. Am Schluss sehen wir die beiden Vampirinnen, Schuberts f-Moll-Fantasie auf einem Bösendorfer spielend, im Ozean dem Sonnenuntergang entgegenfahren.

v.l. Anna Clementi (Gorgonzilla), Sara Defrise und Kristina Stanek (Vampirinnen), Georg Nigl (Der König-Präsident). Foto: Monika Rittershaus/Opernhaus Zürich

Kluft zwischen Text und Musik

Die Oper Monster’s Paradise, die am ersten Februar an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt wurde und nun in Zürich gezeigt wird, fährt auf einer lustvoll-apokalyptischen Geisterbahn in den Abgrund. Mit viel Spektakel und Gefuchtel. Das weckt Spass an der Dystopie. Die künstlerischen Abgründe lauern anderswo: nicht im Monströsen, von dem es durchaus noch etwas mehr sein dürfte, sondern beim theatralen Tempo, das oft von Resignation und gut gemeinten Statements ausgebremst wird. «Wir sind ja jetzt schon nicht mehr gefragt», singt die eine Vampirin schon zu Beginn. «Alle her zu mir, die friedlich sind und es bleiben wollen!», lauten die ersten Worte Gorgonzillas. Damit macht man keine spannungsreiche und angriffige Kunst. Sogleich fragt man sich aber, ob das die beiden Autorinnen überhaupt wollen, ob sie uns nicht ins Missratene strudeln lassen.

Die Komponistin Olga Neuwirth hatte die Idee zu diesem Musiktheater; sie schaffte es, ihre langjährige Librettistin, die lange opernüberdrüssige Freundin Elfriede Jelinek zu einem gemeinsamen Text zu bewegen. Gerade bei diesem jedoch hapert es. Er schwadroniert und referiert, weitschweifig, mal belehrend, mal sarkastisch, mal platt. Die Worte blocken. Die erste Szene etwa kommt nicht vom Fleck. Zugestehen mag man, dass solche Plattheit zum Genre gehört, als Anti-Qualität, die den guten Geschmack konterkariert. Dafür jedoch klingt die Musik wiederum viel zu reichhaltig, lebhaft, raffiniert, farbig, jazzig-drivig, witzig. Das Orchester des Opernhauses unter Titus Engel spielt mitreissend.

Die Vampirinnen (Schauspielerinnen: Sylvie Rohrer und Ruth Rosenfeld, Sängerinnen: Sara Defrise und Kristina Stanek). Foto: Monika Rittershaus/Opernhaus Zürich

Lang und umständlich wie der Weltuntergang

So driften die Ebenen öfters auseinander. Hinzu kommt die bunte und doch manchmal ideenarme szenische Gestaltung. Regisseur Tobias Kratzer und sein Team haben mitunter ihre Mühe, das Geplänkel in Schwung zu bringen, aber auf den Höhepunkten gelingen ihnen grandiose Bilder. Der Kampf der Monster mit Gorgonzilla (Anna Clementi) und dem Präsidenten (hervorragend: Georg Nigl) wird zu einem überlebensgrossen Schattentheater. Die Schlussszene im Meer überschwemmt Auge und Ohr dank der geschickt eingesetzten filmischen Mittel, die Neuwirth so liebt. So gibt es viel zu erleben, zu viel fast, denn alle Szenen, auch die wirklich gelungenen, sind zu lang und zu umständlich geraten. Man könnte das Stück um ein gutes Drittel eindampfen. Verloren ginge damit allenfalls die prekäre Nicht-Qualität, die das Werk ein wenig mit ausmacht.

Doch in diesem Moment drängt sich dem Kritiker der Verdacht auf, ob er wieder mal viel zu sehr differenzieren möchte und ihm dabei der Weltuntergang abhandenkommt. Das mag sein. – Grosser (nicht monströser) Applaus.

Zürich, Opernhaus; Premiere am 8. März 2026; Koproduktion mit Hamburg und Graz. Weitere Aufführungen bis 12. April

Georg Nigl (Der König-Präsident), Andrew Watts (Mickey), Eric Jurenas (Tuckey) und der Statistenverein am Opernhaus Zürich. Foto: Monika Rittershaus/Opernhaus Zürich

Ars Electronica Forum Wallis 2026

24 Kompositionen wurden im Rahmen der Ausschreibung für akusmatische Werke für die Concert Selection der 11. Ars Electronica Forum Wallis ausgewählt.

Einige der für die Ars Electronica Forum Wallis Selection 2026 Auserwählten : (v.l.n.r.u.v.o.n.u.) Boyi Bai, Gordon Delap, Varun Kishore, Anne Liao Zouning, Panayiotis Kokoras, Manuella Blackburn, Sofia Zaiceva, Jean-Marc Duchenne, Ariadna Alsina Tarrés, Pascal Lund-Jensen, Jonty Harrison, Lucie Prod’homme, Valentin Sismann, Li He, Yasuhiro Otani

Beim 11. Ars Electronica Forum Wallis Call for Acousmatic Works kamen 41 Werke von 49 Komponistinnen und Komponisten aus 23 Ländern in die Ränge. 24 Werke schafften es in die Concert Selection. Für 17 weitere Werke gab es eine Special Mention. 157 Komponierende aus 42 Ländern und allen Kontinenten haben insgesamt 182 Werke eingereicht. In der Jury walteten Kotoka Suzuki (JPN), Jaime Oliver La Rosa (PER), Reuben de Lautour (TUR/NZL) und Javier Hagen (Festivalleitung Forum Wallis).

Die Konzerte finden dieses Jahr am 5. und 6. Juni und am 3. und 4. Juli statt im Rahmen des Festivals für Neue Musik Forum Wallis am MEbU (Münster Earport) im Goms.

Das Forum Wallis ist ein jährlich stattfindendes internationales Festival für Neue Musik in der Schweiz. Es steht unter der Leitung der Walliser Ortsgruppe der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM-VS). Es hat seit 2006 über 350 Uraufführungen mitproduziert und Werke von über 500 Komponistinnen und Komponisten aus aller Welt präsentiert. Zu den regelmässigen Gästen des Festivals gehören Ensembles wie recherche, Zafraan, UMS’nJIP, dissonArt, Steamboat Switzerland, Cod.Act, Arditti String Quartet, Klangforum Wien, ensemble für neue musik zürich, Contrechamps oder Ensemble Modern

http://forumwallis.ch

Die Ausgezeichneten der Concert Selection

(in alphabetischer Reihenfolge)

Bai Boyi (CHN) — Take me back to Indonesia
Bernard Bruno (FRA) — lune(s)
Blackburn Manuella (GBR) — Train of Thought
Borrel Stéphane (FRA) — La Grenouille de Lycie

Cho Youngjae (KOR) — narthex
Delap Gordon (IRL) — An Insect that Shuns the Light
Duchenne Jean-Marc (FRA) — On a Changing Sky
Eghdami Pierre (FRA/GER) — Fulgurite

Harrison Jonty (GBR) — Kammermusik
Hayashi Kyohei (JPN) — Butterfly Garden
Karkatselas Theodoros (GRC) — Quarks
Kokoras Panayiotis (GRC) — Useless box
Kulari Daniel (ALB/ITA) — Variations and Disintegrations on a Theme by Çesk Zadeja

Lund-Jensen Pascal (CHE/DEN) — Building the Anthropocene
Moyers Jr. Timothy (USA) — Heliosphere
Noiseau Etienne (FRA) — Jardins d’Épicure
Otani Yasuhiro (JPN) — Thresholds of Presence
Prod’homme Lucie (FRA) — Espèces de gros sons

Stollery Pete (GBR) — Bosque
Totaleee (ITA, Giuseppe Pisano, Andrea Laudante, Paolo Montella) — Non è un atlante di traiettorie algo-siderali
Vanderburg Kyle (USA) — Tempest in a Teakettle
Yağlı Berk (CYP/TUR) — False Awakening on a Mediterranean Island
Yang Wei (CHN) — Rain contained, rain contains
Zouning Anne Liao (CHN) — Dust Storm

 

Mit einer Special Mention Ausgezeichnete

(in alphabetischer Reihenfolge)

Alsina Tarrés Ariadna, Andrić Andreja, Bermúdez Chamberland Diego, Bravo Benard Hector, Carcassi Daniele, Casolino Alessandro, Harper Nathan, Kishore Varun, Lampropoulou Magda, Laudante Andrea, Lewis Andrew, Li He, Montella Paolo, Naylor Cameron, Oliveira João Pedro, Parisse Mattia, Parry Jake, Pastorino Paolo, Scott Richard, Sismann Valentin, Snapir Jonatan, Tesorini Riccardo, Zaiceva Sofia

 

Neue Dozierende an der HSLU ab Herbstsemester 26/27

Fabre Guin, Johanna Kulke und Sanne Lorenzen werden ab diesem Herbst am Institut für neue Musik, Komposition und Theorie der HSLU unterrichten.

v.l. Fabre Guin, Johanna Kulke, Sanne Lorenzen. Bilder: zVg

Wie die Hochschule Luzern – Musik mitteilt, werden die drei Personen ihre Tätigkeit im Herbstsemester 2026/27 aufnehmen. Zum Werdegang der Musikerinnen und Musiker schreibt die HSLU:

Fabre Guin studierte an den Conservatoires in Nancy, Saint-Maur-des-Fossés und Paris Violine, Cembalo, Orgel und Komposition (einschliesslich Harmonielehre, Kontrapunkt, Formenlehre, Instrumentation und Harmonisierung am Klavier) sowie Musikwissenschaft an der Sorbonne. Er unterrichtete zunächst écriture am Conservatoire d’Aubervilliers und ist seit 2018 am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris in den Bereichen écriture, analyse musicale und culture musicale appliquée tätig. Zudem ist er Titularorganist an der Kirche Sainte-Geneviève in Paris und konzertiert regelmässig

Johanna Kulke absolvierte ein Bachelorstudium mit doppeltem Hauptfach Klavier und Violine sowie Masterstudiengänge in Violine und Musiktheorie an der Hochschule Luzern – Musik. Seit 2018 unterrichtet sie an der Oberaargauischen Musikschule Langenthal und Herzogenbuchsee Violine, Klavier, Musiktheorie und Komposition und ist zudem als Geigerin, Dirigentin und Komponistin tätig.

Sanne Lorenzen studierte Kirchenmusik an der Royal Danish Academy of Music in Kopenhagen. Es folgten ein Bachelor- und Masterstudium in Musiktheorie an der Hochschule für Musik Freiburg sowie ein Masterstudium in Orgel an der Schola Cantorum Basiliensis. Sie unterrichtet seit 2022 Musiktheorie im Pre-College der Hochschule Luzern – Musik und ist Senior Lecturer für Musiktheorie und Gehörbildung an der Kunstuniversität Graz. Zudem wirkt sie als Organistin der reformierten Kirchengemeinde Sursee.

 

Ein Festival wird umgebaut

Auf einer Medienkonferenz in Locarno wurde Ende Januar das neue Musikfestival von Ascona der Öffentlichkeit vorgestellt. Kein Stein bleibt auf dem anderen.

v.l.  Luca Allidi (Stiftungsratspräsident), Giorgio Gilardi (Bürgermeister von Ascona) und Christoph Müller (Künstlerischer Leiter). Foto: Roberto Barra

Die traditionsreichen Settimane musicali di Ascona sind Geschichte. Das 1946 gegründete, neben dem Lucerne Festival (1938) und der Musikwoche Braunwald (1936) älteste Klassikfestival der Schweiz ist im achtzigsten Jahr seines Bestehens radikal umgebaut worden und heisst jetzt classicAscona. Realisiert wurde der Transformationsprozess vom neuen Intendanten, dem Kulturmanager Christoph Müller, in Zusammenarbeit mit den lokalen Verantwortlichen. Mit dem Sindaco Giorgio Gilardi auf dem Podium und einem Grossteil der Gemeindevertreter im Saal waren sie bei der Medienkonferenz prominent vertreten. Ein deutlicher Hinweis darauf, welchen Stellenwert man in Ascona dem Festival künftig beimisst. Es soll zu einem Wirtschaftsfaktor der Region werden, und das heisst: den Kulturtourismus fördern und vermehrt zahlungskräftiges Publikum an den Lago Maggiore locken. Der Veranstaltungszeitraum von Mitte September bis Mitte Oktober liegt dafür günstig; die publikumsträchtigen Sommerfestivals sind zu Ende und der sonnige Tessiner Frühherbst tut das Seine dazu. Als malerische Veranstaltungsorte locken neben Ascona und Locarno auch die Brissago-Inseln, der Monte Verità sowie Kirchen in Ronco und im unteren Maggiatal.

Vom Künstlerfestival zum kulturellen Event

Die drastischen Neuerungen reichen vom neuen, etwas kühl wirkenden Firmenlogo über das Marketing und die Publikumsstrategie bis zur Programmstruktur. Aus dem 13 Jahre lang vom Pianisten Francesco Piemontesi geleiteten Künstlerfestival, bei dem der Intendant auch als Solist und Kammermusiker auftrat und eine illustre Schar von Gleichgesinnten um sich versammelte, wird damit ein kultureller Event, in dem wirtschaftliche Überlegungen und künstlerische Planung eng ineinandergreifen.

Der in Basel geborene Müller, als Cellist einst Mitglied des Kammerorchesters Basel, kann sich auf eine reiche Erfahrung als Veranstalter abstützen. Vor seiner Berufung nach Ascona leitete er 25 Jahre lang das Menuhin Festival in Gstaad, wo er – was in Ascona aufmerksam vermerkt wurde – die Zahl von jährlich 13 000 Besuchern auf rund 28 000 steigerte. Daneben gründete er den Lucerne Chamber Circle und zusammen mit Sol Gabetta in der Nordschweiz das Solsberg-Festival. Neuerdings ist er auch noch Intendant des Festivals Klosters Music. Ein musikalischer Multiunternehmer, der sein Geschäftsmodell, das er den lokalen Gegebenheiten durchaus anzupassen weiss, nun auch für Ascona fruchtbar machen will.

Medienpräsenz, Prominenz und Künstlerinnen in Residenz

Der Erfolg soll durch verbesserte Werbung – Müller spricht von 30 000 Mailadressen –, neue Programminhalte und eine Öffnung zu neuen Publikumsschichten gewährleistet werden. Und nicht zuletzt durch den Auftritt internationaler Prominenzen, wobei Müller auf seine jahrelang gewachsenen Künstlerkontakte zurückgreifen kann. Als kostbarste Trophäe kündigte er nun für Ascona Cecilia Bartoli an. Ihr Gastspiel in Glucks Orfeo ed Euridice, halbszenisch aufgeführt, mit den Musiciens du Prince aus Monaco ist mit Tickets für 95 bis 275 Franken allerdings nichts fürs normale Volk. Bei einem auf 1,7 Millionen Franken verdoppelten Budget bewegen sich die Eintrittspreise aber durchaus im Rahmen, auch bei den Konzerten der drei «artisti in residenza», der Sopranistin Julia Lezhneva, der Violinistin Vilde Frang und der Cellistin Sol Gabetta, die auch Meisterkurse geben. Etwas teurer wird es nur bei anreisenden Gastorchestern wie dem Kammerorchester Basel, der Camerata Salzburg oder der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

Academies aller Arten

Ein neuer und wichtiger Bestandteil des Festivals sind die Ausbildungsprogramme: die classicAscona Academy, die Choral Academy mit dem Londoner Tenebrae Choir und die Baroque Academy mit dem Ensemble Il Pomodoro und dem Flötisten Maurice Steger. In den Schlusskonzerten kann sich der musikalische Nachwuchs präsentieren; sie stehen unter dem Titel «Next Generation» und sind kostenlos. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Conservatorio in Lugano und regionalen Schulen ist geplant. Mit all diesen Massnahmen soll das lokale Publikum auf die zahlenden Konzerte neugierig gemacht werden. Internationales Musikbusiness, Nachwuchsförderung und die Erschliessung neuer Besucherschichten: ein interessanter Mix. Im September wird man sehen, wie das zusammengeht.

 

Joachim Raff: ein Komponist mit einer Botschaft an die heutige Schweiz

Joachim Raff, 1822 in Lachen/SZ geboren und 1882 in Frankfurt gestorben, wollte mit seiner Musik und seinen gesellschaftlichen Auffassungen verbinden und nicht trennen.

Raff 1878. Fotografie von Mondel & Jacob, Library of Congress’s Photographs division

 

Die Originalversion dieses Texts ist mit vielen Bildern zuerst erschienen auf sichtweisenschweiz.ch

 

Als Franz Josef Raff (1789-1861) im Jahre 1810 auf Anraten seines Vaters aus Empfingen-Wiesenstetten im süddeutschen Raum in die Schweiz flieht, ahnt er noch nicht, dass sein späterer Sohn Joseph Joachim eine Weltkarriere als Komponist vor sich hat. Die napoleonischen Kriege, im speziellen die Vorbereitungen auf den Russland Feldzug und der frühe Kriegstod eines Bruders, lösen schlussendlich die Flucht ins Kloster Wettingen AG aus. Der musikalisch begabte Franz Josef kommt 1817, nach einer Anstellung als Hauslehrer in Luzern, als Lehrer und Kirchenmusiker nach Lachen, dem Märchler Bezirkshauptort. Fortschrittliche Kreise aus der revolutionären liberalen Elite des Dorfes gründen schon früher zusammen mit der Kirchgemeinde, neben der Lateinschule, eine Volksschule und Vater Raff amtet als gestrenger Pädagoge, der sich auch kirchenmusikalisch hervortut.

Durch die Heirat mit der Tochter des benachbarten, politisch aufsässigen Ochsenwirts und Landammanns Franz Joachim Schmid, Katharina, politisiert sich die Stimmung in der Familie Raff entscheidend. Schmid ist einer der Rädelsführer, die sich gegen die Vorherrschaft der mächtigen adligen Geschlechter und Patrizier in Schwyz zur Wehr setzen und zusammen mit dem Märchler Arzt Melchior Diethelm einen eigenständigen Kanton Ausserschwyz realisieren wollen. Melchior Diethelm wird später einer der Architekten des Schweizer Zweikammersystems. Joachim Raff kommt am 27. Mai 1822 in der alten Sust aus dem 16. Jahrhundert zur Welt. Dieses «Mehrzweckgebäude» dient sowohl als Handels- und Gewerbehaus, wie auch als Schul- und Zeughaus. Auch die Lehrerwohnung muss darin Platz finden.

Frühe Hochbegabung von Joachim

Über seine gesamte Schulzeit in der Schweiz bis 1840 fällt Joachim auf durch Fleiss, Musikalität, Mehrfachbegabungen, Einzelgängertum, Ehrgeiz und gar einem, gegenüber der Mutter ausgesprochenen Wunsch, im Leben einmal etwas ganz Besonderes leisten zu wollen. Der gestrenge Vater paukt mit ihm das Violine-, Klavier- und Orgelspiel. Früh beherrscht er Latein und am Jesuitenkollegium in Schwyz, das er von 1838-1840 besucht, ist er mehrfach Klassenbester in ganz verschiedenen Fächern. Lebenslang wird er sich autodidaktisch weiterbilden und sich zu einem der anerkanntesten Musikhistoriker und Komponisten weiterentwickeln. Frühe Prägungen und exzellente Erbanlagen sind dabei massgebend für seine Erfolge.

Die frühe Politisierung am Wirtshaustisch seines Grossvaters, das Bewusstsein der Sohn eines entsprechend exponierten politischen Flüchtlings und damit einer Minderheit angehörend zu sein, aber eben auch seine hohe Sensibilität, sein starker Verstand und ebenso seine markante Persönlichkeit begleiten Raff lebenslang.

Frühe Raff-Kompositionen werden 1840 anlässlich des «Pannerfestes» für den Bannerherr Theodor Ab Yberg (1795-1869) in Schwyz von ihm, zusammen mit seinen Mitstudenten, gesungen. Ebenso beeindrucken ihn der Besuch der Schwyzer Landsgemeinde vom 3. Mai 1840 in Rothenthurm.

Joachim Raff zeigt sich begeistert über die politischen Gepflogenheiten, die entsprechenden demokratischen Riten, Abläufe und Wahlen in dieser politisch sehr unsicheren Zeit des Übergangs vom Staatenbund zum Bundesstaat und damit zum Grundstein der Schweiz.

Er schreibt darüber im Mai 1840 auch im damals bekannten katholisch-konservativen Blatt «Sanct Gallischer Wahrheitsfreund». Früh entwickelt sich bei ihm eine eigene, auf Gerechtigkeit und Gleichstellung beruhende Identität. Es gibt in seinem Lebenslauf Hinweise auf frühes Mobbing, Ächtung wegen seiner Hochbegabung und eindrücklicher, ganz eigener Konfliktverarbeitung bezüglich seines strengen Vaters (er geht gegen ihn in Hungerstreik).

Er definiert sich dabei lebenslang überzeugt und mit ausdrücklich gleichgestelltem Bewusstsein immer als einer, der aus dem Mutterland Schweiz stammt und mit der Herkunft Deutschland als seinem Vaterland.

Dies alles liest sich aus der Biografie von Tochter Helene Raff, der Schriftstellerin und Malerin, über ihren Vater (Bosse, Ravensburg 1925).

Erste Berufserfahrungen und Wanderjahre

Obschon Joachim Raff gegen den Willen seiner Eltern Berufsmusiker werden will, macht er in Rapperswil von 1840 bis 1844 erste Berufserfahrungen als Lehrer.

Eine Expertise beim damals schon bekannten Musiker Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) bescheinigt ihm überdurchschnittliche Musikalität, was bei ihm 1843 endgültig den riskanten Berufswechsel zum freischaffenden Musiker auslöst. Dieser mutige, abenteuerliche und gegen alle Widerstände durchgesetzte Schritt treibt ihn nicht nur aus seiner Familie, sondern auch noch gleich in die Obdachlosigkeit am Platzspitz in Zürich.

Dank einer, wohl auch etwas verzweifelten Kontaktaufnahme mit dem damals als Starpianisten gefeierten Franz Liszt (1811-1886) im Casino Basel im Juni 1845, ermöglicht ihm dieser eine vielversprechende Förderung.

Nach dem ersten gemeinsamen Projekt, der Einweihung des Beethoven-Denkmals in Bonn im August 1845, vermittelt Liszt ihm verschiedene Arbeitsmöglichkeiten in Musikhäusern von Köln, Stuttgart und Hamburg. Viele mehr oder weniger erfolgreiche Kompositionen für Klavier entstehen in dieser Zeit. Vor allem aber lernt Raff autodidaktisch sehr viel, steht im Austausch mit Musikern und publiziert in verschiedenen internationalen Fachzeitschriften. So lernt Raff in Stuttgart seinen wichtigsten Freund und Förderer fürs Leben, Hans von Bülow (1830-1894) kennen und schätzen.

Profilierung in Weimar

Den Schritt hin zur Assistenz für Franz Liszt vollzieht Joachim Raff im Übergang von 1849/50. Obwohl sich der Komponist aus Lachen von Liszt auch etwas ausgenutzt vorkommt (viele Instrumentierungen, Orchestrierungen, Erledigung von Korrespondenzen, Organisation von Reisen und Musiktagen, Verhandlungen mit Verlegern, publizistische Tätigkeiten), wird er von ihm auch gefördert (Hilfe bei seinen eigenen Kompositionen, Auftritte mit Raffs Werken am Klavier, Dirigate von Raff’schen Werken, vielfältige Beziehungen anbieten etc.). Die fortschreitende Emanzipation von seinem Förderer ist jedoch auch wegen stilistisch unterschiedlichen Auffassungen unaufhaltsam.

Raff geht von Beginn weg konsequent den Weg der Verarbeitung unterschiedlichster Stilelemente aus der Musikgeschichte, von denen er immer wieder inspiriert ist. Richtungsstreits, die im 19. Jahrhundert leidenschaftlich geführt werden, kennt er nicht.

Zugleich achtet er aber darauf, seinen ganz eigenen Weg, seine eigene Musik, mit letztlich eigenem Stil zu beschreiten. Vor allem seine kontrapunktische Meisterschaft, seine Farbigkeit in der Instrumentierung und seine Komplexität in der Verarbeitung der Themen werden zu seinem Markenzeichen.

Raff erweitert seine kompositorische Tätigkeit. Lieder, Kammermusikwerke, sogar eine Oper («König Alfred») stehen im Fokus seiner weiteren musikalischen Entwicklung in jungen Jahren. Erfolge, aber immer auch wieder Misserfolge, stellen sich parallel ein.

Sein Beziehungsnetz erweitert sich bedeutend. Er lernt u. a. Richard Wagner (1813-1883), die Violinisten Joseph Joachim (1831-1907), Edmund Singer (1831-1912), Alexander Ritter (1833-1896), den Cellisten Bernhard Cossmann (1822-1911), aber auch Repräsentanten des Hofs von Weimar wie Grossherzog Carl Alexander (1805-1863) kennen. Mit den Komponisten Hector Berlioz (1803-1869), Robert Franz (1815-1892), Johannes Brahms (1833-1897) und Louis Spohr (1784-1859) kann er sich persönlich und auf Augenhöhe unterhalten. Auch mit den fortschrittlichen Literaten wie Peter Cornelius (1824-1874) und August Heinrich von Fallersleben (1798-1874) tauscht er sich regelmässig aus.

Die Wagnerfrage

Insbesondere die Ausstrahlung und die Erfolge von Richard Wagner fordern Raff heraus. Die radikale Neuausrichtung der Oper als Gesamtkunstwerk inspirieren ihn. Mit seinem Buch «Die Wagnerfrage» (1854) setzt sich Raff vertieft aber auch kritisch mit dem Star seiner Zeit auseinander. Raff versucht Wagners Leitmotivtechnik, die Rolle des Orchesters und die Erweiterung der Harmonik seine eigene Deutung entgegenzusetzen. Mit dem Märchen-Epos «Dornröschen» (1856) setzt er sich praktisch damit auseinander.

Das Musikdrama «Samson» (1851 bis 1857 entstanden) hätte eigentlich zu seiner Doktorwürde einerseits, aber auch zu einem mit Wagner gleichwertigen Werk (Lohengrin) werden sollen. Raff wünschte sich damit auch die Voraussetzungen für eine Sekretären-Stelle bei der Goethe-Stiftung oder der eines Kustos bei der weimarischen Bibliothek (Musikabteilung) zu erlangen. Das Beispiel zeigt eindrücklich die drei grossen Potentiale von Raff, die sich bereits in seiner frühen Jugend abzeichnen: akademische Karriere, Komponistenlaufbahn und, was noch zu beschreiben ist, seine Laufbahn als Hochschullehrer und Hochschuldirektor. Diverse Gründe verhindern die Aufführung des fertig geschriebenen Trauerspiels. Erst im Jahre 2022, dem 200. Geburtstag von Joachim Raff, kommt es zur erfolgreichen Welturaufführung am Deutschen Nationaltheater von Weimar. Und 2023 wird die Weltersteinspielung am Theater Bern unter der Gesamtprojektleitung von Graziella Contratto (Label Schweizer Fonogramm) realisiert.

Durchbruch in Wiesbaden

In Weimar lernt Joachim Raff auch seine künftige Frau, die Schauspielerin Doris Genast (1827-1912) kennen. Sie arbeitet am Theater in Wiesbaden und die hunderte Seiten von gegenseitigen Briefen ihrer Fernbeziehung zwischen Wiesbaden und Weimar sind glücklicherweise noch vorhanden und bilden die Grundlage für künftige Forschungsarbeiten über das «Silberne Zeitalter von Weimar». Die touristisch und kulturell vielfältige Bäderstadt Wiesbaden wird darum auch der Ort, den Raff 1856 als seinen künftigen Arbeits- und Lebensmittelpunkt bis 1877 auswählt.

Als würden sich Schleusen öffnen stürzt sich Joachim Raff in seine fruchtbarste, produktivste und erfolgreichste Schaffensperiode als Komponist.

Anspruchsvolle Klaviersuiten, erste Konzerte im Gewandhaus Leipzig, die er selber dirigiert, die Preisverleihung 1863 bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien mit seiner ersten Sinfonie «An das Vaterland», anspruchsvolle grosse Sonaten für Klavier und Violine, viele weitere Kammermusikwerke (Trios, Quartette, Quintette, Sextett, Oktett), Lieder und Chorwerke, erfolgreiche Sinfonien (z. B. die 3. Sinfonie op. 153 «Im Walde» im Jahre 1869, oder die 5. Sinfonie, op. 177, «Lenore»), die weltweit aufgeführt werden, prägen diese Zeit. Auch neue Opern entstehen (z. B. «Die Parole»; «Dame Kobold»).

Auch privat verändert sich das Leben von Joachim Raff. 1859 heiratet er Doris Genast, die Tochter des Weimarer Regisseurs und Schauspielers Eduard Genast (1797-1866), der noch mit Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) am Hof in Weimar zusammenarbeitete.

1865 kommt die einzige Tochter des Paars, Helene, dazu. Sie wird vom damals avantgardistisch, beidseits künstlerisch-berufstätigen Ehepaar fortschrittlich und gleichgestellt erzogen und gebildet. Sie lernt die gleichen Schulfächer wie ihre männlichen Kollegen und sie wird zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den Pionierinnen der Frauenbewegung in Deutschland gehören.

Diverse Ehrungen, Ritterkreuze, Verdienstmedaillen erhält Joachim Raff von verschiedenen Herzogtümern in Deutschland, Luxembourg, Italien. 1872 bekommt er, zusammen mit Franz Liszt und Richard Wagner, die Ehrenmitgliedschaft der New Yorker Philharmoniker. Seinem Freund Hans von Bülow widmet er ein Klavierkonzert und den damals führenden Cellisten Friedrich Grützmacher (1832-1903) ehrt er mit dem Konzert für das Violoncello, op. 193. Ein weiterer Weltklasseinstrumentalist, der spanische Geiger Pablo de Sarasate (1844-1908) nimmt sich dem umfangreichen Violine-Werk von Raff an und verbreitet dieses beinahe weltweit.

Direktor des Dr. Hoch’schen Konservatoriums in Frankfurt am Main

Es ist für den Autodidakten Joachim Raff eine tiefe Genugtuung und auch Ehre, dass er 1877 für die Stelle als erster Direktor des neu gegründeten Dr. Hoch’schen Konservatoriums angefragt wird. Zur Diskussion stehen auch Persönlichkeiten wie Johannes Brahms oder Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901). Der Frankfurter Jurist Dr. Joseph Hoch (1815-1874) vermachte der Stadt ein bedeutendes Vermögen, um die Gründung dieser Hochschule zu ermöglichen.

Mit Elan stellt Raff einen bedeutenden Lehrkörper zusammen und entwickelt die Schule in kurzer Zeit zu einer international anerkannten Musikhochschule. Er selbst unterrichtet Kompositionslehre. Franz Liszt und viele weitere bedeutende Musikerinnen und Musiker besuchen das Institut mehrere Male.

Als Besonderheit beschäftigt Raff die Spitzenpianistin und Komponistin Clara Schumann (1819-1896). Eine Frau als Professorin an einer Hochschule ist ungewohnt und zeugt wieder vom fortschrittlichen gleichgestellten Geschlechterverständnis des innovativen Direktors. Auch mit der Schaffung einer eigenen Komponistinnenklasse geht Raff eigene, visionäre Wege. In seiner Antrittsrede am 22. September 1878 ist die Rede von Raffs Samson-Studien und «er gibt in konzentrierter Form und anspruchsvoller Diktion einen Abriss der Musikgeschichte, wie man sie selten findet.» (Cahn P., Das Hoch’sche Konservatorium, 1878-1978, 1979).

Daneben komponiert Joachim Raff weiterhin bekannte Werke. Sinfonien, eine Oper, Orchestervorspiele, eine Kantate, ein Gesangszyklus und vor allem sein bedeutendes geistliches Werk, das Oratorium «Welt-Ende Gericht Neue Welt». Dieses Opus 212 ist eines seiner letzten Werke. Die Tochter von Raff, Helene, erwähnt in Ihrer Biografie über den Vater, dass er gegen Ende seines Lebens öfters von Todesahnungen heimgesucht wird. 1881 beendet er das umfassende Werk und im darauffolgenden Jahr, am 24. Juni 1882 stirbt Raff an einer Herzlähmung in Frankfurt am Main.

Anlässlich des 200. Geburtstages im Jahre 2022 wird das erwähnte Oratorium in der Pfarrkirche Lachen, seiner Geburtskirche und im Gewandhaus von Leipzig von den Gewandhauschören und der Capella Lipsiensis unter Leitung von Gregor Meyer eindrucksvoll und würdig aufgeführt und auf CD eingespielt.

Ein bleibendes Vermächtnis

Raffs Vermächtnis ist zweifach. Da ist einmal seine Musik. Seit den 1970er Jahren erfreut sie sich einer erstaunlichen Renaissance. Sowohl in der Forschung (mehrere Dissertationen, Masterarbeiten, Forschungsprojekte in verschiedenen Ländern), den Tonträgerproduktionen (rund 150 CD-Produktionen von 55 Labels), unzähligen bedeutenden Konzerten in allen Erdteilen, Publikationen, Podcast-Produktionen, Präsenz in den elektronischen Medien, Ausstellungen, ist Raffs Werk wieder präsent.

Wohl damit zusammenhängend erkennen die verantwortlichen Musikschaffenden auch Raffs Persönlichkeit. In einer Zeit, in der Provokationen, Spaltungen, Egoismen, Fake-News, Radikalisierungen, Nationalismen zunehmend das Weltgeschehen negativ beeinflussen, bekommt Raffs Schaffen, das auf harmonisierender, verbindender, zusammenhängender, auf der Basis fundierter Kenntnisse und damit respektvollen und wertschätzenden Einsichten beruht, eine neue Dimension.

Viele Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftler erkennen den Wert der «Synthese», mit der sie das Werk von Joachim Raff charakterisieren. Raff konnte des Öftern in der Sache hart argumentieren, mit einer gewissen Sturheit seine Ziele verfolgen, er kam sogar infolge seines zeitweisen Schuldenberges mit dem Gesetz in Konflikt. Aber mit seiner Musik und seinen gesellschaftlichen Auffassungen wollte er verbinden und nicht trennen. Er vermittelte Werte und baute Spannungen ab. Sein Menschen- und Weltbild passen, als «Kontrapunkt», gut ins 21. Jahrhundert.

Quellenverzeichnis

Bücher

— Cahn, Peter: Das Hoch’sche Konservatorium 1878 – 1978, Frankfurt am Main, 1979

— Dörffel, Alfred: Die Gewandhauskonzerte zu Leipzig 1781 – 1881, Reprint der Ausgabe 1884,

Leipzig, 1980

— Genast, Eduard: Aus Weimars klassischer Zeit, Stuttgart, 1903

— Kolb, Severin: «Die Wagnerfrage» – Joachim Raffs Auseinandersetzung mit Richard Wagner in Weimar (1850 – 1856), Raff-Studien Band 2, Wiesbaden, 2026

— Kolb, Severin und König, Stefan: (Hrsg.), Synthesen. Tagung zur Eröffnung des Joachim-Raff-Archivs, Lachen 2018 (Kongressbericht), Raff-Studien Band 1, Wiesbaden, 2026

— Kolb, Severin: Umbruchsjahre – Joachim Raff in Stuttgart (1847 – 1849) in Musik in Baden-Württemberg, Marbach am Neckar, 2021 / 2022

Marty, Res: Joachim Raff – Leben und Werk, Lachen, 2014

— Marty, Res: Jubiläumsschrift, 50 Jahre Joachim-Raff-Gesellschaft, Lachen 2022

— Marty, Res: Linien & Klang, Dokumente & Geschichten aus dem Joachim-Raff-Archiv, Lachen 2025

— Raff, Helene: Blätter vom Lebensbaum, München, 1938

— Raff, Helene: Joachim Raff, ein Lebensbild, Regenburg, 1925

— Schäfer, Albert: Chronologisch-systematisches Verzeichnis der Werke Joachim Raff’s, Wiesbaden, 1888

— Thomas, Marc: The Music of Joachim Raff, An illustrated catalogue, Stuttgart, 2022

Dokumente

— Dokumentationsbibliothek Walter Labhart, Endingen AG

Joachim-Raff-Archiv / Sammlung Marty, Lachen

 

Dieser Text ist mit vielen Bildern zuerst erschienen auf sichtweisenschweiz.ch

Konzerttournee eines Kammerorchesters aus Bachmut

Rund um den vierten Jahrestag des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ist das Kammerorchester des Ivan-Karabyts-Fachkollegs Bachmut für Kultur und Kunst vom 19. bis 25. Februar in der Schweiz und Liechtenstein unterwegs.

Das Kammerorchester des Ivan-Karabyts-Fachkollegs Bachmut für Kultur und Kunst. Foto: zVg

Am 24. Februar 2026 jährt sich der Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zum vierten Mal. Mit einer Konzerttournee durch die Schweiz und Liechtenstein gedenken Geflüchtete, lokale Partnerorganisationen sowie die Bevölkerung gemeinsam der Opfer des Krieges – und setzen ein Zeichen der Solidarität. Organisiert wird die Tournee vom Ukrainischen Kulturverein Prostir Luzern und der Ukrainehilfe Zentralschweiz, in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen lokalen Partnern.

Im Rahmen der Tournee gastiert das Kammerorchester des Ivan-Karabyts-Fachkollegs Bachmut für Kultur und Kunst (derzeit im Exil in Kamjanez-Podilskyj, Ukraine) in mehreren Städten. Auf dem Programm stehen kurze Werke ukrainischer Komponistinnen und Komponisten– als Ausdruck der eigenständigen kulturellen Vielfalt der Ukraine: Kultur als Widerstand und Hoffnung.

Bachmut – eine Stadt, die es nicht mehr gibt

Bachmut, einst eine Stadt mit rund 80’000 Einwohner:innen, wurde zum Schauplatz einer der brutalsten Schlachten des 21. Jahrhunderts und gilt heute als unbewohnbar. Das Fachkolleg, aus dem das Orchester stammt, wurde 2022 zerstört, Instrumente geplündert, Unterrichtsräume verwüstet und der Konzertsaal bombardiert. Dennoch musizieren die jungen Künstlerinnen und Künstler weiter – unter provisorischen Bedingungen, mit geretteten Archiven und wenigen erhaltenen Instrumenten.

Mit den Konzerten sammelt das Orchester Spenden und macht international auf die Situation in der Ukraine aufmerksam. Gleichzeitig ist das gemeinsame Musizieren ein starkes Zeichen: für Würde, kulturelle Identität und Zukunft.

Konzertdaten – Tournee Schweiz & Liechtenstein

Donnerstag, 19. Februar 2026 – 18:00 | Schaan (LI)
Pfarrkirche St. Laurentius, Reberastrasse 17, 9494 Schaan
Lokale Organisation: Verein SKS Integrationshilfe

Freitag, 20. Februar 2026 – 19:00 | Zug
St. Johannes Zug, St.-Johannes-Strasse 9, 6300 Zug
Lokale Organisation: Katholische Kirchgemeinde der Stadt Zug

Samstag, 21. Februar 2026 – 17:00 | Olten
Christkatholische Stadtkirche, Kirchgasse 2, 4600 Olten
Lokale Organisation: KALYNA Ukraine-Netzwerk Region Olten

Sonntag, 22. Februar 2026 – 09:00 | Basel
Thomaskirche Basel (Gottesdienst mit anschliessendem Konzert),
Hegenheimstrasse 229, 4055 Basel
Lokale Organisation: Weltweite Kirche
Spenden: Ukrainehilfe mit Herz

Sonntag, 22. Februar 2026 – 17:00 | Zürich
Grossmünster Zürich, Zwingliplatz 7, 8001 Zürich
Lokale Organisation: Grossmünster Zürich
Spenden: HEKS

Montag, 23. Februar 2026 – 19:00 | Luzern
Lukas-Kirche Luzern, Morgartenstrasse 16, 6003 Luzern
Lokale Organisation: Ukrainischer Kulturverein Prostir & Ukrainehilfe Zentralschweiz

Dienstag, 24. Februar 2026 – 18:30 | Bern
Berner Münster (Friedensgebet und Konzert), Münsterplatz 1, 3000 Bern
Lokale Organisation: Arbeitsgemeinschaft Christliche Kirche in der Schweiz (AGCK)

Mittwoch, 25. Februar 2026 – 19:00 | Genf 
Genf Espace Madeleine / Temple de la Madeleine Rue de la Madeleine 15, 1204 Genèvee
Lokale Organisation: Ständige Vertretung der Ukraine in Genf (in Koordination)

 

Eintritt frei – Kollekte / Spenden

Der Eintritt ist frei. Am Ausgang wird eine Kollekte / Spende gesammelt. Die Einnahmen gehen grundsätzlich an den Ukrainischen Kulturverein Prostir Luzern sowie die Ukrainehilfe Zentralschweiz und werden vollumfänglich für Ukrainehilfe vor Ort eingesetzt.

Die Konzerttournee selbst ist vollständig durch Fördergelder finanziert – Spenden aus den Konzerten fliessen daher direkt in konkrete Hilfsmassnahmen, insbesondere in Frontregionen wie Charkiw, Donezk/Donbas, Luhansk, Saporischschja und Cherson. Unterstützt werden sowohl humanitäre Hilfe (z.B. dringend benötigte Ausrüstung und Versorgung) als auch Kulturhilfe (z.B. Musikinstrumente für Kinder sowie Unterstützung von Kulturinstitutionen). Ausnahmen: In Basel kommt die Kollekte der Initiative «Ukrainehilfe mit Herz» zugute, in Zürich fliessen die Spenden an HEKS (gemäss lokaler Organisation der jeweiligen Konzerte).

Amerika-Schwerpunkt beim Lucerne Festival

Sebastian Nordmann hat sein erstes Sommerprogramm vorgestellt. Das Festival will relevanter werden, das brisante Thema aber rein musikalisch verstanden wissen.

Sebastian Nordmann. Foto: Marco Borggreve

Dass Sebastian Nordmann beim Lucerne Festival auf Michael Haefliger folgen würde, war schon zweieinhalb Jahre lang bekannt. Mit dem 1. Januar 2026 hat nun der frühere Leiter des Konzerthauses Berlin offiziell das Amt des Intendanten übernommen und anlässlich der Programmvorstellung zur Medienkonferenz ins KKL eingeladen. Inhaltlich hatte sein Vorgänger zwar nichts mehr geplant, doch der Stiftungsrat hatte zwei klare Vorgaben gesetzt: Das Lucerne Festival Orchestra und die Lucerne Festival Academy sollten fortgeführt werden. Neben der Sicherung der künstlerischen Exzellenz erwartet man von Nordmann vor allem eine stärkere Relevanz des Festivals. Das betonte Stiftungsratspräsident Markus Hongler in seiner Begrüssung.

Dreams ohne Alpträume

Das Musikfestival soll also noch stärker in die Gesellschaft ausstrahlen. Vor diesem Hintergrund überraschte, wie zurückhaltend sich Sebastian Nordmann zum diesjährigen Thema «American Dreams» äusserte – gerade angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen in den USA. Auf der Medienkonferenz blieb der neue Intendant bewusst bei der Musik. Das Motto habe sich vor zwei Jahren in einem Gespräch mit Riccardo Chailly, dem Chefdirigenten des Lucerne Festival Orchestra, herauskristallisiert, der sich einen amerikanischen Schwerpunkt gewünscht habe. So erklingen beim Eröffnungskonzert am 14. August neben Charles Ives‘ 1. Sinfonie auch George Gershwins Concerto in F für Klavier (Solist: Frank Dupree) und Orchester. Ergänzt wird das Programm durch Gershwins Cuban Overture und Steve Reichs New York Counterpoint für elf Klarinetten. Doch kann man das positiv konnotierte «American Dreams» so unkommentiert stehen lassen, während viele Amerikanerinnen und Amerikaner derzeit massive staatliche Gewalt als Alptraum erleben? «Parteipolitisch oder wirtschaftspolitisch möchten wir keine Stellung nehmen», antwortet Nordmann im persönlichen Gespräch. «Uns sind die amerikanischen Träume wichtig, die sich beispielsweise in der Musik von George Gershwin oder in der Minimal Music von Steve Reich und John Adams zeigten.» Eingeladen seien die Künstlerinnen und Künstler wegen ihrer Kunst – von Yo-Yo Ma und Hilary Hahn bis zur Poetin Amanda Gorman.

Die Musik soll für sich sprechen

Ein Forum für Parteipolitik wolle er nicht bieten, sondern im Austausch bleiben und Brücken schlagen. Dabei steht das Festival laut Nordmann für demokratische und humanistische Werte. Doch wie lässt sich dieser Anspruch ohne klare politische Positionierung einlösen, wo es in den USA doch kaum mehr um Parteipolitik, sondern ganz grundsätzlich um die Gefährdung der Demokratie geht? Nordmann antwortet: «Ich glaube, es wäre falsch, wenn Kulturinstitutionen sagen, was parteipolitisch richtig oder falsch ist. Wir wollen für etwas sein und nicht gegen etwas. Wer sich für Hass und Gewalt ausspricht, wird bei uns nicht auftreten. Wir möchten hier die Orchester und Künstlerinnen und Künstler aus den USA unterstützen. Und ihnen zeigen, dass wir sie hören und sehen», meint Nordmann. Die amerikanische Musik soll also für sich stehen – und davon gibt es im Sommer reichlich, von John Adams bis Frank Zappa, von Leonard Bernstein bis Aron Copeland. Artist-in-Residence ist der in den USA lebende Augustin Hadelich, der mit vier verschiedenen Programmen auftritt, darunter den Violinkonzerten von Samuel Barber und Ludwig van Beethoven sowie einer Fiddle Night. Anne-Sophie Mutter, deren Karriere im Alter von 13 Jahren bei den Internationalen Musikfestwochen Luzern begann, feiert ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum unter anderem mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra und Pendereckis 2. Violinkonzert, hat aber mit dem 2. Violinkonzert von André Previn auch Amerikanisches im Programm.

Anknüpfungen und Neuerungen

Bereits im vergangenen Sommer wurde Jörg Widmann in der Nachfolge des verstorbenen Wolfgang Rihm als Leiter der Lucerne Festival Academy vorgestellt. Mit seinem Dirigat von Wolfgang Rihms «monströsem» (O-Ton Widmann) Orchesterwerk Tutuguri wird ein Bogen zum Vorgänger geschlagen. Ganz anders klingt die zerbrechliche Musik des Composers-in-Residence Mark Andre, von der Widmann in höchsten Tönen schwärmt. Neuerungen gibt es beim 20 Sinfonieorchester und 120 Veranstaltungen präsentierenden Lucerne Festival vor allem im Bereich der Vermittlung. Beim aus Berlin mitgebrachten Format «Mittendrin» nimmt man im Orchester Platz, unter dem Motto «Luege Lose Erläbe» erhält ein Kind oder Jugendlicher bei jedem Konzert ein Begleitticket für 10 Franken. Zwei kostenlose Eröffnungsveranstaltungen im KKL und open air auf dem Europaplatz sollen Lust auf das Festival machen, das zwei Tage kürzer ist als im Vorjahr. Mit «Orchestrating the moment» hat man sich einen emotionalen Claim überlegt. Ob der ausreicht für eine grössere Relevanz?

Jerusalem im Zentrum

Das fünftägige Kammermusik-Festival Mizmorim setzte in Basel vom 21. bis 25. Januar auf interkulturelle Begegnungen.

Das Mizmorim-Ensemble. Foto: Mizmorim/Liron Erel

«Im Wort Jerusalem steckt sowohl das jüdische Wort ‹Shalom› als auch das arabische ‹Salam›. Beides bedeutet Friede. Wir möchten beim Festival nicht zwischen den verschiedenen Kulturen trennen, sondern über die Musik zusammenfinden. Jerusalem ist eine Stadt, die uns als Gesellschaft zusammenbringt», sagt Michal Lewkowicz, die Gründerin und künstlerische Leiterin des Kammermusik-Festivals Mizmorim in Basel. Fast alle Konzerte, Lesungen und Führungen der zwölften, unter dem Motto «Jerusalem» stehenden Ausgabe waren ausverkauft. Renommierte Künstler und Ensembles wie das Gringolts Quartet, der Klarinettist Reto Bieri oder der Flötist Ariel Zuckermann sorgten für musikalische Exzellenz. Aber auch junge Talente wie das erst 2024 gegründete Arola Quartet aus Bern, das aus der im November erstmals stattgefundenen Masterclass hervorging, konnte man beim Festival entdecken.

Arola Quartet aus Bern. Foto: Mizmorim/Liron Erel

Um Jerusalem drehten sich also fast alle Veranstaltungen.  Lukas Landmann gab im Jüdischen Museum der Schweiz einen Einblick in die 5500-jährige Geschichte der Stadt, die 34-mal erobert wurde. Heidy Zimmermann zeigte in der Paul-Sacher-Stiftung die 1967 entstandene, unveröffentlichte Komposition Jerusalem für Solosänger, Sprecher, zwei Chöre und Orchester von Roman Haubenstock-Ramati. Das Vokalensemble Voces Suaves widmete sich in seinem Programm «Wenn ich Dein vergesse …» Psalmvertonungen von der Renaissance bis zur Gegenwart, denen der israelisch-palästinensische Oud-Spieler Taiseer Elias in seinen Soli arabische Melodien gegenüberstellte. Schon im Eröffnungskonzert «The Ties that Bind us» von David Krakauer (Klarinette) und Kathleen Tagg (Klavier) fand sich neben Jazz- und Klezmer-Anklängen mit November 22 ein Werk des syrischen Komponisten Kinan Azmeh.

Von Bach bis Feldman

Das Konzert «Yerushalayim shel zahav» im SRF-Studio Basel verband abendländische Musik von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach mit sieben ganz verschiedenen, von Hila Baggio expressiv gesungenen Jerusalem-Liedern, die die Bandbreite des Judentums und seiner Musik zeigten: von sephardisch bis chassidisch, von jiddisch bis jemenitisch. Marcelo Nisinman hat dafür spannende Arrangements für Flöte (Ariel Zuckermann), Violine (Ilya Gringolts), Cembalo (Francesco Corti) und sich selbst am Bandoneon geschrieben, die jedem der Lieder eine eigene Farbe geben.

Yerushalayim shel zahav im langsamen Dreiertakt, das durch die israelische Sängerin Ofra Haza international bekannt wurde, verliert in Nisinmans Version an Pathos und gewinnt an Vielschichtigkeit. Sein The silent wall genanntes Porträt der Stadt, das das Festival in Auftrag gegeben hatte, ist überraschend weltlich, klingt nach Tango und Lebensfreude. Und vermittelt einen guten Eindruck von der Lebendigkeit und Multikulturalität der Stadt, über die man sich anschliessend im Foyer bei Hummus, Pita und Bier noch rege austauscht.

Das Konzert «Yerushalayim shel zahav» im SRF-Studio Basel. Foto: Mizmorim/Liron Erel

Dem jüdischen US-amerikanischen Komponisten Morton Feldman, der am 12. Januar 100 Jahre alt geworden wäre, waren gleich zwei Konzerte gewidmet. Beim Late-Night-Termin stand das halbstündige Why patterns? für Flöte, Glockenspiel und Klavier (1978) auf dem Programm. Tiefe Flötentöne (Anja Clift) treffen auf hohe, warme Klavierklänge (Dmitry Batalov). Christian Dierstein verbindet die Linien am Glockenspiel. Das ist ganz zärtliche, intime Musik, die die Zeit stehen lässt und aus einfachen Tonwechseln Ereignisse macht. Das mit etlichen Schweizer Erstaufführungen gespickte Abschlusskonzert «Jerusalem-Syndrom» mit dem Mizmorim-Festival-Ensemble spannte im Ackermannshof einen Bogen vom aus Nazideutschland in die USA geflohenen jüdischen Komponisten Stefan Wolpe (1902–1972) zum in Deutschland lebenden israelischen Palästinenser Samir Odeh-Tamimi, dessen Trio Li-Umm-Kámel arabische Musik mit europäischen Komponiertraditionen verbindet. Eine weitere interkulturelle Begegnung an diesem Festival.

Radio SRF 2 Kultur präsentiert am 19.3.2026 von 20 bis 22 Uhr in der Sendung «Im Konzertsaal» einen Querschnitt aus dem Programm des diesjährigen Mizmorim-Festivals.

Paul Clift und Iris Szeghy an den ISCM Weltmusiktagen 2026

Paul Clift und Iris Szeghy vertreten mit «On the celestial hierarchy» resp. «Elegies and Arabesques» die Schweiz an den ISCM World Music Days 2026 in Rumänien.

Paul Clift (Foto von: paulclift.net) und Iris Szeghy (Foto: Ayse Yavas)

Die diesjährigen Weltmusiktage finden vom 23. bis 31. Mai in Bukarest statt. Ihr Motto «Columna Infinita»  ist eine Anlehnung an die Skulptur des bedeutenden rumänischen Künstlers Constantin Brâncuși.

Die Schweizer Musikedition (SME) hat erstmals in Vertretung der ISCM Switzerland (Schweizer Sektion der International Society for Contemporary Music) die Schweizer Werke eingegeben. Es waren Kompositionen von Alice Hoi-ching Yeung, Barbara Rettagliati, Benoit Moreau, Christophe Schiess, Manuel Valverde und Paul Clift aus dem Call for Scores der ISCM Switzerland vom vergangenen Herbst. Die Auswahl kürten Christian Spitzenstaetter (Präsident der ISCM Switzerland/SME), Aline Sarah Müller (Geschäftsstelle SME), Mathias Steinauer (SME/künstlerischer Leiter ISCM WMD 2004 in der Schweiz) und Javier Hagen (SME/a. Präs. ISCM Switzerland).

Das Werk von Iris Szeghy wurde von der slowakischen Sektion eingereicht. Iris Szeghy (2016/2026) ist nach Helena Winkelman (2015), Junghae Lee (2004/2019), Esther Flückiger (2020/2023) und Karin Wetzel (2021) die fünfte Schweizer Komponistin an den ISCM World Music Days.

Weitere Informationen: https://iscm.org/wnmd/2026-romania/

Ausgabe 1/2026 – Focus «Kulturerbe»

Foto: Holger Jacob

Inhaltsverzeichnis

Focus

Nur was mich berührt, ist ein Erbe
Adriano, Graziella Contratto, Myriam Schleiss und Urs Schnell diskutieren unter der Leitung von Michael Eidenbenz über das musikalische Kulturerbe der Schweiz.

Kulturerbe erkennen, erhalten und fördern
Was ist auf der «Liste der lebendigen Traditionen» aufgeführt und wozu?

Weltkulturerbe – und jetzt?
Welcher Prozess führte zur Aufnahme des Schweizer Jodels auf die «Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit» der Unesco und was folgt nun daraus?

«Die Idee des Schweizer Jodels ist ein Mythos»
Der Zürcher Musikethnologe Dieter Ringli ordnet ein, was gerade in der Jodelszene des Landes passiert.

Die Nationalphonothek zwischen Vergangenheit und Zukunft
Deutsche Übersetzung des italienischen Originaltextes

(kursiv = Zusammenfassung in Deutsch des französischen Originalartikels)

Critiques

Neuerscheinungen Bücher, Tonträger, Webseiten, Noten, Filme

Echo 

Der Platz in der gedruckten Ausgabe reicht längst nicht für alle Texte, deshalb werden sie hier aufgelistet und auf die entsprechenden Online-Artikel verlinkt. Diese sind grösstenteils schon vor Erscheinen der gedruckten Ausgabe publiziert worden.

Die Avantgarde und Wotans Rat
Das Lucerne Festival zeigt mit «Forward» neue musikalische Tendenzen.

Sinfonische Jamsession
Im Repertoire Orchestra spielen Amateure und Musikstudierende einen Abend lang zusammen mit Profis beliebte Werke der klassischen Konzertliteratur.

Diriger un orchestre à vent en vrai
Les Swiss Conducting Days proposent six jours de masterclasses et de concerts pour les futurs chefs et cheffes d’orchestre à vent.

Offener Brief im Hinblick auf die Abstimmung zur «Halbierungsinitiative» im März 2026
130 Unterzeichnende

Klassik total
Carte blanche von Jürg Erni

Basis

Artikel und Nachrichten aus den Musikverbänden

Konferenz Musikhochschulen Schweiz (KMHS) / Conférence des Hautes Ecoles de Musique Suisse (CHEMS)

Schweizer Musikrat (SMR) / Conseil Suisse de la Musique (CSM)

Swissmedmusica (SMM) / Association suisse de Médecine de la Musique (SMM)

Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (SMG) / Société Suisse de Musicologie (SSM)

Schweizerischer Musikerverband (SMV) / Union Suisse des Artistes Musiciens (USDAM)

Schweizerischer Musikpädagogischer Verband (SMPV) / Société Suisse de Pédagogie Musicale (SSPM)

SONART – Musikschaffende Schweiz

Stiftung Schweizerischer Jugendmusikwettbewerb (SJMW)

Arosa Kultur

SUISA – Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik

Verband Musikschulen Schweiz (VMS) / Association Suisse des Écoles de Musique (ASEM)

 

Knochiges Erbe
Rätsel von Pia Schwab

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Ausgabe für CHF 12.- (+ CHF 2.- Versandkosten) bestellen

Die Nationalphonothek zwischen Vergangenheit und Zukunft

1987 in Lugano gegründet und heute Teil der Nationalbibliothek sammelt, bewahrt und erschliesst die Phonothek das klingende Kulturerbe der Schweiz. Sie kümmert sich um die Gesamtheit der öffentlichen und privaten Aufnahmen mit dokumentarischem oder identitätsstiftendem Wert für das Land: Musik, Stimmen, Interviews, Werbung oder Klanglandschaften.

Die phonographischen Zylinder von Thomas Edison, 1878 patentiert, erlaubten als erste Tonträger die Wiedergabe der Klänge. Foto: Nationalphonothek

Es ist eine Geste aus der Kindheit, und je nach romantischer Veranlagung hören wir auch später nicht damit auf. Halten Sie sich nicht auch manchmal eine dieser Muscheln ans Ohr, die auf dem Büchergestell liegen? «Hör das Meer», sagte man uns, als wir klein waren, denn es ist ja bekannt: Muscheln haben die magische Fähigkeit, den Klang ihrer Umgebung aufzusaugen und für immer zu bewahren. Später lernt man (wenn man will), dass sie nur kleine, unvollkommene Resonanzkörper für die Umgebungsgeräusche sind, eben auch für unser Blut, das durch die Ohren pulsiert. Aber der Wunsch, an dieses kleine Meer zu glauben, bleibt bestehen. Vermutlich entspricht er dem grossen Begehren unserer Spezies, sich anzueignen, was sie umgibt, und zwar in der ungreifbarsten und flüchtigsten Form, der Welt der Klänge.

Schallwellen, die alles Hörbare ausmachen, breiten sich aus und verlieren sich schliesslich. Die Idee, eine Folge von Musiknoten oder Worten identisch zu wiederholen, erweist sich als Chimäre. Musiker und Schauspielerinnen erfahren das immer wieder. Um diesen Kontrollverlust zu mildern, hat der Mensch die Technik des Schreibens erfunden. Verba volant, scripta manent: eine geniale Abhilfe für den ständigen Energieverlust in der Welt der Klänge. Schreiben ist eine Verschlüsselung, die nicht auf Bewahrung abzielt, sondern auf Wiederholbarkeit des Gemeinten, wobei sie sich auf die Vorstellungskraft des menschlichen Gehirns stützt.

Aber was ist mit dem wahren Klang, dem wahren Objekt? Die Kastraten des barocken Roms übten vor hallenden Wänden, um ein flüchtiges Echo ihrer Stimme zu erhaschen, und erst 1857 patentierte Éduard Léon Scott de Martinville den Phonautographen, eine Art Oszillometer, mit dem er Schallwellen auf geschwärzten Gläsern aufzeichnen konnte. Aufzeichnen, aber noch nicht wiedergeben. Erst 2008 gelang es, seine Phonautogramme hörbar zu machen: ein Fragment aus Au Clair de la Lune, einige Verse von Tasso und andere kleine Experimente.

1878 patentierte Edison seinen Phonographen, bei dem die Schwingungen von einer Nadel auf einen folienüberzogenen Zylinder geritzt wurden und der nun auch das Umgekehrte möglich machte: die Rille wieder «zu lesen», das Aufgenommene wieder zu hören. Berliner verwendete 1888 anstelle von Zylindern Schallplatten, die sich für die Massenproduktion und die Vermarktung besser eigneten. Im 20. Jahrhundert erfolgte dann der Übergang zu elektrischen Aufnahmen auf Magnetbändern und schliesslich zu rein digitalen Aufzeichnungen und zur endgültigen Entmaterialisierung des Tonträgers: Die Musik wanderte ins Internet. Mit unserem Smartphone können wir heute stundenlang Tonaufnahmen machen und wiedergeben sowie online auf fast die gesamte Musik der Welt zugreifen.

Eine Bibliothek der Töne

Um schriftliche Dokumente zu bewahren und der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen, gibt es Bibliotheken. Und für Töne? Wenn man Klänge festhalten kann, stellt sich auch die Frage, was mit den Trägern dieser klingenden Erinnerungen einer Gesellschaft geschehen soll.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts, wenige Jahre nach Edisons Erfindung, wurde eifrig aufgenommen. Einige europäische Institutionen erkannten früh, dass es wichtig war, dieses Erbe ebenso zu konservieren wie schriftliche Zeugnisse. So entstand 1899 das Phonogrammarchiv Wien und 1900 dasjenige von Berlin. In der Schweiz sammelte die Nationalbibliothek seit Beginn des letzten Jahrhunderts auch einige Tondokumente. In den Sechzigerjahren wurde aber der Ruf nach einer spezialisierten Institution laut. 1984 stellte die Gemeinde Lugano Räumlichkeiten und Mittel zur Verfügung, worauf man 1987 die Stiftung Nationalphonothek gründen konnte. 2016 wurde sie eine Sektion der Nationalbibliothek. Nach Anfängen im Studio Foce, zog die Phonothek im Jahr 2000 ins Centro San Carlo. 2031 wird sie in die Città della Musica umziehen, ein futuristisches Projekt, das in den Lokalitäten von Radio RSI in Besso verschiedene Partner aus dem Musikbereich zusammenführt.

Das Aufnehmen hat sich entmaterialisiert und in der digitalen Welt angesiedelt. Foto: Nationalphonothek

Der Auftrag der Nationalphonothek leitet sich aus dem Bundesgesetz über die Schweizerische Nationalbibliothek ab: das akustische Kulturerbe sammeln, erschliessen, erhalten, zugänglich und bekannt machen. Die Tonträger, man nennt sie Helvetica, denn sie haben zwingend einen Bezug zur Schweiz, werden in fünf Bereiche eingeteilt, vier musikalische – Klassik, Jazz, Rock & Pop, Folk – und einen nicht musikalischen, in dem Stimmen, Hörbücher, Hörspiele, Interviews, aber auch Naturgeräusche und Klanglandschaften zusammengefasst sind.

«Unsere ältesten Stücke sind Wachszylinder mit klassischer und Operettenmusik aus der Sammlung einer Privatperson in Chiasso», erklärt Günther Giovannoni, seit 2019 Direktor der Phonothek. «Was Musikaufnahmen anbetrifft, besteht in der Schweiz keine Pflicht, ein Belegexemplar bei uns einzureichen. Daher sind wir seit vierzig Jahren daran, mit Unterstützung der Suisa, weiterer Verwertungsgesellschaften und in Zusammenarbeit mit dem Radio und anderen Partnern den Sammel-Rückstand aufzuholen. Für gestreamte Inhalte hat das Parlament ein Gesetz über die Einreichung von digitalen Pflichtbelegen ab 2027 verabschiedet: eine gigantische Menge an Material, aus dem wir auswählen müssen. Wir sind nur verpflichtet zu konservieren, was als wichtig erachtet wird, eine anspruchsvolle Auswahl, an der Verantwortliche verschiedener Bereiche beteiligt sind.»

Das klingende Kulturgut eines Landes

Beim flüchtigen Scrollen in den sozialen Medien könnte man sich fragen, was es denn so Wichtiges zu erhalten gebe in all dem oft sehr kommerziellen Lärm. «Es ist nicht an uns zu urteilen», unterbricht Giovannoni, «kommerzieller oder künstlerischer Wert sind nicht unsere einzigen Auswahlkriterien. Wir haben beispielsweise eine Abteilung, die sich um Werbung kümmert. Das könnte man unter gewissen Gesichtspunkten für weniger gehaltvoll oder lehrreich halten, ist aber historisch und soziologisch äusserst wichtig, insbesondere für Fachleute. Die entscheidende Frage ist diejenige nach der Nachhaltigkeit: Ist es sinnvoll, so viel Material aufzubewahren? Wie hoch sind die Kosten, ökologisch und finanziell? Unsere Richtlinien erlauben uns, nicht alles zu nehmen, um nicht überlastet zu werden. So lesen wir beispielsweise auch unter neuen künstlerischen Produktionen aus: Wir lassen sie eine Weile ruhen, bevor wir sie in unseren Bestand aufnehmen.»

Eine exponentiell wachsende Menge an Material macht eine Auswahl unumgänglich. «Wir sind nicht verpflichtet, alles zu haben, aber alles, was als wichtig erachtet wird.»
Foto: Nationalphonothek

Dazu braucht es eine klare Vision, was das klingende Kulturgut unseres Landes sein soll. «Unser Selbstverständnis wird zu einem Teil von erinnerten Klängen bestimmt», erklärt Giovannoni. «Die Schweiz ist klein, aber äusserst vielfältig, was Sprachen, Kulturen und Besonderheiten angeht. Der Archivar hat die Aufgabe, dieses Klanggedächtnis für die nächsten Generationen zu erhalten. Wir schützen Vergangenes für die Zukunft.»

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der Bereich Sprache und Geräusche, vermutlich der reichhaltigste der Phonothek. Während es ausdrückliche Absicht war, eine grosse Zahl von Glockengeläuten landauf, landab zu dokumentieren, sind die eingefangenen Klanglandschaften manchmal ein Nebenprodukt anderer Aufnahmen. Sie bieten uns über Jahrzehnte hinweg tönende Chroniken gewisser Räume: eines ländlichen Marktes, eines städtischen Platzes. «Die Klänge ändern sich wie unser Alltag», sagt Giovannoni, «nehmen Sie das Knirschen eines Gletschers, das sich mit der Zeit verändert und bald gar nicht mehr existieren wird. Oder prosaischer: Die Gemeinde Lugano hat uns die Aufzeichnungen der Gemeinderatssitzungen der letzten 60 Jahre übergeben. Man kann also die Entwicklung des politischen Diskurses verfolgen, linguistisch, soziologisch … »

Unter den Musikdokumenten führen uns einige durch die Geschichte des Landes, beispielsweise der Nachlass von Hanny Christen: «Fünfzig Tonbänder, die Anfang der 90er-Jahre zufällig entdeckt wurden. Sie bewahren einen Teil der ‹alten und reinen› traditionellen Schweizer Musik und haben unsere Sichtweise revolutioniert», erklärt Andrea Sassen, Leiterin der Abteilung für Volksmusik. «Oder denken Sie an den K-Sound-Bestand von Kiko Berta, der einige der wichtigsten Alben der 90er-Jahre aufgenommen hat, darunter Perlen, die nie in den Handel gekommen sind», fügt Yari Copt, der Verantwortliche für die Abteilung Rock, an.

«Aber es ist auch interessant, auf die Gegenwart zu schauen», fährt er fort. «Heute ist eine Generation von Schweizer Künstlern und Künstlerinnen mit einer klaren Vision und einer hohen Produktionsqualität am Werk. Und für alle, die sich mit dem musikalischen Erbe beschäftigen, ist das ein starkes Signal: Die Phonothek ist nicht nur ein Archiv für Vergangenes, sondern ein lebendiger Ort, der die Gegenwart dokumentiert und das klangliche Erbe von morgen aufbaut. Diese Produktionen heute zu bewahren, ermöglicht es in Zukunft, genau sagen zu können, was sich in diesem Moment in der Schweizer Musik abgespielt hat.»

In die Zukunft gerichtet

Hier wird also bewahrt, aber erstaunlicherweise auch kreiert, als wolle man den Blick darauf lenken, was es für die Zukunft zu verewigen gilt: Auf dem Youtube-Kanal der Phonothek feiert Bruno Spoerri seinen 90. Geburtstag, indem er das Publikum mit einem wunderbaren Livestream begeistert, meisterhaft von Lara Persia im Studio Lemura aufgenommen. «Das ist das erste einer Reihe von Konzerten, die wir dank einer ausserordentlichen Spende ausrichten konnten», erklärt Giovannoni. «Eine Art Schaufenster: Wir unterstreichen den Wert unserer Archive, indem wir denjenigen eine Bühne bieten, die zum klingenden schweizerischen Kulturerbe beigetragen haben. Eine Hommage an diese Menschen, die so viel gegeben haben.»

Auch hier kommt das Konzept des Vermächtnisses zum Ausdruck, der Ausrichtung auf die Zukunft. Das führt uns zurück zu den technischen Herausforderungen, wie sie die Speichermedien stellen: ein zentrales Thema für die Konservierungsaufgabe der Phonothek. «Wir sind eng an die Technologie gebunden. In erster Linie bezüglich der Langlebigkeit der Trägermedien. Schellack- oder Vinylplatten beispielsweise sind robust. Ihre Inhalte können wir auch in hundert Jahren noch hören, wenn sie professionell gelagert werden. Tonbänder verlieren dagegen langsam ihre Informationen; ‹selbstgebrannte› CDs haben eine durchschnittliche Lebensdauer von fünf Jahren. Ebenso altern die Abspielgeräte und unterliegen der historischen Entwicklung.

Ein Beispiel sind die DAT-Cassetten von Sony, die während 20 Jahren hergestellt wurden. 2007 hat der Konzern die Produktion eingestellt, die Lizenzen aber behalten. Im Moment haben wir noch einen Vorrat an Tonköpfen, aber wenn sie aufgebraucht sind, stehen wir vor einem gravierenden Problem. Daraus ergeben sich unsere Prioritäten in Sachen Digitalisierung und Konservierung. Es ist eine stetige technische Herausforderung, das Material greifbar zu machen: Wir wollen ein Ort sein, an dem Nutzerinnen und Nutzern Anregungen sowie Gelegenheiten geboten werden, Neues zu entdecken.»

Visual Audio ist ein Leuchtturmprogramm der Phonothek: ein Digitalisierungsverfahren, bei dem der Inhalt einer beschädigten Platte gerettet wird, indem sie analog fotografiert und das Bild eingescannt wird. Foto: Nationalphonothek

Dieser Wille zeigt sich in zukunftsgerichteten technologischen Projekten wie beispielsweise den Forschungen, um weiterhin DAT-Tonträger lesen zu können, oder Leuchtturmprogrammen wie Visual Audio, einem Digitalisierungsverfahren, das es möglich macht, den klingenden Inhalt einer beschädigten Platte zu retten, indem sie analog fotografiert und das Bild eingescannt wird.

Ein Bildungsangebot mit Führungen, Workshops, Vorträgen und Schulbesuchen richtet sich an ein breites Publikum. Äusserst wichtig ist der Phonothek auch die Sensibilisierung der Jüngsten auf das Hören und auf Klänge. «Junge Menschen hören Musik, aber über ihr Mobiltelefon in oft dramatisch schlechter Qualität», klagt Giovannoni. «Wir müssen ihnen bewusstes Hören beibringen, auch im Hinblick auf mögliche Schädigungen durch Überlastung. Ihnen soll bewusst werden, dass Klangqualität ein wichtiger Faktor ist beim Musikhören und dass Zeitpunkt, Medium und Format die Wahrnehmung beeinflussen können. Viele Jugendliche wissen gar nicht, dass es andere Wege gibt, als Musik übers Handy zu hören, und sie haben keine Ahnung von den Qualitätsunterschieden. Man muss es ihnen beibringen, und das ist möglich, indem man ihnen den technischen Fortschritt und die unterschiedlichen Klangqualitäten im Verlaufe der Geschichte der Tonträger vorführt.»

Warum die Schweizer Musik Nein zur SRG-Halbierungsinitiative sagt

An den Solothurner Filmtagen, dem wichtigsten Treffpunkt des Schweizer Films, wurde am 25. Januar nicht nur über Kino gesprochen. Vertreterinnen und Vertreter der gesamten Kulturszene – von Film über Musik bis zur Darstellenden Kunst – traten gemeinsam vor die Medien, um ein klares Zeichen zu setzen: Nein zur SRG-Halbierungsinitiative «200 Franken sind genug».

Für die Musik ist diese Abstimmung von zentraler Bedeutung. Denn die SRG ist nicht einfach ein weiterer Medienanbieter, sondern die wichtigste mediale Bühne für Schweizer Musik – für Profis ebenso wie für die breite Amateur- und Nachwuchsszene.

Musik erreicht die Schweiz – über die SRG

Musik gehört in der Schweiz zum Alltag. Rund 20 Prozent der Bevölkerung singen, weitere 20 Prozent spielen ein Instrument, fast 15 Prozent tanzen regelmässig. Und fast alle hören Musik. Entscheidend ist dabei der Kanal: Über 80 Prozent der Bevölkerung konsumieren Musik über Radio und Fernsehen.

Genau hier kommt die SRG ins Spiel. Sie sendet jährlich über 42’000 Stunden Schweizer Musik, produziert rund 1’000 Stunden Livemusik und erreicht mit einem durchschnittlichen Schweizer Musikanteil von rund 40 Prozent ein Publikum, das kein privater Anbieter und keine Streamingplattform in dieser Breite erreicht.

Diese Präsenz ist kein Zufall, sondern kulturpolitischer Auftrag – und sie ist die Grundlage für Sichtbarkeit, Einkommen und Nachwuchsförderung.

Sichtbarkeit entscheidet über Nachwuchs

Yvonne Glur, Co-Leiterin des Bereichs Amateurmusik beim Schweizer Musikrat und Präsidentin von accordeon.ch, bringt es auf den Punkt: «Für den Nachwuchs der Amateurmusik ist Sichtbarkeit entscheidend. Junge Menschen engagieren sich dann, wenn sie erleben, dass ihr Können und ihre Leidenschaft wahrgenommen, wertgeschätzt und gezeigt werden.»

Ob Blasmusik, Chöre, Volksmusik, Jazz oder zeitgenössische Formate: Viele Ensembles und Vereine existieren ausserhalb kommerzieller Logiken. Ohne eine nationale Bühne verschwinden sie rasch aus der öffentlichen Wahrnehmung – und damit aus dem kulturellen Alltag.

Vielfalt braucht Infrastruktur

Die Halbierungsinitiative würde der SRG einen grossen Teil ihrer finanziellen Mittel entziehen. Die Folgen wären absehbar: weniger Eigenproduktionen, weniger Übertragungen, weniger Berichterstattung. Günstige internationale Inhalte würden zunehmen, während Schweizer Musik und regionale Formate verdrängt würden.

Marc Trauffer, Mundart-Popsänger und Produzent, warnt: «Wir brauchen dringend eine starke SRG. Grosse TV-Unterhaltung ist im privaten Medienbereich viersprachig nicht finanzierbar – und genau das trägt einen wichtigen Teil zur Vielfalt unseres Landes bei.»

Was für Shows und Serien gilt, gilt genauso für Musikformate: Schweizer Inhalte sind aufwendig, regional verankert und selten massentauglich im rein kommerziellen Sinn. Genau deshalb braucht es eine starke öffentliche Infrastruktur.

Mehr als Musik: Kultur als verbindende Kraft

Die Medienkonferenz in Solothurn machte deutlich: Die SRG ist nicht nur für die Musik zentral, sondern für die gesamte Kultur. Filme, Serien, Konzertaufzeichnungen, Archive, Kulturjournalismus und digitale Plattformen wie Play Suisse schaffen eine gemeinsame Öffentlichkeit – über Sprachgrenzen hinweg.

Wird diese Infrastruktur geschwächt, verliert die Schweiz einen Teil ihrer kulturellen Klammer. Regionen, kleinere Sprachgemeinschaften und Nischenformate wären besonders betroffen.

Ein gemeinsames Nein der Kulturschaffenden

Die Kulturszene ist sich einig: Reformen, Kritik und Weiterentwicklung gehören dazu. Aber eine Halbierung ist keine Optimierung. Sie ist ein Kahlschlag – mit Folgen für Arbeitsplätze, Nachwuchs, Vielfalt und kulturellen Zusammenhalt.

Darum sagen Musikerinnen und Musiker gemeinsam mit Filmschaffenden, Autorinnen, Schauspielern und Kulturverbänden: Nein zur SRG-Halbierungsinitiative. Nein zum Abbau der medialen Bühne.

Video mit Patti Basler

 

Was passiert, wenn man Mani Matter neu hört – politisch zugespitzt und hochaktuell? Satirikerin und Kabarettistin Patti Basler hat zur Melodie von «I han es Zündhölzli azündt» einen eigenen Text gegen die SRG-Halbierungsinitiative geschrieben.

Mit Witz, Schärfe bringt sie auf den Punkt, worum es geht: um Kultur, Haltung – und darum, keine halben Sachen zu machen.

Die Schweizer Geigenbauschule überzeugte in Paris

Beim Concours international de lutherie 2026 wurde die Viola von Laura Gartmann und Thibault Jaberg prämiert.

v.l. Raphael Pidoux (Präsident der Jury), Thibault Jaberg und Laura Gartmann sowie die Schülerinnen und Schüler der Ecole nationale de Lutherie in Mirecourt. Foto: Schweizer Geigenbauschule

Nach erfolgreichen Teilnahmen in den Jahren 2022 und 2024 konnte die Brienzer  Schweizer Geigenbauschule auch beim diesjährigen dritten Concours international de lutherie vom 14. bis 18. Januar  in Paris überzeugen. Laura Gartmann und Thibault Jaberg, Lernende des vierten Lehrjahres, haben die in der Kategorie «Talents de demain» prämierte Bratsche gebaut. Sie wurde mit einer Bronzemedaille sowie dem Spezialpreis der Jury «Coup de Cœur» für besondere handwerkliche Exzellenz ausgezeichnet. Der erste und zweite Platz des Wettbewerbs gingen an die französische École nationale de Lutherie in Mirecourt.

Der Concours international de lutherie zählt zu den renommiertesten Wettbewerben im internationalen Geigenbau. In der Kategorie «Talents de demain» werden Geigenbauerinnen und Geigenbauer in Ausbildung nach strengsten handwerklichen, gestalterischen und klanglichen Kriterien bewertet. Der Erhalt des Jury-Spezialpreises unterstreiche, schreibt die Schweizer Geigenbauschule, die hohe Qualität und Eigenständigkeit der Ausbildung im internationalen Vergleich, bestätige den nachhaltigen Ausbildungsansatz der Schule und stärke ihre internationale Sichtbarkeit.

An der diesjährigen Ausgabe nahmen 9 Schulen mit 15 Instrumenten teil. Eine internationale Fachjury beurteilte in den beiden Kategorien «Talents d’aujourd’hui» und «Talents de demain» insgesamt 75 Bratschen aus 22 Ländern.

«Forêt d’altos»: Alle Instrumente, die in den beiden Wettbewerbskategorien «Talents d’aujourd’hui» und «Talents de demain» eingereicht und begutachtet wurden. Foto: Schweizer Geigenbauschule

Eingesandte Bücher

Die Musikbücher in den untenstehenden Listen sind auf der Redaktion eingegangen oder uns als Neuerscheinungen angezeigt worden.

Grafik: VisualGeneration/depositphotos.com

Eingegangene Musikbücher Juli–Dezember 2025

  • Paul Suits: Score Reading: Time-honored Principles and New Approaches, 124 p., € 37.00, Tredition, Hamburg 2025, ISBN 978-3-384-57748-1
    >>> Rezension von Lukas Langlotz
  • Michael Schwalb: Paul Sacher. Fortschritt durch Rückschau, 129 S., ca. € 20.00, Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-923-4
  • Erik Hug: Die Geschichte der progressiven Musik. Ein Versuch auf 39 Stufen, 111 S., Fr. 33.00 (plus Porto/Verpackung), Selbstverlag, erikh@bluewin.ch
  • Roman Brotbeck: Heinz Holliger. Gespräche, Kommentare und Texte, 350 S., €36.99, Schott, Mainz, ISBN 978-3-7957-3399-5
  • Home is Where the Heart Strives, ed. by Philipp Rhensius, Janina Neustupny, Thomas Burkhalter, Hannes Liechti, and Vinzent Maria Preuss, 312 pages, € 29.00 (Print), Norient Books, Bern 2025, ISBN 9783952544464
  • Geschichte der musikalischen Interpretation im 19. und 20. Jahrhundert. Band 4: Personen – Stile – Konzepte, hg. von Heinz von Loesch, Rebecca Wolf und Thomas Ertelt, 712 Seiten, € 79.99, Bärenreiter / J.B. Metzler, Kassel / Stuttgart 2025, ISBN 978-3-7618-2081-1
  • Markus Meier: Geächtet, geliebt und geduldet. Die Orgel im nachreformatorischen Toggenburg, 400 S., Fr.48.00, Chronos, Zürich 2025, ISBN  978-3-0340-1796-1
    >>> Rezension von Tobias Willi
  • Ferruccio Busoni, Arnold Schönberg: Dialogo sulla musica moderna. Carteggio – Scritti di Busoni con annotazioni inedite di Schönberg, 520 p., € 36.00, Giometti & Antonello, Macerata 2025
  • Iso Camartin: «Nessun dorma – Niemand schlafe! Arien, Duette, Ensembles – 48 Oasen des Wohlklangs, 288 S., Fr. 32.00, Rüffer & Rub, Zürich 2025, ISBN 978-3-907351-38-3
  • Reinhard Strohm: Oper in Bewegung. Europäisches Musiktheater vom Barock zur Romantik, 319 S., € 49.99, Bärenreiter/J. B. Metzler, Kassel/Stuttgart 2025, ISBN 978-3-7618-2676-8
  • Malte Zill: Die STAGMA im «Dritten Reich». Instrumentalisierung des musikalischen Urheberrechts im europäischen Kontext, (=Musik und Diktatur, Band 5), 468 S., br., € 64.90,Waxmann, Münster 2025, ISBN 978-3-8188-0093-2
  • Ereignis und Geschichte. Die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik, Darmstadt 1962–1994, hg. von Susanne Heiter und Dörte Schmid, 560 S., € 48.00, Edition text+kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-010-1
  • Heike Plitt: Die Gitarre im psychotherapeutischen Raum, 140 S., € 22.00, Reichert, Wiesbaden 2025,  ISBN 9783752008869
  • Mateusz Borkowski: Zauberer der Geige. Henryk Wieniawski – Leben und Zeit, aus dem Polnischen von Peter Oliver Loew, 146 S., € 19-80. Harrassowitz, Wiesbaden, 2025, ISBN 978-3-447-12300-6
  • Klaus Wloemer: Josef Reinhart und die Musik. Die Rolle der Musik in seinem literarischen Werk, mit einem Verzeichnis der Vertonungen seiner Gedichte von 1897 bis zur Gegenwart, 954 S., Fr. 128.00, Schwabe, Basel 2025, ISBN 978-3-7965-5351-6
  • Giuliano Musio: Da ist ein Riss, Begleittext zu Beethovens «Egmont», 118 S., Fr. 17.00, Edition Taberna Kritika, Bern 2025, ISBN 978-3-905846-79-9
  • Kai Marius Schabram: Claudio Arrau, Universalist des Klaviers, 214 S., € 26.00, Solo Porträt, Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-788-9
  • Rebekka Susanne Bräm: Das Theater mit dem Regietheater – die Oper braucht ihre Würde zurück! Gedanken aus dem Hotpot, 175 S., Fr. 39.90, Verlag BoD Books on Demand, Hamburg 2025, ISBN 978-3-7583-3640-9
  • The Techniques of E-Guitar Playing, hg. von Seth F. Josel and Michelle Lou, 303 S., € 69.00, Bärenreiter, Kassel 2025, ISBN 978-3-7618-2424-5
  • Norbert Schläbitz: »Form follows content« oder: Wider die Mainstreamforschung – für Forschungspluralismus in der Musikpädagogik, (= Studien zur Musikkultur, Band 12), 236 S., € 39.90, Waxmann,Münster 2025, ISBN 978-3-8188-0058-1, Open Access
  • Andreas Häberlin: A Music Transcription Method. Notating Recorded Music by Ear, 178 p., ca. € 39.00, Routledge, New York 2025, ISBN 9781032842547, Open Access
  • Akademisierung der Künste. Situierung, Episteme, Kodifizierung, hg. von David Hagen, Jan Lazardzig, Thekla Neuss, Angela Nikolai und Dörte Schmidt, ca. 340 S., ca. € 34.00, Edition Text+ Kritik, München, ISBN 978-3-68930-000-5
  • Herbert Blomstedt: Mission Musik – Gespräche mit Julia Spinola, 199 S., € 26.00, dritte, erweiterte Auflage, Henschel/Bärenreiter, Leipzig/Kassel 2025, ISBN 978-3-7618-2417-7 (Bärenreiter)
    >>> Rezension von Jakob Knaus
  • Reverberations of Empire? Opera in the Contexts of (De)Colonial and Postcolonial Thought, hg. von Lena van der Hoven und JBOM, (= Journal of Black Opera and Music Theatre, No 1 Nov. 2025), 208 p., Bern Open Publishing
  • Robert Oboussier. Beiträge zu einem verschwiegenen Opus / Contributions à propos d’un opus réduit au silence, hg. von Ramon Bischoff, 208 S., dt/frz, Fr. 45.00, Edition Clandestin, Biel 2025, ISBN 978-3-907262-72-6
  • Res Marty: Linien & Klang. Dokumente & Geschichten aus dem Joachim-Raff-Archiv, 234 S., Fr. 30.00, Joachim-Raff-Gesellschaft, Lachen 2025, ISBN 978-3-033-11783-9, Bezugsquelle: res.marty@bluewin.ch

Eingegangene Musikbücher Januar–Juni 2025

  • Jan Tamaru: Fach(v)erkennung. Stimmfachdiagnose im Gesangsunterricht, Mit einer Auswertung der Typenlehre nach C. G. Jung für die Gesangspädagogik, 192 S., € 39.90, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2023 ISBN 978-3-7651-0488-6
  • Ich bin ein Theatermensch. Udo Zimmermann – Erinnerungen und Dokumente, hg. von Saskia Zimmermann und Matthias Herrmann, 408 S., € 49.00, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2024 ISBN 978-3-7651-0513-5
  • Michael Wertmüller, Sonderband Musik-Konzepte XI/2024, hg. von Ulrich Tadday, 248 S., Edition Text + Kritik, München 2024, ISBN 978-3-96707-969-2
    >>> Rezension von Torsten Möller
  • Kristin Thielemann: Voll entspannt. Ruhe und Konzentration für Ihren Musikunterricht, 104 S., Online-Material, € 24.50, Schott, Mainz 2025, ISBN 978-3-7957-3315-5
    >>> Rezension von Torsten Möller
  • Philip Herschkowitz: Über Musik. Biografisches. Das musiktheoretische Werk. Das kompositorische Werk, hg. von Heidemarie T. Ambros, Alexei Lubimov, Elisabeth Leonskaja, Alexei Grots, 444 S., € 48.00, Hollizer, Wien 2024, ISBN 978-3-99094-139-3
  • Michaela Fridrich: Musik unvermittelt. Eine Utopie, 127 S., € 22.00, Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-738-4
  • Jessie Cox: Sounds of Black Switzerland. Blackness, Music and Unthought Voices, 250 p., Duke University Press, Durham and London 2025, ISBN 978-1-4780-3143-7
  • Künstliche Intelligenz der Töne. Ethik und Ästhetik digitaler Musikkultur, hg. von Michael Schmidt, 120 S., Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-68930-030-2
    >>> Rezension von Wolfgang Böhler
  • Sigfried Schibli: Musikleben im Baselbiet, Bild-Geschichten BL Band 12, 121 S., Fr. 23.00, Verlag Baselland, Liestal 2025, ISBN 978-3-85673-706-1
  • Musiktherapeutische Impulse für die Musikpädagogik. Erweiterte Perspektiven, hg. von Karin Holzwarth, Dorothee von Moreau, Jonas Dietrich, Hans Bäßler, 186 Seiten, br., € 29.90, Waxmann, Münster 2024, ISBN 978-3-8309-4946-6
  • Leonard Bernsteins Poetik, hg. von Andreas Eichhorn und Paul R. Laird, 300 S., € 34.00, Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-683-7
  • Melanie Unseld: Musik und Erinnerung. Ein Studienbuch, ca. 250 S., Rombach, ISBN 978-3-96821-886-8
    >>> Rezension von Torsten Möller
  • Sinne / Sinn. Zeitgenössische Musik dies- und jenseits von Hermeneutik und Analyse, hg. von Kathrin Kirschund Joe Reinke, 230 S., € 29.00, Georg Olms, Baden-Baden 2025, ISBN 978-3-487-17063-3
  • Schweizer Chorleben seit 1800 – Musik, Praxis und Kontexte; Vie chorale n Suisse depuis 1800 – Musique, pratiques et contextes, hg. von Caiti Hauck und Cristina Urchueguía. Bern Open Publishing, ISBN 978-3-03917-080-7, open access
  • Julien Cachemaille und Caiti Hauck: Drei Schweizer Chorsänger im 19. Jahrhundert, basierend auf den Forschungsprojekt CLEFNI – Das Chorleben in den Städten Bern und Freiburg im langen 19. Jahrhundert, Comic, erhältlich auf Deutsch oder Französisch, Editions de la Chaussette, Yvonand 2025, ISBN 978-2-940564-34-7, open access
  • Sean Prieske: Musik und Flucht. Musikalische Praktiken geflüchteter Menschen in Berlin, (= Musikethnologie im 21. Jahrhundert, Band 2), 395 S., € 99.00, Rombach, Baden-Baden 2025, ISBN 978-3-98858-096-2
  • Alfons Huber: Clavichordbau 1400–1800, 845 S., € 115.80, Praesens Verlag, Wien 2025, ISBN 9783706912518
  • Bruno Matti: Die Eisbären im Land der Schneefelsen, Fantasy-Roman mit Musik, die via QR-Codes abgespielt werden kann, Fr. 35.00, Selbstverlag, matelier.ch, ISBN 978-3-033-10915-5
  • Töne für die Seele, Musik in St. Galler Handschriften, hg. Stiftsbibliothek St. Gallen, 104 S., Fr. 25.00, Schwabe, Basel 2025, ISBN 978-3-7965-5344-8
  • Handbuch Musikanalyse. Pluralität und Methode, hg. von Ariane Jessulat, Oliver Schwab-Felisch, Jan Philipp Sprick und Christian Thorau, 766 S., € 129.99, Bärenreiter-Verlag / J.B. Metzler Kassel/Stuttgart 2025, ISBN 978-3-7618-2065-0
  • Musical Talent and its Promotion in Chinese and Western Worlds, ed. By Marc-Antoine Camp, Xavier Bouvier, Suse Petersen, Annatina Kull, 174 S., E-Book, kostenlos, Chronos, Zürich 2025, open access
  • Marina Schieke-Gordienko: Ferruccio Busoni, Pianist und Kosmopolit, Solo-Reihe, 171 S., € 24.00, Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-909-8
  • Rollen und Funktionen von Musik in der digitalen Ära / Music’s Roles and Functions in the Digital Era, hg. von Corinna Herr, Wolfgang Fuhrmann, Veronika Keller, 402 S., € 99.00, Rombach, Baden-Baden 2025, ISBN 978-3-98858-007-8
  • Christiane Wiesenfeldt: Musik und Heimat, 286 S., € 39.99, Bärenreiter, Kassel 2025, ISBN 978-3-7618-2658-4

 

Eingegangene Musikbücher Juli–Dezember 2024

  • Anton Voigt: Alfred Cortot. Tastenpoet – Lehrer – Kulturakteur, Solo Porträts und Profile, 285 S., € 28.00, Edition Text+Kritik, München 2024, ISBN 978-3-96707-708-7
  • Köchel-Verzeichnis, Thematisches Verzeichnis der musikalischen Werke von Wolfgang Amadé Mozart, Neuausgabe 2024, bearbeitet von Neal Zaslaw, vorgelegt von Ulrich Leisinger unter Mitwirkung von Miriam Pfadt und Ioana Geanta, BV 300, CXXV + 1263 S., € 499.00, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2024
    >>> Rezension von Dominik Sackmann
  • Corinne Holtz: Welt im Werk. Klaus Huber (1924–2017), Biografie, 309 S., Fr. 54.00, Schwabe, Basel 2024, ISBN  978-3-7965-5148-2
    >>> Rezension von Max Nyffeler
  • Hanspeter Spörri: Steff Signer. Die musikalische Biografie, Ein Stück Schweizer Rock-, Pop- und Highmatt-Geschichte, 400 S., Appenzeller Verlag, Schwellbrunn 2024, ISBN 978-3-85882-888-0
    >>> Rezension von Hanspeter Künzler
  • Ernst Kurth / Guido Adler: Briefwechsel 1908-1936, hg. von Luitgard Schader, 205 S., € 22.80, Königshausen & Neumann, Würzburg 2024, ISBN 978-3-8260-7969-6
  • Barbara Busch und Barbara Metzger: 44 Warm-ups für den Instrumentalunterricht, (=üben & musizieren Praxis), 80 S., € 24.50, Schott, Mainz 2024, ISBN 978-3-7957-3172-4
  • Joachim Kühn und Michael Brüning: Der Kühnfaktor. Frei + unabhängig: no Limits im Jazz, 320 S., € 24.95, Alfred Music, Köln 2024, ISBN 978-3-947998-59-3
  • Briefwechsel Arnold Schönberg – Heinrich Jalowetz, hg. von Simon Obert, (=Veröffentlichungen der Paul-Sacher-Stiftung, Band 13; Briefwechsel der Wiener Schule, Band 7), 408 S., Schott, Mainz 2024, ISBN 978-3-7957-3341-4
  • Howard Griffiths: Barboza und der klingende Baum — eine musikalische Reise durch die Schweiz, Musik Fabian Künzli, gespielt vom Mozarteumorchester Salzburg; Erzähler Fernando Tiberini Illustrationen Andrea Peter, 52 S., Audio-Download, Fr. 29.80, GH 11817, Hug Musikverlage, Zürich 2024, ISBN 978-3-03807-145-7
  • Autoritätsbildung in der Musik, hg. von Bernd Brabec, Marc-Antoine Camp, Dorit Klebe, 280 S., Fr. 38.00, Chronos, Zürich 2024, ISBN 978-3-0340-1734-3
  • Astrid Knöchlein: Verzieren – wie Telemann! Georg Philipp Telemanns Methodische Sonaten und Trietti methodichi, hg. von Claire Genewein, Dorit Führer-Pawikovsky und Peter Schmid, 2 Bd., 57+145 S., Fr. 65.00, Schmid & Genewein, Zürich 2024, ISBN 978-3-033-05348-9
    >>> Rezension von Lukas Nussbaumer
  • Marko Simsa: Walzerschritt und Polkahit. Johann Strauss für Kinder, Bilderbuch mit Musik (CD oder Download), Illustrationen Silke Brix, 32 S., € 24.00, Jumbo, Hamburg, ISBN 978-3-8337-4800-4
  • Peter Benary. Komponist, Musikwissenschafter, Publizist und Dozent, hg. von Niccolò Raselli und Hans Niklas Kuhn, ca. 229 Seiten, ca. Fr. 46.00, Schwabe, Basel 2024, ISBN 978-3-7965-5109-3
    >> Rezension von Torsten Möller
  • Bernhard Suter: Gestaltungsprozesse im Musikunterricht anleiten. Eine Design-based-Research-Studie zur reflexionsgestützten Kompetenzentwicklung von berufseinsteigenden Primarlehrkräften, 334 S., Potsdamer Schriftenreihe zur Musikpädagogik, Bd. 10, Universitätsverlag Potsdam, 2024, ISBN 978-3-86956-567-5, open access
  • Luigi Nono. Zur Frage der Wende, Musik-Konzepte Nr. 206, hg. von Ulrich Tadday, 121S., € 28.00, Edition Text+Kritik, München 2024, ISBN 978-3-96707-966-1
  • Friedrich Chrysander. Musikwissenschaftler der ersten Stunde, hg. von Ivana Rentsch, Hamburg Yearbook of Musicology Band 4, 266 S., € 39.90, Waxmann, Münster 2024, ISBN 978-3-8309-4884-1
  • Wolfgang W. Müller: Musik der Engel. Eine Kulturgeschichte, 264 S., ca. Fr. 28.00, Schwabe, Basel 2024, ISBN 978-3-7965-5128-4
  • Joseph Joachim. Identities / Identitäten, (= Studien und Materialien zur Musikwissenschaft, Bd. 128), hg. von Katharina Uhde und Michael Uhde, 477 S., € 58.00, Georg Olms, Baden-Baden, ISBN 978-3-487-16425-0
  • Michel Roth: Aufs Spiel gesetzt. Eine spieltheoretische Untersuchung indeterminierter Musik, 524 S., Wolke, Hofheim 2024, ISBN 978-3-95593-152-0, open access
  • Julius Otto Grimm – ein Komponist und Dirigent des Brahms-Kreises, hg. von Anna Maria Plischka und Peter Schmitz, 704 S., € 69.90, Waxmann, Münster 2024, ISBN 978-3-8309-4759-2
  • Tania Salvador,aka La Rata: Give it to me! Im Graphic Novel-Stil illustrierter Essay, Gegengeschichte der populären Musik, die Künstlerinnen in den Mittelpunkt rückt, Übersetzung Petra Sparrer, 256 S., € 36.00, Laurence-King-Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-96244-435-8
  • Daniel Martin Feige: Philosophie der Musik. Musikästhetik im Ausgang von Adorno, 216 S., € 24.00, Edition Text+Kritik, München 2024, ISBN 978-3-689-30028-9
    >>> Rezension von Lukas Nussbaumer
  • Music, Performance, Architecture. Sacred Spaces as Sound Spaces in the Early Modern Period, hg. von Tobias C. Weissmann und Klaus Pietschmann, 312 S., € 69.00, Georg Olms, Baden-Baden 2024, ISBN 978-3-487-16724-4
  • Meinolf Brüser: «Es ist alles Windhauch», Bach und das Geheimnis der «Kunst der Fuge», 177 S., € 39.99, Bärenreiter/J.B Metzler, Kassel/Stuttgart 2024, ISBN 978-3-7618-2654-6
  • Radio Cologne Sound. Das Studio für Elektronische Musik des WDR, hg. von Harry Vogt und Martina Seeber, 287 S., Deutsch/Englisch, ill., mit 5 CDs, € 39.00, Wolke, Hofheim 2024, ISBN 978-3-95593-259-6
    >>> Rezension von Thomas Meyer
  • Luiz Alves da Silva: Zwischen Zürich und Rio de Janeiro, Hausmusik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, aus dem Portugiesischen von Daniel Schnurrenberger,(=Schweizer Beiträge zur Musikforschung, Band 28),  326 S., € 49.95, Bärenreiter, Kassel 2024, ISBN 978-3-7618-2616-4
  • Gemeinsam neu starten. Perspektiven für Musikvereine nach der Pandemie!?, hg. von Verena Bons, Johanna Borchert, Thade Buchborn, Wolfgang Lessing, (Schriften der Hochschule für Musik Freiburg), 160 S., € 44.00, Georg Olms, Baden-Baden, ISBN 978-3-487-17048-0
  • Nicole Johänntgen und Raffaella Ligi: Schmusebärs klangvolle Reise mit dem fliegenden Stuhl, 28 S., nicolejohaenntgen.com/
  • Michael von Hintzenstern: Klänge des Augenblicks – 44 Jahre Ensemble für intuitive Musik Weimar 1980–2024, 256 S., über 300 Abb., € 44.00, Weimar 2024, ISBN 978-3-00-078834-5, hintzenstern.eu
    >>> Rezension von Torsten Möller

 

Eingegangene Musikbücher Januar–Juni 2024

  • Jannis Mallouchos: Adolf Reichel (1816-1896). Politische, kulturhistorische, musiktheoretische und kompositorische Aspekte eines Musikerlebens, (=Wiener Veröffentlichungen zur Musikwissenschaft, Band 56), 650 S., Hollitzer, Wien 2023, ISBN 978-3-99094-084-6
    >>> Rezension von Max Sommerhalder
  • Studies in the Arts II, Künste, Design und Wissenschaft im Austausch, hg. von Thomas Gartmann, Cristina Urchueguia, Hannah Ambühl-Baur, 313 S., Transcript, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8376-6954-1, Open Access: transcript-verlag.de/media/pdf
  • Revue musicale de Suisse romande, Numéro spécial 75 ans, La musique à Genève au XVe siècle, Décembre 2023, avec CD: La contenance angloise. La chapelle des Ducs de Savoie, dir. Vincent Arlettaz, Revue musicale de Suisse romande RMSR 20232
  • Robert Craft et Igor Strawvinsy: Conversations avec Igor Stravinsky, 192 p., € 16.00, Editions Allia, Paris 2024, ISBN 979-10-304-1836-1
  • Mathias Gredig: Grandhotels, Risotto und Bomben, Geschichte der futuristischen Geräuschkunst, Fröhliche Wissenschaft 232, 173 S., € 15.00, Matthes & Seitz, Berlin 2024, ISBN 978-3-7518-3012-6
    >>> Rezension von Thomas Meyer
  • Rien de Reede: The School of Blavet, Flutist in Paris in the Second Half oft he Eighteenth Century, 144 p., Linos Edition, Amsterdam 2022, ISBN 978-90-9036371-4
  • Walter Fähndrich: Warum improvisieren wir?, 80 S., € 18.00, Wolke, Hofheim 2024, ISBN 978-3-95593-270-1
  • Text as Source and Material in Contemporary Music Theatre, ed. by Christa Brüstle, (=Studien zur Wertungsforschung 65), 304 p., € 33.50, Universal Edition, Wien 2023, ISBN 978-37024-7793-6
  • Peter Petersen: Arnold Schönbergs Streichquartett op. 7, Drei Wege zum Verständnis des Werks, 211 S., zahlr. Musikbeispiele, Georg Olms, Baden-Baden 2024 ISBN 978-3-487-16700-8
  • Kreative Missverständnisse oder universale Musikprinzipien? Hugo Riemann und der internationale Wissenstransfer, hg. von Stefan Keym in Verbindung mit Christoph Hust, (Studien und Materialien zur Musikwissenschaft, Bd. 131), 377 S., geb., € 99.00, Georg Olms, Baden-Baden 2024, ISBN 978-3-487-16680-3
  • Salonorchester in den Alpen, hg. von Mathias Gredig, Matthias Schmidt, Cordula Seger, 232 S., Fr. 38.00, Chronos, Zürich 2024, ISBN 978-3-0340-1733-6
    >>> Rezension von Lukas Nussbaumer
  • Stefan Braese: Cool. Jazz als Gegenkultur im westlichen Nachkriegsdeutschland. 442 S., € 42.00, Edition Text + Kritik, München 2024, ISBN 978-3-96707-915-9
  • Lothar Freiburg: Wunder der Musik. Von der Musik Europas aus 2000 Jahren, 354 S., € 44.80, Wissner, Augsburg 2024, ISBN 978-3-95786-3287-7
  • Ingo Bredenbach: Johann Sebastian Bachs Clavierunterricht. Bach als Lernender und Lehrender, 519 S., € 59.00, Bärenreiter, Kassel 2024, ISBN 978- 3-7618- 2617-1
    >>> Rezension von Dominik Sackmann
  • Handbuch der Oper. 16. aktualisierte und erweiterte Auflage, hg. von Rudolf Kloiber, Wulf Konold und Robert Maschka 1021 S., € 49.99, Bärenreiter/J.B. Metzler, Kassel/Heidelberg 2024, ISBN 978-3-7618-2644-7
  • Wolfgang Jansen: Musical – das Musiktheater der Gegenwart, (= Gesammelte Schriften zum Populären Musiktheater, Band 3), 286 S., € 39.90, Waxmann, Münster 2024, ISBN 978-3-8309-4757-8
  • Jutta Toelle: Mission durch Musik, Stimmen zu Musik und Klängen in der europäischen Missionierung Hispanoamerikas, Musik und Migration, Band 4,  172  Seiten,  € 34.90, Waxmann, Münster 204, ISBN 978-3-8309-4728-8
  • Komponisten im Gulag der Stalinzeit, hg. von Inna Klause, AndreasWaczkat, Stefan Weiss, 468 S., € 89.00, Georg Olms, Baden-Baden 2024, ISBN 978-3-487-16694-0
  • Lied und populäre Kultur / Song and Popular Culture, Weltmusik und ihre Kritik: Postkoloniale Zugänge zu globaler Musik, (= Jahrbuch des Zentrums für Populäre Kultur und Musik, 68. Jahrgang – 2023), hg. von Maria Fuchs, Johannes Müske, Knut Holtsträter, 258 S., € 39.90, Waxmann, Münster 2024, ISBN 978-3-8309-4889-6
  • Musik in den monotheistischen Religionen, Reflexionen zur ästhetischen Funktion sakraler Musik, hg. von Wolfgang Müller, Franc Wagner (=TeNOR. Text und Normativität 11), 240 S., Fr. 48.00, Schwabe, Basel 2024, ISBN 978-3-7965-5045-4

 

Eingegangene Musikbücher Juli–Dezember 2023

  • Sigfried Schibli: Erlebnis Orgel. Die schönsten Instrumente in und um Basel, 160 S., Fr. 44.80, Reinhardt, Basel 2023, ISBN 978-3-7245-2660-5
  • Alte Musik heute, Geschichte und Perspektiven der Historischen Aufführungspraxis, hg. von Richard Lorber, 414 S., € 39.99, Bärenreiter/Metzler, Kassel/Stuttgart 2023, ISBN 978-3-7618-2520-4
  • Le plus beau pays du monde ? Othmar Schoecks Umfeld in der Innerschweiz, Begleitbuch zum Othmar Schoeck Festival 202, hg. von Alvaro Schoeck und Chris Walton, 180 S., Fr. 20.00, Müsigricht, Steinen 2023, ISBN 978-3-9525658-2-7
    >>> Rezension von Daniel Willi
  • Corina Nastoll: Üben geht klar! Effizient und mit Freude üben, (= übern & musizieren spezial), 44 S., € 18.50, Schott, Mainz, ISBN 978-3-7957-3094-9
    >>> Rezension von Torsten Möller
  • «Du bist mir Kunst». Der Briefwechsel Alma Mahler – Walter Gropius 1910 bis 1914, hg. von Annemarie Jaeggi und Jörg Rothkamm, 784 S., € 49.00, Residenz, Wien 2023, ISBN 9783701735945
  • Ethel Smyth: Paukenschläge aus dem Paradies. Erinnerungen, aus dem Englischen von Heddi Feilhauer, 256 S., € 24.00, ebersbach & simon, Köln 2023, ISBN 978-3-86915-286-8
  • Rainer Schmusch: Hörsinn und «Ton». Ästhetische Anthropologie der Musik, nach Herder und Händel, (= Myosotis Bd. 8),  452 S., € 62.00, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2023, ISBN 978-3-8253-4867-0
  • Musik und Migration. Ein Theorie- und Methodenhandbuch, hg. von Wolfgang Gratzer, Nils Grosch, Ulrike Präger, Susanne Scheiblhofer, (= Musik und Migration, Band 3), 746 S., br., € 69.90, Waxmann, Münster 2023, ISBN 978-3-8309-4630-4, Open Access, doi.org/10.31244/9783830996309
    >>> Rezension von Torsten Möller
  • Silke Kruse-Weber: Reflect! Ein Beobachtungs- und Reflexionstool für Instrumental- und Gesangslehrende, (= Grazer Schriften zur Instrumental- und Gesangspädagogik, Band 4), 88 Seiten, br., mit Kartenspiel, €34,90, Waxmann, Münster 2023,  ISBN 978-3-8309-4658-8
  • Silja Reidemeister: Zwischen zeitgenössischem Gestalten und historischem Interesse – der Komponist Rudolf Moser. Eine Spurensuche in Originaldokumenten, 227 S., Fr. 38.00, Schwabe, Basel 2023, ISBN 978-3-7965-4849-9
  • Markus Cslovjecsek: Schulmusik für alle? Zur Legitimation des Unterrichtsfachs Musik, 313 S., € 48.00, Transcript, Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8376-6884-1, Open Access: transcript-verlag.de/shopMedia/openaccess/pdf/oa9783839468845.pdf
  • Eike Fess: Arnold Schönberg und die Komposition mit zwölf Tönen, 224 S., € 27.00, Edition Text+Kritik, München 2023, ISBN 978-3-96707-862-6
  • Milena Amann-Rauter: «Avec mon arme, la musique». Politisches Engagement exilierter Musikerinnen und Musiker im Kontext des Front Populaire, 504 S., € 48.00, Edition Text + Kritik, München 2023, ISBN 978-3-96707-887-9
  • Julia Wilke: Musik und Bewegung in pädagogischer Einzelarbeit. Videobasierte Analysen zu musik- und bewegungsbezogenen Koordinationsprozessen, 2023, (= Internationale Hochschulschriften, Band 707), 228 S. € 39.90 €,  Waxmann, Münster 2023, ISBN 978-3-8309-4720-2
  • Robert Gervasi: Ein Grenzlandschicksal, Leben und Werk des elsässischen Komponisten Leo Justinus Kauffmann (1901–1944), 588 S., € 119.00, Tectum, Baden-Baden 2023, ISBN 978-3-8288-4916-7
  • Nicole Jost-Rösch: Alban Berg – erzählender Komponist, komponierender Erzähler, 540 S., € 49.00, Edition Text + Kritik, München 2023, ISBN 978-3-96707-834-3
  • Werner Reinhart, Mäzen der Moderne, Musik-Konzepte, Sonderband XI/2023, hg. von Ulrich Tadday, 228 S., € 42.00, Edition Text+Kritik, München 2023, ISBN 978-3-96707-843-5
  • Dominik Susteck: Knochenpfeifen und Krachlatte. Hand-Joachim Hespos und die Orgelmusik ab 1962, Schriften zur Neuen Musik Bd. 3, 230 S., Are, Köln 2023, ISBN 978-3-3924522-90-2
  • Tobias Heyl: 75 Jahre G. Henle Verlag, 208 S.,€ 28.00, Hanser, München, ISBN 978-3-446-7847-9
  • Ute Elena Hamm: «Musik zum Lesen», Musikalisch-literarische Hybride, Werke von Erik Satie, John Cage, Dieter Schnebel und Ingeborg Bachmann, 649 S., geb., € 129.00, Rombach, Baden-Baden 2023, ISBN 978-3-96821-993-6

 

Eingegangene Musikbücher Januar–Juni 2023

  • Klaus Steffes-Holländer: Nicht nur an Tasten. Neue Spieltechniken für Klavier, 136 S., € 49.90, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2022, ISBN 978-3-7651-0486-2
  • Ulrich Menke: Das Methoden-Navi. Routenplaner zu einem erfolgreichen Instrumental- und Ensembleunterricht, üben & musizieren, 192 S., € 22.95 Schott, Mainz, ISBN 978-3-7957-3092-5
    >>> Rezension von Walter Amadeus Ammann
  • Tobias Bleek: Im Taumel der Zwanziger. 1923: Musik in einem Jahr der Extreme, 316 S., € 29.99, Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2023, ISBN 978-3-7618-7245-1
  • Gaël Liardon (1973-2018): Anthologie d’un passionné, Orgelwerke, Generalbass, Chansons, Bibliothèque cantonale et universitaire, Lausanne 2023, ISBN 978-2-88888.152-0
  • Goldberg! Variationen zu Bach, hg. von Violeta Dinescu und Michael Heinemann, (= Bach nach Bach, Vol. 4), 384 S., € 69.80, Dohr, Köln 2022, ISBN 978-3-86846-171-8
  • Roberto Reale: Elemente der Klage in George Enescus Oper Œdipe, Archiv für osteuropäische Musik, 7, BIS-Verlag, Oldenburg 2022, ISBN 978-3-8142-2404-6
  • Myriam Marbe, hg. von Violeta Dinescu, Michael Heinemann, Roberto Reale, Archiv für osteuropäische Musik, 6, BIS-Verlag, Oldenburg 2022, ISBN 978-3-8142-2393-3
  • Reto Weber: Drummin’. Am Anfang war die Trommel – Erinnerungen, 280 S., Fr. 49.00, editione clandestin, Biel/Bienne 2023, ISBN 978-3-907262-41-2
  • Politics of Curatorship – Collective and Affective Interventions, edited by Monia Acciari & Philipp Rhensius, 288 p., € 34.00, Norient Books, Bern 2023, ISBN 978-3-9525444-4-0
  • Musik und Bewegung mit älteren Menschen. Einblick in die Rhythmikgeragogik, hg. von Monika Mayr, 220 S.,€ 24.95, Reichert, Wiesbaden, ISBN 9783752007145

 

 

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