Mehr Ausbildungsplätze für Musiktherapie

Der Deutsche Musikrat und die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft fordern mehr Ausbildungskapazitäten im Bereich der Musiktherapie.

Foto: microgen/depositphotos.com

Aufgrund der Belastungen durch die Corona-Zeit und angesichts des Kriegs in der Ukraine, schreibt der Musikrat, hätten psychische und psychosomatische Störungen stark zugenommen, wie zahlreiche aktuelle Studien belegen. Musik könne sich positiv auf Körper, Geist und Seele auswirken und daher auch ohne Worte Verbindung zwischen Menschen schaffen – gerade im professionellen musiktherapeutischen Umgang mit dem seelischen Leid geflüchteter Menschen.

Doch obwohl die Hochschulrektorenkonferenz die Musiktherapie inzwischen als «Kleines Fach» anerkannt hat und damit ihre Relevanz unterstreicht, sind die Ausbildungskapazitäten für den musiktherapeutischen Bereich sehr begrenzt: Derzeit wird nur an sieben Hochschulen in Deutschland ein Musiktherapiestudium mit Bachelor- oder Masterabschluss angeboten.

Das Fach Musik in der Schweiz

Das Schulfach Musik ist regional unterschiedlich geprägt. Welche Entwicklungen hat es in den letzten Jahrzehnten erlebt und wohin bewegt es sich?

Foto: chris77ho/depositphotos.com

Dieses Buch trägt zwei Titel, und das ist programmatisch. Dank Zweisprachigkeit kommen verschiedene Sichtweisen auf kulturelle Fragen und Realitäten zusammen – ganz im Sinn und in der Tradition der SMZ. Die Co-Autorinnen Sabine Chatelain und Gabriele Noppeney verfassen sogar ihren Buchbeitrag zweisprachig. Sie stellen zwei unterschiedliche Unterrichtssequenzen (Spracherwerb durch Liedtexte und bilingualer Musikunterricht) vor, die sich zwar an einem gemeinsamen Referenzmodell (Integrated Music Education) orientieren, aber je an einer französisch- und an einer deutschsprachigen Lehrerausbildungsstätte durchgeführt wurden.

Jedem der zehn Beiträge ist ein dreisprachiges Résumé / Zusammenfassung / abstract vorangestellt, was sich besonders bei der Lektüre fremdsprachiger Texte als sehr hilfreich herausstellt.

Madeleine Zulauf blickt in «Le role de la recherche dans le développement de l’éducation musicale scolaire» auf die gut vierzigjährige Geschichte der Musikpädagogik in der Westschweiz zurück und stellt fest, dass sich das Forscherinteresse zunehmend neu ausrichtet und auf Innovationen in der Praxis zielt: «La posture des chercheurs passant de rétroactive à proactive.» Im Gegensatz zur Westschweiz fehlt in der Deutschschweiz eine wissenschaftliche Tradition in der Musikpädagogik. Schulmusik wird hier vor allem als praktische Disziplin angesehen, die von Praktikerinnen und Praktikern angeleitet wird. Doch welche konzeptionellen Vorstellungen liegen dabei zugrunde? Dieser Frage geht Olivier Blanchard in seinem Beitrag «Schweizer Schulmusik. Schule oder Musik?» nach. Hier Leistungsorientierung, da Musizieren, das Emotionales und Gemeinschaftsbildendes stärker gewichtet als messbare Leistungen.

Jürg Huber fragt grundsätzlich nach: Was eigentlich ist Sinn, Zweck, Inhalt und Didaktik von Schulmusik, und wie wird darüber diskutiert? Während in den Siebzigerjahren «Singen» und «kritische Hörerziehung» im Mittelpunkt standen, liegt heute ein umfassenderes Verständnis von Musikunterricht vor, wie beispielsweise ein Blick in den Lehrplan 21 oder aktuelle Lehrmittel zeigt. Nur, wie heisst unser Fach eigentlich, «Singen» oder «Musik»? Das Schulfach wurde im Jahr 2000 in der ganzen Deutschschweiz umgetauft. Doch die Frage nach der Priorisierung des Singens scheint nach wie vor virulent, meint Christoph Marty: Soll Singen nach wie vor die zentrale Rolle im Musikunterricht einnehmen oder soll es bloss einer von verschiedenen, gleichberechtigten Unterrichtsinhalten sein? Auch im vorliegenden Buch beschäftigen sich drei der zehn Beiträge mit der Stellung des Gesangs bzw. Lieds im Musikunterricht: «Singen oder Musik. Beweggründe zur Änderung einer Fachbezeichnung» (Marty), «Das Vermitteln von Kinderliedern in der Schule als Kulturbestandteil und musikdidaktische Kernaufgabe» (Stadler Elmer) und «Chorarbeit als Beitrag zur künstlerischen Bildung auf der Sekundarstufe II» (Beat Hofstetter).

Eine Untersuchung der Hochschule Luzern bestätigt die Beliebtheit des Singens an Gymnasien. Ganz schlecht hingegen schneiden Musiktheorie und Musikgeschichte im Ranking der Schülerinnen und Schüler ab. Noch beliebter als «Singen / Musik machen» ist allerdings «Musik hören». Was bedeuten diese Resultate für den Unterricht? Eine vordergründige Konsequenz wäre: Musik machen statt Musik studieren! Dieter Ringli schlägt einen anderen Ansatz vor, der sich nach dem Primat der Handlungs- und Schülerorientierung richtet: «Die Lust am Singen nutzen und mit Musiktheorie verbinden!» Wie das geht? Die Schülerinnen und Schüler (SuS) erarbeiten einen Popsong: eigenes Arrangement erstellen, Rhythmen (body)perkussiv zum Grooven bringen, Gesangslinien finden, Begleitungen harmonisieren, Texte schreiben – die Lösungsversuche praktisch-handwerklicher Probleme führen gleichsam intrinsisch zur Musiktheorie, die nun praktisch nützlich ist. Die Untersuchung zeigt weiter, dass selbstgesteuertes Arbeiten in kleinen Gruppen für die SuS sehr motivierend ist.

Welche Konsequenzen haben diese Forschungseinsichten für die Rolle und Aufgaben der Musikunterrichtenden? Und was bedeuten sie für deren Ausbildung? Jürg Zurmühle skizziert ein «Rahmenmodell für Unterrichtskonzepte für den schulischen Musikunterricht in Kindergarten und Primarschule», das produktive Spannungsfelder zwischen Offenheit und Strukturiertheit, Prozess- und Produktorientierung sowie konstruktivistischem und rezeptivem Lernen öffnet. Durch die Balance antinomischer Bedürfnisse bietet das Modell eine Orientierungshilfe für die Planung und Durchführung von Musikunterricht und erlaubt die Setzung ganz unterschiedlicher Schwerpunkte im schulischen Dreieck von Musik, Lehren und Lernen.

Zum Abschluss des Buches folgt noch ein Blick über unseren zweisprachigen Tellerrand hinaus, denn: Musik ist global; Musikkulturen aber sind lokal. Und die Musikpädagogik? Alexandra Kertz-Welzel meint in ihrem Beitrag, dass gerade im «Kontext der Internationalisierung und Globalisierung von musikpädagogischen Unterrichts- und Wissenschaftskulturen» eine kultursensible, die verschiedenen Traditionen berücksichtigende Musikpädagogik gefragt ist. Zwar sind musikpädagogische Konzepte wie das Orff-Schulwerk oder die Methoden von Suzuki und Dalcroze rund um die Welt bekannt. Neuere Ansätze kommen jedoch vorwiegend aus dem anglo-amerikanischen Raum. Kertz-Welzel, selber jahrelang in den USA forschend, fragt, ob wir uns mit dieser Dominanz in der musikpädagogischen Forschung abfinden müssen. Nein, denn Musikpädagogik sei zwar ein globales Fachgebiet und Englisch die Lingua franca, das Grundprinzip eines «transnationalen Austausches» sei aber die Diversität. Hilfreich ist an dieser Stelle der Hinweis auf https://www.isme.org, die International Society für Music Education. Anzufügen wäre noch https://eas-music.org, die European Association of Music in Schools, die jährlich spannende Treffen organisiert und zum Austausch einlädt.

Kulturen der Schulmusik in der Schweiz bringt zehn engagierte und profund recherchierte Beiträge – und regt in viele Richtungen zum Mitdenken an. Gehört in jede Schulmusikstube.

Image

Kulturen der Schulmusik in der Schweiz – Les cultures de l’enseignement musical à l’école en Suisse, Hg./éd. Jürg Huber, Marc-Antoine Camp, Olivier Blanchard, Sabine Chatelain, François Joliat, Regula Steiner, Jürg Zurmühle, 200 S., Fr. 38.00, Chronos, Zürich 2021, ISBN 978-3-0340-1627-8

In 100 Opern durch das 20. Jahrhundert

Jeder Komponist und jede Komponistin kommen nur einmal vor in dieser von Bernd Feuchtner erstellten Werkauswahl.

Ausschnitt aus dem Buchcover

Diesem Bernd Feuchtner kann man den überraschenden Titel Die Oper des 20. Jahrhunderts in 100 Meisterwerken abnehmen, denn er war zwanzig Jahre lang Musikjournalist, dann Dramaturg, Operndirektor, Dozent an verschiedenen Hochschulen und ist heute freier Autor. Mit Pfitzners Rose vom Liebesgarten (1901) und Debussys Pelléas et Mélisande (1902) setzt er an und fährt völlig überraschend mit Isaac Albéniz’ Merlin weiter, bevor er zu Puccinis Madama Butterfly (1904) kommt, jedesmal mit einleitenden Grunddaten zu Libretto, Dauer, Rollen, Uraufführung, Spielorten und Sprache.

Konsequent hält er sich an die Regel, jeden der 94 Komponisten und 6 Komponistinnen nur mit einem Werk in die Jahrhundert-Übersicht aufzunehmen, wobei Ethel Smyth mit The Wreckers von 1906 als einzige Opernkomponistin vor 1975 eingeschlossen wurde. Bis 2000 folgen dann noch Thea Musgrave, Adriana Hölszky, Meredith Monk, Olga Neuwirth und Kaija Saariaho mit ihren Meisterwerken. Als einziger Schweizer Komponist ist Othmar Schoeck mit seiner Penthesilea (1927) vertreten, zwischen König Roger von Szymanowski und Das Wunder der Heliane von Korngold. Der Autor fügt hinzu, dass James Joyce ein Bewunderer von Schoecks «farbenreicher Orchesterkantate Lebendig begraben» war.

Da begegnet man keinem trockenen Rapportieren von Handlung und Aufführungszahlen, sondern einem sehr persönlich gefärbten Miterleben, Beurteilen und Einordnen. Feuchtner hat ein ausgesprochenes Talent, Opernhandlungen attraktiv zu erzählen oder knapp zusammenzufassen, aber auch Bezüge zum zeitbedingten kulturellen Umfeld herzustellen oder Rezeptionsschwierigkeiten zu erläutern. Mit Krzysztof Pendereckis Oper Die Teufel von Loudon wird der Weg der allmählichen Befreiung Polens als Satellit der Sowjetunion aufgezeigt, der 1956 mit der Gründung des Festivals Warschauer Herbst einsetzte. Feuchtner geht aber auch von eigenen Erlebnissen als Dramaturg aus und schildert seinen Ersteindruck eines Werks, aber auch seine Enttäuschungen.

Theodor W. Adorno wird als einflussreichster Musiktheoretiker des 20. Jahrhunderts bezeichnet, aber auch seine Fehlurteile betreffend Sibelius, Britten und Schostakowitsch werden nicht verschwiegen. In vier materialreichen Exkursen ordnet Feuchtner das Opernschaffen in das politische Zeitgeschehen ein: «Der Weg der Veristen in die Arme von Mussolini», «Politische Oper in den USA», «Oper in Lateinamerika», «Berlin, Hauptstadt der DDR». In der umfangreichen Einleitung schreibt er: «Komponiert wurden im 20. Jahrhundert weit mehr als zehntausend Opern. Hunderte davon konnte ich als Journalist […] und in der Theaterpraxis kennenlernen.» Und daraus ist dieses in jeder Hinsicht lesenswerte Opernbuch entstanden.

Image

Bernd Feuchtner: Die Oper des 20. Jahrhunderts in 100 Meisterwerken, 688 S., reich illustriert, € 39.80, Wolke, Hochheim 2020, ISBN 978-3-95593-250-3

Wenn Krach zu Musik wird

Warum tun Dissonanz, Feedback und Geräusche, die eigentlich nichts mit Musik zu tun haben, manchmal so richtig gut?

Guillaume de Germain / unsplash.com

Frage an meine Facebook-Bubble: Warum tun Dissonanz, Feedback und Geräusche, die eigentlich nichts mit Musik zu tun haben, manchmal so richtig gut? Tausend Dank an alle, die hier mitgemacht haben!

Stephan Greminger
Es ist der Makel, der die Schönheit erst perfekt macht.

Markus Wicker
Und wir empfangen jedes Signal mit Störungen, Nebengeräuschen. Rauschen, Feedback, Noise zur Musik replizieren und kommentieren so quasi unsere Situation als Empfänger der Message. Metamessage, sozusagen. Uff.

Ernst Hofacker
Weil sie Gefühle triggern und Aggressionen abführen können. Als ich ein Teenager war, hat mir das Gewalttätige/Schrille von Stücken von The Who oder auch Pink Floyd und White Noise geholfen, meine eigenen Frustrationen besser auszuhalten.

Niklaus Riegg
Die Geräusche in der Musik? Oder Geräusche im «Alltag», abseits der Musik?
Hanspeter Kuenzler
Geräusche, die als «Musik» präsentiert oder in konventionelle Musikstücke integriert werden. Wie zum Beispiel das digitale Vinylrascheln, das plötzlich auf jeder Trip-Hop-CD auftauchte und Wärme suggerieren sollte.
Niklaus Riegg
Eine spannende Frage, die ich mir so nie gestellt habe. Für mich sind alle Geräusche in der Musik, die bewusst dazu gefügt wurden, Musik.

Sebastian Hefti
nicht einmal nichts hat eigentlich nichts mit musik zu tun

Andi Gisler
Ich denke, Rockmusik im Speziellen wäre ohne «Dissonanz, Feedback und Geräusche» undenkbar und dies hat sehr wohl mit Musik zu tun. Durch Verzerrung wird harmonisch «einfache» Musik eben komplexer, weil Obertöne verstärkt werden, die bei «sauberem» Musizieren nicht hörbar sind. Eine Snaredrum funktioniert eigentlich gleich, da der Snare-Teppich den Klang komplexer und «harrig» macht.

Daniel Bosshard
Dissonant ist etwas nur so lange, bis man sich daran gewöhnt hat. Da sich Junge schneller an etwas Neues gewöhnen, eignen sich Dissonanzen oder Lärm/Geräusch hervorragend, um sich als Szene von der langweiligen Restwelt abzugrenzen. Beispiele: Teufelsakkord/Tritonus im Mittelalter, verzerrte Gitarren, Drum&Bass Geklapper, neuartiges Rap-Gemurmel.

Chrigel Fisch
Um es mit Björk zu sagen: «everything is music!», der Beweis!
https://youtu.be/R3V94ZtmdbQ?t=189

Chregi Müller
Weil immer nur Harmonie unglaubwürdig ist.

Juergen Asche
gute frage, vielleicht weil man so die musik noch mehr spürt? ist einfach schön, wenns knackt, rauscht und hallt, auch oder vor allem, wenn dazu noch eine sehnsüchtige melodie verfolgt werden kann. [Herzchen]

Stefan Strittmatter
Alles hat mit Musik zu tun.

Sascha Krüger
Noise, feedback, Störgeräusche, auch field recordings: für mich die audiophile Entsprechung von abstrakter Malerei. Und wer dafür ein Faible entwickelt, wird darin mehr Tiefe, Dynamik und intuitive Kraft entdecken als in jeder konventionellen, figürlichen und «sauberen» Darstellung. Bei mir lösen solche Neben- oder auch Dominanzgeräusche regelrecht synästhetische Reaktionen und Emotionen aus.

Samuel Blatter
Ich denke nicht, dass man das von der Musik trennen kann wie du es in deiner Fragestellung andeutest. Dissonanz ist ein unverzichtbarer Teil der Musik (so wie Schatten und Licht ohne einander nicht existieren können, braucht es auch Dissonanz für Konsonanz.) Sound/Klang ist ist die Grundlage überhaupt für Musik. Feedback und Geräusch gehören für mich zum Klang und sind eine Art extreme Überhöhung von Klanganteilen, die sonst vom «Wohlklang» übertönt werden. Funktioniert ja grundsätzlich auch akustisch mit der Stimme oder mit anderen Instrumenten. In der elektr(on)ischen Musik halt noch viel extremer, weil da einerseits selbst leise Anteile extrem laut gemacht werden können oder durch Übersteuerung/Effekte gar ein Eigenklang entstehen kann und andererseits die Lautstärke zusätzlich ein physisches Erleben des Klanges möglich macht.

Daenu Extrem
Die Gehirnhälften reagieren auf verschiedene Töne anders. Während die linke Hälfte eher auf Harmonie reagiert, ist die rechte Hälfte mehr für Geräusche zuständig. Die Mischung macht’s spannend!
http://www.scinexx.de/news/linkes-und-rechtes-ohr-hoeren-verschieden

Marc Unternährer
Warum sollen die nichts mit Musik zu tun haben?

Pop Ogö
Gewagte These ohne jede Beweisführung:
Für mich geht es irgendwie auf, wenn man das vom «Gegenteil» her denkt: Musik wird ja oft auch sehr spannend/stimmungsvoll/atmosphärisch usw., wenn viele/bestimmte Töne nicht gespielt werden, Pausen bleiben, die Stille zu «hören» ist … Im Umkehrschluss lassen sich, so zumindest mein Empfinden, auch Geräusche/Störungen/Noises erfahren, die nicht in die Musik «gehören» … Neben der schieren Überwältigung durch «Walls» u.ä. bei z.B. Sonic Youth, My Bloody Valentine, Jesus&MC

Daniel Gfeller
Dazu gibt es ganze Bibliotheken voll Literatur. Geräusch / Klang = Spiel mit Objekt / Subjekt? Dieser Mechanismus erzeugt Lust (Ja!), ähnlich wie Erotik, Glück etc. Der schlaue sound-designer setzt das bewusst zur Umsatz-Steigerung ein 🙂 Andere (young gods usw.) fördern damit den Kult/Grübel/cool Status. Und zur Dissonanz: tja, die liegt ganz im Ohr (Sensibilität/musikalische Bildung) des Hörers …

Thomas Widmer
Wenn das Nichts los so richtig nichts wär, hätte es keinen Namen.

Marcel Thomi
Ein richtiges Feedback tut niemandem gut, weder dem Ohr noch der Technik. Aber vermutlich meintest du was anderes.

Dieter Ammann
Frag Helmut!
https://www.gmth.de/proceedings/artikel/40.aspx

Roli Frei
Die Dissonanz lasse ich ab und zu wohltuend an meiner Seele zerren, befreit blockierte Seelenstränge aus einem Kokon der endlosen Harmonie oder auch Trägheit, weckt die andere Seite in mir, kitzelt das Schräge, Dunkle, das Absurde, oder auch das Grelle hervor.
Unabdingbar für das musikalisch-seelische Gleichgewicht.

Michael Sailer
Ich weiss nicht.
https://www.youtube.com/watch?v=wlBIqfn6Rxs

Hans Rudolf Martin
… und in der Zwischenzeit warte ich auf einen neuen Song wie z. B. «Ruby Tuesday» von den Rolling Stones, 1967; über Radio im Stall meines Vaters mit jungen Kälbern empfangen in UKW-Qualität, im Hintergrund die gekühlten Milchkannen, in die frisch gezapfte Kuh-Milch floss …13 Jahre alt war ich mit 1/2 Jahr Gitarrenstunde Erfahrung bei Grieder Gitarrenunterricht in Liestal, Nylonseiten, meine Mutter hatte mich unterstützt; zum ersten Mal gehört und ich wusste, dieses Lied wird ein Hit.
Seit den Dire Straits und «Sultans of Swing», 1978 beim Vorbeiwandern aus einem Coffee-Shop in Amsterdam: gefragt und Auskunft bekommen, zusammen mit meinem alten Freund Martin, der anno 1976 nach New York auswanderte, aufgeschnappt, (und ich wusste, diese Band wird bekannt) seither ist verdammt wenig passiert …

Heinrich Zwahlen
Bring the noise!

Michael Schimek
Weil Krach weder falsch noch richtig ist. Eine falsch intonierte Note kann hingegen richtig weh tun.

 

———————————-

Anmerkung der Redaktion: Der O-Ton wurde beibehalten. Hinsichtlich Rechtschreibung und Zeichensetzung wurden meist die Editionsstandards der Schweizer Musikzeitung angewendet. 

Link zum Bild

Strengthening Music in Society

During the congress of the European Association of Conservatories (AEC) which took place in October 2022 in Antwerp, an article entitled ‚Musicians as makers in society: a conceptual foundation for contemporary professional higher music education‘ caused a stir. This aims to put at the heart of the tertiary space of music education certain concepts such as artistic citizenship, critical reflection, cultural entrepreneurship and social commitment.

Antoine Gilliéron — So , how can we train today very high-level young musicians who are also artists capable of positively impacting society beyond their musical practice? This article intends to highlight good practices in our Hautes Écoles of Music on this subject.

Musician as a maker in society

The ideas listed above in relation to social and civic responsibility are explored in this seminal article in their interactions with historically central concepts for music education, namely artistic excellence, imagination and creativity as well as musical heritage.

Based on the particular ethnomusicological notion of musicking (see insert), the latter provides dynamic responses to the needs of society. The role of musician being therefore defined as a creator in society, this vision is supported on the one hand by an immersion in the artistic milieu and on the other hand by a sustained practical experience within the city with the intention of guaranteeing a transition to professional life capable of responding to the problems encountered by the communities.

Ainsi, un changement de paradigme est reconnu par toutes les parties prenantes comme nécessaire pour repenser le fondement conceptuel de l’espace musical d’enseignement supérieur. Il s’agit de soutenir et de renforcer les pratiques musicales professionnelles qui vont dans ce sens, en prêtant attention à ce changement de paradigme et aux relations d’interdépendance qu’il met en évidence entre la vision, l’artisanat et l’art d’un.e musicien.ne et son engagement dans et pour la société. Maintenir ce flux énergisant entre l’artisanat artistique et l’imagination d’une part, ainsi que la pertinence et l’engagement sociétaux d’autre part, est un défi central et croissant pour les HEM de notre pays.

Quelques exemples dans les HEM helvétiques

« L’HEMU prend ses quartiers » est un projet de médiation visant à ce que les étudiant.es en Master de pédagogie réalisent un travail de démocratisation de la musique dans les quartiers populaires de Lausanne.

« Les concerts du cœur » soutenus par la HEM Genève – Neuchâtel consiste à faire entrer la musique dans des EMS, hôpitaux et prisons en offrant des concerts gratuits aux populations s’y trouvant.

À Lugano, une initiative de l’école de musique a pour but d’offrir aux élèves ukrainien.nes réfugié.es des cours gratuits dispensés par les élèves en Master de pédagogie et notamment des étudiant.es de nationalité russe et ukrainienne.

Du côté de Bâle, la présence de la Haute École dans la société se manifeste par divers projets comme de la médiation musicale dans les musées, institutions de soins et écoles ou encore des récoltes de fonds pour aider humanitairement l’Ukraine.

« Music in context » à Berne permet de structurer les curriculums via l’organisation des Major et Minor autour de la question centrale de la médiation culturelle et des formats de concerts innovants.

Lucerne, Zurich et Kalaidos aussi proposent de telles initiatives qui sans l’ombre d’un doute apportent énormément à la cohésion sociale, au renouveau du rôle de musicien.ne dans la société ainsi qu’à l’élargissement des perspectives professionnelles pour les étudiant.es en musique.

L’essence de la musique ne réside pas dans les œuvres musicales mais dans la participation à la représentation de celles-ci et à l’action sociale. La musique n’est donc pas tant un nom qu’un verbe : faire de la musique. Faire de la musique, c’est prendre part, sous toutes ses formes, à une performance musicale, et le sens du musicking réside ainsi dans les relations qui s’établissent entre les participant.es (y compris le public) par la performance. La musique fait partie de ce processus iconique et gestuel qui consiste à donner et à recevoir des informations sur les relations qui unissent le monde vivant. Il s’agit en fait d’un rituel par lequel les participant.es non seulement apprennent, mais expérimentent directement la façon dont ils se positionnent ou devraient se positionner en lien avec les êtres humains et le reste du monde. Ces relations idéales sont souvent extrêmement complexes, trop complexes pour être exprimées par des mots, mais elles sont exprimées sans effort par la performance musicale, permettant aux participant.es de les explorer, de les affirmer et de les célébrer. La musique est donc aussi importante pour notre humanité que la participation à des actes de parole, et tous les êtres humains naissent capables d’y prendre part, non seulement en comprenant les gestes existants, mais aussi étant capables de créer les leurs.

Ein Jahr vor fast zwei Säkula

Der Cellist Christoph Dangel und seine Kammermusikpartner spielen, was Rossini, Hummel, Romberg und Schubert 1824 so komponiert haben.

Christoph Dangel. Foto (Schnitt): Matthias Müller

Die Idee ist einfach, aber in diesem Fall bestechend. Man schneidet die Zeitwurst mal nicht der Länge nach, sondern quer auf und schaut, was nebeneinander zu liegen kommt. Zum Beispiel im Jahr 1824, als Beethovens Neunte uraufgeführt wurde. Es ist ein bewegtes Jahr, wie das reichhaltige CD-Booklet von Johannes Bosch aufzeigt, aber auch ein musikalisch bewegendes Jahr, allein jenes jungen Wieners wegen, der einen enormen Schaffensschub erlebt, grandiose Musik komponiert und nach neuen Formen strebt: Schubert. Dessen Arpeggione-Sonate mag derAusgangspunkt für das Programm gewesen sein. Der in Basel tätige Cellist Christoph Dangel, die zentrale Figur, um die sich hier alles dreht, spielt sie zusammen mit dem Gitarristen Stephan Schmidt – eine aparte und schlüssige Kombination, denn die Arpeggione war ja eine Streichgitarre.

Daneben erscheint der etwas ältere Rossini, der Schubert zwei Jahre zuvor im Wiener Opernbetrieb den Schneid abgekauft hatte und hier mit einem Duett für Cello und Kontrabass vertreten ist – was man zuallerletzt von ihm erwartet hätte. Dann ist da der brillante Johann Nepomuk Hummel mit der reifen Cellosonate op. 104 – am Fortepiano die quirlende Els Biesemans. Und schliesslich der ein bisschen vergessene Cellovirtuose Bernhard Romberg mit einem ungewöhnlichen Trio für Solocello, Bratsche (Katya Polin) und Cello (hier Kontrabass).

Es fehlt ausgerechnet der überlebensgrosse Beethoven in diesem Querschnitt, aber die CD des innovativen Zürcher Labels Prospero wartet dafür mit reizenden Entdeckungen und sorgfältigen Interpretationen auf. Etwa bei Rossini: Dangel und der Kontrabassist Stefan Preyer umspielen das, was daran schematisch ist, mit Charme, feinem Witz und bedachtsamer Phrasierung, führen den Walking Bass delikat vor und sind gleichberechtigte Partner. So kann man sich via Musik und Booklet in jenes fast zwei Säkula ferne Jahr zurückträumen. Die CD wird ein kleines Kunstwerk zum Lesen und Lauschen.

1824 (Rossini, Hummel, Romberg, Schubert). Christoph Dangel, Cello; Els Biesemans, Fortepiano; Katya Polin, Viola; Stefan Preyer, Kontrabass; Stephan Schmidt, Gitarre. Prospero PROSP 0016

Rund um Othmar Schoeck

«Passé composé. Neoklassizismus in der Schweiz» – Das Begleitbuch zum Othmar-Schoeck-Festival 2021 erweist sich als Lesebuch zur Schweizer Musikgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Veranstaltung am Othmar-Schoeck-Festival in der Schoeck-Villa in Brunnen. Foto: Mali Lazell / OSF

Das «Begleitbuch zum Othmar Schoeck Festival 2021» ist mehr als nur dies und in gewissem Sinn auch weniger. Die Wahl der Themen, der verhandelten Komponisten hat sich aus den Programmen ergeben, die in den Konzerten des Festivals gespielt wurden. Dennoch sind nur wenige Texte (etwa Heinrich Aernis Einlassungen zu Paul Müller-Zürich, Raffaele d’Alessandro und Hans Schaeuble oder Katrin Spelinovas Interview mit der Komponistin Cécile Marti) eigentliche Konzerteinführungen.

Zur Hauptsache enthält das Büchlein gemischte Essays, die Unterschiedliches wollen: Chris Walton gibt einen gedrängten Abriss seines Buches über Richard Flury, Michael Schneider eine Kurzbiografie von Peter Mieg, Cristina Urchueguía einen Bericht ihrer Beschäftigung mit Walter Furrer, Anselm Gerhard setzt sich in drei Analysen mit verschiedenen Perspektiven von Schoecks Liedkunst auseinander. Stand der Neoklassizismus als Leitstern über dem Festivalprogramm, so macht sich das Büchlein gar nicht die Mühe, diesen Bezug voll auszuleuchten oder gar zu Neudeutungen dieses musikhistorisch schwierigen Begriffs vorzustossen. Einzig Sibylle Ehrismanns Porträt des Aargauer Komponisten Werner Wehrli stellt diesen Epochenbezug her. Vielmehr entstand eine Sammlung von Texten, die sich erfrischend unaufgeregt zu einem anregenden Lesebuch zur Schweizer Musikgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammenfügt. Ergänzt werden die Betrachtungen um Interviews, etwa mit Marc Andreae über seinen Grossvater, den Dirigenten und Komponisten Volkmar Andreae.

Wahre Trouvaillen sind indes die Quellentexte, zum einen Arthur Honeggers Souvenirs sur Othmar Schoeck, welche den Protagonisten von ungeahnten Seiten zeigen, vor allem aber die beiden einfühlsamen essayistischen Betrachtungen von Schoecks älterem Bruder Walter aus den 1940er-Jahren, die gerade in unseren Tagen auch hierzulande erstaunlich aktuell sind: «Verzweiflung packt michob der Sinnlosigkeit der allgemeinen Vernichtung um Weniger willen […]. Sind Mozart, Bach, Beethoven und die andern nicht mehr, was sie waren, weil es den Zerstörern beliebt, die Welt in einen solchen Zustand der Armut zu versetzen, dass sie um Sicherheit und Brot froh ist und solche zu Trotteln macht, denen ein Gedicht oder ein Lied Erbauung ist […]. Ich will versuchen, noch etwas zu üben.»

Image

Passé composé. Neoklassizismus in der Schweiz, Begleitbuch zum Othmar Schoeck Festival 2021, hg. von Alvaro Schoeck und Chris Walton, 134 S., Fr. 15.00, Müsigricht, Steinen 2021, ISBN 978-3-9524842-7-2

Wohlklang

Eine bestimmte Musik gefällt den einen, anderen hingegen nicht: Klänge behagen, missfallen, wühlen auf, lullen ein. Jene, die nicht hören, können Musik über andere Sinne wahrnehmen und ebenso mehr oder weniger von ihr angetan sein.

Titelbild: neidhart-grafik.ch
Wohlklang

Eine bestimmte Musik gefällt den einen, anderen hingegen nicht: Klänge behagen, missfallen, wühlen auf, lullen ein. Jene, die nicht hören, können Musik über andere Sinne wahrnehmen und ebenso mehr oder weniger von ihr angetan sein.

Alle blau markierten Artikel können durch Anklicken direkt auf der Website gelesen werden. Alle andern Inhalte finden sich ausschliesslich in der gedruckten Ausgabe oder im E-Paper.

Focus

Ces sons qui nous apaisent
Certains sons nous détendent, d’autres nous agressent. Pourquoi ?

Wenn Krach zu Musik wird
Wie mit der Rockmusik Anti-Wohlklang zum Mainstream wurde
Online-Supplement: 25 Musikfans über Dissonanz, Feedback und Geräusch

Der Wohlklang und der Fortschritt — Arvo Pärt

Le mélodieux selon Jacques Cerf

Wohlklang ohne Klang
Interview mit der Gebärdensprachdolmetscherin Lilly Kahler

La RMS parle du thème de ce numéro à la radio : Espace 2,
Pavillon Suisse, 31 mai, de 20h à 22h30 (à environ 22h)

 

… und ausserdem

RESONANCE

 

Geraubt und verschollen geblieben — Provenienzforschung bei Streichinstrumenten

Rasanter Aufstieg digitaler Kunstmärkte — NFT im Musikbereich

Ins Freie und zu Ende gebracht — Beidler, Ott und Furrer in Witten

L’OSR ouvre ses rangs pour un concert au Victoria Hall

Musik in schwierigsten Zeiten — Kyiv Symphony Orchestra auf Tournee in Deutschland

Auf den Spuren eines Scharfrichters — «Baltz Mengis» in Luzern

Un nouveau festival tourné vers l’avenir — Vevey Spring Classic

Radio Francesco — les cochons/Schweine

Chatten über … — Katharina Nohl und Gotthard Odermatt

Carte blanche für Simone Keller und Lua Leirner

 

CAMPUS

Berühren, verzaubern, erheitern — Schweizer Kinder-Kunstlieder

Les limites du luth — entretien avec Bor Zuljan

 

SERVICE

Nachrichten, Linkempfehlungen — brèves, liens recommandés
 

FINALE


Rätsel
— Torsten Möller sucht


Reihe 9

Seit Januar 2017 setzt sich Michael Kube für uns immer am 9. des Monats in die Reihe 9 – mit ernsten, nachdenklichen, aber auch vergnüglichen Kommentaren zu aktuellen Entwicklungen und dem alltäglichen Musikbetrieb.

Link zur Reihe 9


Download der aktuellen Print-Ausgabe

Hier können Sie die aktuelle Ausgabe herunterladen. Bitte geben Sie im Printarchiv den Suchbegriff «E-Paper» ein.
Für Abonnentinnen und Abonnenten ist der Download kostenlos.

Allen andern Interessentinnen und Interessenten wird das PDF der aktuellen Ausgabe (oder einer früheren Ausgabe) gerne per E-Mail zugestellt. Kosten: Fr. 8.-.
Hier geht es weiter zur Bestellung des e-Papers.

Wir verschicken gerne auch die gedruckte Ausgabe. Kosten: Fr. 10.-
Hier geht es weiter zur Bestellung der gedruckten Ausgabe.

Kategorien

«Taurus»-Gala erstmals in der Schweiz

Am 24. September 2022 wird die Europäische Kulturpreisgala zur Verleihung des «Taurus» in der Tonhalle Zürich zu Gast sein. Der Preis ist eine der wichtigsten Auszeichnungen Europas und wird zum ersten Mal in der Schweiz verliehen.

Mit dem Taurus-Award werden Persönlichkeiten, Initiativen, Künstler, Politiker und Institutionen für ihre herausragenden Verdienste und Leistungen um und für Europa und die Menschen Europas geehrt. In den letzten Jahren waren das unter anderem die Tenöre Thomas Hampson, René Pape, Piotr Beczala und die Sopranistin Nina Stemme, das Jugendorchester der Europäischen Union, die Wiener Staatsoper sowie Dirigentin Simone Young.

Gastgeber des Abends ist das Tonhalle-Orchester Zürich unter der Leitung seines Musikdirektors Paavo Järvi. Auftreten werden unter anderem die Cellistin Sol Gabetta, die Wagner- und Strauss-Interpretin Camilla Nylund, der Bassbariton Bryn Terfel und der Geiger Nigel Kennedy.

«Taurus»-Gala erstmals in der Schweiz

Am 24. September 2022 wird die Europäische Kulturpreisgala zur Verleihung des «Taurus» in der Tonhalle Zürich zu Gast sein. Der Preis ist eine der wichtigsten Auszeichnungen Europas und wird zum ersten Mal in der Schweiz verliehen.

Tonhalle-Orchester Zürich. Foto: Gaëtan Bally

Mit dem Taurus-Award werden Persönlichkeiten, Initiativen, Künstler, Politiker und Institutionen für ihre herausragenden Verdienste und Leistungen um und für Europa und die Menschen Europas geehrt. In den letzten Jahren waren das unter anderem die Tenöre Thomas Hampson, René Pape, Piotr Beczala und die Sopranistin Nina Stemme, das Jugendorchester der Europäischen Union, die Wiener Staatsoper sowie Dirigentin Simone Young.

Gastgeber des Abends ist das Tonhalle-Orchester Zürich unter der Leitung seines Musikdirektors Paavo Järvi. Auftreten werden unter anderem die Cellistin Sol Gabetta, die Wagner- und Strauss-Interpretin Camilla Nylund, der Bassbariton Bryn Terfel und der Geiger Nigel Kennedy.

«Presenza» mit Sol Gabetta

Unter der künstlerischen Leitung von Sol Gabetta findet vom 3. bis 5. Juni erstmals das Festival «Presenza» im LAC Lugano statt. Es will klassisches Repertoire in neue Zusammenhänge setzen.

Sol Gabetta beim Proben im LAC Lugano. Foto: Luca Sangiorgi,Foto: Kaupo Kikkas,SMPV

Das moderne Luganeser Kulturzentrum, die Heimstätte des Orchestra della Svizzera italiana (OSI), bietet den Rahmen für die Inszenierung und Visualisierung von bekannten Werken. Das OSI hat der argentinischen Cellistin und Wahlschweizerin, die am Festival auch als Interpretin zu hören ist, eine Carte blanche für «das Festival Presenza» gewährt. Es ist auf mehrere Jahre angelegt.

Der Kurator Balthazar Soulier setzt die von der künstlerischen Leiterin Sol Gabetta programmierten Werke in Szene. Bekannte Cello-Konzerte werden dabei mit wenig aufgeführten Stücken kombiniert. Ziel ist, gewohnte Konzertabläufe zu durchbrechen und eine theatralische Dimension zu schaffen.

«Wir sind überzeugt, dass bereits kleinere Anpassungen des klassischen ‹Konzert-Rituals› und des Programms eine grosse Wirkung haben können», wird Sol Gabetta in der Medienmitteilung vom 22. Mai zitiert. «Was das Repertoire betrifft, werde ich mit dem OSI Cellostücke aus dem 19. Jahrhundert wiederbeleben. Darunter Werke, die von populären Opernarien inspiriert wurden, leider in Vergessenheit geraten sind und heute kaum mehr gespielt werden. Dabei agiere ich nicht als klassische Solistin, sondern integriere mich voll und ganz ins Orchester und werde Teil eines neuen musikalischen Erlebnisses.»

https://www.osi.swiss/presenza
 

Image
Das Orchestra della Svizzera italiana vor dem Kulturzentrum LAC in Lugano

Soziale Konzerterlebnisse dank virtueller Realität

Die Technische Universität Chemnitz entwickelt mit Partnerinnen und Partnern eine soziale Virtual-Reality-Anwendung (VR) zum gemeinsamen Erleben von Konzerten und Theateraufführungen abseits von TV und Live-Stream.

Foto: Maxim Hopman/unsplash.com (s. unten),SMPV

Mit Virtual Reality (VR) soll das Erlebnis von kulturellen Live-Shows nun zum ersten Mal von der Bühne nach Hause gebracht werden können. Ein Projektverbund entwickelt dazu derzeit eine VR-Anwendung, die Bühneninhalte live und dreidimensional in virtuelle Veranstaltungsräume überträgt, die von interessierten Personen als Avatare gemeinsam besucht werden können.

Neben der TU Chemnitz sind das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS aus Erlangen, Die Etagen GmbH aus Osnabrück, die YOUSE GmbH Berlin sowie die point omega AG aus Heidelberg am Forschungsprojekt beteiligt.

Homepage des Projektes: www.socialstagevr.de

 

Erfolg für Kamisarau in Cantú

Raman Kamisarau hat am 30. Concorso Internazionale per Pianoforte ed Orchestra in Cantù (Italien) mit seiner Interpretation des 2. Klavierkonzertes von Rachmaninow den 1. Preis gewonnen.

Raman Kamisarau bei der Preisübergabe. Foto: Berner Fachhochschule

Der weissrussische Student der Hochschule der Künste Bern (HKB) lebt seit 2018 in Bern. Er schloss das MA Music Performance Programm in der Klasse von Professor Tomasz Herbut mit Auszeichnung ab und studiert derzeit im MA Music Pedagogy Klassik. Während seiner Konzerttätigkeit ist Raman bereits in vielen Ländern Europas und Lateinamerikas aufgetreten und hat internationale Klavier- und Ensemblewettbewerbe gewonnen.

Am 30. Concorso Internationale per Pianoforte e Orchestra Città di Cantù trat Raman Kamisarau trat in der Kategorie Konzerte des 19. & 20. Jh mit Rachmaninows 2. Klavierkonzert, c-Moll, op.18, an.

ZHdK-Fagottstudierende brillieren

Minju Kim (1996), Kenichi Furuya und Minju Kim (1999) wurden am Wettbewerb des Internationalen Musikfestivals Prager Frühling (Pražské Jaro) mit den ersten drei Preisen ausgezeichnet.

v.l.n.r. Minju Kim (1999), Minju Kim (1996), Kenichi Furuya. Foto: Ivan Malý/Pražské Jaro

Die drei Ausgezeichneten studieren in der Klasse von Matthias Racz an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Der erste Preis ging an die 1996 geborene koreanische Fagottistin Minju Kim, der zweite an Kenichi Furuya aus Japan und der dritte an die 1999 geborene Fagottistin Minju Kim aus Korea. Alle drei erhielten neben den Hauptpreisen weitere Auszeichnungen.

Der Wettbewerb wird jedes Jahr im Mai in zwei Instrumentalkategorien durchgeführt. Teilnehmen können Musikerinnen und Musiker bis dreissig Jahre. Dieses Jahr war er für Klarinette und Fagott ausgeschrieben. Neben Geldpreisen sind Konzertauftritte zu gewinnen, darunter ein Auftritt am Festival Prager Frühling im Folgejahr.

2023 ist der Wettbewerb für Viola und Posaune ausgeschrieben, 2024 für Violine und Horn.
 

Swiss Jazz Award 2022 geht an Quinn

Das Jazz Ascona Festival verleiht den Swiss Jazz Award 2022 an den jungen Tessiner Trompeter Nolan Quinn.

Nolan Quinn (Foto: zVg)

Der 1996 in Lugano geborene und aufgewachsene Trompeter, Komponist und Produzent Quinn habe sich durch seine stilistische Vielseitigkeit und sein Verständnis der Jazzsprache einen Namen gemacht, heisst es in der Medienmitteilung. Nolan Quinn begann im Alter von neun Jahren Trompete zu spielen. Nach einem klassischen Studium schloss er 2014 in Bern das Master of Arts in Music Performance Jazz ab. Seitdem hat er über fünfhundert Live-Auftritte für eine Vielzahl von Produktionen, Fernseh- und Radiosendungen verzeichnet – mit Tourneen, die ihn durch Europa und den USA geführt haben.

Dabei ist er mit vielen international anerkannten Instrumentalisten und Sängern auf der Bühne gestanden, darunter Paul Anka, DJ Bobo, Tony Momrelle, Roberto Blades, Frank Dellé, Rick Margitza, Lutz Häfner und Guillermo Klein. In der Schweiz arbeitet er seit vielen Jahren mit dem Swiss Jazz Orchestra, der Swiss Army Big Band und als erste Trompete in Musicalproduktionen am Theater St. Gallen und den Thunerseespielen zusammen.

Der Swiss Jazz Award, der bereits an Musiker wie Pepe Lienhard, Raphael Jost, Bruno Spoerri, Franco Ambrosetti oder, im Jahr 2019, an die verstorbene Othella Dallas ging, wird dieses Jahr wieder im Rahmen des JazzAscona Festivals verliehen.

get_footer();