Eklatanter Musiklehrermangel in Österreich

In den österreichischen Schulen der 10- bis 14-Jährigen herrscht ein eklatanter Mangel an qualifizierten Musiklehrpersonen. Bis zu der Hälfte des Musikunterrichts wird derzeit nicht von ausgebildeten Lehrkräften gehalten, sondern provisorisch von fachfremden.

Foto: Martin Günther/pixelio.de

Wie dringend eine Erweiterung der Ausbildungskapazitäten nötig sei, schreibt der Österreichische Musikrat (ÖMR), zeige die Situation an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Österreichs grösste Musikuniversität kann jährlich in der Studienrichtung Musikerziehung Lehramt rund 45 neue Studierende aufnehmen. Im Raum Wien und Niederösterreich fehlen jedoch bereits jetzt rund 300 qualifizierte Musiklehrpersonen für die Neuen Mittelschulen.

Als Sofortmassnahme ist im Oktober an der Musikuniversität Wien ein neuer Masterstudiengang angelaufen, der Quereinsteigende mit künstlerischem Vorwissen und Berufspraxis zu Musiklehrpersonen für die Sekundarstufe ausbildet. Das reiche jedoch keineswegs aus, um die musikalische Grundausbildung an Schulen in Österreich quantitativ und qualitativ abzusichern, schreibt der ÖMR weiter.

Die Ausbildung von Musiklehrpersonen soll in Österreich seit einer Reform mit dem Titel «PädagogInnen-Bildung Neu» in enger Kooperation zwischen Pädagogischen Hochschulen und Musikuniversitäten erfolgen. In der Praxis verläuft die Umsetzung laut ÖMR jedoch nur schleppend. Die erforderliche Angleichung von Lehrplänen und Strukturen machten die Ausverhandlung von Kooperationsverträgen zu einer zeitintensiven Herausforderung.

Ausserrhoden erneuert Leistungsverträge

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden unterstützt mit Leistungsvereinbarungen für die drei Jahre 2018-2020 unter anderem den Appenzeller Blasmusikverband und das Appenzeller Kammerorchester sowie mit einem Jahresbeitrag von 50’000 Franken das Roothuus Gonten, das Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik.

Roothuus Gonten. Foto: Schofför/wikimedia commons

315’000 Franken sind für die Unterstützung von Kulturinstitutionen von kantonaler Bedeutung vorgesehen. Unterstützt werden neben den Musikinstitutionen auch die Appenzeller Kulturkonferenz, die Ausserrhodische Kulturstiftung sowie Heimatschutz Appenzell Ausserrhoden und Schlesinger Stiftung. Ergänzend dazu wird ab 2018 neu die Stuhlfabrik Herisau mittels Leistungsvereinbarung mit einem jährlichen Betriebsbeitrag unterstützt.

Eine Fortsetzung erfahren auch die Leistungsvereinbarungen mit den vier ausserkantonalen Institutionen, die für das Kulturschaffen von Appenzell Ausserrhoden von besonderer Bedeutung sind und wofür jährlich insgesamt 24’000 Franken aufgewendet werden. Es sind dies das Museum im Lagerhaus St. Gallen, Nextex St.Gallen, art-tv.ch und bandXost.

Bei den Bibliotheken werden die bisherigen Leistungsvereinbarungen erneuert. Dafür stehen jährlich 60’000 Franken zur Verfügung, die gleichmässig auf die vier Bibliotheken von Herisau, Teufen, Speicher-Trogen und Heiden/Grub verteilt werden.

Insgesamt 638’000 Franken jährlich fliessen aus dem Kulturfonds in die Museen. Folgende Institutionen werden dabei mit einem Betriebsbeitrag unterstützt: Das Appenzeller Brauchtumsmuseum in Urnäsch, das Appenzeller Volkskundemuseum in Stein, das Museum Herisau, das Grubenmann-Museum in Teufen, das Henry-Dunant-Museum in Heiden sowie das Museum für Lebensgeschichten in Speicher. Erneuert wird auch die Leistungsvereinbarung mit der Stiftung für appenzellische Volkskunde, etwas gekürzt werden die Mittel für die Museumskoordination.
 

 

Ausschreibung des Handschin-Preises

Die Schweizerische Musikforschende Gesellschaft schreibt erneut den mit 10’000 Franken dotierten Handschin-Preis für den musikwissenschaftlichen Nachwuchs aus. Bewerbungen können direkt bei der Gesellschaft für den Preis eingegeben werden.

Jacques Handschin (mit freundlicher Erlaubnis von Het Orgel/NL),SMPV

Bewerbungsberechtigt sind Doktorierte, die ihre Promotion zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 31. Dezember 2017 einschliesslich der Verteidigung abgeschlossen haben. Bewerbungsschluss ist der 20. März. Details zu den Bewerbungs-Bedingungen finden sich unter www.smg-ssm.ch/de/smg/News-2018/03-01-2018.html

2009 hat die Schweizerische Musikforschende Gesellschaft zum ersten Mal den nach dem in Moskau geborenen Schweizer Musikwissenschaftler und Organisten Jacques Handschin (1886–1955) benannten Preis vergeben. Erster Preisträger war der belgische Musikwissenschaftler Bruno Forment. 2011 gewann ihn Giovanni Zanovello, 2014 Dóra Kiss und 2016 Angela Fiore.

Finanziert wird der Nachwuchspreis aus Geldmitteln, die die Basler Musikhistorikerin Marta Walter (1896–1961) der SMG testamentarisch vermacht hat. Dieses Legat erlaubt zudem die Schaffung des Glarean-Preises für Musikforschung, der zum ersten Mal 2007 vergeben wurde.

 

Aufruf der Kulturschaffenden

Der untenstehende Aufruf wird koordiniert von der SIG und SWISSPERFORM und unterstützt von zahlreichen Organisationen aus der Kulturbranche.

Fotosasch/fotolia.com

Wir Kulturschaffende – Musikerinnen, Schauspieler, Autorinnen, Literarische Übersetzer, Filmschaffende, Kabarettisten, Sprecherinnen, Tänzer – egal ob Laien oder Profis – stehen ein für eine kulturell vielfältige Schweiz.

Wir wollen eine vielfältige Kulturlandschaft
Die No-­Billag-­Initiative will die SRG zerschlagen. Auch 13 regionale Fernsehstationen und 21 Lokalradios wären in ihrer Existenz bedroht. Das stellt nicht nur die freie Meinungsbildung in Frage, sondern auch die kulturelle Tradition der Schweiz: von Volksmusik bis Techno, vom «Bestatter» bis zum Spielfilm, vom Krimi bis zum Humorfestival.

Eins ist glasklar: Rein werbefinanzierte Sender haben einen massiv kleineren Anteil an Schweizer Musik als die SRG und andere gebührenfinanzierte Privatradios. Sparten wie Klassik, Volksmusik, Jazz oder Rock würden nicht mehr stattfinden. Gerade auch für die Film-­ und Dokumentarfilm-­Produktion in der Schweiz ist die SRG eine existenziell wichtige Partnerin.

Erfolgreiches Pilotprojekt Crowdfunding Basel

Die Abteilung Kultur Basel-Stadt hat das 2012 gestartete Pilotprojekt zur Kooperation mit der Crowdfunding-Plattform Wemakeit beendet. Auf dem Basler Channel unterstützten 16’792 Personen mit über 2,4 Millionen Franken Projekte aus dem Kultur- und Kunstbereich.

Bianca Story am Gurten Festival 2011 (Foto: Felix Fonsegrive)

Mit 146 Projekten führt die Kategorie Musik die Rangliste der vertretenen Förderbereiche an, es folgen die Kategorien Gesellschaft/Soziokultur (65 Projekte), Bildende Kunst (56 Projekte), Bühne (49 Projekte) sowie Film (44 Projekte). Die Kampagne mit dem höchsten Beitrag war eine Albumproduktion der Band Bianca Story, die 91’662 Euro von 625 Unterstützenden sammeln konnte.

Von den bisher 361 auf dem Channel gelisteten Projekten konnten 273, also 76 Prozent erfolgreich finanziert werden. Dies liegt deutlich über dem Gesamtschnitt aller Wemakeit-Projekte, der bei 63 Prozent liegt. Die durchschnittliche Summe, die durch Crowdfunding eingeworben werden konnte, beträgt für den Basler Channel 8942 Franken. Der durchschnittlich gesprochene Beitrag pro unterstützender Person beträgt 146 Franken, was im nationalen und internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch ist.

Bei 112 Projekten gelang es den Initianten sogar, mehr als 110 Prozent der ursprünglich angestrebten Summe einzuwerben. Dass die Region Basel in der Statistik einen derartigen Spitzenplatz erreichen konnte, führt die Stadt auf die kantonale Anschubförderung und Beratung zurück.

Räss und Buechi unterrichten in Luzern

Am Institut für Jazz und Volksmusik der Hochschule Luzern – Musik unterrichten ab Hebst 2018 neu die Jodlerin Nadja Räss und die Jazzmusikerin Sarah Buechi.

Sarah Buechi (Bild: Ingo Höhn)

Nadja Räss hat 2005 an der Zürcher Hochschule der Künste bei Kathrin Graf ihr Studium zur Gesangspädagogin abgeschlossen und unterrichtet seither hauptsächlich im Bereich der Volksmusik, seit 2009 in ihrer eigenen Jodel Academy. Sie interpretiert nicht nur neue – vorwiegend eigene – Kompositionen, sondern singt auch unterschiedliche Arten von mündlich und schriftlich überlieferten Schweizer Naturjodel und Jodellieder. An der Hochschule Luzern wird sie ab dem Studienjahr 2018/2019 das neue Hauptfach «Jodeln» leiten.

Sarah Buechi schloss 2007 ihr Jazz-Studium an der Hochschule Luzern mit zwei Auszeichnungen ab. In Bangalore studierte sie eineinhalb Jahre lang indische Musik. Von 2008 bis 2012 arbeitete sie als Dozentin am Newpark Music Center in Dublin und studierte von 2012 bis 2015 am Complete Vocal Institute in Kopenhagen. Aktuell ist sie mit ihrem Quartett, dem Duo «Animata» und dem «Christoph Stiefel Septett» tätig.
 

St. Gallen mit revidiertem Kulturfördergesetz

Das Amt für Kultur des Kantons St.Gallen schreibt auch 2018 Werkbeiträge und Atelieraufenthalte in Rom und neu in Berlin für Kulturschaffende aus, auf Basis eines neuen Gesetzes

Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz in Berlin. Foto: Schwittus/wikimedia commons

Das total revidierte Kulturförderungsgesetz, das am 1. Januar 2018 gemeinsam mit dem neuen Kulturerbegesetz in Kraft tritt, verankert die Aufgabenteilung zwischen Gemeinden und Kanton im Sinn der heutigen Praxis, klärt die kantonale Schwerpunktförderung mittels kantonaler Kulturstandorte (zum Beispiel Lokremise St.Gallen, Schloss Werdenberg) und schreibt die Förderinstrumente und -grundsätze des Kantons fest, darunter auch Kantonsbeiträge zur direkten Förderung von Kulturschaffenden.

Wie bisher ist die Höhe der Werkbeiträge auch in der aktuellen Ausschreibung flexibel gehandhabt, kann 10’000 Franken, 20’000 Franken oder 30’000 Franken betragen und wird durch die Kulturschaffenden selber festgelegt. Insgesamt stehen für die Werkbeiträge maximal 260’000 Franken zur Verfügung.

Die Kulturwohnung in Rom wird neu in einem zweijährigen Turnus gemeinsam mit dem Kanton Graubünden und dem Fürstentum Liechtenstein ausgeschrieben. Als Gegenleistung seitens Liechtenstein kann die Kulturförderung des Kantons St.Gallen für drei Monate jedes zweite Jahr eine Kulturwohnung in Berlin anbieten. Graubünden zahlt für die sechsmonatige Nutzung der Rom-Wohnung einen entsprechenden Beitrag.

Bewerbungen nimmt das Amt für Kultur bis am 20. Februar 2018 entgegen. Die definitiven Entscheide über die Vergabe der Werkbeiträge und Atelieraufenthalte folgen im Mai 2018. Die detaillierten Informationen und das Anmeldeformular sind über die Webseite www.kultur.sg.ch erhältlich oder können telefonisch angefordert werden, ebenso der Förderleitfaden 2018 (Amt für Kultur, St.Leonhard-Strasse 40, 9001 St.Gallen, 058 229 43 29).

Vinko Globokars Werk unter der Lupe

Mit einem Symposium, drei Konzerten sowie zwei Workshops widmete die Zürcher Hochschule der Künste dem 1934 geborenen Vinko Globokar einen umfangreichen Schwerpunkt.

Vinko Globokar. Foto: Max Nyffeler

Kaum bemerkt von der grossen Musiköffentlichkeit veranstaltet die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) regelmässig prominent besetzte Tagungen zu Komponisten, die die musikalische Moderne geprägt haben und die im Idealfall auch selbst zu Gast sind. Das Symposium in Anwesenheit Vinko Globokars schloss an Tagungen zu Alvin Lucier, Jannis Xenakis oder Gérard Grisey an und versammelte wiederum eine Schar profunder Kenner und Vertrauter des Komponisten.

«Es ist alles Zufall», meinte Vinko Globokar im Gespräch mit Jörn Peter Hiekel, Leiter des Symposiums, und Jens Schubbe, künstlerischem Leiter des Collegium Novum Zürich, zu seinem Werdegang. Der humoristische Tonfall und die Leichtigkeit überraschten. Denn mit Globokar, Komponist, Posaunist und Improvisator, verbindet man auf Anhieb eher archaische Körperkraft oder politisch-gesellschaftlichen Impetus. Als von Grund auf politischer Mensch stellt er in seinen Kompositionen konsequent das institutionelle Gefüge des klassischen Musikbetriebs, das Format des Konzerts wie auch Hierarchien des Klassiksystems in Frage. Zentrale Aspekte bilden dabei das Verhältnis von Körper und Instrument, von Komposition und Improvisation oder von Individuum und Gruppe. Legendäre Werke wie ?Corporel (1985) oder Res/As/Ex/Inspirer (1973) widmen sich ganz dem Körper oder dem Atem und führen Interpreten an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.

Gerne zitiert Globokar die Beschreibung seines engen Komponistenfreundes Heinz Holliger, dass er «als Komponist einem Architekten gleiche, der komplizierte Gebäude konstruiere und gleichzeitig Bomben lege, um diese wieder zu zerstören». Dies erzählte Max Nyffeler (München) in seinem Symposiumsbeitrag und folgerte: «Eine prekäre Situation zu errichten, die jederzeit zusammenbrechen kann, zieht sich durch sein gesamtes Werk.» Er betonte zudem, dass es Globokar beim Komponieren nie um exklusives Wissen gehe, sondern dass er «inklusiv» komponiere. Viele seiner Werke riefen nämlich zum Teilnehmen auf. Bei der Einstudierung sei er folgerichtig möglichst immer dabei, so auch bei Proben zu Discours II für fünf Posaunen, dessen Aufführung durch Studierende der ZHdK auf das Symposium eingestimmt hatte.

Instrumente als Verlängerung des Körpers

Jörn Peter Hiekel strich Globokars Bedeutung für die Gegenwartsmusik in einer Weltbezogenheit gegenüber kulturellen und politischen Ereignissen heraus. Diese manifestiere sich in anarchischer Kraft, Performativität, dem Einbezug des Raumes oder im wesentlichen Beitrag zum Verhältnis von Komposition und Improvisation.

Sabine Beck (Frankfurt) ging anschliessend auf dieses Zusammenspiel von Komposition und Improvisation näher ein. Zur methodischen Unterscheidung seien ein Zeit- und ein Handlungsfaktor ausschlaggebend: Beim Improvisieren entscheide man zeitgleich über das Vorgehen, bei der Komposition würden die Entscheide vorher gefällt. So meinte Globokar zum 1969 mitbegründeten Improvisationsensemble New Phonic Art: «Alles was passiert, passiert jetzt auf der Bühne; wir reden vorher nicht darüber, wir reden nachher nicht darüber.» Für Globokar brauche es den ganzheitlichen, selbstverantwortlichen Musikertypus, der immer auch Sänger und Performer sei und sich kritisch mit Musikbegriff und Gesellschaft auseinandersetze, so Becks Fazit.

Matthias Arter am Lupofon und Vladimir Blagojevic am Akkordeon führten schliesslich in einer Lecture Performance anhand von Ausschnitten aus Septuor par treize sources (2017) spezifische Herausforderungen Globokars an die Interpreten vor Augen. Globokars neustes Kammermusikstück, das am abendlichen Konzert der pre-art soloists zu erleben war, verzichtet gänzlich auf Improvisation, verlangt vollen performativen Einsatz und setzt die Instrumente fast als Verlängerung der Körper ein.

Matthias Arter bei der Lecture Performance. Foto: Max Nyffeler

Am Vorabendkonzert des Collegium Novum Zürich, das Globokar neben Mauricio Kagel und Bernd Alois Zimmermann präsentierte, wirkten auch etwas ältere Stücke erstaunlich aktuell. In Dialog über Erde für Soloperkussion (1994) beispielsweise, von Julien Mégroz kongenial interpretiert, dreht sich alles um Wasser. Alle Arten von Rasseln kommen ausser- und innerhalb eines mit Wasser gefüllten transparenten Plexiglasbehälters zum Klingen, wodurch optisch und klanglich die Resonanz verschiedener Elemente vor Augen und Ohren geführt und die mit dem Titel verknüpfte Erwartungshaltung unterwandert wird.

In La Prison für acht Instrumente (2001) hingegen setzt Globokar Grillroste als Klangkörper ein, die visuell an Gefängnisgitter gemahnen. Dabei lässt er die Interpreten keinen einzigen ihrem Instrument gemässen, «normalen» Ton spielen. «Ein Stück wie La Prison verweigert sich allen gängigen Kriterien wie Klangschönheit und Klangorganisation», meinte Schubbe.

«Es ist das erste Mal, dass jemand mit der Lupe auf mein Schaffen guckt. Ich war immer froh, dass einige Freunde interessant fanden, was ich mache», äusserte sich Globokar scherzend zum Ausklang des Symposiums. In seinem hintersinnigen Humor steckt eine Spur Wahrheit. Seine Wichtigkeit für die musikalische Avantgarde wurde zwar oft gewürdigt. Die Veranstaltung der ZHdK sucht aber sowohl in Umfang wie auch Vertiefung ihresgleichen.

IFPI und GFK verlängern Kooperation

Seit 1983 ermittelt GfK Entertainment im Auftrag von IFPI Schweiz die Offizielle Schweizer Hitparade. Nun haben beide Partner bekannt gegeben, ihren gemeinsamen Vertrag bis 2020 zu verlängern und die Kooperation auszubauen.

Bild: Martin Fisch/flickr.com

GfK Entertainment wird auch zukünftig die offiziellen Schweizer Musikmarktdaten sowie die wöchentlichen Single-, Album- und Compilation-Hitlisten erstellen. Mit dem von der Firma entwickelten Online-Tool Planet Music erhält die IFPI Schweiz ab sofort einen umfangreichen Überblick über aktuelle Trends und Entwicklungen in der Schweizer Musikbranche.

Der Vertrag folgt auf eine ganze Reihe an Neuerungen wie der Ausdehnung der Single-Hitparade von 75 auf 100 Positionen sowie der Einführung des Nummer 1 Awards der Offiziellen Schweizer Hitparade. Für 2018 sind viele weitere Innovationen geplant.

GfK Entertainment ermittelt die offiziellen Schweizer Charts und Marktforschungsdaten im Auftrag der Branchenverbände. Anfang 2017 wurde die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV) bis 2020 verlängert. Weitere Partner sind der Schweizerische Video-Verband (SVV) im Filmbereich sowie die Swiss Interactive Entertainment Association (SIEA) für das Videospiele-Segment.

Fredi Bosshard mit Zürcher Stadttaler geehrt

Der Jazzvermittler und Konzertorganisator Fredi Bosshard ist von der Stadt Zürich mit einem Stadttaler geehrt worden. Stadtpräsidentin Mauch dankte ihm damit für seine grossen Verdienste für den Zürcher Jazz – insbesondere als Organisator des Taktlos-Festivals in der Roten Fabrik.

Die Rote Fabrik. Foto: Micha L. Rieser/wikimedia commons

Mauch übergab Bosshard die Auszeichnung anlässlich des Konzerts des Schlippenbach-Trios in der Roten Fabrik. Der Stadttaler ist die Ehrenmedaille der Limmatstadt und ist zuvor unter anderem an Elmar Weingarten und Peter F. Weibel als Repräsentanten der Festspiele Zürich, aber auch an den Sänger Udo Jürgens verliehen worden.

Fredi Bosshard, langjähriger Präsident des Vereins Fabrikjazz Zürich, organisierte unzählige hochklassige Jazzkonzerte in der Stadt Zürich – unter anderem im Rahmen des Festivals Taktlos, das er 2017 zum 34. Mal leitete. Er habe stets die Kunst ins Zentrum seiner Arbeit und es geschafft, dass der Fokus der Kulturstadt Zürich Jahr für Jahr während ein paar Tagen auf dieser manchmal unbequemen und immer wieder neu entstehenden Musik lag, heisst es in der Medienmitteilung der Stadt.

Bosshard trug wesentlich dazu bei, dass die Zürcher Jazzszene heute weit über die Landesgrenze hinaus einen hervorragenden Ruf geniesst. Er verfügt über ein grosses internationales Jazz-Netzwerk, das er immer wieder in den Dienst der Zürcher Kultur stellte.
 

Glarus fördert Mathias Elmer

Der Förderbeitrag 2018 des Kantons Glarus von 25‘000 Franken geht an den Dirigenten Mathias Elmer aus Ennenda. Elmer studiert Orchesterdirigieren an der University of Memphis. Gleichzeitig arbeitet er an einem Doctor of Musical Arts.

Foto: University of Memphis/Web

Seine musikalischen Sporen verdiente sich Elmer im Kanton Glarus unter anderem als Dirigent und Musiklehrer bei der Harmoniemusik Glarus, dem Orchester Con Brio und einigen Chören ab. Nachher studierte er an der Musikhochschule Luzern, das Dirigentenstudium schloss er mit grossem Erfolg ab.

Die Karriere von Mathias Elmer gehe weiter steil aufwärts, begründet der Kanton Glarus den Beitrag, er stehe an einem entscheidenden Punkt in seiner Laufbahn. Der Kanton wolle ihn bei diesen nächsten Karriereschritten mit dem Förderbeitrag 2018 unterstützen.

Für kulturelle Zwecke werden aus dem Kulturfonds des Kantons 36 Einzelpersonen oder Organisationen durch die Kulturkommission oder den Regierungsrat Beiträge von total 168‘000 Franken gewährt oder als Defizitdeckung zugesichert. Drei Gesuche wurden abgelehnt, drei sistiert. Durch den Regierungsrat werden Beiträge und Defizitbeiträge von 78‘900 Franken bewilligt, unter anderem für das Hauptkonzert des Glarner Singvereins (11’100 Franken).

Auftragskomposition zu gewinnen

Der Bärenreiter-Verlag schreibt einen Chorwettbewerb aus, bei dem es eine Auftragskomposition des schwedischen Komponisten Mårten Jansson zu gewinnen gibt.

Verkündigung. Englische Stickerei auf einem Bucheinband, 16. Jahrhundert (wikimedia commons),SMPV

Chöre, die sich beteiligen möchten, studieren Janssons Werk Maria IV (Bärenreiter BA 7412) ein, machen ein Video davon, laden es bei YouTube hoch und schicken den Link an wettbewerb@baerenreiter.com Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2018. Eine internationale Jury von Chorexperten wird die Einsendungen sichten und die Gewinner bestimmen. Drei Preise werden vergeben:

1. Preis: Eine auf den siegreichen Chor zugeschnittene Komposition von Mårten Jansson mit der Möglichkeit der Uraufführung, dazu ein Notengutschein über 500 €
2. Preis: Notengutschein über 300 €
3. Preis: Notengutschein über 200 €

Mårten Jansson (*1965) hat sich in der geistlichen Chormusik einen Namen gemacht. Er war über zehn Jahre lang Leiter von Carmen, einem der bekanntesten Frauen-Vokalensembles in Schweden. Aus der Arbeit mit diesem Chor entstand die Anregung zu seinen frühen Kompositionen für Frauenchor: «Zu wissen, dass am nächsten Tage geprobt würde, was ich in der Nacht geschrieben habe, war ein starker Antrieb für mich. Andere Komponisten wären glücklich über eine solche Möglichkeit.»

Maria IV (Här är din himmel) für gemischten Chor (SATB) wurde vom Schwedischen Königshaus in Auftrag gegeben für das Fest der Verkündigung der Jungfrau Maria. Der Text stammt vom schwedischen Dichter Einar Askestad (Uraufführung am 17. März 2013). Die Musik beschreibt die Betrübnis Marias als Mutter eines Kindes, das nicht ihr, sondern der gesamten Menschheit gehört.

Suisseculture lehnt No-Billag klar ab

Suisseculture, der Dachverband der Schweizer Kulturschaffenden, lehnt die Initiative zur Abschaffung des Service Public in den Medien klar ab und fordert die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger auf, ein Nein in die Urne zu legen.

Foto: martingreffe/flickr.com

Die Annahme der Initiative würde nach Ansicht von Suisseculture nicht nur das Ende der Existenz aller SRG-Medien bedeuten, sondern auch zahlreicher lokaler Privatsender, welche dank Gebühren das regionale Kulturleben vermitteln und bereichern. Dieser Kahlschlag bedeute «einen direkten Angriff auf die Grundlagen unserer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft».

Radio und Fernsehen stellten für das Kulturschaffen, so Suisseculture weiter, ein wichtiges Forum dar und sei «eine lebenswichtige Erwerbsquelle für Kulturschaffende, Künstlerinnen und Künstler aus allen Sparten und aus allen Sprachregionen der Schweiz». Kunst und Kultur seien  auf unabhängige, nicht gewinnstrebende Medien, mit breiten Angeboten, wie sie die Medien der SRG bieten, angewiesen.

 

 

Das linke Ohr

Eine Ausstellung über den Basler Komponisten Jacques Wildberger in der Universitätsbibliothek Basel.

Jacques Wildberger zirka 1950. Foto: zVg

Es gibt mehrerlei Widerstand: den heftigen, existenziellen, aber manchmal auch den genüsslichen. Der eine hilft den anderen ertragen. Beides kannte Jacques Wildberger (1922–2006); das Leben hatte es ihn wohl gelehrt. Da war zum einen sein politisches Engagement; er war Kommunist und seit 1944 Mitglied der PdA, verliess die Partei allerdings drei Jahre später schon wieder aus Protest gegen die stalinistischen Verbrechen. Das freilich war kein Grund für ihn, auch sein Engagement zu widerrufen – im Gegenteil. Der hellsichtige Wildberger war neben dem zwei Jahre jüngeren Klaus Huber das politische Gewissen in dieser Komponistengeneration. «Dagegen zu komponieren war und ist mein agita movens», schrieb er.

Er verfügte allerdings auch über eine spitzbübische Seite, etwa wenn er, der Avantgardist, im Gespräch sagte, er möge das 2. Rachmaninow-Konzert und Lehár habe doch eigentlich wunderbar instrumentiert. Überhaupt möge er Kitsch, wenn er gut gemacht sei. Das dürfte denn doch einige verblüfft haben. Mit einer gewissen Koketterie sagte er auch, er habe seinen Nachlass eben nicht wie viele seiner Basler Kollegen der Paul-Sacher-Stiftung, sondern der Universitätsbibliothek Basel übergeben.

Das Verhältnis zu Sacher nämlich war zwiespältig. Wenn dieser auch später seine Unterschrift unter die Urkunde setzte, als der Schweizerische Tonkünstlerverein Wildberger den Komponistenpreis verlieh, so dürfte er Wildberger doch ziemlich verärgert haben, damals 1954. Der Komponist hatte ihm seine Tre Mutazioni geschickt; der Mäzen sandte die Partitur «mit bestem Dank» zurück, bemerkte «interessante Klang- und Rhythmikexperimente» darin, fand das Stück aber «weder geistig ingeniös noch gefühlsmässig empfunden, sondern intellektuell errechnet», kurz: «kunstgewerbliche Spielerei». Schliesslich bat er Wildberger «mit den freundlichsten Grüssen» in diesem «ungeschminkten Urteil einen Beweis meines Vertrauens und meiner freundschaftlichen Gesinnung zu sehen».

Avantgardistisch und nicht avanciert genug

Solche Zusammenhänge werden nun in einer Ausstellung offensichtlich, die derzeit in der Universitätsbibliothek Basel zu sehen ist. Sie heisst Das linke Ohr, wurde von Michael Kunkel, dem Leiter der Forschungsabteilung an der Hochschule für Musik FHNW, kuratiert und entstand in der Zusammenarbeit mit der Universität Basel und der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft. Man habe Wildberger nicht einfach ein Denkmal setzen wollen, sagte Kunkel bei der Vernissage. Lieber zeigt er ihn in seinen vielen, manchmal auch etwas widersprüchlichen Facetten, in zwölf Stationen – mit zahlreichen Partituren, Fotos, Audio- und Videodokumenten. Als besonderes Geschenk mag die auf dem Estrich wiedergefundene Bonbon-Schachtel mit Dokumenten gelten, die ebenfalls Eingang in die Ausstellung fand. Begleitet wird diese von mehreren Rahmenveranstaltungen, insbesondere einem Symposium Anfang März 2018.

Jacques Wildberger war, wie hier zu sehen ist, eine schillernde Persönlichkeit. Es lohnt sich, etwas Zeit zu investieren, die Dokumente zu studieren und in die Tonbeispiele hineinzuhören. Selbst Wildberger-Kenner dürfte manches überraschen, zum Beispiel das Eisler-nahe Kampflied Wir wollen zusammen marschieren, das er für das Basler Arbeiterkabarett «Scheinwerfer» komponierte, oder seine Auftritte als Dirigent des Zigeunerbarons, aber auch die Musik zum Armeedienstfilm Einer von Allen aus dem Jahr 1958.

Sein Weg war nicht einfach, weil er die Opposition suchte. Das wird ein Grund dafür gewesen sein, dass er beim Exilrussen Wladimir Vogel die Zwölftontechnik studierte. In der Schweizer Musikszene herrschte damals Neoklassizistisches vor. Figuren wie die Schönberg-Schüler Alfred Keller und Erich Schmid waren Aussenseiter. Ausnahmepersönlichkeiten wie Rolf Liebermann, Hermann Meier oder eben Wildberger suchten bei Vogel den Kontakt zur Dodekafonie. Ein Zwölftondogmatiker wurde er aber nicht; Wildberger ging eigenwillig damit um. Und dennoch geriet er zwischen die Zeitläufte: In der Schweiz galt er als Avantgardist, in Deutschland musste er feststellen, dass er als zu wenig avanciert galt. Er war nicht absolut modern: «Ich fühle mich durchaus nicht als Museumsdiener einer unanfechtbaren Vergangenheit, sondern ich bemühe mich, die Tradition lebendig zu erhalten durch Weitergehen und -forschen in unserer spannenden Gegenwart. Traditionell bin ich auch gerne insofern, als ich das Handwerk des ‹Komponierens› in Ehren halte.» Und deshalb war er so frei, einige seiner wichtigsten Radiosendungen und Publikationen der Musik Dmitri Schostakowitschs zu widmen.

Solche Eigenwilligkeit muss sich erst einmal durchsetzen, auch wenn man aus gutem, humanistisch geprägtem Basler Bürgertum stammt. Dass ihm Sacher nie einen Auftrag erteilte, verhinderte schliesslich nicht, dass Wildberger eine anerkannte Persönlichkeit nicht nur des Basler Musiklebens wurde und an der Musik-Akademie unterrichtete. Seine Position blieb prononciert links.

Dir, der Du mich nie gekannt

Die Kammeroper «Der Traum von Dir» von Xavier Dayer wurde am Zürcher Opernhaus uraufgeführt.

Die Unbekannten I, II, III: Soyoung Lee, Kismara Pessatti, Hamida Kristoffersen; der Schriftsteller: Cody Quattlebaum. Foto: T+T Fotografie – Tanja Dorendorf

Wer schreibt da? Geräusche eines Bleistifts auf Papier! Aha, Literarizität – oder Briefe! Vielleicht sogar versteckte Mikrogramme. Nicht zum ersten Mal im Musiktheater. Welcher Kollege hatte doch einst versprochen, einmal einen Aufsatz über das Briefeschreiben in der Oper zu schreiben? Denn es handelt sich da um einen heiklen Moment der Zeitdramaturgie: Entweder passiert es unrealistisch rasch oder es hält den Zeitfluss an. In diesem Fall freilich nicht, denn das Schreiben wird zum tragenden Element des Ganzen. Es ist nicht der Dichter, der sich da, wie wir sehen, mit seinem Notizbüchlein auf einer Bank niedergelassen hat. Die wir schreiben hören, es ist eine Frau, abwesend für den Dichter, anwesend für uns in dreifaltiger Gestalt. Sie betet ihn von ferne an und schreibt ihm diesen Brief, den Brief einer Unbekannten, wie die Novelle von Stefan Zweig heisst.

Claus Spahn, der Chefdramaturg der Zürcher Oper, hat diesen Text zu einem kurzen, fast lakonischen Libretto kondensiert; Xavier Dayer, aus Genf stammend und heute Kompositionslehrer an der Hochschule der Künste Bern, hat die Musik komponiert – parallel übrigens zu einer zweiten Kammeroper, die auf ganz andere Weise von Erinnerung und Vergessen handelt: Alzheim wurde am gleichen Wochenende von Konzert Theater Bern uraufgeführt. Es sind die Kammeropern Nr. 6 und 7 in Dayers Œuvre. Er könne sich zwar durchaus vorstellen, einmal etwas für die grosse Bühne zu schreiben, sagt er im MAG des Opernhauses, aber es seien die inneren, die feinstofflichen Welten, die ihn interessieren. «Ich habe Lust, das Innenleben von Figuren in den Blick zu nehmen.»

Das gelingt ihm hier auf eindrückliche Weise: Der angebetete Dichter (Cody Quattlebaum) ist eigentlich nur ein Katalysator und gewinnt selber wenig Charakter. Die Figur der «Unbekannten» jedoch ist so reich und vielfältig, dass sie auf drei Sängerinnen verteilt wird (Soyoung Lee, Haminda Kristoffersen, Kismara Pessatti); sie sind in Stimme und Erscheinung so verschieden, dass sie die drei Lebensalter des Mädchens, der jungen Frau und der zum Tode bereiten Mutter darstellen können. Die Unbekannte lernte den Dichter mit dreizehn kennen, hatte später eine Nacht und daher ein Kind mit ihm, von dem er nie erfuhr, und wird schliesslich nach dem Tod ihres Sohns sterben. Aber noch schreibt sie diesen Brief, in dem sie dem Dichter alles erzählt.

Ins Innere treiben und verharren

Bleistiftgeräusche also am Anfang, zarte Klavier- und Perkussionsklänge. «Dir, der Du mich nie gekannt» beginnt die dritte Frauenstimme. Die anderen mischen sich hinein; das Atmen wird deutlich. Erst mit dem Satz «In mir wuchs der Traum von Dir» hebt die eine Singstimme ab – und der Ensembleklang, diese ferne Musik, beginnt aufzublühen. Zwischen Sprechen und Singen bewegt sich die dreifache Unbekannte. Sie folgt ihren Träumen, ihren Begegnungen, und wir erlangen nie die Gewissheit, ob sie alles nur herbeisehnt und fantasiert oder ob sie etwas davon erlebt. Es bleibt zweitrangig, denn es geht ja um das Innenleben dieser Frau. Dafür entwickelt Dayer eine ungemein subtile Klangsprache, präzis im Instrumentalsextett (das Ensemble Opera Nova unter Michael Richter in der längst zum Standard gewordenen Pierrot-Besetzung plus Schlagzeug), sehr kantabel im Gesang (ja, Dayer kann für Stimmen schreiben), melodiös und expressiv, manchmal in einer madrigalesken Vielstimmigkeit. Das hilft uns, in die Person einzutauchen. Die Texte sind so verknappt, dass sie fast nur andeuten. Dayer weitet sie durch Wiederholungen und Variationen wieder aus, spiralförmig und in den besten Momenten sogartig. Die Unbekannte treibt gleichsam in ihr Inneres. Das Bühnenbild von Barbara Pfyffer zeigt denn auch eine Art Achterbahn, auf der die Gefühle ins Strudeln geraten. Nina Russi hat das Stück sehr dezent und unspektakulär in Szene gesetzt.

So führt Der Traum von Dir durch die nahezu siebzig Minuten, durchaus intensiv, wenngleich es schliesslich doch etwas zu wenig ins Traumhafte abhebt bzw. in dessen Abgründe hinabweist. An jenem Punkt, wenn das Trockeneis auf die Studiobühne strömt und alles noch irrealer werden könnte, verharren Text und Gesang bei den Vorwürfen an den von ferne Geliebten. An diesem Punkt stockt auch die emotionale Dramaturgie des Stücks, kommt sie nicht weiter. Das «Ich, ich, ich»-Gestammel am Schluss, das Verharren auf einem repetierten Ton sind eher Behauptungen einer psychischen Gebrochenheit, als dass sie nochmals eine Ebene tiefer führen würden. Wer will, mag das freilich auch als Ausweglosigkeit einer in sich verlorenen Person deuten …

PS: Uraufführung von Der Traum von Dir war am 2. Dezember auf der Studiobühne des Opernhauses Zürich. Es gab insgesamt nur vier Darbietungen bis 9. Dezember. Die Zürcher Oper hat weitere Kammeropern für das Ensemble Opera Nova in Auftrag gegeben.

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