Nachwuchs gesucht

Immer weniger Musikschülerinnen und -schüler wollen Klarinette spielen lernen. Der Schweizer Blasmusikverband will mit dem Jahr der Klarinette dem Instrument zu neuem Schwung verhelfen.

Günter Havlena / pixelio.de

In der Februar-Ausgabe von unisono, dem Organ des Schweizer Blasmusikverbandes (SBV) stellt Tobias Kühn fest, dass Blasmusikformationen zunehmend Mühe hätten, ihre Klarinettenregister zu besetzen. Zwei Gründe seien vermutlich dafür hauptverantwortlich: In der Popmusik spiele die Klarinette keine Hauptrolle. Zudem sei die Klarinette ein Masseninstrument: Es brauche viele Klarinettistinnen und Klarinettisten, bis das Register ausgewogen tönt.

Mit dem Jahr der Klarinette stellt der SBV nun das Instrument ganz in den Mittelpunkt und koordiniert auf seiner Website Konzerte, die die Klarinette speziell hervorheben. So hat bislang beispielsweise die Stadtmusik Huttwil an ihren Jahreskonzerten das Stück Divertimento Criminale für acht Klarinetten und Blasorchester von Urs Heri uraufgeführt.
Neben vielen weiteren Konzerten findet am 14. Mai ein besonderes statt: Das Jugendblasorchester Luzern hat in Zusammenarbeit mit der Swiss Clarinet Society und der Musikschule der Stadt Luzern Klarinettistinnen und Klarinettisten aus der ganzen Schweiz auf die KKL-Bühne in Luzern eingeladen.
Weitere Konzerte
können jederzeit zur Aufschaltung gemeldet werden. Wer als SBV-Verein seinen Anlass bis am 31. Mai bekannt macht, nimmt automatisch an einem Wettbewerb um das originellste Klarinettenprojekt teil.

Seit Kurzem ist der Klarinettenbus unterwegs, der mit verschiedensten Instrumenten der Klarinettenfamilie sowie Dokumentations- und Werbematerial ausgerüstet ist. Gegen einen Unkostenbeitrag von 100 Franken kann der Bus inklusive Fahrer für Konzerte, Volks- und Musikschulveranstaltungen gemietet werden.

Mit Flashmobs soll «voll krass» nicht nur öffentlicher Boden klarinettenmässig erobert werden, sondern auch die Sozialen Medien. Wer bis Mitte November das Video seines Klarinettenflashmobs auf Youtube stellt, nimmt an einem Wettbewerb teil.

Schliesslich hat der SBV eine Literaturliste aufgeschaltet und drei Auftragskompositionen vergeben an Franco Cesarini, Christoph Walter und Mario Bürki. Diese Werke sollen im Verlauf des Klarinettenjahres uraufgeführt werden.
 

Der Energieverbrauch von Opern- und Theaterhäusern

Eine interdisziplinäre Forschergruppe mehrere Fakultäten der Fachhochschule Köln will rund ein Dutzend repräsentative Theaterhäuser Deutschlands auf ihren Energieverbrauch hin genau prüfen.

Wärmebild: Hugues Crepin, wikimedia commons

In Deutschland gibt es rund 150 Theaterspielstätten. Diese wurden grösstenteils zwischen 1820 und 1970 erbaut oder wiederaufgebaut. Entsprechend gross ist der Sanierungs- und energetische Optimierungsbedarf. Bislang gibt es für Theaterspielstätten kein Benchmarking, das den Häusern eine Positionierung im Bereich Energie und die Identifizierung von besonders energieintensiven Bereichen erlaubt.

Diese Lücke schliesst das Forschungsprojekt «Energetische Querschnittserhebung deutscher Theaterspielstätten und Monitoring des Opern- und Schauspielhauses mit Schwerpunkt Komfortuntersuchungen» der Fachhochschule Köln, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird.

Für die Querschnittsanalyse werden zunächst Daten zu Wirtschaftlichkeit, Nutzerzufriedenheit und Verbrauchsdaten wie Strom, Wärme, Kühlung, Luftförderung, Beleuchtung und Wasser erhoben. Zudem sind Zuschauerbefragungen geplant sowie Kurzzeitmessungen mit Mess-Dummies – Kunstfiguren mit integrierten Messsystemen für Luftqualität und -strömungen, Feuchtigkeit und Temperatur.

Besser Deutschlernen mit Hilfe von Musik

Das Projekt «Spring» (Sprechen und Singen), eine Kooperation des Musiklehrstuhls der Universität Regensburg und einer Grundschule der bayerischen Stadt, vermittelt Sprachkenntnisse mit Hilfe der Musik.

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de,SMPV

In einer Übergangsklasse der Von-der-Tann-Schule in Regensburg machen sich Kinder mit Hilfe der Musik mit der ihnen fremden Sprache Deutsch vertraut. Dabei hilft ihnen das natürliche Gefühl für Ton und Takt. Die Kinder begreifen laut der Klassenlehrerin Eva Nagel grammatische Strukturen über den Gesang. In der Klasse finden sich 19 Kinder aus 14 Ländern. Sie kommen aus allen sozialen Schichten. Kinder von ausländischen Professoren, die in Regensburg arbeiten, sitzen neben Flüchtlingskindern aus Kriegsgebieten.

Der gezielte Einsatz von Musik helfe, Hemmungen in der Sprachanwendung abzubauen und sprachliche Muster unverkrampft zu trainieren, erklärt der Musikpädagogik-Professor Magnus Gaul. Musik in Verbindung mit Mimik und Gestik eröffne den Zugang zu einer neuen Sprache. Hinzu komme die Leidenschaft, die Kinder und Lehrer in den Übergangsklassen zeigten. Er ist laut der deutschen Neuen Musikzeitung so sehr von der Kooperation überzeugt, dass im April einige seiner Studenten den Unterricht in der Übergangsklasse begleiten werden.

Magnus Gauls Arbeitsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der empirischen musikpädagogischen Forschung. Sein besonderes Interesse gilt dem musikalischen Leben und Erleben von Kindern und Jugendlichen, ihrer musikbezogenen Identität sowie der Integration aller Kinder in den Unterricht allgemeinbildender Schulen. Darüber hinaus widmet er sich unterschiedlichen Musikvermittlungsprojekten unter Einbeziehung professioneller Musiker.
 

Eggert, Galaverna und Yang unterrichten an der HKB

Ab dem Herbstsemester 2015 unterrichten an der Hochschule der Künste Bern (HKB) neu der Cellist David Eggert, der Fagottist Daniele Galaverna und die Geigerin Tianwa Yang.

Tianwa Yang. Foto: Friedrun Reinhold

Der 1985 in Kanada geborene Cellist David Eggert studierte in Boston, Montreal, Salzburg und Basel, unter anderem bei bei Tanya Prochazka, Laurence Lesser, Matt Haimovitz, Clemens Hagen und Rainer Schmidt. Er tritt die Nachfolge von Louise Hopkins an.

Der italienische Fagottist, Dirigent und Komponist Daniele Galaverna übernimmt die Lehre von Lyndon Watts. Er studierte am Konservatorium Parma und an der Musikhochschule Stuttgart, wo er sein Solistendiplom mit höchster Auszeichnung abschloss. Von 1994 bis 2004 war er Solo-Fagottist beim Orchestra della Svizzera Italiana in Lugano. Seit 2005 ist er Solo-Fagottist beim Musikkollegium Winterthur.

Die gebürtige Chinesin Tianwa Yang spielte mit dreizehn Jahren als weltweit jüngste Interpretin Paganinis 24 Capriccen ein und galt in ihrer Heimat als «Stolz Chinas». Als Sechzehnjährige kam sie 2003 mit einem DAAD-Sonderstipendium nach Deutschland. 2014 gewann sie den Echo Klassik als Nachwuchskünstlerin 2014 und den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Seit 2012 ist sie Dozentin an der Musikakademie Kassel. In Bern tritt sie die Nachfolge von Barbara Doll an.

Fürrer folgt im Kanton Zug auf Bucher

Der Zuger Regierungsrat hat Lukas Fürrer zum Generalsekretär der Direktion für Bildung und Kultur des Kantons ernannt. Er folgt auf Christoph Bucher, der Ende Juli 2015 in Frühpension gehen wird.

Bild: zvg

Der heute 42-jährige Fürrer studierte Publizistik, europäische Ethnologie sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte und verfügt laut der Medienmitteilung des Kantons über zehn Jahre Berufserfahrung als Primarlehrer und sechs Jahre Verwaltungserfahrung auf Stufe Bund, wovon drei Jahre als Stellvertreter des Schweizer Verteidigungsattachés auf der Schweizer Botschaft in Washington D. C.

Der gebürtige Zuger ist seit 2012 beim Kanton Zug angestellt und arbeitete zunächst als stellvertretender Leiter des Amts für Mittelschulen und Pädagogische Hochschule. Seit März 2014 bekleidet er die Funktion des stellvertretenden Generalsekretärs der Direktion für Bildung und Kultur. Das neue Amt übernimmt er per 1. August 2015.

Berner Oberländer Kulturlandschaft im Umbruch

Die Berner Erziehungsdirektion hat Listen der gemeinsam getragenen 17 Kulturinstitutionen im Berner Oberland in Konsultation geschickt. Sie sollen ab 2017 vom Kanton, den Gemeinden der Verwaltungskreisen finanziert werden.

Blick vom Schloss Thun auf das Berner Oberland. Foto: chensiyuan, wikimedia commons

Ab 2017 werden im Kanton Bern die Kulturinstitutionen von regionaler Bedeutung gemeinsam von der Standortgemeinde, dem Kanton und allen Gemeinden der jeweiligen Region finanziert. Im Berner Oberland soll dieses neue Finanzierungsmodell nach den vier bestehenden Verwaltungskreisen Interlaken-Oberhasli (Regionalkonferenz Oberland-Ost), Thun, Frutigen-Niedersimmental und Obersimmental-Saanen organisiert werden.

Folgende Institutionen werden in den vier Verwaltungskreisen zur gemeinsamen Finanzierung vorgeschlagen:

  • Region Oberland-Ost: Kunsthaus Interlaken, Interlaken Classics, Musikfestwochen Meiringen, Stiftung Holzbildhauerei Brienz (mit Holzbildhauer-Symposium)
  • Region Thun: Museumsschloss Thun, Kunstmuseum Thun, Stadtbibliothek Thun, Kunstgesellschaft Thun, Schlosskonzerte Thun, Museum im Schloss Oberhofen
  • Region Frutigen-Niedersimmental: Bibliothek Spiez, Schlossmuseum Spiez, Swiss Chamber Music Festival Adelboden, Agensteinhaus Erlenbach
  • Region Obersimmental-Saanen: Menuhin-Festival Gstaad, Sommets Musicaux Gstaad, Jazz Tage Lenk

Die Liste dieser Institutionen muss nach der Konsultation vom Regierungsrat genehmigt werden. Anschliessend wird mit jeder Institution ein Leistungsvertrag ausgehandelt, dem neben der Institution auch die künftigen Finanzierungspartner zustimmen müssen. Diese drei Partner sind die jeweilige Standortgemeinde, die Regionalkonferenz Oberland-Ost beziehungsweise die noch zu bildenden Gemeindeverbände für die drei übrigen Regionen sowie der Kanton Bern.

Der Kanton Bern wird sich ab dem 1. Januar 2017 mit 40 Prozent an den Betriebsbeiträgen dieser Institutionen beteiligen. Die restlichen 60 Prozent teilen sich die Standortgemeinden sowie sämtliche Gemeinden der jeweiligen Region nach einem auszuhandelnden Verteilschlüssel.
 

Das Leben auf der anderen Seite

Das Brandenburgische Staatsorchester brachte die Neufassung von Alfred Felders «Delaram» für Bariton und Orchester zur Uraufführung. Ein Werk, das auf Verinnerlichung zielt.

Applaus nach der Uraufführung: Alfred Felder (li) Bariton Robert Koller (re). Foto: © hb

Der Titel Delaram ist persisch und setzt sich aus «del» für Herz und «aram» für Ruhe zusammen. Alfred Felder (*1950 in Luzern) hat sich wiederholt mit Texten des persisch-islamischen Mystikers Jelaluddin Rumi beschäftigt – vom Oratorium âtesh, dem Violinkonzert open secret bis zum Werk für Bariton, Chor und Orchester Khamush, das 2012 in der Tonhalle Zürich zur Uraufführung kam. Um eine Neufassung, die das Werk vom Oratorischen ins Sinfonische überführt, handelt es sich bei Delaram, das im Auftrag des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt entstand. Auf den Chor verzichtet das neue Werk, geblieben ist der Text, seine Vertonung und Vergegenwärtigung durch die Solostimme und die Intention des Ganzen als eines Requiems ohne Dies irae und ohne den Tod als Schreckensvision.

Das Wort «Vergegenwärtigung» ist mit Bedacht gewählt und problematisch zugleich. «Schau mich an! Ich bin dein Gefährte im Grab!» So beginnt – in der Übersetzung des Komponisten – Rumis Ghasel 491. Die Baritonstimme lässt den Anruf des Gottes klangvoll ertönen und sein Gruss «salam» wird vom Orchester volltönig strahlend unterstrichen. Robert Koller, der Bariton der Uraufführung am Freitag, 13. Februar 2015, füllt mit seiner markig warmen Stimme diesen grossen Gestus bewundernswert aus. Und wenn der Solist gar den «Liebesrausch» im Grab beschwört und die Musik rauschhaft zu kreisen beginnt, scheint er als Figur auf dem Podium von einer fast opernhaften Lebendigkeit.

Fast: denn eigentlich ist alles ganz anders. Nicht erst mit der Mahnung «Such mich nicht in menschlicher Gestalt!» besitzt Felders Musik bei aller Farbigkeit, allen heftigen Ausbrüchen und ihrer rhythmischen Energie ein eigenes spezifische Gewicht: Entmaterialisiert, mystisch klingt diese Stimme. Obwohl sehr präsent und umgeben vom sinnlichem Orchesterklang, ist es – wie schafft der Komponist das bloss? – eine Stimme von der anderen Seite. Dazu hat Koller die weit gespannten, berührenden stimmlichen Möglichkeiten: die ruhig gehaltenen tiefen, geheimnisvollen Töne, das ätherische Falsett zu «Oh seltsame Nacht!».

Aber auch das instrumentale Geschehen ist von einem «Wissen» durchdrungen, das im blossen Text nur Behauptung wäre. Was wäre der Vers «Nie warst du getrennt von mir!» ohne das Fagott-Solo? Die orchestralen Mittel, die Felder zur Verfügung stehen, sind denkbar vielfältig. Lyrisch monologisierende Soli und sphärische Klänge gehören dazu ebenso wie mächtige Klangballungen, komplexe Rhythmik ebenso wie Passagen des sich auflösenden Zusammenhalts. Für das «ruhige Herz», das sich am Ende als Quintessenz aus dem im Ghasel verhandelten Erlebnis einstellt, war der Dirigent Zsolt Hamar mit seiner ruhigen Kompetenz, der klaren, die Musiker gewissermassen einladenden Gestik offensichtlich der richtige Mann.

Dass das Brandenburgische Staatsorchester ein Klangkörper von eigenständiger Ausdruckskraft ist, zeigte sich auch in den beiden Werken, die die Uraufführung einrahmten. Das Programm stand unter dem Motto «Musik und Transzendenz». Die Sinfonia sacra des polnischen Komponisten Andrzej Panufnik (1914–1991) zu Beginn des Konzerts passte selbstredend zu diesem Thema, aber auch das Werk des Russen Alexander Skrjabin. Dessen 2. Sinfonie stand schon in Bezug zu seiner Idee eines kunstreligiösen Gesamtkunstwerks, eines «Mysteriums», das in sieben aufeinanderfolgenden Tagen im Himalaya aufgeführt werden sollte und dem er zutraute, dass es die Menschheit verwandeln würde. Spannende Bezüge und Kontraste ergaben sich damit aber nicht nur thematisch, sondern auch in den rein musikalischen Sachverhalten, und dem klugen Konzept folgte die Realisation, die unter Hamars energievoller und auch enthusiastischer Leitung mit dem Finale der Skrjabin-Sinfonie bildlich gesprochen in den Himalaya führte.

Mehr von Herbert Büttiker zu Felders Werken auf: www.roccosound.ch

Aarau überdenkt seine Kulturförderung

Der Aarauer Stadtrat hat von der umfangreichen Umsetzplanung des Kulturkonzepts für die Jahre 2015 bis 2018 Kenntnis genommen und sechs Massnahmen für das Jahr 2015 gutgeheissen, unter anderem eine Überprüfung der Richtlinien zur Kulturförderung.

Alte Reithalle in Aarau. Foto: Stadt Aarau

Laut der offiziellen Mitteilung der Stadt ist für das laufende Jahr die Einsetzung eines externen Projektbeauftragten zur Evaluation des Projektes Oxer sowie die Ausarbeitung eines Betriebskonzeptes für das künftige Theaterhaus vorgesehen. Die Sommerbespielung der Alten Reithalle zwischen April und September wird fortgesetzt.

Für den kantonalen Leuchtturm  KiFF sollen Abklärungen zu einem neuen Standort begonnen werden. Die Pflege der Kulturhäuser mit kantonaler Bedeutung soll über eine engere Zusammenarbeit und verbesserte Infrastrukturleistungen erreicht werden. Für alle Kulturinstitutionen soll die Vermittlungsarbeit optimiert werden.

Die Kulturkommission hat in diesem Jahr den Auftrag, die Richtlinien zur Kulturförderung im Sinne des Kulturkonzepts zu überprüfen und zu überarbeiten. Die Bildung von Schwerpunkten, eine Stärkung von Festivalprojekten und Vereinfachung von Bewilligungsverfahren sind Themen, die in diesem Rahmen näher beleuchtet werden sollen.

Der Bedarf an Produktions- und Veranstaltungs-, Atelier- und Lagerräumen ist in Aarau ungebrochen, schreibt die Stadt weiter. Diesem Bedürfnis soll mit einem entsprechenden Tool begegnet werden, das die zugänglichen (vorerst städtischen) Räume umfasst und einfach reservieren lässt. Die Konzeption und Umsetzung soll in diesem Jahr erfolgen. Zudem sollen Strukturen und Abläufe im Kulturbereich optimiert werden.

 

Bach-Archiv erwirbt Dokument zu Bachs letzter Amtshandlung

Das Bach-Archiv Leipzig hat beim Now Yorker Auktionshaus Swann’s ein lange verschollen geglaubtes Dokument zu Bachs letzter Amtshandlung erworben – die Quittung einer Auszahlung aus dem «Legatum Lobwasserianum», die zuletzt 1908 bei einer Versteigerung des Leipziger Auktionshauses C. G. Boerner zu sehen war.

Quittung Legatum Lobwasserianum, Leipzig, Juli 1750 © Sammlung Bach-Archiv Leipzig,SMPV

Das Dokument gibt heute als einziges Auskunft über den Zustand Bachs nach der Augenoperation durch den englischen Okulisten John Taylor im April 1750. Der Quittungszettel ist Zeugnis der letzten nachweislichen Amtshandlung des Thomaskantors. Bach beauftragt Anfang Juli 1750 seinen jüngsten Sohn, den knapp 15jährigen Johann Christian, die jährlich anfallende Auszahlung aus dem «Legatum Lobwasserianum» in Empfang zu nehmen und zu quittieren. Noch im selben Monat verstirbt der Komponist.

Das «Legatum Lobwasserianum» geht auf eine Stiftung der frommen Leipziger Juristenwitwe Maria Lobwasser († 28. 4. 1610) in Höhe von 1000 Gulden zurück. Die jährlich anfallenden Zinserträge dieses Kapitals von 50 Gulden waren zur Unterstützung der Kirchen- und Schuldiener zu St. Thomas bestimmt, wobei dem Kantor, dem Konrektor und dem Tertius der Thomasschule jeweils 2 Gulden zustanden. Dies entspricht etwa der Grössenordnung des durchschnittlichen Wochenlohns eines Organisten der Bach-Zeit. Die Auszahlung erfolgte auf Wunsch der Verstorbenen am Tag Mariae Verkündigung, dem 2. Juli.

Im Dezember 2014 tauchte die untere Hälfte des Blattes (mit der Quittung von 1750) auf einer Auktion der Firma Swann’s in New York auf. Der Dokumentation war zu entnehmen, dass sich zumindest dieses Fragment vormals im Besitz der berühmten Cembalistin Wanda Landowska (1879–1959) befunden hatte. Die Quittung wird während des Bachfestes Leipzig, das vom 12. bis 21. Juni 2015 stattfindet, in der Schatzkammer des Bach-Museums Leipzig erstmals öffentlich gezeigt.

Wiener Musikinstrumentensammlung bedroht

Der Sammlung alter Musikinstrumente in der Hofburg droht das Aus. Mit einer Online-Petition wird für den Erhalt der international bedeutenden Ausstellung gekämpft.

Foto: Andreas Praefcke / Wikimedia Commons

Die Verfasser der Petition schreiben, die Ausstellung, die jährlich von rund 80 000 Personen besucht wird, solle weitgehend aus den Räumlichkeiten der Bel Étage der Neuen Burg verschwinden, um dem zukünftigen Haus der Geschichte Platz zu machen. Die Sammlung alter Musikinstrumente (SAM) sei eine der bedeutendsten europäischen Sammlung historischer Musikinstrumente und unverzichtbarer Teil der Dokumentation österreichischer Musikgeschichte.

Die Petition verlangt unter anderem:

«Die Sammlung alter Musikinstrumente muss in ihrem derzeitigen Umfang uneingeschränkt an ihrem aktuellen Standort erhalten bleiben.

Die Destruktion der tadellos funktionierenden Ausstellung ist pure Geldverschwendung, die im Sinne aller SteuerzahlerInnen zu unterlassen ist.

Die langjährige Schliessung, die der SAM nach der Räumung der jetzigen Ausstellungssäle droht, weil kein Budget für die Neueinrichtung in Aussicht ist, muss vermieden werden.»

Link zu weiteren Details und zur Unterzeichnung der Petition: Website

Genf organisiert erstes Locazik-Festival

Seit zehn Jahren stellt das Jugendamt der Stadt Genf Jugendlichen Band-Proberäume zur Verfügung. Was dort so alles entsteht, präsentiert die Stadt am 6. und 7. März nun erstmals in Form eines Festivals.

Foto: Centre Pâquis

Nachwuchsbands können die Proberäume der Stadt während jeweils zwei Jahren unentgeltlich nutzen. Ein Verlängerung der Nutzungszeit ist möglich. Profitiert vom Angebot haben bisher ein gutes Dutzend Bands mit insgesamt rund hundert Mitgliedern. Ihnen wird nach Möglichkeit Raum in ihrem städtischen Heimatquartier vermittelt.

Nun ermöglicht das Jugendamt der Stadt ihnen im Rahmen eines Festivals namens Locazik, das von den Jugendlichen organisatorisch selber durchgeführt wird, sich öffentlich zu präsentieren.

Am 6. und 7. März stellen sich sieben Gruppen auf der Bühne der Traverse im Quartierzentrum Pâquis vor. Die stilistische Bandbreite reicht von Rock über Ska und Punk bis zu Blues und Métal, Hip-Hop und Chanson.

Bundesrat nimmt Stellung zu Aufenthaltsbewillligungen

Der Basler Nationalrat Daniel Stolz wollte vom Bundesrat wissen, wie viele Kunstschaffende aus Drittstaaten in den letzten Jahren eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz erhalten haben, welchen Einfluss Kürzungen der Kontingente dabei haben und ob in diesem Bereich allenfalls Regelungslücken bestehen. Nun liegt die Antwort vor.

Foto: bildergala – fotolia.com

Laut Bundesrat haben in den letzten drei Jahren jeweils über 2000 Kulturschaffende eine achtmonatige Bewilligung erhalten. Darüber hinaus seien jährlich rund 130 Arbeitsbewilligungen für Fachkräfte im Kulturbereich zu Lasten des Drittstaatenkontingents erteilt worden, unter anderem für Schauspieler, Musiker in Symphonieorchestern oder Lehrpersonal an Konservatorien.

Die Folgen der Kürzung der kontingentierten Bewilligungen könnten, so der Bundesrat weiter, derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Die Zuteilung der Kontingente liege in erster Linie in der Kompetenz der Kantone. Nach dem Willen des Bundesrates soll die erfolgte Kürzung durch eine bessere Ausschöpfung des inländischen Potenzials aufgefangen werden. Für die Zulassung von hochqualifizierten Spezialisten, die in der Schweiz dringend benötigt werden und weder hierzulande noch im EU-Raum zu finden sind, bestünden weiterhin Zulassungsmöglichkeiten.

Aus Sicht des Bundesrates besteht derzeit keine grundlegende Regelungslücke. Bei Musikern könne von einem hohen wissenschaftlichen Interesse ausgegangen werden, wenn sie an einer Hochschule mit einem genügend grossen Pensum beschäftigt seien. Ein solches liegt in der Regel jedoch nicht vor, wenn sich eine Musikerin oder ein Musiker nach einem Hochschulabschluss in der Schweiz selbständig machen möchte.

Charme und Spielwitz

Flötenmusik mit Klavierbegleitung aus der Schweiz ist immer noch ein unerschöpfliches Dorado.

Ausschnitt aus dem CD-Cover

Seit dem Solostück Danse de la chèvre (1919) von Arthur Honegger und der Ballade für Flöte und Klavier (1939) von Frank Martin wird Flötenmusik von Schweizer Komponisten fast so stark beachtet wie diejenige aus dem westlichen Nachbarland. Wie viel Interessantes und Wertvolles es aus der Zeit von 1921 (Werner Wehrli: Suite) bis 1989 (René Gerber: Valse) zu entdecken gibt, was lange im Schatten der eben genannten Pièces de résistance stand, stellen die Flötistin Franziska Badertscher und die Pianistin Anne de Dadelsen mit viel Charme, Spielwitz und Brillanz vor.

Als besondere Trouvaille erweist sich die 1937 entstandene Grande Sonate op. 53 von Joseph Lauber. Einflüsse von Debussy und Ravel hat der Rheinberger-Schüler aus dem luzernischen Ruswil zu einer farbenreichen Klangsprache verarbeitet. Den vorwiegend kantablen Kopfsatz (Patetico) und das quirlige Presto-Finale (Burlesco) gestalten die dynamisch musizierenden Interpretinnen mit virtuosem Zugriff.

Die expressive Sonata op. 68a für Altflöte und Klavier von Raffaele d’Alessandro bestätigt den Ausspruch von dessen Kontrapunktlehrerin Nadia Boulanger: «Vous portez en vous une œuvre authentique.» Lyrische Qualitäten überwiegen in Werner Wehrlis stilistisch vielschichtiger Suite op. 16 von 1921. Aus dem leichtfüssigen Marsch spricht Schalk, der ausdrucksvolle Liedsatz gibt sich verträumt. Romantizismen wechseln mehrmals mit neoklassizistischen Elementen ab.

Durch viel Transparenz und fein konturierte Linearität zeichnen sich Kaval und die Sonatine von Jean Binet aus, Noblesse erfüllt die schlichte Pavane und einen Walzer des Neuenburger Dukas-Schülers René Gerber. Von den langjährigen Erfahrungen als Jazzpianist profitierte Julien-François Zbinden in der nach französischem Modell komponierten, klaren und knappen Sonatine op. 5. Federleicht gespielte Tonrepetitionen der Flötistin tragen zur Lebendigkeit dieses spritzigen Opusculum ebenso viel bei wie die akzentreichen Synkopierungen der Pianistin.

Image

Vous portez en vous une oeuvre authentique. Chefs-d’oeuvre de la musique suisse pour flûte et piano d’entre 1921 et 1989. Franziska Badertscher, Flöte; Anne de Dadelsen, Klavier. Gallo CD-1424

üben

Üben ist ein ewiges Thema. Was bedeutet das eigentlich? Welche neuen Ansätze gibt es? Kann man Kreativsein überhaupt üben? Und wie probt man im Internet?

üben

Üben ist ein ewiges Thema. Was bedeutet das eigentlich? Welche neuen Ansätze gibt es? Kann man Kreativsein überhaupt üben? Und wie probt man im Internet?

Focus

Im Kopf geübt
Mentale Techniken bei Musikerinnen und Musikern
Résumé français

Üben ist das Wiederholen von Erfolg
Brigitte Bryner-Kronjäger im Gespräch über Techniken und Fehler

Kann man Improvisieren üben?
Einige Hinweise auf dem Weg zur inneren Musik

Une répète sur le net
Des logiciels permettent de jouer ensemble à distance
Zusammenfassung Deutsch
 

… und ausserdem

RESONANCE


Ein Land von Popkopisten
— Die Berner Ausstellung Oh Yeah! Popmusik in der Schweiz

L’art est-il soluble dans le management ? — La culture n’est pas une marchandise

Im Schmelztiegel — Michael Pelzel am Ultraschallfestival in Berlin

Mizmorim-Festival — Musik der «Neuen Jüdischen Schule» in Basel

Plus vite ! — Le film Whiplash s’immisce dans le monde du jazz

Growing up — Bericht von der Tagung Jazz in Europa 1960–1980

Carte blanche — Ein Unterrichtsexperiment mit Gerhard Wolters

Rezensionen Klassik, Jazz, Lokales & Globales — Neuerscheinungen
 

CAMPUS


Wege zum Musikstudium
 — Fragen rund ums Precollege

Ateliers ACMA à Sion — Les jeunes transmettent aux jeunes

Rezensionen Unterrichtsliteratur — Neuerscheinungen

klaxon —  Kinderseite
 

SERVICE


Youth Classics

FINALE


Rätsel
— Thomas Meyer sucht

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Eine Probe im Internet

Spezialisierte Software und Nutzergemeinschaften machen es möglich, mit Musikern zu proben, die weit weg sind. Was können diese Produkte und wo sind ihre Grenzen.

Proben mit abwesenden Kollegen dank Computer und Internet. Foto: bluemic.com
Eine Probe im Internet

Spezialisierte Software und Nutzergemeinschaften machen es möglich, mit Musikern zu proben, die weit weg sind. Was können diese Produkte und wo sind ihre Grenzen.

1996 fanden zwei merkwürdige Experimente statt. Beteiligt waren die Universität Genf und das German National Research Center for Information Technology in einem Vorort von Bonn. Am 30. Mai probten ein Pianist und ein Sänger in Genf mit einem Sänger in Deutschland mit Hilfe eines audiovisuellen Systems. Es ging vor allem darum, eine neue Netztechnologie zu testen, und dazu war dieses Projekt ideal, denn die Musik bedingt einen sofortigen und kontinuierlichen Austausch der auditiven Informationen in beiden Richtungen. Am 15. November desselben Jahres bereiteten Musiker in Genf eine Aufführung von Pierre Boulez’ Dérive vor – unter der Leitung eines Dirigenten in Deutschland. Grosse Bildschirme zu beiden Seiten und ein künstlicher Kopf ausgestattet mit Mikrofonen vor der Musikergruppe sollten dem Dirigenten einen Eindruck vermitteln, als stünde er vor dem Ensemble.

Beide Experimente sind keine zwanzig Jahre her, gemessen an der Existenz des Internets aber gewissermassen im Mittelalter. Schon früh haben Musiker also versucht, die neue Technologie für Fernproben zu nutzen. Gerade bei vielbeschäftigten Profis ist es oft schwer, sich für «richtige» Proben zu treffen, oder es findet sich kein geeigneter Raum.

Einen Takt später
Um das Jahr 2000 kamen dann mehrere Programme zum musikalischen Austausch auf, etwa Ninjam, eJamming oder JamNow. Und mit ihnen Lösungen, wie man das Problem der Latenz, der Verzögerung des Signals von einem Punkt zum anderen, in den Griff bekommen könnte. Einige sind seltsam. Bei Ninjam wird die Musik von einem Ort zum anderen um einen Takt verschoben. Die Latenzzeit wird auf ein musikalisches Mass, einen Takt, ausgedehnt. Man spielt also mit anderen, die überall auf der Welt sein können, und jeder hört seine Mitspieler einen Takt, nachdem sie gespielt haben. Das klingt bizarr, und es bringt auch einige Musiker völlig aus dem Konzept. Andere können sich bestens darauf einstellen und jammen stundenlang mit Gleichgesinnten. Daraus hat sich eine grosse Gemeinschaft gebildet, die im Netz sehr aktiv ist. Unzählige Audio- und Videobeispiele dokumentieren, dass das Programm sehr gut funktioniert vor allem im Jazz, Rock und Pop, wo auf Folgen von acht oder zwölf Takten jeder sein Solo spielt.

Ninjam wurde seit 2006 nicht mehr aktualisiert, wird aber immer noch intensiv genutzt. Das Programm ist wohl weniger geeignet, um eine grössere Anzahl von Mitspielern an den verschiedensten Orten zu einer Probe zusammenzuführen, es ist aber ideal, um Musiker in fernen Ländern kennenzulernen und mit ihnen zu spielen, ohne das eigene Zimmer zu verlassen.

Technischer Fortschritt
eJamming wurde 2010, also deutlich später als Ninjam, entwickelt und jat das Problem der Latenz gelöst. Dank den immer schnelleren Internetanschlüssen können die Musiker in Echtzeit zusammenspielen. Im Unterschied zu Skype bietet eJamming eine viel bessere, mit der CD vergleichbare Tonqualität. Im Moment arbeiten die Entwickler an einer neuen Version, eJamming Studiio. Sie soll neben dem Ton auch das Bild einbeziehen, so dass sich die Musiker bei der Probe auf Distanz auch sehen. Eine andere Erweiterung, eJamming Teach, wird für den Austausch zwischen Lehrern und Schülern aufgebaut und wird auch Partituren und pädagogische Materialien zugänglich machen. Im Gegensatz zu Ninjam kostet dieses professionellere System allerdings 90 Dollar pro Jahr.

Trotz der Fortschritte und Bequemlichkeit ist es unwahrscheinlich, dass diese Systeme dereinst die gute alte Probe ersetzen werden. Aber sie bieten die Möglichkeit, über räumlichen Hindernisse hinweg mit anderen zusammenzuspielen, irgendwo mitzuspielen, ohne einer festen Gruppe anzugehören, oder neue musikalische Techniken kennenzulernen, indem man fernen Kollegen zuhört. Und das ist schon eine ganze Menge.

> www.cockos.com/ninjam/

> www.ejamming.com

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