Eidgenössisches Musikfest 2026 des Schweizer Blasmusikverbandes

Vom 14. bis 17. Mai 2026 findet in Biel das 35. Eidgenössische Musikfest (EMF26) statt. Rund 550 Musikvereine nehmen an Wettbewerben und Konzerten teil.

Bild von der diesjährigen Delegiertenversammlung des Schweizer Blasmusikverbandes. Foto: Franziska Dubach/SBV

An der 164. Delegiertenversammlung des Schweizer Blasmusikverbands (SBV) vom 25. April 2026 in Magglingen informierte das Organisationskomitee die Delegierten über den Stand der Vorbereitungen. OK-Präsidentin Nadja Günthör bezeichnete die Organisation des Grossanlasses als Herausforderung, die ihr Team in knapp anderthalb Jahren gemeistert habe.

Das Fest bietet neben den musikalischen Wettbewerben ein umfangreiches Rahmenprogramm. Bands verschiedenster Genres spielen auf offenen Bühnen in der Stadt, etwa auf der Main Stage an der Esplande, am Guisanplatz oder in der Stadtkirche und der Stadtbibliothek. Auch eine eigene Festival-App ist zum Download bereit. Sie begleitet Musizierende und Publikum durch das Fest.

Ein besonderes Highlight ist die Medienpartnerschaft mit SRF und RTS. Die Parademusik mit Evolutionen von rund 30 Vereinen wird mittels Golf-Cars aufgezeichnet und übertragen. Laut der Medienmitteilung des Blasmusikverbandes vom 27. April ist das eine weltweite Premiere. Am 23. Mai werden alle vier nationalen Sender eine Live-Sendung ausstrahlen, an der rund 30 Personen von SRF mitarbeiten.

Weitere Informationen zum Fest finden sich unter www.emf26.ch.

Kammermusikwettbewerb «Paul Juon»

Am 31. Oktober und 1. November 2026 wird zum zweiten Mal der nationale «Kammermusikwettbewerb Paul Juon» ausgetragen.

Paul Juon, zirka 1908. Bild:  zVg von FKMS

Das Konzept sieht neben einer Preissumme von insgesamt 25 000 Franken auch eine Konzertvermittlung während drei Jahren für die Preisträgerensembles vor. Mit dieser gezielten Förderung wurden die Gewinnerensembles des ersten Wettbewerbs von 2023 in bisher über 80 Konzerten in der ganzen Schweiz unterstützt. Trägerverein ist der Förderkreis Kammermusik Schweiz (FKMS) in Zusammenarbeit mit der Paul-Juon-Gesellschaft, Austragungsort ist die Kunsthalle Appenzell.

«Als Dozent des Zeitgeist-Ensembles kann ich Ihnen nicht genug für diese wunderbare Initiative und Unterstützung für die jungen Ensembles in der Schweiz danken! Was für eine Perle ist dieser Juon-Wettbewerb!» Mit diesen Worten drückt Anton Kernjak seine Anerkennung für das Engagement des Wettbewerbs aus. Darüber freut sich auch der künstlerische Leiter Martin Lucas Staub. Die Unterstützung der Gewinner-Ensembles bei so vielen Konzertauftritten zeige die Nachhaltigkeit des Konzepts, das von Seiten der Konzertveranstalter und ihres Publikums begeistert aufgenommen worden sei.

Der «Kammermusikwettbewerb Paul Juon» verfolgt mehrere Zielsetzungen: Die nachhaltige Förderung von jungen Schweizer Kammerensembles, die finanzielle Unterstützung von Ensembles und Konzertveranstaltern im Rahmen der dreijährigen Konzertvermittlung und das Bekanntmachen von Paul Juons grossartiger Kammermusik.

Die zweite Austragung des Wettbewerbs im Herbst 2026 setzt auf das bereits bewährte Konzept: Zugelassen sind Ensembles von Trio bis Sextett, die neben zwei frei wählbaren Werken auch ein Werk des Schweizer Komponisten Paul Juon aufführen. Die Jury sucht dabei in erster Linie Kammerensembles mit hoher Gestaltungskraft und Bühnenpräsenz. Das Preisträgerkonzert findet am 22. November 2026 um 17 Uhr in der Kunsthalle Appenzell statt.

Weitere Informationen zum Wettbewerb und die Online-Anmeldung bis 20. September 2026 unter www.fkms.org

Die erfolgreichen Ensembles des ersten Wettbewerbs 2023. Foto: Eliyah Reichen

20 Jahre Forum Wallis und Programm 2026

Das Festival für Neue Musik feiert sein 20-jähriges Bestehen. Dieses Jahr wird es mit einem vielseitigen Programm über mehrere Wochenenden im Goms durchgeführt.

Das Lineup des Forum Wallis 2026 (v.l.n.r.u.o.n.u.) UMS’nJIP, Minguet Quartett, Morton Feldman, Oberwalliser Volksliederchor, Antoine Läng, Biliana Voutchkova, Hans-Peter Pfammatter, Magda Mayas, Juan Arnez, Christoph Erb, Rolf Hermann, Luis Tabuenca, Manuel Mengis. Bild: Forum Wallis

In den zwanzig Jahren seines Wirkens hat das Forum Wallis Hunderte Werke zeitgenössischer Musik in den Schweizer Bergkanton gebracht. Neben der grossen Aufbauarbeit hat es mit der legendären Produktion von Stockhausens Helikopter-Streichquartett 2015 internationales Niveau bewiesen.

Ungewohnte Längen

Das diesjährige Festival dauert vom 4. Juni bis 4. Juli 2026. Es präsentiert kammermusikalische, experimentelle und akusmatische Formate aus dem Wallis, der Schweiz und der Welt. Ein roter Faden zieht sich durch die Darbietungen: Überlänge und Entschleunigung. Zeit geben, Zeit lassen – das steht im Zentrum.

Bereits zum 11. Mal findet die akusmatische Reihe Ars Electronica Forum Wallis Selection Concerts am MEbU (Münster Earport) statt. In vier Konzerten stellt Simone Conforti 32 Werke von 35 Komponistinnen und Komponisten vor. Darunter sind 3 Uraufführungen und 29 Schweizer Premieren.

Das Minguet Quartett spielt Morton Feldmans 2. Streichquartett . Mit einer Dauer von viereinhalb Stunden ist es das längste der Musikgeschichte. Voutchkova/Strahl/Mengis/Pfammatter und das Erb/Mayas/Läng Trio, zwei ausgefeilte Konstellationen des aktuellen Jazz, gestalten zwei Improvisationsabende. UMS’nJIP und Luis Tabuenca setzen den gesamten Lyrikband In der Nahaufnahme verwildern wir von Rolf Hermann in einem achtstündigen Uraufführungsmarathon in Musik.

Erstmals in der Schweiz gastiert das Proyecto Piano Joven aus Sevilla. Das Ensemble präsentiert Werke für Klavier und Live-Elektronik, die spanische Komponistinnen und Komponisten speziell für Kinder und Jugendliche geschrieben haben. Und schliesslich tourt der Oberwalliser Volksliederchor durch Oberwalliser Dörfer. Er bringt alte und neue Arrangements lokaler Volkslieder – gespiegelt an traditioneller Musik aus Bolivien.

Das Forum Wallis wird aktuell von Javier Hagen, Ulrike Mayer-Spohn, Manuel Mengis und Hans-Peter Pfammatter (IGNM-VS) geleitet.

Rückblick auf 20 Jahre Forum Wallis

Es entstand aus dem Verein Kleine Konzertreihe Oberwallis, der ab den 1980er-Jahren Pionierarbeit im Walliser Konzertleben leistete. Ab 2006 bot das Festival der zeitgenössischen Musikszene erstmals eine Plattform, um Werke zu zeigen und an der internationalen Szene zu spiegeln. 2011 wurde die IGNM-VS gegründet – die Walliser Ortssektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik – und das Festival damit strukturell international verankert.

Die Bilanz ist beeindruckend. Bis 2025 hat das Forum Wallis über 350 Uraufführungen mitproduziert, Werke von mehr als 500 Komponistinnen und Komponisten gespielt, über 100 einheimischen Künstlerinnen und Künstlern sowie mehr als 200 Ensembles und Musikerinnen und Musikern eine Bühne geboten.

Heutige Herausforderungen

Das Festival arbeitet ehrenamtlich, um Fördermittel direkt an die Musikerinnen und Musiker weiterzugeben. Der bürokratische Aufwand wächst, die Unterstützungen sinken. Lokale Veranstalter programmieren heute zwar auch Zeitgenössisches – bevorzugen aber publikumswirksame Formate. Das Forum Wallis füllt die Lücke: mit anspruchsvollen, avancierten Produktionen. Das bringt kleine Publikumszahlen und Finanzierungsschwierigkeiten – aber auch Wertschätzung bei Künstlerinnen und Künstlern, Publikum, Medien und Politik. Denn das Forum Wallis hält sich nach wie vor auf Augenhöhe mit den Qualitätsstandards der grossen internationalen Festivals.

Höhepunkte der Festivalgeschichte

Das Festival hat in 20 Jahren viele eindrückliche Aufführungen erlebt. Pars pro toto seien einige erwähnt. Jean-Pierre Pellets Waldeinsamkeit mit dem Mondrian Ensemble am Eröffnungsabend des allerersten Festivals 2006 in Brig. Valentin Carrons Cicero-Graffitis im Keller des Briger Stockalperschlosses. Mela Meierhans’ Musiktheater Tante Hänsi, das Walliser Jodelchöre bis an die Berliner Festspiele brachte. Marienglas von Beat Gysin, ein sinnlich-klaustrophobisches Hörtheater auf Das Schloss von Franz Kafka. Les Musiciens de Brème, eine Kinderoper von Wen Deqing zusammen mit dem NEC. Cod.Acts Pendulum Choir am Pfingstsonntag 2016 in der Leuker Stefanskirche.

Weiter die Programmschiene Integrations, die so unterschiedliche Ensembles und Musiker zum gemeinsamen Musizieren und Improvisieren zusammenbrachte wie das Klangforum Wien, recherche, UMS’nJIP, Ensemble Modern, zafraan, dissonArt, Taller Sonoro, Wolfgang Mitterer, Fabian Panisello u.v.m. Oder seit mehr als 10 Jahren die Ars Electronica Forum Wallis Selection Concerts mit neuer akusmatischer Musik aus aller Welt. Ebensowenig dürfen die subtilen Performances von Richard Jean und Lukas Huber fehlen oder die dröhnend lauten Auftritte von Steamboat Switzerland und Frachter.

Unter Jan Dobrzelewski gab es über mehrere Jahre wallisweite Kinder- und Schulprojekte mit dem Sinfonieorchester der HEMU. Das Forum Wallis hielt 2020 und 2021 als eines der wenigen Festivals für Neue Musik in Europa den Betrieb während der Pandemie live aufrecht. Die Pause erfolgte ironischerweise 2022 nach der Pandemie, als inflationär viele Veranstaltungen nachgeholt wurden und es schlicht keinen Raum mehr für Neue Musik gegeben hat.

Eine Auswahl der Forum Wallis-Highlights 2006-2025 (v.l.n.r.u.o.n.u.): Marienglas (Beat Gysin), Pendulum Choir (Cod.Act), Helikopter-Streichquartett (Air Glaciers), Valentin Carron, Richard Jean, Porok Karpo, Arditti String Quartet, Brigitte Schildknecht, Peter und der Wolf (HEMU/Schulen Goms), Titus Engel. Bild: Forum Wallis

Herausragend: das «Helikopter-Streichquartett»

2015 lieferte das Forum Wallis mit Stockhausens Helikopter-Streichquartett sein Gesellenstück. Das Forum Wallis brachte ab 2006 im Wallis Prozesse in Gang, die andernorts in der Schweiz beinahe 100 Jahre davor etabliert worden waren. Kurz nach der Gründung der IGNM/ISCM im Jahr 1922 fanden 1926 die ersten ISCM World New Music Days in der Schweiz unter Hermann Scherchen und Volkmar Andreae in Zürich statt. Danach 1929 in Genf unter Ernest Ansermet. Diesen Entwicklungsrückstand übersehen Kulturpolitik, Medien und selbst die Szene nur zu gern. Regelmässig wurde dem Festival in seinen Anfangsjahren vorgehalten, nicht genug avancierte Programme zu veranstalten, weil es lokalen Kräften bewusst viel Raum und ein Sprungbrett gewährt.

Deshalb beschloss die IGNM-VS 2015, in Rekordzeit die bemerkenswerteste Performance des schwersten Stücks, das man sich vorstellen konnte zu produzieren: Stockhausens Helikopter-Streichquartett. Und zwar in Rekordzeit und mit den besten ihres Fachs: dem Arditti Quartet und André Richard. Das Arditti Quartet hatte das Werk initiiert und uraufgeführt. André Richard hatte Stockhausen bei diesem Stück mehrmals assistiert und das Stück an den Salzburger Festspielen und der Biennale Musica Venezia geleitet.

Dazu kamen die vier Chefpiloten von Air Glaciers, der legendären Helikopter-Rettungsfluggesellschaft aus Sion, und die Techniker des Schweizer Fernsehens (TPC), die mit Übertragungen aus Helikoptern u.a. für Ski- und Fahrradrennen bestens vertraut und langjährige Partner der Air Glaciers sind. De facto genügten eine Handvoll Anrufe und fünf Monate Anlauf. Daraus resultierte gemäss Arditti und Richard die technisch wie musikalisch bisher reibungsloseste Performance dieses Werks. Und zwar nicht in einer der grossen Musikmetropolen, sondern in Leuk. Seitdem herrscht Ruhe, und das Festival wendet sich wieder der Aufbauarbeit zu.

forumwallis.ch

Kinderopernorchester debütiert mit Bizet und Humperdinck

Ein Orchester aus 76 Kindern und Jugendlichen hat in dieser Spielzeit am Opernhaus Zürich Ausschnitte aus «Carmen» und «Hänsel und Gretel» erarbeitet. Es präsentiert diese unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gianandrea Noseda und Studienleiterin Ann-Katrin Stöcker.

Kinderopernorchester am Opernhaus Zürich: Probe vom 29.11.2025. Foto: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Seit September 2025 proben Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Kanton Zürich gemeinsam Werke, die in der Regel Berufsorchestern vorbehalten sind. Am Pfingstmontag ist das Ergebnis erstmals auf der Bühne des Opernhauses Zürich zu erleben.

Ein Projekt des ganzen Kantons

Das Kinderopernorchester ist eng in die Musikschullandschaft des Kantons Zürich eingebettet: In Zusammenarbeit mit den Musikschulen wurden begabte Kinder aus sämtlichen Regionen für das Orchester gefunden und ausgewählt. In Register- und Tuttiproben, begleitet von 28 Mentorinnen und Mentoren, ist in rund zehn Monaten ein Orchesterklang herangewachsen, der weit über ein pädagogisches Schulprojekt hinausweist.

Das Besondere: Die Kinder und Jugendlichen erarbeiten Originalrepertoire und erleben den Opernbetrieb aus nächster Nähe. Höhepunkt war eine sogenannte Side-by-Side-Probe im Januar 2026. Dabei sassen die Kinder inmitten des Profiorchesters sassen und spielten gemeinsam Ausschnitte aus «Carmen». «Jetzt ist es wirklich real geworden», fasst Musiktheaterpädagogin Thirza Möschinger diesen Moment zusammen.

Profis als Vorbild und Partner

Studienleiterin und Dirigentin Ann-Katrin Stöcker hat das Orchester von Anfang an begleitet. Sie zeigt sich beeindruckt von der Motivation der Kinder. «Es gibt Tage mit mehreren Stunden Probe – und danach gehen die Kinder nach Hause und üben weiter», sagt sie. Die Probenarbeit orientiere sich bewusst an jener mit einem Berufsorchester. Im Zentrum stehen Zusammenspiel, technische Herausforderungen und die Suche nach einem gemeinsamen Klang. Gleichzeitig lernen sie das Orchester auch als soziales Gefüge kennen. Ältere Kinder übernehmen Verantwortung und helfen den jüngeren bei Einsätzen und beim Zählen.

Zur Premiere am Pfingstmontag tritt das Kinderopernorchester erstmals öffentlich auf – gemeinsam mit Solisten, Solistinnen und dem Kinderchor der Oper Zürich, unter der musikalischen Leitung von Gianandrea Noseda und Ann-Katrin Stöcker.

Ausführliche Informationen sowie Gespräche mit Thirza Möschinger, Ann-Katrin Stöcker und einem teilnehmenden 12-jährigen Violinisten finden sich im Magazin Nr. 5, Saison 2025/26, ab Seite 36 oder online.

Termine:

Pfingstmontag, 25. Mai 2026, 11.15 Uhr – Opernhaus Zürich (Premiere)
Montag, 1. Juni 2026, 11.00 Uhr – Opernhaus Zürich (Schulvorstellung)
Samstag, 13. Juni 2026, 19.00 Uhr – Stadthaus Winterthur
Donnerstag, 18. Juni 2026, 11.00 Uhr – Opernhaus Zürich (Schulvorstellung)
Sonntag, 21. Juni 2026, 17.00 Uhr – Stadthalle Dietikon

20 Jahre Haus der Volksmusik

Das Haus der Volksmusik in Altdorf ist seit zwei Jahrzehnten das Schweizer Kompetenzzentrum für Volksmusik. Das Jubiläumsjahr bringt eine neue Präsidentin, ein eigenes Magazin und ein grosses Festival.

Zeughaus mit Lehnbrunnen in Altdorf, Sitz des Hauses für Volksmusik. Foto: Paebi – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25750891

Im Jahr 2006 öffnete das Haus der Volksmusik (HdVM) seine Türen im Urner Kantonshauptort Altdorf. Zwei Jahrzehnte später ist das Kompetenzzentrum aus der Schweizer Volksmusiklandschaft nicht mehr wegzudenken: Es dokumentiert, vermittelt und fördert das heimische Volksmusikschaffen in all seinen regionalen und stilistischen Facetten – von traditionell-urchiger Tanzmusik bis hin zu zeitgenössischen Strömungen. Musiknoten, Tonträger, Fotos und Bücher werden gesammelt und über die Volksmusiksammlung online für alle Interessierten zugänglich gemacht.

Simone Felber zur Präsidentin gewählt

Die Jubiläums-Generalversammlung vom 9. April 2026 stand im Zeichen des Aufbruchs. Die Anwesenden wählten Simone Felber, die seit Jahresbeginn als Präsidentin des Trägervereins tätig ist, offiziell in ihr Amt. Gemäss Informationen auf der Website des HdVM liege ihr als aktive Sängerin, Jodlerin und Chorleiterin neben Dokumentation und Forschung vor allem die Vermittlung am Herzen. «Das Haus der Volksmusik nimmt eine wichtige Klammerfunktion wahr: Es bewahrt die Tradition und widmet sich gleichzeitig dem zeitgenössischen Schaffen», wird sie aus ihrer Antrittsrede zitiert. Ihr Credo: «Bei uns sind alle willkommen.»

Vision: Ein Haus für alle

Ein zentrales Thema der Generalversammlung war die Zukunft des HdVM am Standort Zeughaus am Lehnplatz in Altdorf, wo das Kompetenzzentrum seit zwanzig Jahren als Untermieterin des Kantons beheimatet ist, wie das HdVM weiter schreibt. Nachdem im vergangenen Herbst Pläne bekannt wurden, wonach das historische Gebäude entkernt und in einen Kammermusiksaal umfunktioniert werden soll, hat das HdVM seine eigene Vision öffentlich gemacht. Es soll ein lebendiges, offenes Haus mit Raum für Veranstaltungen und Platz für Archive, Büros und Kursräumlichkeiten entstehen. Geplant sei eine Zusammenarbeit mit lokalen Partnern wie dem Theater Uri und der Musikschule Uri.

Magazin «tutti» und Volksmusikfestival

Statt in eine grosse Jubiläumsfeier steckt das HdVM seine Energie in zwei Projekte. Mit dem neuen Magazin «tutti» will es regelmässig über seine Arbeit informieren und die Leserinnen und Leser an den überraschenden Geschichten teilhaben lassen, die sich dem Team im Rahmen seiner Tätigkeit eröffnen.

Als eigentliches Herzstück des Jubiläumsjahres gilt das Volksmusikfestival Altdorf im Juni. Es ist die achte Ausgabe des alle zwei Jahre stattfindenden Anlasses. Dieses Jahr werden mehr als 40 Formationen mit Musikerinnen und Musikanten aus allen 26 Kantonen erwartet. Sie gewähren an drei Tagen Einblick in das vielfältige Schweizer Volksmusikschaffen – von traditioneller Tanzmusik bis hin zu zeitgenössischen Projekten.

Blasmusikspektakel zwischen zwei Welten

Hervorzuheben ist die Deutschschweizer Premiere des röstigrabenübergreifenden Projekts Traktorkestar & Harmonie Lausannoise unter der Leitung von Antoine Rabut. Dabei handle es sich um «ein konzertantes Spektakel zwischen Kraft und Eleganz, Klassik und Balkantanz», sagt Balthasar Streit, der musikalische Leiter von Traktorkestar in der HdVM-Medienmitteilung vom 13. April. Am Abend des 13. Juni «treffen zwei völlig verschiedene Welten aufeinander, entsprechend viel wird improvisiert, Überraschungen sind garantiert.»

Weitere Informationen: volksmusikfestival.ch

akustika Nürnberg 2026: Europas Musikmesse wächst

Mehr Aussteller, mehr Besucher, mehr Länder: Die akustika Nürnberg hat ihre vierte Ausgabe vom 24. bis 26. April 2026 mit einer positiven Bilanz abgeschlossen. Hinter den Zahlen steckt eine grössere Ambition – die Messe will zur europäischen Leitmesse für Musik werden.

akustika Nürnberg 2026 – alle Fotos: Daniel Karmann

Rund 11 500 Besucherinnen und Besucher aus 49 Ländern sowie 273 Aussteller aus 25 Nationen – die Kennzahlen der akustika 2026 sprechen für sich. Die Messe, die von der 1947 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Messen und Ausstellungen GmbH (AFAG) organisiert wird, hat sich seit ihrer Premiere 2023 stetig weiterentwickelt und gilt inzwischen als wichtigste Plattform für das handwerkliche Instrumentenbaugewerbe im deutschsprachigen Raum. Erstmals belegte die akustika neben dem NCC Ost, dem grössten der drei Convention Center (NCC) auf dem Nürnberger Messegelände, auch die Halle 7A, wo Notenverlage sowie Streich- und Zupfinstrumente einen eigenen Bereich erhielten – und die neue Fläche fand bei den Besuchenden grossen Anklang.

Warum Europa eine solche Messe braucht

Mehrere Aussteller brachten es auf den Punkt: Europa fehlt bislang eine eigenständige internationale Musikmesse mit echter Strahlkraft. Nachdem die letzte Musikmesse Frankfurt 2019 stattfand, fiel sie ab 2020 wegen der Coronapandemie aus und wurde danach marktbedingt nicht wieder aufgenommen. «Im Moment gibt es das nur in den USA und China», sagte Simon Götz von der C.A. Götz jr. GmbH, einer traditionsreichen Firma für Geigen und Streichinstrumentenzubehör und -accessoires aus Markneukirchen. «Wir haben das in Europa verloren – und ich wünsche mir, dass wir das in fünf Jahren in Nürnberg haben.»

Dieser Befund erklärt, warum die akustika mehr ist als eine regionale Fachmesse. Sie bringt Instrumentenbauer, Musikverlage, Händler, Lehrende und Musikerinnen unter einem Dach zusammen – eine Kombination, die andernorts kaum noch existiert. Hans-Peter Strohhäcker von Yamaha Music Europe sprach von der akustika als künftigem «Branchentreff Europas», der unterschiedliche Verbände, Vereine und Musikkulturen zusammenführen soll.

Auch Anna Petrof Pruskova vom tschechischen Klavierhersteller Petrof hob hervor, dass die akustika als einzige Messe mit internationaler Präsenz in Europa derzeit noch aktiv sei – und damit eine Lücke fülle, die andernorts entstanden ist.

Handwerk, Konzerte und Vernetzung als Markenzeichen

Die akustika ist eine lebendige Veranstaltung: Auf sechs Bühnen fanden 80 Konzerte, 10 Komponistenporträts sowie 50 Workshops, Seminare und Vorträge statt. Das Akkordeon, von den deutschen Landesmusikräten 2026 zum Instrument des Jahres erklärt, stand im Mittelpunkt – das Nürnberger Akkordeonorchester, amtierender Weltmeister, trat auf. Für die Veranstalter ist dieses Konzertprogramm bewusste Strategie: Die Messe soll erlebbar und emotional sein, nicht bloss ein Schaufenster für Produkte.

«Gerade in der aktuellen Zeit ist Musik eines der wenigen Dinge, die über Grenzen hinaus Menschen verbindet – und das ist auf der akustika überall erlebbar», sind die AFAG-Geschäftsführer Henning und Thilo Könicke überzeugt.

Schweizer Beteiligung und Ausblick

Auch aus der Schweiz waren Aussteller an der akustika 2026 vertreten, zum Beispiel die daCarbo AG aus Lachen, die Jancic AG aus Villmergen, Servette Music SA aus Genf oder Swiss Wood Solutions AG Sonowood aus Altdorf. Für 2027 haben die Veranstalter zwei klare Ziele: den B2B-Bereich mit mehr Musikfachhändlern stärken und die internationale Reichweite weiter ausbauen. Bereits jetzt haben sich weitere ausländische Unternehmen für eine künftige Teilnahme angemeldet. Die nächste akustika findet vom 9. bis 11. April 2027 in der Messe Nürnberg statt.

www.akustika-nuernberg.de

Ein neuer Konzertsaal für Altdorf

Seit die Winter wärmer und die Skipisten kürzer werden, haben die Bergregionen den touristischen Sommer entdeckt und mit ihm die Kultur. Andreas Haefliger will das alte Zeughaus im Urner Kantonshauptort dafür umbauen.

Shigeru Ban (links) und Andreas Haefliger vor dem alten Zeughaus in Altdorf. Foto: Marc Püntener

Der Alpenbogen ist reich an Konzertorten, von Zermatt, Sion, Ernen, Verbier und Gstaad über Meiringen, Sarnen und Andermatt bis Klosters und Davos, um nur einige zu nennen. Und mit Blick auf See und Berge der Klassik-Olymp Luzern. Demnächst soll auch Altdorf dazugehören.

Der Hauptort des Kantons Uri mit 10 500 Einwohnerinnen und Einwohnern, den die meisten nur vom Vorbeifahren in den Süden kennen, wird vielleicht mit Wilhelm Tell assoziiert, aber nicht unbedingt mit Klassik. Das soll sich bald ändern, sagt Andreas Haefliger. Der international erfolgreiche Pianist ist vor einigen Jahren aus den USA in die Schweiz zurückgekehrt und lebt jetzt mit seiner Frau, der amerikanischen Flötistin Marina Piccinini, hoch über Altdorf auf siebzehnhundert Metern mit einer prächtigen Rundsicht auf die Urner Alpen. In Altdorf hat sich der charismatische Künstler verliebt, hier will er einen Konzertsaal für Kammermusik bauen und ist überzeugt: Der Saal wird nicht nur eine kulturelle Bereicherung für Altdorf darstellen, sondern mit den international bekannten Künstlerinnen und Künstlern, die hier auftreten werden, auch für eine über die Schweiz hinausgehende Aufmerksamkeit sorgen. Ein wirtschaftlicher Nutzen durch den Kulturtourismus wäre garantiert.

Ein Geschenk mit Konzept

Haefligers Konzertsaalidee ist schon auf dem Weg zur Realisierung. Die Pläne, die er der Gemeinde auf den Tisch legt, sind hinsichtlich Architektur, Verwaltungsstruktur und Finanzen völlig ausgearbeitet. Sie bilden gewissermassen ein mit Goldschleife versehenes Geschenkpaket, das ein grosszügiger Künstler der Gemeinschaft überreichen möchte. Die Finanzierung soll ausschliesslich durch Private erfolgen – ein Glücksfall für Altdorf. Und ein Fingerzeig Richtung Europa, wo der subventionierte Kulturbetrieb wegen Ebbe in den öffentlichen Kassen gefährlich ins Wanken gerät.

Sein Vorhaben hat Haefliger mit strategischer Weitsicht geplant. Die Konzerttätigkeit will er in den nächsten Jahren reduzieren, um sich als Lobbyist in eigener Sache voll seinem Herzensprojekt widmen zu können. Als Betriebsgesellschaft für den Saalbau existiert bereits eine Stiftung mit Persönlichkeiten aus Altdorf, eine im Kern aus dem Ehepaar Haefliger und dem Kulturmanager Pius Knüsel bestehende Projektgruppe wird den Bau überwachen. Vor Ort hat er sich in kurzer Zeit einen Bekanntenkreis geschaffen, der vom Bäcker bis zum Regierungsrat reicht, und als Musiker sind er und seine Frau hier auch schon bestens eingeführt. Ihr Zauberklang-Festival, sagt er, ziehe lokales Publikum und Besucher aus der ganzen Schweiz an. Den hinter der Schöllenenschlucht gelegenen Konzertsaal in Andermatt betrachtet er nicht als Konkurrenz, ebenso wenig den neuen Saal im nahen Vitznau. Die Veranstaltungsmodelle seien total verschieden.

Holzkonstruktion von Shigeru Ban

Die Umbaupläne situieren den Saal im denkmalgeschützten Zeughaus aus dem frühen 19. Jahrhundert im Zentrum Altdorfs. Dessen Fassade wird nicht angetastet, aber das Innere umgestaltet, um einer Holzkonstruktion Platz zu machen, die auf vier Pfeilern ruht und Platz für 250 Personen bietet. Der innovative Entwurf stammt vom japanischen Architekten Shigeru Ban, einer internationalen Koryphäe und bekannt für seine Holzbauten. In der Schweiz hat er unter anderem schon den Hauptsitz der Swatch-Gruppe in Biel und das Medienhaus der Tamedia in Zürich architektonisch gestaltet.

So ist der neue Konzertsaal im alten Zeughaus Altdorf geplant. Visualisierung: Shigeru Ban Architects

Der Zeitplan ist eng und genau getaktet, das Fundraising läuft bereits auf vollen Touren. 2027 soll die Baubewilligung vorliegen, ab 2028 gebaut und 2030 das Haus eröffnet werden. Die Kosten von rund 45 Millionen Franken sollen durch Zuwendungen von Mäzenen und Stiftungen gedeckt werden. Eine gewagte Wette, doch Haefliger ist sich sicher, dass das klappt, und verweist dabei auf seine weitreichenden persönlichen Kontakte. Die nicht unerheblichen Kosten für den laufenden Betrieb sind bereits durch eine feste Zusage abgesichert. Die Gemeinde und der Kanton, dem das Zeughaus aktuell gehört, wären also auch von den Folgekosten befreit.

Ein Ort für alle

Gegenwärtig wird das Zeughaus von der kantonalen Verwaltung für Büros und vom Verein Haus der Volksmusik genutzt, der hier ebenfalls einige Büros und ein Archiv hat und im Parterre Veranstaltungen durchführt. Sollte dafür kein adäquater Ersatz gefunden werden, könnte dem Projekt von dieser Seite noch eine Opposition erwachsen. Volksmusik gegen Klassik, das wäre eine fatale Konstellation. Haefliger sucht deshalb den Austausch mit den Einheimischen und betont: Der Saal soll auf keinen Fall ein Fremdkörper im Dorfkern sein, wo nur Hochkultur für eine herbeigereiste Kundschaft zelebriert wird. Er soll in das lokale Kulturleben integriert werden und auch Veranstaltern aus anderen Musikrichtungen offenstehen. Das Foyer im Parterre ist als lokaler Treffpunkt geplant, wo man sich auch tagsüber zu einem Kaffee oder einem Bier treffen kann.

Die Idee, mit Musik einen kulturellen Entwicklungsprozess in der Region anzustossen, trifft sich mit den heute praktizierten Modellen eines nachhaltigen Tourismus. Zugleich erzeugt das Projekt einen beträchtlichen künstlerischen Mehrwert. Wenn alles gut geht, werden in Altdorf ab 2030 Konzerte von ausgesuchter Qualität zu hören sein, dank der ausgezeichneten Akustik werden hier Tonaufnahmen entstehen, es werden Educationprogramme für die Altdorfer Schüler stattfinden und Marina Piccinini, die an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore Flöte unterrichtet, wird hier internationale Meisterkurse organisieren. Sie hat auch dafür gesorgt, dass ihre Universität schon 2027 in einem zertifizierten Austauschprogramm Studenten nach Altdorf schickt. Und was schliesslich nicht hoch genug zu veranschlagen ist: Angesichts der trüben wirtschaftlich-politischen Zukunftsaussichten ist dieses Projekt ein starkes, mutiges Signal für den Erhalt unserer Musikkultur.Visualisierung: Shigeru Ban Architects

Visualisierung: Shigeru Ban Architects

Das Gorgier Music Festival feiert Premiere

Vom 28. Mai bis 1. Juni 2026 findet im Château de Gorgier erstmals ein Kammermusikfestival statt. Das privat bewohnte Schloss öffnet für fünf Konzertabende seine Türen.

Château de Gorgier. Foto: zVg

Das Château de Gorgier im Kanton Neuenburg, ein Kulturgut von nationaler Bedeutung, ist der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich. Mit dem neu gegründeten Gorgier Music Festival erhält das Publikum erstmals Gelegenheit, das mittelalterliche Gebäude zu besuchen. Initiator des Festivals ist der Violinist Hans Liviabella.

Konzert im grossen Saal des Schlosses Gorgier. Foto: zVg

Die fünf Konzerte beginnen jeweils um 19 Uhr. Den Auftakt macht am 28. Mai ein Programm unter dem Titel «Dédié aux femmes» mit Werken englischer Komponistinnen der post-viktorianischen Ära für Violine, Klavier, Violoncello und Stimme. Am 29. Mai ist Barockmusik von Antonio Vivaldi in der Schlosskapelle im ersten Obergeschoss zu hören. Am 30. Mai verbindet der Abend «C’est juste le temps qui passe» Musik mit bildender Kunst. Zwei weitere Konzerte folgen am 31. Mai und 1. Juni.

Die meisten Konzerte finden im Grossen Saal des Schlosses statt, der sich nach Angaben des Veranstalters besonders für Kammermusik eignet. Im Anschluss an jeden Konzertabend wird den Gästen ein Apéro-Dîner serviert.

www.gorgiermusicfestival.ch

Kammermusik in der Schlosskapelle. Foto: zVg

Ein Resonanzraum für Zürichs Klassiktalente

Die Förderlandschaft für die musizierende Jugend ist im Kanton Zürich um eine Plattform reicher: «Zurich Youth Classical» ZYC will mehr sein als ein Wettbewerb. Die künstlerische Persönlichkeit soll im Mittelpunkt stehen.

Finalteilnehmende hören einem Vortrag zu. Foto: Ueli Steingruber/Zurich Youth Classical

Technische Perfektion beim Musizieren war in der Qualifikationsrunde des ersten ZYC im Brunnenhof und im Florhof nicht das wichtigste Kriterium. Die technische Fertigkeit auf dem Instrument wurde quasi vorausgesetzt für eine erfolgreiche Teilnahme. Die Jury beurteilte schwerpunktmässig die künstlerische Haltung und persönliche Gestaltungskraft der vorspielenden Kinder und Jugendlichen – dies immer unter Berücksichtigung des Alters und Entwicklungsstandes. Das Ziel der Vorspiele soll gemäss Konzept keine weitere Bestenauslese, sondern eine ganzheitliche Förderung sein.

Für Andrea Raschèr, Präsident der «Förderstiftung Musik Zürich», ist Zurich Youth Classical eine Herzensangelegenheit, die ihn seit Längerem begleitet. Er zeichnet für die strategische, finanzielle und strukturelle Führung des Projekts verantwortlich. Seit Anfang letzten Jahres hat er zusammen mit dem Pianisten und künstlerischen Supervisor Oliver Schnyder und Valérie Probst, der Leiterin des Künstlerischen Büros, daran gearbeitet.

In seiner Rede am Schlusskonzert, die aus gesundheitlichen Gründen von Valérie Probst verlesen wurde, ist die Grundidee formuliert: «ZYC ist kein klassischer Wettbewerb im Sinne eines Leistungsvergleichs. Es ist ein Resonanzraum. Ein Ort, an dem nicht Ranglisten im Vordergrund stehen, sondern eure künstlerische Identität. Jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer hat ein Programm gewählt, das zu ihr, zu ihm passt — zum eigenen Entwicklungsstand, zur eigenen Persönlichkeit.» Nach Raschèrs Überzeugung verdient musikalische Begabung mehr als Anerkennung, «sie verdient Raum – zum Wachsen, zum Zeigen, zum Verbinden.» Das neue Format soll den Begabten ermöglichen, «das echte Empfinden, Persönlichkeit, Ausdruckswillen und die musikalische Stimme» zu zeigen.

Feedback statt Konkurrenz

ZYC richtet sich an Kinder und Jugendliche sowie an Vorprofessionelle zwischen 7 und 24 Jahren. Sämtliche Instrumente und Gesang aus allen Stilepochen sind zugelassen. Kammermusik bis zu Quintett und Vokalensembles sind willkommen. Weitere Kategorien sind Komposition und Freier Gestaltungsraum für Experimentelles. Es werden nur Darbietungen berücksichtigt, die von der Jury im weiteren Sinne der klassischen Musik zugeordnet werden können. Begriffe wie «Wettbewerb» oder «Competition», welche Rivalität und Leistungsvergleich implizieren, werden von den Verantwortlichen vermieden. Stattdessen finden sich Formulierungen wie «wiederkehrendes Förderformat» und «feste Plattform für die Nachwuchsförderung im Kanton Zürich».

Ganz ohne Selektion geht es allerdings nicht. Für die Vorspiele wird der etwas weichere Begriff «Contest» verwendet. Die Anmeldezahlen waren so hoch, dass aufgrund des eingesandten Videomaterials eine Vorauswahl vorgenommen werden musste. 47 Interpretinnen, Interpreten oder Gruppen wurden zur Qualifikationsrunde vom 6. bis 8. März im Brunnenhof eingeladen. Hier gab es eine traditionelle Rangliste mit 3., 2. und 1. Preisen sowie 1. Preisen mit Auszeichnung. 23 Beiträge erreichten das Finale vom 17. bis 19. April.

Jurypräsident Oliver Schnyder hatte ein hochkarätiges und breit abgestütztes Gremium einberufen, um entlang festgelegter Kriterien Individualität, Musikalität, Ausdrucksvermögen, Bühnenpräsenz und kommunikative Qualität zu bewerten. Dabei sollte nie der Konkurrenzgedanke aufkommen, sondern die Entfaltung des Potenzials im Auge behalten werden. Die Verantwortlichen legen Wert auf eine entspannte und achtsame Durchführung des «Contest». Valérie Probst sagt: «Mit dieser ersten Ausgabe von Zurich Youth Classical haben wir unsere Ziele erreicht und sogar übertroffen. Es war uns wichtig, in jeder Hinsicht höchste Professionalität und Qualität zu gewährleisten und gleichzeitig den jungen Künstlerinnen und Künstlern ein einladendes und anregendes Umfeld zu bieten. Wir haben diesbezüglich sehr positive Rückmeldungen erhalten.» Eine zentrale Bedeutung kommt den Feedbackgesprächen zu. Dazu Jurymitglied Daniel Fueter: «Die Jury gibt sich wirklich Mühe, ausführliche Feedbacks zu geben. Das sind sehr entspannte Gespräche und die Jugendlichen nehmen gerne an, was wir zu sagen haben.»

Das Potenzial für eine mögliche professionelle Laufbahn soll im Anschluss an den Contest in den Abteilungen «The Cadenza» and «The Crescendo» zur Entfaltung gebracht werden. Bis zu drei Teilnehmende, in der Regel jene mit Auszeichnung, werden von ausgewiesenen Fachleuten nachbetreut, beraten und auf dem Weg in den Beruf begleitet.

Unbeschwert zu staunenswerten Leistungen

Die beabsichtigte lockere Stimmung übertrug sich im Schlusskonzert auf die Zuhörerschaft. Man lauschte entspannt einem bunten Programm auf hohem Niveau. In keinem Moment dachte man an eine Stresssituation. Die 17-jährige Cellistin Frida Lindner – sie besucht das Kunst- und Sport-Gymnasium Rämibühl und bereitet sich auf ein Berufsstudium vor – bestätigte diesen Eindruck nach ihrem bemerkenswerten Konzertbeitrag mit Elgar, Haydn und Kurtág: «Man merkt den Unterschied deutlich, schon bei der Jury. Sie ist sehr durchmischt zusammengestellt, von der Musikrichtung, aber auch vom Alter her. Dadurch wird auch anders bewertet. Bei anderen Wettbewerben sassen da fast alles Cellisten, die stark auf das Technische achteten.» Der 10-jährige Harfenist Jaron David Kiener, der den Small Bolero von Anna Sikorzak-Olek packend darbot, drückte es kurz und bündig aus: «Es ist hier angenehm zu spielen. Sie sind weniger streng als anderswo.»

«Ich bin überwältigt, was die können in dem Alter, das ist einfach krass, eine besser als der andere!», entfuhr es Pepe Lienhard in einer Pause des Finals. Lienhard wurde als «Quereinsteiger», wie er es nennt, in die Jury berufen, um die Performance-Qualität der Teilnehmenden zu beurteilen. «Ich bin natürlich kein Spezialist für klassische Musik. Am ehesten kann ich die Leistung des 11-jährigen Oboisten Marc Boller beurteilen. In seinem Alter bekam ich mein erstes Saxofon und er spielt bereits solch schwierige Stücke, unglaublich … Ich habe als Junger auch an Wettbewerben teilgenommen und war oft in Jurys. Da liegen vom Niveau her Milchstrassen zwischen damals und heute.»

Zeitgemässer, aber auch anspruchsvoller

Oliver Schnyder war im Voraus nicht sicher, ob «der Grundgedanke von Zurich Youth Classical in den Köpfen ankommen würde», dass es nämlich «nicht um einen Quervergleich geht, sondern dass man die jungen Menschen an den Aufgaben misst, die sie sich selber stellen. Wir waren freudigst überrascht, wie gut das geklappt hat und dass die Message auf Anhieb angekommen ist.»

In mancher Hinsicht ist das Format von ZYC für alle Beteiligten anspruchsvoller als die herkömmlichen, auf Konkurrenz abzielenden Wettbewerbe. Wenn man künstlerische Persönlichkeiten sehen will, die auf dem Podium etwas zu sagen haben, muss die instrumentaltechnische Basis bereits gelegt sein. Wie man am ZYC-Finale feststellen konnte, ist das heute immer häufiger und in jüngerem Alter der Fall. Vor diesem Hintergrund ist die Zeit reif für eine neu gedachte, zeitgemässe Form der Exzellenzförderung. ZYC könnte somit tatsächlich Impulsgeber werden.

Die Jury am ZYC-Finale 2026. Foto: Ueli Steingruber/Zurich Youth Classical

 

Zur Geschichte der Schweizerischen Gesellschaft für Neue Musik

Am 1. Juli 2025 übernahm die Schweizer Musikedition das Mandat der ISCM Switzerland. Damit endete auch die dreissigjährige Geschichte der Schweizerischen Gesellschaft für neue Musik. Javier Hagen, der letzte SGNM-Präsident, blickt zurück auf institutionelle Verflechtungen im Bereich der neuen Musik.

«Familienfoto» der ISCM-Delegierten anlässlich der ISCM-Generalversammlung an den ISCM World Music Days 2019 in Tallinn, Estland, 2.v.l. in der vordersten Reihe: Javier Hagen, 1.v.r. in der vordersten Reihe: Max E. Keller. Foto: zVg/ISCM Switzerland

Die Geschichte der Schweizerischen Gesellschaft für Neue Musik (SGNM) ist von ihrer Gründung im Jahre 1996 bis zu ihrer Auflösung 2025 mit der ISCM Switzerland verbunden, der schweizerischen Vertretung der International Society for Contemporary Music (ISCM). Im deutschsprachigen Kontext ist die ISCM allgemein als Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) bekannt.

Eine über hundertjährige Geschichte

Die ISCM Switzerland besteht seit Oktober 1922, dem Jahr der Gründung der ISCM, und ist eine der ältesten ISCM-Landessektionen. Bei der Gründung und in den Anfangsjahren der ISCM waren mehrere einflussreiche Schweizer Musikerpersönlichkeiten beteiligt. Der deutsche Dirigent und Komponist Hermann Scherchen, seinerzeit in Winterthur beim Musikkollegium tätig und mit den ISCM-Gründern eng verbunden, holte seinen Arbeitgeber, den Winterthurer Mäzen Werner Reinhart ins ISCM-Gründungskomitee. Reinhart war dann sowohl für substanzielle finanzielle Zuschüsse für die ersten ISCM-Weltmusiktage, den jährlich in einem anderen Land stattfindenden Festivals der ISCM, als auch für die Gründung der ISCM Switzerland als Teil des Schweizerischen Tonkünstlervereins STV verantwortlich. Im ersten ISCM Switzerland-Vorstand nahmen Volkmar Andreae (Vorsitz), Hermann Suter, Emile Lauber, Ernest Ansermet, Werner Reinhart, Reinhold Laquai und Jean Dupérier Einsitz. In den 1920ern organisierte die ISCM Switzerland auch gleich zweimal die ISCM-Weltmusiktage: 1926 in Zürich unter Volkmar Andreae und Hermann Scherchen, und 1929 in Genf unter Ernest Ansermet.

Junghae Lee zusammen mit den SGNM-Vorstandsmitgliedern Egidius Streiff, Max E. Keller und Javier Hagen an den ISCM World Music Days in Tallinn, Estland, 2019. Foto: zVg/ISCM Switzerland

Teil des Schweizerischen Tonkünstlervereins

Die ISCM Switzerland war von 1922 bis 1995 ein integrierter Teil des Schweizerischen Tonkünstlervereins (STV), des damals wichtigsten und gewichtigsten Verbandes für zeitgenössische Musik der Schweiz. Der STV funktionierte damals analog zu den Composer’s Unions der weiteren ISCM-Mitgliederländer.

Bis in die 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts nahmen die STV-Präsidenten auch die ISCM Switzerland-Präsidentschaft in Personalunion wahr. Ab den 1970ern artikulierte sich allmählich der Wunsch nach getrennten STV- und ISCM Switzerland-Präsidien, rechtlich blieb aber alles unter einem Dach, demjenigen des STV.

Angesichts der sich ankündenden ISCM-Weltmusiktagen 2004 in der Schweiz wurde 1996 die ISCM Switzerland vom STV ausgekoppelt und eine eigene Körperschaft eingegliedert: der hierfür 1996 unter der Leitung von Jean-Luc Darbellay gegründeten Schweizerischen Gesellschaft für Neue Musik SGNM / Société Suisse pour la Musique Contemporaine SSMC. Dieser Schritt sollte eine grössere operative Flexibilität garantieren, was bis zu den ISCM-Weltmusiktagen in der Schweiz 2004 auch gegeben war.

Schwierige Lage nach den Weltmusiktagen 2004

Die Kehrseiten der SGNM-Gründung 1996 waren, dass die tragende und repräsentative Mitgliederstruktur des STV verloren ging. Der neue Verein hatte statt über 1000 nur noch etwa zwei Dutzend Mitglieder: die meisten Schweizer IGNM-Ortsgruppen, einige weitere Neue-Musik-Veranstalter und eine Handvoll Ensembles. Und sobald die ISCM-Weltmusiktage 2004 in der Schweiz vorbei waren, verlor die SGNM auch die Finanzierung durch den Bund und ihr Projektsekretariat.

Dies war nach wie vor der Fall, als Javier Hagen 2014 die SGNM-Präsidentschaft antrat. Und blieb es auch bis 2025. Mit seiner Übernahme des SGNM-Präsidiums war die erklärte Absicht verbunden, dieses Dilemma zu lösen und die ISCM Switzerland nicht wie bisher weiterzuführen, sondern wieder in eine kohärente nationale Struktur zu integrieren. Das hiess damals: wieder zurück in den STV.

Helena Winkelman bei den ISCM World Music Days in Ljubljana, Slowenien, 2015. Foto: zVg/ISCM Switzerland

Seit den frühen 2000er-Jahren aber war der STV auf Druck des Bundesamtes für Kultur mit einer grundlegenden Transformation beschäftigt, die bekanntlich 2017 zu seiner Auflösung und Fusion mit anderen Verbänden zu Sonart geführt hat. Daher war von 2014 bis 2023, bis zur definitiven Konsolidierung von Sonart nach der Pandemie, an eine Rückführung in den STV resp. in die Folgestruktur nicht wirklich zu denken: Die möglichen Partner waren in der Auflösung bzw. in der Genese begriffen.

Auflösung der SGNM und Übernahme des ISCM Switzerland-Mandats

Anlässlich der ISCM-Generalversammlung 2019 in Tallinn wurde Javier Hagen aufgrund seines langjährigen ISCM-Engagements für die Wahl in den ISCM-ExCom aufgestellt. Die strukturelle Schwäche der SGNM, die er auch immer wieder gegenüber der ISCM betonte, bewog ihn, die Wahl in den ISCM-ExCom zu Gunsten der rumänischen Kollegin abzulehnen; die anstehenden Aufgaben zuhause in der Schweiz drückten zu sehr.

Ab 2023 konnten Gespräche betreffend die Rückführung der ISCM Switzerland in eine nationale Struktur wieder aufgenommen werden. Ausgehend davon, dass die ISCM in erster Linie einen Mehrwert für Komponierende, allenfalls auch für Ensembles bietet, sollte diese Struktur folgende Kriterien erfüllen: maximale Kongruenz mit der Realität der ISCM, nationale Reichweite, stabile, sprich fest angestellte und professionalisierte Administration. Das war einmal der STV. Der neue Verband Sonart erfüllt diese Anforderungen zwar strukturell, inhaltlich aber nur bedingt.

Alternativ wurde das Gespräch auch mit der Schweizer Musikedition SME/EMS gesucht. Sie gehört zusammen mit der Datenbank Musinfo ebenfalls zu ausgekoppelten Projekten des ehemaligen STV. Die SME vereinigt den grössten Teil der Schweizer Komponierenden als Mitglieder. Eine bescheiden besetzte Geschäftsstelle sowie ein initiativer und junger Vorstand, der 2025 der Übernahme des ISCM Switzerland-Mandats zustimmte, führen die Geschäfte. Mit dem Rücktritt des SGNM-Vorstandes und der Auflösung der SGNM nach 30 Jahren wurde das 1996 von der SGNM vom STV übernommene ISCM-Switzerland-Mandat per 1. Juli 2025 auf die SME übertragen.

Rückblick auf vielfältige SGNM-Aktivitäten bis 2025

Der letzte aktive SGNM-Vorstand – Max E. Keller, Egidius Streiff, David Rossel und Javier Hagen – hat ab 2014 die ISCM Switzerland wieder in die Öffentlichkeit und ins Internet gebracht. Er hat die historischen Dokumente in der Schweiz aufgearbeitet, eine Minimalstruktur und -aktivität garantiert und die internationale Vernetzungsarbeit mit der ISCM mit minimalen Mitteln und grossem Engagement aufrechterhalten.

Die Jury des ISCM Young Composer Awards 2014 in Wroclaw: Tomoko Fukui (Japan), Eva Lopzyc (Argentinien), Javier Hagen (Schweiz). Foto: zVg/ISCM Switzerland

Schweizweit war die SGNM unter anderem dafür besorgt, die Neue Musik dank einer Vorstandserweiterung im Schweizer Musikrat SMR wieder vertreten zu haben (2017), und sie war mit dem STV bei den Vorbereitungsdiskussionen zur Sonart-Fusion involviert (2016/17). Die SGNM hielt ab 2016 Einsitz im Vorstand der Schweizer Musikedition SME/EMS und sicherte deren Liquidität bei der Zusammenführung von SME und Musinfo (2016). Ferner brachte sie sich erfolgreich vermittelnd für verschiedene IGNM-Ortsgruppen bei drohenden substanziellen Finanzkürzungen in verschiedenen Kantonen ein (2015/2016).

Die SGNM stellte auch den Kontakt zwischen dem Schweizer Musikwissenschaftler Anton Haefeli, dem Verfasser des Referenzbuches zur ISCM-Geschichte 1922-80, und der ISCM wieder her. 2020 wurde Anton Haefeli auf Vorschlag der SGNM zum Ehrenmitglied der ISCM ernannt.

 

Denis Schuler bei den ISCM World Music Days in Wroclaw, Polen, 2014. Foto: zVg/ISCM Switzerland

 

Dank Anton Haefeli stiess die SGNM 2014 in der Stadtbibliothek Winterthur auf die Gründungskorrespondenz der ISCM – ein Fund von besonderer Bedeutung, da solche Dokumente in vielen Ländern durch Kriege und politische Wirren verloren gegangen sind. Im Hinblick auf Publikationen zum ISCM-Jubiläum 2022 kam diese Entdeckung mehr als gelegen. In den Anfangsjahren der ISCM lief nämlich nahezu die gesamte Korrespondenz über den Schreibtisch von Werner Reinhart. Die Durchschläge dieser Schriftstücke sind in der Reinhart-Mappe der Stadtbibliothek Winterthur sorgfältig und übersichtlich archiviert.

Innerhalb der ISCM konnte die SGNM die Erweiterung der offiziellen, historischen ISCM-Kommunikationssprachen Deutsch, Französisch und Englisch durchsetzen. Neu kamen Spanisch, Chinesisch, Arabisch und Russisch als «Welcoming Languages» hinzu. Dies bedeutete ein wegweisender Schritt für eine erleichterte Kommunikation innerhalb der Gesellschaft (2018). Zudem hat die SGNM neue Mitgliedschaften und Wiedereintritte wie Brasilien (2017), China-Shanghai (2017) und Spanien (2021) mit initiiert.

David Philipp Heftis «à la recherche»  an den ISCM World Music Days in Peking, China, 2018. Foto: zVg/ISCM Switzerland

2019 lancierte die SGNM im Rahmen der ISCM Collaborative Series erstmals einen Call für die Promotion von Schweizer Ensembles für Neue Musik im Ausland (Leitung: Max E. Keller). Das HyperDuo gewann diesen und spielte im Herbst 2020 erfolgreich in den IGNM-Konzertreihen in Münster, Detmold und Berlin in Deutschland.

Massnahmen während der Corona-Zeit

Die SGNM lobbyierte 2020 bei der Schweizer Bundesversammlung erfolgreich für die Annahme des zugunsten des Schweizer Kulturlebens angepassten COVID-19-Gesetzes mit. Zudem initiierte sie über die ISCM-Arbeitsgruppen Quotenerhöhungen bei nationalen Rundfunkanstalten im Ausland – analog zum SRF, das während der Coronapandemie die Quote von Schweizer Musik im Programm auf 50 Prozent zugunsten höherer Tantiemen für einheimische Musikerinnen und Musiker erhöhte.

Auch die ISCM Virtual Collaborative Series (VCS), die 2020 anlässlich der Coronapandemie ins Leben gerufen wurden, um die Promotion zeitgenössischer Musik angesichts des stillgelegten Konzertbetriebs auf Social Media aufrechtzuerhalten, gehen auf die Initiative der SGNM zurück. Insgesamt sind bis zum November 2023 über die ISCM VCS die Werke von über 250 Komponierenden aus aller Welt vorgestellt worden, darunter auch die folgenden 15 Stücke von Schweizerinnen und Schweizern:

Zum doppelten Jubiläum 2022

Zum 100. Geburtstag der ISCM 2022 lanciert die SGNM (welche im Prinzip als ISCM Switzerland 2022 ebenfalls ihr 100-jähriges Bestehen feierte) zusammen mit den ISCM-Sektionen in Lettland und dem Baskenland einen Internationalen Kompositionswettbewerb für neue Chormusik in drei Kategorien: gleiche Stimmen (organisiert von der SGNM), Kinderchöre (organisiert von der Lettischen Sektion) und gemischte Chöre Amateure (organisiert von der Baskischen Sektion). Den Schweizer Wettbewerbsteil organisierte David Rossel: 108 Kompositionen von 78 Komponierenden aus aller Welt wurden in dieser Kategorie (gleiche Stimmen) eingereicht. In die Ränge kamen Werke von Luc Goedert (1. Preis ex aequo), Cyrill Schürch (1. Preis ex aequo) und Thomas Kientz (3. Preis). 17 weitere Werke erhielten eine Special Mention. Die Siegerstücke wurden im Casino Basel unter der Leitung des US-amerikanischen Komponisten und Dirigenten Eric Whitacre uraufgeführt.

Ebenfalls zu diesem Jubiläum erwirkte die SGNM 2018 die Mitarbeit der Paul-Sacher-Stiftung Basel (Mentorat) für die musikwissenschaftliche Aufarbeitung der ISCM-Geschichte durch die internationalen ISCM-Sektionen. Dies hatte eine wertvolle katalytische Wirkung, da die Zusammenarbeit mit der Sacher-Stiftung mehrere Universitäten zur Mitarbeit stimulierte.

Auch die ISCM World Music Days feierten 2022 ihren Hundertsten. Zu diesem Jubiläum erstellte die SGNM eine vollständige Online-Festivaldokumentation. In den ISCM-Archiven fehlten dazu die Programme von 1970 bis 2005. 2018 fand die SGNM alle Dokumente beim ehemaligen ISCM-Switzerland-Präsidenten Fritz Muggler in Zürich. Sie wurden für das Archiv vollständig digital erfasst.

Dragos Tara spielt sein eigenes Werk «Pixel» an den ISCM World Music Days in Vancouver, Kanada, 2017. Foto: zVg/ISCM Switzerland

In den ISCM-Arbeitsgruppen Archive, Sustainability und Communication arbeitete Javier Hagen 2014-2023 massgeblich mit. Eines der herausragenden Ergebnisse dieser Arbeitsgruppen waren die ISCM World Music Days zum 100. Geburtstag der ISCM. Diese fanden 2023 zum ersten Mal in ihrer Geschichte auf dem afrikanischen Kontinent statt. Und zwar in Südafrika unter der künstlerischen Leitung von Lukas Ligeti, dem Sohn des Komponisten György Ligeti, der, wie viele seiner Zeitgenossen, einen grossen Teil seiner Karriere der ISCM verdankt.

Weitere Notizen zu den ISCM-Weltmusiktagen

Jahr für Jahr stellte die SGNM mithilfe einer Jury einen Vorschlag mit mindestens sechs Schweizer Werken für die World Music Days zusammen. Sie sicherte die Finanzierung der Reise der gekürten Schweizer Komponistinnen und Komponisten. Mit Helena Winkelman 2015, Iris Szeghy 2016, Junghae Lee 2019, Karin Wetzel 2021 und Esther Flückiger 2020/2022 und 2023 vertraten  nach 93 Jahren erstmals in ihrer Geschichte  auch Komponistinnen die Schweiz an ISCM Weltmusiktagen. Damit etablierte sie deren Präsenz innert Jahresfrist von 0 auf mindestens 50%.

Esther Flückiger bei den ISCM World Music Days in Südafrika, 2023. Foto: zVg/ISCM Switzerland

In der Jury des ISCM Young Composer Awards wirkte die ISCM Switzerland anlässlich der Weltmusiktage 2014 in Wroclaw.

2019 stellte die SGNM auf YouTube und SoundCloud Playlists mit Konzertmitschnitten der ISCM World Music Days und/oder Aufnahmen der dort gespielten Stücke zusammen. Diese Playlists sind auf den Seiten der ISCM-Archive online integriert.

In physischer Form ist das umfangreichste und kompletteste ISCM-Archiv dasjenige der Royal Danish Library. Online existieren zahlreiche Datenbanken: einschlägige und ausführliche Wikipedia-Artikel in verschiedenen Sprachen sowie die Webseite der ISCM. Dort sind mittlerweile sämtliche Festivalprogramme seit 1922 mit Komplementärlinks, Kritiken und Fotos dokumentiert. Ferner gibt es auf YouTube und Soundcloud Playlists mit Aufnahmen, darunter auch die Playlists der SGNM. Ebenso sind auf den Social-Media-Seiten mehrerer ISCM-Sektionen umfangreiche Fotoalben zu finden, welche die ISCM-Weltmusiktage attraktiv dokumentieren.

Claude Berset bei den ISCM World Music Days in Tongyeong, Südkorea, 2016. Foto: zVg/ISCM Switzerland

Weiterführende Links

Fotoalben der ISCM-Weltmusiktage

  • 2014 Wroclaw, Polen
  • 2015 Llubljana, Slowenien
  • 2016 Tongyeong, Südkorea
  • 2017 Vancouver, Canada
  • 2018 Beijing, China
  • 2019 Tallinn, Estland
  • 2022 Auckland/Christchurch, Neuseeland (Pandemiebedingt fielen die Festivals 2020 und 2021 aus.)
  • 2023 Soweto/Johannesburg/Kapstadt, Südafrika
  • 2024 Färöer
  • 2025 Lissabon/Porto, Portugal

Tonaufnahme online: Esther Flückiger – Guarda i lumi, ISCM WMD 2022 NZ
https://www.rnz.co.nz/concert/programmes/musicalive/audio/2018884827/esther-fluckiger-guarda-i-lumi

ISCM-Weltmusiktage 2026 in Bukarest, Rumänien
https://iscm.org/wnmd/2026-romania/

 

Javier Hagen war als Präsident der IGNM-VS ab 2011 im Vorstand der SGNM. Er präsidierte diese 2014 bis zu deren Auflösung 2025. https://de.wikipedia.org/wiki/Javier_Hagen

Classical:next 2026: Die Zukunft der Kunstmusik gestalten

Die diesjährige Ausgabe des weltgrössten Fachtreffens für klassische und zeitgenössische Musik fand in Budapest statt. Die Schweizer Beteilung war marginal.

Ilsang-Ensemble aus Südkorea. Foto: Christoph Mangler/Classical:Next 2026

Kurz vor einem richtungsweisenden Wahlsonntag versammelten sich in Ungarns Hauptstadt rund 900 Kulturschaffende aus 49 Ländern zum 13. Branchentreffen Classical:next. Vom 8. bis 11. April fanden unter dem Motto «Shaping the future of art music» an zentralen Kulturorten – Millenáris, Liszt-Akademie, Budapester Musikzentrum und Haus der ungarischen Musik  – Konferenz, Showcase-Festival und Fachmesse statt, mitveranstaltet von Hangvetö und den Bartók Spring International Arts Weeks.

In der Liszt-Akademie eröffnete Direktorin Fabienne Krause einen Abend, der ausschliesslich ungarischen Komponisten gewidmet war, von Liszt bis Péter Eötvös. Im Beisein des soeben hundertjährig gewordenen György Kurtág zeigte u.a. Pianistin Ildikó Rozsonits, dass klassische Moderne einen Saal zum Vibrieren bringen kann. Bereits am Mittag hatte Dirigent und Komponist Iván Fischer mit seiner Eröffnungsansprache den inhaltlichen Rahmen gesetzt: Das Konzertritual sei in der heutigen Form nicht nachhaltig, gesucht sei eine Neuausrichtung hin zum Publikum und zur Wahrhaftigkeit auf der Bühne.

 Wie erreicht man das zerstreute Publikum?

Die Konferenzthemen reichten von neuen Musiktechnologien und Gender Representation bis zu Lohnmodellen und Nachhaltigkeit. Besonders lebhaft: die Debatte um den Musikjournalismus. «Who decides what matters?», fragte Moderatorin Olivia Brown (London). Die Einstellung des britischen Classical Music Magazine stand neben dem Erfolg von Bachtrack mit rund zwei Millionen Abonnentinnen und Abonnenten. Content-Creatorin und Flötistin Cinci Baglyas plädierte für «Behind-the-Scene»-Inhalte als Mittel gegen Zugangshemmnisse; Martin Andris (Elbphilharmonie) berichtete von einem «Creator in Residence» – Ergebnis offen. Ob KI dem Musikbusiness neue Zuhörende zuführt, blieb ungewiss. Konkretere Vorschläge für verschiedene Publikumssegmente stellte Anna Tiszolczi vom Budapest Festival Orchestra vor: Neben «Kakao-Konzerten» für Kinder sei das Format «Midnight Music» ein Treffer, Lounge-Konzerte für Jugendliche, ausdrücklich ohne Eltern. Toks Dada (Southbank Centre) und Linda Begbie (Manchester Collective) ermunterten zu mehr Risiko: «When we do different things, different people will come.»

Prämierte Technologien im Dienst der Musik

Drei Projekte wurden mit dem Innovation Award 2026 ausgezeichnet, Schwerpunkt neue Technologien: SOAVE (Stage Orchestra Audio Video Experience, Italien) ermöglicht per Virtual Reality das Eintauchen in ein Sinfoniekonzert aus verschiedenen Orchesterperspektiven. Das Borealis Festival (Norwegen) gestaltet mit technologischen Hilfsmitteln neue körperliche Hörerfahrungen jenseits konventioneller Konzertformate. Playing With Fire: An Immersive Odyssey (Frankreich) lädt als Mixed-Reality-Konzert mit Yuja Wang – realisiert von Vive Arts und der Philharmonie de Paris – zu einer intimen virtuellen Begegnung mit der Pianistin ein.

Hoffen auf breitere Schweizer Beteiligung

Als einziger Schweizer Beitrag unter 69 Künstlerinnen und Künstlern aus 15 Ländern überzeugte das Crossover-Projekt «Charles River» des Basler Schlagzeugers Florian Arbenz mit einem Programm rund um Lieder von Charles Ives. Die Sängerinnen Anna Juniki und Immy Churchill brachten mit dem Kontrast von klassischem und Jazzgesang melancholische Poesie auf die Bühne; das achtköpfige Ensemble füllte den Saal des Budapester Musikzentrums mühelos.

Immerhin knüpften einige Schweizer Anbieter auf der Messe neue Kontakte. 2027 bietet sich eine Chance für mehr Präsenz: Im Rahmen des polnischen Kulturhauptstadtprogramms findet Classical:next vom 11. bis 14. Mai 2027 in Katowice statt, einer Unesco-Musikstadt mit lebendiger Orchesterlandschaft. Schweizer Musikexport, bitte vormerken!

Infos: classicalnext.com

 

 

Fabian Renz wird neuer Chefredaktor der Schweizer Musikzeitung

Der Journalist Fabian Renz übernimmt per 1. Juli die Chefredaktion der Schweizer Musikzeitung.

Fabian Renz übernimmt die Chefredaktion am 1. Juli 2026. Foto: zVg

Renz ist seit 2010 beim Tagesanzeiger tätig, zuletzt als Leiter des Ressorts Analyse und Meinung. Davor arbeitete er acht Jahre als Teamleiter im Bundeshaus. Seine journalistische Karriere begann 1999; ab 2006 war er als Bundeshaus-Korrespondent für verschiedene Medien tätig.

An der Universität Zürich studierte er Allgemeine Geschichte mit den Nebenfächern Musikwissenschaft und Schweizer Geschichte. Neben dem Journalismus beschäftigt er sich vertieft mit musikalischen Fragen.

Bis Ende August wird er von der amtierenden Chefredaktorin Katrin Spelinova und von Pia Schwab begleitet. Beide werden zu diesem Zeitpunkt pensioniert.

Jean-Damien Humair bleibt in seinem Amt und sorgt ebenfalls für Kontinuität. Er leitet die französische Redaktion seit der ersten Ausgabe der Schweizer Musikzeitung im Januar 1998. Seit einigen Jahren koordiniert er zusätzlich die Beiträge der SMZ-Verbände.

 

Nachricht auf persönlich.com vom 17. April 2026

«Unisono»: Kino-Vorpremiere in Basel

Der Dokumentarfilm «Unisono – Von der Liebe zur Musik» von Georges Gachot über das Jugend-Sinfonieorchester Aargau wird am 26. April 2026 erstmals in Basel gezeigt.

Still aus dem Film «Unisono – Von der Liebe zur Musik» von Georges Gachot . Bild: zVg/anderdog.ch

Am Sonntag, 26. April 2026, um 12 Uhr zeigt das Kinokoni Basel (Steinenvorstadt 36) in einer Vorpremiere den Dokumentarfilm Unisono – Von der Liebe zur Musik  von Georges Gachot. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Offbeat-Festivals statt, an dem der finnische Jazzpianist Iiro Rantala auftritt – einer der Protagonisten des Films. Im Anschluss an die Vorführung sprechen Regisseur Georges Gachot und Urs Blindenbacher vom Offbeat-Festival mit dem Publikum.

Der Film begleitet das Jugend-Sinfonieorchester Aargau unter Dirigent Hugo Bollschweiler bei intensiven Proben. Er zeigt junge Schweizer Musikerinnen und Musiker bei der Arbeit und bei der Auseinandersetzung mit der Frage, wie klassische Musik heute gespielt werden soll. Iiro Rantala führt das Ensemble dabei in die Welt der Improvisation ein. Das Programm reicht von der Romantik Dvořáks über die Werke Góreckis bis zu Rantalas eigenem Klavierkonzert The Best of Beethoven, das Jazz, Tango und Humor mit Beethovens Themen verbindet.

Gachot ist bekannt für seine Musikfilme, darunter beispielsweise 2002 Martha Argerich, conversation nocturne. Unisono gehörte an den Solothurner Filmtagen 2026 zu den meistbesprochenen Werken. Der reguläre Kinostart in der Schweiz ist für Ende August 2026 geplant.

Tickets im Vorverkauf: cinema.kinokoni.ch — Trailer: YouTube

Zurich Youth Classical: Finale im Brunnenhof Zürich

Vom 17. bis 19. April 2026 findet im Brunnenhof Zürich das Finale der ersten Ausgabe von Zurich Youth Classical – The Contest statt.

Foto: Ueli Steingruber, Zurich Youth Classical

Die Förderstiftung Musik Zürich lanciert mit diesem Format ein Programm für junge Musikerinnen und Musiker aus dem Kanton Zürich. Teilnehmen können Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 16 Jahren sowie Talente auf vorprofessionellem Niveau bis 24 Jahre.

Der Wettbewerb bewertet neben technischen Fähigkeiten auch musikalischen Ausdruck und persönliche Entwicklung. Die Jury setzt sich zusammen aus Pepe Lienhard, Daniel Fueter, Yilan Zhao, Gwendolyn Masin und Valentine Michaud. Die künstlerische Supervision liegt beim Pianisten Oliver Schnyder.

Am 19. April treten die Preisträgerinnen und Preisträger im Schlusskonzert um 10:00 Uhr im grossen Konzertsaal (Studio 1) im Brunnenhof Zürich auf. Das Konzert ist öffentlich.

Der Brunnenhof war einst das erste Radiostudio der Schweiz und wird heute als Musik- und Bildungszentrum genutzt.

Die Jury des 1. ZYC – The Contest. Foto: Ueli Steingruber, Zurich Youth Classical

Erika Radermacher wird neunzig

Die vielseitige Interpretin und Komponistin Erika Radermacher ist eine prägende Persönlichkeit der Schweizer Musik-Avantgarde.

Erika Radermacher (links) und Katharina Weber improvisieren frei und pflegen ein vielseitiges Repertoire. Foto: Nicole Philipp

Im Gespräch falle auf, dass ihr Ehrgeiz, Starallüren und andere «Knörze» völlig abgehen, schrieb die Komponistin Regina Irman 1985 über ihre Kollegin Erika Radermacher. «Mit Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit ist sie einfach Musikerin und nimmt als solche die verschiedensten Funktionen ein.» Alles sei integriert. Tatsächlich ist diese Haltung prägend für Erika Radermacher, die am 16. April 1936 in Eschweiler bei Aachen geboren wurde und 1967 in die Schweiz kam.

Sie ist eine exzellente Interpretin, sowohl was das klassische als auch das zeitgenössische Repertoire betrifft, ist Sängerin und Pianistin; sie füllt Konzepte mit Originalität und Persönlichkeit, improvisiert aber auch hervorragend am Klavier. Als Gründungsmitglied des Ensembles Neue Horizonte Bern 1968 hat sie mit ihrem damaligen Ehemann Urs Peter Schneider die Schweizer Avantgarde angeführt, etwa im Duo mit Katharina Weber. Der Pädagogin folgten zahlreiche junge Musikerinnen und Musiker am Klavier. Ausserdem liess sie sich in ganzheitlichem Heilen, humanistischer Psychologie und Meditation ausbilden und praktiziert in Schliern bei Köniz. Dazu entstand ein eigenständiges, stilistisch kaum fassbares kompositorisches Œuvre, mit oft aussergewöhnlichen Ansätzen. Obwohl sie nicht glaube, dass es einen hörbaren Unterschied zwischen Frauen- und Männermusik gebe, ist sie so in allem doch ein grosses Vorbild für das kompositorische Schaffen von Frauen hierzulande.

Geburtstagskonzert

19. April 2026, 15 Uhr, Musikhaus Müller&Schade, Moserstr.16, Bern

Erika Radermacher und Katharina Weber an zwei Klavieren. Die Platzzahl ist beschränkt, Anmeldungen sind erwünscht bis am 15. April

Weitere Informationen:  https://www.katharinaweber.ch/konzerte/erika-radermacher-90/

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