Laut einer Studie des Beratungsunternehmes Ernst & Young hören knapp drei von vier der 20-Jährigen und jüngeren Musik ausschliesslich oder zum Grossteil online – nur zwei Prozent nutzen ausschliesslich traditionelle Abspielgeräte wie den CD-Player oder das Radio.
Musikzeitung-Redaktion
- 07. Aug. 2017
Bild: Ernst & Young
Über alle Altersklassen hinweg halten sich diejenigen, die ausschliesslich oder zum Grossteil online Musik hören und diejenigen, die ausschliesslich auf traditionellen Abspielgeräten Musik konsumieren, mit jeweils etwa einem Viertel der Befragten die Waage.
Am intensivsten werden die Streaming-Angebote von Männern genutzt: 53 Prozent von ihnen hören online Musik (Frauen 47 Prozent), 34 Prozent schauen Filme (Frauen 30 Prozent) und 27 Prozent spielen online (Frauen 25 Prozent). Lediglich eBooks werden häufiger von Frauen genutzt: 21 Prozent lesen Bücher auch online, bei den Männern sind es nur 16 Prozent. Die Befragung wurde im Frühjahr 2017 durchgeführt.
Nutzer würden im Durchschnitt 7,20 Euro für Musik ausgeben. Auch diejenigen, die Streamingdienste noch nicht nutzen, aber grundsätzlich interessiert sind, zeigen laut Ernst & Young eine grundsätzlich hohe Zahlungsbereitschaft. Für Filme und Serien würden diese derzeitigen Nichtnutzer durchschnittlich 8.30 Euro zahlen und für Musik 6 Euro.
Den kostenpflichtigen Musikstreamingmarkt dominiert Spotify in Deutschland mit deutlichem Abstand vor den Wettbewerbern. Von denjenigen, die kostenpflichtige Musikstreamingdienste nutzen, greift fast die Hälfte (49 Prozent) auf den Dienst aus Schweden zu. Amazon Music hat sich dahinter platziert und kommt auf einen Marktanteil von 21 Prozent. Drittgrösster Anbieter ist Apple mit einem Marktanteil von 11 Prozent. Apple ist vor allem bei Frauen beliebt, von denen sogar 19 Prozent auf den Dienst des Unternehmens zugreifen.
Suisa-Filmmusikpreis geht an Balz Bachmann
Der diesjährige Filmmusikpreis der Fondation Suisa geht an Balz Bachmann für dessen Originalkompositionen zum Dokumentarfilm «Bis ans Ende der Träume» von Regisseur Wilfried Meichtry.
Musikzeitung-Redaktion
- 04. Aug. 2017
Balz Bachmann (Foto: Fondation Suisa)
Der Film erzählt in dokumentarischen aber auch fiktionalen Sequenzen die Geschichte der Schweizer Reisejournalistin Katharina von Arx (1928-2013) und des französischen Fotografen Freddy Drilhon (1926-1976). Balz Bachmanns Musik ist parallel zum Filmschnitt entstanden und verbindet die vielschichtigen Elemente zu einem Ganzen. Massgeblich an der Entwicklung der musikalischen Themen beteiligt waren auch die beiden Co-Komponisten Michael Künstle und Peter Bräker.
Der Filmmusikpreis der Fondation Suisa ist mit 25’000 Franken dotiert und zeichnet «ausserordentliche Arbeiten im Bereich der Schweizer Filmmusikkomposition» aus. Er wird jährlich alternierend in der Kategorie Spielfilm oder Dokumentarfilm vergeben.
Die Jury bestand dieses Jahr aus Mario Beretta (Präsident), Komponist, Dirigent, Zürich; Pierre Funck, Komponist, Dozent, Präsident Forum Filmmusik, Zürich; Zeno Gabaglio, Komponist, Journalist, Mitglied des Stiftungsrats der Fondation Suisa, Vacallo (TI); Duscha Kistler, ehem. künstlerische Leiterin bei Fantoche, Kommissionsmitglied für Animationsfilm beim Bundesamt für Kultur, Bern.
Uni Salzburg übernimmt Sammlung Böhm
Frau Almaz Böhm hat der Universität Salzburg eine Sammlung von persönlichen Dokumenten des Dirigenten Karl Böhm übergeben. Die Universitätsbibliothek übernimmt Aufbewahrung, Beschreibung und Erschliessung sowie Bereitstellung der Objekte für Wissenschaft und Forschung.
Musikzeitung-Redaktion
- 03. Aug. 2017
Stempel Karl Böhms (Bild: Universitätsbibliothek Salzburg),SMPV
Die Sammlung Karl Böhm umfasst Bücher und Musikalien – besonders hervorzuheben die Studienpartituren mit Böhms Anmerkungen und Strichen. Darüber hinaus finden sich unter den Objekten Lebensdokumente, Verträge und Korrespondenzen, etwa mit der Deutschen Grammophon oder den Salzburger Festspielen.
Karl Böhms Notizbücher und Terminkalender dokumentieren sein beeindruckendes Arbeitspensum. Die Sammlung birgt unter anderem auch zahlreiche Preise, Ehrungen, Auszeichnungen, Orden und Medaillen mit den dazugehörigen Dokumenten und Urkunden, Taktstöcke und sogar seinen Frack.
Jordan an die Wiener Staatsoper berufen
Der Schweizer Philippe Jordan amtet ab 2020 als Musikdirektor der Wiener Staatsoper. Er wird als Mitglied der Direktion den gesamten musikalischen Bereich des Hauses leiten und strukturell mitgestalten.
Musikzeitung-Redaktion
- 31. Juli 2017
Jordan dirigiert 2015 beim Fest der Freude in Wien (Bild: Christian Michelides)
Philippe Jordan, geboren 1974 in Zürich, ist laut der Mitteilung der Wiener Staatsoper Musikdirektor an der Opéra national de Paris und Chefdirigent der Wiener Symphoniker. Seine Laufbahn begann er mit 20 Jahren als Kapellmeister am Stadttheater Ulm. 1998 wechselte er als Assistent Daniel Barenboims und Kapellmeister an die Berliner Lindenoper, 2001 bis 2004 war er Chefdirigent der Oper Graz.
2006 bis 2010 kehrte Philippe Jordan als Principal Guest Conductor an die Staatsoper unter den Linden nach Berlin zurück. Ab 2009 übernahm er die musikalische Leitung der Pariser Oper sowie 2014 den Chefposten bei den Wiener Symphonikern.
In der Planung für die ersten beiden Spielzeiten 2020/21 und 2021/22 haben der neue Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić und Philippe Jordan die Premieren-Dirigate des Musikdirektors bereits festgelegt. Ebenso stark werde der Fokus aber, gemeinsam mit dem Orchester, dem Chor, dem Ensemble und den anderen musikalisch-künstlerischen Gruppen des Hauses, auf dem den Alltag der Wiener Staatsoper bestimmenden Repertoire-Betrieb liegen.
Drei neue «Kultur inklusiv»-Institutionen
Das von der Fachstelle Kultur inklusiv von Pro Infirmis betreute Label «Kultur inklusiv» setzt sich nachhaltig für eine inklusive Kultur in der Schweiz ein. Neu tragen es auch das Zürcher Theater Spektakel, das Theater Orchester Biel Solothurn und das Musikfestival Bern.
Musikzeitung-Redaktion
- 28. Juli 2017
(Bild: Pro Infirmis)
Das Label «Kultur inklusiv» fördert «eine ganzheitliche inklusive Haltung von immer mehr Kulturinstitutionen, die sich als Labelträger auf den Weg zu einer selbstverständlichen Zugänglichkeit und Teilhabe begeben». Träger sind inklusive Kulturinstitutionen aller Kultursparten, Grössen und Profile aus der ganzen Schweiz, die für möglichst hindernisfreie Zugänglichkeit ihrer Kulturangebote und für die ermöglichte kulturelle Teilhabe von allen interessierten Menschen, auch von Menschen mit Behinderungen, sorgen.
Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS) setzt ab der Saison 2017/18 eine ganzheitlich inklusive Haltung mit gezielten Schwerpunkten in allen vier Sparten um: In Gebärdensprache verdolmetschte und übertitelte Theateraufführungen, audiodeskribierte Opernvorstellungen und offene Generalproben als niederschwelliges Konzertformat sind Beispiele für die neuen inklusiven Angebote. Darüber hinaus wird TOBS Betroffene über eine Begleitgruppe beratend einbeziehen.
Mit seinen jährlichen Festivalthemen, die eine Auseinandersetzung mit der sinnlichen Wahrnehmung, ihren Möglichkeiten und ihren Beschränkungen beinhalten, macht sich das Musikfestival Bern ab 2017 auf seinen spezifischen inklusiven Weg. Musikformate, die mehrere Sinne ansprechen, ein inklusives Musikvermittlungsprojekt und mehrere hindernisfreie Spielorte sollen auch Musikinteressierte mit Seh-, Hör- und Mobilitätsbehinderungen ansprechen.
Deutscher Bundesverband Musiktechnologie gegründet
In Berlin ist ein Bundesverband Musiktechnologie Deutschland e.V. (MusicTech Germany) gegründet worden. Er soll Organisationen und Akteure der Branche besser vernetzen und sich für eine stärkere öffentliche Förderung einzusetzen.
MusicTech Germany setzt sich für die Förderung von Innovationen und neuen Geschäftsmodellen ein und möchte mit eigenen Formaten die Entwicklung und Verbreitung von Musiktechnologien in Deutschland und darüber hinaus vorantreiben, um «den Standort für Unternehmen und Talente aus diesem Bereich langfristig und nachhaltig zu stärken».
Gründungsmitglieder des Verbands sind Experten aus Wirtschaft und Forschung, Anbieter von Musikhardware und -software, Künstler, freie Entwickler und Designer sowie Dienstleistungsanbieter. Eines der Gründungsmitglieder ist die Fraunhofer-Gesellschaft.
Schon lange beschränke sich der Einsatzbereich von Musiktechnologien nicht mehr nur auf die Musikwirtschaft, sie halte auch Einzug in andere, vertikale Branchen wie der Games-, und Filmindustrie oder im Bildungsbereich und der Gesundheitswirtschaft, schreibt die Fraunhofer-Gesellschaft. Die Mitgliedschaft in MusicTech Germany sei für sie richtig, denn es brauche in Deutschland ein starkes und interdisziplinäres Netzwerk, um international nicht den Anschluss zu verpassen.
«Heiterefahne» war 2016 erfolgreichstes Album
Trauffers «Heiterefahne» führt laut aktualisierter Taschenstatistik des Bundesamtes für Kultur (BAK) die Top Ten der in der Deutschschweiz verkauften Schweizer Musikalben an, gefolgt von Titeln von Gölä, den Schwiizergoofen, Beatrice Egli und Polo Hofer.
Musikzeitung-Redaktion
- 25. Juli 2017
(Bild: BAK Taschenstatistik Kultur)
Trauffer ist mit zwei Alben vertreten (auch noch «Alpentainer»), die Schwiizergoofe gleich mit drei (4, «Früelig & Summer» und 5). In den Top Ten finden sich zudem Bligg und Schluneggers Heimweh.
Fast 20 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer singen laut der BAK-Statistik, 17 Prozent musizieren, 9 Prozent tanzen. Rund 95 Prozent hören privat Musik, 70 Prozent gehen an Konzerte. Klassik-Konzerte werden in der Deutschschweiz, Konzerte mit Chanson in der Romandie, Jazz-, Funk- oder Country-Konzerte in der italienischen Schweiz am meisten besucht.
Privat hört eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung Chansons und Liedermacher inklusive Mundartrock sowie Varieté- oder Schlager-Musik (rund 7 von 10 Personen), dicht gefolgt von Pop/Rock und Weltmusik (mit je rund 65 Prozent) sowie von Jazz, Funk oder Country (etwas über 60 Prozent). Klassische Musik (inklusive Oper) wird von rund der Hälfte der Bevölkerung gehört – genau gleich viel wie Techno, House, Rap oder Hip-Hop. Schweizer Volks- und Blasmusik hören 4 von 10 Personen privat.
Beim privaten Musikhören gibt es markante Altersunterschiede bei der Nutzung der Träger: Musik hört man eher übers Radio, wenn man zwischen 30- und 74-jährig ist, CD sind eher Sache der mittleren Altersgruppen, Musikhören übers Internet, einen Computer, MP3-Player oder Handy ist bei jüngeren Menschen sehr verbreitet. Schallplatten und Kassetten verwenden vor allem ältere Leute – bei den Befragten ab 75 tun dies 4 von 10 Personen.
Verlängerung des Kulturleitbilds Baselland
Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat die Verlängerung des Kulturleitbilds 2013–2017 bis Ende 2019 beschlossen. Die Arbeit am neuen Kulturleitbild soll voraussichtlich im Juni 2018 starten.
Musikzeitung-Redaktion
- 24. Juli 2017
Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft. Foto: Dominik Plüss.
Das Kulturleitbild 2013–2017 ist eine umfassende Bestandsaufnahme der Kultur im Kanton Basel-Landschaft und legt die Ziele für die Kulturpolitik fest. Mit dem Kulturfördergesetz 2016 und der dazugehörenden Verordnung hat die kantonale Kulturförderung eine zeitgemässe rechtliche Grundlage erhalten.
Bevor mit der Erarbeitung des sechsten Kulturleitbilds begonnen werden könne, schreibt der Kanton, sei die Kulturpartnerschaft mit dem Kanton Basel-Stadt zu klären. Die Ergebnisse dieser Partnerschaftsverhandlungen bilden die Ausgangslage für eine Aktualisierung und Ergänzung des jetzigen Leitbilds.
Die Arbeit am neuen Kulturleitbild soll voraussichtlich im Juni 2018 starten und «von einem partizipativen Prozess begleitet sein». Die vielfältigen Interessen unterschiedlichster Akteure sollen berücksichtigt werden, schreibt der Kanton weiter. Vorgesehen seien eine Befragung von Kulturinstitutionen und Interessensvertretungen sowie eine Reihe von Arbeitstreffen in allen Regionen des Baselbiets.
Foto (v.l.n.r.): Regierungsrat Dr. Anton Lauber, Vize-Regierungspräsidentin Monica Gschwind, Regierungspräsidentin Dr. Sabine Pegoraro, Regierungsrat Isaac Reber, Regierungsrat Thomas Weber, Landschreiber Dr. Peter Vetter.
Tod des Mundartrocksängers Polo Hofer
Der Berner Mundartocksänger und -texter Polo Hofer ist im Alter von 72 Jahren einem Lungenkrebsleiden erlegen.
Musikzeitung-Redaktion
- 24. Juli 2017
Polo Hofer (Foto: Patric Spahni)
Der 1945 in Interlaken geborene Polo Hofer hiess mit bürgerlichem Namen Urs Hofer. Anfang der siebziger Jahre war er mit der Gruppe Rumpelstilz und von 1984 bis 2003 mit der Schmetterband wesentlich für das Aufkommen des Mundartrocks mitverantwortlich. Seit 1976 erhielt er 15 Gold- und 8 Platin-Auszeichnungen für besonders erfolgreiche Tonträger. Dreimal gewann Hofer den Prix Walo, die höchste Ehrung im Schweizer Showbusiness.
Seine spezielle Begabung zeigte der auch als Typograph augebildete Hofer als Übersetzer englischer Erfolgstitel, so etwa Liedern von Bob Dylan oder mit der Walliser Sängerin Sina dem Klassiker «Son of a Preacher Man». In interlaken sind nach ihm und seinem Mitstreiter Hanery Amman ein Platz benannt.
Jugend+Musik-Ausbildung auch im Alter möglich
Auch geeignete Pensionierte können eine Ausbildung zum Jugend+Musik-Leiter absolvieren. Das Bundesverwaltungsgericht hat eine entsprechende Klage gegen die vom Bundesamt für Kultur beauftragte Zulassungsstelle gestützt.
Laut der Sendung Rendez-vous am Mittag von Radio SRF 1 ist das Gesuch eines pensionierten Mannes für eine Ausbildung zum Jugend+Musik-Leiter von Chorlagern abgewiesen worden. Dem Betroffenen sei zwar hohe fachliche Kompetenz bescheinigt worden. Trotzdem habe die Zulassungsstelle das Gesuch abgelehnt und dies mit seinem Alter begründet.
Laut dem Bundesverwaltungsgericht handelt es sich bei dem Entscheid um Diskriminierung im Alter. Die Verordnung zum Programm Jugend+Musik verlange eine Vergabe der Beiträge nach fachlicher Eignung.
Zum Tod von Susanne Huber-Bitter
Die Flötistin Susanne Huber-Bitter ist am 28. Juni im Alter von 84 Jahren gestorben.
Musikzeitung-Redaktion
- 20. Juli 2017
Susanne Huber-Bitter. Foto: zVg
Eine hochgebildete und herzenswarme Musikerin mit unglaublich weitem Horizont, die Flötistin Susanne Huber-Bitter, ist am vergangenen 28. Juni 2017 von uns gegangen. Als Kind einer künstlerisch und wissenschaftlich regen Familie ist sie mitten im zweiten Weltkrieg aus Berlin geflohen, wuchs in Blonay (VD) auf, ging in Lausanne ins Gymnasium und absolvierte ihre Flötenstudien bei André Jaunet in Zürich. Nach weiteren Studien- und Wanderjahren kam sie zu Beginn der 1960er-Jahre nach Reigoldswil (BL). Ihrem Mann, dem Komponisten Klaus Huber, war sie ein Leben lang zugetan. Sie wurde seine Uraufführungs-Interpretin, oft auch an der Seite von Aurèle Nicolet. Eine CD mit Flötenwerken von Klaus Huber, 2014 von Egidius Streiff herausgegeben, ist Zeugnis ihrer Gestaltungskunst und ihrer eindringlichen Klangrede. Die Schweizer Musikzeitung hat am 9. September 2015 in einer Rezension davon berichtet. Wir behalten Susanne Huber-Bitter in Erinnerung als «musicienne complète» und gedenken einer Persönlichkeit, die Familie, Freunden und Schülerinnen gegenüber jederzeit hilfsbereit war und hervorragend Musik, soziales Engagement und Menschen miteinander zu verbinden wusste.
Investitionsbeitrag des Kantons für das ZKO
Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat für gemeinnützige Projekte rund eine Million Franken aus dem Lotteriefonds bewilligt. Davon gehen 450‘000 Franken an den Verein Zürcher Kammerorchester, der damit sein Lokal im Zürcher Seefeld umgestalten kann.
Musikzeitung-Redaktion
- 20. Juli 2017
Umbau des ZKO-Hauses (Bild: ZKO)
Das Lokal des Vereins wurde ursprünglich für Proben des Ensembles eingerichtet und ausgestattet. Heute finden dort aber auch 70 bis 80 Veranstaltungen pro Jahr mit rund 20‘000 Besucherinnen und Besuchern statt. Die Infrastruktur stösst deshalb seit einiger Zeit an ihre Grenzen. Der Verein investiert insgesamt gegen eine Millionen Franken in sein Infrastrukturprojekt, namentlich die Erneuerung der technischen Infrastruktur und die Umgestaltung des Foyers.
Weitere Investitionsbeiträge aus dem Lotteriefonds gehen unter anderem an die Kurzfilmtage Winterthur (200‘000 Franken), das Schweizer Theatertreffen im Mai 2018 in Zürich (80‘000 Franken) und an Veranstaltungen zum 200. Geburtstag von Alfred Escher und Gottfried Keller (39‘000 Franken).
Neues deutsches Jazz-Onlinemagazin
Jazzpects ist ein neues Format des Jazzinstituts Darmstadt, eine online frei zugängliche voraussichtlich halbjährlich erscheinende Sammlung von längeren Beiträgen, Aufsätzen und historischen Dokumenten zur Jazzgeschichte und zu gegenwärtigen Diskursen im Jazz.
Musikzeitung-Redaktion
- 19. Juli 2017
Die Jazzpects ergänzen die Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung, eine Buchreihe, die alle zwei Jahre die Ergebnisse des Darmstädter Jazzforums dokumentiert und die Jazz News, und einen E-Mail-Newsletter, mit dem alle zwei Wochen über aktuelle Entwicklungen im Jazz informiert wird.
Die erste Ausgabe des Magazins enthält eine Dokumentation von Rüdiger Ritter, Krystian Bodacki und Wolfram Knauer mit vielen Faksimiles über das II. Jazzfestival in Sopot (Polen) im Jahr 1957, zu dem der damals in Darmstadt lebende Werner Wunderlich eine Delegation Frankfurter Jazzmusiker um Albert und Emil Mangelsdorff mit nach Polen nahm. Die Veranstaltung erwies sich als Auftakt und Neubeginn des kulturellen Austausches zwischen Deutschland und Polen nach dem 2. Weltkrieg.
Zurzeit unterliegen die Inhalte für die Jazzpects keiner Peer-Review Begutachtung. Die Mitarbeiter des Jazzinstituts sind zugleich Herausgeber; für Anregungen und Vorschläge für zukünftige Inhalte sind sie dankbar. Die aktuelle Ausgabe kann als pdf-Dokument immer unter www.jazzpects.de heruntergeladen werden.
Private Passion – Public Challenge
Eine internationale Konferenz beschäftigte sich in Nürnberg mit Fragen zu öffentlichen und privaten Musikinstrumentensammlungen. Unter den vielen Referentinnen und Referenten war auch Martin Kirnbauer aus Basel.
Sascha Wegner
- 18. Juli 2017
Ort der Konferenz: Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg. Foto: Keichwa/WikiCommons
Musikinstrumentensammlungen kommt eine Sonderstellung zu, stellen sie doch neben Tonträgern und Noten die einzigen materiellen Objekte der an sich immateriellen Kunstform Musik dar. Der kulturgeschichtlichen Dimension des Sammelns von Musikinstrumenten widmete sich die internationale Tagung Private Passion – Public Challenge. Musikinstrumente sammeln in Geschichte und Gegenwart, die vom 9. bis 11. Mai 2017 im Germanischen Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg stattfand. Initiiert und durchgeführt wurde sie von den Mitarbeitenden des Projekts Musikinstrumente sammeln – das Beispiel Rück der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Im Fokus der Tagung standen einerseits das Instrument als Gegenstand des kulturellen Gedächtnisses, andererseits der internationale Vergleich von Privatsammlungen und ihren Museen. Ein dritter Komplex diskutierte privates Sammeln und deren Musealisierung, während den Besonderheiten historischer Musikinstrumente im Kontext der Provenienzforschung eine abschliessende Sektion gewidmet wurde.
In seiner Einführung verdeutlichte FRANK P. BÄR (Nürnberg) die zunehmenden Herausforderungen, welche der Übergang einer Privatsammlung in die öffentliche Hand mit sich bringt. Zumal seit den 1990er-Jahren nicht nur Sammlungsobjekte oder auch Sammlerinnen und Sammler als Untersuchungsgegenstand aus psychologischer, kulturanthropologischer bis philosophischer Perspektive ins Blickfeld der Forschung rückten, verdient auch das individuelle Profil ehemals privater Sammlungen erhöhte Aufmerksamkeit vonseiten der Museen. Bär trug die wesentlichen Unterschiede zwischen privatem und öffentlichem Sammeln schematisch zusammen, wobei die Profile nicht nur bezüglich des Erwerbs, des Bewahrens und Präsentierens, sondern auch hinsichtlich der Verantwortung in Fragen der Verwaltung, Eigentumsverhältnisse, Nachhaltigkeit, Dokumentation, Bereitstellung und Lagerung, nicht zuletzt auch finanzieller Möglichkeiten und wissenschaftlicher Expertise erheblich divergieren. Das betrifft vor allem immer dringendere Fragen der Provenienz.
Privatsammlung und Museum – Musikinstrumente als Gegenstand des kulturellen Gedächtnisses
Die Mehrzahl der Beiträge stellte sich grundsätzlichen Fragen zum gegenwärtigen Umgang mit Sammlungen aus der Perspektive der je eigenen Institution. Die einleitenden kulturgeschichtlichen Betrachtungen von DOMINIK VON ROTH (Nürnberg, Die Sammlung Rück – ein Blick aufs Ganze), TIAGO DE OLIVEIRA PINTO (Weimar, Konzepte und Erfahrungen der Unesco-Konvention zu «Musik als Immaterielles Kulturerbe») und MONIKA SCHMITZ-EMANS (Bochum, Musik als Anlass literarischer Reflexion und Erinnerung) gaben den ideellen Leitfaden der Diskussion vor. Mit über 17 000 Dokumenten zu Ankauf, Handel und Restaurierung aus der Sammlung Rück verdeutlichte von Roth die einmalige Chance, das Phänomen Musikinstrumenten-Sammlung im musealen Kontext neu zu denken und das weitverzweigte Netzwerk eines privaten Sammlers sowie die einzelnen Objekte nicht nur der Forschung, sondern auch der Öffentlichkeit digital zugänglich zu machen. Denn so, wie die Dokumente einen wesentlichen Bestandteil der Geschichte der Instrumente zwecks organologischer Forschung und Provenienz ausmachen, ist ihre Rolle als Repräsentanten des kulturellen Gedächtnisses nicht zu unterschätzen. Die aus den Dokumenten ablesbaren Sammlungsstrategien verdeutlichen exemplarisch das kulturgeschichtliche Spannungsfeld zwischen ästhetischer Idee, empirischer Erkenntnis und ökonomischen Bedingungen, welches Musikinstrumente zu repräsentieren vermögen.
Das Wechselverhältnis vom Immateriellen der Musik und der Materialität von Musikinstrumenten stand auch im Fokus der folgenden Beiträge. Pinto skizzierte das Panorama an Bedeutungen, welches Musikinstrumenten im Kontext der Debatten um das kulturelle Erbe zukommt. Über reine Klangerzeugung hinaus fungieren sie als Träger einer generationenübergreifenden Wissensvermittlung und Repräsentanten verschiedener musikkultureller Systeme. Das Sammeln und Bewahren erhält somit eine globale kulturgeschichtliche Bedeutung. Schmitz-Emans widmete sich dem Nachdenken über die Symbolik materieller Objekte anhand literarischer Reflexionen. Als Gegenstand von Literatur wird die hohe kultursymbolische Bedeutung von historischen Musikinstrumenten deutlich, deren immaterielle Patina sowohl auf die Ursprünge der Musik, ja der Kultur überhaupt hindeutet (Carpentier, Los pasos perdidos, 1953), aber auch angesichts der Greuel des 20. Jahrhunderts gar das Ende aller Kultur versinnbildlicht (Grymes, Violins of Hope, 2014). Doch bedarf das am Materiellen haftende Immaterielle der beständigen Erzählung. Gleichwohl die immateriellen, individuellen Zuschreibungen keine Garantie auf Nachhaltigkeit besitzen, enthalten Musikinstrumentensammlungen in ihrer individuellen Logik eine kulturperformative Qualität, durch welche die Vergangenheit gegenwärtig werden kann.
Privatsammlungen und ihre Museen im internationalen Vergleich
Diesen grundsätzlichen Überlegungen schlossen sich so individuelle wie informative Beiträge zu Sammlungsgeschichten an (FLORENCE GÉTREAU, Paris, Musikinstrumente sammeln in Frankreich 1795–1995; JOSEF FOCHT, Leipzig, Die erste Sammlergeneration des Leipziger Musikinstrumentenmuseums; BEATRIX DARMSTÄDTER, Wien, Privatsammlungen im öffentlichen Musikinstrumentenmuseum). Sie erinnerten daran, dass nicht nur der Bestand, sondern auch das Forschungs- sowie Ausstellungs-Profil öffentlicher Einrichtungen in hohem Masse durch die Übernahme privater Sammlungen bestimmt ist. Angesichts der heterogenen Erscheinung vieler Sammlungen verdient nicht nur die Geschichte einzelner Instrumente, sondern der Sammlungen selbst Vermittlung. RENATO MEUCCI (Mailand, Privates und öffentliches Sammeln von Musikinstrumenten in Italien) verdeutlichte am Beispiel Italiens, dass die Ambitionen dort heute hinsichtlich des Erwerbs, aber auch der Bewahrung und Präsentation von Musikinstrumenten bei privaten Sammlerinnen und Sammlern deutlich höher ausfallen als in öffentlichen Institutionen. Andererseits gab TIAGO DE OLIVEIRA PINTO (Musikinstrumente sammeln jenseits von Europa – das Southeast Asian Musical Instruments Museum) Einblicke in ein ehrgeiziges Projekt in Bangkok, ein Museum ohne eine existierende Sammlung, die erst im Verlauf der Fertigstellung zusammengetragen werden soll. Das lebendige Musizieren bestimmt die Idee einer Einrichtung, welche das Sammeln und Bewahren der musikalischen Vielfalt im südostasiatischen Kulturraum mit einer transnationalen Perspektive für Forschung und Lehre zugänglich machen wird.
Zwei Beiträge privater Sammler gewährten Einblicke in gegenwärtige Motive und Herausforderungen, eine Sammlung aufzubauen und zu unterhalten (HEIKO HANSJOSTEN, Schweich/Heilbronn, Die Sammlung historischer Tasteninstrumente Hansjosten; PETER THALHEIMER, Ilshofen, Eine Privatsammlung für den Konzertgebrauch und als Quelle der Musikforschung). Neben der Spielbarkeit der Instrumente verdeutlichten die Referenten einen differenzierten Umgang mit ihren Sammlungsobjekten. Hansjosten warf einen ökonomischen Blick auf seine Sammlung («Clavieratelier im Barocken Küsterhaus», Föhren bei Trier). Zum Spannungsfeld zwischen verhältnismässig hoher Investitionen und persönlicher Befriedigung gehört das Bewusstsein für eine ungewisse Zukunft. Zugleich profitieren Privatiers von einer grösseren Flexibilität auf dem Markt für historische Musikinstrumente. Als akutes Problem wird auch die Konkurrenzsituation unter Privatsammlern benannt, sowie die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlichen Sammlungen. Die ersten Impulse für Thalheimers Sammlung von Block- und Querflöten entstammten dem Bedürfnis nach «authentischem» Instrumentarium zur Wiedergabe der Musik, das durch die Sammlung gleichermassen der Aufführungspraxis, Organologie und Musikforschung verfügbar gemacht werden kann. Die Anfertigung von Kopien bildet hierfür mehr als nur einen Notbehelf. Wichtige Fragen der historischen Angemessenheit werden so zwar auf elegante Weise umgangen, aber auch nicht ignoriert.
Privates Sammeln und Musealisierung
Der gegenseitige Einfluss von Aufführungspraxis und Instrumentensammlungen wurde ebenfalls in MARTIN KIRNBAUERs (Basel) aufschlussreichem Beitrag deutlich (Die «stilgerechte Wiederbelebung alter Kunstwerke» und die «Instrumentenfrage». Die Basler Instrumentensammlung zwischen Musikpraxis und Museum). Für den Gründer der Schola Cantorum Basiliensis, Paul Sacher, war die «stilgerechte Wiederbelebung» zugleich eine Frage des Instrumentes. Seine von ihm aufgebaute Sammlung alter Musikinstrumente geht damit deutlich über das blosse Ausstellen historischer Objekte hinaus und bildet eine integrale Voraussetzung für die historisch informierte Aufführungspraxis.
KLAUS MARTIUS (Nürnberg, Die Sammlung Rück aus restauratorischer Sicht) gab einen Einblick in die vergangenen wie aktuellen Belange hinsichtlich der Restaurierungsmassnahmen der Sammlung Rück. Um dem Bestreben einer «historisch getreue[n] Wiederinstandsetzung» nachzukommen, wurde von den Rücks ein enormer Aufwand betrieben. Die mehr als drei Jahrzehnte andauernde Zusammenarbeit mit dem Leipziger Restaurator Otto Marx sowie mit dem Erlanger Musikwissenschaftler Rudolf Steglich ist richtungsweisendes Beispiel einer engen Zusammenarbeit von privater Sammlung, Restaurierung, Forschung und Museen.
Die Beiträge von PANAGIOTIS POULOPOULOS (München, Musikinstrumentensammlungen und neue Medien: Beobachtungen aus einer Besucherbefragung im Deutschen Museum) und GERDA RIDLER (Linz, Vorbild Kunst? – Neue Wege privater Sammlungen) diskutierten aus sehr unterschiedlichen Perspektiven Möglichkeiten der musealen Aufbereitung von Sammlungen. Poulopoulos widmete sich der Frage nach Verbesserungsmöglichkeiten von Dauerausstellungen. Am Beispiel der Instrumentensammlung des Deutschen Museums wurde mittels einer Publikums-Umfrage die Nutzung neuer Medien und Interaktions-Möglichkeiten ausgewertet. Dabei zeigt sich neben dem Spiel- und Anschauungsfaktor ein erhöhter Bedarf an Hintergrundwissen. Seitens der bildenden Kunst ging Ridler der Frage nach, warum Sammlerinnen und Sammler moderner und zeitgenössischer Kunst auch über die Grenzen des reinen Kunstpublikums hinaus so viel Aufmerksamkeit erfahren. Die im Vergleich zu Musikinstrumentensammlungen deutlich höhere mediale Präsenz bildender Kunst bildet nur einen Faktor. Zu den Motiven privater Kunstinitiativen tritt neben pragmatische, persönliche und philanthropische Gründe (Prestige, Lebenswerk, Gestaltungswillen) das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Öffentlichkeit, aber auch Unzufriedenheit in der Zusammenarbeit mit öffentlichen Museen.
Kritische Fragen, aber auch Vorschläge kamen in den museologischen und musikwissenschaftlichen Beiträgen von PETER VAN MENSCH (Berlin, Privates Sammeln als Herausforderung der öffentlichen Hand), FRANZ KÖRNDLE (Augsburg, Private Sammlungen – Museen mit Verfallsdatum?) und CHRISTINA LINSENMEYER (Helsinki, Trends und Visionen privater und öffentlicher Sammlungen): In seinem kritischen Entwurf ging van Mensch auf die vielen Widersprüche und Probleme, aber auch Chancen in der Beziehung zwischen Museen und privaten Sammlern ein. In privaten Sammlungen spiegelt sich die Vielfalt auch kuratorischer Perspektiven, die durch dynamische Strukturen, sogenannte «liquid frames» bestimmt sind. Dem Gedanken des Bewahrens werden in Zukunft zunehmend Netzwerke im Sinne einer privat-öffentlichen «Erbengemeinschaft» Rechnung tragen müssen. Körndle dagegen diskutierte die Folgen invasorischer Massnahmen an Instrumenten hinsichtlich der Spielbarkeit sowie den unterschiedlichen Grad an Verantwortungsbewusstsein von privaten und öffentlichen Sammlungen. Bislang sorgen unterschiedliche finanzielle Rahmenbedingungen für individuelle Lösungsansätze. Trotz Kulturschutzgesetz (2016) walten nach wie vor Unklarheiten hinsichtlich der Bewahrung, Präsentation und Dokumentation von Musikinstrumenten. Ungewiss bleibt auch die Zukunft solcher Instrumente, die durch Spielbarmachung einen grösseren Verlust an Originalsubstanz aufweisen. Kopien bieten eine Alternative. Angesichts einer Koexistenz von Original und spielbarer Kopie kann auch die Frage nach der Aura neu verhandelt werden. Linsenmeyer fasste die Vielfalt individueller Vorstellungen und Visionen des Sammelns zusammen und fragte, wie mit historischer Diversität im heutigen Ausstellungsbetrieb umzugehen ist. Mit zum Teil drastischen Beispielen veranschaulichte sie die akute Problematik der sich wandelnden Werte und aktuellen Aufgaben des privaten und öffentlichen Sammelns. Damit bildete das Referat die Ausgangslage für die sich anschliessende Podiumsdiskussion, deren Leitung FRIEDEMANN HELLWIG (Hamburg) übernahm.
Historische Musikinstrumente und Provenienzforschung
Eine der aktuell wichtigsten Herausforderungen vor allem für öffentliche Sammlungen liegt in der Provenienzforschung. Das grundlegende Referat von UWE HARTMANN (Magdeburg, Provenienzforschung: Nur eine Aufgabe des Staats?) stellte die ethisch-moralischen Grundsätze im Umgang mit Objekten jeglicher Art heraus, die gesammelt, gehandelt, musealisiert und präsentiert werden. Die Aushandlung der Grenzen öffentlicher und privater Verantwortung zielt letztlich auf die Frage, wo sie gemeinsam wahrgenommen werden soll und kann. MARKUS ZEPF (Leipzig, Neupert, Rück, Gurlitt. Private und «halböffentliche» Musikinstrumentensammlungen zwischen den Kriegen) verwies auf die Bedeutung akademischer Sammlungen am Beispiel Freiburg i. Br. und Heidelberg. Dabei machte er auch die vielfältigen und wichtigen Verbindungen zu Nürnberg und dem Netzwerk um die Sammler Rück sichtbar. Neben den Instrumenten selbst geben auch erworbene und gehandelte Zubehörteile, ikonographische sowie musikwissenschaftliche Literatur Aufschluss über das je unterschiedliche Profil konkurrierender Sammlungen. LINDA ESCHERICH (Nürnberg, Provenienzforschung auch jenseits von Raubkunst und Restitution – das «Rück-Portal») stellte das Rück-Portal vor, welches das weitverzweigte Netzwerk um die Sammlung Rück virtuell abzubilden trachtet. So wird es beispielsweise aufgrund jener Dokumente, die Angebot, Schätzung und Kauf von Instrumenten festhalten, möglich, einen historischen Preisspiegel nachzuzeichnen. Durch das Rück-Portal ist es demnach möglich, umfangreiche Informationen zu erhalten, etwa zu Fragen der Zuschreibung, der Provenienz, der Geschichten individueller Instrumente und ihres Erwerbs. MONIKA LÖSCHER (Wien, Provenienzforschung in der Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums Wien [KHM]) erläuterte die historischen Voraussetzungen für die Errichtung der Kommission für Provenienzforschung und für die Beschliessung des Kunstrückgabegesetzes in Wien. Anhand der systematischen und proaktiven Provenienzforschung in der Sammlung alter Musikinstrumente im KHM wurde beispielhaft deutlich, wie mit der Geschichte von Sammlungen in und aus der NS-Zeit umgegangen werden kann.
Auf die Schwierigkeiten bestimmter Provenienzen machte zuletzt CONNY RESTLE (Berlin) aufmerksam (Der Erwerb der Sammlungen Wildhagen, Bitter und Paur durch Alfred Berner in den Jahren 1957 bis 1962 für das Berliner Musikinstrumenten-Museum). Am Berliner Beispiel wurde die problematische Situation hinsichtlich des Ankaufs und Fortbestandes im Berlin der Nachkriegszeit erläutert. Damit zusammen hängt die Frage, ob und inwiefern diese spezifische Situation in das bestehende Präsentations- aber auch Forschungskonzept des Museums, gerade vor dem Hintergrund einer häufig unklaren Provenienz, zu integrieren wäre.
Alle Beiträge der Tagung verdeutlichten die Dringlichkeit der Thematik und ihrer methodischen Bewältigung, innerhalb, aber auch jenseits öffentlicher Ausstellungsräume. Die Sammlung Rück sowie das angegliederte Projekt des GNM erhält in diesem Kontext modellhaften Status, indem es sich den unangenehmen, gleichwohl notwendigen Fragen nicht nur stellt, sondern mit dem Rück-Portal aktiv an deren Lösung arbeitet. Mit der internationalen Ausrichtung der Tagung, die einen fruchtbaren Dialog zwischen Musikwissenschaftlern, Organologen, Restauratoren und Konservatoren, Kuratoren und privaten Sammlern Vorschub ermöglichte, wurde ein wichtiger Weg beschritten, neue Netzwerke auch nachhaltig zu gestalten. Die von der Tagung ausgehenden Anregungen zu einer neuen Museologie der Musikinstrumentensammlungen, die einvernehmliche Ziele formulieren, nachhaltige Koalitionen bilden und Zukunftsvisionen präsentieren kann, helfen nicht zuletzt, auch die Politik und Kulturförderung für das im Grunde so selbstverständliche Thema «Musik» zu begeistern und zu überzeugen. Eine Open-Access-Publikation der Beiträge für arthistoricum.net – ART-Books ist bereits in Planung.
Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und Medienbereich
Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und Medienbereich soll in Deutschland in der kommenden Legislaturperiode ein Kernthema der kulturpolitischen Agenda werden. Zu den Massnahmen gehört unter anderem die Einrichtung eines Projektbüros Frauen in Kultur und Medien beim Deutschen Kulturrat.
Musikzeitung-Redaktion
- 18. Juli 2017
Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Foto: Olaf Kosinsky / kosinsky.eu / WikimediaCommons
Das Projektbüro soll den Diskurs unterstützen und mit Massnahmen unterlegen. Es knüpft an die Arbeit des Runden Tischs «Frauen in Kultur und Medien» der Kulturstaatsministerin Monika Grütters an und ergänzt die Arbeit um weitere Elemente. Das Projekt wird einen Schwerpunkt auf die Kultur- und Kreativwirtschaft legen.
Verschiedene Module sollen zur Qualifizierung von Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft und zur Verbesserung der nationalen und internationalen Wahrnehmung und Vermarktung ihrer Werke beitragen. Insbesondere sollen solche Problemstellungen adressiert werden, die sich konkret aus dem künstlerischen Bereich und den Besonderheiten des künstlerischen und kulturellen Schaffens ergeben. Das Vorhaben ist auf drei Jahre angelegt, so dass in der Mitte der kommenden Wahlperiode eine Bilanz gezogen werden kann. Die Arbeit des Büros startet im September 2017.