Aufruf für öffentliche Zeichen

Im Zusammenhang mit dem Konzert «Voices for Refugees» sind Musikerinnen und Musiker, Ensembles und Bands aufgerufen, Statements abzugeben zu den Ereignissen der letzten Wochen.

Foto: Volkshilfe / Johannes Zinner

Wie das österreichische Musikinformationszentrum mica – music austria heute mitteilt, findet am 3. Oktober in Wien «Voices for Refugees» statt, ein Solidaritätskonzert für ein menschliches Europa. Veranstaltet wird es von der Volkshilfe Österreich zusammen mit Nova Music und weiteren Organisationen. Es werden 15 Bands zu hören sein, von Bilderbuch bis Zucchero.

Denjenigen Musikerinnen und Musikern, die nicht am Konzert dabei sind, bieten nun mica – music austria und die Volkshilfe Österreich die Möglichkeit, ihre Stimme zu erheben. Bis am 29. September können Solo-Künstler, Ensembles und Bands ihre «Gedanken zu jenen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, zur europäischen Geschichte und Zukunft, zum Selbstverständnis einer demokratischen Republik» oder zu den Ereignissen der letzten Wochen in Form eines Statements zusammen mit einem Foto oder als Videobotschaft (Downloadlink) einschicken an:

steiner@musicaustria.at
Betreff: Voices for Refugees

Auch Statements aus der Schweiz sind willkommen. Dieser Appell von mica – music austria richtet sich auch an Labels, Verlage, Manager, Veranstalter etc. mit der Bitte, diesen Aufruf an ihre Musikerinnen und Musiker weiterzuleiten.
 

Weitere Informationen: http://voicesforrefugees.com

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Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger und Nova Music Geschäftsführer Ewald Tatar präsentieren Details zum Solidaritätskonzert «voices for refugees», das am 3. Oktober am Wiener Heldenplatz stattfinden wird.

Jodeln im Chor

jutz.ch heisst der Chor, der, noch bevor er existiert, ans 10. Europäische Jugendchor Festival Basel eingeladen ist. Wer sich fürs Jodeln interessiert, gut singt und unter 25 Jahre alt ist, kann sich bis am 31. Oktober für das Projekt anmelden.

Der Hitziger Appenzeller Chor am EJCF 2014. Foto: Andreas Meier/EJCF

Für die Auftritte zwischen dem 4. und 8. Mai am 10. Europäischen Jugendchor Festival Basel (EJCF) studieren Marco Beltrani und Nadja Räss mit jutz.ch ein ansprucksvolles Programm ein, bei dem auch ein spezielles Augenmerk auf die Performance gelegt wird . Junge Sängerinnen und Sänger oder Jodlerinnen und Jodler, die es gewohnt sind, solistisch oder in ambitionierten Chören aufzutreten, sind herzlich eingeladen, sich im Rahmen dieses Projekts in die Schweizer Jodeltradition zu vertiefen. Alle Interessierten im Alter zwischen 16 und 24 Jahren werden zu einem Vorsingen im Dezember eingeladen. Einstudiert wird das zirka 40 Minuten dauernde Programm von Januar bis April 2016.
Der Projektchor jutz.ch wird das ganze Programm auswendig singen. Während den Proben werden kleine Choreografien einstudiert.
Die Kosten für die Übernachtungen und die Verpflegung während der Probenwochenenden und des Festivals in Basel werden übernommen. Die Reisespesen gehen zu Lasten der Sängerinnen und Sänger.

Die Teilnahme am EJCF, dem renommierten Treffen der besten europäischen Jugendchöre, ist eine einmalige Chance für ambitionierte Sängerinnen und Sänger der klassischen Chorszene wie der Volksmusikszene.
Gesangslehrerinnen und -lehrer werden deshalb gebeten, ihre Schülerinnen und Schüler auf dieses Angebot aufmerksam zu machen. Anmeldeschluss ist am 31. Oktober, die Einschreibung wird online abgewickelt: www.ejcf.ch/projekt-jodelchor

Auskünfte zum Projektchor erteilen telefonisch Marco Beltrani 079 543 81 60 oder das Festivalbüro 061 401 21 00. Weitere Informationen zum Festival finden sich hier www.ejcf.ch
 

Probe- und Konzertdaten

 

Sa, 19. Dezember 2015 Vorsingen in Zürich

 

Di, 26. Januar 2016 Probe Männerstimmen
Mi, 27. Januar 2016 Probe Frauenstimmen
Do, 28. Januar 2016 Probe Tutti
Sa – So, 30. – 31. Januar 2016 Probenwochenende
Fr – So, 11. – 13. März 2016 Probenwochenende
Sa – So, 19. – 20. März 2016 Probenwochenende
Sa – So, 9. – 10. April 2016 Probenwochenende
Di, 26. April 2016 Probe Tutti

 

Di – So, 3. – 8. Mai 2016 Teilnahme am Europäischen Jugendchorfestival

Kanton Schaffhausen unterstützt Haberhaus Bühne

Der Regierungsrat und der Stadtrat Schaffhausen haben eine Leistungsvereinbarung mit dem Verein Haberhaus Bühne abgeschlossen.

Foto: Wandervogel, wikimedia commons

Der Haberhaus Kulturclub in der Altstadt Schaffhausen sei für das kulturelle Leben in der Region Schaffhausen unverzichtbar, schreibt der Kanton in einer Medienmitteilung. Er stelle für verschiedene regionale Veranstalter die Auftrittsmöglichkeit dar, die ihren Bedürfnissen nach einer Kleinbühne genügten.

Der Verein Haberhaus Bühne ist getrennt vom Betrieb des dazugehörigen Restaurants. Den Raum für eine breite und vielfältige kulturelle Nutzung macht der Verein zugänglich. Der finanzielle Beitrag des Kantons beläuft sich auf 25’000 Franken pro Jahr. Der jährliche Beitrag der Stadt Schaffhausen beträgt 20’000 Franken. Die Leistungsvereinbarung mit dem Verein Haberhaus Bühne gilt von Mitte 2015 bis Ende 2018.

Christoph Croisé gewinnt beim Brahmswettbewerb

Der im Kanton Aargau wohnhafte Cellist wurde am 13. September am Finale des internationalen Musikwettbewerbs mit dem ersten Preis in der Kategorie Violoncello ausgezeichnet.

Christoph Croisé (3. von links). Foto: Günter Jagoutz Foto-Video, Klagenfurt

In der Kategorie Violoncello sind am 22. Internationalen Johannes-Brahms-Wettbewerb im österreichischen Pörtschach am Wörthersee 50 Cellistinnen und Cellisten aufgetreten. In der 3. Runde hat sich Christoph Croisé den ersten Preis erspielt. Der zweite Preis ging an Yoosin Park (geb. 1990, Südkorea) und der dritte an Kacper Nowak (geb. 1987, Polen). In der Jury sassen Alexandre Bouzlov, Catalin Ilea, Matthieu Lejeune, Kyung-Ok Park und Éva Simić-Németh.
Am Brahmswettbewerb traten vom 5. bis 13. September gegen 200 Solistinnen und Solisten sowie über 30 Ensembles in den Kategorien Klavier, Kammermusik, Violine, Viola und Violoncello auf. Der Wettbewerb wird von der Johannes Brahms Gesellschaft Pörtschach organisiert.

1993 geboren, tritt Christoph Croisé seit seinem 17. Lebensjahr international als Solocellist auf. Am 7. November ist er zusammen mit der Pianistin Oxana Shevchenko in der Tonhalle Zürich zu hören.
 

www.christophcroise.ch
www.brahmscompetition.org
 

Deutsche Unesco-Kommission will TTIP Grenzen setzen

An ihrer 75. Hauptversammlung hat die Deutsche Unesco-Kommission in Regensburg eine Resolution verlabschiedet, die verlangt, dass im zur Zeit ausgehandelten Freihandelsvertrag TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) Regulierungsfreiheit zur kulturellen und medialen Vielfaltsicherung verankert wird.

Proteste gegen TTIP in Spanien. Foto: Marc Lozano

Die Resolution fordert unter anderem «angesichts der Tatsache, dass die USA der Unesco-Konvention zum Schutz der kulturellen Vielfalt nicht beigetreten sind», dass «im TTIP-Vertrag in allen relevanten Kapiteln normativ wirksame kultur-, medien- und bildungspolitische Schutzansätze verankert werden».

Sie weist überdies darauf hin, dass «die weitreichenden Auswirkungen, die ein solches Abkommen für die kulturelle Infrastruktur sowie für das Medien-, Kultur-, Wissenschafts- und Bildungsangebot in Deutschland haben kann», weiterhin einer informierten und breiten gesellschaftlichen sowie politischen Debatte bedürften und nicht ausschliesslich einer wirtschaftspolitischen Betrachtung unterworfen werden dürften.

Sie fordert die deutsche Politik schliesslich auf, sich unmissverständlich «für rechtlich wirksame Schutzmechanismen im Sinne einer technologieneutralen Weiterentwicklung von Regulierung zur Sicherung der Informations- und Meinungsvielfalt, des Medienpluralismus sowie der sprachlichen und kulturellen Vielfalt auszusprechen und sich dafür in den kommenden Verhandlungsrunden einzusetzen».

Die ganze Resolution: www.unesco.de/index.php?id=reshv75_ttip
 

Urknall und kosmisches Rauschen

Das Musikfestival Bern vereint die Musikschaffenden der Region in einem vielfältigen Programm mit ungewöhnlichen Projekten.

Klavierduo huber/thomet und Ensemble This/Ensemble That. Foto: Philipp Zinniker

Alle zwei Jahre übernimmt es das Musikfestival Bern, die Fülle des hiesigen Musiklebens zu bündeln – bisher alternierend mit der interdisziplinär agierenden Biennale Bern. Die diesjährige fünfte Ausgabe brachte unter dem Titel Urknall vom 3. bis zum 13. September eine kaum mehr zu überblickende Reihe von Veranstaltungen für alle Altersstufen. Eröffnet wurde sie im Münster mit der Genesis-Suite, einer 1945 uraufgeführten Vertonung von Texten aus dem 1. Buch Moses, an der prominente Komponisten, darunter Arnold Schönberg und Igor Strawinsky, mitgewirkt hatten.

Neben solchen traditionellen Konzerten standen (Tanz-)Performances und Klanginstallationen; im Club Bonsoir präsentierten Musiker aus der Computer- und Turntable-Szene ihren eigenen Remix aus dem Klangmaterial des Festivals; in der Stadt liessen Zoro Babel und Andrea Lesjak die Passanten auf ihrem riesigen Steinplatten-Xylofon musizieren; und der Schlagzeuger Fritz Hauser verwandelte in einer eigenen Choreografie mit etwa 120 kleinen und grossen Perkussionisten, Treichlern und Glockenträgern den Münsterplatz in eine faszinierende Klanglandschaft. In einer wissenschaftlichen Gesprächsreihe wurden zudem Themen rund um den «Urknall» vertieft.

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«Serpente Litophonie» im Berner Münster. Foto: Philipp Zinniker

Leitplanken

Begonnen hat die Festival-Tradition 2007 mit einem grossen Musikfest zum 100. Geburtstag des Komponisten und Lehrers Sándor Veress. Schon damals habe man geplant das Format weiterzuführen, erzählt der Musikwissenschaftler Hanspeter Renggli, es aber nicht mehr auf eine einzelne Persönlichkeit zu konzentrieren. Renggli ist Leiter der Programmgruppe des Festivals und noch bis zum Herbst Präsident des Trägervereins. Die Programmgruppe, erklärt er, setze jeweils das Festival-Motto fest. Dieses soll als Leitplanke Beliebigkeiten verhindern, die Künstler aber auch zu eigenen Assoziationen anregen. So kann man mit dem Begriff «Urknall» Erkenntnisse der Weltraumphysik ebenso verbinden wie die biblische Schöpfungsgeschichte, den Anfang der zeitgenössischen Musik im Werk Arnold Schönbergs oder den Beginn einer Liebesbeziehung, wenn man sich «verknallt». Die Programmgruppe prüft alle Projekte, die für das Festival vorgeschlagen werden. Erwünscht sind vor allem Kooperationen zwischen verschiedenen Institutionen. Sie machen das Besondere des Festivals aus.

Ensemblekollektiv

Eine solche Koproduktion von fünf (!) sehr unterschiedlichen Formationen war das Konzert Planck in der Dampfzentrale. Zwei Barockorchester, Die Freitagsakademie und Les Passions de l’Ame, das ensemble proton, das Klavierduo huber/thomet (Susanne Huber und André Thomet) und das Schlagzeug-Quartett Ensemble This/Ensemble That (das Ensemble-in-Residence des Festivals) spielten ein kluges Programm, in dem barocke Musik abwechselte mit neuen Stücken jüngerer Komponisten, die in unterschiedlicher Weise vom Festival-Motto inspiriert waren. Proton hatte bei Leonardo Idrobo Adrift in Auftrag gegeben, das aus einer Klang- und Lichtmasse Elemente entstehen lässt, die sich ausdehnen und zusammenziehen. Die Klänge des Ensembles werden ergänzt durch elektronische Zuspielungen, gesprochene Texte und die Projektion farbiger Bilder. An diesem Abend war allerdings nur ein Ausschnitt ohne Elektronik und Projektion zu hören, ein transparentes Geflecht farbensicher gesetzter Klanglinien; die eigentliche Uraufführung erfolgte einige Tage später.

Huber/thomet und die vier Schlagzeuger interpretierten Cosmic Swoosh von Michael Pelzl. Mit zwei präparierten Konzertflügeln, Celesta und Gongs lässt der Komponist eine dunkle und eine helle Sphäre – mit klanglicher Fantasie, aber etwas schematisch – kontrastieren. Am Anfang und am Ende des Abends verschmolzen die fünf Gruppierungen in Planck des Baslers Martin Jaggi zum Ensemblekollektiv. Jaggi bezieht sich auf die Raumsonde Planck, die erstmals die kosmische Hintergrundstrahlung, den «Fussabdruck» des Urknalls, festhalten konnte.

Der Versuch des amerikanischen Physikers John G. Cramer, Plancks Daten in Klänge umzuwandeln, bildet als Einspielung vom Band zeitweise den Hintergrund des Stücks. Jaggi integriert die unterschiedlichen, auch unterschiedlich gestimmten, Instrumentarien zu einem differenziert ausgehörten Ganzen und findet, etwa im Dialog der (verstärkten) Theorbe mit den sanft angeschlagenen Gongs, aparte Klangkombinationen. Durchgehend wurde hervorragend musiziert. In Erinnerung bleibt vor allem die phänomenale Geigerin Meret Lüthi von Les Passions de l’Ame in einer der Rosenkranz-Sonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber.

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Das Ensemblekollektiv interpretiert Jaggis «Planck». Foto: Philipp Zinniker

Zukunft

Im Moment steht das Festival vor wichtigen Veränderungen. 2014 hatte die Stadtregierung beschlossen, in Zukunft entweder die Biennale oder das Musikfestival zu finanzieren und sich schliesslich für das Musikfest entschieden. Seither laufen die internen Diskussionen über die zukünftige Gestalt des Festivals. Klar ist, dass die Stadt eine Öffnung nach aussen und mehr internationale Ausstrahlung erwartet. Ebenso klar ist aber, dass der Anlass nicht zur Durchgangsstation reisender Stars verkommen darf. Dafür soll das Artist-in-Residence-Modell erweitert werden, mit mehr auswärtigen Künstlern, die – wie in diesem Jahr das Schlagzeug-Quartett – an diversen Veranstaltungen teilnehmen und so das Programm mitprägen sollen.

musikfestivalbern.ch

Deutsche Krankenkasse bezahlt App gegen Tinnitus

Die Deutsche Techniker Krankenkasse übernimmt testweise die Kosten für eine Smartphone-App, eine neuartige Behandlungsmethode gegen Tinnitus.

Foto: R.A./pixelio.de

Ein HNO-Arzt oder ein von ihm beauftragter Hörgeräteakustiker bestimmt die individuelle Tinnitus-Frequenz eines Patienten. Diese gibt an, welche Hirn-Areale des Hörzentrums vom Tinnitus betroffen sind. Mit der Tinnitracks-App kann die Frequenz aus der Lieblingsmusik herausgefiltert werden. Das regelmässige Hören der gefilterten Musik beruhigt nach Überzeugung der Krankenkasse die überaktiven Tinnitus-Nervenzellen. Damit lasse sich die Intensität des Tinnitus mildern.

Die Behandlungsmethode ist sinnvoll, wenn ein subjektiver, chronischer stabil-tonaler  Tinnitus ohne Fluktuation der Tonhöhe vorliegt, der insgesamt länger als drei Monate anhält. Das Phantomgeräusch muss schmalbandig genug sein, so dass eine Tinnitus-Frequenz festgestellt werden kann. Die Frequenz muss unter 8500 Hz liegen.

Das 2012 gegründete Unternehmen Sonormed GmbH hat mit Tinnitracks ein bereits mehrfach ausgezeichnetes Medizinprodukt zur Tinnitus-Behandlung entwickelt, das laut Eigenwerbung über drei Millionen Tinnitus-Betroffenen in Deutschland Zugang zu einer neuen Therapieform ermöglicht. Im Juni 2014 wählte das European Institute of Innovation and Technology Sonormed zum EU-weit innovativsten Unternehmen im Bereich Gesundheit.

Musikwissenschaft und Informatik im Dialog

Deutsche und spanische Musikwissenschaftler und Informatiker diskutieren im Rahmen eines Workshops auf dem Campus der Universität des Saarlandes wie sich die musikalischen Werke des spanischen Komponisten Tomás Luis de Victoria mit Methoden der digitalen Signalverarbeitung analysieren lassen.

«O magnum mysterium», Cantus, aus den «Motecta», Venedig 1572,SMPV

Musikwissenschaftler um Rainer Kleinertz von der Saar-Universität wollen neue Wege zur Erforschung des spanischen Komponisten Tomás Luis de Victoria erschliessen und eine historisch-kritische Gesamtausgabe seiner Werke vorbereiten. Kleinertz ist Experte für spanische Musikgeschichte und leitet seit 2014 gemeinsam mit dem Informatiker Meinard Müller von der Universität Erlangen-Nürnberg ein Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur computergestützten Analyse harmonischer Strukturen.

Mit seinem aktuellen Workshop bringt der Saarbrücker Musikwissenschaftler Informatiker und Musikwissenschaftler aus Spanien und Deutschland mit weiteren Spezialisten zusammen. Die Forscher erörtern, mit welchen Verfahren sich die musikalischen Strukturen im Werk von Tomás Luis de Victoria analysieren lassen.

Tomás Luis de Victoria (ca. 1548, Ávila ‒ 1611, Madrid) gilt als zentraler Komponist des spanischen Siglo de oro. Er war lange Zeit in Rom tätig, hatte enge Beziehungen zu Deutschland und kehrte schliesslich nach Madrid zurück.

Der zur Zeit durchgeführte Workshop trägt den Titel «Musikwissenschaft und Informatik im Dialog: Probleme der Überlieferung und Möglichkeiten der Analyse von Werken Tomás Luis de Victorias (ca. 1548–1611)».

Mehr Infos: www.uni-saarland.de/musikwissenschaft

 

Kanton Thurgau stärkt die Kulturvermittlung

Der Regierungsrat des Kantons Thurgau hat das Kulturkonzept des Kantons für die Jahre 2016 bis 2018 genehmigt. Zwei neue Entwicklungsziele haben in das überarbeitete Konzept Eingang gefunden: die Entwicklung einer Museumsstrategie und der Ausbau von Kulturvermittlungsangeboten.

Auch das Ittinger Museum ist im Kulturkonzept aufgeführt. Bild: © Ittinger Museum, Kartause Ittingen

Die in den Jahren 2013 bis 2015 lancierten Projekte werden laut der Medienmitteilung des Regierungsrates weitergeführt. Darüberhinaus soll eine Museumsstrategie die kantonalen Museen für künftige Herausforderungen stärken und der Ausbau von Vermittlungsangeboten den Zugang zur Kultur im Kanton Thurgau verbessern: Angebotslücken sollen geschlossen und Institutionen bei der Erarbeitung von Vermittlungsangeboten unterstützt werden.

Das Kulturkonzept gibt Auskunft über die Kriterien zur Vergabe der Mittel aus dem Lotteriefonds. Es zeigt auf, wie die Mittel aus Staatsrechnung und Lotteriefonds für kulturelle und gemeinnützige Trägerschaften eingesetzt werden.

Die jährlichen Beiträge aus der Staatsrechnung steigen minim aufgrund des steigenden Anteils des Kantons Thurgau an den Ostschweizer Kulturlastenausgleich von bisher 1’866’100 Franken auf 1’889’600 Franken pro Jahr. Die jährlich wiederkehrenden Beiträge aus dem Lotteriefonds steigen insbesondere aufgrund der beiden neu gesetzten Entwicklungsziele von bisher 2’548’500 Franken auf 2’666’000 Franken.

Zudem wird der Rahmenkredit für einmalige kulturelle Projekte aufgrund der bisherigen Erfahrungszahlen von 2.3 Millionen auf 3 Millionen Franken erhöht. Ob der Rahmenkredit ausgeschöpft wird, hängt von den Gesuchen an den Lotteriefonds ab und stellt weiterhin nur eine theoretische Grösse dar.

Das Konzept kann heruntergeladen werden unter:
www.tg.ch/documents/Kulturkonzept_2016_2018.pdf

 

Zuger Sinfonietta unter neuer Leitung

Die Zuger Sinfonietta hat Daniel Huppert, den künftigen Generalmusikdirektor am Theater Schwerin, zum ihrem neuen Chefdirigenten ernannt. Er wird das Amt im Sommer 2016 antreten.

Foto: zvg

Die Wahl ist nach einem fast zwei Jahre andauernden Auswahlverfahren mit über 270 Bewerbungen erfolgt. In der Saison 2015/16 wird Huppert bereits zwei Konzerte dirigieren: am 8. Dezember 2015 und 30. Januar 2016.

Daniel Huppert studierte zunächst Cello und Dirigieren sowie Musikwissenschaft und Germanistik in Saarbrücken und setzte dann sein Studium in Weimar an der Hochschule für Musik Franz Liszt fort. Danach schloss sich ein Aufbaustudium Konzertexamen an.

2010 gewann er den 2. Deutschen Operettenpreis für junge Dirigenten der Oper Leipzig. Er war Preisträger des Dirigentenwettbewerbs des MDR Sinfonieorchesters Leipzig und gewann 2011 den Internationalen Lutoslawski Wettbewerb für junge Dirigenten in Polen.
Bis Ende 2010 war er als «Assistant du chef d’orchestre» an der Opéra national de Paris (Bastille) engagiert.

Daniel Huppert war Stipendiat des Dirigentenforums des Deutschen Musikrates. In der Saison 2015/16 wird Daniel Huppert an der Komischen Oper Berlin die Neuproduktion von «Hoffmanns Erzählungen» in der Regie von Barry Kosky dirigieren.

Gründung eines Netzwerkes Mädchenchöre

In Basel ist ein Netzwerk für Mädchenchöre aus der Schweiz, Österreich und Deutschland gegründet worden. Die Initiative besteht aus Chorleitenden und Geschäftsführenden von Mädchenchören aus dem deutschsprachigen Raum.

Mädchenkantorei Basel am Schweizer Kinder- und Jugendchor-Festival 2015. Foto: Mattias Nutt

Ziel der neuen Gruppe ist eine verstärkte Vernetzung untereinander und eine bessere Kommunikation der Anliegen von Mädchenchören. Das Netzwerk möchte «die Stärken des weiblichen Sängernachwuchses präsentieren und auf die vielerorts bestehende Ungleichbehandlung von Knaben- und Mädchenchören aufmerksam machen».

Mit dabei sind unter anderen Anna Katharina Kalmbach, Luzerner Kantorei,  Martina van Lengerich, Mädchenkantorei Freiburg DE,  Marina Niedel, Mädchenkantorei Basel, Gerd Rixmann, Mädchenchor Wiesbaden DE sowie Lea Scherer, Solothurner Mädchenchor.

Die Gruppe steht allen interessierten Führungskräften aus dem Sektor offen, ein Folgetreffen ist für Februar 2016 geplant.

Infos:
afintelmann@maedchenkantorei.ch

SJMW-Jubiläum in der Tonhalle Zürich

Mit einer Konzertmatinee feierte der grösste nationale Musikwettbewerb für jugendliche Amateure sein 40-jähriges Bestehen. Martin Vollenwyder wird ab 2016 an der Spitze des Stiftungsrates stehen.

Foto: Michael Ingenweyen, München

«Wie geht es dem Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb?» Gerd Albrecht, von 1975 bis 1980 Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich und Gründer des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs (SJMW), hätte eine erfreuliche Antwort erhalten, wäre es für ihn möglich gewesen, an der Jubiläumsmatinee in der Tonhalle Zürich am 13. September teilzunehmen. Die Frage nach dem Befinden des SJMW sei immer ganz oben auf der Traktandenliste ihrer Treffen gestanden, erinnerte sich Bobby Keller, der damalige kaufmännische Direktor des Tonhalle-Orchesters und heutige SJMW-Ehrenpräsident. Stand zu Beginn die Förderung des Nachwuchses für Schweizer Orchester im Mittelpunkt, hat sich der Wettbewerb den Entwicklungen des Musiklebens angepasst und entsprechend geöffnet. Gleich geblieben ist die Qualität der Förderung, in deren Mittelpunkt das Gespräch der Jury mit den Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmern, deren Lehrpersonen und Eltern steht.

Der Wettbewerb zeigte sich an diesem Vormittag von seinen besten Seiten. Festredner würdigten Entwicklung und Bedeutung. Die zu diesem Anlass gestaltete Festschrift bot aus den Perspektiven verschiedener Akteure eine gelungene Momentaufnahme des SJMW. Und im Mittelpunkt stand natürlich die Musik. Aktuelle und ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger aus vier Jahrzehnten waren in einem Programm zu hören, das in seiner Vielfalt durch einen feinen klanglichen roten Faden zusammengehalten wurde und so die ganze Variationsbreite des SJMW abbildete. Vermeintliche Gegensätze waren hinfällig, allein das Musikalische stand im Mittelpunkt.

Eine Neuigkeit war schliesslich noch zu erfahren: Neuer Stiftungsratspräsident ab 2016 wird der jetzige Präsident der Tonhalle-Gesellschaft, Martin Vollenwyder. Damit rückt der Wettbewerb wieder ein bisschen näher zurück an seinen Ausgangspunkt.

www.sjmw.ch

Bildlegende

Das Bazar Qartet eröffnete die Konzertmatinee am 13. September im kleinen Saal der Tonhalle Zürich.

Das Foto wurde am Preisträgerkonzert des SJMW-Finales 2014 in Lausanne aufgenommen.

Sébastian Jacot Gewinner des ARD-Musikwettbewerbs

Nach dem HKB-Studenten Michael Buchanan hat mit dem Genfer Flötisten Sébastian Jacot eine weiterer Repräsentant der Schweiz im ARD-Musikwettbewerb 2015 in seinem Fach den ersten Preis gewonnen.

Foto: BR/Daniel Delang.

Der Spanier Francisco López Martín ist mit dem zweiten Preis und dem Publikumspreis ausgezeichnet worden. Dritter wurde sein Landsmann Eduardo Belmar.

Jacot ist unter anderem Gewinner des Wettbewerbs von Kobe 2013. 2014 gewann er die Carl Nielsen International Flute Competition. Zwischen 2006 und 2008 war er Assistant Principal Flute des Hong Kong Philharmonic Orchestra, danach Erster Flötist des Saito Kinen Festival und Soloflötist des Genfer Ensembles Contrechamps. Dieses Jahr ist er zum Ersten Flötisten beim Gewandhaus Orchester Leipzig ernannt worden.

Im Fach Posaune überzeugte der erst 22-jährige Brite HKB-Student Michael Buchanan die Jury. Er erang den ersten Preis sowie den Publikumspreis (die SMZ berichtete). Der zweite Preis ging an den Franzosen Jonathan Reith. Guilhem Kusnierek aus Frankreich wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet.

 

Onlinekurs der Uni Basel zur Musiknotation

Die Universität Basel bietet neu kostenlose Online-Kurse an, die einer breiten Öffentlichkeit offen stehen. Zu den zwei ersten gehört unter dem Titel «From Ink to Sound» einer zur Musiknotation im Wandel der Zeit. Kurssprache ist Englisch.

Foto: Dieter Schütz/pixelio.de,SMPV

Der Online-Kurs «From Ink to Sound» setzt sich mit theoretischen und praktischen Aspekten der Niederschreibung von Musik auseinander und beleuchtet die Entwicklung der Musiknotation vom Mittelalter bis zur Renaissance.

Matteo Nanni und Angelika Moths vom Fachbereich Musikwissenschaften an der Universität Basel zeigen, wie Musik in Handschriften festgehalten wurde, wie man sie decodiert und in eine neuzeitliche Notation transkribiert. Musiker aus dem Umfeld der Schola Cantorum Basiliensis haben für den Kurs über 15 Aufnahmen eigens eingespielt – unter anderem eine Musikhandschrift der Universitätsbibliothek Basel, die zum ersten Mal seit 700 Jahren transkribiert und aufgeführt wurde.

Der Kurs richtet sich an Musikerinnen und Musiker mit Interesse an Musikpaläographie sowie an Studierende und Interessierte der Musik, der Geschichte, der Philologie, der Theologie, der Kunstgeschichte und der Semiotik. Die einzige Vorbedingung für Lernende ist, dass sie das moderne Notationssystem kennen.

Webseite: www.futurelearn.com/courses/from-ink-to-sound

Der Codex Gisle

Eine der prächtigsten Musikhandschriften des deutschen Spätmittelaltes, das goldene Graduale der Gisela von Kerssenbrock, wird vom Quaternio-Verlag einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Adventsminiatur im Codex Gisle. Bild: zvg,SMPV

Der Codex Gisle ist ein Graduale, also ein Chorbuch für den täglichen Gesang in der Messfeier. Er stammt aus dem Zisterzienserinnenkloster Marienbrunn in Rulle, nördlich von Osnabrück, und wurde dort um 1300 erschaffen.

Höchst ungewöhnlich ist es, dass Künstler- und Schreibernamen bekannt sind: Mit roter Tinte hat Schwester Gisela von Kerssenbrock, Angehörige einer alten westfälischen Adelsfamilie, das Graduale an mehreren Stellen mit einer anbetenden Nonne und dem Schriftzug «Gisle» signiert. Gisela war die cantrix oder Sangmeisterin des Klosters, unterwies ihre Mitschwestern im Singen und war für die Herstellung der Musikhandschriften verantwortlich. Sie schuf den Buchschmuck, schrieb Texte und Noten und stiftete den Codex Gisle ihrem Konvent in Rulle, wo er für rund 500 Jahre ununterbrochen in Gebrauch war.

Ungewöhnlich am Codex Gisle ist auch seine ungeheure Bildervielfalt: Mit 53 Bild-Initialen übertrifft er andere Graduale um mehr als das Doppelte. Die Zierbuchstaben sind prächtig ausgestattet und zeigen die wichtigsten Stationen aus dem Leben Jesu in teilweise ungewöhnlichen Szenen.

Der Quaternio-Verlag Luzern hat diese schönste niedersächsisch-westfälische Handschrift der Zeit zwischen 1250 und 1400 im Bistumsarchiv Osnabrück entdeckt und macht sie durch seine Faksimile-Edition einem breiten Publikum zugänglich.
Zur aufwendigen Faksimile-Edition erscheint ein wissenschaftlicher Kommentarband; geplant ist auch eine Musik-Edition ausgewählter Gesänge.

In der Ausstellung Goldene Pracht für himmlische Gesänge – Die Faksimile-Edition des Codex Gisle im Kloster Eberbach (D-65346 Eltville im Rheingau, Öffnungszeiten: täglich 10–18 Uhr) ist die die Faksimile-Edition noch bis 29. Oktober 2015 zu sehen – in Einzellagen und zum Blättern.

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Faksimile Codex Gisle: 172 Blätter im Originalformat von 35,5 x 26 cm mit 53 Initialen, Ledereinband mit Eck- beschlägen, in Leinenkassette, Kommentarband, Auflage: 480 Exemplare, ISBN 978-3-905924-20-6, Fr. 12 400.-; Dokumentationsmappe mit zwei Original-Faksimileblättern und Informationsbroschüre, Fr. 124.-
www.quaternio.ch

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