Wegweiser zu deutschen Stiftungsarchiven

Mit dem Buch «Archive in Stiftungen. Ein Wegweiser» beleuchtet der Bundesverband Deutscher Stiftungen erstmals umfassend die Landschaft deutscher Stiftungsarchive. Die Publikation stellt insgesamt 342 Archive vor, von denen viele bisher nicht erfasst waren.

Foto: PeterFranz/pixelio.de

Ergänzend dazu sind 35 Stiftungsarchive ausführlicher porträtiert, darunter die umfangreiche Sammlung zur Geschichte des Tanzes im Archiv der Stiftung John Neumeier sowie das Musikarchiv von Horst Lippmann und Fritz Rau mit Arbeiten von Benny Goodman und den Rolling Stones.

Als unabhängiger Dachverband vertritt der Bundesverband Deutscher Stiftungen die Interessen der Stiftungen in Deutschland. Der grösste Stiftungsverband in Europa hat über 4000 Mitglieder; über Stiftungsverwaltungen sind ihm mehr als 7000 Stiftungen mitgliedschaftlich verbunden. Damit repräsentiert der Dachverband rund drei Viertel des deutschen Stiftungsvermögens in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro.

Infos:
Bundesverband Deutscher Stiftungen (Hg.): Archive in Stiftungen. Ein Wegweiser. Berlin 2015. 280 Seiten. ISBN 978-3-941368-73-6. Die Publikation ist gedruckt und digital kostenfrei erhältlich.

Erster Basler Orgelspaziergang

Der von konzertierenden Organistinnen und Organisten organisierte Rundgang machte Mitte August auf den spirituellen und künstlerischen Reichtum in vier Kirchen aufmerksam.

Orgelprospekt im Basler Münster. Foto: Eric Schmidt

Der erste Basler Orgelspaziergang versammelte am 15. August 2015 in vier Kirchen der Basler Altstadt jeweils zwischen 110 und 260 Interessierte. Er wurde vom Verein KVOB organisiert: Diese Abkürzung steht für «Konzertveranstaltende OrganistInnen in Basel», die sich 2013 als Verein konstituiert haben, um 2014 ein zweiwöchiges Basler Orgelfestival durchzuführen. Beim Basler Orgelspaziergang handelt es sich nicht etwa nur um eine Nachahmung des Berner oder Zürcher Modells, sondern um den Versuch, in reduziertem Umfang an den grossen Erfolg des Orgelfestivals anzuknüpfen. Beide Veranstaltungsformen – Festival und Spaziergang – sollen in Zukunft regelmässig durchgeführt werden.

Der Orgelspaziergang möchte nicht nur die vielseitige Basler Orgellandschaft erfahren lassen, sondern auch auf den spirituellen und künstlerischen Reichtum der Kirchen aufmerksam machen, er bietet also eine Verbindung von Architektur, Kunst, Musik und Stadtgeschichte. Die Kunsthistorikerin Helene Liebendörfer erläuterte kompetent und kurzweilig Geschichte und Bedeutung der vier Kirchen, die für die erste Ausgabe des Spaziergangs ausgewählt worden waren.

In der Predigerkirche, in der die Gottesdienste der Christkatholischen Gemeinde und viele Veranstaltungen der Schola Cantorum Basiliensis stattfinden, können vier grundverschiedene und höchst charakteristische Orgeln bestaunt werden. Jörg-Andreas Bötticher, musikalischer Hausherr und Professor an der SCB, stellte drei davon vor: Die Schwalbennest-Orgel über dem Lettner, die historische italienische Orgel, für die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Chorraum liefen, so dass sich bereits innerhalb der Kirche ein kleiner Orgelspaziergang ergab, und die 1978 von der Firma Metzler rekonstruierte Silbermann-Orgel, an der Bötticher im Stil der französischen Klassik improvisierte.

Auf der viermanualigen Mathis-Orgel im Münster spielte Münsterorganist Andreas Liebig neben Werken von Johann Sebastian Bach, Max Reger und Charles-Marie Widor auch zwei zeitgenössische Kompositionen: Eine meditative eigene Choralbearbeitung über eine aus Norwegen stammende Melodie sowie – zum 80. Geburtstag des Komponisten – die Chaconne von Aulis Sallinen, ein kontrastreiches Stück, in dem durch prägnante Gesten und ausgedehnte Generalpausen in besonders eindrücklicher Weise die Weite des spätromanischen bzw. gotischen Raums erfahrbar wurde.

Am Nachmittag standen zwei ehemalige Klosterkirchen auf dem Programm, die beide im Lauf ihrer langen Geschichte erheblich verkleinert wurden. In der St.-Alban-Kirche feiert heute die Serbisch-Orthodoxe Gemeinde ihre Gottesdienste. Die 1966 erbaute Metzler-Orgel wird daher nur selten öffentlich gespielt, steht jedoch der Basler Musikschule für Unterrichtszwecke zur Verfügung. Das Instrument wurde in diesem Jahr durch den Basler Orgelbauer Michael Klahre revidiert, wobei der sehr direkte Klangcharakter auf Wunsch der Auftraggeber unangetastet blieb. Nicoleta Paraschivescu spielte die allseits bekannte Toccata und Fuge BWV 565, das von Vivaldi inspirierte Voluntary d-Moll op. 5/8 von John Stanley sowie die Symphonie Concertante von Guillaume Lasceux, einem Zeitgenossen der Französischen Revolution.

In der Basler Waisenhaus- bzw. Kartäuserkirche steht seit 1994 die originalgetreue Kopie einer genau 300 Jahre zuvor von Arp Schnitger für die Hamburger Waisenhauskirche erbauten, später nach Grasberg bei Bremen umgesetzten Orgel. Stilecht und sehr farbig erklangen hier Werke von Samuel Scheidt, Andreas Kneller, Peter Mohrhart, Matthias Weckmann und Dietrich Buxtehude, vorgetragen von Stefan Beltinger.

Am Ende des Orgelspaziergangs durfte Tobias Lindner, der Präsident des Vereins KVOB, zu Recht auf den sehr erfolgreichen Verlauf der Veranstaltung hinweisen und den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, von denen einige aus dem Elsass, aus Baden und aus Bayern angereist waren, für ihr Interesse danken. Bereits jetzt wird an der Vorbereitung des zweiten Basler Orgelspaziergangs gearbeitet, der am 13. August 2016, also wieder am letzten Samstag der Sommerferien, stattfinden soll. Ausserdem wird der Verein KVOB im August und September 2016 wieder ein Basler Orgelfestival durchführen; dabei werden die Orgelwerke des mit Basel sehr verbundenen Max Reger (1873-1916) einen thematischen Schwerpunkt bilden.

Winterthurer Jugendsinfonieorchester auf Mauritius

Auf ihrer dreiwöchigen Tournee erhielten die Mitglieder des Winterthurer Jugendsinfonieorchesters praktischen Einblick in den Berufsmusikeralltag. Neben einer Operette brachten sie Sinfoniekonzerte zu Gehör und musizierten mit Kindern und Jugendlichen aus lokalen Musikschulen.

Die ganze «Orphée»-Truppe. Fotos: zVg

Wie jeden Sommer machte sich das Winterthurer Jugendsinfonieorchester (WJSO) des Konservatoriums auf zu seiner traditionellen Orchestertournee. Dass es dieses Mal auf die Insel Mauritius im Indischen Ozean gehen und die Dauer der Tournee drei Wochen betragen würde, hätten sich aber die wenigsten erträumen können. Für ein lokales Projekt zur Belebung der Musik- und Opernkultur wurde das WJSO unter der Leitung von Simon Wenger Mitte Juli nach Mauritius eingeladen, um den Orchesterpart in der Operette Orphée aux Enfers von Jacques Offenbach zu übernehmen. Wer nun denkt, das Orchester hätte es sich an den atemberaubenden Stränden gemütlich gemacht, hat weit gefehlt. Sechs Aufführungen der Operette standen auf dem Programm, ebenso ein zusätzliches sinfonisches Programm mit drei Konzerten, sowie tägliche Probenarbeit.

Die Inszenierung des Orphée – dessen bekanntestes Stück zweifelsohne der Can-Can in der Unterwelt ist – wies dabei multikulturellen Charakter auf. Der Chor setzte sich aus lokalen Sängerinnen und Sängern zusammen, die Solisten stammten aus Neuseeland, Deutschland und Mauritius, der Dirigent Martin Wettges reiste von Deutschland an, und das Schweizer Orchester machte sich auf den Weg in das 9000 Kilometer entfernte Mauritius. Solche Projekte bieten für junge Musiker eine ausgezeichnete Möglichkeit, Einblick in den zukünftigen Alltag eines Profimusikers zu erhalten, spielte man doch täglich manchmal mehr als sieben Stunden. Auch der turbulente Opernbetrieb – vom ersten Zusammentreffen mit dem Chor, dem Einstudieren der Solistenpartien, der Einbettung in die Dramaturgie bis zu den Aufführungen selbst – war sowohl herausfordernd wie auch beindruckend.

Image
Das Winterthurer Jugendsinfonieorchester spielt Beethoven auf Mauritius

Da in Mauritius klassische Sinfoniekonzerte eine Seltenheit sind, entschied sich das WJSO, neben der Musik zur Operette zudem mit einem Sinfonieprogramm im Gepäck anzureisen. So wurden an den theaterfreien Abenden Beethovens Sinfonie Nr. 1, die Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate mit dem virtuosen jungen Berner Violinisten Danilo Oliviera als Solisten, und die Suite über sechs schweizerische Volkslieder des Schweizer Komponisten Rolf Liebermann aufgeführt. Für die Bevölkerung aus Mauritius waren diese Aufführungen ein besonderes Highlight, die Konzerte wurden zahlreich besucht und die Kritiken danach waren begeistert.

Image
In der Musikschule Vent d’un rêve

Eine aussergewöhnliche Erfahrung war der Austausch mit den lokalen Musikschulen in Mauritius. Für ein einmaliges Konzert wurde beispielsweise das Jugendorchester des Conservatoire François Mitterand mit dem WJSO zusammengelegt, wodurch ein 80-köpfiges Orchester entstand. In dieser Besetzung wurde sowohl ein Stück eines jungen Komponisten aus Mauritius sowie als krönender Abschluss die Polovtsian Dances des russischen Komponisten Alexander Borodin gespielt. Ebenso durften einige Orchestermitglieder aus Winterthur die private Musikschule Vent d’un rêve für Kinder aus armen Verhältnissen besuchen, wo die Musikerinnen und Musiker ihre Instrumente vorstellten und einige Stücke vorspielten. Für die Kinder, welche viele Instrumente nur von Bildern kannten und beispielsweise nie eine Oboe in echt gesehen hatten, war dieser Besuch etwas Aussergewöhnliches. Aber auch die Mitglieder des WJSO wurden sich an diesem eindrücklichen Nachmittag bewusst, wie glücklich sie sich schätzen konnten, in einem derart die klassische Musik fördernden und pflegenden Land wie der Schweiz leben und studieren zu dürfen.

Trotz des strengen Programms gab es aber auch Zeit, die traumhaften Strände und die eindrückliche Landschaft der Insel geniessen zu können. So wurden verschiedene Exkursionen angeboten – sei es ein Ausflug mit einem Katamaran zum Delphine-Beobachten, Schnorcheln, Baden und zu Barbecue, sei es ein Besuch in einem botanischen Garten oder eine Wanderung in einem der grossen Nationalparks der Insel –, um die Köpfe der Musikerinnen und Musiker vom Probe- und Aufführungsstress zu entlasten. Gerade aber der persönliche Kontakt mit den Menschen von Mauritius selbst führte zu wunderschönen und bleibenden Erlebnissen. So waren alle Musikerinnen und Musiker bei lokalen Gastfamilien untergebracht, nach dem ersten Kennenlernen mit den Mitgliedern des Operettenchors traf man sich am Strand oder in einer Bar und genoss die kurze Zeit, die man zusammen verbringen konnte. Zweifelsohne, jeder und jede, seien es die Musikerinnen und Musiker aus der Schweiz oder die Beteiligten aus Mauritius selbst, konnten unbeschreibliche Erfahrungen und Erlebnisse sammeln. Bleibt zu hoffen, dass diese Zeit – «the Mauritian experience» – bei allen noch lange nachklingen wird.

Ein Musik-Konzept für das Haus Sonnenberg

Eine Jury hat für die künftige Nutzung des Hauses Sonnenberg in Zürich das Konzept «Cantaleum Zürich» von Maja Coradi und Konrad von Aarburg ausgewählt. Ab Juli 2017 soll die städtische Liegenschaft in Hottingen als zweisprachige Tagesschule mit Schwerpunkt Musik für 4- bis 16-Jährige genutzt werden.

Foto: Stadt Zürich

Das Konzept konnte die Jury ─ bestehend aus drei stadtinternen und zwei externen Jurymitgliedern ─ laut einer Medienmitteilung der Stadt am meisten überzeugen. Die Einmaligkeit des Angebots und dass das Haus wieder von Kindern genutzt wird, habe der Jury besonders gefallen.

Es sei vorgesehen, dass im Haus Sonnenberg sowohl Konzerte von den Zürcher Sängerknaben als auch Schulkonzerte des Mädchenchors oder von Instrumentalensembles durchgeführt werden. Damit wird das Gebäude auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. «Cantaleum Zürich» füge sich zudem gut ins denkmalgeschützte Gebäude ein; die neue Nutzung mache nur wenige bauliche Anpassungen nötig.

Das Ziel der privat geführten Schule ist «eine qualitativ hochstehende und kindgerechte schulische und musikalische Förderung für 4- bis 16-Jährige». Die Grundlage bildet der Lehrplan des Kantons Zürich. Die Schule soll zweisprachig (Deutsch und Englisch) geführt und als Ganztagesschule organisiert werden. Sie wird für 50 bis 120 Schülerinnen und Schüler konzipiert.

Das Haus Sonnenberg wurde 1911 als Waisenhaus errichtet und bis 2015 von der Stiftung Zürcher Kinder- und Jugendheime (zkj) genutzt. Die Stadt schrieb die neue Nutzung und den Betrieb im November 2014 aus. Bis im März 2015 wurden fünf Gesuche eingereicht. Ziel der Ausschreibung war, eine selbsttragende, langfristige Nutzung mitsamt Betreiberin oder Betreiber für das ganze Haus Sonnenberg zu finden.
 

Rihm wird Leiter der Lucerne Festival Academy

Ab Sommer 2016 übernimmt der Komponist Wolfgang Rihm als Nachfolger von Pierre Boulez die künstlerische Gesamtleitung der Lucerne Festival Academy. Matthias Pintscher wird als Principal Conductor amten.

Matthias Pintscher und Wolfgang Rihm in Luzern 2015. Foto ©: felixbroede, Lucerne Festival

Beide Verträge seine auf fünf Jahre angelegt, schreibt Lucerne Festival. Pierre Boulez, der Gründer der Academy, werde als Ehrenpräsident mit Wolfgang Rihm, Matthias Pintscher und dem Festivalteam im engen Austausch stehen. Die Lucerne Festival Academy dient seit zwölf Jahren als Ausbildungscampus im Bereich der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Sie bietet Weiterbildung für rund 120 Instrumentalisten im Alter von 18 bis 32 Jahren sowie für junge Dirigenten und Komponisten. Matthias Pintscher hat in diesem Sommer bereits zum dritten Mal als Dozent und Dirigent die Akademie mitgeprägt, unter anderem am «Tag für Pierre Boulez».

Mit dem Leitungswechsel gehen auch Modifikationen im Programm einher: Mit einem neuen Kompositions-Seminar soll es ab 2016 eine Werkstätte geben, in der junge Kom­ponisten ihre Werke mit internationalen jungen Musikern direkt erarbeiten können. Auf diese Weise erhält die Förderung von Komponisten zukünftig einen zusätzlichen Schwerpunkt in der Akademie.

Bereits in diesem Jahr hatte Wolfgang Rihm die künstlerische Leitung der Roche Young Commissions übernommen: Zwei junge Komponisten erhalten Werkaufträge, die im Rahmen der Akademie in einem Zeitraum von zwei Jahren erarbeitet und während des Sommerfestivals zur Uraufführung gebracht werden. Darüber hinaus sind nach wie vor Meisterkurse für Dirigenten und Ensembles als feste Bestandteile der Akademie geplant.

Principal Conductor Matthias Pintscher und das Akademie-Orchester erarbeiten im Sommer 2016 Strawinskys Feuervogel, Mark Andres «hij 1» und György Ligetis «San Francisco Polyphony» und präsentieren die Werke in einem abschliessenden Konzert.

Pintscher leitet darüber hinaus das Ensemble intercontemporain im Eröffnungskonzert der Akademie. Ausserdem sind auch die Finnin Susanna Mälkki und der Amerikaner Alan Gilbert als Dirigenten des Akademie-Orchesters präsent. Der Schlagzeuger Martin Grubinger und die Geigerin Anne-Sophie Mutter treten zudem als Solisten mit dem Orchester der Akademie auf.

Milano Malpensa als Bühne für eine Donizetti-Oper

Was in der Schweiz recht war, ist Mailand billig: Für einen Abend wird der Flughafen Malpensa zur Opernbühne – für Donizettis L‘elisir d‘amore. Das Scala-Ensemble um den Dirigenten Fabio Luisi wird am 17. September Donizettis Oper inmitten des Flughafenbetriebes aufzuführen.

Der Flughafen als Kulisse für eine Liebesgeschichte. Foto: Luca Volpi, wikimedia commons

In Malpensa flirten Adina und Nemorino (gesungen von Vittorio Grigolo), im Flughafenrestaurant Rossopomodoro. Für einen Abend ist Adina die Besitzerin und Nemorino dort Kellner. Dulcamara wird eingeflogen, mit etwas Glück sieht man ihn mit seinem eigenen Flugzeug landen. Der Chor bewegt sich zwischen Restaurant, Sky-Lounge und Sicherheitspforte. Die Moderatoren Annette Gerlach und Neri Marcorè werden die Aufführung begleiten.

Die Aufführung ist auf dem Kultursender Arte Concert am selben Tag zu erleben. Zusätzlich steht die neue Technik 360° zur Verfügung, die schon ab Anfang September zum Rundumblick nach Mailand, an die Scala und den Flughafen einlädt. Ein sehr aufwändig produziertes 360°-Video wird gut zwei Wochen nach der Aufführungen den Zuschauer ein Best Of des Opern-Events zeigen.

Vergleichbare Produktionen hat das Schweizer Fernsehen (unter anderem auch mit Vittorio Grigolo) vor einigen Jahren bereits im Zürcher Hauptbahnhof, in einem Berner Aussenquartier und im Zentrum Basels realisiert.
 

Konzert mit Preisträgern aus vier Jahrzehnten

Der Schweizerische Jugendmusikwettbewerb feiert sein 40-jähriges Bestehen am 13. September mit einer Matinee in der Tonhalle Zürich.

SJMW

Vor vierzig Jahren rief Gerd Albrecht, der damalige Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich, den Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb (SJMW) ins Leben. Dieses Ereignis wird am 13. September mit einer Matinee um 11 Uhr im kleinen Saal der Tonhalle Zürich gefeiert. Zu hören sein werden Preisträgerinnen und Preisträger aus vier Jahrzehnten. Die Klassik zum Klingen bringen Fabio di Càsola, Thomas Grossenbacher, Benjamin Engeli, Anne-Laure Pantillon, Salomo Schweizer, Nathalie Blaser, Florian Abächerli, das Bazar Quartet und Jean-Sélim Abdelmoula. Jazzig wird es mit Tapiwa Svosve und Leandro Irarragorri und im Foyer schliesslich gibt es Rock & Pop mit der Band «The Pixel».

Dazwischen sprechen Andreas Wegelin, Präsident der Stiftung SJMW, André Helfenstein, der die Hauptpartnerin Credit Suisse vertritt und Bobby Keller, Ehrenpräsidenten der Stiftung SJMW. Und zum Schluss, um 13 Uhr, wird mit einem Apéro auf das Jubiläum angestossen.

Radio SRF 2 Kultur wird den Bericht von Andreas Müller-Crepon über diese Jubiläumsmatinee am 22. Oktober zwischen 20 Uhr und 22 Uhr senden.

Konzertmatinee

Sonntag, 13. September 2015, 11 Uhr
Tonhalle Zürich, Kleiner Saal

Kartenverkauf: Billetkasse der Tonhalle-Gesellschaft Zürich
www.tonhalle-orchester.ch

Eintritt frei für Zuhörerinnen und Zuhörer bis 20 Jahre

Mehr Veranstaltungstage fürs Basel Tattoo

Das Basler Militärmusikfestival Basel Tattoo erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Dem trägt auch der Regierungsrat Rechnung: Er hat für die kommenden zwei Jahre je zwei zusätzliche Veranstaltungstage für das Treffen der Bläser und Trommler aus aller Welt bewilligt.

Basel Tattoo 2012 Foto: zvg

In den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass die Publikumsnachfrage nach den sechs Nachmittagsvorstellungen des Basel Tattoo immer kleiner wurde, da diese im Gegensatz zu den Abendvorstellungen als weniger attraktiv angesehen werden, schreibt der Kanton Basel-Stadt. Nun soll das Veranstaltungskonzept optimiert werden, ohne das Quartier, respektive die Anwohnerschaft zusätzlich zu belasten, wie der Kanton beteuert.

Der Regierungsrat hat dem Wunsch der Veranstalter nach je zwei zusätzlichen Veranstaltungstagen in den Jahren 2016 und 2017 entsprochen. Im Gegenzug wurde die Anzahl der Nachmittagsvorstellungen von sechs auf drei reduziert, so dass insgesamt ein um eine Vorstellung reduziertes Programm resultiert. Vorgesehen sind insgesamt maximal elf Abendveranstaltungen (bisher neun). Die bisher sechs Nachmittagsvorstellungen werden um drei reduziert. Eine der verbleibenden drei Vorstellungen an einem Sonntagnachmittag soll dabei speziell auf Kinder ausgerichtet werden.

Das Basel Tattoo ist mit seinen gegen 120‘000 Besucherinnen und Besuchern und insgesamt 1000 Mitwirkenden aus allen fünf Kontinenten das bedeutenste Openair-Festival Basels. Es gilt mittlerweile als zweitgrösstes Tattoo weltweit.
 

Dmitry Smirnov gewinnt Varga-Wettbewerb 2015

Der russische Geiger Dmitry Smirnov hat in Sion den diesjährigen Concours international de violon Tibor Varga 2015 für sich entschieden. Zweite Preisträgerin ist die Koreanerin Ji Won Song, dritte die Deutsche Yuliia Van.

Foto: Céline Ribordy/agencedeconcerts.ch.

Smirnov ist auch der Publikumspreis zugesprochen worden. Der Russe überzeugte Jury und Publikum mit den Wiedergaben der kniffligen Komposition «Le mani del violonista» von Hugues Dufourt sowie dem zweiten Violinkonzert von Dimitri Shostakovitch.

Yuliia Van hat auch den Young Jurors Award entgegennehmen können. Dmitry Smirnov zudem den Best Compulsory Piece Award. Die Jury setzte sich zusammen aus Enzo Restagno (Präsident), Hugues Dufourt, Dong-Suk Kang, Tsugio Tokunaga, Raimund Trenkler (anstelle von Natalia Gutman, die aus gesundheitlichen Gründen absagen musste), Pavel Vernikov und Milan Vitek.

Der 1994 in St. Petersburg geborene Dmitry Smirnov ist Schüler von Elena Zajtseva am Konservatorium Rimsky-Korsakov seiner Geburtsstadt. Seit September 2011 studiert er an der Musikhochschule von Lausanne. 2007 debütierte er in der New Yorker Carnegie Hall.

 

Daria Korotkova ausgezeichnet

Das Valiant Forum ist seit Jahren ein fester Bestandteil des Festivals Murten Classics. Erstmals wurde es dieses Jahr als Solistenwettbewerb für junge Pianistinnen und Pianisten durchgeführt. Die Siegerin dieser Premiere ist die Russin Daria Korotkova.

Foto: Valiant Bank AG

Daria Korotkova, Studentin an der Hochschule der Künste Bern, hat sich an einer internen Vorausscheidung und an zwei öffentlichen Wettbewerbsrunden für das Finalkonzert im Schlosshof von Murten qualifiziert und die Jury überzeugt. An der anschliessenden Siegerehrung durfte sie den ersten Preis, ein Solistenkonzert am Festival Murten Classics 2016 und eine Preissumme von 2000 Franken entgegennehmen. Der zweite Preis ging an Nataliia Shaposhnyk aus der Ukraine, der dritte an Shintaro Kawahara aus Japan.

Wie die Veranstalter mitteilen, machten 29 Pianistinnen und Pianisten am Valiant Forum Piano 2015 mit. Zugelassen waren Schweizer Staatsbürger oder Ausländer, die an einer Schweizer Hochschule eingeschrieben sind. Die Förderung von jungen Musikerinnen und Musikern ist ein wichtiges Ziel des Festivals Murten Classics. In Zusammenarbeit mit der Valiant Bank traten am Valiant Forum bisher Jugendorchester und Jugendchöre auf. Dieses Jahr fand nun erstmals ein Wettbewerb für junge Pianistinnen und Pianisten statt.

www.murtenclassics.ch

Künstlerhaus Boswil wird ausgebaut

Die Stiftung Künstlerhaus Boswil plant den Anbau eines Foyers an die Alte Kirche und den Ausbau des ehemaligen Sigristenhauses zu einem zeitgemässen Kurszentrum. Der Regierungsrat spricht dafür 3 Millionen Franken aus dem Swisslos-Fonds.

Foto: Voyager, wikimedia commons

Nach 45 Jahren seien beim Künstlerhaus Boswil bauliche Anpassung notwendig geworden, schreibt der Kanton Aargau. Die Stiftung plant denn auch den Bau eines Kirchenfoyers, um dem Publikum bei schlechter Witterung zeitgemässe Besuchereinrichtungen (inklusive sanitäre Anlagen) zu bieten. Der Umbau des historischen Boswiler Sigristenhauses aus dem Jahr 1675 sieht die Einrichtung von zwei Proberäumen und Musikstudios, Büros, Magazin- und Archivräumen sowie fünf Gästezimmern vor. 

Mit dem Beitrag aus dem Swisslos-Fonds unterstützt der Regierungsrat des Kantons Aargau das Engagement von Privatpersonen und Stiftungen, welche die Modernisierung massgeblich mitfinanzieren: Durch Eigenmittel, Stiftungen und Private sind bereits rund 2.5 Millionen zusammengekommen. Das bisher genutzte Atelierhaus wird an die Ortsbürgergemeinde Boswil für die Einrichtung eines Dorfmuseums verkauft.
 

Impulsbeiträge an Berner Kulturbetriebe

Am 1. Kulturtag des Kantons Bern im Volkshaus Biel stand das Thema «Kulturelle Teilhabe» im Zentrum. In diesem Rahmen sind auch «Impulsbeiträge» vogestellt worden, die als Förderakzent 2015 Kulturbetriebe in den Regionen punktuell unterstützen sollen.

Bieler Volkshaus. Foto: kaf1, wikimedia commons

Das Bedürfnis nach punktueller Unterstützung bei der strukturellen Entwicklung war in den Kulturdialogen des Kantons Bern von 2013/14 von verschiedener Seite geäussert worden. Mit der Lancierung des Förderakzents 2015 «Impulsbeiträge» nimmt es das Berner Amt für Kultur auf. Kulturbetriebe haben bis am 14. Dezember 2015 Zeit, ihre strukturellen oder strategischen Vorhaben einzugeben.

Die Auswahl der Siegerprojekte sowie die Höhe der jeweiligen Impulsbeiträge bestimmt eine fachlich breit abgestützte Jury. Zur Stärkung der kulturellen Vielfalt im Kanton werden Impulsprojekte von Kulturbetrieben ausserhalb der städtischen Zentren bevorzugt.

Mit dem Kulturtag des Kantons Bern hat die Erziehungsdirektion den Kulturdialog weitergeführt, der in den vergangenen Jahren in allen Regionen durchgeführt worden ist. Der regelmässige Austausch von Politik und Verwaltung mit den Kulturschaffenden, Kulturinstitutionen und Kulturinteressierten folge «der Überzeugung, dass in der Kulturpolitik nur in einem gemeinsamen Prozess die richtigen Schwerpunkte gesetzt werden können», schreibt der Kanton. Über 200 Personen aus dem ganzen Kulturspektrum hätten die Einladung angenommen und im Volkshaus Biel über die Weiterentwicklung der Kulturpolitik diskutiert.
 

Rehabilitation einer Epoche

Die dritten Festtage Alter Musik in Basel zeichneten ein differenziertes Bild der Jahrzehnte zwischen Barock und Klassik.

«Die Schöpfung» – Schlusspunkt unter René Jacobs. Foto: Susanna Drescher

Mit Joseph Haydns Schöpfung in einer mitreissenden Aufführung unter René Jacobs gingen Ende August die dritten Festtage Alter Musik in Basel zu Ende. Begonnen hatten sie acht Tage zuvor mit J. S. Bachs Erstem Brandenburgischem Konzert mit den Ensembles Café Zimmermann und Ripieni Festivi. Bach und Haydn waren auch inhaltlich die Eckpunkte des Festivals, das sich in zahlreichen Konzerten, mit Vorträgen und Stadtführungen den Jahrzehnten zwischen Barock und Wiener Klassik widmete.

Peter Reidemeister, der frühere, langjährige Direktor der Schola Cantorum Basiliensis (SCB), hatte bereits zum dritten Mal als Künstlerischer Leiter zusammen mit dem tatkräftigen Unternehmer Renato Pessi die Festtage organisiert und klug und kenntnisreich ein qualitativ herausragendes Programm zusammengestellt. Getragen wurde es vom Verein zur Förderung von Basler Absolventen auf dem Gebiet der Alten Musik. Finanziert wurde es zu rund einem Drittel von der öffentlichen Hand, zu zwei Dritteln von Stiftungen und privaten Sponsoren.

Image
Eröffnungskonzert mit Café Zimmermann und Ripieni Festivi. Foto: Susanna Drescher

Reidemeister hatte die drei Ausgaben der Festtage als Trilogie der musikalischen Übergangszeiten konzipiert und dabei immer auch auf Basel bezogen. So waren beim ersten Festival 2011 die Musik des Basler Konzils und der Übergang vom Mittelalter zur Renaissance Thema. Zwei Jahre später zeigte er das Nebeneinander von traditioneller Polyphonie und «moderner» Monodie um 1600. Unter dem Titel Vom Barock zur Klassik leuchtete er nun in eine lange vernachlässigte Epoche. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich das Interesse von Wissenschaftlern und Musikern dieser aufregenden, an inneren Widersprüchen reichen Zeit zugewandt, in der neben dem «galanten» Stil des Rokoko die kühnen harmonischen und formalen Experimente der Bach-Söhne und anderer Stürmer-und-Dränger und die schlichteren, innigeren Töne der Empfindsamkeit standen, in der bestehende Gattungen, wie die Oper, reformiert wurden und neue, das Streichquartett und das Melodrama etwa, entstanden.

Dass dieser Wandel kein Bruch war, dass das Alte neben dem Neuen weiterlebte, betonte Reidemeister im Gespräch. Zu erleben war es in einem Konzert des Quatuor Mosaïques mit Streichquartetten von Matthias Georg Monn, Haydn und Ludwig van Beethoven, die Fugen enthalten, und so die barocke Form par excellence in die neue Gattung integrieren. Die vier Musiker spielten hochdifferenziert und mit grosser Intensität; besonders packte die subtile Ausgestaltung des Capriccio aus Haydns C Dur-Quartett 20/2.

Einen weiteren Höhepunkt setzten das Freiburger Barockorchester und der Cembalist Andreas Staier mit leuchtkräftigen Aufführungen von Suiten und Concerti; neben einander gesetzte Werke von Vater Johann Sebastian und Sohn Carl Philipp Emanuel Bach machten den Stilwandel unmittelbar deutlich. Dem Clavichord, einem Lieblingsinstrument der Epoche, war ein Konzert mit dem frei improvisierenden Tastenmusiker Dirk Börner und der Rezitatorin Roswitha Schilling gewidmet.

Selbst die Oper fehlte nicht im vielfältigen Programm: Unter der Leitung von Daniela Dolci führte das Basler Barockensemble Musica fiorita mit handverlesenen Sängern Domenico Cimarosas Buffa L’Impresario in angustie auf, leichtfüssig und mit viel Witz. Eine Zeitreise war die Aufführung des Melodramas Ariadne auf Naxos von Georg Benda, eines Theaterhits seiner Zeit. Sigrid T’Hooft, Spezialistin für historische Bühnenpraxis, hatte es im Stil der Epoche, mit mehr musikalischer als psychologisch-realistischer Deklamation und ausufernder barocker Gestik inszeniert. Franziska Ernst als Ariadne und Meinhardt Möbius als Theseus waren nicht nur ausgezeichnete Sprecher, sondern hatten auch die Gebärdensprache so verinnerlicht, dass sie in ihrer eleganten Umsetzung nichts Unnatürliches hatte.

In einer Reihe von Mittagskonzerten stellten sich begabte Absolventen der Schola Cantorum vor. Die Geigerin Plamena Nikitassova brillierte in hochvirtuosen Sonaten des Genfers Gaspard Fritz und die Harfenistin Giovanna Pessi spielte weich und beseelt Musik des Böhmen Johann Baptist Krumpholtz, die schon weit in die Romantik vorausweist.

Image
«Ariadne auf Naxos» mit Franziska Ernst und Meinhardt Möbius. Foto: Susanna Drescher

Ein besonderes Augenmerk galt dem Basler Musikleben des 18. Jahrhunderts. Im Zentrum stand die leider nur noch zu einem Drittel erhaltene Musikaliensammlung des Kaufmanns Lucas Sarasin (1730 -1802), in dessen barockem Stadtpalais, dem «Blauen Haus» am Rheinsprung regelmässig Konzerte stattfanden, bei denen er selber mitwirkte. Einiges davon war im Konzert zu hören. Und die diesjährige, beim Label ARS Produktionen erschienene Festival-CD Zu Gast im Blauen Haus mit dem jungen, an der Schola Cantorum entstandenen Ensemble Der musikalische Garten bringt Musik aus Sarasins Sammlung.

Mit dem Ende seiner Trilogie trat Reidemeister als Künstlerischer Leiter zurück. Damit ist die weitere Existenz des Festivals ungewiss. Pessi ist glücklicherweise bereit die Reihe – wohl in kleinerem Umfang – weiterzuführen und steht in Kontakt mit möglichen Nachfolgern.

Details zum Festival
festtage-basel.ch

Exotica statt Liebe

«Seismographic Sounds – Visionen einer neuen Welt» vermengt im Aarauer Forum Schlossplatz pointierte und kontroverse Musikvideos und Soundkunst aus 50 Ländern zu einer spannenden Vision.

Hör- und Sehröhre. Fotos: norient.com

«Seismographic Sounds – Visionen einer neuen Welt» nennt sich die Ausstellung im Aarauer Forum Schlossplatz. Sie macht ihrem Titel bereits hinter der ersten Türe alle Ehre: Wer diese öffnet, sieht sich einer fast zwei Meter breiten LED-Wand gegenüber, auf der Szenen aus Afrika, Surfboard-Sequenzen oder küssende Lippen sich in rascher Abfolge – und durchaus lautstark – die Hand geben. Es ist ein erster Blick hinter die Kulissen des aktuellen globalen Musikschaffens.

Titelbild der Ausstellung.

Entstanden ist der Gedanke zu «Seismographic Sounds» vor rund anderthalb Jahren, auf Anregung von Anna Bürkli, Co-Kuratorin des Solothurner Künstlerhauses S11. Dort hätte die Ausstellung ursprünglich auch Vernissage feiern sollen, doch: «Die Idee ist immer weiter gewachsen und benötigte bald mehr Platz, als das S11 bieten konnte», sagt Thomas Burkhalter, der die Schau gemeinsam mit Theresa Beyer und Hannes Liechti entwickelt hat – in Zusammenarbeit mit ihrem internationalen Netzwerk Norient.

Im Mittelpunkt der Ausstellung auf gut 200 Quadratmetern stehen pointierte, schrille und kontroverse Musikvideos, Tracks und Soundkunst aus über 50 Ländern. Es seien wagemutige Werke, die abseits gängiger gesellschaftlicher Normen entstanden seien, erläutert Burkhalter. «Das Ergebnis ist eine Mischung aus unserer Sichtweise und jener von 250 Journalisten, Bloggerinnen oder Wissenschaftlern.» Nach und nach hätte man immer mehr Material aus so verschiedenen Ländern wie Bolivien, Israel oder Ghana zugesandt erhalten, mitunter gar ungefragt. Die Qualität des Eingereichten sei erstaunlich hoch gewesen, sagt Burkhalter und Beyer ergänzt: «Das Projekt bestätigte unser Gefühl, dass es auf der ganzen Welt unzählige Musikerinnen und Musiker gibt, die sich mit viel Wissen und grosser Dringlichkeit in neuen künstlerischen Formaten ausdrücken.»

Damit «Seismographic Sounds» entstehen konnte, sei es für die Macher nötig gewesen, bis an die persönlichen Grenzen zu gehen und die Rollen als Projektleiter, Kuratoren, Fundraiser und Redaktoren in sich zu vereinen. «Bis zu 100 Mails täglich waren die Norm», erinnert sich Beyer. Bemühungen, die fruchteten und einer Collage gleichkommen, die unter der Oberfläche schürft und neue Tendenzen in der Musik aufzeigt. «Es gilt etwa vom Bild wegzukommen, dass afrikanische Künstler unbedingt auf den angloamerikanischen Markt vorstossen wollen», betont Burkhalter. Heutzutage sei es für viele Musiker mitunter lukrativer, sich in der Heimat durchzusetzen.

Audiovisuelle Gesamtkomposition

Anhand der sechs Themen Money, Loneliness, Desire, Exotica, War und Belonging haben die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, die Ausstellung als audiovisuelle Gesamtkomposition zu erfahren. Laut Beyer hätten sich diese thematischen Schlaglichter beim Begutachten der rund 2000 Clips herauskristallisiert. Dass das Motiv der romantischen Liebe weniger häufig als die genannten fiel, hat die beiden Kuratoren allerdings selbst überrascht.

Würde man sich jeden Schnipsel von «Seismographic Sounds» zu Gemüte führen, dann würde es rund acht Stunden in Anspruch nehmen, bis alles gesehen und gehört ist. Eine Fülle, die dem Besucher ein ausführliches Eintauchen erlaubt. In mehreren Kinoboxen, die für eine Handvoll Zuschauer Platz bieten, lassen sich Videos wie jenes von Bad Copy verfolgen. Die Serben verschmelzen harten Rap mit Bildern, die bürgerkriegsgeplagte Kinder mit dicken Knarren und harten Gesichtern zeigen. Nicht ganz so offensichtlich um Waffenkämpfe dreht sich «La Bala» von Los Tigres Del Norte aus Mexiko. Deren Clip beginnt familiär, endet aber im Bandentod. Leichtgewichtigeres offeriert «Allblackblackkat» des Südafrikaners Simiso Zwane, der mystische Bilder aus einem Swimmingpool hochsteigen lässt.

Während man in der Lounge verschiedenen Audiocollagen und Mixtapes wie «Aarau in den 80er-Jahren» lauschen kann, bieten zahlreiche Podcasts vertiefte Einblicke in den Alltag von Musikern abseits des Mainstreams. So erzählt die israelische Klangkünstlerin Meira Asher von ihrer musikalischen Auseinandersetzung mit der Militarisierung ihres Landes. Eine Hörstation nebenan beklagt sich die indonesische Hardrock-Band Burgerkill: «Für Künstler ist es bei uns schwierig, ein Auskommen zu finden.» Ein Statement, das in verschiedenen Formen immer wieder auftaucht. Noch häufiger wird man aber mit der Haltung konfrontiert, dass alles unternommen wird, um weiterhin mit seinen Liedern in der Öffentlichkeit präsent zu sein.

Die Schau, zu der auch ein gleichnamiges Buch publiziert wurde, verdeutlicht, wie unterschiedlich und zugleich ähnlich sich die verschiedenen Musikszenen auf unserem Globus sind. Mit «Seismographic Sounds» wird insbesondere die Lust geweckt, sich auf Entdeckungsreise nach neuen Klängen und Eindrücken zu begeben – und zwar sowohl innerhalb, als auch ausserhalb der Ausstellung.

Image
Indonesische Hardrock-Band Burgerkill

«Seismographic Sounds – Visionen einer neuen Welt», Forum Schlossplatz, Aarau.
Bis 20. September.

www.forumschlossplatz.ch
www.norient.com

Weitere Daten
1. Oktober bis 29. Dezember 2015
Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) Karlsruhe (Deutschland)

29. Januar 2016 bis 28. Februar 2016
Club Transmediale Festival (CTM) Berlin (Deutschland)

Januar 2017
Kornhausforum Bern (Schweiz)

Ein Festival für die Querflöte

Das internationale Flötencamp Falaut hat diesen Sommer 250 Flötisten und andere Musiker nach Salerno gelockt. Es gilt als wichtiger Treffpunkt für Künstler und Dozenten aus aller Welt.

Foto: zVg

Die Amalfiküste, so schwärmen Reiseführer zu Recht, gilt als eine der schönsten Küsten der Welt. Nirgendwo wird man atemberaubendere Aussichten finden. Seit jeher reisen Künstler dahin und finden Inspiration für ihre Werke. Die italienische Flötengesellschaft unter der künstlerischen Leitung von Salvatore Lombardi organisierte vom 2. bis 8. August auf dem Campus der Universität Salerno den musikalischen Grossanlass. Die launige Worterfindung «falaut» ist eine spielerische Zusammensetzung von Flöte und einigen Silben der Solmisation, die auf Guido von Arezzo zurückgeht.

Gespräche anregen
Einer der Kerngedanken des Festivals ist, namhafte Künstler des Fachs einzuladen, um in abwechslungsreichen Programmen mit den Kursteilnehmern zu musizieren und auch den Nachwuchs einzubinden. Dieses Jahr kamen die Schüler, Studenten, Lehrer und Dozenten u.a. aus Russland, China, Korea, Japan, USA, Spanien, Italien, Polen, Dänemark, Norwegen und der Schweiz. Das Programm zeigt, wie flexibel das Instrument und wie umfangreich das Repertoire ist. Es gibt Jazz und Zeitgenössisches, Musik vom Barock bis zur Romantik. Ausserdem wurden auch einige Kurse für Gitarre, Harfe, Violine und Kontrabass angeboten. Anregungen gab es für jedermann, vom Hobby-Flötisten bis zum Semi-Profi und Profi. Ein wesentliches Ziel der Flötengesellschaft ist es, möglichst viele Interessierte miteinander ins Gespräch zu bringen.

Persönliche Dozenten
Dieses Sommercamp hat ein interessantes Konzept: Bei der Anmeldung wird ein persönlicher Dozent ausgewählt. Er ist während der ganzen Woche die erste Ansprechperson. Bei ihm erhält man Unterricht, der von den Dozenten ganz unterschiedlich gestaltet wird. Einige Lehrerpersonen stehen den Schülern den ganzen Tag zur Verfügung, andere haben Einzel- und Klassenlektionen über den Tag verteilt oder konzentriert. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, alle Klassen zu besuchen und zuzuhören. Bei Nachfrage sind auch Einzelstunden bei anderen Lehrern möglich.
Ein weiteres Angebot sind drei öffentliche Meisterklassen pro Tag. Die Dozenten unterrichten in einem grossen Hörsaal vor dem interessierten Publikum. Die Themen sind meist frei gewählt. Manchmal werden aber auch Spezialgebiete behandelt wie Piccolo, Alexander-Technik, Orchesterstellen usw. So zirkuliert man den ganzen Tag umher und wählt das aus, was am meisten interessiert. Ausserdem präsentieren die zahlreichen Dozenten ihr eindrückliches Können an Konzerten über Mittag und am Abend. Das Niveau war meistens schwindelerregend hoch.

Leidenschaft als Schlüssel zum Erfolg
Wie man sich vorstellen kann, kommt da eine geballte Ladung an Wissen, Erfahrung und Kompetenz zusammen. Dabei ist die Atmosphäre entspannt und freundlich. Am ersten Kurs-Tag herrschte noch allgemeine Verwirrung, wer sich wo befindet. Auch konnte man sich leicht auf dem grossen Gelände der Universität verirren. So schloss man sich einer Gruppe von Leuten an und beinahe von Wunderhand tauchten Studenten und Lehrer am richtigen Ort auf. Ehe man sichs versah, flötete, geigte und zupfte es aus allen Zimmern. Ein Programmheft mit allen notwendigen Informationen zum Ablauf des Festivals wurde am Nachmittag des ersten Tages verteilt. Von da an herrschte Ordnung und Übersicht. Eine organisatorische Meisterleistung.

Das Sommercamp, wie es sich heute präsentiert, ist langsam gewachsen. Begonnen hat alles vor 10 Jahren mit einem normalen Sommerkurs. Die Lokalität hat immer gewechselt, aber stets fand er in der Umgebung von Salerno statt. Langsam wuchs der Anlass zur heutigen Grösse. Letztes Jahr wurde er erstmals an der Universität von Salerno durchgeführt. 70 Flötisten sind angereist. Dieses Jahr waren es bereits 200 Flötisten und 50 andere Instrumentalmusiker. Davon waren 40% Ausländer. Ein weltweites Netzwerk wird so unterhalten und vergrössert. Die Feedbacks waren durchwegs positiv. Festivalorganisator Salvatore Lombardi ist überzeugt: Der Schlüssel zum Erfolg beim Flötenspiel heisst Leidenschaft.

www.falaut.it

get_footer();