Lehrreicher Urtext

Rezension: Vivaldis Violinsonaten op. 2 – von Venedig aus europaweit verbreitet. Von Bernhard Moosbauer neu herausgegeben als Wiener Urtext.

Antonio Vivaldi, Karikatur von Pier Leone Ghezzi / wikimedia commons

Vivaldis Sonaten op. 2 – das seit Corelli übliche Einstandswerk eines jungen aufstrebenden Musikers – standen lange Zeit ganz im Schatten seiner Violinkonzerte, obschon sie aus den vergleichbaren Werken der Zeitgenossen herausragen. Diese sonate da camera mit deutlich dialogisch mitwirkendem Basso könnten sogar als Duette mit Cello verwendet werden. Es scheint, dass Vivaldi viele der darin vorkommenden, virtuos wirkenden, doch nicht zu schwierigen schnellen Sätze geschrieben hat, um sie im Unterricht mit seinen Schülerinnen im Pio Ospedale della Pietà zu verwenden. Er hat den 1709 bei Bortoli in Venedig erschienenen Erstdruck dem damals in dieser Stadt weilenden König von Dänemark und Schweden gewidmet, so europaweite Verbreitung anstrengend. Auch die Bestellung des Nachdrucks bei Rogers in Amsterdam entsprach diesem Bestreben: Er ist in Kupferstichtechnik hergestellt – leserlicher als der venezianische Typendruck (von Letzterem ein Faksimile in der Partitur Seite 47) – und enthielt neu eine Bezifferung des Basses, was der Verwendung durch adelige Amateure im Norden entgegenkam. In Italien, wo nur ausgebildete Musiker spielten, war das nicht nötig.

Bereits Adolf Buschs bei Breitkopf & Härtel Leipzig erschienene gute Bearbeitung der Sonata II mit schön verziertem Adagio und der «Urtext op. 5» bei Nagels (Walter Upmeier) – von Vivaldi im Titel als zweiter Teil aus op. 2 bezeichnet – beweisen die Wertschätzung im letzten Jahrhundert. Im vorliegenden, ausgezeichneten Urtext mit leicht auszuführender Generalbassaussetzung von Joachim Reutter bestechen das ausführliche und hilfreiche Vorwort und die Kritischen Anmerkungen. Sie geben viele wertvolle Hinweise zu einer stilvollen Interpretation.

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Antonio Vivaldi: Sonaten für Violine und B.c. op. 2, herausgegeben von Bernhard Moosbauer, Partitur mit Generalbassaussetzung von Jochen Reutter, Violin- und Bassstimme UT 50176, € 29.95, Wiener Urtext Edition (Schott/Universal Edition), Wien 2012

Sunao Goko gewinnt Tibor-Varga-Wettbewerb

Der 20-jährige japanische Geiger Sunao Goko hat in Sion im Wallis bei der Tibor Varga International Violin Competition den mit 15’000 Franken dotierten ersten Preis gewonnen.

Die Erstplatzierten Sunao Goko, Liya Petrova und Eimi Wakui, Foto: zvg

Sunao Goko ist Student von Pavel Vernikov am Konservatorium Wien. Vernikov ist auch Mitglied der Jury des Wettbewerbs. Neben dem ersten Preis des Wettbewerbs hat Sunao Goko auch den Publikumspreis und einen Preis für die beste Interpretation eines zeitgenössischen Werks – «Shèxi» des chinesischen Komponisten Guo Wenjing – entgegenehmen können.

Den zweiten Preis hat die 23-jährige Bulgarin Liya Petrova zugesprochen erhalten, den dritten die 21-jährige Japanerin Eimi Wakui. Insgesamt angetreten sind 24 Teilnehmer aus 13 Ländern.

Die Tibor Varga Violin Competition ist erstmals gemeinsam mit der International Violin Competition Sion Valais durchgeführt worden. Die beiden Anlässe sind zuvor getrennt veranstaltet worden.

Mehr Infos: www.varga-sion-concours.ch

Generationenwechsel in der Musikstudio Frey GmbH

Peter Frey hat sein Musikstudio 1973 als erste und einzige professionelle Akkordeonlehrer-Ausbildungsstätte in der Schweiz gegründet. Die Leitung liegt seit Ende August bei Sabine Bachmann.

Peter Frey und Sabine Bachmann-Frey. Foto: zVg

Heute präsentiert sich die Musikstudio Frey GmbH als Kompetenzzentrum, das sich an Vorgaben internationaler Hochschulen orientiert.

Mit der Eröffnung der «Akkordeon-Jugend-Akademie Reinach» wird ein neues Unterrichtsmodul angeboten, das den veränderten schulischen Bedingungen Rechnung trägt und die gezielte Förderung ambitionierter Akkordeonschüler zum Ziel hat. Rektorin dieser neuartigen Einrichtung ist Lina Frey. Die Musikstudio Frey GmbH bietet regelmässig Weiterbildungskurse an, die Berufsmusiker wie interessierten Amateuren zugänglich sind. Ausserdem stehen der Instrumentenhandel sowie ein umfassendes Notensortiment inklusive Eigenverlag im Zentrum.

Neue Führung

Peter Frey hat nun die Institutsleitung an der 40-Jahre-Jubiläumsfeier am 25. August an seine Tochter Sabine Bachmann-Frey übergeben. Er wird künftig noch als Musiklehrer und interner Berater tätig sein.

Als erste Berufsausbildung hat Sabine Bachmann-Frey das Akkordeonlehrer-Diplom im elterlichen Musikstudio erworben und verfügt als ständige Mitarbeiterin während mehr als 20 Jahren über profunde Kenntnisse des Betriebs. Nach der Erstausbildung folgten Studien im Hauptfach Klavier bei Patrizio Mazzola in Luzern und Bern, die sie mit dem Lehr- und Konzertdiplom abschloss. Meisterklassen im Ausland und eine mehrjährige Weiterbildung im Bereich des Jazz und der Improvisation komplettieren ihr Portfolio. Sabine Bachmann-Frey hat sich als Korrepetitorin einen Namen gemacht (u.a. am Stadttheater Sursee) und tritt mit verschiedenen professionellen Ensembles auf, z.B. mit dem von ihr und ihrem Ehemann Sven Bachmann (Klarinette und Saxofon) gegründeten Salontrio La Jalousie. Sabine Bachmann-Frey leitet das Aargauer Operettenensembles Die Fledermäuse. Neben ihrer Tätigkeit im Musikstudio Frey unterrichtet sie eine Klavierklasse in Seengen AG, ist Mitglied im Regionalen Akkordeonorchester Peter Frey und leitet dessen Juniorenformation.

Heikle Konstellationen

Propagandamittel, Instrument der Besatzung oder des Widerstands? Ein Buch beleuchtet die Rollen und Wirkungen der Musik zur Zeit der beiden Weltkriege.

Ausschnitt aus dem Buchcover

Die traditionelle Musikwissenschaft könnte es schon beängstigen, dass immer mehr Publikationen aus dem Umfeld der Cultural Studies den Markt verdichten. Besatzungsmacht Musik. Zur Musik- und Emotionsgeschichte im Zeitalter der Weltkriege widmet sich nicht Werkstrukturen und auch nicht in bewährter biografischer Manier einzelnen Komponisten. Dafür vereint das Buch Aufsätze über Musik in Konzentrationslagern, über französische Entnazifizierungsbestrebungen nach 1945 oder auch über die schlimmen Aktivitäten der Berliner Philharmoniker in der Zeit davor. Solch heterogene Themenfelder machen die Lektüre gewiss nicht zu einer leichten. Verschärft wird die Gefahr der Ausfransung dann noch durch die im Untertitel schon angedeutete «emotionale» Wirkung von Klängen, an der die Cultural Studies offenbar besonderes Interesse haben. Unbestritten ist es, laut der Philosophin Martha Nussbaum, dass «Musik eine tiefe Verbindung zu unserem emotionalen Leben hat». Doch zugleich räumt sie ein: «Aber die Natur dieser Beziehung ist schwer zu beschreiben.»

Wohl kalkulierbar sind die musikalisch-emotionalen Folgen weder für Philosophinnen, noch für Machthaber oder Besatzer. Eine bestimmte musikästhetische oder musikpolitische Strategie gab es weder bei den Nationalsozialisten noch bei den Franzosen, die Deutschland auch schon nach 1918 mithilfe der Musik zu stabilisieren versuchten. Stephanie Kleiner betrachtet die französische Rheinlandbesetzung im Anschluss an den ersten Weltkrieg. Zum einen wurde hier mit Aufführungen von Richard Wagners Rheingold eine offensive Vereinahmung des Rheins als französische Grenze artikuliert. Zum anderen war den französischen Besatzern klar, dass eine längerfristige Stabilisierung des Gebiets nur durch eine kulturelle Annäherung zwischen Besetzern und Besetzten gelingen könne, will sagen: nur durch ein Gespürs für die Befindlichkeiten der Einheimischen. Eine zu offensive Vereinnahmung (oder auch Eliminierung) deutscher Kultur hätte schliesslich zu einem Partisanenkampf führen können.

Alle Aufsätze, unterteilt in die drei Kapitel «Musik als Besetzungsinstrument», «Bedrohte Musik – Bedrohung Musik» und «Musikalische Antworten auf Krieg und Besetzung», werfen Schlaglichter auf ein wichtiges mentalitätsgeschichtliches Thema. Gewiss wäre im ein und anderen Fall eine stärkere Fokussierung der Fragestellungen sinnvoll gewesen. Weitestgehend unbeachtet blieb zum Beispiel die Trennung von «populärer» und «elitärer» Sphäre. Eine löbliche Ausnahme ist Michael Walters Text Lili Marleen. Germanische Hegemonie oder Kriegsbeute? Über diverse deutsche Soldatensender wurde das Lied Lili Marleen in Kriegszeiten wirkungsmächtig ausgestrahlt in Belgrad und vor allem auch in Nordafrika. Es stiess auf breite Resonanz, indem es auch die «erotische Leerstelle» deutscher Soldaten an der Front füllte. Da das Lied auch bei Amerikanern und Engländern auf grosse Resonanz stiess, folgert Walter, dass das Soldatentum offenbar wichtiger sein könne als die national-politische Einstellung. Auf jeden Fall zeigt Lili Marleen eine musikalische Mehrfachcodierung, die für Machthaber und Besetzer ähnlich heikel ist wie für Vertreter der Cultural Studies.

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Besatzungsmacht Musik. Zur Musik- und Emotionsgeschichte im Zeitalter der Weltkriege, hg. von Sarah Zalfen und Sven Oliver Müller, 336 S., Euro 32.80, transcript Verlag, Bielefeld 2012

Kontemplative Stücke

Eine Sammlung für Cello und Orgel bringt viele Raritäten und bereichert die Programme von kirchlichen Anlässen oder Konzerten.

Ausschnitt aus dem Cover von Heft 1

In der Serie Orgel plus des Dr. J. Butz Musikverlags sind zwei von Kurt Lueders redigierte Bände mit romantischer Musik für Violoncello und Orgel erschienen, die beide eine sehr willkommene Bereicherung dieses Genres darstellen.

Ausser der bekannten Prière op. 158 von Camille Saint-Saëns enthalten beide Bände überwiegend Raritäten von Komponisten des 19. Jahrhunderts wie Waldemar von Bausznern, Friedrich Lux, Gustav Adolf Merkel, Ernst Toller u. a. Drei Erstveröffentlichungen stammen von Alexandre Guilmant, Otto Dienel und Emile Bourdon. Erstere ist eine interessante Eigenbearbeitung des Mittelsatzes aus der 6. Orgelsonate op. 86.Image

Es handelt sich ausschliesslich um langsame, kontemplative Einzelkompositionen, welche sich zur musikalischen Gestaltung von kirchlichen Anlässen eignen, aber durchaus auch als Ergänzung von Konzertprogrammen Verwendung finden können.Image

Romantische Musik für Violoncello und Orgel, hg. von Kurt Lueders; Band 1: Leichte Werke, BU 2302 (2010); Band 2: BU 2602 (2013); je € 20.00; Dr. J. Butz Musikverlag, Bonn

Rückblickende und vorausschauende Empfindungsträger

Wagners leitmotivisches Vorgehen ist vielschichtig und ermöglicht eine komplexe Aufladung der Handlung.

Ausschnitt aus dem Buchcover

Der Ausdruck «Leitmotiv» ist bei den Musikinteressierten so sehr mit Wagners Musikdramen verknüpft, dazu in einer wohl allzu vereinfachten Form, dass es immer wieder notwendig wird, die angehäuften Missverständnisse auszuräumen. Es sind nicht einfache Zeichen für Dinge wie Schwert oder Burg, für Personen wie Tristan oder Sieglinde oder für abstrakte Begriffe wie Liebe oder Betrug. Der Titel des Buches von Melanie Wald und Wolfgang Fuhrmann Ahnung und Erinnerung deutet es unmissverständlich an: Leitmotive verweisen auf etwas Kommendes (Ahnung) oder auf etwas Zurückliegendes (Erinnerung), sie verknüpfen den Ablauf vor- und rückwärts und sind viel mehr als nur Wegmarken der Handlung – Wagner selber spricht von «Gefühlswegweisern». Er ist auch nicht der Erfinder des Begriffs; Meyerbeer, Marschner und Berlioz sind ihm da vorangegangen, und erst die wagnersche Nachwelt hat den Begriff «Leitmotiv» für ihn reserviert.

Unermüdlich wird in dieser Darstellung darauf hingewiesen, wie vielschichtig Wagner Motive eingsetzt und dass er durch vielfaches Variieren einer einmal gesetzten Tonfolge – sei es durch Instrumentierung, Modulation oder durch rhythmische Veränderung – die feinsten Nuancen zum Klingen bringt, wobei vieles erst durch genauestes und mehrfaches Hinhören erschlossen werden kann. Beinah auf jeder Seite sind Entdeckungen zu machen, die durch zahlreiche, am Buchschluss zusammengefasste Notenbeispiele unterlegt werden. Faszinierend etwa der Nachweis, wie Wagner in der Götterdämmerung durch extreme Verdichtung der Harmonik, mit einer «verfilzten Leitmotivik» und dem «massiven Einsatz von Instrumentengruppen, um den typischen Mischklang zu erzeugen» einen «Mechanismus von erdrückender Gewalt» hervorruft.

Der Text ist sehr gut lesbar, der Aufbau in den Kapiteln didaktisch vorbildlich. Die Erläuterungen können aber nicht soweit vereinfacht werden, dass «dieses Buch auch musikalisch nicht oder nur wenig vorgebildeten Lesern verständlich und zugänglich sein wird, auch wenn sie gelegentlich musiktheoretische Fachsprache tolerieren müssen». Das ist ein ehrbarer, aber letztlich frommer Wunsch, weil nur schon die Beispiele mit harmonischen Bezügen ohne Vorbildung keinen Erkenntnis-Zuwachs ermöglichen. Es wäre aber, auch aus politischer Sicht, wünschenswert, dass solche Kreise mehr Einblick gewännen, weil die Phalanx der intoleranten Wagner-Gemeinde aus Unwissenden oder Halbgebildeten noch heute den grössten Zulauf erhält.

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Melanie Wald und Wolfgang Fuhrmann, Ahnung und Erinnerung – Die Dramaturgie der Leitmotive bei Richard Wagner, 269 S., € 24.95, Bärenreiter/Henschel, Kassel 2013, ISBN 978-3-7618-2260-9 

Weltbühne vor der Haustür

Opern- und Ballettfans in Zürich, Bern und Basel können in der Saison 2013/24 Aufführungen aus dem Royal Opera House in London live mitverfolgen.

The Royal Opera House, Foto: Russ London, en.wikipedia,SMPV

Die beliebtesten Opern- und Ballettaufführungen auf der Bühne am Covent Garden sind via Satellit in HD Bild- und Tonqualität mit Untertiteln zeitgleich in folgenden Schweizer Kinos zu sehen: Corso 1 in Zürich; Gotthard in Bern; Rex 1 in Basel.

Das Programm sieht insgesamt fünf Ballett- und fünf Opernaufführungen vor. Die Reihe beginnt mit Giacomo Puccinis Turandot.

DI, 17.09 2013 20.00 Uhr Turandot (Oper)
MI, 16.10.2013 20.00 Uhr Don Quixote (Ballett)
MO, 04.11.2013 18.30 Uhr Les vêpres siciliennes (Oper)
DO, 12.12.2013 20.00 Uhr Der Nussknacker (Ballett)
MI, 18.12.2013 17.30 Uhr Parsifal (Oper)
MO, 27.01.2014 20.00 Uhr Giselle (Ballett)
MI, 12.02.2014 19.30 Uhr Don Giovanni (Oper)
MI, 19.03.2014 20.00 Uhr Dornröschen (Ballett)
MO, 28.04.2014 20.00 Uhr A Winter’s Tale (Ballett)
DI, 24.06.2014 19.30 Uhr Manon Lescaut (Oper)

Der Vorverkauf hat begonnen. Tickets sind unter www.kitag.com, an allen kitag-Kinokassen sowie via Carte Bleue App erhältlich.

Preise: Regulärer Preis CHF 38.–; mit Carte Bleue/Ciné-Card CHF 30.–; Gruppenpreis ab 10 Personen, je CHF 30.–; AHV/Legi/Kinder/Jugend CHF 35.—
 

Der St. Galler Verein Megliodia zur Förderung ambitionierter Kinder- und Jugendmusikprojekte erhält von der Stadt St. Gallen einen mit 10‘000 Franken dotierten Förderungspreis.

Megliodia ist durch die Blockflötistin Annina Stahlberger und den Cellisten Gerhard Oetiker gegründet worden. Sein Anliegen ist es, «mit aussergewöhnlichen und qualitativ hochstehenden Musikprojekten für Kinder und Jugendliche das gemeinsame Musizieren zu fördern».

Das Ensemblespiel und das Erarbeiten von speziellen thematischen Konzertprogrammen solle für die Mitwirkenden ein Gesamterlebnis über den musikalischen Alltag hinaus vermitteln sowie deren kreatives Mittun fördern, schreibt die Stadt St. Gallen in ihrer Würdigung.

Megliodia hat bereits zum zwölften Mal Tage für tiefe Streicher  durchgeführt. Im Rahmen des Events Musik in Schaufenstern traten Kinder und Jugendliche in unterschiedlicher Formation in der Stadt auf. In der diesjährigen Konzertreihe Maschinen und Musik werden verschiedene Konzerte an speziellen Orten durchgeführt.

Einen ebenfalls mit 10’000 Franken dotierten Förderungspreis erhält die Bildende Künstlerin Katalin Deér, die in ihren Werken die Schnittstelle zwischen dem dreidimensionalen Raum und der Fotografie untersucht. Einen mit 20’000 Franken dotierten Anerkennungspreis erhalten der Verleger Josef Felix Müller und der Vexer Verlag.

 

Was Menschen von den Fledermäusen lernen können

Neurobiologen der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben nachgewiesen, dass auch durchschnittlich begabte sehende Menschen die Fähigkeit erlernen können, Räume mit Hilfe akustischer Signale zu «sehen».

Foto: Sabine Geissler / pixelio.de,SMPV

Die Forscher rund um Professor Lutz Wiegrebe vom Department Neurobiology der LMU-Fakultät für Biologie haben eine neue Technik entwickelt, um mit Versuchsteilnehmern Echoortung zu trainieren.

Mithilfe eines Headsets, das aus einem Mikrofon und einem Kopfhörer besteht, schaffen sie einen virtuellen Raum: Das Mikrofon fängt Klickgeräusche auf, die die Teilnehmer mit der Zunge machen. Je nachdem, wo sie sich im virtuellen Raum befinden, verändert sich das Echo der Geräusche. So wird ihnen eine bestimme Position im Raum suggeriert.

Das auditorische System sehender Menschen bemüht sich normalerweise, Echos auszublenden, und Geräusche unabhängig vom Raum wahrzunehmen. So können Schallquellen, etwa das Sprechen des Gegenübers, besser wahrgenommen werden.

Mit ihrer Arbeit konnten die Forscher zeigen, dass diese Echounterdrückung durch das Trainieren von Echoortung funktionell invertiert werden kann. Nach mehreren Wochen Training konnten die Teilnehmer Echos ziemlich gut orten.

Wie gut die Echoortung beim Menschen funktionieren kann, werden Lutz Wiegrebe und seine Kollegen in weiteren Experimenten erforschen. Zurzeit untersuchen sie, wie die Koordination von Eigenbewegung und Echoortung die echoakustische Orientierung und Navigation im Raum ermöglicht.

Originalartikel: Ludwig Wallmeier, Nikodemus Geßele, Lutz Wiegrebe:
Echolocation vs. Echo suppression in humans, Published 28 August 2013 doi: 10.1098/rspb.2013.1428 Proc. R. Soc. B 22 October 2013 vol. 280 no. 1769 20131428

 

Kompositionsaufträge für Moussa und Peszat

Pierre Boulez, der Künstlerische Leiter der Lucerne Festival Academy, hat den Kanadier Samy Moussa und den Polen Piotr Peszat als erste Empfänger der neu ins Leben gerufenen Roche Young Commissions bestimmt.

Pierre Boulez dirigiert die Lucerne Festival Academy Foto: Priska Ketterer/Lucerne Festival

Die beiden erhalten die Aufgabe, innerhalb von zwei Jahren je ein Orchesterwerk zu komponieren, das im Rahmen von Lucerne Festival im Sommer 2015 vom Lucerne Festival Acadaemy Orchestra unter der Leitung von zwei jungen Dirigenten zur Uraufführung gebracht wird. Im Sommer 2014 werden die beiden Komponisten in Luzern gemeinsam mit Pierre Boulez, jungen Dirigenten und dem Orchester an den Werken arbeiten.

Samy Moussa wurde 1984 in Kanada geboren und studierte bei Matthias Pintscher, Pascal Dusapin und José Evangelista. Er wurde in den letzten Jahren bereits von Veranstaltern wie der Münchner Biennale, der Alten Oper Frankfurt oder des Kissinger Sommer beauftragt.

Piotr Peszat, 1990 in Polen geboren, erhielt seine Ausbildung in Krakau bei Olga Lazarska und Krzysztof Meyer und studiert zur Zeit in Aarhus, Dänemark. Seine Werke wurden bereits 2012 beim Internationalen Neue Musik Festival und 2011 beim Festival Axes in Krakau uraufgeführt.

Die Roche Young Commissions ergänzt die bisherigen Roche Commissions, die seit 2003 im Rahmen von Lucerne Festival in Auftrag gegeben werden. Die Werke der Roche Commissions und der Roche Young Commissions werden künftig jeweils alternierend alle zwei Jahre zur Uraufführung gebracht.

Growing Up: Jazz in Europa 1960 – 1980

Hochschulen von Bern, Lausanne und Luzern laden vom 6. bis 8. November 2014 zu einer Tagung, Workshops und Konzerten nach Luzern ein. Vorschläge für Tagungsbeiträge können bis am 30. November 2013 eingereicht werden.

Tina Schlief Dülmen / pixelio.de

Die Tagung Growing Up: Jazz in Europa 1960 – 1980 wird von der Hochschule der Künste Bern, der Hochschule Luzern und der HEMU Lausanne organisiert. Sie beleuchtet die Entwicklungen im europäischen Jazz während zwei seiner ereignisreichsten Jahrzehnte.

Als Keynote speakers sind Ekkehard Jost, Alexandre Pierrepont und Bruno Spoerri eingeladen.

Tagungsbeiträge zu den folgenden Panels/Sektionen sind erwünscht:

– Jazzbühnen in Europa: Festivals und Clubs
– Parallelwelten: Der Pluralismus von Szenen und Stilen
– Jazzrezeption, Plattenfirmen und die Medien
– Aspekte von Gender und Ethnie im europäischen Jazz
– Jazz-Ausbildung, Professionalisierung und Organisation in Berufsverbänden
– Staatlich geförderter Jazz in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern
– Was ist «schweizerisch» am Schweizer Jazz?

Die Vorträge können auf Deutsch, Englisch oder Französisch gehalten werden. Ausgewählte Tagungsbeiträge werden in einer Ausgabe des European Journal of Musicology, die sich dem Tagungsthema widmet, publiziert.

Vorschläge für Tagungsbeiträge (Personalien, akademischer Grad, Abstract des vorgesehenen Beitrags von zirka 400 Wörtern) können spätestens bis zum 30. November 2013 beim Leiter des Programmkomitees Thomas Gartmann (thomas.gartmann@hkb.bfh.ch) eingegeben werden.
 

Schwierige Bedingungen für deutsche Orchester

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) weist aus Anlass des Saisonstarts auf zunehmende Sorgen und Probleme der deutschen Orchester bundesweit hin. Sorge bereite vor allem der Trend hin zu Haustarifverträgen mit Lohnverzichten.

Foto: Karl-Heinz Laube / pixelio.de

Laut DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens nimmt die Zahl der deutschen Orchester, denen es künstlerisch und wirtschaftlich noch relativ gut geht, ab. Sorge bereite die steigende Zahl von sogenannten Haustarifverträgen, in denen Orchestermitglieder befristet zum Erhalt ihres Arbeitsplatzes auf Lohn verzichten müssten.

Beunruhigend seien aber auch aktuelle Forderungen, Sinfonieorchester aus Einspargründen in Teilzeitorchester umzuwandeln, zum Beispiel die Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz, oder nach 25-prozentigen Gehaltskürzungen wie im Falle der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin.

Ende September erwartet wird überdies eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts zur Zukunft der seit Jahrzehnten geltenden Lohnankopplung der Orchestervergütungen an den öffentlichen Dienst. Rund 100 von 131 Kulturorchestern hätten seit 2010 keine reguläre Tarifanpassung mehr bekommen, schreibt die DOV.

Der Regierungsrat des Kantons Zürich ermächtigt die Bildungsdirektion, den Entwurf für ein Musikschulgesetz in die Vernehmlassung zu geben. Mit dem Gesetz soll «die lange und wertvolle Tradition der Musikausbildung im Kanton Zürich gesetzlich besser verankert und die Zusammenarbeit unter den Musikschulen weiter gefördert werden».

Mit der Schaffung eines Musikschulgesetzes will der Regierungsrat die musikalische Bildung zum festen Bestandteil der öffentlichen Bildung im Kanton Zürich machen. Insbesondere sollen die Konservatorien in der Bildungslandschaft klarer verankert werden. Der Entwurf zum neuen Gesetz regelt die Organisation, die Führung und die Finanzierung der Musikschulen.

Die Musikschulen sollen in Ergänzung zur Volksschule sowie zu den Mittel- und Berufsfachschulen ein Angebot führen, das für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Wohnsitz im Kanton Zürich bis zum vollendeten 20. Altersjahr oder bis zum Abschluss ihrer Erstausbildung, längstens jedoch bis zum vollendeten 25. Altersjahr, zugänglich ist. Der Musikunterricht gemäss Lehrplan an der Volksschule sowie an den Gymnasien wird durch das Musikschulgesetz nicht tangiert.

Unverändert bleibt nach dem Gesetzesentwurf die Zuständigkeit der Gemeinden für die Musikschulen. Diese haben wie bis anhin die Aufgabe, den Zugang sicherzustellen. Neu sollen Mindestvorgaben für die Angebotsstruktur festgelegt und die Zusammenarbeit der Musikschulen im Verband Zürcher Musikschulen gefördert werden. Dadurch sollen die Qualität gesteigert und das Angebot optimiert werden.

Grundsätzlich unverändert bleibt gemäss Gesetzesentwurf auch die Finanzierung der Musikschulen: Diese wird weiterhin auf den drei Pfeilern Eltern, Gemeinden und Kanton erfolgen, wobei vorgesehen ist, dass sich der Kanton künftig mittels Staatsbeiträgen mit einem Anteil von 10 Prozent an den anrechenbaren Betriebskosten beteiligen wird.

Die Vernehmlassung dauert bis zum 29. November 2013. Die Vernehmlassungsunterlagen können unter www.zh.ch/internet/de/aktuell/vernehmlassungen/info.html (Stichwort «Musikschulgesetz») eingesehen werden.
 

Kontroverse um Konzerte in Kirchenräumen

Ein Konzert des Fricktaler Kammerchores in einer lokalen katholischen Kirche findet nicht statt, weil der Pfarrer um den Nachweis einer Kirchenzugehörigkeit des Chordirigenten gebeten hat. Das Vorgehen hat eine Diskussion um die Bedingungen für Konzerte in Kirchenräumen provoziert.

Foto: Modella – Fotolia.com

Laut einem Bericht der «Aargauer Zeitung» hat der katholische Pfarrer Thomas Sidler den Dirigenten Urs Stäuble gebeten, ihm eine Bestätigung einer Kirchenzugehörigkeit zukommen zu lassen, damit die Reservierung fürs Konzert ordnungsgemäss vorgenommen werden könne. Der aus der Kirche bereits früher ausgetretene Stäuble hat die Reservation der Kirche deshalb zurückgezogen und erklärt, er wolle nicht mit einem «Feind des freien Geistes» diskutieren.

Markus Schmid, der Präsident der römisch-katholischen Kirchenpflege Frick, signalisiert in dem Artikel Verständnis für die Bitte des Pfarrers. Er erachtet es zumindest als problematisch, wenn Personen aus der Kirche austreten würden, dann aber von ihrer Infrastruktur trotzdem profitieren möchten.

In einem Onlinekommentar fragt Sidler, ob es stimmig sei, in der Kirche aufzutreten, nachdem man sich per Austritt klar davon distanziert hat, Infrastrukturen der Kirche zu benützen und diese finanziell selber nicht mitzutragen sowie «musikalische Meisterwerke, die dank der Kirche überhaupt erst möglich wurden, als Dirigent zu dirigieren, und sich gleichzeitig von derselben Kirche loszusagen».

Originalartikel:
www.aargauerzeitung.ch/aargau/fricktal/der-kammerchor-fuehlt-sich-in-der-katholischen-kirche-frick-unerwuenscht-127083962
 

 

Leichte Muse, Swing und Ländler

Vom 16. bis 20. Oktober werden 40 Jahre Orchester Reto Parolari und 20 Jahre ZS-Big-Band mit Konzerten in Winterthur gefeiert.

Foto: Orchester Reto Parolari,Foto: ORP

Im Jahre 1973 gründete Reto Parolari während seiner Studienzeit am Konservatorium Winterthur das Orchester Reto Parolari. Das erste öffentliche Konzert des neu gegründeten Ensembles fand am 1. Juli 1973 auf dem Serenaden-Platz des Konservatoriums Winterthur statt. Auf dem Programm standen Werke von Josef Rixner, Fritz Kreisler, Franz Lehár, Ernst Fischer und Vittorio Monti.

Originale Besetzung
Alle grossen Komponisten haben auch Musik geschrieben, die der gehobenen Unterhaltungsmusik zuzuordnen sind. Für Reto Parolari ist es deshalb wichtig, dass diese Werke in der originalen Besetzung aufgeführt werden: «Authentizität und Ehrlichkeit sind unabdingbar für den Interpreten. Da haben klangoptimierende Synthesizer und Sequenzer nichts zu suchen. Sie ruinieren nur die ursprüngliche, sehr differenzierte Textur eines Stückes und insbesondere deren Transparenz und Klangtiefe. Denn häufig wechselt das melodische Geschehen über die verschiedenen Register hinweg.» (SMZ 10/2008 S. 19/20).

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Die ZS-Big-Band
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