Schweizer Filmmusikpreis neu ausgeschrieben

Ab sofort nimmt die Fondation Suisa Bewerbungen für den diesjährigen Filmmusikpreis entgegen. Der Preis ist mit 15’000 Franken dotiert und honoriert ausserordentliche Leistungen im Bereich der Filmmusikkomposition.

Bild aus dem letztjährigen Preisträgerfilm «Trapped».

Zur Kandidatur zugelassen sind Originalkompositionen zu Spielfilmen ab einer Dauer von mindestens 60 Minuten, die 2013 oder 2014 veröffentlicht worden sind oder veröffentlicht werden. Die Anmeldeformulare und das Reglement zum Filmmusikpreis sowie alle weiteren Informationen finden Sie unter www.fondation-suisa.ch/filmmusikpreis. Die eingereichten Kandidaturen werden von einer Fachjury bewertet. Anmeldeschluss ist der 31. Mai 2014.

Der Preis wird seit dem Jahr 2000 vergeben, die letzten Preisträger waren Thomas Fischer (2013) für Trapped, Michael Sauter (2012) für Mary & Johnny, Nicki Reiser (2011) für Das Blaue vom Himmel, Diego, Nora & Lionel Vincent Baldenweg (2010) für 180°, Marcel Vaid (2009) für Tandoori Love und Jérôme Baur (2008) für Les petites vacances.

 

Editions Leduc in britischen Händen

Das traditionsreiche französische Verlagshaus Alphonse Leduc ist an die britische Music Sales Group verkauft worden. – Ein Blick auf die Verlagslandschaft in Frankreich und ihre Veränderungen.

Rue Saint-Honoré. Foto: Daniel Stockman, wikimedia commons,SMPV

Der älteste aktive Musikverlag Frankreichs, der 1841 von Alphonse Leduc gegründet wurde, hat einen beeindruckenden Katalog, Durch zwei Geschäftsübernahmen konnte er noch vergrössert werden: 1980 kamen die Editions Heugel (gegründet 1839) dazu, 1990 Hamelle (1877). So zählten die folgenden Komponisten zum verlegerischen Grundstock: Gounod, Fauré, Delibes, Widor, Massenet, Offenbach, Gustave Charpentier, Poulenc, Milhaud, Jolivet, Tournemire, Franck, Messiaen, Honegger, Tomasi. Dazu kamen die Zeitgenossen Henry Dutilleux, Pierre Boulez, Charles Chaynes, Betsy Jolas, Thierry Escaich, um nur wenige zu nennen.

Nun ist Leduc vom grössten Musikverlag Europas, die britische Music Sales Group, übernommen worden. Der traditionsreiche Verlagssitz an der Rue Saint-Honoré in Paris wurde schon vor einigen Monaten verkauft.

 

Aus Anlass dieser Übernahme bietet Michèle Worms im Editorial der Zeitschrift La Lettre du Musicien einen kleinen Überblick über die französische Verlagslandschaft und ihre Veränderungen (Übersetzung Pia Schwab):


Vor dreissig Jahren gab es in Frankreich Verlagshäuser von ganz klein bis ganz gross mit unterschiedlichster Ausrichtung. Von den grossen, den Flagschiffen des französischen Kulturerbes, war Heugel, der Verlag Jacques Offenbachs und Reynaldo Hahns, bereits an die Editions Alphonse Leduc übergegangen. Leduc, mit Sitz an der Rue Saint-Honoré, hielt lange die Rechte an den Werken Faurés und war für Orchester und Opernhäuser als Anlaufstelle für wertvolles Aufführungsmaterial unumgänglich. Die schönste Aufgabe des Verlags war zweifellos die Drucklegung von Messiaens Saint François d’Assise im Jahr 1983, dessen Partitur 2400 Seiten umfasste!

Der Verlag Durand (1869) thronte an der Place de la Madeleine, im Salon der Flügel, auf dem Debussy und andere gespielt hatten, während sie auf ihren Verleger warteten. Er hatte vor allem die grossen Namen des «Moment 1900» im Programm und wurde sehr beneidet um die Rechte von Ravels Boléro. 1986 kaufte Durand den Verlag Max Eschig (1907), der ein internationaleres Sortiment mitbrachte. Der böhmischstämmige Gründer war der König der Wiener Operette, publizierte grosse spanische und südamerikanische Komponisten und ebenso Martinů und Szymanowski.

Für den Geschäftserfolg der Editions Choudens sorgten Bizets Carmen und Gounods Faust. Salabert dagegen setzte auf Operetten, Chansons, aber auch die Werke der Groupe des Six und heute auf eine reiche Auswahl an zeitgenössischen Werken; Henry Lemoine auf Klassiker der Klavierliteratur bis Bruno Mantovani. Sie alle konnten mit den grossen mithalten. Weitere Verlage wie etwa Jobert, der 2007 von Lemoine übernommen wurde, widmeten sich dem zeitgenössischen Repertoire.

Während nun Durand-Salabert-Eschig schon seit einiger Zeit zu Universal Music gehören (wie übrigens auch Ricordi, Anm. der Red.), betrifft die jüngste Übernahme Alphonse Leduc, der unter das Dach der Music Sales Group kommt.

Die Editionslandschaft hat sich also stark verändert: Von den historischen Häusern in Frankreich bleiben Henry-Lemoine (1772) und die Editions Gérard Billaudot (1896), die moderne Komponisten verlegen oder hochstehende pädagogische Literatur. Dank einer Unzahl von kreativen Kleinverlagen scheinen die Wegweiser auf Spezialisierung zu stehen.

In Deutschland und Österreich halten sich die grossen Häuser Schott, Peters, Breitkopf, Bärenreiter, Henle und Universal. Die vier letzten leisten beachtliche Forschungs- und Urtexteditonsarbeit, die sie unentbehrlich macht. Die Britischen Häuser dagegen halten das Zepter der Unterhaltungsmusik in Händen. Und sie führen in ihren Katalogen künftig nun auch Massenet, Franck, Poulenc, Milhaud, Dutilleux … ohne dass ihre Herzen besonders dafür schlagen. Schade!

Französischer Text

Leiterin der Zürcher Kulturförderung tritt zurück

Nach 17 Jahren als Leiterin der kantonalzürcherischen Kulturförderung tritt Susanna Tanner auf Ende August 2014 von ihrem Amt zurück. Tanner, die in diesem Jahr 60 Jahre alt wird, verlässt die Stelle auf eigenen Wunsch.

Viel Zürcher Kultur ins Rollen gebracht. Foto: Tram auf der Quaibrücke, picswiss

In die Zeit von Susanna Tanners Wirken fallen zahlreiche Weichenstellungen in der kantonalen Kulturförderung. So fliessen heute kleinen und mittelgrossen Kulturzentren deutlich mehr Betriebsbeiträge zu als früher, schreibt der Zürcher Regierungsrat in seiner offiziellen Mitteilung.

Der Intendantenwechsel am Opernhaus Zürich sei geglückt, das Theater Kanton Zürich künstlerisch erfolgreich tätig. Unter Tanners Mitwirkung sei es auch gelungen, die Zürcher Filmstiftung zu gründen und zu etablieren und eine interkantonale Kulturlastenvereinbarung mit Einnahmen von acht Millionen Franken für den Kanton Zürich zu sichern.

Die Fachstelle selber hat Tanner innerhalb der 17 Jahre mehrfach umstrukturiert, da Budget und Personalbestand gewachsen sind.

Geigerische Mengenlehre

Eine systematische Darstellung aller Violinbewegungen in sechs Bänden, die zu neuartigem Üben anregt.

Foto: style-photography.de / fotolia.com

Eine vierteilige Blüte veranschaulicht, wie die vier Elemente Bogen-, Saiten-, Finger- und Lagenwechsel allein zwei-, drei und vierfach kombiniert werden können. Dies ergibt die 15 Teile des systematischen Überblicks über die Violintechnik, verteilt auf sechs Bände (ED 21161 bis 21166, auch als Paket 21161-1 erhältlich). Gedacht haben sie Helmut Zehetmair, emeritierter Violinprofessor in Salzburg, und sein ehemaliger Assistent Benjamin Bergmann, jetzt Violinprofessor in Mainz, als «Hausapotheke für Geiger» zur Übung aller Bestandteile der Technik – quasi ein moderner Ševčík.

Die hier besprochenen zwei ersten Bände behandeln die grossen «Blütenblätter», noch ohne die Kombinationen. Die Anleitungen in der Einführung deklarieren das Üben von Technik als künstlerische Tätigkeit, indem es mit Rhythmus, Artikulation, Dynamik, Phrasierung, Agogik, Klang und Vibrato schöpferisch verbunden werden soll: «Echte Virtuosität macht technische Not zur musikalischen Tugend (lvirtus).»

Die vielfältigen Stricharten- und -artikulationen sind vollständig beschrieben. Bogenstrich hat aber auch mit Physik zu tun: Es ist nicht dargestellt, dass der Bogen beim nicht rechtwinkligen «X-Strich» eigentlich wie eine Fähre von den Saitenschwingungen in Richtung des stumpfen Winkels abgetrieben wird, was sehr nützlich ist für Kontaktstellenwechsel. Wenn der Bogen dabei auf die Strichstelle gezwungen wird, entsteht eine Beimischung hochfrequenter Longitudinalschwingungen. Das Sautillé entsteht nicht durch besondere Stellung der Finger, sondern dadurch, dass die Streichrichtung dank Oberarmrollung oder Handgelenkschwingen steiler als die Bogenrichtung ist, so entsteht bei jedem Abstrich ein Schleuderbrett-Effekt. Die klar beschreibbaren Relationen zwischen Lautstärke, Frequenz und Bogenstelle, die Voraussetzung zur bewussten Beherrschung des Sautillé sind, fehlen auch.

Das Bewusstsein für die sieben Saitenebenen und demzufolge halben und ganzen Saitenwechseln ist wertvoll. Sehr verdienstvoll ist die Ermutigung zu Legato-Saitenwechseln mit Saitenüberspringen.

Beim Kapitel Fingerwechsel werden viele liegende Stützfinger empfohlen zur Stabilisierung des Quartraumes, leider nicht die effizientere Art, die Fingerabstände voraus in der Luft einzustellen. Warum fehlt bei der Aufzählung der Griffarten diejenige innerhalb der verminderten Quart? Beim Flageolett sollte darauf hingewiesen werden, dass dabei ganz wenig höher gegriffen werden muss, weil die Saite lockerer ist, also tiefer tönt, als beim festen Griff am selben Platz. Wertvoll sind die vielfältigen Übungen zu Fingersaitenwechsel und gedehnten Quint- und Sextgriffarten.

Das Kapitel über Intonation ist sowohl informativ als auch philosophisch. Zur Intonationskontrolle ist der Kombinationston empfohlen, warum aber mit keinem Wort die Resonanz der leeren Saiten? Die verschiedenen Vibratoarten sind gut beschrieben aber die Oberarmrollung als Ursprung der Vibratoerzeugung wird nicht erwähnt.

Der zweite Band ist eine Schatzkiste von Übungen für direkte Lagenwechsel: ausschliesslich mit einem Finger oder bei Doppelgriffen mit denselben Fingern. Das gerne vergessene Pivoting, d. h. teilweise in andere Lagen langen dank Verankerung des Daumens, wie es Paganini offenbar getan hat, wird erklärt und empfohlen.

Wenn die Folgebände so anregend sind, wie die zwei ersten, können sie viele Geigerinnen und Geiger zum Nachdenken und zu neuartigem Üben anregen.

Image

Helmut Zehetmair und Benjamin Bergmann, Systematische Violintechnik. Die Bausteine des Violinspiels; Band 1, Bogen-, Saiten- und Fingerwechsel, ED 21161; Band 2, Direkte Lagenwechsel, ED 21162; je € 18.99, Schott, Mainz 2013

Liederbuch für künftige Fussballstars …

… kluge Hexen und alle anderen ganz normalen Kinder von heute. Mit Texten und Melodien, die Lust aufs Singen machen.

Ausschnitt aus dem Titelblatt von Chasper Würmli

Der Titel hält, was er verspricht: Abrakadabra birgt unerwartete musikalische Wendungen, verblüfft mit wechselnden Rhythmen und zaubert mit Gespenstern, Tieren und Seeräubern. Die Lieder richten sich an 5- bis 10-Jährige und nehmen Bezug auf deren fantastische Vorstellungswelten. Der Ritt auf dem musikalischen Hexenbesen führt von Ich ha-n Angscht über ’S isch heiss bis zu I wett , i wär e Fuessballstar, e wohrs Geni am Ball!

Alle dreissig Kompositionen hat Susanne Würmli-Kollhopp selber geschrieben, die meisten in Mundart. Es handelt sich hier um Gebrauchsmusik, geschrieben für die Kinderchöre, die Würmli-Kollhopp leitet. Während viele herkömmliche Kinderlieder ein veraltetes Weltbild transportieren oder moralisieren, sind die vorliegenden wohltuend einfach. Dafür umso eingängiger. Aber nicht immer ganz einfach zu singen: Tonartenwechsel und Taktwechsel überraschen da und dort und geben so den Liedern eine neue Farbe.

A propos Farbe: Chasper Würmli, der Sohn der Komponistin und Texterin, hat das Liederbuch illustriert, mit wunderschönen Collagen von tierischen Fabelgestalten. So ist ein sorgfältig und liebevoll gestaltetes Buch entstanden, das man gerne in den Händen hält.

Auf der Webseite der Autorin sind alle Lieder mit einfachen Klavierbegleitungen als Einstudierhilfe zu hören. Und dabei bekommt man auch gleich erste Ideen für die Umsetzung in der Schulklasse oder im Kinderchor, die über das «absingen» hinausgehen.

Susanne Würmli-Kollopp: Abrakadabra, 30 Kinderlieder mit Illustrationen von Chasper Würmli, Fr. 37.00 (+ Verpackung/Porto), Fr. 39.90 im Handel, Verlag Singlust (Eigenverlag); Klavierbegleitungen separat erhältlich über: www.singlust.ch

Hexen, Nymphen und die ewige Loreley

Jungen Musikerinnen eine Auftrittsmöglichkeit zu geben ist verdienstvoll, dies mit einem geschickt zusammengestellten Programm zu tun, noch mehr. Ein «Hexen»-Konzert in Zürich, Schaffhausen und Wetzikon machte es vor.

Carl Joseph Begas, Lurelei, 1835. Foto: Wikimedia Commons
Hexen, Nymphen und die ewige Loreley

Jungen Musikerinnen eine Auftrittsmöglichkeit zu geben ist verdienstvoll, dies mit einem geschickt zusammengestellten Programm zu tun, noch mehr. Ein «Hexen»-Konzert in Zürich, Schaffhausen und Wetzikon machte es vor.

Seit Menschengedenken haben Frauen für die männliche Welt eine bedrohliche Seite: unheimlich, verführerisch, vergiftend und des Teufels. Hexen wurden in der Schweiz bis 1782 verbrannt. Die verführerisch-verhängnisvolle Frau, die Femme fatale, inspirierte zahllose Maler, Dichter oder Komponisten; Nixen und Nymphen waren besonders im Fin de Siècle der Renner in Literatur und Kunst. Tempi passati?

Nicht ganz, denn auch in jüngster Zeit gibt es in Afrika und Asien wieder Beispiele von Hexenverbrennungen: Die Komponistin Maria Porten hat dies zum Anlass genommen, das Konzert Hexen zu realisieren, in welchem sie nach eigenen Angaben «verschiedene Aspekte der Zauberei und des Verzaubertseins» darstellen wollte. Der Abend reichte vom romantischen Strophenlied bis zur Uraufführung des Hexenprozesses von Porten, die alle von den jungen Musikerinnen hervorragend interpretiert wurden.

Der Loreley, die mit ihrem Gesang die Männer anzieht und ins Unglück stürzt, waren die ersten Lieder gewidmet. Es ist schon harmlos, wie Friedrich Silcher in seiner berühmten Vertonung des ebenso berühmten Heine-Gedichtes diese Geschichte vertont; als ob das Elfenwesen kein Wässerchen trüben könnte. Eine Demonstration romantischen Schöngeistes, von Anna Herbst mit betörender Kantilene gesungen. Da war Franz Liszts Vertonung schon abgründiger; er deutet den Text, dramatisiert und stellt das Unglück der Schiffer heraus.

Ein Bild weiblicher Sehnsucht verkörpert Rusalka. Die berühmte Arie aus Dvořáks gleichnamiger Märchenoper sang Anna Herbst in Originalsprache mit Schmelz, einfühlsam begleitet von Sarah Tabitha Staehli am Klavier. Max von Schillings 1903 komponiertes Melodram Das Hexenlied trug Werner Bärtschi als Sprecher und Pianist in Personalunion vor. Gefangen in der Atmosphäre des Fin de Siècle, handelt es von einem verliebten Mönch, der die Melodie, welche die geliebte Hexe auf dem Scheiterhaufen sang, nicht vergessen kann. Eine suggestive, leitmotivische Musik mit einer Anziehungskraft, wie sie den Sirenen eigen ist. Bärtschi gestaltete das zeitgebundene Drama eindringlich.

Diesen Projektionen der Männerwelt des 19. Jahrhunderts stellte Maria Porten ihre Sicht der Hexen gegenüber – witzig, verspielt, elfenhaft, also durchaus positiv. Ihre gestische Musik hat etwas Einheitliches in allen Werken. Zuerst erklang ihre Vertonung von Brentanos Ballade Zu Bacharach am Rheine für Sprechstimme und Cello, dann der kleine Zyklus Beim Hut des Hermes für Sopran, Cello und Harfe auf Texte von Ariane Braml. Porten spielt mit allerlei Klängen und Zutaten. Dramaturgisch geschickt aufgebaut jeweils das Zwiegespräch zwischen Cello – dramatisch und virtuos gespielt von Ioanna Seira – und Singstimme (Anna Herbst). Witzig das titelgebende Stück mit Tanzrhythmen, Schlagen auf den Harfenkörper oder Einsatz einer Pfeife; klangsinnlich evozierte die Harfe im letzten Lied das Wabernde des Dichten Nebels (Corinne Kappeler).

Zum Schluss folgte als Uraufführung der kurze Hexenprozess, ein Stück für Sopran, Harfe, Cello und Klavier. Dem laut Porten «schockierenden Blick auf die Hinrichtung eines unschuldigen Naturwesens» fehlte musikalisch allerdings der Biss, auch wenn am Ende mit kräftigen Cello-Strichen und Klavierclustern ein kleiner Ausbruch gewagt ist. Ein Konzert, das weniger die Schrecknisse und männlichen Sichtweisen der Femme fatale thematisierte, als abwechslungsreiche und atmosphärisch dichte Momente bot.
Die Konzerte fanden in Zürich, Wetzikon und Schaffhausen vom 24. bis 26. Januar stat
 


Uraufführung von Mischa Käsers «Verhext»

«Ein musiktheatralisches Minenfeld» nennt der Komponist, Choreograf und Regisseur seine neuste Produktion, die am 23. Januar im Tanzhaus Zürich vor vollem Haus ihre Uraufführung erlebte.

Sibylle Ehrismann — Was auch immer auf der Bühne erklingt und geschieht, Mischa Käser hat alles im Griff. Schon wenn er die Musik konzipiert, ist sie immer mit Bewegungs- und Handlungsideen verknüpft, die er dann auch auf der Bühne umsetzt. Ausgangspunkt und Inspiration dieser Aufführung ist Rico Czerwinskis Reportage Verhext, die von einem emotionalen Minenfeld erzählt: Tochter, Vater, Mutter.

Als «Leitfaden» dienen die Aktionen der Tochter Tanja (Jelena Dojćinović). Sie «choreografiert» die Tänzer wie surreale Erinnerungsbilder und lässt sie so auf ihre unglaubliche Familiengeschichte los. Es entstehen rätselhafte Bildfolgen, die stets auf gescheiterte Beziehungen verweisen.

Lisa Beese, Kilian Haselbeck, Sonja Rocha und Nicolas Turicchia tanzten diese extremen Choreografien mit ausdrucksstarker Heftigkeit und überzeugender Sinnhaftigkeit. Dazu spielte und improvisierte der Kontrabassist Daniel Studer gestisch virtuos und beredt. Studer stand links von der Bühne, rechts davon war ein Streichquartett des Collegium Novum Zürich positioniert, alles hervorragende Musikerinnen und Musiker. Käsers skurrile choreografische Einfälle und seine poetisch suggestive Musik ergänzten sich so immer wieder zu grandiosen «Albtraumbildern».
 

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Die Finalisten des Swiss Jazz Award 2014

Beim Swiss Jazz Award, der zum achten Mal von Radio Swiss Jazz und dem Festival JazzAscona vergeben wird, verengt sich das Bewerberfeld auf drei Gruppen. Wer gewinnt, wird nach Live-Auftritten beim Final-Abend am Festival JazzAscona (21. Juni) vor Publikum und einer Experten-Jury entschieden.

Bild: JazzAscona

Für den Final qualifiziert haben sich Blue Bolero, Nicole Herzog-Stewy von Wattenwyl und die Westschweizer Band Y-Jazz. Blue Bolero ist ein junges Zürcher Trio, das mit dem Debüt-Album Introducing … Blue Bolero auf sich aufmerksam gemacht hat.

Die Sängerin Nicole Herzog hat zusammen mit der Band des Berner Pianisten Stewy von Wattenwyl das Album Intimacy eingespielt und Y-Jazz aus Yverdon-les-Bains ist mit der aktuellen CD happ’y-jazz event auf dem Markt.

Sechs Bands waren für den diesjährigen Award nominiert. In der ersten Publikums-Abstimmung ausgeschieden sind das Daniel Blanc Quartet, das Ralf Ruh Trio und Belleville. Rund 2000 Stimmen wurden in der ersten Phase des Publikums-Votings abgegeben, das am 5. März wieder neu gestartet hat und bis 21. Juni 12 Uhr dauert.

Abgestimmt werden kann online auf www.swissjazzaward.ch oder via SMS an die Nummer 919 (CHF 0.40/SMS) mit den Codes SJA BLU für Blue Bolero, SJA NIC für Nicole Herzog-Stewy von Wattenwyl und SJA YJA für Y-Jazz.
 

Der Star hinter den Kulissen

Christian Buxhofer starb völlig unerwartet am 16. Februar im Alter von 52 Jahren. Für Arosa, Graubünden, ja für die ganze kulturelle Schweiz ist sein Tod ein enormer Verlust.

Foto: Arosa Kultur
Der Star hinter den Kulissen

Christian Buxhofer starb völlig unerwartet am 16. Februar im Alter von 52 Jahren. Für Arosa, Graubünden, ja für die ganze kulturelle Schweiz ist sein Tod ein enormer Verlust.

Es waren drei Herzen, die in seiner Brust schlugen. Eines gehörte seiner Familie, als Ehemann und Vater eines 13-jährigen Jungen, eines dem Bündner Tagblatt, das er als Chefredaktor jahrelang prägte, und eines der Kultur, namentlich der Musik, der er in Arosa eine breit gefächerte Plattform bot. Und vielleicht war es am Ende die brennende Leidenschaft für diese Dinge, die sein sterbliches Ich zu früh vollendete.

Jeder einzelne dieser Lebensbereiche erfuhr eine so hohe Aufmerksamkeit und Zuwendung, dass es kaum vorstellbar ist, wie dies alles in einem 24-Stunden-Tag Platz haben konnte. Christian Buxhofer aber war ein sehr aussergewöhnlicher Mann. Kennengelernt habe ich ihn anlässlich eines Konzertes, das ich mit meinen Mitmusikerinnen und Mitmusikern vom casalQuartett 2006 in Arosa gab, anlässlich des 100. Geburtstages von Hans Schäuble, dem dort 1906 geborenen Komponisten. Aus diesem Zusammentreffen entwickelte sich das Arosa Musikfestival, eines der vielen Projekte, die Christian Buxhofer initiierte und durch die Anbindung von Partnern aller Art pragmatisch in die Realität umzusetzen wusste. In wenigen Tagen wird es – ein letztes Mal von ihm geprägt – über die Bühne gehen.

Seit 1985 engagierte er sich ehrenamtlich für die Kultur, ausgerechnet im kleinen Bergdorf Arosa auf 1800 Höhenmetern. Man kann durch dieses Dorf nicht hindurch, nur ankommen und wieder gehen. Es ist immer Ziel, nie zufällige Station. Es ist ein Ort, den die Natur rau und wild umgibt, der aber gleichzeitig so viel Wärme, Geborgenheit und Sehnsuchtspotenzial entwickeln kann, dass man dort schnell in eine Art Bindungsfalle hineinläuft. Sich auf Arosa einlassen, heisst: entweder ganz oder gar nicht. Halbheiten haben keine Chance.

Christian Buxhofer war kein Mann für halbe Sachen. Er hatte die seltene Gabe, seinen Anliegen unablässig und auf sanfte Weise Nachdruck zu verleihen, auch gegen Widerstände und ohne Aussicht auf persönliche Lorbeeren. Echte Wertschätzung seiner Arbeit machte ihn überglücklich, aber er forderte sie nicht ein. Sein grösster Lohn war, dass, was er anstiess, Erfolg hatte, Qualität aufwies.

Heute, mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Beginn seines Engagements – damals war er Lehrer in Arosa – ist seine frühere Wahlheimat europaweit der Ort mit den meisten Musikkursen von der Keltischen Harfe bis zum Kinderchor, verfügt über ein Opernfestival im Sommer, ein Osterfestival mit gemischtem Programm zwischen Klassik und Folklore sowie seit drei Jahren eine sommerlichen Music Academy, ein Magnet für zahlreiche Musikstudenten aus aller Welt. Aber nicht nur die Schwergewichte der Jahresplanung lagen Christian Buxhofer am Herzen, sondern auch kleine und feine kulturelle Kontinuitäten, wie die wöchentlichen Konzerte im akustisch wunderbaren und optisch reizvollen Bergkirchli. Wer in Arosa ist, weiss, dass er jeden Dienstag um 17:00 Uhr ein Konzert hören kann. Gratis und mit oft überraschendem Inhalt im intimen, archaischen Kirchenraum mit Blick auf das Dorf und eine herrliche Gebirgskulisse.

Aber Buxhofer war nicht nur Ideengeber, sondern auch bienenfleissiger Macher und kongenialer Netzwerker. Er hielt alle Fäden in der Hand, hochvirtuos und vielseitig, charismatisch und verbindlich, geduldig und insistierend, kenntnisreich und enthusiastisch. Aufgegeben hat er nie, für ihn gab es für jedes Problem eine Lösung und meist war er es, der die Lösung tatsächlich beibrachte.

In seiner Arbeit für das Bündner Tagblatt war er vor allem den politischen Themen nahe. Ja, er hätte auch selbst Politiker sein können. Seine Fähigkeit zur Kommunikation und sein Sendungsbewusstsein, seine Überzeugungen und sein Gemeinsinn wären perfekte Voraussetzungen gewesen. Aber er kannte die Fallstricke wohl zu gut. Das Faule-Kompromisse-Machen hätte ihm sehr zugesetzt. Christian Buxhofer konnte man nicht für Zwecke verbiegen, die ihm nicht einleuchteten. Seine Bodenständigkeit und Geradlinigkeit sorgten für einen klaren Kopf, dem der Sinn seines Tuns wesentlich war. Aber auch Unabhängigkeit und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, waren ihm einfach zu wichtig. Im Bereich der Kultur konnte er sich so engagieren, wie er es für richtig hielt.

Als Amateurorganist kannte er die Musik und die oft anspruchsvolle Ausprägung künstlerischer Charaktere und Eigenheiten so gut, dass er sich perfekt darauf einstellen konnte. Es konnte nicht sein, dass er nicht zurecht kam mit einem Musiker, er wusste Befindlichkeiten zu erkennen, Bedürfnisse zu sehen und zu erfüllen, ohne sich dabei zu verbiegen. So machte er sich diskret und absichtslos beliebt und war als Partner gesucht. Man vertraute sich ihm an, man übergab ihm blindlings Verantwortung, einfach, weil er so ein gewinnendes Wesen hatte. Umgekehrt konnte man ihm auch fast nichts abschlagen, er überzeugte, ohne grosse Worte und Gesten, einfach so.

Wir Musiker sind glücklich, wenn wir spüren, dass das, was wir tun, akzeptiert wird. Wenn wir Ohren finden, die zuhören, Worte, die ermuntern, Augen, die begeisterungsfähig sind … Freilich war Christian Buxhofer nicht naiv. Er war ganz im Gegenteil psychologisch höchst raffiniert oder besser: feinfühlig. Jede Fassade, jede Allüre konnten ihn regelrecht erschüttern. Sie beleidigten seinen Sinn für Balance. Ihm war der Dienst an der Kunst so heilig, dass er Egozentrik und nervenaufreibendes Tamtam als das empfand, was es ist: überflüssig. Ihm war wichtig, dass man für die Sache brannte, sei es nun in Arosa oder in der Carnegie-Hall in New York …

Es ist ein Unterschied, ob man einem Künstler eine Bühne zur Verfügung stellt, oder ihm diese bereitet. Das konnte Christian Buxhofer wie wenig andere. Er hinterlässt nicht nur eine Familie, sondern auch eine riesige, bestürzte, trauernde Künstlerfamilie und regelrechte Fangemeinde. Ein stiller Star hinter den Kulissen war er und ein weitherum geachteter und geschätzter Freund.

Für Arosa, Graubünden, ja für die ganze kulturelle Schweiz ist sein Tod ein enormer Verlust. Seine Werke fortzusetzen ist eine gewaltige Aufgabe und dringliche Pflicht zugleich.

Christian Buxhofer starb völlig unerwartet am 16. Februar im Alter von 52 Jahren.
 

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Von Zwingli bis SMPV

Eine kleine Geschichte der öffentlichen Musikkultur und der freischaffenden Musikpädagogen am Beispiel Zürichs. Trennlinien zwischen Amateuren und Profis sind dabei nicht zu ziehen.

Hans Georg Nägeli-Denkmal in Zürich. Foto: Roland zh/WikiCommons
Von Zwingli bis SMPV

Eine kleine Geschichte der öffentlichen Musikkultur und der freischaffenden Musikpädagogen am Beispiel Zürichs. Trennlinien zwischen Amateuren und Profis sind dabei nicht zu ziehen.

Eine höhere Musikkultur hat in der Schweiz nicht erst im 20. Jahrhundert begonnen. In früheren Jahrhunderten sind zwar mit Ausnahme des am Hofe Kaiser Maximilians wirkenden Ludwig Senfl wenig leuchtende Komponistennamen zu verzeichnen, es existierte jedoch ein reges Musikleben. Mit Nachdruck muss auch der Legende entgegengetreten werden, mit der Reformation von Zwingli und Calvin habe sich ein Raureif über das Musikleben der reformierten Orte gelegt. Das Gegenteil ist der Fall. Huldrych Zwingli sang hervorragend und spielte nach dem Zeugnis eines Zeitgenossen folgende Instrumente: «Lauten, Harpfen, Geigen, Pfeifen, Rabögli, Schwäglen, Trummscheit, Hackbret, Zinken, Waldhorn». (1) Er komponierte kunstvolle polyfone Gesänge und traf sich im privaten Kreis mit anderen Musikfreunden, zum Beispiel mit dem Pfarrer Leo Jud, regelmässig zu gemeinsamem Singen am Abend.
Psalmbücher aus Basel und Konstanz kursierten in Zürich zur Privaterbauung, und bald traten Gesangbücher aus der einheimischen Druckerei Froschauer hinzu. Musikkollegien bildeten sich, in welchen eifrig gesungen, Instrumente gespielt und für die so genannten «Quartalsbötter» geprobt wurde. In Zürich existierten drei, deren Gründungsjahr im Dunkeln liegt. Sie schlossen sich 1812 zur Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, die Konzerte mit bunten Programmen, Oratorien, Opern und Singspiele zur Aufführung brachte.

Schulmeister, Pfarrherren, Komponisten
Was hat das alles mit dem freischaffenden Musikpädagogen zu tun? Sehr viel, denn eine so eifrige Musikpflege bedarf der Ausbildung, die meist in den Händen von Schulmeistern, gelegentlich auch von musikliebenden Pfarrherren lag, wobei die Grenze zwischen professionellen Musikern und Amateuren schwierig zu ziehen ist. Zwingli gründete in Zürich bereits 1528 die erste Musikschule und berief dazu als Leiter einen Musiker namens Hans Vogler. Heinrich Bullingers Schulordnung für die Lateinschule von 1532 forderte das Singen von carmina an drei Tagen pro Woche. Chor- und Instrumentaleinlagen in Schul- und Volksdramen sind u. a. für Zwingli bezeugt. (2) Zwei Lehrbücher für den Gesangsunterricht von Johannes Frisius wurden bei Froschauer 1552 und 1554 gedruckt.

Was aber geschah im Gottesdienst? Winterthur und Stein am Rhein führten bereits 1559 den Kirchengesang ohne Instrumentalbegleitung wieder ein; der Rat der Stadt Zürich zögerte länger, bis er 1598 den entsprechenden Beschluss fasste. Neben dem Psalmgesang, dessen 125 Melodien von Guillaume Franc, Loys Bourgeois und Pierre Davantès stammen, gab es im ersten offiziellen Zürcher Gesangbuch von 1598, dem später sogenannten Lobwasser, die «Gebräuchlichen Psalmen» (die seit Jahrzehnten in Zürich gedruckten Psalmlieder). Dazu kamen dann immer weitere geistliche Gesänge, zunächst einstimmig, bald aber vierstimmig gesetzt, wobei Bourgeois den Cantus firmus wie damals üblich in den Tenor setzte, die Choralmelodie später jedoch durch Tausch von Sopran und Tenor nach oben verlegt wurde. Fassbar wird dieser vierstimmige homofone Satz in der dritten Auflage des Zürcher Gesangbuches von 1641. Diese Art des Kirchgesangs hielt sich als Ersatz der Instrumentalbegleitung zäh, Reste davon bis in unsere Tage. Denn ein Teil der Lieder wird in den schweizerischen Kirchengesangbüchern immer noch vierstimmig gedruckt. Das vierstimmige Singen wurde in allen Schulen und im kirchlichen Unterricht regelmässig geübt.
Das Repertoire, das in den drei Stadtzürcher Musikkollegien gepflegt wurde, lässt sich durch aufbewahrte Notenbestände mindestens für das 18. Jahrhundert erschliessen. Es war durchaus zeitgemäss und anspruchsvoll. Neben viel Händel sind Grauns Passionsmusik, Hiller, Naumann, Rolle und früh auch Sinfonien und Messen von Joseph Haydn zu nennen. Daneben traten auch Schweizer Komponisten: Johann Caspar Bachofen (1695–1753) war theologisch bis zum Verbi Divini Minister ausgebildet, übte aber den Pfarrberuf nie aus, sondern widmete sich als Autodidakt der Musik und hinterliess einprägsame, einfache ein- bis dreistimmige Lieder mit Generalbass. Der Pfarrer Johannes Schmidlin (1722–1772) gründete und leitete das Musikkollegium in Wetzikon, Zürcher Oberland. Er unterrichtete den in Seegräben geborenen Johann Heinrich Egli (1742–1810) der von 1760 an in Zürich als gesuchter Klavier- und Gesangslehrer wirkte und gefühlvolle Lieder komponierte. Dessen acht Jahre jüngerer Schüler Johann Jakob Walder wirkte im gleichen Sinne und vertonte erbauliche geistliche Texte von Christian Fürchtegott Gellert, die 1791 im Druck erschienen und sehr beliebt wurden.

Musikpädagogen und reisende Virtuosen
Musikpädagogen gab es natürlich zuhauf. Die Genannten bilden, als Komponisten hervorgetreten, nur die Spitze eines Eisbergs. Ein Nichtkomponist sei erwähnt, nämlich der mit Goethe befreundete Philipp Christoph Kayser, bekannt als «Kunscht-Kayser» aus Stäfa am Zürichsee, 1755 geboren, der schon als 15-Jähriger in Frankfurt am Main und fünf Jahre später dann in Zürich sein Brot mit Klavierstunden verdiente. Neben den eingesessenen Musikpädagogen gab es noch die reisenden Virtuosen; zum Beispiel kam die Familie Mozart im Jahre 1766 nach Zürich, wo der zehnjährige Wolfgangerl hinten auf eine Menukarte des Hotels Storchen einen Marsch notierte. Die Virtuosen tauchten wie Sternschnuppen am Zürcher Musikhimmel auf und liessen sich gelegentlich dort auch nieder wie zum Beispiel Anton Liste, 1772 in Hildesheim geboren. Als Dirigent wurde er 1804 von den Musikkollegien für ihr Orchester nach Zürich berufen, wo er bis 1834 dem Zürcher Musikleben einen unerhörten Aufschwung verlieh und das Niveau des hauptsächlich von Amateuren bestückten Orchesters bedeutend hob. Er gründete den Liste-Gesangverein, der in Konkurrenz zu Hans Georg Nägelis Chören trat und mehrmals Haydns Schöpfung und Jahreszeiten sowie Händels Messias und weitere Oratorien vortrug. Liste galt auch als bedeutender Klaviervirtuose, dessen Klavierwerke lange Zeit geschätzt blieben.
Mit dem Namen Nägeli (1773–1836) ist der wichtigste Repräsentant der Musikpädagogen genannt. Er wuchs im musikliebenden Wetzikon auf und leitete bereits mit zehn Jahren dessen Musikkollegium. Am Herzen lag ihm vor allem das Chorwesen. 1805 gründete er das Musikinstitut mit seinem Gemischten Chor, Männerchor und Kinderchor. 1810 erschien seine Gesangbildungslehre nach Pestalozzischen Grundsätzen, 1821 seine Chorgesangschule. Ihm ist die ein ganzes Jahrhundert dauernde quantitative und qualitative Blütezeit des schweizerischen Chorwesens zu verdanken, so dass er mit Recht der «Sängervater» genannt wird.

Konservatorien, Chöre und Blasmusikvereine
Es gab angestellte Orchester- und Chordirigenten, Musikdirektoren genannt, und Singlehrer an Gymnasien, aber vor der Gründung von Konservatorien keine weiteren angestellten Musikpädagogen. Ab 1858 förderte Friedrich Hegar Zürichs Musikleben nachhaltig. Zunächst war er Konzertmeister des Orchestervereins, nach drei Jahren hingegen schon Chefdirigent. Er trug massgebend zur Gründung der Tonhalle-Gesellschaft 1868 bei, brachte internationale Koryphäen wie Brahms, Liszt, Joseph Joachim, Klara Schumann, Hans von Bülow und viele weitere zu Gastauftritten nach Zürich, hinterliess 1927 beachtliche Kompositionen und gründete 1876 das Konservatorium, das von Anfang an und noch sehr lange eine Berufsabteilung und eine Allgemeine Abteilung bot. Zürichs Konservatorium war aber längst nicht das erste in der Schweiz. Den Anfang machte Genf 1835. Es folgten 1858 Bern, 1861 das Institut de Musique de Lausanne, 1867 Basel und 1873 Winterthur. Das Konservatorium Luzern kam erst 1942 hinzu. In andern Städten und auf dem Lande existierte nichts dergleichen. Somit gab es in einigen Städten öffentlich zugängliche Musikschulen, die aber privat organisiert waren und vom Subventionstropf der Gemeinden abhingen und deren Musikpädagogen Angestellte waren. Doch die Freiberuflichen befanden sich in mächtiger Überzahl. Sie bildeten einen Wildwuchs aller möglichen Qualitätsstufen, wobei die Grenze zwischen Professionellen und Liebhabern wieder nicht zu ziehen war. Die pädagogische Arbeit von Musikliebhabern war nicht immer schlecht. Vor allem talentierte Volksschullehrer leiteten die Tausenden von Männer-, Frauen- und gemischten Chören, die ihr Können in periodischen Musikfesten miteinander massen, von einer Fachjury beurteilt. Auch sorgten die zahlreichen Blasmusikvereine in eigener Regie für den Unterricht ihres Nachwuchses. Und bei der Volksmusik gaben die Eltern ihr Können und Wissen ihren Kindern weiter, meist ohne Notenkenntnisse. Letzteres gibt es auch noch heute.
Die Sorge um die pädagogische Qualität der Musikerziehung führte im Jahre 1893 schliesslich zur Gründung des Schweizerischen Musikpädagogischen Verbandes, damals «Schweizerischer Gesang- und Musiklehrerverein» genannt. Der Name bezeichnet den Schwerpunkt der Bemühungen. Im Zweckartikel der Statuten heisst es denn auch: «Hebung und Förderung des Gesanges und der Musik in der Schule, Kirche, in Haus und Verein». Nebenbei: «Gesang und Musik», diese merkwürdige Bezeichnung blieb noch lange aufrecht. Am Aufgang der Wendeltreppe zur Orgel der Predigerkirche in Zürich prangt noch heute das Schild: «Aufgang nur für Sänger und Musiker». Aus Pietät lässt man das Schild hängen. Die Mitgliedschaft des Vereines, der 1911 auf den heutigen Namen, abgekürzt SMPV, umgetauft wurde, stand auch nicht musikberuflich tätigen Personen offen. Es wurden Weiterbildungskurse für Chorleiter, Schulmusiker und Organisten angeboten. Bei der neuen Namensgebung 1911 erfolgte die «Einführung von Prüfungen für solche Musiklehrer und -lehrerinnen, die nicht im Besitze von Ausweisen über akademisch-musikalische Bildung sind». 1913 erfolgte die erste Ausschreibung solcher Prüfungen, auf die hin sich über sechzig Interessenten meldeten, von denen allerdings nur fünf zur Prüfung antraten. Die Anforderungen des leider verschollenen Reglements waren offenbar hoch. Das war der Beginn der Berufsausbildung des SMPV, die heute noch als europaweiter Sonderfall besteht, weitergeführt von der Schweizerischen Akademie für Musik und Musikpädagogik, die als Departement Musik in der Kalaidos Fachhochschule Schweiz integriert ist. An Konservatorien sind im Laufe des 20. Jahrhunderts Diplomprüfungen für Musikpädagogen erst allmählich eingeführt worden, was die Pioniertat des SMPV erst verständlich macht.

Freiberufliche Musikpädagogen heute
Die Gründungswelle von Musikschulen, zunächst mehrheitlich Jugendmusikschulen, in den Sechziger- und Siebzigerjahren, führte zu einem flächendeckenden Netz von heute rund 440 dem Verband Musikschulen Schweiz angeschlossenen Musikschulen. Eine Zeit lang glaubte man, mit dieser Umwälzung sterbe der freiberufliche Musikpädagoge aus. Auch wenn viele ehemalige Jugendmusikschulen heute ebenfalls Erwachsenenunterricht anbieten, ist das Gegenteil der Fall. Denn viele Professionelle finden entweder keine Anstellung oder nur ein kleines Pensum an einer Musikschule und unterrichten daneben privat. Dasselbe gilt für diejenigen, die nicht vollamtlich in einem Orchester spielen oder die ihre Gesangskarriere beendet haben. Weitere Nischen steigender Bedeutung tun sich auf bei der hochwichtigen Förderung der Kleinkinder in Eltern-Kind-Singkursen, der musikalischen Elementarerziehung im Vorschul- und ersten Schulalter bis zur Musikgeragogik.
Was ist das Fazit dieses historischen Spazierganges? Neben der notwendigen Professionalisierung der Musikpädagogen darf die Breitenwirkung musikalischer Betätigung und Bildung nicht aus den Augen verloren werden, deren Hebung in Schule und Vereinen ohne Amateure nicht denkbar ist. Das schliesst jedoch eine standespolitische Förderung der sozialen Sicherheit freiberuflicher Musikpädagogen nicht aus.

Nachweis
Der Text basiert auf einem Referat im Rahmen der 43. D-A-CH-Tagung in Würzburg.
Das vollständige Referat ist veröffentlicht in: Elisabeth Herzog-Schaffner und Dirk Hewig (Hrsg.), Der freiberufliche Musikpädagoge – ein Beruf mit Zukunft? Bericht über die 43. D-A-CH-Tagung 2012 in Würzburg, ISBN 978-3-926906-21-2, erhältlich bei der Geschäftsstelle des Deutschen Tonkünstlerverbandes: info@dtkv. org

 

Anmerkungen

1 Zitiert nach Pfr. Leonhard Stierlin, 43. Neujahrsblatt der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich auf das Jahr 1855, S. 8
2 MGG2, Sachteil Bd. 9, 1998, Sp. 2479.

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Die beste Musikerin der Stadt

Caroline Boissier-Butini hatte es zu Beginn des 19. Jahrhunderts im calvinistischen Genf trotz grossbürgerlicher Herkunft nicht leicht.

Caroline Butini 21-jährig, gemalt von Firmin Massot. Ausschnitt. Privatbesitz. Foto: Monique Bernaz

Die Übersetzerin, Genderforscherin und Musikpublizistin Irène Minder-Jeanneret schuf mit ihrer Doktorarbeit eine umfassende Darstellung des Musiklebens in Genf und, im Zusammenhang damit, im Europa des beginnenden 19. Jahrhunderts, ausgehend vom Leben der fast vergessenen Pianistin und Komponistin Caroline Boissier-Butini.

Die farbig illustrierte, übersichtlich gegliederte, mit vielen Tabellen und einem umfangreichen Anhang versehene Arbeit reflektiert die besondere Stellung dieser in einer komplizierten gesellschaftlichen Konstellation aufgewachsenen Tochter. Sie wurde von ihrem Grossvater und Vater in der Musik gefördert, auch in den damals aufkommenden Wissenschaften instruiert (sie hätte gerne Medizin studiert).

Eigentlich hatte Irène Minder geplant, mit dem gesammelten Material einen Roman über Caroline Boissier-Butini zu schreiben. Dieser entsteht nun im Kopf beim Lesen der mit ausgedehnten Tagebucheinträgen, Reiseberichten, Briefen und Zeitzeugenzitaten gespickten Dissertation! Die Quellen sind aufschlussreich kommentiert und miteinander so verbunden, dass sie ein lebendiges Bild der Zeit ergeben (alle französischen übrigens exzellent auf Deutsch übersetzt).

Die calvinistisch engen, aber dank Aufklärungsideen und der französischen Revolution geweiteten, dann wieder durch die napoleonische Besatzung bedrängten Verhältnisse in der Genfer Republik ergaben für Boissier-Butini sehr komplexe Lebensumstände. Ein Ergebnis davon kann man ihrem Werkverzeichnis ablesen: Zwar sind Orgel-, Klavier- und Kammermusikwerke als Manuskripte erhalten, aber nur von einem ihrer sieben (!) Klavierkonzerte ist die Solostimme vorhanden. Sie durfte zuhause und in standesgemässen anderen Salons vor Gästen spielen, es geziemte sich aber nicht, in öffentlichen Konzerten, und schon gar nicht, für ein Salär aufzutreten. Den Töchtern war es nicht erlaubt, mit gleichaltrigen Demoiselles zusammenzutreffen, sie sollten so lange wie möglich in der alleinigen Gesellschaft der Mutter bleiben. Gemäss Rousseaus konservativer Aussagen in seiner Lettre à d’Allembert und im L’Émile müsse die naturrechtliche Perspektive der Frauen zugunsten der gesellschaftlichen Notwendigkeit zurücktreten: Die Frau sei da zum Wohlsein des Ehemannes und zur Erziehung der Kinder! Erst Albertine Necker-de Saussure kämpfte ab 1838 für eine Kursänderung.

Glücklicherweise wurde Caroline mit dem musikliebenden, selber auf eigenen zwei Stradivari spielenden Agronomen Auguste Boissier verheiratet, der viel Verständnis für die Aktivitäten seiner Frau hatte, mit ihr auch duettierte oder in Kammermusikgruppen auftrat. Dank ihrer privilegierten Stellung war sie vernetzt mit vielen berühmten Durchreisenden und das Genfer Exil nutzenden Persönlichkeiten (u. a Isabelle de Charrière, Germaine de Staël-Necker). Ihr Talent befähigte sie, diese Anregungen mit spärlichem Unterricht und vor allem autodidaktisch zur Meisterschaft in Klavierspiel und Komposition zu entwickeln. Aufwändige Reisen nach Paris und London zum Kauf von Flügeln, zum vergeblichen Versuch, ihre Kompositionen zu veröffentlichen, und zum Erkunden der grossstädtischen Kultur machten sie bekannt mit berühmten Pianisten, denen sie auch selber – Anerkennung erntend – vorspielte. Liszts, Kramers und Kalkbrenners empfindsames Spiel bewegten sie zur Einsicht, Musik zu schaffen, die «berührt, statt zu blenden». Einen Winter lang liess sie ihre Tochter Valérie in Paris von Liszt unterrichten. Ihr Bericht Liszt pédagogue erschien erst 1923 unter dem Namen «Mme Auguste Boissier», 1930 auf Deutsch missverständlich reduziert auf «Auguste Boissier»! Da die Familie im Sommer auf ihrem Landgut bei Yverdon lebte, hatte sie die Freiheit, dort mit einfachen Leuten in Kontakt zu kommen, was sie dazu anregte, sich auch mit Volksmusik zu befassen. Einmal komponierte sie einem durchziehenden Dorfgeiger gratis im Versteckten schnell ein paar Tänze. Ihr einziges aufführbares Concerto No. 6 «La Suisse» enthält im Mittelsatz alle drei Elemente des Ranz des vaches.

Viele Hindernisse erschwerten die Entfaltung ihres Könnens. Schon die calvinistische Tradition Genfs, die Musik fast nur in Form von Psalmen zuliess, machte die öffentliche Aufführung weltlicher Musik schwierig. Obschon sie Orgel spielen konnte und Orgelstücke komponierte, durfte sie kaum in Gottesdiensten spielen. Die nach dem Eintritt Genfs ins eidgenössische Bündnis entstandene Société de musique de Genève (1823) nahm Frauen nur als nicht stimmberechtigte membres actives honoraires mit eingeschränkten Auftrittsmöglichkeiten auf. Immerhin halfen die auf die ganze Schweiz ausgedehnten Musikfeste, ein mit der Eidgenossenschaft vernetztes Musikleben in Genf anzubahnen. Caroline Boissier-Butini spielte trotz allem eine auch in anderen Schweizer Städten bekannte, herausragende Rolle als Klaviervirtuosin, Komponistin und Musikförderin, obschon sie überall nur privat spielte.

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Irène Minder-Jeanneret, «Die beste Musikerin der Stadt» Caroline Boissier-Butini (1786-1836) und das Genfer Musikleben zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Dissertation Universität Oldenburg; gedruckte Ausgabe mit Zusatzmaterialien auf CD-Rom, 528 S., € 44.90; Ausgabe auf CD-Rom, € 24.90; EpOs Electronic Publishing, Osnabrück 2013, ISBN 978-3-940255-36-5

Zeitgenössische Gitarrenmusik aus der Romandie

Die im Kanton Freiburg angesiedelten «Editions Bim» beliefern uns mit zwei attraktiven Werken für Solo-Gitarre.

Foto: Stephan Landgraf/pixelio.de

Das muntere Stück Une minute der 1960 geborenen Flötistin, Dirigentin und Komponistin Caroline Charrière ist eine Miniatur über dem Ton d. Vorwiegend einstimmig notiert, ist es technisch problemlos zu bewältigen. Die erste Hälfte ist ein grosses Crescendo, auch in Bezug auf Bewegung und Rhythmus. Auf die leisen perkussiven Elemente, die dann den zweiten Teil sanft einläuten, folgen wiederum raschere und lautere Töne, die in einen heftigen Schluss münden. Ein Stück, das gut dazu geeignet ist, auch mit Schülerinnen und Schülern authentische zeitgenössische Musik einzuüben.

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Caroline Charrière, Une minute, für Gitarre solo, GUI11, Fr. 9.00, Edition Bim, Vuarmarens 2012

Sechsmal länger dauert Livia von Julien-François Zbinden. Der heute hochbetagte Pianist und Komponist hat es bereits 1999 im Alter von 82 Jahren für Maria Livia São Marcos geschrieben, die während Jahrzehnten eine Gitarrenklasse am Genfer Konservatorium führte. Zbindens Kompositionsweise ist klassisch modern, frei in Harmonik und Melodieführung, aber auch mit einzelnen seriellen Elementen durchsetzt. Das Stück besteht aus einem einzigen Satz, der sich in einen getragenen Anfang und einen raschen zweiten Teil gliedert, um am Schluss in einer Art kleiner Reprise wieder auf den Anfang Bezug zu nehmen. Einige Stellen sind nicht wirklich spielbar, sodass gewisse lange Töne in der Melodie ihren vollen Notenwert nur in Gedanken erhalten. Das notierte tiefe C in den Takten 129 und 130 müsste wohl ein E sein.

Livia ist eine Komposition in der Tradition «klassischer» Musik. Wenig ist davon zu spüren, dass der Komponist auch ein begnadeter Jazzpianist war und dass die Widmungsträgerin ursprünglich aus Brasilien stammt. Und doch: das lateinamerikanische Temperament zum Beispiel eines Leo Brouwer schwingt aus der Ferne mit, und neben punktuellen Umkehrungen in der Melodieführung oder kurzen Krebs-Akkordfolgen ist der Rhythmus ein wichtiges Kompositionselement, selbst in den schnellen Perpetuum-Mobile-Passagen. Zbinden spart nicht mit Akzenten und Sforzati; der leise letzte Akkord ist nur noch Nachklang …

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Julien-François Zbinden, Livia, für Gitarre solo, GUI 7, Fr. 15.00, Editions Bim, Vuarmarens 2012

Eine Maschine für zwei Instrumente

Das Ravel-Duo für Violine und Violoncello stiess die ersten Zuhörer vor den Kopf.

Bild: Didi01/pixelio.de

Heute ist es kaum vorstellbar, dass Maurice Ravels viersätzige Duosonate für Violine und Violoncello bei der Uraufführung 1922 und unmittelbar danach beim Publikum auf Unverständnis stiess. Die bis dahin ungewohnte Behandlung der Streichinstrumente – Ravel liess sich von den Interpreten beraten, was auf der Geige und dem Cello an Spieltechniken alles möglich war – und die «Versachlichung» und «Entromantisierung» der Tonsprache markieren einen Wendepunkt im Schaffen des Komponisten. Als «eine Maschine für zwei Instrumente» hat er diese Sonate selbst bezeichnet. Hélène Jourdan-Morhange, die Geigerin der Uraufführung, berichtet in ihren Memoiren von der akribischen Arbeit mit dem Komponisten und meint: «Das Duo, von geradezu abstossender Wirkung bei der ersten Begegnung, verbirgt Schätze, aber es behandelt die Violine sehr hart.»

Heute gehört das Ravel-Duo zu den Hauptsäulen des Repertoires für diese Besetzung, wenn es auch hohe Ansprüche an die Ausführenden stellt. An die «Härte» haben wir uns längst gewöhnt, empfinden gar weite Teile dieser Sonate als ausgesprochen lyrisch! Neben der traditionellen Ausgabe von Durand & Co., Paris, bietet jetzt Bärenreiter eine neue Urtext-Edition des Werks. Die herangezogenen Quellen werden im Vorwort und im Anhang angegeben und teilweise sogar als Faksimile des Autografs abgebildet; ferner werden die Beschreibungen von Jourdan-Morhange ausführlich zitiert. Ausgesprochen hilfreich für die Aufführung sind die Darstellung als grossformatige Spielpartitur (wahlweise kann das Violoncello den ersten Satz auch «einstimmig» lesen) und der ausgeklügelte Seitenumbruch, der ein lückenloses Spiel ermöglicht. Allerdings muss einige Male der Geiger oder die Geigerin für das Violoncello umblättern!

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Maurice Ravel: Sonate en quatre parties pour violon et violoncelle, Urtext hg. von Douglas Woodfull-Harris, 2 Spielpartituren, BA 9417, € 22.95, Bärenreiter, Kassel 2013

Geniale Charakterstücke

Die Klavierfassung der «Bilder einer Ausstellung» aussergewöhnlich reich kommentiert.

Viktor Hartmanns Anregung zum «Ballett der unausgeschlüpften Küken». Quelle: wikimedia commons

«Wir zögern nicht, dieses Werk als die bedeutendste Klavierschöpfung russischer Meister bis auf den heutigen Tag hinzustellen. Gewiss lässt sich an dieser Sammlung von zehn Charakterstücken (…) manches bemängeln. Aber eine geniale, urwüchsige Schöpferkraft, vor der alle Kritik verstummen muss, prägt diesen Stücken den Stempel des ganz Einmaligen auf.» Treffender als dies vor Jahrzehnten Klaus Wolters in seinem immer noch unübertroffenen Handbuch der Klavierliteratur (Atlantis, Zürich, 5. Auflage 2001) tat, kann man die Faszination, die Mussorgskys Bilder einer Ausstellung ausüben, kaum formulieren.

Der Bedeutung des Werkes angemessen, hat der Bärenreiter-Verlag nun einen aussergewöhnlich reich kommentierten Urtext editiert. Das Vorwort des Herausgebers Christoph Flamm mit Angaben zur Werkentstehung, ausführlichen Gedanken zu den einzelnen Bildern sowie aufführungspraktischen Anregungen ist spannend zu lesen und geht weit darüber hinaus, was bisherige Ausgaben publiziert haben.
Dass sich bei so viel Material auch Widerspruch zutage kommt, liegt auf der Hand, bei der Behauptung etwa, das Werk eigne sich gar nicht für eine Orchestrierung, untermauert durch Swjatoslaw Richters bissige Bemerkung: «Ich lehne die Orchesterfassung dieses Werkes ab und hasse sie …» Auch bei der Korrektur einiger «Irrtümer» im Notentext wird gelegentlich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die neuen Lesarten in Takt 17 der ersten Promenade etwa wären selbst für den eigenwilligen Mussorgsky schlicht zu absurd (ein a wäre wohl eher angebracht. Die Handschrift des Komponisten ist allerdings mehrdeutig!)

Der Notentext selber, ganz ohne Fingersätze, überzeugt durch Klarheit und Übersicht. Im Anhang finden sich noch einige schwarzweiss Abbildungen der Vorlagen von Viktor Hartmann, an den das Werk ja erinnern sollte. Wer noch mehr praktische Hinweise zur Interpretation finden möchte, dem sei die Wiener Urtext Edition von Manfred Schandert und Vladimir Ashkenazy ans Herz gelegt. Gerade Ashkenazys Erfahrung mit den Bildern einer Ausstellung sowohl als Pianist wie als Dirigent und Herausgeber einer eigenen Orchesterfassung prädestinieren ihn in hohem Masse, den Dingen auf den Grund zu gehen. Auch diese Ausgabe ist bebildert – sogar in Farbe.

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Modest Mussorgsky, Bilder einer Ausstellung. Erinnerung an Viktor Hartmann, für Klavier, Urtext hg. von Christoph Flamm, BA 9621, € 14.50, Bärenreiter, Kassel 2013

Akkordeontechnik

Übungen in stetig ansteigendem Schwierigkeitsgrad zur Begleitung einer Schule.

Foto: Kaspar Ruoff

Das neue Heft Technical Basics von Heinz Hox für Piano-Akkordeon (Standardbass) kommt sehr übersichtlich und in eher grosser Notation daher – alles in allem, sehr «anmächelig». Der Autor erwähnt in seinen Vorbemerkungen, dass er es für Einsteiger, Wiedereinsteiger, aber auch fortgeschrittene Akkordeonspielerinnen und -spieler zusammengestellt hat. Die Übungen sind als Ergänzungen zu Akkordeonschulen gedacht. Einige Hinweise zur Haltung des Akkordeons scheinen mir eher gewagt formuliert, denn was soll ich verstehen unter «ergonomisch richtig verbunden mit dem Instrument» oder was ist denn die «richtige Grösse»? Glücklicherweise wird diesbezüglich sicher die Lehrperson Klarheit schaffen.

Bei den Anmerkungen zu den einzelnen Übungen, findet die Empfängerin oder der Empfänger jede Menge interessanter und wertvoller Ideen zu variantenreichem Üben. Dies geht von unterschiedlicher Artikulation, über Tempoveränderungen bis zu rhythmischen Varianten. Die Herausforderungen beginnen mit dem Fünftonraum in der rechten Hand, gefolgt von ähnlichen Übungen für die linke Hand, gehen dann über Spreizungen, Dur- und Moll-Tonleitern, bis hin zu Fesselfingern, Intervallen, Akkorden, Jazz-Harmonien und Kadenzen. Ein ideales Fortschreiten und eine breite Abstützung sind also gewährleistet.

Ebenfalls zu erwähnen sind die passenden, ergänzenden Videosequenzen im Internet (www.heinzhox.de). Aufgefallen sind mir dabei jedoch die oftmals ungünstige Balgführung beim Schliessen (zu starkes Anheben des Balges, das zu einem grossen Unterbruch führt) und auch die zum Teil ungenaue Koordination zwischen Taste und Balgwechsel. Mit der ruhigen Haltung der rechten Hand kann ich mich sehr anfreunden. Weshalb aber die Finger der linken Hand oft mit so viel Distanz auf die Knöpfe auftreffen, wodurch ein sehr lautes Tastengeräusch entsteht (und der Klang entsprechend secco ausfällt), kann ich nicht nachvollziehen. Das Werk bietet auf jeden Fall einiges an Material, um ein stabiles technisches Fundament zu legen.

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Heinz Hox, Technical Basics. Technische Übungen für Piano-Akkordeon (Standardbass), für Einsteiger und Fortgeschrittene, VHR 1850, € 13.80, Holzschuh-Verlag, Manching 2013

Amateure – Musik einfach lieben

Was steckt eigentlich hinter dem Begriff «Amateur»? Inwiefern sind Profis und Amateure voneinander abzugrenzen? Was sagen unsere Leserinnen und Leser, aber auch Pro Helvetia und das Bundesamt für Kultur dazu?

Amateure - Musik einfach lieben

Was steckt eigentlich hinter dem Begriff «Amateur»? Inwiefern sind Profis und Amateure voneinander abzugrenzen? Was sagen unsere Leserinnen und Leser, aber auch Pro Helvetia und das Bundesamt für Kultur dazu?

Focus

… wie der Pfuscher zum Handwerk?
Eine Hommage an den Amateur und seine Vorläufer

Gibt es im Musikbetrieb einen Dilettantengraben?

Leserinnen und Leser antworten

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Petit panorama des musiciens amateurs en Suisse romande

Singen Amateure schöner als Profis?
Die Leiterin des Europäischen Jugendchorfestivals sucht Antworten

Die Anerkennung ist mit Geld nicht aufzuwiegen
Gespräch über die Laienförderung des BAK und von Pro Helvetia

… und ausserdem

RESONANCE

Zum Tod von Christian Buxhofer: Nachruf von Markus Fleck

Pianos historiques : témoins des caractéristiques stylistiques du passé

In Bruno Molls neuem Film interpretieren Amateure Schubertlieder

Maria Portens Hexen-Konzerte und Mischa Käsers Verhext

Le jeune festival lausannois N/O/D/E

Rezensionen Klassik/Jazz/Rock & Pop — Neuerscheinungen Bücher, Noten, CDs

Carte Blanche mit Michael Kube

CAMPUS


Modelle der Begabungsförderung am Forum Musikalische Bildung

Les Concerts sacrés de Duke Ellington par les étudiants de l’HEMU

Freischaffende Musikpädagogen seit Zwinglis Zeiten

Rezensionen — Rezensionen Unterrichtsliteratur

klaxon — Kinderseite

FINALE

Rätsel Jean-Damien Humair sucht

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