Aus für Bieler Sinfonieorchester?

Die Stadt Biel muss sparen. Einer der Vorschläge des Gemeindrates zuhanden des Stadtrates für die Zeit nach 2017 sieht einen Verzicht auf das Sinfonie Orchester Biel Solothurn vor. Seine Aufgaben sollen Projektorchester übernehmen.

Foto: Sabine Burger

Mit einem Projektorchester mit wechselnden Musikerinnen und Musikern, die projektspezifisch engagiert werden, könnte das bestehende Angebot beibehalten werden bei einer finanziellen Einsparung, schreibt der Gemeinderat in seinem «Massnahmenpaket 2016+» zur finanziellen Sanierung der Stadt zuhanden des Stadtrates.

Das Projektorchester koste weniger als ein Berufsorchester, habe aber nicht die Qualität des Klangkörpers des Berufsorchesters, räumt der Rat selber ein. Eine Aufhebung des Berufsorchesters müsse mit den verschiedenen Partnern ausgehandelt werden. Das werde zu schweizweiten Diskussionen in den Medien und mit den Berufsverbänden führen, und möglicherweise für die Stadt eher schlechte Presse bringen.

Durch die Aufhebung würden zudem Praktikumsstellen im Orchester wegfallen, weil die Qualität des Orchesters den Hochschulansprüchen nicht mehr genügen könne. Insgesamt führe eine Aufhebung zum Verlust von rund 50 Festanstellungen. Der Gemeinderat ist aber der Meinung, dass diese Massnahme dennoch umzusetzen ist, da «kein direkter Leistungsabbau für die Bevölkerung damit verbunden» sei.

In der Bieler Presse wird der Vorschlag bereits bissig kommentiert. So schreibt etwa das Bieler Tagblatt, die radikale Sparkur, die der Gemeinderat jetzt vorlege, sei etwa so, als würde man sich eine neue Skiausrüstung kaufen und dann fünf Jahre keinen Ski-Urlaub machen, um zu sparen. TOBS (Theater und Orchester Biel Solothurn) hat denn vor Kurzem auch einen aufwendigen Neuorganisationsprozess durchlaufen.

Die aktuellen Leistungsverträge 2016–2019 der Bieler Kultuinstitutionen inklusive TOBS (Theater und Orchester Biel Solothurn) sind von der Politik vorläufig noch abgesegnet worden.

Nachtrag 2. April 2015

SMZ. Der Verein Freunde des Sinfonie Orchesters Biel Solothurn sammelt Unterschriften für einen Appell an den Stadtrat: PRO Orchester!

Unterschriften können bis am 18. April 2015 eingesandt werden.

Der Bogen kann hier heruntergeladen werden.

Nachtrag 16. April 2015

SMZ. Der Schweizerische Musikerverband hat am 15. April einen offenen Brief zu den «Auswirkungen der vorgeschlagenen Auflösung des Sinfonieorchesters Biel Solothurn» an den Bieler Stadtrat geschickt. Der Brief kann hier heruntergeladen werden.

 

Ein Kommentar von Laurent Mettraux und Johannes Knapp findet sich hier. 

«Populärer» Ausgleich

Ein bisschen Effekthascherei darf auch mal sein. Hier in einem Stück für Altsaxofon mit Klavierbegleitung.

Bild: Didi01 / pixelio.de

Wer im Saxofonunterricht zwischendurch das Eingängige, rhythmisch Jazzige und melodisch Romantische sucht, findet in der Sérénade populaire von Paul Lewis seinen Genuss – Lehrer wie Schüler. Das mittelschwere Stück ist leicht zugänglich, musikalisch sehr abwechslungsreich und verlangt keinen Tastenfresser am Klavier. Leider verfällt die Sérénade im Allegro etwas in einen dialogischen Sprint zwischen Saxofon und Klavier, der ausser heiteren Tonleiterkapriolen wenige kompositorische Eskapaden oder gar Überraschungen bringt: «Pop» vom Feinsten!

Ursprünglich für Mundharmonika komponiert, gibt es mittlerweile neben der Bearbeitung für Altsaxofon auch Versionen für Klarinette, Flöte und Violine.

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Paul Lewis, Sérénade populaire, für Altsaxofon und Klavier, ED 21381, € 13.50, Schott, 2014

Neue Musik wachgerüttelt

In Lugano wurde am 5. März eines der neuesten und bedeutendsten Kapitel in der (kurzen) Geschichte der zeitgenössischen Musik in der italienischen Schweiz fortgeschrieben.

Foto: Iris Ponti

Eine vollständig mit Kartonschachteln zugestellte Bühne, manche braun, andere weiss. Am Anfang und Ende des Saales zwei grosse, durchsichtige Zylinder aus Plastikverpackungen, in denen sich Personen zu verstecken scheinen.

Damit könnte respektive müsste man vielleicht beginnen, um über die dritte Veranstaltung von Neon&Caffeine zu berichten, der innovativen Serie zeitgenössischer Konzerte, die vom Conservatorio della Svizzera italiana gefördert wird.

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Foto: Iris Ponti

Nur vom unmittelbaren Eindruck dieses Abends ausgehend, wären die Beweggründe für eine derartige Veranstaltung und ähnliche Projekte rund um das Angebot von neuer, anspruchsvoller Musik jedoch nur schwer verständlich. Gewiss, doch Neon&Caffeine ist nicht nur eine thematische Ansammlung von vier jährlichen Konzerten, sondern auch ein Zielpunkt auf dem jahrzehntelangen, gewundenen Weg, den die zeitgenössische Musik in der südalpinen Schweiz zurückgelegt hat. Alles hatte Mitte des letzten Jahrhunderts mit isolierten, importierten Programmen angefangen, die an Persönlichkeiten wie Wladimir Vogel oder Hermann Scherchen gebunden waren. Weiter ging es im Jahr 1977 zur Generation der Konzerte OGGImusica, die sowohl spontan als auch aus einem eigenen, wohlgesinnten ideologischen Nährboden entstanden und die schliesslich in den Rückgang der neunziger Jahre mündeten, als die Uraufführungen nach und nach von den offiziellen sinfonischen Spielplänen verschwanden und das Publikum bei den althergebrachten kammermusikalischen Veranstaltungen immer weniger wurde. Eine Wiederbelebung um das Jahr 2000 schien gute Chancen zu haben durch die Synergie Rete Due – Konservatorium, die 900presente gründeten (immer noch mehr dem 20. Jahrhundert als der Gegenwart verhaftet) und durch die Schaffung von La Via Lattea, das jedoch der Kategorie von Konzerten im üblichen Rahmen nur schwer zuzuordnen war. Aber ausgerechnet Mitte der Nullerjahre stand man vor zwei möglicherweise endgültigen Tatsachen: die befürchtete Auflösung der Vereinigung OGGImusica und die bedauerliche Ankündigung des Endes der Swiss Chamber Concerts durch den Direktor des Teatro Sociale di Bellinzona. Trotz allen möglichen Anstrengungen schien kein an neuer Musik interessiertes Publikum mehr vorhanden zu sein.

Was bedeutete das? Was konnte man dagegen tun? War es wirklich sinnvoll, sich weiter für die Gegenwartskunst einzusetzen oder musste man vielleicht einfach akzeptieren, dass die italienische Kultur unanfechtbar resistent war gegenüber dieser Art von Musik?

Die entschlossenste und positivste Antwort auf diese berechtigten Zweifel lieferte ein junger Tessiner Komponist, unmittelbar heimgekehrt nach unzähligen Aufenthalten in ganz Europa und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Er war motiviert, im ausgetrockneten Land seiner eigenen Herkunft den Samen des absterbenden Baumes wieder einzupflanzen, um ihn in einer neuen, sehr liebevollen und weniger dogmatischen Art zu kultivieren. Nadir Vassena verdanken wir tatsächlich die Wiederbelebung von OGGImusica, die Schöpfung einer tragfähigen Kompositionsklasse am CSL, den ständigen Dialog mit den wichtigsten Autoren und den glaubhaftesten Institutionen von nationalem und internationalem Massstab sowie die zentralisierte Koordination aller Veranstaltungen, die jetzt unter der Etikette Lugano Modern stattfinden. Natürlich ist es nicht so, dass Vassena das alles ganz allein bewerkstelligt hätte. Aber es ist unbestritten, dass ohne eine ähnliche Persönlichkeit – aus tiefster Seele italienisch-schweizerisch und gleichzeitig eine wahre und wirkliche Brücke Richtung Norden und Süden – hier eine ganz andere Geschichte zu erzählen wäre (ein dodekafonisches de profundis?).

Vassenas genialste Erfindung, unvorhersehbarer, atypischer, synkritischer und somit zeitkritischer, war diejenige, Konzerte als wahrhaftige Spektakel zum Leben zu erwecken und die neue Musik in einem ganz ungewohnten Rahmen zu präsentieren. Das Problem, das es zu lösen galt, war die Rückeroberung eines neugierigen und anspruchsvollen Publikums, nachdem dieses im Lauf der Jahre von der in den üblichen frontalen Konzerten dargebotenen zeitgenössischen Musik enttäuscht (vielleicht sogar verraten?) worden war. Mit dem Festival Lanterna Rossa wurde 2010 ein Modus gefunden, der die neue Musik nicht einfach leuchtend hell ins Zentrum stellte (quasi als ein a priori zu verehrendes Totem ästhetischer Erfahrung), sondern ihr ein perfekt abgestimmtes Umfeld gab, das einen während der Aufführung umfasste, hineinzog und nicht mehr losliess. Dies wurde durch Lichteffekte, Video, Theater, Installationen oder Tanz erzeugt, immer in einer thematisch schlüssigen Konzeption (auch dank dem blühenden Erfindungsreichtum des Regisseurs Fabrizio Rosso). Damit gelang es tatsächlich, von neuem ein zahlreiches Publikum zu erreichen und in Kontakt mit den kühnsten Werken des aktuellen Kunstschaffens zu bringen.

Dieser Vorgänger ist schliesslich im letzten Jahr abgelöst worden durch Neon&Caffeine, auch das ein Festival, wo sich die neue Musik in einer quasi unterschwelligen Art behauptet. Anstelle der charakteristischen Themen steht jetzt jeweils eine Persönlichkeit im Zentrum jeder Folge. Vorzugsweise kein Künstler, nie ein Musiker, aber auf jeden Fall eine Person, die in ihrem täglichen Handeln einen Bezug zu schöpferischen Themen lebt. So war der vergangene 5. März der Abend von Giosè Casalotto, Firmeninhaber von Finser Packaging. Er behandelte im Videointerview, abwechselnd mit den Musikstücken, sowohl für die Unternehmung als auch für die Tonkunst grundsätzliche Themen wie die Erfindung, das Risiko, die Auseinandersetzung, die Finanzen oder die Leidenschaft. So haben sich die Werke von Steve Reich, Mathias Steinauer und Yves Daoust wie auch der Gastprotagonist des Anlasses in das aus Paketen hergestellte Bühnenbild integriert, womit sich auch das hier am Anfang beschriebene, merkwürdige Dekor erklärt. Eine andere und sicher nicht alltägliche Art und Weise, um einen funktionellen Zugang zu den fortschrittlichsten Werken der musikalischen Kunst anzubieten und für den Zuschauer eine reiche, echte Erfahrung zu schaffen, die man bereits abhandengekommen glaubte. Hoffen wir also, dass es nicht gelingen wird, sie von neuem zu verlieren.

Credit Suisse Award for Best Teaching für Kinzler

Der mit 10 000 Franken dotierte Credit Suisse Award for Best Teaching 2014 geht an Burkhard Kinzler. Er lehrt Musiktheorie und Hörtraining sowie Kammermusik an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

Foto: zvg

Mit dem von der Credit Suisse Foundation vergebenen Preis werden hervorragende Leistungen von Dozierenden gewürdigt. Er dient der Förderung der Qualität der Lehre auf Hochschulstufe. Er wird turnusgemäss alle drei Jahre an einer der drei Teilschulen der Zürcher Fachhochschule verliehen.

Der 1963 geborene Burkhard Kinzler unterrichtet seit 2003 am Departement Musik der ZHdK in den Fächern Musiktheorie, Hörtraining und Kammermusik. Er überzeugte die Jury, die aus fünf Dozierenden verschiedener Departemente der ZHdK und einer Vertretung der Studierendenorganisation bestand, unter anderem durch seine hohe Fachkompetenz und seinen interaktiven Dialog mit den Studierenden. In einem Klima gegenseitiger Wertschätzung sporne Burkhard Kinzler seine Studierenden zu Höchstleistungen an, heisst es in der Erklärung. 

Neben seiner Tätigkeit als Dozent leitet Kinzler verschiedene Ensembles und Projekte, überwiegend in der neuen Musik. Er gründete und leitete das Vokalensemble Chroma und war künstlerischer Leiter der Meersburger Sommerakademie. Seit 2007 ist er künstlerischer Leiter der Museumskonzerte Winterthur, seit 2009 leitet er den Kammerchor Winterthur. Ausserdem ist er als Komponist tätig.

Neues Leitbild für die Zürcher Kulturförderung

Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat ein neues Leitbild für die Kulturförderung definiert. Gefördert werden soll künftig die internationale Ausstrahlung der Zürcher Kulturlandschaft. Einen weiteren Akzent setzen kulturelle Initiativen in den Regionen.

Opernhaus Zürich, Figur der Fassadenbekrönung. Foto: Andreas Praefcke/wikimedia commons

Das neue Leitbild nennt als internationale Attraktoren das Filmschaffen und das Opernhaus. Dazu beitragen würden aber auch Kunstschaffende, deren Werke von Zürich aus über die Landesgrenzen hinaus strahlen. Für regionale Zusammenschlüsse und das Kulturleben in den Gemeinden sind ab 2015 finanzielle Mittel reserviert. Der Kanton will die interessierten Regionen mit Beratung und Vernetzungsleistung begleiten.

Die künftige kantonale Kulturförderung will überdies den gesamten Kreationsprozess von der künstlerischen Idee bis zur Umsetzung vermehrt im Blick behalten. Das Erleben von Kultur sei zudem ein Recht, das allen Bevölkerungskreisen zustehe, schreibt der Kanton weiter. Die kantonale Kulturförderung stärke darum künftig Kultur auch als Brückenschlag zwischen Generationen, Regionen, Tradition und Kulturen.

Die Fachstelle Kultur (www.fachstellekultur.zh.ch) will das neue Leitbild an zwei öffentlichen Informationsveranstaltungen vorstellen. Sie finden am 24. März in Zürich und am 1. April in Winterthur statt.
 

Empörung über Vorwürfe gegenüber Dutilleux

Der Bürgermeister des 4. Pariser Arrondissements weigert sich, eine Ehrenplakette am Haus des langjährigen Wohnsitzes des Komponisten Dutilleux zu bewilligen. Die Begründung hat in Fachkreisen Bestürzung und Unverständnis ausgelöst.

Foto: Milan Wagner / Schott Promotion

Der Bürgermeister Christophe Girard und die Stadträtin Karen Taieb wollen die Erinnerungsplakette verhindern, weil sie dem 2013 verstorbenen Henri Dutilleux Kollaboration mit den Nazis vorwerfen. Als Grund geben sie an, der Tonschöpfer habe die Musik zu einem angeblichen Propagandafilm verfasst, dem Dokumentarfilm «Forces sur le stade» von 1942, der im Sinne des Vichy-Regimes den Nutzen des Sports propagierte.

Henri Dutilleux war während der Besatzungszeit in Paris als Lehrer und Musiker tätig und leitete ab 1942 den Chor der Pariser Oper. Ab 1945 war er Leiter der Musikabteilung von Radio France. Zu seinen Freunden zählten unter anderem Mstislav Rostropovich und Isaac Stern.

In einer Onlinepetition wehren sich prominente französische Musiker gegen die in ihren Augen haltlose Unterstellung. Sie werfen Girard und Taieb historische Inkompetenz vor und betonen, dass Dutilleux während der Pariser Besetzungszeit aktiv am Widerstand gegen die Nationalsozialisten und ihre französischen Kollaborateure beteiligt war.

Berner Student gewinnt Europäischen Schulmusikpreis

Christoph Schäfer, Studierender des Master of Arts in Music Pedagogy, Major Musik SII, hat mit seinem Abschlussprojekt KlangMalerei des Minors künstlerische Musikvermittlung einen der Europäischen Schulmusikpreise 2015 gewonnen.

Foto: Felix Groteloh

Christoph Schäfer hat nach einem Wirtschaftsstudium an der Universität Bern an der Musikhochschlule Luzern und am International Music College in Freiburg Musik studiert. Zur Zeit absolviert er an der Hochschule der Künste in Bern einen Studiengang Master of Arts in Musicpedagogy, Vermittlung in Musik mit Hauptfach Jazzpiano. Zudem arbeitet er als Musiklehrer am Gymnasium Biel-Seeland in Biel und als freischaffender Künstler.

Mit dem Europäischen Schulmusikpreis (ESP) werden Lehrer und Schulen ausgezeichnet, die es verstehen «mit neuen Ideen und grossartigen Konzepten junge Menschen für das aktive Musizieren zu begeistern». Ferner ist es das Ziel des ESP, «herausragende und vorbildhafte Beispiele für kreatives Arbeiten mit Musikinstrumenten an Schulen zu dokumentieren und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen». Der ESP wird in sechs Kategorien verliehen und ist mit einem Preisgeld in Höhe von insgesamt 21’000 Euro dotiert. Der Preis wird an der Musikmesse Frankfurt verliehen.

Cantars in Basel stimmig eröffnet

Von März bis Juni feiert das Kirchenklangfest 2015 in vielen Teilen der Schweiz die Vielfalt der jahraus, jahrein praktizierten Kirchenkultur.

Festakt in der Predigerkirche: Sandra Rupp Fischer und Ehrengäste. Foto: © cantars

Ganz irdisch wird der Eingang kontrolliert, keine Unbefugte hereingelassen. Die Konzerte des Auftaktfestivals von cantars in Basel sind straff organisiert und gleichwohl geht alles leicht, um nicht zu sagen, himmlisch, über die Bühne. Um zwölf Uhr wird am 14. März das Kirchenklangfest im Basler Münster mit einem geistlichen Spektakel eröffnet. Dann folgen bis um Mitternacht stündlich über 20 Konzerte à maximal 40 Minuten zum Teil parallel in fünf verschiedenen Kirchen. Diesem Veranstaltungsmodell werden innerhalb dreier Monate rund 440 Konzerte mit 12 000 Mitwirkenden an 36 Anlässen unter der Obhut je eigener Organisationsteams folgen. Erwartet werden total rund 100 000 Zuhörerinnen und Zuhörer.

In 14 Kantonen

Cantars findet nun zum zweiten Mal nicht mehr nur wie 2011 im Bistum Basel statt, sondern in grösserem Rahmen in den Kantonen AG, BE, BS/BL, FR, GR, LU, SG, SH, SO, SZ, TG, VS und ZH. Der Schweizerische Katholische Kirchenmusikverband, unterstützt vom Schweizerischen Kirchengesangsbund, veranstaltet das bemerkenswerte Ereignis.

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Theatrum Sacrum Basiliensis. cantars – es geht los! Geistliches Spektakel im Münster. Foto: © cantars

Drei Jahre dauerten die Vorbereitungen unter der Leitung von Sandra Rupp Fischer. Am Abend des ersten Veranstaltungstages mündeten sie in einen ersten Höhepunkt,  den Festakt in der Basler Predigerkirche. Die schlichte und gleichzeitig eindrückliche Feier stand ganz im Zeichen des cantars-Mottos: vielfältig – verbindend – grenzüberschreitend – zukunftsweisend. Es ertönten barocke Bläserklänge, Gesänge verschiedener Stilrichtungen samt dem cantars-Jingle von Christoph Honegger und Tastenimprovisationen, es sangen gemeinsam Jung und Alt, Chöre aus verschiedenen Kantonen und Gäste, und es trafen sich, beflaggt von balinesischen Gebetsfahnen, Katholiken und Evangelische in der Kirche der Christkatholiken.

Vielfältig gelebte Kirchenmusik

Die Gastredner (Bischof Markus Büchel, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Pfarrer Gottfried Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds und Pfarrer Michael Bangert, Gastgeber Predigerkirche und Vertreter der Christkatholischen Kirche Schweiz) unterstrichen die ausserordentliche Bedeutung der so vielfältig gelebten Kirchenmusik für die Kultur im Allgemeinen und die Kirche im Besonderen, während Festrednerin Ständerätin Anita Fetz (SP/BS) den ökumenischen Hintergrund unserer Nationalhymne, des Schweizer Psalms, ins Bewusstsein rückte.

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Festakt in der Predigerkirche. Delegationen der 36 Anlassveranstalter: Einzug mit balinesischen Gebetsfahnen. Foto: © cantars

Fazit

Der Besuch einiger Veranstaltungen liess das breite Spektrum heutiger Kirchenmusik erkennen. So begeisterten Klassisches und Barockes etwa unter der schwungvollen Führung eines tüchtigen Dirigenten und klanglich herauspoliert durch professionelle Instrumentalisten und Solisten. Oder ein raffiniert zusammengestelltes Programm liess die unüberhörbaren Schwächen eines andern Chores beinahe vergessen. Einem exzellenten Männerstimmenensemble hätte man noch lange zuhören wollen, während andernorts der Vortrag schon nach den ersten paar Takten viel zu lange dauerte. Diese Konzerte bildeten natürlich nur einen verschwindend kleinen Teil all der Darbietungen, die im Rahmen von cantars 2015 noch zu hören sein werden. Trotzdem sei eine zusammenfassende Feststellung erlaubt: Chormusik – welcher Stilrichtung auch immer – klingt da am schönsten, wo sie kompetent geleitet, das heisst, wo das Potenzial eines Ensembles erkannt und optimal entwickelt wird.

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Himmelwiit – Familienkonzert in der Offenen Kirche Elisabethen. Andrew Bond & ökumenischer Kinderchor ökiko Oberwil, Therwil, Ettingen, Biel-Benken. Foto: © cantars

Cantars (von lateinisch cantare – singen und ars – Kunst) bietet nun bis Anfang Juni Gelegenheit, verschiedenste Ausrichtungen der Kirchenkultur kennenzulernen in Konzerten, Ausstellungen, Referaten, Begegnungen, Lesungen, Führungen … Einige Themen-Schwerpunkte aus den 36 Anlässen seien hier hervorgehoben:

18. April in Olten: Faszination Orgel-Bau
25. April in Bern: Rap & Poetry
3. Mai in Schaffhausen: Humor-Festival
9. Mai in Baden: Gospel
9. Mai in Luzern: Weltreligionen – Weltmusik
30. Mai in Luzern: Migranten-Kirchen
30. Mai in Muri: Alte Musik
6. Juni in Luzern: Sängerknaben

Detaillierte Informationen unter:
www.cantars.ch

Die Schweizer Musikzeitung ist Medienpartnerin von cantars.

Das menschliche Ohr sendet auch Schall aus

Ein Forscherteam um die Oldenburger Neurobiologin und Hörforscherin Christine Köppl und den kanadischen Physiker Christopher Bergevin haben herausgefinden, dass das menschliche Gehör dem von Vögeln und Echsen ungeachtet der sehr unterschiedlichen Innenohren verblüffend ähnelt.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de,SMPV

Die sogenannten otoakustischen Emissionen des Ohres sind seit Ende der 1970er-Jahre bekannt, aber ihre Entstehung blieb bislang rätselhaft. Die neue Studie vergleicht nun die Emissionen menschlicher Ohren im Detail mit denjenigen von Schleiereulen und grünen Anolis-Echsen und legt einen über Gattungsgrenzen hinweg einheitlichen Entstehungs-Mechanismus nahe.

Laut Köppl sind die Sinneszellen im Innenohr das gemeinsame Element. Im Verlauf der Evolution habe sich daraus bei Säugetieren eine spiralförmige Cochlea entwickelt, bei Vögeln eine lange bananenförmige Innenohr-Struktur.

Im normalen Alltag senden Ohren sehr selten selbst Schall aus, meist wird dies von den hereinkommenden Umgebungsgeräuschen quasi unterdrückt. In einer schallisolierten Kammer hingegen sind nach ungefähr zehn Minuten absoluter Ruhe entweder spontane Emissionen messbar, oder sie lassen sich mittels akustischer Reize hervorrufen. Würde man diese – bei Frauen aus unbekannten Gründen etwas häufigeren – otoakustischen Emissionen verstärken, klängen sie wie ein Pfeifen und wären bei manchem sogar mehrstimmig.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind otoakustische Emissionen laut Köppl sehr prominent und daher auch Grundlage des Neugeborenen-Hörscreenings. Ein besseres Verständnis für otoakustische Emissionen könnte in Zukunft auch differenziertere Diagnostik ermöglichen.

Originalartikel:
http://www.pnas.org/content/early/2015/03/02/1418569112
 

Spoerri gewinnt Plagiatsstreit gegen Jay Z

Der US-Rapper Jay-Z hat sich für seinen Song «Versus» beim Stück «On the way» des Schweizer Jazzers Bruno Spoerri bedient. Dafür wird er den Basler Saxophonisten nun entschädigen.

Bruno Spoerri (links) und Jaz-Z. Fotos: Niklaus Spoerri und chickswithguns/flickr

Spoerri hatte das Plagiat zunächst der Suisa gemeldet, welche die Rechte Schweizer Musiker vertritt. Diese blockierte Auszahlungen­ und informierte andere Gesellschaften über die Auseinandersetzung. Weil Jay Z und sein Produzent Timbaland die Klage zunächst ignorierten, ging Spoerri damit vor einem Jahr an die Öffentlichkeit.

Die Amerikaner boten in der Folge zunächst einen Vergleich und laut dem Online-Portal Watson 25’000 Dollar Entschädigung an. Zu wenig für Spoerri. Nachdem letzterer  amerikanische Anwälte einschaltete, lenkte Jay Z, der schon einmal einen vergleichbaren Prozess verloren hatte, ein.

Nach der nun unterzeichneten Vereinbarung erhält Spoerri die Hälfte der Urheberschaft am Stück. Wie Spoerri der Basler Tageswoche gegenüber erklärt hat, habe der Prozess auch indirekt Folgen für ihn gehabt. Er habe eine ganze Reihe an Engagements gekriegt, von Festivals in Genf, Brüssel oder Hamburg. Der indirekte Gewinn sei daher grösser als der direkte.
 

Winterthur enttäuscht von Musikschulgesetz-Vorlage

Im Februar hat der Zürcher Regierungsrat die Vorlage für das neue Musikschulgesetz dem Kantonsrat weitergeleitet. Für Winterthur ist der Entwurf eine Enttäuschung. Er treibe die Aufwendungen und lasse die Gemeinden mit den Infrastrukturkosten alleine.

Nicht die richtigen Nägel eingeschlagen im Gesetzesentwurf?

Der Winterthurer Stadtrat begrüsst, dass mit dem Gesetz das Angebot an ausserschulischem Musikunterricht für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene längstens bis zum vollendeten 25. Altersjahr an Musikschulen ermöglicht wird. Die geforderten, hohen Qualitätsvoraussetzungen für Musikschulen werden vom Stadtrat im Grundsatz auch nicht in Frage gestellt.

Stossend an der Gesetzesvorlage ist aus Sicht des Stadtrates aber, dass der Kanton zwar hohe Qualitätsanforderungen für die Anerkennung der Musikschulen aufstellt, gleichzeitig aber nur für eine minimale Kostenbeteiligung bereit ist. In den Vernehmlassungsantworten hätten die Gemeinden und Musikschulen einen kantonalen Beitrag von zwanzig Prozent gefordert, schreibt die Stadt Winterthur. Zudem würden Infrastrukturkosten nicht als beitragsberechtigt eingestuft.

Die Vorlage sieht vor, dass die Musikschulen ein Mindestangebot und den Zugang zu einem erweiterten musikalischen Angebot gewährleisten, über eine qualifizierte Schulleitung verfügen und dafür sorgen müssen, dass der Musikunterricht von Musikschullehrpersonen mit Hochschuldiplom oder gleichwertiger Ausbildungen erteilt wird.

Auch dem verfassungsmässigen Auftrag der Begabtenförderung werde die Gesetzesvorlage nicht gerecht, so der Stadtrat weiter. So werde zwar festgehalten, dass musikalische Begabungen und besonders talentierte Schülerinnen und Schüler gefördert werden sollen. Der Kanton sei jedoch nicht bereit, sich an den anfallenden Kosten und an den Ausgaben der Förderungszentren (besondere Musikschulen) angemessen zu beteiligen.

Die Stadt Winterthur regt an, den Kostenanteil des Kantons anlässlich der Beratungen durch das Kantonsparlament auf mindestens zwanzig Prozent anzuheben und den Passus «Infrastrukturkosten gelten nicht als anrechenbare Betriebskosten» ersatzlos aufzuheben.

 

Foto: Maschinenpark der Nagelfabrik in Winterthur. Roland zh/wikimedia commons

Berner Graduate School of the Arts definitiv eingeführt

In Bern ist es nun definitiv möglich, an der gemeinsamen Graduate School of the Arts der Universität Bern und der Hochschule der Künste Bern zu promovieren. Nach einer Pilotphase wird das 2011 begonnene Modell definitiv weitergeführt.

26 Doktorierende aus Design, Tanz, Konservierung oder Musik sind laut der Universität Bern derzeit am Berner Promotionsprogramm eingeschrieben. 16 davon sind Studierende oder Mitarbeitende der HKB, zehn stammen von verschiedenen Universitäten – von Bern über Zürich bis Harvard in den USA.

Für Fachhochschul-Absolventen erfolgt der Zugang zum dreijährigen Promotionsprogramm durch einen vorgelagerten speziellen Masterstudiengang an der Universität. Diese einjährige Ausbildung ermöglicht es, die formalen Erfordernisse zu erfüllen und Defizite im wissenschaftlich-methodischen Bereich wettzumachen.

Die GSA soll sowohl der Forschung wie auch der Kunst neue Impulse geben sowie neue Perspektiven und Forschungsfelder eröffnen. «Anfangs gab es Vorurteile gegen die GSA – von beiden Seiten», erläutert Beate Hochholdinger-Reiterer, Professorin für Theaterwissenschaft an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Bern und stellvertretende Leiterin der GSA. Inzwischen sei die Skepsis verflogen.

Auch der Schweizerische Nationalfonds SNF und die Kommission für Technik und Innovation KTI sind inzwischen auf das Hybridmodell aufmerksam geworden: Die GSA hat dort bereits Drittmittel von vier Millionen Franken eingeworben.

Neue Leitung des Luzerner Theaters nimmt Konturen an

Benedikt von Peter, der neue Intendant des Luzerner Theaters, hat erste Personalentscheide getroffen. Sie betreffen Tanz, Musiktheater und Stellvertretung.

Benedikt von Peter. Foto: Ingo Höhn

Kathleen McNurney bleibt Künstlerische Leiterin der Kompanie «Tanz Luzerner Theater». Brigitte Heusinger, zur Zeit Operndirektorin am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, wird gemeinsam mit Benedikt von Peter die Sparte Musiktheater leiten und ihm als Stellvertretende Intendantin in künstlerischen Angelegenheiten zur Seite stehen.

Kathleen McNurney leitet die Kompanie «Tanz Luzerner Theater» seit Beginn der Spielzeit 2009/10 und kann damit ihre Aufbauarbeit fortsetzen. Sie habe bislang sowohl renommierte Choreografen als auch aufstrebende Talente ans Luzerner Theater geholt und dem Publikum eine Vielzahl zeitgenössischer Tanzsprachen gezeigt, so die Medienmitteilung des Theaters.

Die Hamburgerin Brigitte Heusinger war 2006 bis 2012 Operndramaturgin am Theater Basel. Dort hat sie unter anderem mit Christoph Marthaler, Hans Neuenfels und Philipp Stölzl zusammengearbeitet. Seit 2012 ist sie Operndirektorin am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken.

Pacific Quartet Vienna ausgezeichnet

Eszter Major und Sarah Weilenmann bilden zusammen mit Yuta Takase und Chin-Ting Huang das Pacific Quartet Vienna. Anfangs März erspielten sie sich zusammen mit dem Abel Quartet den ersten Preis in der Kategorie Streichquartett.

Foto: © Julia Wesely

Der 6. Internationale Joseph Haydn Kammermusik Wettbewerb fand vom 28. Februar bis 4. März statt. Insgesamt traten nach einer Vorauswahl sieben Streichtrios und sechs Streichquartette aus aller Welt zum Wettbewerb an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien an. In der Kategorie Streichquartett wurden das Pacific Quartet Vienna und das Abel Quartet je mit einem ersten Preis ausgezeichnet. Zusätzlich hat das Pacific Quartet Vienna weitere Preise gewonnen und zwar jenen für die beste Interpretation einer Komposition von Joseph Haydn und den Publikumspreis in der Kategorie Streichquartett.

Das Pacific Quartet Vienna wurde im November 2006 gegründet. Neben seiner Konzerttätigkeit pflegt es den Kulturaustausch zwischen zwischen Japan und Österreich, respektive der Schweiz. Hier wird es beispielsweise am 27. März um 19.30 Uhr im Lavatersaal in Zürich zu hören sein oder am 3. Juni im Rahmen der Dachkammer-Konzerte in der Geigenbauschule Brienz.
 

Glarner Kulturpreis 2015 geht an Robert Jenny

Der Glarner Kulturpreis 2015 wird dem Kulturförderer Robert Jenny zugesprochen. Jenny amtete zwischen 1995 bis 2011 auch als Präsident des Vereins Musikwoche Braunwald.

Foto: zvg

1996 gründete Jenny laut der Mitteilung des Kantons Glarus die Stiftung Gartenflügel zur Förderung (inter-) kultureller Anliegen. Mit der Stiftung verleihe er dem kulturellen Leben im Glarnerland entscheidende Impulse, er unterstütze den kulturellen Austausch und fördere überdies Projekte in Nepal, einem Land, dem er besonders verbunden sei. Herzstück und Aushängeschild der Stiftung ist die Galerie Gartenflügel auf dem Fabrikareal der Familie in Ziegelbrücke.

Der mit 20‘000 Franken dotierte Glarner Kulturpreis wird alle zwei Jahre verliehen. Letzter Kulturpreisträger war der Schauspieler Herbert Leiser aus Obstalden.

Die Musikwoche Braunwald findet seit 1936 einmal jährlich statt. Zu Beginn der auf Initiative von Nelly Schmid und Antoine-Elisée Cherbuliez gegründeten Veranstaltung standen Vorträge im Mittelpunkt. Nationale und internationale Künstler spielten die von den Referenten zur Demonstration ihrer Ausführungen gewünschten Beispiele.

Ein Novum ist die von Robert Jenny eingeführte Exkursion, genannt Schulausflug, hinunter ins Tal der Linth. Die Teilnehmenden erkunden die Umgebung, und es ergeben sich Konzertmöglichkeiten an völlig ungewohnten Orten.

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