Bandabend im Treibhaus Luzern

Fächer wie E-Gitarre, Schlagzeug und Pop-Gesang sind an der Musikschule Luzern sehr gefragt. Dem trägt eine Band-Nacht Rechnung, die sich zu einem Treffpunkt des Rock- und Pop-Nachwuchses entwickelt hat.

Ausschnitt aus den Flyer 2016

Das Ziel der Schülerinnen und Schüler sei es meistens, in einer Band zu spielen, Konzerte zu geben und sogar eigene Songs zu schreiben, schreibt die Stadt Luzern. Um ihnen eine Möglichkeit zu geben, ihr Talent unter professionellen Bedingungen auch vor Publikum zu präsentieren, wurde vor rund zwölf Jahren von Schlagzeug- und E-Gitarrenlehrpersonen der erste Dr. Git ins Leben gerufen.

Der Name bezeichnet nicht etwa einen Doktor der Gitarre. er setzt sich vielmehr aus den Abkürzungen für Drums und Gitarre zusammen. Dieses Jahr werden zehn Bands mit über 50 Mitwirkenden in wechselnder Besetzung auftreten. Im Anschluss an die Dr. Git-Bands treten zwei weitere Formationen auf, die regelmässig zusammen proben und spielen.

Von den Kindern und Jugendlichen wird eine professionelle Haltung verlangt, denn die Zusammensetzung der Bands wechselt nach jedem Stück. Bei über 50 Mitwirkenden ist das eine logistisch wie organisatorisch anspruchsvolle Aufgabe. Zur Vorbereitung des Konzertes erarbeiten die Musikschüler mit ihren Lehrpersonen die Stücke, welche in zwei Proben gemeinsam eingeübt werden.

Infos:
Samstag, 4. Juni 2016, 19 Uhr (18.30 Uhr Türöffnung), Treibhaus, Spelteriniweg 4, 6005 Luzern

 

Tariferhöhung in deutschen Theatern

Der Deutsche Bühnenverein und die Arbeitnehmer haben eine Gagensteigerung für die an den Stadttheatern, Staatstheatern und Landesbühnen beschäftigten künstlerischen Mitarbeiter vereinbart.

Foro: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt/pixelio.de

Die Gagen werden zum 1. März 2016 für die Theater und Orchester in der Trägerschaft eines Landes um 2,3 Prozent, mindestens aber um 75 Euro erhöht, für die Theater und Orchester in kommunaler Trägerschaft um 2,4 Prozent.

Der Abschluss entspricht den Lohnerhöhungen des öffentlichen Dienstes. Dieser Lohnabschluss gilt für etwa 24’000 künstlerische Mitarbeiter der Theater und Orchester, vor allem Schauspieler, Sänger, Tänzer, Musiker, aber auch Dramaturgen, Inspizienten sowie Bühnentechniker mit überwiegend künstlerischen Aufgaben.

An den Verhandlungen beteiligt waren die Künstlergewerkschaften GDBA (Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger), die VdO (Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer) sowie die DOV (Deutsche Orchestervereinigung)

Prekäre Arbeitsbedingungen von Kunstschaffenden

Viele Künstlerinnen und Künstler arbeiten unter prekären Bedingungen, zeigt eine (nicht repräsentative) Studie der Hans-Böckler-Stiftung zur Situation – primär in Deutschland. Eine deutliche Mehrheit der Betroffenen rechnet mit Altersarmut.

Foto: m. gade/pixelio.de

2011 gab es in Deutschland über 18’000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Musiker und knapp 22’000 darstellende Künstler. Bei der Künstlersozialkasse, die Selbständigen ab einem Jahreseinkommen von 3900 Euro offensteht, waren 2014 etwa 51’000 Musikanten und über 24’000 Schauspieler und Tänzer gemeldet.

Das Nettoeinkommen liegt bei 40 Prozent unter 10’000 Euro pro Jahr. Die prekäre Einkommenssituation hängt auch damit zusammen, dass 70 Prozent der Musiker, Tänzer und Schauspieler unbezahlte Leistungen erbringen müssen. Gut 80 Prozent der Befragten empfinden ihre Beschäftigungssituation als unsicher. Defizite beim Arbeitsumfeld wie ungeheizte Räume, ungeeignete Tanzböden oder schlechte Unterkünfte stellen für die Hälfte der Künstler ein Problem dar. Fast ebenso viele geben an, dass Schutzvorschriften wie beispielsweise das Arbeitszeitgesetz teilweise nicht eingehalten werden. Ein Drittel hat Erfahrungen mit Vertragsbrüchen, Machtmissbrauch und Willkür. Fehlende Mitbestimmung bei der Arbeit kennen 25 Prozent, Mobbing 17 Prozent, sexuelle Belästigung 5 Prozent.

An der Onlineumfrage haben sich 2635 Erwerbstätige beteiligt. Zusätzlich wurden ausführliche Interviews mit 22 Künstlern, Veranstaltern, Vermittlern, Politikern sowie Vertretern von Bildungsinstitutionen und Verbänden geführt. Die Befragung ist nicht repräsentativ, erlaube aber «qualifizierte Einblicke in die Arbeitsbedingungen von Künstlern».

Link zur Studie: http://www.boeckler.de/pdf/p_study_hbs_319.pdf

St. Galler Kulturfördergesetz wird revidiert

Die Regierung des Kantons St. Gallen schickt zwei Entwürfe zur Anpassung der Kulturgesetzgebung in die Vernehmlassung: Eine Totalrevision soll das geltende Kulturförderungsgesetz an die heutigen Anforderungen und Gegebenheiten anpassen.

Barocksaal der Stiftsbibliothek St. Gallen. Foto: wikimedia commons

Das St. Galler Kulturförderungsgesetz aus dem Jahr 1995 entspreche den Anforderungen und Gegebenheiten der heutigen Kulturförderung nicht mehr, schreibt der Kanton, eine Totalrevision sei deshalb überfällig. Gleichzeitig fehle eine gesetzliche Grundlage zur Bewahrung und Über­lieferung des kulturellen Erbes in seiner Gesamtheit, insbesondere von beweglichen Kulturgütern wie beispielsweise der Handschriften und Archivalien der Stiftsbibliothek oder des Stiftsarchivs, die zum UNESCO-Weltkulturerbe Stiftsbezirk St.Gallen gehören.

Zugleich erfordert die Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden in der Denkmalpflege, die der Kantonsrat mit dem Entlastungsprogramm 2013 verlangte, Änderungen auf Gesetzes­stufe. Auch bringen das neue Kulturförderungs- und das neue Kulturerbegesetz mit klaren Definitionen und Zielsetzungen Rechtssicherheit für alle Beteiligten.

Die Arbeiten für die neuen Kulturgesetze wurden insbesondere durch Aufträge des Kantonsrates zur Aufgabenteilung und Schwerpunktbildung in der Kulturförderung ausgelöst. Die Stossrichtungen für die neuen Gesetze wurden in den Jahren 2014 und 2015 in den kantonalen Kulturkonferenzen diskutiert. Der Entwurf des neuen Kulturförderungsgesetzes «nimmt Rücksicht auf die Heterogenität des Kantons, legt den Fokus auf starke Kulturregionen und folgt dem Grundsatz der Subsidiarität».

Die Vernehmlassungsunterlagen sind elektronisch auf der Webseite des Kantons abrufbar:
http://www.sg.ch/home/staat___recht/staat/Kantonale_Vernehmlassungen.html

 

Erste Jahresbilanz der ZHdK im Toni-Areal

Die ZHdK ist im neuen Campus Toni-Areal angekommen. Für das erste Betriebsjahr 2015 weist sie einen Gesamtumsatz von 170 Millionen Franken aus; sie zählt zur Zeit 2888 Studierende (1997 in Bachelor- und Master-Studiengängen, 891 in Weiterbildungen).

Foto: Micha L. Rieser/wikimedia commons

Die direkten Kosten für die Forschung beliefen sich 2015 laut der Mittteilung der ZHdK (Zürcher Hochschule der Künste) auf 10,6 Millionen Franken; davon sind 3,12 Millionen Franken eingeworbene Mittel. Wichtige Geldgeber sind der Schweizerische Nationalfonds SNF, die EU und diverse Stiftungen. Das Institute for Art Education der ZHdK beteiligt sich seit März dieses Jahres überdies am Horizon-2020-Projekt «Traces» (Transmitting Contentious Cultural Heritages with the Arts), einem von der EU mit 2,3 Millionen Euro und vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation mit 423‘000 Franken geförderten Projekt.

Der neu vorgestellte Kreativwirtschaftsbericht Schweiz 2016 geht davon aus, dass in der Schweiz über 450‘000 Personen in der sogenannten Creative Economy arbeiten, wovon die eine Hälfte in den Creative Industries erwerbstätig ist, während die andere Hälfte einem kreativen Beruf ausserhalb der Creative Industries nachgeht. Der abschliessend hergeleitete Begriff der Creative Economies steht für ein neues Verständnis der bisherigen Kreativwirtschaft, welches stärker die Praxen und Prozesse der Akteure ins Zentrum stellt.

Bezugsquelle für den Kreativwirtschaftsbericht:
www.creativeeconomies.com/reports/order
 

Kulturpreise des Kantons Basel-Landschaft 2016

Der Baselbieter Regierungsrat ehrt die Tänzerin Tabea Martin und die Jazzsängerin Lisette Spinnler mit den je mit 20’000 Franken dotierten Spartenpreisen Tanz respektive Musik des Kantons. Der Förderpreis Musik (15’000 Franken) geht an die Chorleiterin Abélia Nordmann.

Mit dem Spartenpreis Tanz würdigt der Regierungsrat die 1978 geborene Tänzerin und Choreographin Tabea Martin aus Oberwil. Tabea Martin hat eine beachtliche internationale Karriere vorzuweisen. Sie arbeitet für die freie Szene sowie an Stadttheatern. Ihre Projekte sind laut der Medienmitteilung des Kantons höchst professionell aufgestellt und überzeugen durch Humor, Intelligenz sowie grosses choreografisches Können.

Mit dem Spartenpreis Musik wird die 40-jährige Liestaler Musikerin Lisette Spinnler ausgezeichnet, eine erfolgreiche, international anerkannte Jazzsängerin mit Baselbieter Wurzeln, die kontinuierlich ihre Karriere verfolgt. Der Kulturkritiker Peter Rüedi bezeichnet sie als «eigentliches Sängerinnenwunder der Schweizer Jazzszene». Ihr Markenzeichen sind der Scat und ihre Fantasiesprachen.

Der Förderpreis Musik geht an die 1988 geborene Chorleiterin Abélia Nordmann. Die Musikpädagogin wuchs in Deutschland und Frankreich auf und schloss im Jahr 2013 ihren Specialised Master ab. Heute leitet sie Chöre, Ensembles und Projekte in der Region Basel und in den Nachbarländern der Schweiz. Sie ist Dirigentin des contrapunkt chor Muttenz, des professionellen Ensembles für Alte und Neue Musik novantik project basel, des Chores bâlcanto, des Projektchors ensemble liberté, des Kinder- und Jugendchores Lörrach und des grenzübergreifenden Ensemble Choeur3.

Winterthurer Übungsräume werden nicht teurer

Die Stadt Winterthur legt für die Musikübungsräume neue Mietverträge vor und verzichtet insgesamt auf eine Preiserhöhung.

Foto: Sascha Erni/flickr commons

Die Winterthurer Fachstelle Quartierentwicklung verwaltet und vermietet in der Stadt Winterthur 41 Musikübungsräume. Im Dezember 2014 kürzte der Grosse Gemeinderat den Globalkredit der Fachstelle für das Jahr 2015 um zwanzig Prozent. Als Beitrag zur Umsetzung dieses Beschlusses entschied die Fachstelle Quartierentwicklung, die Mietzinse der Musikübungsräume zu erhöhen.

Die entsprechende Ankündigung löste bei den Musikerinnen und Musikern einen Protest aus. Die Stadt musste anerkennen, dass sie teilweise unkorrekt vorgegangen war und beschloss im letzten November, auf die geplante Mietzinserhöhung zu verzichten. Gleichzeitig kündigte sie an, die Verträge und Preise bereinigen zu wollen.

Gestern Mittwochabend hat die Stadt laut ihrer eigenen Mitteilung den Mieterinnen und Mietern der Musikübungsräume an einer Informationsveranstaltung dargelegt, wie diese Bereinigung erfolgen soll. Die heute in zwei Varianten vorliegenden Verträge werden in einer vereinheitlichten Form den Mietenden zur freiwilligen Unterzeichnung vorgelegt.

Die Preise werden aufgrund eines Kriterienkatalogs den Qualitäten der Räume angepasst und damit gerechter ausgestaltet. Insgesamt erfolgt keine nennenswerte Preiserhöhung. Die neuen Verträge sollen ab September 2016 gelten.
 

Zehn Jahre Stimmforschung in Freiburg

Die Musikhochschule Freiburg i. Br. feiert ihr 70-jähriges Bestehen. Das Institut für Musikermedizin (FIM), eine gemeinsame Einrichtung der Medizinischen Fakultät der Universität und der Musikhochschule Freiburg, begeht auch ein Jubiläum: Seit zehn Jahren betreibt es Stimmforschung.

Enrico Caruso mit einer Büste seiner selbst. Foto: Library of Congress ID cph.3b09191

In Studien, die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden, hat das FIM mittlerweile nahezu 50 Sänger analysiert, darunter viele, die regelmässig an Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Metropolitan Opera New York, den Bayreuther Festspielen oder der Staatsoper Unter den Linden Berlin auftreten.

Die Studien sind vor allem mit dynamischer Kernspintomographie (MRI) durchgeführt worden. Für die Durchführung und Optimierung der Bildgebung besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Abteilung für Medizinische Physik der Klinik für Radiologie am Universitätsklinikum Freiburg und der Klinik für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Geleitet wird das FIM von Claudia Spahn und Bernhard Richter. Matthias Echternach, Oberarzt am Institut für Musikermedizin, hat es sich gemeinsam mit Richter mit zum Ziel gesetzt, wissenschaftlich die Frage zu klären, wie die Stimme bei Hochleistungssängern entsteht.
 

Begeistert vom Sing-Virus

Mit rund 40 fulminanten Darbietungen hat das Europäische Jugendchor Festival in der Region Basel gezeigt, dass Jugendliche auch heute mit Begeisterung singen. Ein Erlebnisbericht.

Foto: werner@laschinger.ch

Bereits zum zehnten Mal fand das Europäische Jugendchor Festival (EJCF) in Basel statt, das 1992 aus einem Ideenwettbewerb der Christoph Merian Stiftung hervorgegangen war. Mitbegründer Beat Raaflaub hält Rückschau: «Bei allen Veränderungen seit der ersten Ausgabe ist der Kerngedanke bewahrt worden: das friedliche Miteinander sehr guter Jugendchöre aus Europa und aus Übersee ohne Wettbewerbscharakter. Wir haben das EJCF als ein Festival der Begegnungen konzipiert.» Also kein Elitedenken, sondern ein Erlebnis voller Lebensfreude und Lust am Singen.

Genau dieser Leitidee entsprach die Einstimmung am Eröffnungsnachmittag: Die Chöre der Gymnasien Bäumlihof, Leonhard, Münsterplatz, Liestal, Münchenstein, Muttenz und Oberwil sangen wechselweise an verschiedenen Orten in Basel a cappella oder mit dezenter Instrumentalbegleitung. Erstaunlich, wie die Gymischülerinnen und -schüler sich im Gewusel der Stadt konzentrieren konnten. Den elf Sängerinnen und Sängern des Leonhard-Schulhauses gelangen unter ihrer mitswingenden Leiterin die Lieder formidabel. Die einen summten den Puls, zwei besonders begabte Sängerinnen gaben Soli zum Besten. Das kam an, Kinder sassen vor den Jugendlichen auf dem Boden und hörten gebannt zu, ältere Passanten blieben stehen und wippten versonnen im Rhythmus mit. Auch die gross besetzten Chöre der Gymnasien Liestal und Muttenz wussten zu gefallen. Mit dem unverwüstlichen Zogä am Bogä trafen sie die Herzen des Publikums, Mitsummen war Pflicht.

Eigene und fremde Volkslieder

Von Musikmüdigkeit, von «kein Bock auf Singen» war nichts zu spüren; das Niveau der beteiligten 18 Chöre aus ganz Europa war sehr hoch, wie das Eröffnungskonzert zeigte. Hier begegneten sich die Teilnehmerchöre nach ihrer Vorbereitung in der Heimat auf musikalischer Ebene, wie es dem Anliegen des Festivals entspricht. Jeder Chor hatte am Vormittag von einem Partnerchor ein Volkslied aus dessen Kultur gelernt, zusammen wurden die Lieder am Abend im Casinosaal dem Publikum präsentiert.

Die Darbietungen waren bunt, die Stimmung im vollen Saal fröhlich und aufgeräumt, und es gab so manches zu entdecken. Die Idee der Begegnung der fremden Kultur im Singen trug Früchte und führte zu stetem Schmunzeln. Da war etwa das Programm des phänomenalen Jugendchors Tutarchela aus Georgien. In ihren bunten Trachten sangen sie Volkslieder aus ihrer Heimat, zuerst langsam, polyfon in perfektem Zusammenklingen, dann folgte ein rascher Teil, untermalt mit Tänzen. Der als Partner zugeteilte Männerchor Zero8ʼs Youth Choir aus Schweden, spezialisiert auf Barbershop-Gesang, wurde dann in die georgische Volksmusik eingeführt, wobei zum Gaudium des Publikums einer der jungen Männer mit einem georgischen Mädchen tanzte.

Auch Schweizer Formationen waren dabei, so die zwei Knabenkantoreien Basel und Solothurn. Zu Begeisterungsstürmen hingerissen wurde man durch den Cor Infantil Amics de la Unió aus Spanien: Da wurden in virtuoser Perfektion Gesang, Geräusche und Bewegungen mit Armen und Beinen dargeboten, rhythmisch heikel durch Synkopen und wechselnde Register. Ein begeisternder Abend!

Eine beflügelte Region

Es gab auch offene Singen, eines davon durch SingplausCH organisiert, bei dem Kinder zu Hause Kinderchorliteratur lernen, am SinglausCH-Tag einstudieren und danach im Konzert präsentieren. Dabei gaben unter dem Motto E Löu, e blöde Siech, e Glünggi un e Sürmu in der Martinskirche hintergründige Lieder von Mani Matter den Ablauf vor. Die Hits Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama und Dr Ferdinand isch gschtorbe durften nicht fehlen, von Kindern der Chöre aus Pratteln, Bottmingen, Basel, Unterägeri, Beinwil, Bülach, Wil und Gretzenbach freudig interpretiert. Den «Plausch» hatte auch das Publikum, das aktiv mitsang. Dafür sorgte die Gesamtleiterin und Moderatorin Vreni Winzeler mit ihren träfen Kommentaren und Einlagen.

Ein Friendship Concert bestritten die Mädchenkantorei Basel, der Ponomarevʼs Childrenʼs Choir Vesna aus Russland und der Grand Chœur de filles de la Schola de Sion in der Peterskirche. Zuerst stellte sich jeder der drei Mädchenchöre mit einigen Werken vor: Da war von Telemann über Gounod bis zu russischen Gesängen oder Monteverdi ein breites Spektrum zu hören. Anschliessend sangen die rund hundert Mädchen unter der Gesamtleitung des Sittener Dirigenten Marc Bochud das Stabat mater von Pergolesi.

Bochud betonte mit den Streichern des Barockorchesters Capriccio mehr den weltlichen Charakter, wählte zügige Tempi und eine dramatische Verve, die dem Werk hörbar gut bekamen. Ein Stabat mater zum Jubeln, was mit der fulminanten Wiederholung der Amen-Fuge verdankt wurde. Es war ein Sinnbild für das Sing-Virus, das die Region Basel fünf Tage lang beherrschte. Die Basler Jugendchöre haben dank der immer neuen Herausforderung des Festivals einen enormen Schub erhalten.

46 erste Preise mit Auszeichnung

Vom 5. bis 7. Mai haben 386 junge Interpretinnen und Interpreten der klassischen Musik das Finale des 41. Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs (SJMW) auf der Musikinsel Rheinau erfolgreich bestritten.

Foto: SJMW

Die Nachwuchstalente aus allen Regionen der Schweiz waren im März bei den Entradas für das Finale qualifiziert worden. Wie die Stiftung Schweizerischer Jugendmusikwettbewerb (SJMW) gestern mitteilte, wurden insgesamt 370 Preise vergeben (Solo: 241 Preise, Kammermusik: 129 Preise), davon 46 erste Preise mit Auszeichnung und 118 erste Preise. Weitere 154 junge Nachwuchstalente haben einen zweiten und 25 einen dritten Preis erhalten.

Besonders freuen konnten sich über 60 Musikerinnen und Musiker, die einen Sonderpreis entgegennehmen durften. Die Resultate sind auf der Website des Wettbewerbs aufgeschaltet.

Mit der Preisverleihung und dem Preisträgerkonzert im Stadthaussaal Winterthur am Sonntag, 8. Mai, ging die Veranstaltung feierlich zu Ende. Das
Konzert wurde vom Schweizer Radio SRF 2 Kultur aufgenommen und wird zu einem späteren Zeitpunkt ausgestrahlt.

www.sjmw.ch

 

Kulturchefin verlässt Schweizer Radio und Fernsehen

Wie das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) mitteilt, übernimmt die bisherige Kulturchefin Nathalie Wappler per November 2016 den Posten einer Programmdirektorin beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).

Nathalie Wappler, Abteilungsleiterin Kultur. Foto: SRF/Oscar Alessio

Wappler werde, so SRF weiter, beim MDR das TV-, Radio- und Online-Programm in den Bereichen Kultur, Jugend, Bildung und Wissen verantworten. Ihre Stelle beim SRF werde intern und extern ausgeschrieben.

Wappler habe bei SRF «mit Erfolg eine trimediale Kulturabteilung etabliert, die für einen zeitgemässen Kulturbegriff steht – in Radio, Fernsehen und Internet». Sie hinterlasse eine sehr leistungsfähige Abteilung mit hochqualifizierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Die trimediale Organisation der Abteilung und die etablierten Produktionsprozesse hätten sich bewährt, heisst es in der Medienmitteilung.

Nathalie Wappler arbeitete ab 2005 für das Schweizer Fernsehen, zuerst als Redaktorin und Produzentin von «Kulturplatz» und ab 2008 als Redaktionsleiterin der «Sternstunden». Sie startete ihre berufliche Laufbahn 1996 als Redaktorin beim 3sat-Format «Kulturzeit», danach war sie unter anderem für «aspekte» und «Berlin Mitte» beim ZDF tätig.

Kulturförderung schadet lokalen Gesellschaften

Eine Studie des britischen Arts and Humanities Research Council zieht in Zweifel, dass Kulturförderprogramme lokalen Gemeinschaften Nutzen bringt. Statt mehr Partizipation befördere sie vielmehr Gentrifizierung und die Verdrängung einfacher Bürger.

Berlin – Festival of Lights 2014 (Ausschnitt). Foto: Hagens_world/flickr.com

Die aufwendige Studie «Understanding the value of arts & culture» von Geoffrey Crossick & Patrycja Kaszynska kommt zum Schluss, dass kulturelle Gemeinschaftszentren und Kulturvermittlung bloss dazu führen, dass die Immobilienpreise im Umfeld steigen und Alteingesessene verdrängt werden. Sie hinterfragt überdies die positiven Effekte der Musikvermittlung in Grundschulen und von Musikprogrammen in Spitälern und Gefängnissen.

Die Schlüsse zieht die Studie unter anderem aus einer alternativen Sicht auf empirische Daten zu den Effekten der Massnahmen. Bislang seien vor allem quantitative Erhebungen erfolgt, etwa zur Anzahl Teilnehmer an Veranstaltungen. Entscheidend seien aber qualitative Erhebungen zum Beispiel zu den persönlichen Erfahrungen der Betroffenen.

Link zum Report:
www.ahrc.ac.uk/documents/publications/cultural-value-project-final-report/
Telegraph-Artikel zum Thema:
www.telegraph.co.uk/art/what-to-see/how-weve-got-it-wrong-about-the-arts/

Siemens-Musikstiftung fördert Sinfonieorchester Basel

Das Sinfonieorchester Basel (SOB) erhält einen der Ernst-von-Siemens-Förderpreise in der Höhe von 50‘000 Euro für Auftragskompositionen an Christobal Halffter, Georg Friedrich Haas und Dieter Ammann.

Sinfonieorchester Basel im Musiksaal. Foto: Benno Hunziker

Der mit 250’000 Euro dotierte Ernst-von-Siemens-Musikpreis ist dem dänischen Komponisten Per Nørgård zugesprochen worden. Das Kuratorium lobt ihn als einen der originellsten Komponisten des Nordens, dessen Werk «weit über die skandinavischen Grenzen hinaus von einzigartiger Bedeutung ist».

Christobal Halffter hat nach einer schweren Krankheit begonnen, ein Konzert für Kontrabass-Trio und Orchester zu komponieren. Halffter hat eine enge persönliche Beziehung zu Basel. Paul Sacher dirigierte einige seiner Kompositionen. Die Sammlung seiner Werke befindet sich heute in der Stiftung. Georg Friedrich Haas schreibt ein Posaunenkonzert und Dieter Ammann ist mit einem neuen Bratschenkonzert für Nils Mönkemeyer beauftragt worden.

Die Ernst-von-Siemens-Musikstiftung (EvS) verleiht seit 1973 jedes Jahr weltweit einen Musikpreis sowie Preise zur Förderung zeitgenössischer Musikprojekte.

St. Gallen greift André Meier unter die Arme

Die Stadt St.Gallen vergibt 2016 sechs Werkbeiträge in der Höhe von je CHF 10‘000. Insgesamt sind 33 Bewerbungen aus allen Sparten beurteilt worden. In der Musik kommt der Trompeter und Komponist André Meier in den Genuss der Förderung.

Foto: Erich Westendarp/pixelio.de

André Meier, geboren 1974, studierte Trompete, Komposition und Improvisation an der Hochschule der Musik-Akademie Basel. Er absolvierte diverse Weiterbildungen in computerunterstützter Komposition. Nebst seiner musikpädagogischen Tätigkeit am Konservatorium Winterthur widmet er sich vorwiegend der Neuen und improvisierten Musik. Er spielt im Duo Thand mit dem Musik-Elektroniker Thomas Peter, daneben tritt er als freischaffender Musiker sowohl solistisch als auch kammermusikalisch auf.

Meier wird sich mit einer Forschungs-/Kompositionsarbeit vertieft mit computergestützter Komposition auseinandersetzen und Instrumentalmusik entwickeln, deren Notentext/Grammatik über Algorithmen generiert wird. Als Ausgangslage dienen sogenannte nicht-triviale Bots, die er entweder adaptiert oder selber programmiert. In dem neuen Werk sollen diese Entscheidungen neue klangliche Realitäten generieren. Was der Hörer letztlich wahrnimmt, ist dann nicht ein ursprünglich komponiertes Stück, sondern das Ergebnis der musikalischen Entscheidungen der Bots.

Neben Meier erhalten folgende Künstler Werkbeiträge: Der Fotograf Michael Bodenmann, die Bildende Künstlerin Annina Thomann, die Rotes Velo Tanzkompanie/Hella Immler unter der Leitung von Exequiel Barreras sowie der Filmer Ninian Green.

Opern im Sprechtheater akustisch aufgepeppt

Das Opernhaus Zürich wurde ursprünglich für Sprechtheater konzipiert. Es hat daher gute Sprachverständlichkeit, aber zu wenig Nachhallzeit für Opernaufführungen. Seit Kurzem wird dies mit Technik der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft nachkorrigiert.

Opernhaus Zürich, Blick von der Bühne in den Zuschauerraum. Foto: Dominic Büttner

Die historisch gewachsene, komplexe Lautsprecher-Infrastruktur ergänzt das akustisch eher trockene Opernhaus seit Anfang 2016 zusätzlich durch die «SpatialSound Wave»-Technologie des deutschen Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT. Sie kann die Nachhallzeit des Raumes verlängern. Der originalen Klangquelle wird ein Signal hinzugerechnet. Dadurch wird der Raum im akustischen Eindruck grösser. Effekte und Raumklang können im Live-Betrieb sogar spontan angepasst werden.

Die Audioobjekte lassen sich so positionieren, dass sie für den Hörer verschiedene Entfernungen haben können. Effekte lassen sich sogar so platzieren, als ob sie ausserhalb des Raums erklingen würden. Soundeffekte können live bearbeitet und räumliche, dreidimensionale Klangwelten erschaffen werden – ohne die Tonanlage oder die Räumlichkeiten dafür verändern zu müssen.

Die Software nutzt das Verfahren der sogenannten Wellenfeldsynthese. Dabei formen verschiedene Lautsprecher eine neue akustische Wellenform. Keine der Boxen spielt dasselbe Signal. Jede ergänzt die benachbarte und trägt ihren Teil zum Gesamtklang bei.

 

 

 

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