Edition vorderorientalischer Musikhandschriften

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts «Corpus Musicae Ottomanicae» (CMO) wollen das Orient-Institut Istanbul der Max Weber Stiftung und das Institut für Musikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Musikhandschriften aus Zeiten des Osmanischen Reiches kritisch edieren.

Armenische Musikhandschrift in Hamparsum-Notation (spätes 19. Jh.). Foto: WWU – Ralf Martin Jäger,SMPV

Seit dem 19. Jahrhundert wurde laut der Mitteilung der Max Weber Stiftung im Osmanischen Reich das Repertoire der höfischen und urbanen Kunstmusik in einer zunehmenden Anzahl von Manuskripten aufgezeichnet – in einer vor 1812 entwickelten eigenen Notation. Daneben fand ab der Mitte der 1830er Jahre auch die westliche Notation zunehmend Verwendung. Die kritische Edition und Bearbeitung des Manuskriptbestands in beiden Notationsformen soll die Überlieferung einer Kunstmusikkultur ermöglichen, die bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein in den Metropolen der heutigen Türkei ebenso gepflegt wurde wie in den urbanen Zentren Syriens und Ägyptens.

Das Ziel des Langfristvorhabens ist es, in einer ersten Projektphase kritische Editionen der zentralen Handschriften in Hamparsum-Notation aus dem 19. Jahrhundert anzufertigen. Die zweite Phase widmet sich vornehmlich der kritischen Edition ausgewählter, in westlicher Notation geschriebener Manuskripte aus diesem Zeitraum. Die Edition der Liedtexte erfolgt parallel im interdisziplinären Verbund.

Als Open-Access-Publikation wird die Edition des CMO von der Redaktion perspectivia.net (Max Weber Stiftung), veröffentlicht; darüber hinaus sollen die Editionen der Einzelhandschriften als Book-on-Demand-Ausgaben erhältlich sein. Das von Ralf Martin Jäger, Experte für Ethnomusikologie vom Institut für Musikwissenschaft der Universität Münster, geleitete Projekt wird in Münster, Istanbul und Bonn durchgeführt und von einem internationalen Wissenschaftlichen Beirat begleitet.
 

Geheimtipp in Bern

Seit 2013 werden im Yehudi-Menuhin-Forum unter der künstlerischen Leitung der Berner Pianistin Hiroko Sakagami Kammermusikkonzerte mit herausragenden Interpretinnen und Interpreten veranstaltet.

Konzert vom 12. Januar 2014. Foto: Bertrand Limoges,SMPV

Ohne Pauken und Trompeten, quasi klammheimlich, hat sich 2013 am Helvetiaplatz in Bern, nahe dem historischen Museum, eine Konzertreihe von kleinstem Ausmass und grösster Bedeutung etabliert: das Forum Kammermusik – fünf Konzerte unter der künstlerischen Leitung der Pianistin Hiroko Sakagami, mit Beteiligung hervorragender Musikerinnen und Musiker aus dem In- und Ausland, wie Carmina-Quartett, Erich Höbarth, Patrick und Thomas Demenga und vielen andern.

Das Konzept ist so einfach wie überzeugend: Gespielt wird im akustisch gut klingenden Raum des Yehudi-Menuhin-Forums Kammermusik mit Klavier in verschiedenen Besetzungen von Streichern und Bläsern aus Klassik, Romantik und neuerer Zeit. Die Konzerte – immer am Sonntag – beginnen um 17 Uhr und dauern etwa 90 Minuten. Anschliessend bietet ein Après-Concert im Untergeschoss Gelegenheit, mit den Musikerinnen und Musikern bei Speis und Trank in direkten Kontakt zu kommen.
Getragen wird die Konzertreihe unter dem Ehrenpatronat von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga von einer kleinen Gruppe Musikbegeisterter und prominenter Persönlichkeiten wie Thomas Füri, Alexander Wick, Michael Kaufmann und Werner Schmitt.

Am nächsten Konzert (Sonntag, 29. November 2015) spielen Erich Höbarth (Violine), Patrick Demenga (Violoncello) und Hiroko Sakagami (Klavier) Werke von W.A. Mozart (Trio E-Dur KV 542), Alfred Schnittke (Klaviertrio 1985/1992) und Franz Schubert (Trio Es-Dur, D. 929)

Näheres unter www.forumkammermusik.ch
 

Weiterhin Kultur in Thurgauer Schulen

Der Thurgauer Regierungsrat hat für das Projekt «Kultur und Schule Thurgau» erneut einen Lotteriefondsbeitrag von jährlich 100’000 Franken für die Periode von 2016 bis 2018 gesprochen.

Der Musiker Enrico Lenzin bietet auf der Plattform «Trommeln mit Kindern» an. Foto: zvg,SMPV

Das Projekt besteht laut der Medienmitteilung des Kantons im Wesentlichen aus zwei Teilbereichen. Zum einen konnte bereits in den Jahren 2013 bis 2015 zusammen mit den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden die interkantonale Plattform für Kulturvermittlung www.kklick.ch aufgebaut werden.

Seit August 2014 werden auf dieser Webseite kulturelle Angebote in der Ostschweiz präsentiert, die nach Region, Sparte und Schulstufe geordnet sind. Diese betreuungsintensive Webseite, die von den Schulen bereits gut genutzt wird, soll mit den Lotteriefondsgeldern laufend angepasst und den Nutzerbedürfnissen entsprechend ausgebaut werden.

Der zweite Teilbereich des Projekts «Kultur und Schule» besteht aus einem Kontaktnetz von kulturverantwortlichen Lehrpersonen an Schulen, die in ihrer jeweiligen Schule für die Verankerung der Kultur zuständig sind.

Beide Teilbereiche des Projekts sollen mit dem gesprochenen Geld in den Jahren 2016 bis 2018 weiter betreut und ausgebaut werden. Neben der Volksschule rücken nun auch die Mittelschulen und die Berufsfachschulen in den Fokus. Das langfristige Ziel besteht darin, an jeder Schule im Kanton Thurgau eine für Kultur verantwortliche Lehrperson zu haben, damit kulturelle Aktivitäten einen festen Platz im Unterricht erhalten.

Wie bereits für die Projektzeit von 2013 bis 2015 werden auch für die Projektzeit von 2016 bis 2018 weiterhin Stephanie Kasper und Cornelia Spillmann für die Internetplattform sowie für das Netzwerk von Kulturverantwortlichen beauftragt sein.

 

Klanghaus Toggenburg nimmt weitere Hürde

Die vorberatende Kommission des St.Galler Kantonsrates beantragt, einen Kredit von 19 Millionen Franken für das Klanghaus Toggenburg gutzuheissen. Abgelehnt hat sie hingegen den für die Kunst am Bau vorgesehenen Beitrag von 300‘000 Franken.

Simulation des Innenraums des Klanghauses: nightnurse images, Zürich

Mit dem Klanghaus soll im oberen Toggenburg am Schwendisee ein Zentrum für Naturtonmusik entstehen, das die Klangwelt Toggenburg um ein Angebot erweitert. Als Klangwerkstatt soll es sowohl professionellen Musikerinnen und Musikern als auch Laien  für Proben, Kurse und Experimente zur Verfügung stehen.

Im November letzten Jahres startete die öffentliche Planauflage mit dem Gestaltungsplan, dem Teilzonenplan, dem Teilstrassenplan und der Anpassung der Schutzverordnung. Das Bauvorhaben wird in jedem Fall erst in Angriff genommen, wenn die Mitfinanzierung im Umfang von 5 Millionen Franken durch private Geldgeber verbindlich gesichert ist. Gegen den Teilzonen- und den Teilstrassenplan gingen insgesamt drei Einsprachen ein, die nach Verhandlungen zurückgezogen wurden.

In der Novembersession berät das Parlament das Geschäft in erster Lesung. Stimmt der Kantonsrat der Vorlage zu, entscheidet das Volk im Herbst 2016 über den Bau des Klanghauses.

 

Von der Nische zur Szene

Festivals für Neue Musik prägen zusehends das urbane Kulturleben. Ein Projekt des österreichischen Wissenschaftsfonds FWF beschreibt anhand von drei internationalen Beispielen die Entstehung und Wirkung dieser zeitgenössischen Plattformen.

Klangforum Wien. Foto: Judith Schlosser,SMPV

Musikwissenschafterinnen und -wissenschafter erforschen unter der Leitung von Simone Heilgendorff von der Universität Salzburg erstmals länderübergreifend die internationale Szene der neuen Kunstmusik. Renommierte Festivals in drei europäischen Hauptstädten stehen im Zentrum des Forschungsprojekts: das Festival Warschauer Herbst, das Pariser Festival d’Automne und das Festival Wien Modern.

Neben der Aufarbeitung von historischem Material versucht das international besetzte Forscherteam vor allem den Wandel in der Szene der neuen Musik abzubilden. Untersucht werden inhaltliche Aspekte, aber auch Faktoren wie Musikmanagement und -vermittlung. Als zentraler Teil des Erfolgs von Festivals stehen auch die Akteurinnen und Akteure im Fokus der Analysen: vor allem die Kuratorinnen und Kuratoren, Komponistinnen und Komponisten sowie die Musikerinnen und Musiker.

Das Forscherteam analysiert die Lebenswege ausgewählter Personen und Ensembles in biografischen Porträts, zum Beispiel von Jagoda Szmytka, Georg Friedrich Haas, Hugues Dufourt oder Helmut Lachenmann und des Ensemble Intercontemporain, Klangforum Wien und Orkiestra Muzyki Nowej.

Schliesslich ist auch das Publikum Teil des Forschungsprojekts, das in ausführlichen Befragungen, die 2014 durchgeführt wurden, Antworten liefert auf Fragen zu Alter, Bildung, Motivation, Erwartungen, Internationalität und zu den eigenen Verbindungen zu zeitgenössischer (Kunst-)Musik. Am 22. November findet in Wien die Präsentation der Resultate der Publikumsbefragung bei Wien Modern statt.

Mehr Infos: uni-salzburg.at/index.php?id=63709
 

Kulturelle Bildung und Kreativität in der Grundschule

Wie wirkt sich Kulturelle Bildung auf die Kreativität von Fünftklässlern aus? Dieser Frage gehen Forscher der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn und der Universität Kassel nach.

Foto: Rainer Sturm/pixelio.de,SMPV

In mehr als 50 Schulklassen aus den Regionen Bonn/Rhein-Sieg, Köln und Kassel ist die erste Runde der Datenerhebung im Rahmen des Forschungsprojektes KuBiK5, kurz für «Wirkung Kultureller Bildung auf Kreativität im 5. Schuljahr», durchgeführt worden. Die Studie unterscheidet sich von bisherigen Untersuchungen, indem neben schulischen und ausserschulischen Merkmalen auch familiäre und individuelle Faktoren berücksichtigt werden.

In der Studie wird davon ausgegangen, dass Kulturelle Bildung von hoher Bedeutung für die Entwicklung der Persönlichkeit und der Kreativität ist. Kulturelle Bildung wird als unerlässlicher Bestandteil einer umfassenden Bildung betrachtet. In der Schule sind es meist die Fächer Kunst, Musik oder Sport, in denen die Kinder mit Kultureller Bildung in Berührung kommen.

Das Projekt ist Teil des «Forschungsfonds Kulturelle Bildung – Studien zu den Wirkungen Kultureller Bildung», einem Projekt des Rats für Kulturelle Bildung e. V., gefördert durch die Stiftung Mercator. Eine unabhängige Kommission wählte KuBiK5 neben fünf weiteren Projekten aus insgesamt 78 eingegangenen Projektanträgen aus.

Mehr Infos: www.alanus.edu

 

Luzern erhält ein neues Musikhaus

An der Klosterstrasse 11 in Luzern eröffnet das traditionsreiche Geschäft mit Sitz in Bern eine neue Niederlassung. Neben dem Verkauf von Musikinstrumenten bietet das Unternehmen auch einen umfangreichen Klavier- und Flügelservice an.

Foto: zvg,SMPV

Vor gut einem Jahr übernahm Alexander Steinegger, der bisherige Geschäftsführer, die Krompholz Musik AG im Rahmen eines Management-Buy-outs von der Loeb Holding AG an neuer Adresse: der Effingerstrasse 51 in Bern. Nun erhält das Musikhaus, das noch dieses Jahr sein 160-Jahr-Jubiläum feiert, einen weiteren Standort, eine Filiale in Luzern.

Krompholz ist spezialisiert auf akustische und elektronische Tasteninstrumente, akustische Gitarren sowie Kleinstrumente und Musikalien. Am neuen Standort bietet das Musikhaus ein breites Angebot an hochwertigen Instrumenten jeder Preisklasse an, und dazu ein umfassendes Paket an Serviceleistungen. «Luzern und Umgebung gilt bereits heute als wichtige Region, welche bis anhin von Bern aus betreut wurde. Wir freuen uns, nun näher bei unseren bestehenden Kunden zu sein und neue Partnerschaften aufzubauen», hält Alexander Steinegger fest. Mit einem umfangreichen Klavier- und Flügelservice ist Krompholz ein erfahrener und kompetenter Partner für Konzertveranstalter.

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An der Eröffnung vom 14. November 2015 spielt der Luzerner Gitarrist und Beatboxer Damian Lynn im Geschäft an der Klosterstrasse 11. Die aufstrebende Musikerin Ishantu bestreitet einige Live-Gigs in der Innenstadt (Raum Bahnhof).

www.krompholz.ch

Wie klingt Weihnachten anderswo?

Die neue Folge des Liederprojekts, das die Förderung des Singens mit Kindern zum Ziel hat, widmet sich dem musikalischen Reichtum der Weihnachtslieder aus aller Welt.

Bethlehem: eine der doppelseitigen Illustrationen des Liederbuchs von Frank Walka,SMPV

Überall auf der Welt wird Weihnachten gefeiert, hierzulande im tiefverschneiten Winter, in anderen Ländern hingegen in glühender Hitze unter strahlender Sonne. Doch überall gehört das Singen von Weihnachtsliedern zum Fest. Manche Lieder, wie Adeste fideles oder Stille Nacht erklingen auf der ganzen Welt. Alle Länder haben auch ihre ganz eigenen Lieder, welche die jeweiligen Bräuche und Traditionen widerspiegeln. Ihnen widmet sich die neue Liederprojekt-Folge, die bei den Verlagen Carus und Reclam erschienen ist.

72 Lieder aus 40 Ländern enthält das neue Liederbuch Weihnachtslieder aus aller Welt. Das Spektrum ist breit gefächert. Zum Buch, das mit einer Mitsing-CD zum einfachen Kennenlernen der Lieder ausgestattet ist, erscheinen zwei CDs mit einer Auswahl der schönsten Lieder, ein Chorbuch und ein Liederheft im Taschenbuchformat.

Das Liederprojekt – ein Benefizprojekt für das Singen mit Kindern

Urheberrechte in Deutschland auf dem Prüfstand

Das deutsche Bundeskabinett hat den Entwurf eines Gesetzes zur kollektive Wahrnehmung von Urheber- und verwandten Schutzrechten verabschiedet. Der deutsche Kulturrat sieht Gefahren.

Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Der Deutsche Kulturrat ist erfreut, dass Verwertungsgesellschaften laut dem nun verabschiedeten Text kulturell bedeutsame Werke und Leistungen fördern und Vorsorge- und Unterstützungseinrichtungen für ihre Berechtigten einrichten sollen. Im Referentenentwurf war noch eine Kann-Vorschrift vorgesehen.

Als positiv erachtet der Deutsche Kulturrat ferner eine vorgesehene Regelung zur Sicherheitsleistung, um sicherzustellen, dass Hersteller und Importeure von Geräten und Speichermedien ihrer Vergütungspflicht auch nach langwierigen Rechtsstreitigkeiten nachkommen.

Bedauerlich ist laut der Mitteilung des Kulturrates hingegen, dass nach wie vor vorgesehen ist, Mitglieder in Aufsichtsgremien zur Offenlegung von sensiblen personenbezogenne Daten oder mit Blick auf Unternehmen von wettbewerbsrelevanten Informationen zu zwingen. Schade sei ferner, dass die Verwertungsgesellschaften auf ihren Internetseiten die geschlossenen Gesamtverträge veröffentlichen sollten. So müssten letztlich Geschäftsgeheimnisse dargelegt werden.

Besonders bedauert der Kulturrat, dass mit dem VGG «die Chance zur Klarstellung der Verlegerbeteiligung an Vergütungen der Verwertungsgesellschaften vertan wurde». Laut Olaf Zimmermann, dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, muss vor allem für  die «seit Jahren schwebende Verlegerbeteiligung an den Einnahmen der Verwertungsgesellschaften aufgrund von Nutzungsrechten oder gesetzlichen Vergütungsansprüchen» eine Lösung gefunden werden.
 

ÖGMW begrüsst Berner Forscher

An der diesjährigen Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Musikwissenschaft (ÖGMW) vom 18. bis 21. November an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz ist die Berner Hochschule der Künste prominent vertreten.

Foyer des MUMUTH (Haus für Musik und Musiktheater) an der Kunstuniversität Graz. Foto: KUG/Wenzel

Bei ihrer Jahrestagung, die für dieses Mal an der Kunstuniversität Graz stattfindet, vereint die Österreichische Gesellschaft für Musikwissenschaft Wissenschaftler international führender Universitäten. Im Fokus steht die musikalische Aufführung. Die Tagung soll nicht zuletzt der Frage nachgehen, in welcher Weise praxisbezogenes intuitives Wissen und analytisch fundierte musikwissenschaftliche Erkenntnisbildung fruchtbar zusammenwirken können.

Die Hauptvorträge werden bestritten von Kai Köpp (Hochschule der Künste Bern, «Musikgeschichte als Interpretationsgeschichte – neue Quellen, neue
Herausforderungen»), Joshua Rifkin (Boston University), John Rink (University of Cambridge), Renee Timmers (University of Sheffield) und Sarah Weiss (YaleNUSCollege Singapore).

Weitere Präsentationen Berner Forscher: Johannes Gebauer referiert zu Notenausgaben von Pierre Rodes 24 Capricen für Violine, und Sebastian Bausch beschäftigt sich mit Interpretationsanalysen von Josef Pembaurs Beethoven-Einspielungen.

Im Rahmen der Tagung sind auch zwei Uraufführungen zu erleben sowie die Präsentation der Rekonstruktion eines historischen Trompeterautomaten.

Mehr Infos: www.kug.ac.at/performance-analysis

 

 

Genfer Kompositionspreis geht nach Japan

Den mit 15’000 Franken dotierten Prix de Composition des 70. Concours de Genève hat die Jury an den Japaner Shoichi Yabuta vergeben. Das Publikum würdigte den Südkoreaner Sunghyun Lee.

Foto: © Anne-Laure Lechat

Shoichi Yabuta gewann den Wettbewerb mit seinem Streichquartett «Billow». Der 32-Jährige studierte Komposition am Tokyo College of Music und gewann (neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen) 2013 den Preis des Wiener Konzerthauses. Er hat sich auch intensiv mit den traditionellen Künsten Japans auseinandergesetzt.

Der Publikumpreis (1500 Franken), der Preis des jungen Publikums und der Preis der Studierenden (je 1000 Franken) gingen an den 20-jährigen Südkoreaner Sunghyun Lee. Den Preis der Otto und Regine Heim Stiftung (3000 Franken) konnte der Portugiese Aderito Valente entgegennehmen.

Die Jury des 70. Concours de Genève bestand aus Michael Jarrell (Präsident), Pascal Dusapin, Luca Francesconi, Dai Fujikura und Wolfgang Rihm.
 

Geld für Schweizer Labels und Künstlermanagement

Das Migros-Kulturprozent fördert zum elften Mal Pop- und Independent-Labels sowie Künstlermanagements mit Sitz in der Schweiz. Diese können ihre Gesuche bis zum 6. Dezember einreichen. Die Förderbeiträge sind mit 50 000 Franken dotiert.

Schweizer Independent-Labels und Künstlermanagements wie Two Gentlemen in Lausanne oder Bakara Music in Zürich leisten viel für die Schweizer Musikszene. Sie bewegen sich aber in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Seit 2006 engagiert sich das Migros-Kulturprozent deshalb in der Label- und Künstlermanagement-Förderung. Die geförderten Labels und Managements erhalten Beiträge zwischen 10 000 und 50 000 Franken. Philipp Schnyder von Wartensee vom Migros-Kulturprozent erklärt dazu: «Die Musikmanager und Agenten leisten unerlässliche Arbeit im Hintergrund von Künstlern wie Sophie Hunger, Lo & Leduc oder Fai Baba. Die Labelförderung hat zum Ziel, die Überlebenschancen und Professionalisierung dieser Strukturen zu stärken.»

Die Gewinner werden am 16. April 2016 in Zürich im Rahmen des m4music-Festivals bekanntgegeben.

Zugelassen sind Independent-Labels, die innerhalb der vergangenen 24 Monate mindestens vier Alben von in der Schweiz ansässigen Künstlern veröffentlicht oder eine vergleichbare Leistung erbracht haben. Bei den Künstleragenturen ist es wichtig, dass sie umfassende Managementaufgaben wahrnehmen. Zudem sollen sie mindestens zwei Schweizer Musikerinnen und Musiker betreuen, die bereits CDs veröffentlicht haben.

Einsendeschluss für die Gesuche um die Förderbeiträge 2016 ist der 6. Dezember 2015. Richtlinien und Anmeldeunterlagen unter www.migros-kulturprozent.ch/foerderung

Experimentelle Zonen an den 28. Tagen Neuer Musik

Junge Musikerinnen und Musiker aus dem Umfeld der Basler, Berner und Zürcher Hochschulen drückten dem Fesival in Weimar den Stempel auf.

EFIM und Schweizer Gästen bei der Probe zum «instant composing». Foto: saTo2015

Die Tage Neuer Musik in Weimar sind ein kleines, aber feines Festival, das mitten in der musealen Behaglichkeit der deutschen Klassik-Hauptstadt tapfer die Fahne der Neuen Musik gegen den Wind hält. Nicht erst seit der «Wende» pflegt der künstlerische Leiter Michael von Hintzenstern die experimentelle Ton- und Klangkunst in Thüringen, was sich auch im eigenen Ensemble mit dem programmatischen Namen Ensemble für intuitive Musik niederschlägt, das entscheidende Anregungen der früheren Zusammenarbeit mit Karlheinz Stockhausen verdankt.

Klangachsen: Schweiz–Deutschland

Auch die diesjährige Festivalausgabe stand im Spannungsfeld von Improvisation, Komposition und Live-Elektronik und widmete sich vom 28. bis 31. Oktober den «Klangachsen: Schweiz–Deutschland». Das Bemerkenswerte daran: Es waren vor allem junge Musikerinnen und Musiker sowie Komponistinnen und Komponisten aus dem Umfeld der Schweizer Hochschulen, die dem Weimarer Festival ihren Stempel aufdrückten!

Den Anfang machte das Ensemble zone expérimentale Basel, das sich aus Studenten des Basler Masterstudienganges für zeitgenössische Musik rekrutiert. Hannah Walter (Viola), Pedro Pablo Cámara Toldos (Saxofon), Carlota Cáceres (Schlagzeug) und Haize Lizarazu (Klavier) spielten in einem vielfarbigen Eröffnungskonzert nicht nur Stücke von arrivierten Komponisten wie Heinz Holliger, Toshio Hosokawa und Michael Beil, sondern auch jüngere Werke: Jose Pablo Polo inszenierte in Better out than in (2014) eine perkussive Geräusch-Choreografie als «instrumentales Theater» um das Klavier herum; der Basler Martin Jaggi strickte in Strata (2010/11) ein polyfones Netzwerk, das auf der Ähnlichkeit des Verschiedenen respektive der klangfarblichen Annäherung der Instrumente (durch Verfremdung) beruhte.

Kompositorische Urgesteine aus der ehemaligen DDR und der Schweiz hatte der Berliner Pianist Frank Gutschmidt im Gepäck: filigran-poetische, auch das Klavierinnere einbeziehende Stücke, die Dichtung von Trakl, Nietzsche und Silvia Plath umkreisten und den Rahmen eines konventionellen «Klavierrecitals» weit hinter sich liessen. Holligers Ellis – Drei Nachtstücke für Klavier (1961/62) und Beat Furrers Voicelessness. The snow has no voice (1986) standen Kompositionen von Christfried Schmidt (geb. 1932) und Georg Katzer (geb. 1935) gegenüber. Schmidts virtuose Moments musicaux (1976) machten den Pianisten auch zum Rezitator von Nietzsches Spätwerk, Katzers Dialog imaginär Nr. 2 (1986) verstrickte Gutschmidt in ein Zwiegespräch mit einer Tonbandschicht.

Aus dem Moment

Die Interaktion von Live-Elektronik und Instrumentalklang ist ein wesentlicher Aspekt auch beim Ensemble für intuitive Musik Weimar (EFIM), das sich seit über 30 Jahren immer wieder neu und anders einer Musik verschreibt, die «im Moment der Aufführung erst entsteht». Unter dem Titel Instant Composing hatten die «Hausherren» Michael von Hintzenstern (Klavier), Matthias von Hintzenstern (Cello), Daniel Hoffmann (Trompete/Flügelhorn) und Klangregisseur Hans Tutschku (Elektronik) sich mit Hannah Walter, Pedro Pablo Cámara Toldos und Françoise Rivalland zusammengetan, um die Grenzbereiche von offener Form und gelenkter Improvisation auszuloten, was ganz unterschiedliche Ergebnisse zwischen den Polen von flächiger Stille und eruptivem Ausbruch provozierte.

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Françoise Rivalland erklärt dem Publikum Techniken am Cymbalom. Foto: saTo2015

Françoise Rivalland war in einem mitreissenden Solo-Programm zu bewundern, wo die momentan in Bern an der Hochschule der Künste als Professorin für musikalisches Theater tätige Perkussionistin, Vokalperformerin und Regisseurin alle Register ihres breitgefächerten Könnens zog. Neben Einrichtungen für Cymbalom von Stücken György Kurtágs und John Cages begeisterte Rivalland mit superpräzis-rasanten, explosiven Darbietungen einiger Vokalstücke von George Aperghis, mit dem sie eine enge musiktheatralische Zusammenarbeit verbindet. Bezaubernd auch ein Bündel diverser Schwitters-Texte, bei denen ihr selbstgebautes «Esperou» zum Einsatz kam, eine Mischung aus Saiten- und Metallinstrument, das in der Lage ist, verblüffend unterschiedliche Klangfarben (darunter fast elektronische) miteinander zu verschmelzen; auch Schwitters Ursonate hat man lang nicht mehr so nuancenreich und rhythmisch packend gehört.

Studierende an den Reglern

Eine dankenswerte Tradition des Festivals ist der Einbezug des Studios für elektroakustische Musik der Bauhaus-Universität (SeaM) unter Leitung von Robin Minard. Auch dort durften diesmal die Studierenden selbst an die Regler und stellten zusammen mit den «Kollegen» aus dem Institute for Computer Music and Sound Technology (ICST) und der Zürcher Hochschule der Künste aktuelle Arbeiten vor. Es wäre ungerecht, aus den vielschichtigen Stücken von Kenn Mouritzen, Ursula Meyer-König, Carlos Hidalgo (Zürich), Paul Hauptmeier, Martin Recker, Mikhail Yarzhembovskiy und Andreas Vorwerk (Weimar) etwas herauszuheben. Auffallend war, dass die Arbeiten aus den Schweizer Studios schwerpunktmässig auf der Transformation analoger Klangobjekte beruhten, während die Weimarer einen eher «narrativen» Ansatz pflegten und hybride Soundscapes aus Digitalklang, Stimme und Feldaufnahmen präsentierten.

Hans Tutschku. Foto: saTo2015

Die Aktivitäten des ICST, das Aspekte wissenschaftlicher und künstlerischer Forschung, digitale Technologie, Medienkunst und musikalische Praxis in einen fruchtbaren Dialog bringen will, standen auch im Zentrum des bemerkenswerten Abschlusskonzertes. Germán Toro Pérez (momentaner Leiter des ICST), Carlos Hidalgo, Hans Tutschku, Karin Wetzel und Florian Bogner hatten Stücke konzipiert, die virtuose Solo-Parts mit live-elektronischen Echtzeit-Bearbeitungen in mehrdimensionale Klangräume verwandelten. Als besonders eindrucksvolle, heterogen vibrierende «Raummusik» ereignete sich dies in Pérez’ Signos Oscilantes – verworren und schwankend (2012) dank einer tollen, ungemein akzentuierten Performance von Alejandro López (Saxofon). Aber auch Hugo Queirós (Bassklarinette) zeigte sich in den komplexen Lineaturen von Hans Tutschkus Interlaced 1 (2014) als total präsenter akustischer Bildhauer einer zerklüfteten Klanglandschaft im produktiven Austausch mit der Soundregie. Gerade die indifferenten Zwischenbereiche von Ton und Geräusch, Elektronik und instrumentaler Gestik öffneten hier Räume für eine Klangpoesie jenseits greifbarer Kategorien.

Ehrendoktor der Uni Köln für Max Haas

Die Philosophische Fakultät der Universität zu Köln hat Max Haas, emeritierter Professor für Musikwissenschaft der Universität Basel, die Ehrendoktorwürde verliehen.

Foto: zvg,SMPV

Mit dem Ehrendoktor würdigt die Philosophische Fakultät der Universität zu Köln laut der Mitteilung der Uni Basel «die besonderen akademischen und wissenschaftlichen Verdienste von Haas».

Der 1943 geborene Max Haas studierte Musikwissenschaft, mittelalterliche Kirchen- und Dogmengeschichte sowie slawische Philologie in Basel und Heidelberg. An der Universität Basel wurde er 1970 mit einer Arbeit über byzantinische und slawische Notationen promoviert. Sieben Jahre später habilitierte er sich mit Studien zur Beziehung zwischen mittelalterlicher Musiklehre und Scholastik. An der Universität Basel war er als Leiter des Mikrofilmarchivs des Fachbereichs Musikwissenschaft sowie ab 1982 als ausserordentlicher Professor für Musikwissenschaft tätig.

In den 1990er Jahren führten ihn Gastdozenturen nach Israel an die Bar Ilan-Universität und in die USA ans Graduate Department der City University of New York. Bis zu seiner Emeritierung 2005 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent am Fachbereich Musikwissenschaft der Universität Basel. Seine jüngsten monographischen Werke behandeln Anschauungs- und Denkformen in der Musik (2002) sowie das musikalische Denken im Mittelalter (2005).
 

Martinů-Festtage in Basel

Auch zahlreiche Schweizer Orchester und Theater feierten den 125. Geburtstag des tschechischen Komponisten mit Aufführungen seiner Werke.

Martinů-Büste in Prag – Na Kampě 512/11. Foto: Matěj Baťha/WikiCommons

Seit zwanzig Jahren organisiert Robert Kolinsky in Basel die Martinů-Festtage, mit denen er das Werk von Bohuslav Martinůs (1890-1959) international bekannt machen will. 2015 wurde und wird nicht nur in Basel, sondern auch andernorts der 125. Geburtstag des tschechischen Komponisten gefeiert, der am Ende seines Lebens in der Schweiz lebte und in Liestal starb. Das Opernhaus Zürich etwa brachte im Februar eine Neuinszenierung der Oper Juliette, das Tonhalle-Orchester Zürich das Rhapsody-Concerto für Viola und Orchester oder das Orchestre de la Suisse Romande Les Paraboles.

Die 21. Martinů-Festtage vom 15. bis 29. November stehen unter dem Patronat von Bundesrat Alain Berset, dem Dirigenten Mariss Jansons und Madeleine Albright, US-Aussenministerin a.D. Eröffnet werden sie mit einem Konzert des London Symphony Orchestra unter der Leitung von Tomáš Hanus, das den Sinfonien Nr. 2 und 5 von Bohuslav Martinů die brahmssche Akademische Festouvertüre voranstellt. Im Basler Marionetten-Theater gibt es für Kinder ab acht Jahren Wer ist der Mächtigste auf Erden und das Hagen Quartett kombiniert im Kammermusikkonzert Werke von Mendelssohn, Kurtág und Martinů. Kabarettistisches (Duo Calva) fehlt ebenso wenig wie Jazziges. Abgerundet werden die Festtage mit der Wanderausstellung Bohuslav Martinů – Leben und Werk von Sibylle Ryser und Gabriele Jonté.

Weitere Informationen und Programm: www.martinu.ch
 

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