Von Angklung bis Zimbel

Endlich gibt es wieder ein umfassendes Nachschlagewerk für die Schlagzeugpraxis.

Angklung aus Metall, Sammlung Emil Richards. Foto: Xylosmygame, wikimedia commons

Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, seit zum letzten Mal ein Buch über die vielfältige Welt des Schlagzeugs erschienen ist (Peinkofer/Tannigel: Handbuch des Schlagzeugs, Schott, 1969). Vor diesem Hintergrund war Das grosse Buch der Schlagzeugpraxis herausgegeben von Gyula Racz geradezu überfällig. Er stellt in Zusammenarbeit mit 14 Autoren das Schlagzeug und alles, was dazu gehört, im Detail vor. Das Kompendium ist aufgeteilt in die Sektionen Instrumentenkunde, Spielpraxis und Pädagogik, wobei die Instrumentenkunde die prominenteste Stellung einnimmt.

In diesem farbigen, reich und zum Teil mit historischen Sujets illustrierten Kapitel erzählen die Autoren über Herkunft und Geschichte des Schlagzeugs. Bereits an dieser Stelle finden sich die ersten wichtigen Rudiments für die kleine Trommel in ausnotierter Form. Und auch über die Basler Trommel sowie deren Notation, die Fritz Berger entwickelt hat, wird schon einiges verraten.

In Gyula Racz’ Buch kann man sich genauso über exotische Instrumente wie Angklung, Löwengebrüll oder Eselsgebiss wundern, wie man sich über Zwiebelflöten, Trillerpfeifen oder Vogelgezwitscher schlau machen kann. Obwohl letztere keine Schlaginstrumente sind, gehören sie zum Instrumentarium des klassischen Schlagzeugers.

Benjamin Franklin war nicht nur Präsident der USA, sondern auch ein genialer Erfinder. Unter anderem erfand er die Glasharmonika. Diese wird in der Regel von speziell dafür ausgebildeten Musikern bedient. Einige bekannte Kompositionen für die Glasharmonika stammen aus dem 18. Jahrhundert. Zu denjenigen, die das Instrument in ihren Kompositionen einsetzten, gehören auch grosse Meister wie Mozart oder Gluck. Die Glasharmonika geriet aber schliesslich in Vergessenheit, weil sie gemäss Presseberichten aus dem 19. Jahrhundert für die Nerven von Ausführenden und Zuhörenden nicht ganz ungefährlich sein sollte. Dennoch schrieb Richard Strauss Anfang des 20. Jahrhunderts in seiner Oper Frau ohne Schatten wieder einige Akkordfolgen für die Glasharmonika.

Im ersten Unterkapitel der Sektion «Literatur und Spielpraxis» werden vor allem Solo- und Ensemblestücke aus der Ära der Neuen Musik vorgestellt, die den Leser mit Komponisten wie Varèse und Cage, aber auch vielen anderen bekanntmachen. Dem Jazz-Vibrafon und dem Drumset sind zwei eigene, reichhaltige Unterkapitel gewidmet. Auch die Welt der Latin Percussion darf natürlich nicht fehlen. Anhand zahleicher Notenbeispiele und vieler Bilder kann der Leser in diesen faszinierenden Kosmos eintauchen.

Das grosse Buch der Schlagzeugpraxis entstand in Kooperation mit der Firma Kolberg, die bestens als Herstellerin von hochwertigen Schlaginstrumenten und Qualitätszubehör bekannt ist. Mit seiner genreübergreifenden Gliederung ist es ein geeignetes Nachschlagewerk für Dirigenten, Komponisten, Lehrer und alle Musikinteressierten. 360 Seiten stark und perfekt gelayoutet, überzeugt es auf den ersten Blick und sollte in keiner gut sortierten Musikbibliothek fehlen.

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Das grosse Buch der Schlagzeugpraxis, hg. von Gyula Racz, 364 S., € 39.90, ConBrio, Regensburg 2014, ISBN 978-3-940768-43-8

Suche nach einer musikalischen Identität des Tessins

Carlo Piccardi widmet sich in seiner Untersuchung dem Festspiel in der Südschweiz, das um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielte.

Foto: Heinz Hasselberg/pixelio.de

In der Enzyklopädie Die Musik in Geschichte und Gegenwart wird im vierten, 1954 erschienenen Band der ersten Ausgabe der unter dem Stichwort «Feste und Festspiele» die wichtige Stellung erwähnt, welche im Schweizer Musikleben die Gattung des Festspiels einnahm: «Heute [ist] kaum ein grosses Fest (insbesondere Sängerfeste, Zentenarfeste u. ä.) ohne Festspiel denkbar.» Damals konnte diese Gattung auf eine etwa hundert Jahre alte Tradition zurückblicken. Ursprung dieser Erfolgsgeschichte war die erste Fête des vignerons, welche François Grast 1851 komponiert hatte. Einmal ländlich-volkstümliche Themen wie im Waadtland, einmal historisch-patriotische Ereignisse bearbeitend, von Laiendarstellern und -darstellerinnen gespielt und meistens von Laienorchestern begleitet, verbreiteten sich diese reichlich musikalisch untermalten Bühnenwerke schnell in der französischen und in der deutschsprachigen Schweiz. Allen Festspielen gemeinsam war ihre ideologische Konnotation: Diese Werke wollten die (musikalische) Identität des Schweizer Volks stärken. Im Kanton Tessin konnte die Gattung erst in den 1920er-Jahren Fuss fassen. Die Tessiner hatten ähnliche (musikalische) Identitätsprobleme zu bewältigen wie die Eidgenossenschaft als Ganzes. Sie standen jedoch vor einem zusätzlichen Dilemma: Einerseits galt es, auch in der Südschweiz eine als typisch schweizerisch angesehene Tradition zu pflegen, andererseits wollten die Tessiner Autoren bei ihrer Selbstdarstellung touristische Gemeinplätze vermeiden.

Nach einigen vereinzelten Versuchen (zuerst 1924 für die Festa delle camelie in Locarno) entstand anlässlich der jährlichen Mustermesse in Lugano zwischen 1933 und 1944 eine kontinuierliche Tradition von Festspielen, welche dann sporadisch bis 1953 weiterverfolgt wurde. Sie steht im Zentrum des jüngsten Buches von Carlo Piccardi, dem Doyen der Tessiner Musikwissenschaft. Jedem Festspiel der Blütezeit wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Die erwähnten ideologischen Spannungen bekamen zur Zeit des italienischen Faschismus und während des zweiten Weltkriegs selbstverständlich eine neue Dimension und Dringlichkeit. Die besten Tessiner Künstler der Zeit leisteten ihren Beitrag zu den Luganeser Festspielen, wie zum Beispiel die Literaten Guido Calgari und Vinicio Salati, die Komponisten Otmar Nussio und Enrico Dassetto und die Choreografin Ada Franellich. Ein überaus reicher Dokumentationsteil macht gut die Hälfte des Buches aus und zeigt zahlreiche Partiturausschnitte, Libretti und Bildmaterial.

Mit viel Liebe zum Detail hat Piccardi diese Werke und ihren Kontext rekonstruiert und ein lebendiges Bild von der Tessiner Spätblüte einer verschollenen Musikgattung wiedergegeben. Ihre Stoffe kommen uns heute fremd oder zumindest veraltet vor, ihre ideologischen Hintergründe hatten aber damals durchaus eine Berechtigung. Würdig unserer Anerkennung ist sie schon allein deshalb, weil zahlreiche Künstler mit grosser Hingabe daran gearbeitet haben.

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Carlo Piccardi, La rappresentazione della piccola patria: gli spettacoli musicali della Fiera Svizzera di Lugano, 1933–1953, 6 + 631 S., € 24.00, Libreria musicale italiana, Lucca 2013, ISBN 9788870967388

Friedenskonzerte in der Schweiz

Die Jesuiten weltweit organisieren seit 2006 Konzerte mit jungen Musikerinnen und Musikern aus vier Kontinenten. Am Mittwoch, 21. Oktober, und am Donnerstag, 22. Oktober, macht das Jugendorchester Station in Sursee und Zürich.

Dirigent Max Röber mit dem Jugendorchester auf der Tournee 2013. Foto: zVg

Ziel des Projektes, das zum sechsten Mal durchgeführt wird, ist Kulturaustausch in der Sprache, die die ganze Welt versteht – der Musik. Angesichts der vielen Konflikte will die diesjährige Tournee ein Zeichen für den Frieden setzen. Den Rahmen des Konzertes bildet deshalb die Aufführung des Werks The Armed Man – A Mass For Peace für Chor und Orchester von Karl Jenkins. Ergänzt wird das Programm mit Musik aus aller Welt. Die musikalische Leitung liegt beim Dresdner Dirigent Max Röber.

Wie die Organisatoren mitteilen, kommen die jungen Musiktalente aus den ärmsten Vierteln der Welt. Ende September sind rund 30 junge Erwachsene aus Sozial- und Bildungsprojekten der Jesuiten aus vier Kontinenten in Nürnberg zusammengekommen, wo sie sich auf die Europatournee vorbereiteten. Aus der Schweiz sind eine virtuose Violinistin aus Gossau und ein junger Sänger von der Kantonsschule Sursee mit dabei.

Auf der Tournee vom 16. bis 24. Oktober macht das Nationenorchester einen kurzen Aufenthalt in der Schweiz. Am Konzert vom 21. Oktober um 19.30 Uhr in der Stadtkirche St. Georg in Sursee wird auch Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga teilnehmen. Das Konzert wird am 22. Oktober in der Pfarrei Herz Jesu Wiedikon um 19 Uhr wiederholt. Eine CD wird ab Dezember erhältlich sein.

Weitere Informationen:

www.jesuiten-weltweit.ch/weltweite-klaenge-2015 html

Schlingensiefs Operndorf soll weiterleben

Christoph Schlingensief wird posthum mit dem Konrad-Wolf-Preis geehrt. Die Auszeichnung ist nach einem Filmregisseur und langjährigen Präsidenten der Akademie der Künste der DDR benannt.

Im Operndorf 2014. Foto: Thierry K. Oueda

Konrad Wolf sei ein politischer Filmemacher gewesen, heisst es in der Begründung. Für ihn sei es nicht nur wichtig gewesen, was Filme zeigten, sondern auch, was sie bewirkten. Daher solle der Preis «in seiner geistigen Dimension an einen Filmkünstler gehen, der sich seinen autobiographischen Eigensinn und seine politische Unabhängigkeit nie austreiben liess».

Das Preisgeld geht an das Operndorf in Burkina Faso und zwar «an die dort projektierte Unterstützung für Jugendliche, sich das Cineastische als Ausdrucksmittel anzueignen». Den Preis nimmt denn auch Aino Laberenz, die Geschäftsführerin des Operndorfes Afrika entgegen.

Das Projekt Operndorf Afrika ist von Schlingensief in Burkina Faso anfangs 2010 als Ort internationaler Begegnung ins Leben gerufen worden. Die Regierung von Burkina Faso hat dazu 20 Hektar Land in der Nähe der Hauptstadt Ouagadougou zur Verfügung gestellt. Das vom burkinischen Architekten Francis Kéréhat realisierte Dorf grenzt an einen seit gut 25 Jahren bestehenden Skulpturenpark.

Alten-Kulturstiftung zeichnet Maki Wiederkehr aus

Die Solothurner Pianistin Maki Wiederkehr erhält den mit 20’000 Franken dotierten Förderpreis der Solothurner Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten 2015.

Foto: Andreas Zihler

Maki Wiederkehr verdiene den Preis als besondere Anerkennung ihrer hervorragenden Leistungen am Klavier, schreibt die Stiftung. Er solle dazu beitragen, dass die junge Künstlerin ihr hoch entwickeltes Spiel weiter verfeinern und neue Pläne realisieren könne.

Maki Wiederkehr studierte bei Hiroko Matsumoto in Nagoya (Japan), danach in der Schweiz bei Taeko Szedlak an der Musikschule Konservatorium Bern, an der Kantonsschule Solothurn bei Adalbert Roetschi und an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

Das Studium in der Solistenklasse an der ZHdK (ab 2003) schloss sie im Winter 2008/2009 mit dem Konzert- und Lehrdiplom bei Homero Francesch ab. Von 2010 bis 2014 unterrichtete sie Klavier an der Musik-Akademie Basel. Sie ist nun an der Musikschule Konservatorium Zürich tätig. Zudem ist sie die Pianistin des mehrfach international ausgezeichneten Klaviertrios Trio Rafale.

Die Schweizer Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten vergibt seit 2003 alle zwei Jahre Förder- sowie Anerkennungspreise an Kunstschaffende mit engem Bezug zum Kanton Solothurn.

Donaueschingen kämpft gegen Männerdominanz

Björn Gottstein, der neue künstlerische Leiter der Donaueschinger Musiktage, will aktiv dafür sorgen, dass komponierende Frauen mehr Gehör erhalten. Ihr Anteil an der aktuellen Musikproduktion ist seiner Überzeugung nach noch immer viel zu gering. Das diesjährige Programm der Musiktage gibt ihm recht.

Wenig Frauen im Programm. Das enseble mosaik tritt am diesjährigen Festival auf. Foto: Distruktur

«Die Donaueschinger Musiktage sind seit ihrer Gründung geprägt von männlichen Komponisten, der Frauenanteil ist verschwindend gering», zitiert die Deutsche Presseagentur Gottstein, der das Amt vom verstorbenen Armin Köhler übernommen hat. Es gebe nun konkrete Planungen, um dem populären Neue-Musik-Treffen eine weiblichere Note zu verleihen.

In der aktuellen Ausgabe des Festivals – sie geht am 16. bis 18. Oktober über die Bühne und ist faktisch bereits ausverkauft – ist als Komponistin gerademal Olga Neuwirth vertreten. Sie hat die Klangräume des Markusdom in Venedig im elektronischen Studio analysiert und musikalisch anverwandelt.

Die Donaueschinger Musiktage 2015 beleuchten vom 16. bis 18. Oktober die Neue Musik mit 18 Uraufführungen und vier Klanginstallationen in ihrem Spannungsverhältnis zur klassischen Tradition.

«In den Hallen der Gehirnstadt»

Eine Art Musiktheater zwischen Lyrik, Bild und improvisierter Musik mit Jeannine Hirzel, Peter K Frey und Daniel Studer. Bericht von der Uraufführung am 25. September im Kunstraum Walcheturm Zürich.

Jeannine Hirzel, Peter K Frey und Daniel Studer. Foto: Dominic Büttner

Ein Duo von Kontrabässen, in der Tiefe ansetzend und sich allmählich ausbreitend, im Lauf des Abends über etliche Klang- und Geräuschregister, wie sie zwei so exzellente Improvisatoren wie Daniel Studer und Peter K Frey draufhaben. Hinzu kommen über die Lautsprecher bald einmal erste Einstreusel aus einem traumartigen, halbschläfrigen Text des Lyrikers Kurt Aebli – und bald auch Geräusche. Woher? Ist es wichtig, das zu wissen? Das Programmheft verrät uns: aus einer Zürcher Tramwerkstatt. Hätten wir das herausgefunden? Was sagt uns dieser Ort des stillstehenden urbanen Verkehrs und der Wartung? Bewegen wir uns traumwandlerisch durch eine imaginäre Stadt? Später werden auf dem Monitor erste einzelne Bilder erscheinen, Bilder einer Landschaft, einer städtischen Umgebung.

Schliesslich ein Schnitt: Die Sängerin Jeannine Hirzel tritt auf, sie spielt keine Rolle, sie setzt sich, singt erste sinnfreie Laute, rezitiert dann sprechsingend Texte, es sind die bereits gehörten, die nun auch zuweilen antifonal aus den Lautsprechern zurücktönen. Die einzelnen Bilder fügen sich zu einem Film aus Stopps zusammen – einem Film mit unscharfer, etwas traumhafter Patina. Er stammt aus Super-8-Aufnahmen, die der Architekt Ernst Studer drehte, als er von 1975 bis 1977 an der ETH mit Wachsfiguren utopische Städte entwickelte.

Musik, Text, Laut, Gesang und Film also treffen aufeinander, und daraus wächst langsam das musiktheatrale Stück heran, das Peter Schweiger in Szene gesetzt hat. In den Hallen der Gehirnstadt, so der Titel nach einer Aebli-Passage: «ich war besessen von der Idee Wörter die sich durch die Hallen meiner Gehirnstadt bewegten ein Strom fremder Menschen ich liess ihnen ihr Leben ihre hässliche Gestalt vielmehr Gruppierungen von Buchstaben und Silben die mir mein Gehör wiedergaben die mir meine Augen wiedergaben die mir mein Herz meine Seele meinen Körper strenggenommen» …

Buchstaben, Silben, Wörter gruppieren – und ihnen über die Sinne und die Seele einen Sinn geben, so liesse sich auf simple Weise paraphrasieren, was in diesem Stück geschah. Denn erst die Wahrnehmung schuf bald aus den multimedialen Konstellationen Zusammenhänge. Pareidolisch bildete sie Grammatiken und Strukturen, stellte Beziehungen her und fragte sich zugleich selbstreflexiv: Sind überhaupt Beziehungen in der Heterogenität dieser Ereignisse vorhanden? Geht es nicht auch um die Selbstwahrnehmung des Wahrnehmenden? Wie im Text Aeblis – und auf der Bühne. Plötzlich nämlich blicken wir auf dem Bildschirm – via Kamera – ins Gesicht der Sängerin. Später beobachten wir die beiden Bassisten in ihrem Spiel. So betrachtete sich das Stück selber. Nun ja: Warum diese Selbstbespiegelung, die immer ein Moment des Peinlichen in sich hat? Ist solche vergrössernde und verdoppelnde Selbstbespiegelung nicht blind geworden? Ein schönes Accessoire aus den Zeiten der Reflexivität – vielleicht etwas zu viel und unnötig. Aber es gehörte wohl zu diesem «Versuch, das ständig reflektierte Verlangen nach Vollendung und dessen momentanes Scheitern oder Gelingen im bildmächtigen Entwurf einer Stadt der Zukunft erlebbar zu machen». So der Programmhefttext.

War’s das? Das formulierte Ansinnen wurde mir persönlich zu wenig klar. Insgesamt aber war die halbwache Geruhsamkeit der Konstellation eindrücklich, die angestrebte «ungefätterlige» Intensität, ein grosser Ernst. Ein in sich stimmiges Stück entstand so, wenn auch kaum fulminant oder spritzig, ja man mochte sich fragen, ob es nicht auch ein bisschen zufrieden war mit seiner verqueren, gehirnwindigen Stimmigkeit. Jedenfalls sprang es nicht auf, machte keine Salti, schon gar nicht mortali – musste, wollte es vielleicht auch nicht …

War’s nicht eklatant, so vielleicht doch wegweisend. Den Schlüssel liefert dafür der unscheinbare Untertitel: «Eine Spielanordnung». Die «Anordnung» verweist uns darauf, dass hier etwas vorgeordnet ist – wie man das ja eigentlich bei frei improvisierter Musik meist nicht macht. Es ist aber im Sinn einer Auslegeordnung, eine Dramaturgie zu ermöglichen und dennoch Raum zur freien Ausgestaltung zu geben. Das scheint nicht sonderlich neu zu sein, ist aber doch zentral, wenn es darum geht Gesang und Text einzubeziehen: Denn das ist immer noch keine Selbstverständlichkeit in diesem Genre, sondern eine Herausforderung, die eine lineare Fixierung voraussetzt. In dieser Richtung führten schon einige frühere Projekte wie jene etwa des Improvisationstrios Karl ein Karl, dem ja auch Peter K Frey angehört. Mit der musiktheatralen Anordnung und der freien Improvisation bzw. ihrem Zusammenspiel entsteht etwas Eigentümliches, eine Konstellation, die ich fast als essayistisches Musiktheatermachen bezeichnen möchte.

Karriereschub für Spitzennachwuchs

Orpheum Soloists on Stage nimmt in der Förderlandschaft eine Sonderstellung ein. In der Tonhalle Zürich fanden zwischen Ende August und Mitte September vier Konzerte mit jungen Solistinnen und Solisten statt, die bereits über eine gewisse Bekanntheit verfügen.

Philippe Jordan, Nikolay Znaider und Kyoungmin Park. Foto: Thomas Entzenroth

 Die Stiftung Orpheum, die im September ihr 25-jähriges Bestehen feiern konnte preist sich als «erfolgreiches Fördermodell» an: «Das bedeutet für junge Musiker nicht nur künstlerische Begegnungen auf höchstem Niveau, sondern oftmals auch einen Karriereschub», heisst es dazu weiter im Geleitwort der Kulturzeitschrift Du, die eine Sondernummer herausgegeben hat. Mit vier grossen Sinfoniekonzerten wurde das Jubiläum in der Tonhalle Zürich auf hohem künstlerischem Niveau begangen, eine ziemlich ungewöhnliche Manifestation von Sponsoring in Millionenhöhe.

Am 21. Februar 1990 wurde in Zürich durch Hans Heinrich Coninx – seines Zeichens viele Jahre lang Verlagspräsident der Tamedia AG – die Orpheum-Stiftung zur Förderung junger Solisten gegründet. Seit geraumer Zeit finden die Orpheum-Musikfesttage alle zwei Jahre statt, insgesamt gab es zwölf Anlässe dieser Art. Für die Aufnahme ins Orpheum-Förderprogramm schlagen die Mitglieder des 17-köpfigen Kuratoriums junge Talente vor, die mit einem renommierten Orchester und Dirigenten in der Tonhalle Zürich auftreten können.

Unbekannte sind daher in den Orpheum-Konzerten keine zu finden. Als Beispiel mag in diesem Jahr der 22-jährige Cellist Kian Soltani dienen, der bereits mit zwölf Jahren von Ivan Monighetti an die Musikakademie Basel aufgenommen wurde und der seither auch bei Sol Gabetta und David Geringas studiert hat. Neben seinem Orpheum-Konzert vom 6. September mit dem Tonhalle-Orchester unter Neville Marriner spielte er an der Schubertiade in Hohenems und beim Kissinger Sommer, trat mit Anne-Sophie Mutters Virtuosi auf oder interpretierte bei Daniel Barenboims West-Eastern-Orchestra das Tripelkonzert von Beethoven. Warum dann auch noch Orpheum, wenn Solisten im Konzertwesen schon derart etabliert sind? Howard Griffiths, seit 15 Jahren Künstlerischer Leiter bei Orpheum Young Soloists on Stage – wie der Anlass heute heisst –, meint zur aktuellen Situation: «Der Wettbewerb ist extrem und nur Künstler mit ganz besonderem Charakter und höchstem instrumentalem Können haben eine dauerhafte Karriere.»

Es geht bei Orpheum also nicht um herkömmliche Talentförderung, sondern um weiterführende Karriereunterstützung. Die Liste der Solistinnen und Solisten der letzten 25 Jahre umfasst denn auch so illustre Namen wie Renaud Capuçon, Alice Sarah Ott, Martin Grubinger oder Baiba Skride. Sie alle traten allerdings nur einmal bei Orpheum auf, was unweigerlich die Frage nach der Nachhaltigkeit provoziert. Dazu Griffiths: «Wir nutzen unser Netzwerk, um die von uns protegierten Musikerinnen und Musiker bei anderen Orchestern und Promotoren unterzubringen, dazu gehören etwa auch weitere Konzerte in Deutschland, Russland, der Schweiz und Österreich. Ich selber lade immer wieder Solisten ein, um beim Brandenburgischen Staatsorchester, wo ich Chefdirigent bin, zu spielen.»

Zum Jubiläum liess man sich etwas Besonderes einfallen und präsentierte etwas übertrieben formuliert «zwei Generationen von Orpheum-Solisten»: Der 40-jährige Geiger Nikolaj Znaider, 1996 bei Orpheum aufgetreten und heute ein arrivierter Musiker, spielte zusammen mit der 25-jährigen Bratschistin Kyoungmin Park die Sinfonia Concertante Es-Dur KV 364 von Mozart. Ein gelungener Auftritt am 4. September in der Tonhalle Zürich, bei dem die souveräne Spielweise des Etablierten mit dem sonoren Klang der Aufstrebenden gut harmonierte. In der Mittellage und bei Lagenwechseln bekundete die Bratschistin noch marginale Mühen, die aber von den klangschön begleitenden Wiener Symphonikern überdeckt wurden. Philippe Jordan stand am Pult und demonstrierte seine Klasse als Chefdirigent der Wiener zum Abschluss mit einer fulminanten Interpretation der 7. Sinfonie von Beethoven. Der Name «Jordan» hat bei Orpheum eine klingende Tradition, war doch Philippes Vater, Armin Jordan, unter den Dirigenten der ersten Stunde.

Seither hat sich im Musikbetrieb vieles verändert, was Howard Griffiths pointiert umschreibt: «Es gibt viel mehr im technischen wie im musikalischen Bereich hoch qualifizierte Musikerinnen und Musiker, insbesondere aus Asien, aber auch aus Russland, Europa und den USA. Die Anzahl Wettbewerbe und Festivals haben sich auch erhöht. Aber gerade junge Solisten sind heute konfrontiert mit gewaltigen Herausforderungen aufgrund der finanziellen Einschränkungen, mit denen viele Orchester und kulturelle Institutionen kämpfen. So besteht die Gefahr, dass viele talentierte Künstler zu wenige Möglichkeiten erhalten, nachhaltig Karriere zu machen.» Orpheum will einen Betrag leisten, wozu neu eine Kooperation mit dem CD-Label Sony gehört, das Einspielungen der Orpheum-Solisten herausgeben wird.

Endo Anaconda erhält den Berner Musikpreis 2015

Der mit 20’000 Franken dotierte Musikpreis 2015 des Kantons Bern geht an Endo Anaconda, bekannt mit der Gruppe Stiller Has. Die Musikerin, Komponistin und Performerin Lilian Beidler, der Akkordeonspieler Mario Batkovic und der Techno-Pionier Marco Repetto erhalten je einen Anerkennungspreis in der Höhe von 10’000 Franken.

Foto: Michael Schär

Endo Anaconda alias Andreas Flückiger gründete 1989 gemeinsam mit Balts Nill alias Ueli Balsiger 1989 Stiller Has. Der Musiker mit österreichischen Wurzeln ist eng mit dem Kanton Bern verbunden und ein Aushängeschild der Berner Rockmusik. 2013 erschien das neunte Studioalbum von Stiller Has: «Böses Alter».

Die Komponistin und Performerin Lilian Beidler machte zunächst mit grossangelegten akustischen Environments auf sich aufmerksam, in die sie als Performerin mittlerweile auch ihren Körper und ihre Stimme einbringt.

Mario Batkovic vermischt in seinem Akkordeon-Spiel traditionelles Balkan-Liedgut mit zeitgenössischer Jazz- und Rockmusik und lässt Einflüsse von Tom Waits über Astor Piazzolla bis hin zu Johann Sebastian Bach anklingen.

Marco Repetto traf um 1980 als Schlagzeuger der Postpunk-Band «Grauzone» den damaligen Zeitgeist und feilte an Proto-Techno-Tracks wie «Film 2». Ende der 1980er Jahre wurde er einer der wichtigsten Protagonisten der gerade entstehenden Schweizer Technoszene.

Mit dem Nachwuchsförderpreis «Coup de cœur 2015» in der Höhe von 3’000 Franken wird der Pianist Gilles Grimaître ausgezeichnet.
 

Neu positionierte süddeutsche Musikhochschulen

Künftig sollen im deutschen Bundesland Baden-Württemberg musikalische Kompetenzen in fünf Landeszentren selektiv gelehrt werden. Die Kernbereiche Orchester, Klavier und Gesang werden aber weiterhin überall gepflegt.

Die Musikhochschule in Trossingen. Foto: Gabriel Rinaldi, wikimedia commons

In Freiburg entsteht ein Lehr – und Forschungszentrum Musik mit starkem Bezug zur musikalischen Praxis und den Fächern Musikwissenschaft, Musiktheorie, Musikpädagogik und Musikphysiologie. In Karlsruhe steht Musikjournalismus und Musikinformatik im Fokus. Das multimedial ausbildende Institut für Musikjournalismus und das Institut für Musikinformatik schliessen sich in diesem Landeszentrum zusammen.

In Mannheim entsteht ein grosses Dirigierzentrum, das Chorleitung, Orchester/Sinfonik, Oper, Avantgarde, Leitung von (Amateur-)Blasorchestern und Leitung von Jazzensembles abdeckt. Stuttgart beherbergt den «Campus Gegenwart» mit einer spartenübergreifenden Verbindung der unterschiedlichen Kunstsparten in Kunst, Forschung und Ausbildung. Zusammengeschlossen werden Neue Musik (mit Elektronische Musik/Computermusik, Stimmkunst, Neues Musiktheater), Komposition, Jazz/Pop, Darstellende Kunst, Sprechkunst, Musikwissenschaft/Musiktheorie. Einbezogen werden auch die Akademie der Bildenden Künste und die Hochschule für Medien, Kulturschaffende und die Freie Szene.

In Trossingen stehen die Bereiche Musik – Design – Performance im Zentrum. Da wird der Generation der Digital Natives Rechnung getragen, die oft anders musikalisch sozialisiert sind als die klassische Klientel einer Musikhochschule. Einen wesentlichen Baustein dieses Landeszentrums bildet die Zusammenarbeit mit der HAW Furtwangen.

Die Einrichtung der Landeszentren ist auf Dauer angelegt. Zur ihrer Finanzierung wurde ein Stellenpool gebildet, für den das Land für fünf Jahre fünf W3-Professuren sowie weitere fünf Mittelbaustellen (E 13) zur Verfügung stellt. Die Musikhochschulen beteiligen sich mit jeweils zwei W3-Stellen an diesem Pool.
 

Überbordend, visionär und mit Videobotschaft

Das Festival «ZeitRäume» in Basel: Eindrücke von der 1. Biennale für Neue Musik und Architektur.

Eröffnungskonzert auf dem Münsterplatz. Foto: Martin Schmid

Mit über 1200 Mitwirkenden hat die 1. Biennale für Neue Musik und Architektur in Basel vor allem viele Jugendliche eingebunden. Über das verlängerte Wochenende vom 10. bis 13. September konnten 6500 Konzertbesucherinnen und -besucher sowie rund 14 000 Zuhörerinnen und Zuhörer bei den kostenlosen Performances gezählt werden. Die 12 Projekte mit rund 140 Aufführungen fanden an 21 verschiedenen Orten statt, 26 Werke wurden uraufgeführt. Es war für den Festivalintendanten Bernhard Günther und die Produktionsleiterin Anja Wernicke eine gigantische logistische Herausforderung, all die Beteiligten zu koordinieren und die diversen Räume für die künstlerische Idee urbar zu machen. Das Festivalprogramm überbordete richtiggehend, viele spannende Veranstaltungen liefen parallel.

Den Auftakt machten die jungen Tambouren aus der ganzen Schweiz, das Wetter spielte mit: Der stille Münsterplatz mit seinen noblen Häusern verwandelte sich in einen Raum für ein lautstarkes Trommel- und Pfeiff-Konzert, dazu gabs Live-Elektronik. Der Basler Tambour-Star Ivan Kym und der Osttiroler Komponist und Performer Wolfgang Mitterer hatten ihre neuen Stücke und Aktionen mit den Teilnehmern der gesamtschweizerisch ausgeschriebenen Tambourenwoche auf dem Brünig einstudiert, die Performance in Basel war gut vorbereitet, die Präzision der Trommler erstaunlich. Das Publikum war gekommen – natürliche auch viele Eltern und Geschwister der Beteiligten.

Danach ging man hinein ins altehrwürdige Münster, das für einmal Neuer Musik Raum bot. Der britische Komponist James Clark (*1957) hatte eigens für Raumklang Basel ein Stück konzipiert, das die 300 Sängerinnen und Sänger von fünf Gymnasien in sechs Chöre aufteilte: vor, hinter sowie links und rechts des Publikums. Das Ensemble aus acht Posaunen, die Trombone Unit Hannover, verteilte sich auf den Emporen. Überraschend war, dass die Chöre unter der Leitung von Oliver Rudin nicht nur sangen, sie schrien und riefen in einfach konzipierter Abfolge auch. Mit Wasser gefüllte Weingläser wurden sanft gestrichen, es wurde in Weinflaschen geblasen und geklatscht. Diese rund halbstündige Raum-Performance war originell, das hohe Münster erfüllt von vitaler Energie, von wuchtigen und poetischen Klängen, von Agitationen und Gegen-Reaktionen.

Ein visionäres Projekt war Chronos im frisch renovierten Volkshaus. Dafür wurde mitten im Zuschauerraum eine Drehbühne installiert; die Komponisten Beat Furrer, Thomas Kessler, Beat Gysin und Georg Friedrich Haas setzten sich mit dieser besonderen Aufführungssituation auseinander. Einmal sass das Publikum auf der Drehbühne und die Musikerinnen und Musiker spielten in der Mitte und ausserhalb des Zuschauer-Kreises. Für ein anderes Stück dislozierte das Publikum auf die Empore, und die Musik spielte sich auf und neben der Drehbühne ab. Die Licht-Regie von Michael Simon sorgte für kühles Weiss.

Strukturell am intensivsten auf die Drehbewegung eingelassen hatte sich Beat Gysin (*1968) im Auftragswerk Chronos (radial) für Ensemble und Stimmen. Er machte die Möglichkeit, «eine Mitte zu umfahren» und «sich um sich selbst zu drehen», hör- und spürbar. Mit zunehmender klanglicher Komplexität und sich verdichtender Dramaturgie zog er das Publikum auf der Drehbühne in seinen Bann, ja es entfaltete sich eine Art Reigen. Das Ensemble Recherche und die beiden Sängerinnen Svea Schildknecht und Johanna Greulich gerieten dabei fast in Trance.

Im Rahmen der Uraufführung dieses speziellen Drehklang-Projekts fand die Verleihung des Schweizer Grand Prix Musik statt. Bundesrat Alain Berset überreichte den mit 100 000 Franken dotierten Preis in einem festlichen Akt Heinz Holliger, der von seiner Japan-Tournee live zugeschaltet wurde.

Deutsche Musikfachhändler planen Genossenschaft

20 deutsche Musikfachhändler haben sich in Fulda getroffen, um über die Gründung einer Genossenschaft im Musikfachhandel zu diskutieren. Die Weichen zu einem solchen Schritt sind bereits im April des Jahres auf dem Branchentreff des deutschen Musikfachhandels in Frankfurt gestellt worden.

Foto: Richie Johns, flickr commons

Die Teilnehmer des Treffens haben laut dem GDM «mit überwältigender Mehrheit» dafür votiert, eine Genossenschaft zu gründen. Klargestellt wurde in Fulda, dass es nicht nur darum gehe, bei der Bestellung von Waren Einkaufsvorteile zu erzielen. Vielmehr solle ein Schwerpunkt der Genossenschaft darauf liegen, in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Lieferanten Marketingaktionen durchzuführen und insgesamt dafür zu sorgen, dass das aktive Musizieren weiter gefördert werde. Letztlich soll so «mehr Markt für die gesamte Branche geschaffen werden».

Ein Schwerpunkt der Genossenschaft soll darin liegen, die Aktivitäten im Internet auszubauen. Pläne für eine einheitliche Datenbank, die allen Genossenschaftsmitgliedern zur Verfügung gestellt werden kann, wurden vorgestellt. Auch Fragen eines Kernsortiments sowie formale Themen, wie Einlagenhöhe und Haftung der Mitglieder, wurden behandelt. Als nächster Schritt soll nun ein Kompetenzteam einen Geschäftsplan inklusive Finanzplanung erarbeiten.

 

Bachs h-Moll-Messe ist Weltkulturerbe

Das Autograph der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach, BWV 232 ist zusammen mit Dokumenten zu Leben und Werk Luthers aus der Staatsbibliothek zu Berlin – Preussischer Kulturbesitz von der Unesco ins Register des Weltkulturerbes aufgenommen worden.

Seite 1 des Autographs, Kyrie, Ausschnitt. Abbildung: Staatsbibliothek zu Berlin – PK

Das Messe-Autograph ist Bestandteil der grossen Bach-Sammlung der Bibliothek mit etwa 80 Prozent aller überlieferten Kompositionen des Meisters. In der Musiksammlung befindet sich auch das bereits im Jahr 2001 in das Weltkulturerbe-Register aufgenommene Autograph der Sinfonie Nr. 9 von Ludwig van Beethoven.

Die h-Moll-Messe, Bachs letztes Chorwerk, stellte er kurz vor seinem Lebensende in den Jahren 1748-49 und damit in Vollendung seiner Meisterschaft fertig. Bach verwendete in seiner Messe historische und moderne Satzarten, Formen und Kompositionstechniken. So bildet die Auseinandersetzung Bachs mit tradierten Mustern einerseits und die Verwendung von modernen Satztechniken anderseits in einem einzigen Werk, der h-Moll-Messe, ein Alleinstellungsmerkmal.

Diese einzige vollständige Partitur aus Bachs Lebzeiten ist mit Tinte auf Papier verfasst, Bach verwendete 99 Blätter und vier Titelblätter. Eine Datierung durch den Meister selbst liegt nicht vor, sie lässt sich aber durch Schriftvergleiche ermitteln.

Unter den insgesamt zwölf neu ins Unesco-Register aufgenommenen Dokumenten finden sich überdies auch solche, die das Wirken Martin Luthers als Wegbereiter der Reformation im frühen 16. Jahrhundert bezeugen: einer der seltenen Plakatdrucke der 95 Ablassthesen sowie das Handexemplar Luthers der Hebräischen Bibelausgabe. Sie sind ebenfalls im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin.

Lucerne Festival Ark Nova in Fukushima

Vom 24. Oktober bis 3. November 2015 kommt die mobile Konzerthalle Lucerne Festival Ark Nova zum dritten Mal zum Einsatz, diesmal in Fukushima. Erneut findet ein Musikfestival mit traditioneller japanischer Musik und europäischen Klassik- und Jazz-Musikern statt.

Lucerne Festival, Ark Nova 2014 © Yu Terayama | Till Fellner

Konzerte bestreiten unter anderen der Solo-Flötist des Lucerne Festival Orchestra Jacques Zoon, der japanische Pianist Kazune Shimizu, ein Bläser-Ensemble aus Solisten des Lucerne Festival Orchestra rund um den Solo-Trompeter Reinhold Friedrich, die Preisträgerin des Chopin-Wettbewerbs 2010, die Pianistin Yulianna Avdeeva, I Musici des Conservatorio Santa Cecilia in Rom und der schwedische Saxophonist Magnus Lindgren.

Die Lucerne Festival Ark Nova ist die erste mobile und aufblasbare Konzerthalle. Sie ist von Michael Haefliger, Intendant von Lucerne Festival, dem japanischen Stararchitekten Arata Isozaki, dem britischen Künstler Anish Kapoor und dem japanischen Konzertagenten Masahide Kajimoto initiiert und 2013 erstmals aufgebaut worden.

Die Grundidee der Ark Nova ist es, den Menschen während des Wiederaufbaus in der von der Katastrophe vom 11. März 2011 betroffenen japanischen Region Tōhoku Mut und Zuversicht zu bringen. Ein Ensemble von Solisten des Lucerne Festival Orchestra trat bereits 2013 in Matsushima und 2014 in Sendai in der mobilen Konzerthalle auf.

Andres Bosshard in Dänemark ausgezeichnet

Dem Schweizer Klangkünstler Andres Bosshard ist der mit 30’000 Franken dotierte Aarhus-2017-Preis verliehen worden. Er gewinnt die Auszeichnung mit «The Sonic Arc». Das Klangprojekt wird 2017 präsentiert, wenn die dänische Stadt Aarhus Kulturhauptstadt Europas ist.

Andres Bosshard mit dem Aarhus-Preis (Foto: Niels Aage Skovbo)

Andres Bosshard plant und kreiert das Werk mit den Einwohnern von Aarhus und der Region Midtjylland. Laut Jury ist es diese bürgernahe Zusammenarbeit, für die Andres Bosshards Werke bekannt sind, die für die Wahl letztlich entschiedend war.

«Mit dem Siegerprojekt ‚The Sonic Arc‘ erhält die europäische Kulturhauptstadt Aarhus 2017 ein einmaliges und poetisches Kunstwerk, das viele Menschen auf eine völlig einzigartige Weise involviert und bewegt», heisst es in der Begründung der Jury. Bosshard setzte sich gegen 31 Wettbewerbsteilnehmer aus der ganzen Welt durch.

Andres Bosshard wurde 1955 geboren und wohnt und arbeitet in Zürich. Er machte seinen Abschluss als Maler, begann jedoch schon früh mit Musik und Theater zu experimentieren. Er entwickelte kreisende Klangobjekte, interaktive Computermusik, Programme und Klanginstallationen, wie beispielsweise den «Sound Tower» am Bielersee auf der Expo.02

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