Erfolgreiche Schlüsselsuche

Tiefes Verständnis für Tschaikowskys unüberwindbare Menschenscheu schafft Malte Korff mit seiner Darstellung der gründlich analysierten Kindheit und Jugend.

Tschaikowsky 1893. Foto: Alfred Fedetsky (1857–1902). Quelle: wikimedia commons

Neu sind die Erkenntnisse nicht, mit denen der Leipziger Musikwissenschaftler und Konzertdramaturg Malte Korff in seiner Würdigung von Leben und Werk des vielschichtigsten und widersprüchlichsten russischen Komponisten glänzt. Nie zuvor aber hat sich im deutschen Sprachraum ein renommierter Autor von Komponistenbiografien die Mühe genommen, so viele Dokumente aus den beiden ersten Lebensjahrzehnten Tschaikowskys zusammenzutragen, um sie kritisch zu durchleuchten und allgemein verständlich zu präsentieren.

Fast alle Komplexe und Depressionen, an denen der vor 175 Jahren geborene Russe litt, führt Korff überzeugend auf die sehr enge Bindung des Knaben an seine Mutter und auf die Probleme mit seiner Homosexualität zurück. Wie wichtig für die menschliche und geistige Entwicklung die aus der Westschweiz stammende Gouvernante Fanny Dürbach war, geht aus der ausführlichen Schilderung jener Jahre noch deutlicher hervor als etwa aus der englischen Standardbiografie von Edward Garden (1973).

Mit nur drei Sätzen lieferte die Hauslehrerin einen der vielen Schlüssel zum Verständnis von Tschaikowskys späterem Lebensweg: «Man musste äusserst behutsam mit ihm umgehen. Jede Kleinigkeit konnte ihn verletzen. Er war ein Kind wie aus Porzellan.» In welchen verstrickungsreichen Kreislauf der zuerst als Jurist ausgebildete Kompositionsschüler von Anton Rubinstein geriet, wenn er seine Menschenscheu und weitere Probleme mit Unmengen von Alkohol zu verdrängen versuchte, kommt ebenso klar zum Ausdruck wie seine herausragende Stellung in der russischen Gesellschaft. Korff hält bezüglich der bis heute mysteriösen Todesursache an jener Version fest, wonach Tschaikowsky der Cholera erlag, nachdem er unabgekochtes Wasser getrunken haben soll.

Das an eine Zeittafel und Bibliografie angeschlossene Werkverzeichnis beschränkt sich auf eine Auswahl. Ein paar wenige Abbildungen spannen den Bogen vom Porträt des Achtjährigen bis zum Begräbnis auf Staatskosten, mit dem 1893 in St.Petersburg erstmals ein Bürgerlicher beehrt wurde.

Image

Malte Korff, Tschaikowsky. Leben und Werk, 256 S., Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-423-28045-7

Lange vor dem Samichlaus

Mittelalterliche ein- und mehrstimmige Gesänge zu Ehren des heiligen Nikolaus aus vier Jahrhunderten.

Ensemble Peregrina. Foto: zvg

Für Hörerinnen und Hörer, die des Mittelalter-Kitschs überdrüssig sind und finden, die Musik aus jener Zeit bedürfe, um genossen zu werden, nicht der Beigabe entfernt verwandter Instrumente und Stilmittel aus anderen Kulturen oder Zeiten; für diese Hörerinnen und Hörer ist das Basler Ensemble Peregrina unter der Leitung von Agnieszka Budzińska-Bennett seit seiner Gründung 1997 ein sicherer Hafen.

Ihre CD Miracula, welche Musik zu Ehren des heiligen Nikolaus aus verschiedenen Jahrhunderten sammelt, steht in der besten Tradition dieses Ensembles. Der Klang der Frauenstimmen und der Instrumente ist nah, warm, nicht zu hallig; das Programm sorgfältig ausgewählt und arrangiert. Die Besetzungen sind abwechslungsreich: Einmal wird eine Stimme von den Instrumenten begleitet, einmal erklingt ein Gesangssolo, einmal ein Frage- und Antwortspiel zwischen Vorsängerin und Tutti (bei einem Ensemble mit drei Sängerinnen darf wohl nicht von «Chor» geredet werden). In den ersten einstimmigen Stücken wird das Gehör so eingestimmt und beginnt so feine Unterschiede wahrzunehmen, dass die erst bei Track 8 eintretende Zweistimmigkeit (im wunderschönen Conductus Gaudens in domino / Iube domne silencium) geradezu überwältigend erscheint. Tanzsätze (wie die Estampite Nicholaus inclitus, Track 11) sind neben den Gesangsstücken auch vertreten.

Weil der heilige Nikolaus damals wie heute weite Verehrung genoss, stammen die Stücke aus ganz Europa. Aus der Schweiz ist der Sankt Galler Benedicamus-Tropus Nicholai sollempnia zu hören (Track 21). Kurzum, bei 27 Nummern gibt es Musik für jeden Geschmack. Die letzten drei Stücke auf einen annähernd gleichen Tropus-Text (Benedicamus devotis mentibus) sorgen noch für eine kleine Überraschung: Der letzte ist erst um 1500 in Verona entstanden und beweist, dass der Geschmack für «einfache» Polyfonie weit über die zeitlichen Grenzen des Mittelalters erhalten blieb.

Kleine Unachtsamkeiten bei der Redaktion des Booklets führen zu den einzigen nachteiligen Bemerkungen dieser Rezension: Ein Tippfehler ist ausgerechnet auf dem Rückentitel passiert (Miralula), und die Abfolge der Stücke im Booklet entspricht nicht ganz der Abfolge auf der CD (Tracks 11 und 12 sind vertauscht), was eine leichte Verwirrung verursachen kann.

Image

Miracula – Mittelalterliche Musik für den heiligen Nikolaus (12.–15. Jh.). Ensemble Peregrina; Agnieszka Budzińska-Bennett, Stimme, Harfe, Leitung; Kelly Landerkin, Stimme; Hanna Järveläinen, Stimme; Baptiste Romain, Leier. Tacet 213

Aargauer Klaviermusik

Der amerikanische Pianist Jason Paul Peterson machte spannende Entdeckungen bei Werner Wehrli, Peter Mieg und Emil Frey.

Jason Paul Peterson. Foto: zvg

Zur Entwicklung der schweizerischen Klaviermusik des 20.Jahrhunderts haben auffällig viele Komponisten mit Aargauer Wurzeln oder Wohnsitz beigetragen. Neben Werner Wehrli, Emil Frey und Peter Mieg waren dies auch Robert Blum, Walther Geiser, Hermann Haller, Walter Lang, Walter Müller von Kulm und Heinrich Sutermeister sowie Roberto Gerhard, Heinz Holliger, János Tamás, Alfred Wälchli und Ernst Widmer.

Die drei Erstgenannten vereinigt der an der Kantonsschule Baden unterrichtende Amerikaner Jason Paul Peterson zu einer durch persönliche Beziehungen gefestigten Trias. Der Aarauer Werner Wehrli (1892-1944) war mit dem Badener Emil Frey (1889-1946) befreundet, zu dessen Privatschülern der Lenzburger Peter Mieg (1906-1990) zählte. Während Frey und Mieg auf der vielversprechend Swiss Piano Masterworks betitelten CD mit je einer Sonate vertreten sind, für die eine solche Zuordnung nur bedingt zutrifft, verdient Wehrli mit seinen meisterhaft konzentrierten Miniaturen Von einer Wanderung op. 17 spezielle Beachtung.

Was der von Spätromantik, Impressionismus und Neuer Sachlichkeit geprägte Komponist auf kleinstem Raum an musikantischen und humorvollen Einfällen (Rast, In der Eisenbahn), zarter Klangpoesie (An der Quelle, Der rätselhafte Fisch) oder urtümlicher Kraft (Böser Buben Tanz) mit pädagogischen Absichten in Einklang brachte, beflügelt die Spielfreude des Pianisten hörbar.

Trotz beeindruckender Bewältigung des überladenen, ungeheuerlich schwierigen Klaviersatzes vermag die 2. Sonate As-Dur op. 36 von Emil Frey, ein ziemlich skurriler Zweisätzer, nicht zu überzeugen. Als endlich wieder entdecktes, im Kriegsjahr 1914 entstandenes Meisterwerk erweist sich hingegen Freys hochexpressive Fantasie über den Choral O Haupt voll Blut und Wunden op. 33.

Neoromantische Züge trägt die viersätzige, mit einem brillanten Presto (2. Satz) aufwartende 4. Sonate (1975) von Peter Mieg, die im Finale mit einem als Seitenthema dienenden Marsch-Zitat aus der Kindermusik op. 65 von Prokofjew verblüfft.

Image

Swiss Piano Masterworks: Music of Werner Wehrli, Peter Mieg, Emil Frey. Jason Paul Peterson, Klavier. Sospiro Records SOS-721

Gar brave Gefühlsspiegelung

Vielfalt prägt das Schaffen von Michael von der Heide. Das neue Album «Bellevue» zeigt, dass er nicht in allen Stilen gleichermassen ausdruckssicher ist.

Michael von der Heide. Foto: Patrick Mettraux

Das zehnte Album von Michael von der Heide ruft zunächst in Erinnerung, welch formidabler Sänger der 43-jährige Wahlzürcher aus Amden ist. Auf Bellevue meistert er einmal mehr mit Leichtigkeit und Geschmeidigkeit nicht nur jede Melodie, sondern auch viele Stile. Wie ein Paradiesvogel, den er auf der Bühne gern und glaubhaft gibt, hüpft er von französischem Chanson über das schweizerdeutsche Volkslied bis zum deutschen Lied, wobei das Pop-Format als verbindendes Element dient. Dass er keine Berührungsängste zum Schlager hat, zeigt sich auf dem neuen Album deutlicher als auch schon. Neu ist aber die elektronische Ausgestaltung einiger Stücke mit House-Patterns, in denen akustische Instrumente oft nur noch Schnörkel oder Akzente setzen.

Die Musik von Bellevue wird klar von Maurizio Pozzi alias Maury geprägt, der schon für Schweizer Grössen wie DJ Antoine und Remady gearbeitet hat und 2013 die Hymne zur Street Parade schuf. Der Zürcher hat nicht nur sämtliche Songs komponiert oder arrangiert, sondern auch produziert und viele Instrumente gespielt. Die kühle Tönung der Musik verstärkt die warme Intensität des Gesangs, von der Heides bedingungslose Hingabe. Die Kompositionen unterstützen allerdings gar brav die von den Texten vorgegebene Gefühlslage. Da alles absehbar ist, fehlt es den meisten Songs an Spannung und Charakter.

Zu den Ausnahmen gehört das von Christine Lauterburg stammende Mundartlied Hinterem Berg, das an das Guggisbergerlied erinnert. Gezupfte Saiteninstrumente bringen mit ihrem verzierenden Spiel eine trockene Brechung ins Stück, wie man dies von Leonard Cohens Spätwerk kennt. Reizvoll am Duett Rien que des amis ist, dass man die Stimmen von Sina und von der Heide stellenweise kaum mehr unterscheiden kann. Herausragend aber ist das von Markus Schönholzer komponierte Stück Weisse Haie. Es schafft eine atmosphärische Vielschichtigkeit, die den meisten anderen Liedern abgeht und die den sinnierenden Text von der Heides widerspiegelt.

In vielen Texten wimmelt es allerdings von Worten wie Herz, Sonne, Sommer und Meer. Schwer zu ertragen ist etwa das Stück Mit dir würde ich es immer wieder tun, weil es von Klischees und Pathos trieft und sich mit ebensolcher Musik zu einer Schnulze im Stil Helene Fischers steigert. Dass es auch im Schlager anders geht, zeigt etwa der Aargauer Dagobert, der denn auch in Deutschland viel Anerkennung erhalten hat. – Man darf besonders gespannt sein, wie Michael von der Heide dieses Stück live darbietet. Denn er ist nicht nur ein souveräner Sänger, sondern auch ein glänzender Entertainer, der mit seiner schelmenhafte Präsentation schon manchem seiner Stücke eine wohltuende Ironie verlieh.

Image

Michael von der Heide: Bellevue. MvdH.

 

«Ich nenne es Mut»

Ob Volksmusik oder Klassik – Hauptsache eine Frau steht im Mittelpunkt: In Bern fand das Festival Femmusicale vom 20. bis 29. November zum zweiten Mal statt.

Symbolbild. Foto: agsandrew – fotolia.com

Frauenförderung in der klassischen Musikbranche hat mittlerweile schon so etwas wie Tradition: Wettbewerbe, Förderpreise, Dachverbände, Festivals etc. Doch noch immer ist das Ungleichgewicht zwischen Komponistinnen und Komponisten auf den Konzertprogrammen der Orchester und Ensembles gross. Seit letztem Jahr gibt es nun noch einen Veranstalter mehr, der diesen Missstand zum Thema macht. Bei den Konzerten des Festivals Femmusicale in Bern soll jeweils eine Frau im Mittelpunkt stehen.

Die Initiative stammt vom Pianisten Patrizio Mazzola, der an den Hochschulen in Bern und Luzern unterrichtet. Ihn hat es besonders gestört, dass sich so wenige Männer für komponierende Frauen interessieren und einsetzen. Nun möchte er mit gutem Beispiel vorangehen. Auf ein Genre hat sich der Veranstalter dabei nicht festgelegt. Ob Volksmusik, Romantik, zeitgenössisch experimentelle oder auch poppige Klänge, insgesamt gab es die Musik von 22 Komponistinnen zu hören. Zugegebenermassen waren einige darunter, die man nicht erst seit gestern kennt: Fanny Mendelssohn, Clara Schumann, Lily Boulanger, Sofia Gubaidulina. Sie gehören zu den wenigen Frauen, die ihren Platz im klassischen Repertoire bereits erobert haben. Sie sind die Spitze eines unentdeckten Eisbergs, wie Christine Fischer bei einer Diskussionsrunde anmerkte, in der Festivalkünstlerinnen über die Rolle der Frau in der westlichen Musik diskutierten. Die Co-Präsidentin des Forums Musik Diversität bezog sich auf die unerforschten Jahrhunderte, in denen möglicherweise viel mehr Frauen kompositorisch aktiv waren, als wir heute wissen. Ob Frauen aber im aktuellen Musikschaffen wirklich noch solche Förder-Plattformen brauchen? Sind nicht junge Komponistinnen bereits dank der Chancengleichheit in der Ausbildung längstens anerkannt und ebenso erfolgreich wie ihre männlichen Kollegen?

Umwege
Dass viele Frauen trotzdem eher über Umwege zum Komponieren kommen, bestätigt die Geschichte von Gabrielle Brunner. Obwohl die 1963 Geborene in einer Musikerfamilie aufwuchs und selbst eine hervorragende Geigerin ist, kam sie erst 2007 zum Komponieren. Von ihr gab es am Festival zwei kraftvolle und dramatisch mitreissende Kompositionen für Solovioline zu erleben, die sie selbst mit scharfen Akzenten und hoher Intensität spielte: Lema I und Lema II. Auch für die Entdeckung unbekannter Komponistinnen setzt sich Brunner ein, forschte dazu in der Musikmediensammlung des FMD, die in der Musikbibliothek der Hochschule der Künste Bern HKB lagert, und produzierte eine CD.

Eine Raritäten-Entdeckung aus heutiger Zeit war der Auftritt von Ruth Dürrenmatt zur Festivaleröffnung. Sie präsentierte mit beeindruckendem Selbstbewusstsein ihr eigenwilliges Gesamtkunstwerk: improvisierend am Klavier sang sie zu Beginn einen inbrünstigen, souligen «Muh»-Song. Nach diesem augenzwinkernden Einstieg wurde es ernsthaft: Ihre selbst geschriebenen Texte sind gesellschaftskritisch, klagen Umweltverschmutzung und gewissenlosen Kapitalismus an, beschäftigen sich mit Tabuthemen wie Alter und Tod. Besonders beeindrucken ihre Kindheitsgeschichten, die von einer überaus lebendigen Fantasie zeugen. Wenn sie von einem Feuerdämon erzählt, der auf Bäumen lebt oder dem Wegfliegen ihrer Seele ins Traumland, dann scheint sie ganz bei sich. Begleitet von Cello und Klavier (Brigitt Sahi und Patrizio Mazzola) singt die ausgebildete Opernsängerin mit voll röhrender Stimme und heftigem Impetus. Ihre Zeichnungen und Bilder zieren das Programmheft. Ruth Dürrenmatt, die jüngste Tochter des berühmten Dichters Friedrich Dürrenmatt, ist eine künstlerische Naturgewalt im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ihr gesamtes Schaffen ist geprägt von einer ungezwungenen und natürlichen Naivität. Darauf legt sie sogar besonders Wert, wie sie dem SRF2 in einem Interview verriet: «Wehe dem Künstler, der zu sehr erwachsen ist.» Und wenn auch ein Grossteil des Publikums vor allem aus Neugier gekommen war zu hören, was die Tochter von Dürrenmatt so treibt, ist das Bühnengeschehen eine Grösse für sich. Eine Portion Trotz schwingt immer darin mit. Denn obwohl sie bereits als Kind am Klavier improvisierte, wurde die heutige 64-Jährige nie ermutigt, sich kompositorisch zu entwickeln. So war es für sie ein langer Weg, sich von den traditionellen Geschlechterrollen ihrer Erziehung zu lösen und zu ihrem persönlichen künstlerischen Ausdruck zu finden: «Ich nenne es Mut», kommentiert sie selbst diesen teils kämpferischen Weg.

Mut hat auch der Veranstalter Patrizio Mazzola mit der Lancierung seines Festivals bewiesen. Wenn sich seine Botschaft weiter verbreiten soll, braucht es jedoch noch einiges mehr, angefangen von einer professionelleren Kommunikation bis hin zu einem inhaltlich schärferen Programm. Dann dürfte es auch mehr Publikum geben.

www.femmusicale.ch

Eklat beim ARD-Musikwettbewerb

Wie das Deutsche Kulturinformationszentrum (KIZ) schreibt, haben sich der Bayerische Rundfunk und der Vorsitzende der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen «einvernehmlich darauf verständigt, von der Besetzung der künstlerischen Leitung des Wettbewerbs durch Martin Ullrich Abstand zu nehmen».

Foto: BR

Laut der KIZ-Meldung sind «im Zuge der Vertragsverhandlungen unerwartet unterschiedliche Auffassungen zur vertraglichen Ausgestaltung der künstlerischen Leitung des ARD-Musikwettbewerbs und strukturelle Unvereinbarkeiten zutage getreten».

Als die Deutschen Musikhochschulen am 19. September die Wahl Ullrichs vermeldeten, begrüsste der BR-Hörfunkdirektor Martin Wagner die Ernennung noch mit dem Hinweis darauf, dass Ullrich als Vorsitzender der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen bestens vernetzt sei.

Dazu kämen, so Wagner damals weiter, seine Forschungsschwerpunkte «Theorie der populären Musik und das Verhältnis von Musik und digitalen Medien», die hoffen liessen, dass er dem renommierten Wettbewerb neue Impulse geben könne.

 

Roth wird Kulturchefin des Kantons Basel-Landschaft

Die Kulturmanagerin Esther Roth wird neue Leiterin der Abteilung kulturelles.bl des Kantons Basel-Landschaft. Sie folgt auf Niggi Ullrich, der vom Amt auf den 31. Dezember 2014 zurückgetreten ist.

Foto: Sabine Burger

Die 1980 geborene Esther Roth ist zurzeit freischaffende Kulturmanagerin. Ihre Ausbildung schloss sie laut der Medienmitteilung des Kantons an der Universität Basel mit dem Master of Advanced Studies in Arts Management ab. Seit 2012 hat sie das Präsidium der Vereinigung der KünstlerInnen-Theater-VeranstalterInnen Schweiz inne, und sie ist Stiftungsratspräsidentin der Schweizerischen Interpretenstiftung SIS.

Aktuell ist sie Verantwortliche für nationale und politische Projekte bei «Helvetiarockt», und sie ist Vorstandsmitglied des RFV Basel – Popförderung und Musiknetzwerk der Region Basel. In der Vergangenheit hat sie in unterschiedlichen Kulturinstitutionen in der Schweiz und Deutschland in der Produktion im Theater- und Musikbereich (Jazz, Rock und Pop) gearbeitet.

Roth hat sich gegen 86 Bewerbungen aus der ganzen Schweiz durchgesetzt. Die Findungskommission unter Mitwirkung der Vorsteherin der BKSD, Frau Regierungsrätin Monica Gschwind und einer Vertretung des Kulturrats, entschied sich einstimmig für sie.

Esther Roth wird die Leitung der Hauptabteilung kulturelles.bl per 1. Februar 2016 übernehmen. Im Vordergrund stehen dabei die Einarbeitung in die laufenden Geschäfte der Hauptabteilung und die Kontaktnahme mit den Kulturschaffenden der Region. Im Fokus stehen aber auch die Verhandlungen mit dem Kanton Basel-Stadt bezüglich der vertraglichen Zusammenarbeit im Kulturbereich sowie die Vorbereitungen für ein neues Kulturleitbild.

Damit endet eine einjährige Vakanz in der Leitung von kulturelles.bl, wobei laut lokalen Pressemeldungen zunächst unklar blieb, ob der Posten überhaupt neu besetzt wird. Roths Vorgänger Niggi Ullrich präsidiert seit 1. Juli dieses Jahres den Berufsverband der Freien Theaterschaffenden Act.

Tod des Musikwissenschaftlers Max Lütolf

Der emeritierte Zürcher Professor für Musikwissenschaft Max Lütolf ist laut einer Meldung der Universität Zürich im Alter von 81 Jahren verstorben. Einen exzellenten Ruf erwarb er sich nicht zuletzt mit der Katalogisierung und Edition mittelalterlicher Quellen.

Foto: zvg,SMPV

Max Lütolf habilitierte sich 1976 an der Universität Zürich. 1977 wurde er zum Extra- ordinarius ernannt, 1988 zum Ordinarius befördert. In den Ruhestand trat er im Jahr 2000.

Das Musikwissenschaftliche Institut der Universität Zürich umreisst seine Forschungs-schwerpunkte folgendermassen: «Seine breit ausgreifenden wissenschaftlichen Interessen galten der liturgischen Musik im weitesten Sinne, mit einem besonderen Schwerpunkt im Mittelalter. Immer wieder hat er sich dabei mit grossräumigen Editionsvorhaben befasst. So erstellte er das Register zur monumentalen Sammlung der Analecta hymnica, er edierte etliche mittelalterliche Handschriften, unter denen die bis heute Referenzcharakter besitzende Ausgabe des Graduale von S. Cecilia in Trastevere herausragt. Immer wieder hat er sich editorisch auch mit der Musik des römischen Barock befasst, so in seiner Ausgabe der opera I und III von Arcangelo Corelli. Das bedeutendste Vorhaben war und ist aber zweifellos seine monumentale, achtbändige Edition der Geistlichen Gesänge des deutschen Mittelalters, die kurz vor dem Abschluss steht und deren Vollendung er nun nicht mehr erleben kann. Er war für lange Jahre verantwortlicher Herausgeber der Werke Othmars Schoecks, zudem Koordinator des schweizerischen Orgelinventars.»

 

Ade, du Oleander und Feigenbaum

Zum 20. Todestag des ungarisch-schweizerischen Komponisten János Tamás hat das Künstlerhaus Boswil am 21. November ein Symposium durchgeführt.

János Tamás. Foto: zVg/Künstlerhaus Boswil

Spannend an dieser Veranstaltung war vor allem die Mischung aus theoretischen und praktischen Vorträgen, Musikologinnen und Musikologen wechselten sich ab mit Musikerinnen und Musikern, die mit dem Werk von János Tamás (1936–1995) gut vertraut sind. So wurden der Komponist und der Mensch, der 1956 wegen des Ungarn-Aufstands in die Schweiz emigrierte und in eine Pflegefamilie kam, facettenreich beleuchtet.

János Tamás floh als 20-jähriger Jugendlicher alleine vor dem diktatorischen Terror in seiner Heimat. Obwohl er hier später eine Familie gründete und sein Auskommen als Klavierlehrer an der Alten Kantonsschule Aarau hatte, zudem am Theater Biel-Solothurn, bei der Aargauer Oper und beim Orchestervereins Aarau dirigierte, fand er als Komponist in der Schweizer Musikszene nur wenig Anerkennung.

Dass die Paul-Sacher-Stiftung, die auch das Symposium mitgestaltet hat, vor vier Jahren Tamás’ Nachlass übernahm, ist eine späte, aber umso wertvollere Geste. Heidy Zimmermann, welche in der Stiftung das «ungarische Konvolut» betreut, gab einen Einblick in die Sammlungstätigkeit der Sacher-Stiftung. Tamás wird hier als Ergänzung zu den prominenten Ungarn gesehen, dazu gehören u. a. Béla Bartók, Sándor Veress, György Ligeti und György Kurtág.

Die Tamás-Biografin Verena Naegele hat in ihrem Referat die Schwierigkeiten des «ewigen Emigranten» differenziert aufgezeigt. Der junge, vielversprechende Komponist und Pianist, der bei Ferenc Farkas in Budapest ein Musikstudium begonnen hatte, fand in der Schweiz Kontakt zu einem Landsmann: Er studierte bei Sándor Veress in Bern. Doch der Spagat zwischen den ungarischen musikalischen Wurzeln und dem demokratisch freien, aber künstlerisch wenig anregenden Leben in Aarau blieb für ihn schmerzhaft, ja er führte zu einer inneren Abkapselung des Komponisten.

Auf spielerische Weise modern

Für das Tamás-Symposium extra aus Budapest angereist war die Musikologin Anna Dalos von der Liszt-Musikakademie Budapest. Sie referierte über die ungarische Musikszene nach 1956, die in unseren Breitengraden wenig bekannt ist. Die zwölftönige und die serielle Schreibweise wurden dort kaum rezipiert, da sie vom kommunistischen Regime nicht zugelassen war. Die tonale Gebundenheit blieb stark, es herrschte auch eine eher naive Vorstellung von Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts. Erst György Kurtág hat nach 1968 die Reihentechnik praktiziert, und István Lang (1933) war, so Anna Dalos, der bedeutendste Pionier mit Glissandi, Geräuschen, aleatorischen Freiräumen und bei der Loslösung vom metrischen Empfinden.

Ob die am Symposium aufgeführten Stücke oder die auf CD präsentierten Orchesterwerke: Tamás’ Musik beeindruckte und ging unter die Haut. Sie ist sparsam gesetzt, poetisch stimmungsvoll, dramaturgisch interessant und auf spielerische Weise sehr modern. Der Pianist Tomas Dratva kennt das Klavierwerk wohl am besten, er hat auch das Klavierkonzert posthum uraufgeführt und mehrere Stücke von Tamás auf CD eingespielt. Zusammen mit der Flötistin Eva Oertle und dem Bratschisten Alexander Besa spielte er zwei typische Stücke: Musik in der Dämmerung (1979) und die Sonate für Viola und Klavier (1957/1974), die Tamás während seines Studiums bei Veress überarbeitet hatte. In einem Lecture-Recital gab Dratva auch Einblick in das Trio Feuerbilder (1986), welches er anschliessend mit dem Klarinettisten Fabio Di Cásola und dem Bratschisten Alexander Besa spielte (Oehms classic OC 443).

Wie es in der Kompositionsklasse von Sándor Veress zu und her ging, darüber berichtete der Musikpublizist Thomas Meyer. Bedeutende Schweizer Komponisten wie Heinz Holliger, Roland Moser und Jürg Wyttenbach haben bei Veress studiert, János Tamás war der einzige Ungar. Viel gesprochen habe Veress als Lehrer nicht und Komposition nur im Einzelunterricht gelehrt. So kannten sich seine Schüler kaum, und jeder konnte seine eigene originelle Musiksprache entwickeln.

Aargauer Kollegen

Der Aargau war nicht einfach frustrierend für Tamás. Er ermöglichte ihm eine Existenz als Musiker und Pädagoge, wie Verena Naegele in ihrem Referat erläuterte. Hier fand er interessante Lehrerkollegen wie Jean-Jacques Dünki, Thomas Baldinger oder Tomas Dratva, die seine Stücke aufführten und noch immer spielen. Dem Pianisten und «Anschlagskünstler» Dünki hat Tamás seine erste Klaviersonate gewidmet. Dünki spielte das recht virtuose Werk am Symposium und gab dazu interessante Erläuterungen, etwa dass die ausführlichen und differenzierten Spielanweisungen des Komponisten Interpreten auch einengen können. Dünki begleitete zudem die Lieder Das Gesicht eines Vogels (1984) auf Gedichte der Aargauer Lyrikerin Erika Burkart, die Kurt Widmer einst uraufgeführt hat und nun auch am Symposium einfühlsam vortrug.

Michael Schneider, der das Künstlerhaus Boswil leitet, war ein Schüler von Tamás. Er wies in seinem Referat zur Ballade für Orchester (1989) auf interessante Assoziationsfelder des Komponisten hin, dessen sinfonisches «Klang-Spiel» Bezug nimmt auf die 5. Sinfonie von Schostakowitsch und auf das Divertimento für Streicher von Bartók. Der mit Tamás verwandtschaftlich verbundene Musikprofessor Peter Laki, der in Cleveland lebt, hat schon öfter zu Tamás’ Musik publiziert. Nun sprach er über die religiösen Hintergründe und Zusammenhänge in den Oratorien des jüdischen Komponisten.

Das Libretto zum Oratorium Noahs Tochter (1985) schrieb die Aargauer Schriftstellerin Claudia Storz. Sie erzählte, wie hoch inspiriert die Zusammenarbeit mit Tamás war. Der Satz aus ihrem Libretto «Ade, du Oleander und Feigenbaum. Wir nehmen Abschied nun. Das Leben war so gut» zitierten die beiden Künstler jeweils zum Abschied voneinander. Er steht sinnbildlich für den endgültigen Abschied vom Leben, den Tamás am 14. November 1995 eigenhändig vollzog.

Weiterführende Informationen

www.janostamas.ch

Buch: Verena Naegele, Martin Matter u. a.: Feuerbilder – Schattenklänge. János Tamás – Komponist, Pianist, Pädagoge, Musikverlag Müller & Schade, Bern 1997

Image
Thomas Meyer referierte über die Kompositionsklasse von Sándor Veress. Foto: Künstlerhaus Boswil

Wechsel in der Zürcher Kulturabteilung

Niklaus Riegg übernimmt ab 1. Mai 2016 die Leitung des Ressorts Jazz/Rock/Pop in der Kulturabteilung der Stadt Zürich. Er tritt die Nachfolge von Susanne Spreiter an.

Foto: Nicolas Delaroche

Niklaus Riegg hat Jahrgang 1980 und studierte Publizistik, Musikethnologie und Philosophie an der Universität Zürich. Seit 2013 ist er als künstlerischer Leiter bei Blue Balls Music in Zürich tätig. Dort zeichnet er unter anderem verantwortlich für das Programm des Blue Balls Festivals in Luzern. Zuvor arbeitete er von 2006 bis 2012 als Musikjournalist für die Zeitung «20 Minuten», zuletzt als Leiter des Ressorts Unterhaltung.

Riegg verfüge dank seiner Tätigkeit als Jurymitglied verschiedener nationaler Musikwettbewerbe über ein weitverzweigtes Netzwerk im Musikbereich, schreibt die Stadt in ihrer Mitteilung zum Wechsel. Er kenne die internationale Musikszene ebenso gut wie die Bedingungen und Herausforderungen der Zürcher Musikschaffenden.

Riegg tritt per 1. Mai 2016 in der Zürcher Kulturabteilung eine 80-Prozent-Stelle an. Die bisherige Leiterin des Ressorts Jazz/Rock/Pop, Susanne Spreiter, verlässt die Kulturabteilung nach sieben Jahren auf eigenen Wunsch.

Sarah Ross übernimmt Professur in Hannover

Die bisher an der Universität Bern als Wissenschaftliche Mitarbeitende, Bereich kulturelle Anthropologie der Musik tätige Musikwissenschaftlerin Sarah Ross hat an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover eine Professur für Jüdische Musikstudien unter besonderer Berücksichtigung synagogaler Musik angetreten.

Foto: zvg,SMPV

Sarah Ross leitet in Hannover das ab 1992 von Andor Izsák aufgebaute und seit Eröffnung der Villa Seligmann Anfang des Jahres 2012 dort beheimatete Europäische Zentrum für Jüdische Musik (EZJM). Sein Ziel ist die Sammlung, Erforschung und Vermittlung jüdischer Musik unter besonderer Berücksichtigung synagogaler Liturgie.

Der Aufgabenbereich von Sarah Ross umfasst die Fortführung und Erschliessung der Sammlung des EZJM, die regionale wie internationale Vernetzung mit anderen Disziplinen der Jüdischen Studien sowie Forschung und Lehre mit dem Ziel einer Wiederetablierung, Sicherstellung und Fortentwicklung der «Jüdischen Musik» als eigenständigen wissenschaftlichen Forschungsbereich mit spezifischen Lehrangeboten im deutschen Hochschulsystem.

Sarah Maria Ross studierte Musikethnologie, Judaistik und Klassische Archäologie in Köln sowie Historische Musikwissenschaft, Europäische Ethnologie und Klassische Archäologie in Kiel, promovierte als DFG-Stipendiatin an der Hochschule für Musik und Theater Rostock und arbeitete zuletzt als Assistentin für Kulturelle Anthropologie der Musik am Institut für Musikwissenschaft und als Studienfachleiterin für World Arts am Centre for Cultural Studies an der Universität Bern. Dort arbeitete sie an ihrer Habilitationsschrift «Musical Timescapes: Überlegungen zu einer Musikethnologie der Nachhaltigkeit».
 

Kulturbotschaft erfordert Gesetzes-Anpassungen

Das eidgenössische Parlament hat im Rahmen der Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2016 bis 2020 verschiedene Änderungen des Kulturförderungsgesetzes (KFG) und des Filmgesetzes (FiG) verabschiedet.

Bundeshaus. Foto: Roland Zumbühl, picswiss

Das KFG wird laut der Medienmitteilung der Räte geändert, um die von der Kulturbotschaft vorgesehenen neuen Massnahmen umzusetzen. Diese betreffen die kulturelle Teilhabe, die musikalische Bildung mit dem Programm «jugend+musik» als zentrales Element sowie die Lese- und Literaturförderung.

Die Revision des FiG weitet die sogenannte Einverleiherklausel aus, die bisher nur für das Vorführen in einem registrierten Kino, für das Verkaufen von Tonbildträgern wie DVDs oder Videos sowie für das Vertreiben über Abruf- oder Abonnementsdienste vorgesehen war. Die Änderung der FiV regelt die Pflicht, wonach statistische Angaben zur Filmverwertung ausserhalb der Kinos gemeldet werden müssen.

Die Gesetze und die Verordnung werden Mitte Dezember auf der Internetseite des Bundesamtes für Kultur publiziert.

Förderpreise der Musikschule Konservatorium Zürich

Der 17-jährige Cellist Samuel Niederhauser ist mit dem fünften Förderpreis Klassik der Musikschule Konservatorium Zürich (MKZ) ausgezeichnet worden, die ebenfalls 17-jährige Geigerin Julia Schuller mit dem erstmals vergebenen «Vuillaume-Preis MKZ».

Julia Schuller, Stadtrat Gerold Lauber, Samuel Niederhauser. Foto: zvg

Im Finalwettbewerb vermochte sich Samuel Niederhauser gegenüber vier Mitstreiterinnen durchzusetzen. Mit seiner Interpretation zweier Sätze aus der Sonate für Violoncello und Klavier in d-Moll Op. 40 von Dmitri Schostakowitsch überzeugte er die Wettbewerbsjury im Kleinen Saal der Zürcher Tonhalle.  Das Preisgeld von 3000 Franken, zur Verfügung gestellt von der Förderstiftung MKZ, wird er in Meisterkurse investieren.

Der ebenfalls 17-jährigen Geigerin Julia Schuller ist der erstmals vergebene «Vuillaume-Preis MKZ» zugesprochen worden. Sie erhält von MKZ eine Violine aus der Meisterwerkstatt von Jean-Baptiste Vuillaume zur Verfügung gestellt. Das kostbare Instrument hat MKZ durch eine Erbschaft erhalten.

Ausgezeichnete Nachwuchsgitarristen

Vom 29. Oktober bis 1. November fand in Versoix das 7. Internationale Festival für Gitarre statt.

Nelson Javet, Sylvain Moeri, Marwan Hemma (von links). Foto: zVg,Foto: zVg

Neben einer Ausstellung und Konzerten wurde am Festival auch ein Wettbewerb durchgeführt. In der ersten Kategorie (bis 18 Jahre) wurden folgende Nachwuchstalente ausgezeichnet:
1. Preis: Sylvain Moeri, Conservatoire Populaire, Genève
2. Preis: Nelson Javet, Conservatoire de Musique, Lausanne
3. Preis: Marwan Hemma, Conservatoire de Musique, Lausanne

In der zweiten Kategorie (ab 18 Jahren) wurden folgende jungen Gitarristen prämiert:
1. Preis: Marco Musso, Universität für Musik, Graz
2. Preis: Angel Tomas-Ripoll, HEMU Genève
3. Preis: Guillaume Geny, HEMU Lausanne, site Sion

Weitere Informationen auf
www.versoix.ch/bolero/home.php?page=1476&obj=9765

Image
Marco Musso, Guillaume Geny, Angel Tomas-Ripoll (von links)

Zeugnis mittelalterlicher Musikgeschichte

Das Historische Museum Thurgau übernimmt als Leihgabe in die Ausstellung «Zankapfel Thurgau» das weltberühmte Graduale aus dem Kloster St. Katharinental eine der kostbarsten und prachtvollsten Handschriften der Schweiz.

Ausschnitt aus dem Graduale aus dem Kloster St. Katharinental (Bild: zvg)

Das Graduale aus dem ehemaligen Kloster St. Katharinental, ein dreizehn Kilogramm schweres Choralbuch aus dem Jahr 1312, gehört zu den kostbarsten und prachtvollsten Handschriften unseres Landes. Es enthält zahlreiche künstlerisch hochwertige Miniaturen auf Goldgrund, filigrane Initialen, Musiknoten und lateinische Liedtexte. Das Schweizerische Nationalmuseum ersteigerte es vor knapp 60 Jahren mit finanzieller Beteiligung des Kantons Thurgau für 400’000 Franken aus dem Kunstmarkt zurück.

Ab 29. November ist es nun für zwei Monate im neu gestalteten Schloss Frauenfeld zu sehen, und zwar im Rahmen der Schlossausstellung «Zankapfel Thurgau», in welcher die turbulente, aber auch kunsthandwerklich produktive Zeitspanne des 14. und 15. Jahrhunderts thematisiert wird.

Am ersten Adventssonntag lässt das Spezialistenensemble La Morra zwei Gesänge aus dem Graduale erklingen. Vertiefend erklärt dazu Kunsthistorikerin Elke Jezler die Besonderheiten der exklusiven Thurgauer Mittelalterhandschrift. Familien und kleine Gäste werden zudem von den Schlossfiguren, der Kammerjungfer Barbara und der Köchin Elsi auf eine Reise ins mittelalterliche Alltags- und Klosterleben mitgenommen. Der Eintritt zum Adventssonntag (11 bis 17 Uhr) ist frei.
 

get_footer();