Studienbeginn an der ZHdK

Heute nehmen 774 Studierende ihr Studium an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) im Toni-Areal auf. Neu angeboten wird der Studiengang Master Dance, die erste Tanzausbildung auf Masterstufe in der Schweiz.

Studienbeginn an der ZHdK. (Foto: Regula Bearth © ZHdK)

Von den 774 Studienanfängerinnen und -anfängern an der ZHdK haben sich 334 für einen Bachelor- oder Masterstudiengang im Bereich Musik immatrikuliert, 112 in Design, 100 in Kunst und Medien, 136 in Art Education und Transdisziplinarität sowie 92 in Darstellenden Künsten und Film. Unter ihnen sind auch acht Tänzerinnen und Tänzer, die den neuen Studiengang Master Dance besuchen. Es handelt sich um die schweizweit erste praxisorientierte Tanzausbildung auf Masterstufe.

Insgesamt studieren an der Zürcher Hochschule der Künste 2288 Personen. Davon absolvieren 1303 einen der acht Bachelor- und 985 einen der elf Masterstudiengänge. Die Studierendenzahl ist gegenüber den letzten Jahren konstant geblieben. An der ZHdK gilt ein Numerus clausus; Studieninteressierte durchlaufen vorgängig ein strenges Zulassungsverfahren.
 

Bündner Kulturschaffende in Rom

Der Kanton Graubünden vergibt im Rahmen eines Pilotprojekts in den Jahren 2019 und 2021 Atelierstipendien in Rom an Bündner Kulturschaffende.

Atelierwohnung in Rom (Bild: Kanton Graubünden)

Der Kanton Graubünden stellt Bündner Kulturschaffenden seit 2013 eine Atelierwohnung in Wien zur Verfügung. Neu wird Bündner Kulturschaffenden während einer Pilotphase in den Jahren 2019 und 2021 zusätzlich die Möglichkeit zur Benützung einer Atelierwohnung in Rom geboten. Diese wird abwechselnd von den Kantonen St.Gallen und Graubünden und dem Fürstentum Liechtenstein genutzt. Hauptmieter ist der Kanton St.Gallen.

Das möblierte Wohnatelier (3 Zimmer) befindet sich im Quartier San Lorenzo in der Via dei Latini 18. Der Aufenthalt beträgt jeweils sechs Monate (1. Juni – 30. November 2019 und 1. Juni – 30. November 2021). Der Kanton Graubünden stellt das Wohnatelier den Kulturschaffenden unentgeltlich zur Verfügung und richtet einen monatlichen Zuschuss von 2000 Franken an die Lebenshaltungskosten aus.

Zur Bewerbung sind professionelle Kulturschaffende eingeladen, die im Kanton Graubünden wohnhaft sind oder eine enge Verbundenheit mit dem Kanton Graubünden oder der Bündner Kultur aufweisen. Die Bewerbungen sind für alle Sparten offen und an keine Altersgrenze gebunden. Die Anmeldefrist für das Atelier Rom 2019 läuft bis Freitag, 26. Oktober 2018 (Datum des Poststempels).
 

«Klamu» – die niederschwellige Zauberformel

Die Fondation Suisa lud innerhalb einer Woche gleich zweimal zu grossen Fachtagungen über das Klassenmusizieren, kurz «Klamu». Bericht vom Anlass in Zürich.

Bläserklasse live: die 5. Klasse Grünau von Thomas Mosimann und Daniel Frei. Fotos: Niklaus Rüegg

Am 8. September trafen sich im Florhof in Zürich Fachleute aus verschiedenen Ländern, um sich zum Thema auf theoretischer und praktischer Ebene auszutauschen. Eine Woche später wurde in Genf eine ähnliche Veranstaltung unter dem Titel «Orchestre en classe» durchgeführt. Angesprochen waren Lehr- und Leitungspersonen von Musik- und Volksschulen.

Urs Schnell dankte im Namen der Fondation Suisa Cristina Hospenthal, ehemalige Direktorin von Musikschule Konservatorium Zürich (MKZ), und Martin Sonderegger (Fachdidaktik Klarinette, ZHdK) für das Organisieren der Tagung. Seit 2016 hat die Fondation Suisa schon über 40 «Klamu»-Projekte unterstützt. Schnell liess aber durchblicken, dass das Klassenmusizieren in Zukunft breiter abgestützt finanziert werden sollte, und äusserte den Wunsch, dass auch andere Personen und Institutionen dieses erfolgreiche niederschwellige Angebot unterstützen möchten.

Erich Zumstein, Direktor der MKZ, wartete in seiner Begrüssungsrede mit eindrücklichen Zahlen auf. Was vor neun Jahren mit zwei Bläserklassen im Glatttal begann, hat sich bis heute zu einer Organisation mit jährlich 2000 Teilnehmenden gesteigert. Alle zwei Jahre wurde bisher ein grosses Konzert im Volkshaus mit bekannten Showgrössen organisiert. Die Schule arbeitet in Bildungsprojekten-Projekten mit dem Tonhalle-Orchester zusammen, und über den grossen Teich hat man sich via Skype mit einem «education through music»– Vorhaben in der Bronx in Verbindung gesetzt.

Moderatorin Esther Girsberger durfte mit Helena Maffli eine der herausragenden schweizerischen Fachpersonen für musikalische Bildung begrüssen. Die Referentin und ehemalige Präsidentin der Europäischen Musikschulunion umriss die Bedeutung des Klassenmusizierens im europäischen Kontext. Es gebe viele internationale Vorbilder dafür und als Brücke zwischen Volks- und Musikschulen sei das Programm geradezu ideal. Als notwendigen Schritt um weiterzukommen, regte Helena Maffli die Schaffung einer nationalen Infostelle an, ein Gedanke, der allseits auf Interesse stiess.

Win-win-Situation für Volks- und Musikschule

Wenn sich eine der allergrössten Musikschulen Europas mit ihren 24 000 Schülerinnen und Schülern und 600 Lehrpersonen in Verbindung mit einer bedeutenden Schweizer Stiftung in einem solchen Masse für einen musikpädagogischen Teilbereich einsetzt, dann muss etwas dran sein. Nicht nur unter dem Aspekt der «Teilhabe am kulturellen Leben», wie es die laufende Kulturbotschaft formuliert, wird das Klassenmusizieren als wertvolles pädagogisches Instrument gesehen. Es gilt als erwiesen, dass Bildungsziele wie Sozialkompetenz, Konzentration und Aufmerksamkeit durch gemeinsames Musizieren sehr begünstigt werden. Zumstein stellte fest, dass in Quartieren mit hohem Migrantenanteil die Musiklassen gefragter sind als in bildungsaffinen Stadtteilen. Mit dem Erreichen bildungsferner Schichten dürfte auch ein hoher integrativer Wert einhergehen.

In acht parallel geführten Workshops erhielten die Besucher durch etliche Fachleute Einblick in die unterschiedlichsten Aspekte und Formen des «Klamu». In Gesprächsrunden und Eins-zu-eins-Vorführungen konnte man sich ein Bild von der praktischen Arbeit machen. Elisabeth Karrer ordnete das Fach Musik und das Klassenmusizieren im Rahmen des Lehrplans 21 ein und der deutsche Jeki-Spezialist Achim Tang präsentierte eine Einheit in «Experimentellem Klassenmusizieren». Michaela Hahn, Dozentin für Musikschulentwicklung in Österreich, weitete den Blick auf die Ziele und Herausforderungen im gesamten deutschsprachigen Raum.

Die erfahrene Primarlehrerin und Schulleiterin Idil Calis sprach offen über die Malaise im Fach Musik an den Primarschulen. Sie hat in ihrer 38-jährigen Berufstätigkeit 25 Jahre Musik unterrichtet, «aber ich bin eigentlich unmusikalisch … Für mich ist das Klassenmusizieren das schönste Ereignis in meiner ganzen Laufbahn».

Die Volksschule hat heute mit «Klamu» die Chance, ihr latentes Musikunterrichtsproblem zu lösen, und die Musikschulen finden Zugang zu breiteren Kundensegmenten, welche später für sie als Nachwuchs in Frage kommen – eigentlich eine klassische Win-win-Situation.

Schlussrunde mit Elisabeth Karrer, Achim Tang, Helena Maffli, Thomas Ineichen, Michaela Hahn und Moderatorin Esther Girsberger (v.l.)

13. Junge Ohren Preis: jetzt anmelden!

In zwei Wochen endet die Bewerbungsfrist für den 13. Junge Ohren Preis. Für die Kategorien Programm und Charakter kann man sich noch bis am 30. September online anmelden.

Paulista/fotolia.com,SMPV


Was?

Der Junge Ohren Preis sucht modellhafte und innovative Programme für neue Publikumsgenerationen. Dieses Jahr hat der Junge Ohren Preis erstmals einen inhaltlichen, vom Fachbeirat des netzwerk junge ohren kuratierten Schwerpunkt: Diversität. Damit gemeint sind nachhaltige Programme, die Menschen im gemeinsamen musikalischen Tun zusammenbringen. Darüber hinaus würdigt der Junge Ohren Preis in seiner zweiten Kategorie herausragende Persönlichkeiten der Musikvermittlungsszene.

Neues Konzept für das Klanghaus Toggenburg

Die durch die St. Galler Regierung beauftragte regionale Task Force legt ein überarbeitetes Konzept für das Klanghaus Toggenburg vor.

Klanghaus Toggenburg (Visualisierung: nightnurse images, Zürich)

Das Klanghaus mit erweitertem Angebot wird laut der Mitteilung des Kantons St. Gallen stärker in die Tourismusregion eingebettet. Ausserdem will die Stiftung Klangwelt Toggenburg das Haus im Rahmen eines neuen Finanzierungsmodells künftig auf eigene Kosten betreiben. Die erste Vorlage zum Bau des Klanghauses Toggenburg erreichte im März 2016 in der Schlussabstimmung des Kantonsrates das erforderliche qualifizierte Mehr nicht.

Die Regierung räumte in der Folge einer regionalen Task Force die Möglichkeit ein, das Projekt zu überarbeiten, ohne die umfangreichen Genehmigungsprozesse zu wiederholen. Mitglied der Task Force sind die Stiftung Klangwelt Toggenburg, die Region Toggenburg, die Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann und Toggenburg Tourismus sowie die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur.

Die Regierung hat die überarbeitete Botschaft Mitte August zuhanden des Kantonsrates verabschiedet. Das Parlament berät die Vorlage im November 2018 und im Februar 2019. Genehmigt der Kantonsrat die Vorlage, werden die Stimmberechtigten voraussichtlich am 30. Juni 2019 darüber abstimmen.

Bern will innovative Institutionen fördern

Die Agglomerationskommission (AKO) des Berner Stadtrates (der Legislative) regt an, ein Subventionsgefäss für neue, innovative und noch weniger etablierte Kulturinstitutionen zu schaffen. Einen Vertrag erhält neu auch das Swiss Jazz Orchestra Bern.

Swiss Jazz Orchestra Bern. Foto: Reto Andreoli

Die AKO hat an ihrer letzten Sitzung eine Stellungnahme zu den Kulturverträgen 2020-2023 der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) verabschiedet. Die Kommission begrüsst im Grundsatz die vorgeschlagenen Unterstützungsbeiträge für 15 Kulturinstitutionen. Positiv erachtet sie, dass die beiden im Mai 2018 neu in die Liste aufgenommenen Institutionen Swiss Jazz Orchestra Bern und Schlossmuseum Jegenstorf nun auch 4-jährige Verträge erhalten.

Mit der vorgelegten Kostenaufteilung und dem Festhalten an der bisherigen Regel von 12 Prozent Kostenanteil für die Regionsgemeinden ist die Kommission einverstanden. Ebenso mit der grösseren Mehrbelastung der Stadt Bern für 2020 und 2021 von je 47‘281 Franken aufgrund des vorgeschlagenen Abfederungsmechanismus für Härtefälle.

Weiter weist die Kommission darauf hin, dass in Zukunft bei der Zusprechung von Unterstützungsbeiträgen vermehrt auf die Unterscheidung zwischen Investitions- und Betriebskostenkosten der unterstützten Institutionen geachtet werden sollte. So wäre es sinnvoll, einen Mechanismus zu finden, mit dem auch die Sanierungs- beziehungsweise generellen Investitionskosten der Institutionen einer gemeinsamen Finanzierung – beispielsweise über einen Fonds – zugeführt werden könnten. Bisher erfolgte eine solche Mitfinanzierung der Gemeinden auf freiwilliger Basis, wie kürzlich bei der Sanierung des Stadttheater Bern. Dies erscheint der Kommission jedoch als nicht angemessen.
 

Machtverhältnisse in der globalen Popmusik

Eine interdisziplinäre Tagung, die vom Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern vom 18. bis 20. Oktober mitorganisiert wird, macht die Verankerung von populärer Musik in einer global vernetzten Welt zum Thema.

(bild: Webseite der Tagung)

Fragen nach Macht, Position, Zugang und Repräsentation prägen die Produktion, Distribution und Rezeption von populärer Musik gestern und heute. In Nigerias Hip-Hop-Kultur führt die Globalisierung des Popmarktes etwa dazu, dass der freie Umgang mit Samples zu verschwinden droht: Der Druck, die internationalen Copyright-Regelungen zu übernehmen, ist zu gross geworden. Oder in Ägypten bleibt Musikerinnen und Musikern ohne Kreditkarte der Zugang zum Online-Musikmarkt verwehrt. «Diese Phänomene wissenschaftlich zu untersuchen und die komplexen Dynamiken darin aufzuzeigen, das ist das Ziel dieser Konferenz», so Hannes Liechti von der Hochschule der Künste Bern, Co-Organisator der Tagung.

Eine grosse Themenvielfalt und internationale Besetzung prägen das Programm. So werden nebst dem deutschsprachigen Raum Forschende aus den USA, der Türkei, Finnland und weiteren Ländern ihre Ergebnisse präsentieren. Den Beginn macht Jenny Mbaye, eine renommierte Musik- und Medienforscherin von der City University in London, die in der Keynote der Konferenz kosmopolitische Musikpraxen im urbanen Afrika thematisiert. Vorträge zum Eurovision Song Contest, zu Popmusik im postsozialistischen Kontext, zur Rolle von Musik nach der ägyptischen Revolution und zum Stellenwert von Musik für afghanische Flüchtlinge in Europa sind nur ein kleiner Auszug aus dem deutsch- und englischsprachigen Programm. Im Bestreben, die Kluft zwischen Wissenschaft, musikalischer Praxis und medialer Präsentation zu verringern, werden die Künstler Ali Gur Pir (Pakistan) und Umlilo (Südafrika) mit künstlerischen Interventionen auf die Vorträge reagieren. Die Installation «Arkestrated Rhythmachine Komplexities» des ARKollektive schliesslich macht die komplexe Verbreitungsgeschichte von Pop und Poprhythmen sowie deren technische Notwendigkeiten sicht- und hörbar.

Die Tagung wird organisiert in Zusammenarbeit der Hochschule der Künste Bern, dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern sowie dem in Bern ansässigen Musikrecherche-Netzwerk Norient. Künstlerische Interventionen und eine Sound-Medien-Installation begleiten die wissenschaftliche Auseinandersetzung.

Mehr Infoshttp://www.musik.unibe.ch/forschung/tagungen/poppowerpositions/index_ger.html

Lionel Friedli erhält Bieler Kulturpreis

Der Kulturpreis der Stadt Biel 2018 geht an den Jazzschlagzeuger Lionel Friedli. Der Preis wird auf Antrag der Kulturkommission vergeben. Die Preisübergabe findet am 30. Oktober 2018 im Farelhaus statt.

Lionel Friedli im Jazz Club Unterfahrt München (Bild: Wikimedia/OhWeh)

Der Jazzschlagzeuger Lionel Friedli erhält den Kulturpreis der Stadt Biel 2018 als Zeichen der Anerkennung für seine beispielhafte Jazzmusikerkarriere. Als wahrer Botschafter der Bieler Kultur in aller Welt tritt Lionel Friedli regelmässig sowohl in der ganzen Schweiz als auch im Ausland (USA, Europa, Asien, Lateinamerika und Australien) auf und spielt jährlich insgesamt mehr als 130 Konzerte.

Lionel Friedli ist an etwa zwanzig musikalischen Formationen und Projekten aktiv beteiligt und offen für die verschiedensten Trends. Er ist ein Meister der freien Improvisation sowie des modernen, experimentellen Jazz. Im Jahr 2015 hat ihn die Fondation Suisa mit dem prestigeträchtigen Jazzpreis ausgezeichnet.

Der Bieler Gemeinderat verleiht gleichzeitig der Schweizerischen Plastikausstellung die Ehrung für kulturelle Verdienste 2018, um ihr herausragendes Engagement im Bereich der bildenden Kunst zu würdigen. Dank dieser Veranstaltung ist es seit 1954 gelungen, die Werke berühmter Künstler nach Biel zu holen, wo sie in einem ungewohnten Kontext gezeigt werden konnten.

Die Feier zur Verleihung des Kulturpreises der Stadt Biel und der Ehrung für kulturelle Verdienste findet am 30. Oktober 2018 im Farelhaus statt und beginnt um 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
 

Ein Strauss von Literatur

Neuere Kompositionen für Alt- und Tenorsaxofon von Hywel Davies, Mike Cornick, Linus Köhring, Aleksey Igudeman und Fazil Say.

Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Ein schöner Ausflug in die englische Grafschaft Somerset gefällig? Der Arrangeur und Komponist Hywel Davies ermöglicht uns diese Reise mit dem Tenorsaxofon in die lebendige Vergangenheit der britischen Folkmusik. Er hat einige von Cecil Sharp gesammelte Volkslieder in gelungener Weise arrangiert und sie um frische und kreative Eigenkompositionen bereichert. Dieser Sammelband mit klangvoller und pointierter Klavierbegleitung – für Nichtpianisten gut zu meistern – ist für Schüler und Schülerinnen eine leicht zu nehmende Hürde mit grösstmöglichem Spassfaktor und birgt für die Lehrperson Erweiterungspotential im Bereich Improvisation auf der Basis der vorhandenen Thematik (Balladen, Sea Shanties und Work Songs).Image

Ebenso erfrischende Skizzen in der Besetzung Altsaxofon und Klavier sind die Three Latin Sketches von Mike Cornick. Die drei kleinen Stücke haben lateinamerikanischen Schwung, einen Hauch Melancholie von Blues und Tango und werden durch die geforderte Interaktivität den Zuhörerinnen und Zuhörern an Vortragsabenden viel Freude bereiten.Image

Weitere Trouvaillen lohnt es sich kennenzulernen, darunter das Stück des jungen Kompositionstalents Linus Köhring mit dem autobiografischen Titel Ein Wiener in Amerika. Dieses achtminütige Konzert für Altsaxofon und kleines Orchester befasst sich in klischeehaft-ironischer Weise mit der Musik der beiden Länder und endet laut Komponist mit einem «höllischen» Walzer.Image

 Auf andere Art furios schliesst das Trio für Altsaxofon, Violine und Klavier von Aleksey Igudesman. Take It To Eleven ist eine sprühende, effektvolle Komposition, die der Balance zwischen Saxofon und Violine Rechnung trägt und ein beherztes instrumentales Spiel auf höherem Niveau erfordert.Image

Saxofonistisch noch anspruchsvoller ist die Suite von Fazil Say für Altsaxofon und Klavier, welche Nobuya Sugawa gewidmet ist. Hier werden Flexibilität im Umgang mit wechselnden ungeraden Metren sowie spieltechnische Fähigkeiten im Bereich Slap, Flatterzunge und Altissimo verlangt. Der Bogen über die sechs Sätze wird von improvisatorischen Ideen, musikalischen Partikeln und einer bildhaften freien Formgebung getragen. Diese Musik ist von Expressivität durchströmt und spiegelt in gewisser Weise auch die engagierte Geisteshaltung des Komponisten wider, die sich gegenüber einem befreiten Musizieren sehr offen zeigt.Image

Hywel Davies: Folk Roots für Tenorsaxofon und Klavier, BH 13309, € 17.99, Boosey & Hawkes, London

Mike Cornick: Three Latin Sketches, Drei Konzertstücke im lateinamerikanischen Stil für Altsaxofon und Klavier, UE 21712, € 16.95, Universal Edition, Wien

Linus Köhring: Ein Wiener in Amerika, Konzert für Altsaxofon und kleines Orchester, Klavierauszug, D 05490, € 16.95, Doblinger, Wien 2017

Aleksey Igudesman: Take It To Eleven für Altsaxofon, Violine und Klavier, UED3667700, ausschliesslich als Download erhältlich, Universal Edition, Wien

Fazil Say: Suite für Altsaxofon und Klavier op. 55, ED 22267, € 49.00, Schott, Mainz

Sinfonischer Atem

Die sechssätzige Sonate in h-Moll ist wohl nicht Carl Czernys Meisterwerk, aber eine durchaus originelle Ausgestaltung des Gattungsmusters.

Carl Czerny, LCarl Czerny, Lithographie von Josef Kriehuber 1833. Wikimedia commons

«Carl Czerny war vielleicht der grösste Pianist, der fast nie auftrat, und der grösste Komponist, der in Vergessenheit geriet», schreibt Iwo Zaluski in seinem Vorwort zur Neuausgabe von Czernys neunter Klaviersonate. Er zählt ihn neben Beethoven und Schubert sogar zum «grossen Triumvirat» der klassischen Klaviersonate. Diese Aussagen sind natürlich in höchstem Masse anfechtbar. Was das «Triumvirat» betrifft, sollte man Haydn und Mozart nicht so achtlos übergehen. Und es ist auch nicht wahr, dass Czerny als Komponist in Vergessenheit geraten ist. Allerdings kommen einem da nicht unbedingt seine Klaviersonaten in den Sinn. Diese würden tatsächlich mehr Beachtung verdienen.

Seine neunte in h-Moll op. 145 hat nun Iwo Zaluski bei Doblinger neu herausgebracht. Ungewöhnlich die formale Anlage: sechs Sätze, darunter eine freie Fuge als Abschluss. Das erinnert eher an Beethovens späte Streichquartette als an eine klassische Sonate. Auch die harmonische Sprache ist stellenweise ungewöhnlich apart. Die melodischen Phrasen sind sehr weiträumig gestaltet, besonders im langsamen dritten Satz (Adagio molto espressivo) – wohl dem Höhepunkt des Werkes –, der von einem geradezu sinfonischen Atem beseelt ist.
Eigentlich erstaunlich: den schwächsten Eindruck macht die pianistische Ausarbeitung dieser Musik. Der Klaviersatz ist zwar bequem zu spielen, leidet aber darunter, dass gerade die vielen Begleitfloskeln stereotyp und einfallslos klingen.

Wer den Komponisten Czerny «at his best» erleben möchte, greift da besser zur vierhändigen Grande Sonate in f-Moll op. 178, einem ungewöhnlich leidenschaftlichen und farbigen Werk, ganz im Geiste der Appassionata seines Lehrers Beethoven.

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Carl Czerny: Sonate Nr. 9 h-Moll op. 145, hg. von Iwo Zaluski, Diletto Musicale DM 1470, € 18.95, Doblinger, Wien 

Puccini als Orgelkomponist

Vor seinen Meisterwerken für die Opernbühne schrieb der junge Giacomo Puccini auch Werke für Orgel.

Der Dom von Lucca, eine der Wirkungsstätten des jungen Puccini. Foto: Oliver Weber/pixelio.de

Für jene, die sich beim Betrachten dieser Partitur die Augen reiben, sei es grad vorneweg gesagt: Ja, es handelt sich um den Komponisten von Tosca oder Turandot, und nein – mit dem Stil Puccinis, den man von der Opernbühne kennt, haben die hier veröffentlichten 7 Sonaten, 6 Versetti und 4 Märsche nur wenig zu tun. Als Abkömmling einer Musikerfamilie, die über vier Generationen das Musikleben der Stadt Lucca prägte – sein Vater war u. a. Domorganist –, gelangte Giacomo Puccini sicher schon sehr früh in Kontakt mit Kirchenmusik, erlernte das Orgelspiel und trat als Organist zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. Von 1872 bis 74 war er als Assistenz-Organist der Kathedrale angestellt und bis 1882 wirkte er an der Kirche San Girolamo. Aus dieser Zeit scheinen auch die bisher unveröffentlichten insgesamt 61 Orgelwerke zu stammen, von denen Carus hier eine Auswahledition präsentiert; eine komplette Publikation scheint in der Puccini-Gesamtausgabe geplant zu sein.

Auch wenn man noch wenig von Puccinis späterem Klang-Raffinement spürt, reiht er sich mit diesen Werken doch in eine Tradition ein, die von Komponisten wie Vincenzo Petrali oder Padre Davide da Bergamo geprägt worden war: schwungvolle, an Blasmusik oder Rossini-Opern erinnernde, durchwegs kurze und leicht zu spielende Sätzchen, die einen selbstsicheren, bereits souverän schreibenden Komponisten verraten und hie und da sogar schon eine Rückwendung zu einem «seriöseren» Stil kirchenmusikalischen Komponierens andeuten. Parallel zur Notenedition hat der niederländische, in Bologna wirkende Organist Liuwe Tamminga beim Label Passacaille übrigens eine Einspielung dieser Werke vorgelegt (PAS 1029). Dank Orgeln, die Puccini gekannt oder gespielt haben könnte, vermittelt sie einen guten Eindruck davon, wie sich auch eine auf dem Papier etwas simpel wirkende Musik auf einem passenden Instrument grandios orchestrieren lässt. Eine wertvolle Bereicherung des italienischen Repertoires also, für einmal von einem grossen und bekannten Komponisten, vielseitig verwendbar in Gottesdienst und Konzert – und mit Erfolgsgarantie!

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Giacomo Puccini: Sonate, Versetti, Marce – Ausgewählte Orgelwerke, hg. von Virgilio Bernardoni, CV 18190, € 28.00, Carus, Stuttgart 2018

Überzeugender Teil eines grossen Ganzen

Chor und Orchester der J. S. Bach-Stiftung St. Gallen führen kontinuierlich alle Bach-Kantaten auf und geben sie auf CDs gesammelt heraus. Auf der Nr. 20 finden sich BWV 67, 96 und 121.

Foto: J. S. Bach-Stiftung St. Gallen

Spektakuläres kommt manches Mal ganz unscheinbar daher. Das schlichte orangefarbene Cover kommt ohne Foto aus. Die Namen der Solisten sucht man vergeblich. Dirigent Rudolf Lutz geht es mit seinem auf alten Instrumenten spielenden Orchester der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen um die Sache – eine auf 25 Jahre ausgelegte Gesamtaufführung von Bachs Vokalwerk inklusive Ton- und Videoaufnahmen (s. Schweizer Musikzeitung 9/2009, S. 14 f.).

Musikalisch wird auf der zwanzigsten CD des ambitionierten Projekts mit den Pfunden gewuchert. Die Textverständlichkeit ist durchwegs hervorragend. Der Chor der J.S. Bach-Stiftung glänzt mit Beweglichkeit und Transparenz, die Solisten überzeugen mit kluger Phrasierungskunst und vielen Klangfarben. In der Kantate BWV 96 Herr Christ, der ein‘ge Gottessohn zieht Special Guest Maurice Steger an der Sopranino-Blockflöte kunstvolle Linien. Der schnelle Eingangschor kommt ganz leichtfüssig und tänzerisch daher. Die Liegetöne im Orchester sind lebendig, die Artikulation ist immer sprechend. Jan Börners Altus berührt genauso wie Noëmi Sohn Nads schlackenloser Sopran. Und auch die Arien sind bei Hans Jörg Mammel (Tenor) und Wolf Matthias Friedrich (Bass) in guten Händen.

In der lichten Kantate BWV 67 Halt im Gedächtnis Jesum Christ begeistert der Chor mit lockeren Koloraturen. Und wenn Bassist Dominik Wörner seinen ruhigen Friedensgruss in die aufgewühlten Seelen in Chor und Orchester singt, dann entsteht grosse Theatralik. In der Kantate Christus wir sollen loben schon BWV 121 setzt Andreas Holm an der Oboe d’amore Akzente, während Johannes Kaleschke (Tenor) die Koloraturen in der Arie O du von Gott erhöhte Kreatur perlen lässt. Nur die Schlusschoräle wirken etwas atemlos in dieser anregenden, auf flüssige Tempi und grosse Beweglichkeit setzenden Bach-Interpretation. Aber das kann den hervorragenden Gesamteindruck nicht trüben.

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Bachkantaten Nr. 20 (BWV 67, 96, 121). Chor und Orchester der J.S. Bach-Stiftung, Leitung: Rudolf Lutz. www.bachstiftung.ch

Klingende Sternbilder

Die CD «Constellations Ardentes» vereint zeitgenössische Duos von Jean-Luc Darbellay und Stefan Wirth mit romantischen Trios von Charles Koechlin und Johannes Brahms.

Olivier Darbellay, Noëlle-Anne Darbellay und Benjamin Engeli. Ausschnitt aus dem CD-Cover

Diese CD sei eine «family affair» heisst es im Booklet; diese Familiensache hat ein Programm, das im CD-Titel angedeutet wird: Constellations Ardentes – glühende Sternbilder; dieser Titel wiederum bezieht sich auf das Stück Ori, das der Berner Komponist Jean-Luc Darbellay (*1946) im Jahr 2007 für seine beiden Kinder Noëlle-Anne (Violine, Viola, Stimme) und Olivier (Horn) geschrieben hat. Ori meint Orion, ein Sternbild, dessen Kraftzentrum im Stern Beteigeuze liegt, ein Riesenstern mit dem tausendfachen Durchmesser unserer Sonne. Das elf Minuten dauernde Stück wirkt wie ein klanggewordenes Gravitationsfeld von Horn und Violine, die einander in wechselnden Bewegungen umkreisen, umflirren, umschmeicheln und kontrastieren.

Für die gleichen Interpreten hat der Zürcher Komponist Stefan Wirth (*1975) das Stück Lunules électriques (2012) geschrieben. Wirth intendierte darin weniger ein Gespräch zwischen Violine und Horn als vielmehr Verbindungen und Verschmelzungen der beiden Instrumente in einem neuen Klang. So werden z. B. die Flatterzungen-Töne des Horns von den Tremoli der Violine aufgenommen, und im Obertonspektrum der beiden Instrumente entstehen fortwährend neue Farbverbindungen. Gegen Ende des Stücks vereinigen sich die Instrumente in einer choralähnlichen Passage, wo sich zum Klang von Horn und Violine noch die Stimme der Geigerin gesellt, mit einer Vokalise über «lunules électriques» aus Rimbauds Gedicht Le bateau ivre.

Schön ist die Bereicherung des Programms durch zwei romantische Trios: die Quatre Petites Pièces von Charles Koechlin (1867–1950) und das Trio op. 40 von Johannes Brahms (1833–1897). Die vier Miniaturen des Fauré-Schülers Koechlin entstanden 1890 bis 1909 und bilden eine träumerische, sehnsüchtige Erinnerung an den Duft der Jahrhundertwende. Der Fassung für die Standard-Besetzung, Violine, Horn und Klavier, liess Koechlin noch eine weitere mit Viola anstelle der Geige folgen, und in dieser selten zu hörenden, ausserordentlich schönen Version wurde das Werk hier eingespielt.

Das Schwergewicht der CD liegt auf Brahms’ Opus 40 für Klavier, Violine und Waldhorn. Er schrieb das gedankenvolle Trio in einer Stimmung tiefster Trauer über den Tod seiner Mutter.

Die Interpretation ist ein Glücksfall: Zu den beiden Darbellay-Geschwistern gesellt sich der ausgezeichnete Schweizer Pianist Benjamin Engeli, auch er aus einer Musikerfamilie. Die drei finden sich in kraftvollem, subtilem und technisch makellosem Zusammenspiel.

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Constellations Ardentes: Werke von Jean-Luc Darbellay, Charles Koechlin, Stefan Wirth und Johannes Brahms. Olivier Darbellay, Horn; Noëlle-Anne Darbellay, Violine, Viola, Stimme; Benjamin Engeli, Klavier. Challenge Classics CC72770

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Von guten Ideen, die Geldquellen zum Fliessen bringen, über Urheberrecht und Einkommen von Künstlerinnen und Künstlern, Kultursubventionen der öffentlichen Hand als Investitionen, produktiven Umgang mit unangenehmen Gefühlen bis zur fairen Entlöhung für vielseitiges Wirken.

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Von guten Ideen, die Geldquellen zum Fliessen bringen, über Urheberrecht und Einkommen von Künstlerinnen und Künstlern, Kultursubventionen der öffentlichen Hand als Investitionen, produktiven Umgang mit unangenehmen Gefühlen bis zur fairen Entlöhung für vielseitiges Wirken.

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Focus

Von Ideen- und Geldflüssen
Inteview mit Michael Haefliger, dem Intendanten des Lucerne Festivals

Soutirer de l’argent
Le point sur les droits d’auteur
Geld anzapfen – vom Urheberrecht aus gesehen. (Deutsche Übersetzung des Artikels)

1 franc investi dans la culture en rapport 4
Des études menées dans plusieurs cantons ont montré que la culture rapporte plus qu’elle ne coûte

Ankern statt Angst haben
Lampenfieber als Kraftquelle

Ansprüche, weit über das Unterrichten hinaus
Musiklehrpersonen haben vielerlei Aufgaben. Der Weg zu einer fairen Entlöhnung ist noch weit.

 

… und ausserdem

RESONANCE

Kotaro Fukuma : pensée japonaise sur musique impressioniste

«Wo bist du João Gilberto?» — Dokumentarfilm von Georges Gachot

Ein Anfang — Schweizer Erstaufführung von Genesis

Innen und Aussen — Festival Rümlingen

Modell Meisterkurs auf den Kopf gestellt — Darmstädter Ferienkurse

Musik für Mario Bottas «Steinerne Blume»

Englische Musikkultur in den Alpen — Klosters Music Festival

Ruhetage in Davos

Stradivarifest in Gersau

Schweizer Musik? Schweizer Musik! — Festival Murten Classics

Carte blanche à Francesco Biamonte

 

FINALE


Rätsel
— Torsten Möller sucht


Reihe 9

Seit Januar 2017 setzt sich Michael Kube für uns immer am 9. des Monats in die Reihe 9 – mit ernsten, nachdenklichen, aber auch vergnüglichen Kommentaren zu aktuellen Entwicklungen und dem alltäglichen Musikbetrieb.

Link zur Reihe 9


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Abnabeln und sich neu erfinden

Mátyás Seiber (1905-1960) war der gesuchte Komponist in der Ausgabe Juli/August 2018. Hier finden Sie die Aufschlüsselung all der Hinweise im Rätsel, die diesen wenig bekannten Musiker auch ein bisschen näher vorstellen.

Foto: Schott Music/Gabriele Buckley
Abnabeln und sich neu erfinden

Mátyás Seiber (1905-1960) war der gesuchte Komponist in der Ausgabe Juli/August 2018. Hier finden Sie die Aufschlüsselung all der Hinweise im Rätsel, die diesen wenig bekannten Musiker auch ein bisschen näher vorstellen.

Unser Komponist wurde unter einem alten Kaiser geboren [in Budapest] und starb unter einer jungen Königin [in Südafrika, damals noch unter der Königin]. Er studierte bei Zoltán Kodály, ging dann aber auf hohe See, um reichen Passagieren musikalische Unterhaltung zu bieten [in einem Streichquartett]. Zurück in Europa wurde er einer der allerersten Jazz-Dozenten an einer deutschen Musikhochschule [am hochschen Konservatorium in Frankfurt]. Als Hitler an die Macht kam, musste er fliehen und fand in London eine neue Heimat. Er jobbte überall, wurde zum Berater von Adorno, gab Harmonikastunden und schrieb Musik für einen preisgekrönten Film über die entlegenste Stadt Australiens [A town like Alice].

Unser Komponist hatte ein besonderes literarisches Gespür. Er vertonte Ausschnitte aus irischen Romanen [von James Joyce] und komponierte Opern in seiner Muttersprache (sein Librettist, ebenfalls Exilant, wurde später mit einem satirischen Buch über die Schweiz bekannt [George Mikes: Switzerland for beginners]). Eines seiner populärsten Werke war eine Vertonung des angeblich «schlechtesten schottischen Dichters aller Zeiten» [William McGonagall], uraufgeführt in der rappelvollen Royal Festival Hall [The famous Tay Whale, am Hoffnung Music Festival]. Er wurde in dieser Zeit auch zum ersten (und wohl einzigen) Zwölftonkomponisten, der mit einem (tonalen) Hit in die «Top twenty» [1956 in Grossbritannien] gelangte [By the fountains of Rome] und sogar den grossen Popsong-Preis bekam [Ivor Novello Award für «Best Song Musically and Lyrically»], den viel später auch Amy Winehouse [2008] bzw. Ed Sheeran [2012] gewannen.

Im Exil wurde unser Komponist nie Dozent an einer Hochschule, gilt aber dennoch als einer der wichtigsten Kompositionslehrer seiner Zeit [u. a. von Hugh Wood in Cambridge]. Er spielte bei der IGNM eine grosse Rolle [Vizepräsident 1960] und nahm auch an den grossen Nachkriegs-Festivals der Neuen Musik teil, u. a. in Donaueschingen. Er starb mit 55 Jahren, von Löwen und Giraffen umgeben [bei einem Autounfall im Krüger-Park in Südafrika]. Zwei seiner berühmten Landesgenossen [Kodály & Ligeti] komponierten Werke zu seinem Gedenken; eines davon wurde später als Science-Fiction-Filmmusik weltberühmt [Atmosphères, in 2001: A Space Odyssey].

Weitere biografische Angaben:
Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit
 

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