400 Jahre Oratorienchor St. Gallen

Am 2. Januar 1620 gründeten acht musikbegeisterte Gymnasiasten das collegium musicum civitatis sangallensis. Damit beginnt die 400-jährige Geschichte des ältesten Konzertchors der Schweiz.

«leges», die ersten Statuten der Chorgründer. Fotos: zVg,,SMPV

«Am zweiten Jänner 1620 tobte im Hochtal der Stadt St. Gallen ein wilder Schneesturm.» So beginnt der Bericht über die Gründung in einer Jubiläumsschrift zum 300-jährigen Bestehen des Chors. Die romantisch-dramatische Naturbetrachtung des damaligen Chronisten J. Heim führt in die geheizte Stube von Zacharias Büngier, der seine sieben Freunde empfängt. Sie stimmen ihre Instrumente und beginnen mit einem Choral, «der den im Gange zuhörenden Mägden und Hausleuten grosse Freude macht, ihre Herzen höher schlagen lässt und die trüben Wintergedanken verscheucht …». Die acht Jünglinge beschliessen, sich täglich zum Musizieren zu treffen und geben sich «leges», was etwa heutigen Statuten entspricht. Seit damals kann der Chor sein Bestehen über mehr als 15 Generationen von Sängern und später auch Sängerinnen nachweisen.

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Das Jubiläumsjahr wird mit verschiedenen Anlässen begangen:

Am 20. Januar wurde das 204-seitige Buch aussergewöhnlich – lebendig – verankert. 400 Jahre Oratorienchor St. Gallen vorgestellt, das die Chorgeschichte in den Kontext von Musikentwicklung und Wandel der Stadt rückt. Die Buchvernissage fand in der St. Laurenzenkirche statt, wo seit mehr als 160 Jahren die traditionellen Palmsonntagskonzerte durchgeführt werden.

An den Konzerten vom 4. und 5. April erklingt neben dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms die Uraufführung einer Jubiläumskomposition: Im Auftrag des Oratorienchors vertonte der St. Galler Komponist Alfons Karl Zwicker zwei Gedichte von Nelly Sachs, deren Todestag sich 2020 zum 50. Mal jährt. Das Werk trägt den Titel: Ohr der Menschheit, würdest du hören?

Vom 7. September bis 2. Oktober zeigt eine Ausstellung im Vadiana-Gebäude eine reiche Sammlung an Archivalien und Gegenständen, die sich in vier Jahrhunderten angesammelt haben. Im Rahmen der Ausstellung spricht der Musikwissenschaftler Emanuel Signer am 18. September zum musikgeschichtlichen Stellenwert des Oratorienchors St. Gallen, der den Vortrag musikalisch umrahmt.

Musizier- und Improvisier-Werkstatt

Die besten Rezepte aus zehn Jahren Kinderwerkstatt «Klangspuren lautstark» hat Catherine Milliken als Buch herausgegeben.

Catherine Milliken. Foto: zVg

Hier kommen die Früchte von zehn Jahren Arbeit. Seit 2008 organisiert die Komponistin und Oboistin Catherine Milliken jährlich die «Klangspuren lautstark», eine spezielle Werkstatt im Rahmen des Festivals Klangspuren im Tirol, die sich an Kinder und Jugendliche von 8 bis 18 Jahren richtet. In Gruppen wird komponiert und improvisiert und aufgeführt. Nun liegen «Best of» der Arrangements in praktischen Anleitungen und Konzepten vor und laden zum Spielen ein. Ausgangspunkt für den Kompositionsprozess ist oft ein Bild («Fremde Welten») oder ein Text («Was ich gerne mit Freunden mache»). Geräuschhaftes, dargestellt durch grafische Notationen, vermischt sich mit Melodien, Rhythmusfolgen und Akkorden. Daneben finden sich auch auskomponierte Lieder. Die Spannweite der Themen und Präsentationsformen reicht von Oper über Farben bis zu Hörspiel. Grundidee bleibt dabei immer, ein aufführtaugliches Stück gemeinsam zu erarbeiten. Und immer geht es darum, neue Klänge zu finden und das musikalische Vorstellungsvermögen zu erweitern.

Das Buch richtet sich an Musiklehrer, die Materialien und Konzepte suchen für das Improvisieren und Komponieren mit Kindern und Jugendlichen.

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Catherine Milliken: Klangspuren lautstark – Aktives Musizieren und Komponieren mit Kindern und Jugendlichen, 120 S., € 19.90, ConBrio, Regensburg 2018, ISBN 978-3-940768-75-9

Graz ehrt Anna Kull mit Wettbewerb

Die Kunstuniversität Graz ehrt mit einem neuen Cellowettbewerb die 1923 verstorbene Schweizer Cellistin Anna Kull. Vom 10. bis 22. Februar stellen sich dabei 95 junge Nachwuchskräfte aus 30 Nationen der Jury.

Anna Kull – Litografie aus der Sammlung Joseph Muller. Bildquelle siehe unten

Der Internationale Cello-Wettbewerb Anna Kull positioniert sich als Jugendwettbewerb und soll alle zwei Jahre für drei Altersgruppen (2020 die Jahrgänge 2000 bis 2006), abwechselnd für die Instrumente Violincello beziehungsweise Violine durchgeführt werden. Seine erste Ausgabe findet von 10. bis 22. Februar 2020 an der Kunstuniversität Graz statt.

In drei öffentlich zugänglichen Durchgängen stellen sich in diesen 12 Tagen 95 Nachwuchskräfte aus 30 Nationen einer internationalen Jury, die mit Julian Arp, David Geringas, Monika Leskovar, Milos Mlejnik, Gergely Mohl, Ditta Rohmann, Wen-Sinn Yang und Anke Schittenhelm (Vorsitz) prominent besetzt ist.

Anna Kull, wurde am 21. Oktober 1841 in Klausenburg (damals Siebenbürgen, heute Cluj-Napoca in Rumänien) geboren und wuchs in einer adeligen und musikalischen Familie in der Schweiz auf. Ihren ersten Unterricht erhielt sie, so wird vermutet, neben ihrem Vater vom Schweizer Cellisten Adam Schleich in Zürich und ab 1855 vom Solocellisten der Münchner Hofkapelle Hippolyt Müller. Aufgrund ihrer musikalischen Begabung spielte sie sowohl als Solistin als auch als Kammermusikerin bereits in jungen Jahren zahlreiche Konzerte in ganz Europa. Sie starb 1923, im Alter von 82 Jahren, in Trient (Italien). Ihr Instrument vererbte sie der Stadt Graz.
 

Bildnachweis

The New York Public Library – Digital Collections

https://digitalcollections.nypl.org/items/510d47df-f841-a3d9-e040-e00a18064a99

ZHdK mit neuer Profilleitung Kirchenmusik

Die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) besetzt die Stelle Profilleitung Kirchenmusik mit Tobias Willi. Er wird die Stelle in der Nachfolge von Beat Schäfer per Anfang August 2020 antreten.

Tobias Willi. Foto: zVg

Tobias Willi studierte Klavier und Orgel an der Hochschule für Musik Basel, sowie Orgel am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris. Sie 2010 ist er Orgeldozent an der ZHdK im Departement Musik und in der Weiterbildung.

Tobias Willi ist seit langem als Kirchenmusiker tätig, seit 2015 als Hauptorganist an der Zürcher Johanneskirche. Durch seine Konzerttätigkeit, zahlreiche Kurse und Projekte im Bereich Kirchenmusik und Orgel ist er laut der Mitteilung der ZHdK lokal und international sehr gut vernetzt.

Hammerklavier-Sonate

Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf seine Hammerklavier-Sonate.

Einigermassen überflüssig mutet bei dieser Sonate heute der Beiname «Hammerklavier» an. Für welches Instrument sonst sollte sie 1817/18 geschrieben worden sein? Tatsächlich geht er aber auf das Titelblatt der Wiener Erstausgabe von 1819 zurück, bei der Beethoven selbst nicht länger die traditionelle, aus dem Italienischen stammende Besetzungsangabe dulden wollte: «... daß hinführo auf allen unsern Werken, wozu der Titel Deutsch, statt piano-Forte Hammerklawier gesezt werde.» Dass mit dieser Angabe bereits zwei Jahre zuvor die Sonate A-Dur op. 101 im Druck erschienen war, hat die Nachwelt nicht wahrgenommen oder wahrnehmen wollen. Möglicherweise spricht aus der Verwendung des Beinamens aber auch der Respekt vor einem Werk, das wegen seiner spieltechnischen Anforderungen und der ausgreifenden formalen Dimension für lange Zeit als unspielbar galt – oder in den Worten von Daniel Barenboim: «Die Hammerklaviersonate wird nicht leichter, wenn man sie nicht spielt.»

Zu diesem Respekt hat zweifelsohne auch die missverstandene Metronomisierung des Kopfsatzes beigetragen (Halbe = 138), durch die das vorgegebene Tempo bei üblicher Lesart verdoppelt würde (eine Einspielung von Artur Schnabel aus dem Jahre 1935 zeigt die musikalische Absurdität einer solchen Realisierung auf, ein lesenswerter Essay von Johann Sonnleitner in der Neuausgabe der Wiener Urtext Edition sorgt indes für mehr Klarheit in der Sache). Franz Liszt jedenfalls ging noch davon aus, dass die Aufführung der gesamten Sonate «fast eine Stunde dauern» würde – mit seiner eher nachdenklichen Interpretation benötigte Glenn Gould immerhin knapp 50 Minuten. Die mit dieser Spieldauer verbundene, bis dahin unerhörte Monumentalität schwebte Beethoven freilich von Anfang an vor: «Jetzt schreibe ich eine Sonate, welche meine größte seyn soll» (so in der Überlieferung durch seinen Schüler Carl Czerny). Die klanglich weit über die Möglichkeiten des Instruments hinausgehende Anlage des Werks veranlasste übrigens 1925/26 Felix Weingartner zu einer Fassung für grosses Orchester.


SMZ – Die genannte Neuausgabe der Sonate ist mit der Verlagsnummer UT 50432 in der Wiener Urtext Edition erschienen. Karl-Andreas Kolly hat sie für die Schweizer Musikzeitung besprochen: zur Rezension


 


Hören Sie rein!

Luzerns Regierungsrat ehrt Mühlemann

Der mit 10’000 Franken dotierte Anerkennungspreis des Regierungsrates geht dieses Jahr an zwei Personen: die Luzerner Opernsängerin Regula Mühlemann und Alexander Wili, Impulsgeber für genossenschaftliches Bauen und Wohnen.

Regula Mühlemann. Foto: Mischa Christen

Der Regierungsrat würdigt Regula Mühlemann laut der offiziellen Medienmitteilung, weil sie «wie kaum eine andere Persönlichkeit Luzern in der Welt bekannt macht».

Regula Mühlemann wurde 1986 in Adligenswil geboren, wuchs dort auf und studierte an der Hochschule Luzern bei Barbara Locher. Danach führten ihre Engagements sie an das Teatro La Fenice nach Venedig, an das Opernhaus Zürich und an das Festspielhaus Baden-Baden. Im Sommer 2012 gab sie ihr Debüt als junge Papagena in der Oper «Das Labyrinth» von Peter von Winter bei den Salzburger Festspielen.

Seither ist Regula Mühlemann an vielen wichtigen Opern- und Konzerthäusern zu hören. So sei sie buchstäblich die Stimme Luzerns in der Welt gewesen, bevor sie im November 2018 als Juliette in Gounods Roméo et Juliette ans Luzerner Theater zurückkehrt sei und erstmals eine grosse romantische Rolle auf die Bühne gebracht habe. 2018 erhielt sie den Opus Klassik als «Nachwuchskünstlerin des Jahres».

Blanchard übernimmt Orchesterleitung in Cannes

Laut einer Meldung des Onlinefachmagazins Resmusica wird Jean-Marie Blanchard, der frühere Generaldirektor des Grand Théâtre de Genève, Generaldirektor des Orchestre de Cannes-Provence-Alpes-Côte d’Azur.

Jean-Marie Blanchard. Foto: © DR

Blanchard amtete als Directeur général und als Chefredaktor der Revue Musical, bevor er von 1987 bis 1992 künstlerischer Berater des Pariser Théâtre du Châtelet und von 1992 bis 1994 Geschäftsführer der Pariser Opéra de Paris-Bastille war. Von 1996 bis 2001 hatte er denselben Posten bei der Opéra de Nancy et de Lorraine und beim Orchestre Symphonique et Lyrique de Nancy inne. Von 2001 bis 2009 war Blanchard Generaldirektor des Grand Théâtre de Genève und später Leiter des Genfer Wagner-Festivals.

Das 1901 gegründete Orchestre régional de Cannes-Provence-Alpes-Côte d’Azur besteht aus 37 Musikern. Künstlerischer Leiter ist Benjamin Levy. Es wird finanziert vom Kulturministerium, der Stadt Cannes, dem Département des Alpes-Maritimes und der  Région Provence-Alpes-Côte d’Azur.

Gomes gewinnt EU Conducting Competition

Der portugiesische Dirigent José Eduardo Gomes , der unter anderem in Genf studiert und von 2008 bis 2001 das Orchestre de Chambre de Carouge geleitet hat, ist Gewinner der European Union Conducting Competition.

José Edurado Gomes (Bild: zVg)

Gomes studierte in Portugal Klarinette, bevor er in Genf ein Studium in Chor- und Orchesterdirigieren aufnahm. Er ist Gründungsmitglied des Vintage Quartetts das regelmässig in Portugal, Italien, Belgien und der Schweiz auftritt. Von 2008 bis 2011 war er Principal Conductor des Orchestre de Chambre de Carouge. In Portugal engagiert er sich auch für Jugendorchester, unter anderem beim Orquestra Geração.

Die zweite Durchführung der European Union Conducting Competition fand in Zusammenarbeit mit der National Academy of Music in Sofia und dem Pazardjik Symphony Orchestra in Sofia und in Pazardjik statt. Ausgelobt wurden Geldpreise und Konzerte in Italien, Ungarn, Russland, der Türkei und Polen.

CS Young Artist Award für Valentine Michaud

Die Saxofonistin Valentine Michaud wird mit dem mit 75’000 Franken und einem hochkarätigen Konzertauftritt mit den Wiener Philharmonikern dotierten Credit Suisse Young Artist Award 2020 ausgezeichnet.

Valentine Michaud (Bild: Gabrielle Besenval)

Die Französin Valentine Michaud studierte zunächst in der Tradition der französischen Schule. Mit 16 Jahren siedelte sie in die Schweiz um und studierte bei Pierre-Stéphane Meugé an der Haute Ecole de Musique de Lausanne, wo sie sich für das zeitgenössische Repertoire und alte Musik (Barock, Renaissance) interessierte.

2013 absolvierte sie einen Bachelor im Fach Saxofon und schloss daneben mit einem Bachelordiplom in Musikwissenschaft der Université de la Sorbonne in Paris ab. Nach einem ersten Master in Instrumentalpädagogik führte  sie ihre Ausbildung von 2015 bis 2018 mit einem zweiten Master – dieses Mal mit der Vertiefung Solistin – in der Klasse von Lars Mlekusch an der Hochschule der Künste in Zürich fort. 2017 bis 2018 amtete sie auch als Assistentin von Lars Mlekusch.

Der Credit Suisse Young Artist Award fördert herausragende Solistinnen und Solisten, deren Potential eine grosse internationale Karriere verspricht. Neben dem Preisgeld von 75’000 Franken erhalten die Gewinner die Möglichkeit eines Konzertauftritts mit den Wiener Philharmonikern im Rahmen des Luzerner Sommer-Festivals. Der Preis wird gemeinsam von Lucerne Festival, den Wiener Philharmonikern, der Gesellschaft der Musikfreunde Wien und der Credit Suisse Foundation vergeben.
 

Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur

Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf sein viertes Klavierkonzert.

«… unterthänigst gewidmet.» Die Zueignung des Klavierkonzerts G-Dur op. 58 markiert den Beginn einer engen musikalischen wie menschlichen Freundschaft mit dem jungen Erzherzog Rudolph von Österreich (1788–1831). So unterrichtete Beethoven den begabten Erzherzog bis 1824 in Klavierspiel und Komposition, dieser wiederum verpflichtete sich am 1. März 1809 gemeinsam mit den Fürsten Lobkowitz und Kinsky vertraglich zur Zahlung einer lebenslangen Leibrente. Nicht zufällig steht daher der Erzherzog sowohl nach Zahl als auch nach Gewicht an erster Stelle der Widmungsträger beethovenscher Kompositionen: Neben dem 1805/06 entstandenen vierten Klavierkonzert ist ihm auch das fünfte Klavierkonzert Es-Dur op. 73 dediziert, ebenso die Les-Adieux-Sonate op. 81a, der Klavierauszug der Oper Fidelio, die Violinsonate G-Dur op. 96, das Klaviertrio in B-Dur op. 97 («Erzherzogtrio»), die Klaviersonaten op. 106 und op. 111, die Missa Solemnis op. 123 und schliesslich die Grosse Fuge op. 133 für Streichquartett.

Das Werk selbst steckt voller Besonderheiten. Nicht nur, dass im Kopfsatz das Klavier mit dem Hauptthema noch vor dem Orchester einsetzt. Das vielfach rezitativisch angelegte, aus starr anmutenden Kontrasten bestehende Andante verglich Robert Schumann gar mit Orpheus, der, um zu Eurydike zu gelangen, die Furien mit seiner Leier besänftigte. Bei der ersten öffentlichen Aufführung am 22. Dezember 1808 übernahm Beethoven selbst den Solopart und «sang wahrhaft auf seinem Instrument mit tiefem melancholischem Gefühl, das auch mich dabei durchströmte» – so die Erinnerung von Johann Friedrich Reichardt. Obwohl die um 1808/09 für Erzherzog Rudolph ausgearbeiteten Eingänge und Kadenzen seit 1865 bekannt sind, forderte die besondere Rolle des Klaviers in diesem Werk dennoch zahlreiche konzertierende Komponisten zu eigenen Kadenzen heraus, unter ihnen (alphabetisch) Eugen d’Albert, Johannes Brahms, Hans von Bülow, Ferruccio Busoni, Nikolai Medtner, Ignaz Moscheles, Anton Rubinstein, Clara Schumann und Camille Saint-Saëns.


Hören Sie rein!

 

95 Prozent der Deutschen kennen Beethoven

Eine aktuelle YouGov-Umfrage zu Beginn des Jubiläumsjahres zeigt, dass 95 Prozent der Deutschen der Namen Ludwig van Beethovens bekannt ist. Allerdings sind 68 Prozent der Meinung, dass klassische Musik in der Gesellschaft an Bedeutung verloren hat.

Beethovenbrücke in Leipzig. Foto: SMZ

Fast alle (98 Prozent) jener, die Beethoven kennen, ordnen ihn auch richtig als Komponisten ein. Dass sein 250. Geburtstag Anlass des Jubiläumsjahres ist, wussten 41 Prozent der Beethoven-Kenner. 23 Prozent gaben irrtümlich seinen 250. Todestag als Anlass an. Unter welcher Krankheit Ludwig van Beethoven bereits als junger Mann litt, war vielen bekannt – so ordneten 64 Prozent der Beethoven-Kenner ihn korrekt als taub ein.

6 Prozent der Befragten nahm irrtümlich an, dass Beethoven unter Blindheit litt. Einem Grossteil der Beethoven-Kenner, die ihn zudem richtig als Komponisten einordnen konnten, sind Werke des bekannten Musikers bekannt – dies gaben drei Viertel (74 Prozent) der Befragten an.

YouGov ist eine internationale Data and Analytics Group. Mit 35 Standorten in 22 Ländern und Panelmitgliedern in 42 Ländern verfügt YouGov über eines der zehn grössten Marktforschungsnetzwerke weltweit.

Originalartikel:
https://yougov.de/news/2020/01/09/ludwig-van-beethoven-und-die-bedeutung-von-klassis/

Zürcher Festspiele werden eingestellt

Nach einer Standortbestimmung hat der Stiftungsrat im Einvernehmen mit Geschäftsführer Alexander Keil entschieden, die Zürcher Festspiele nach 2020 nicht fortzusetzen und die Zürcher Festspielstiftung aufzulösen.

Das Festspielzentrum: Zürich – Münsterhof. Foto: .Robert. Photography /flickr.com (Links s. unten)

Das «Volksfest der Künste» konnte bei seiner Durchführung 2018 künstlerische Erfolge feiern. Eine Weiterführung der Festspiele mit einem starken, eigenständigen Profil und mit der aktuellen Qualität wäre aber laut der offiziellen Medienmitteilung über 2020 hinaus nur mit substanziellen zusätzlichen finanziellen Mitteln möglich. Eine solche langfristig tragfähige Finanzierung zu sichern, sei in den vergangenen Jahren trotz grosser Anstrengungen nicht gelungen.

Mit dem Ziel, die finanziellen Mittel zu konzentrieren, wechselten die Festspiele zunächst auf den Zweijahresrhythmus mit einer ersten Durchführung 2018. Sie reagierten dabei auch auf «grundlegende gesellschaftliche Veränderungen wie die Diversifizierung der Gesellschaft, das verstärkte Bedürfnis nach partizipativen Angeboten sowie die Notwendigkeit, die eigene Zukunft stärker aktiv und kreativ mitzugestalten».

Diese Neuausrichtung sei von der breiten Bevölkerung sehr gut aufgenommen worden, bilanziert Geschäftsführer Alexander Keil. Zugleich sei aber die Bereitschaft von Sponsoren zu Investitionen in Kulturinstitutionen stark zurückgegangen.

Audio-Streaming umsatzstärkstes Format

Audio-Streaming hat sich als umsatzstärkstes Format im deutschen Musikmarkt fest etabliert – und konnte 2019 erneut mit beeindruckenden Zahlen aufwarten.

Foto: Zarak Khan / unsplash.com

Wie eine Sonderauswertung von GfK Entertainment in Kooperation mit dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) zeigt, hat die Zahl der getätigten Musik-Streams im vergangenen Jahr mit 107 Milliarden Abrufen erstmals die 100-Milliarden-Marke geknackt. Zum Vergleich: Im Vorjahr generierten die Deutschen noch 79,5 Milliarden, 2017 rund 56,4 Milliarden Streams.

In der Kategorie Meistgestreamter Song eines Tages liegt jetzt All I Want For Christmas Is You von Mariah Carey vorne. Der Ohrwurm kam am 24. Dezember auf 3,2 Millionen Abrufe. Last Christmas von Wham! knackte am zurückliegenden Heiligabend ebenfalls beinahe die 3-Millionen-Marke und steht im Ranking der meistgestreamten Lieder binnen 24 Stunden nun auf Rang vier. Zwischen den beiden Weihnachtsklassikern rangieren zwei Raptracks: Ronin von Bushido & Animus sowie Tilidin von Capital Bra & Samra.

Grundlage der Auswertung sind werbebasierte und kostenpflichtige Musik-Streams ab einer Länge von 31 Sekunden.

Tod des Barockgeigers Jaap Schröder

Jaap Schröder, einer der profiliertesten Künstler auf der Barockgeige, der auch an der Schola Cantorum Basel unterrichtete, ist im Alter von 94 Jahren in Amsterdam verstorben.

Jaap Schröder mit Studierenden der SCB im Grossen Saal der Musik-Akademie Basel, 1982. © SCB

Laut der Meldung der Schola Cantorum Basel (SCB) gehörte Schröder Ende der 1960er Jahre zur jungen Generation, die in den Niederlanden und Belgien einen neuen und folgenreichen Aufbruch in die Alte Musik wagte. Kontakte zu Frans Brüggen, Gustav Leonhardt und anderen Protagonisten seiner Generation vertieften seine eigenen künstlerischen Ansätze.

1975 bis 1990 war er an der Schola Cantorum Basiliensis Dozent für «Violine in alter Mensur». Zu den Studierenden seiner Klasse gehörten unter anderen Dana Maiben, Trix Landolf und Emilio Moreno. Letzterer legte das erste Diplom für Violine in alter Mensur überhaupt an der SCB ab. Jaap Schröder legte den Grundstein für die neuere Ausbildung der «Violine in Alter Mensur» an der SCB und blieb dem Institut immer freundschaftlich verbunden.

Schröder unterrichtete auch am Konservatorium Amsterdam und als Gast an amerikanischen Universitäten, wobei er an der Yale University (New Haven, CT) Fakultätsmitglied der School of Music war.

Wagners Ring historisch informiert

Concerto Köln will Wagners Ring des Nibelungen historisch informiert aufführen. Verantwortlich zeichnen neben dem Ensemble der Dirigent Kent Nagano und ein Team von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen.

Hörgewohnheiten in Frage stellen (Festspielhaus Bayreuth). Foto: Jürgen Pausch / pixelio.de

Ein Schwerpunkt des Projekts liegt neben der theoretischen Reflexion des Vorhabens auf der Rekonstruktion der Instrumental-, Gesangs-, Sprach- und Bühnenpraxis der Wagner-Zeit.

Laut Kent Nagano ist der Ring zwar eine der am meisten erforschten Kompositionen, eine systematische Annäherung an die Tetralogie aus historisch informiertem Blickwinkel sei jedoch noch nicht erfolgt. Umso wichtiger sei es, dass man eine solche Aufgabe angehe und nun auch im romantischen Repertoire Hörgewohnheiten in Frage stelle, die bisher unumstösslich schienen. Erste Resultate sollen im kommenden Februar im Konzertsaal präsentiert werden.

Mehr Infos:
https://wagner-lesarten.de
 

Link zum Bild bei Pixelio

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