Machtvolle Bilder, monumentale Musik: Wer ins Kino geht, möchte Gänsehautmomente erleben. Die entscheidende Rolle spielt dabei immer die Musik: Ohne sie könnte selbst der genialste Regisseur keine Emotionen wecken. Noch überwältigendere Gefühle entstehen allerdings im Konzertsaal, wenn die Filmmusik live gespielt wird. Im Konzertsaal des Kultur- und Kongresszentrums Luzern spielt das 21st Century Orchestra unter der Leitung von Ludwig Wicki Musik aus Filmen wie Dune, Star Wars, Avengers, Interstellar, The Lord of the Rings oder Ben Hur.
Die Schweizer Musikzeitung verlost 2 x 2 Eintrittskarten für die konzertante Aufführung ohne Filmausschnitte am 21. November 2024 um 19.30 Uhr im KKL Luzern.
Bitte melden Sie sich mit genauer Adressangabe bis spätestens am 10. Oktober per Mail (contact@musikzeitung.ch) oder Post: Schweizer Musikzeitung, Dammstrasse 2, 6440 Brunnen.
Der Höhepunkt im Schweizer Schlösserjahr steht bevor: 27 Schlösser in dreizehn Kantonen und drei Sprachregionen laden am Sonntag, 6. Oktober zum 9. Schweizer Schlössertag ein. Unter dem Motto «Musik und Fest» können die Besuchenden vielfältige Konzerte und musikalische Attraktionen in den Schlössern erleben! Es gibt 2 x 2 Eintrittskarten zu gewinnen.
Publireportage und Verlosung des Verbands der Schweizer Schlösser
- 23. Aug. 2024
Konzert in der Schlosskirche Spiez. Foto: Die Schweizer Schlösser
Die Mitgliedschlösser des Verbands «Die Schweizer Schlösser» gehören zu den Toperlebnisorten der Schweiz. Die Schlösser sind nicht nur Museen, sondern auch Orte der Musik. Je nach Saison und Schloss gibt es Serenaden und Konzerte in den Parks, Schlosshöfen, Festsälen und Schlosskapellen.
Dieses Jahr steht der Schlössertag ganz im Zeichen der Musik. Jedes Schloss bietet ein eigenes Programm passend zum historischen und lokalen Ambiente. Mittelalterliche Minnegesänge, Lautenspiel und höfische Musik sind zu hören. Verschiedene spezielle Instrumente werden erklingen wie Maultrommeln, Dudelsäcke, ein Glasxylophon, Fanfaren, Hackbrett und ein Pianola. Barocke Musik, Jodelgesang und arabische Musik bringen die festlichen Schlösser zum Klingen. Wer lieber aktiv sein möchte, kann in mehreren Schlössern zu verschiedensten Musikstilen tanzen: Mittelalter, Barock, Charleston, Lateinamerika. In einem Schloss erhalten Sie selbst eine Bühne und Sie können mit Ihrem eigenen Instrument musizieren.
Zu Musik und Fest gehören auch Tafelfreuden, einige kulinarische Leckerbissen warten auf Sie. Für Kinder und Familien gibt es spezielle Aktivitäten. Alle Informationen zu den individuellen Programmen der 27 Schlösser finden Sie unter www.dieschweizerschloesser.ch
Verlosung: Musik im Schloss
Organisiert wird der nationale Schlössertag bereits zum neunten Mal vom Verband «Die Schweizer Schlösser», der 2024 sein zehnjähriges Bestehen feiert.
Für die Leserinnen und Leser der Schweizer Musikzeitung werden 2 x 2 Tickets zu einem Schlossbesuch am 6. Oktober nach freier Wahl verlost. Auf der Website dieschweizerschloesser.ch sind die Schlösser und ihre individuellen Programme aufgelistet. Bitte senden Sie bis spätestens am 22. September 2024 eine Mail an contact@musikzeitung.ch oder eine Postkarte an: Schweizer Musikzeitung, Dammstrasse 2, 6440 Brunnen mit dem Vermerk, welches Schloss Sie am 6. Oktober besuchen möchten. Wer die Eintrittskarten gewinnt, erhält am 27. September Bescheid.
Die teilnehmenden Schlösser
CHÂTEAU DE PRANGINS CHÂTEAU DE MORGES CHÂTEAU D’YVERDON CHÂTEAU DE ROMONT CHÂTEAU DE CHILLON CHÂTEAU DE GRUYÈRES SCHLOSS JEGENSTORF SCHLOSS LANDSHUT SCHLOSS WALDEGG SCHLOSS BURGDORF SCHLOSS THUN SCHLOSS HÜNEGG SCHLOSS OBERHOFEN SCHLOSS SPIEZ STOCKALPERSCHLOSS BRIG-GLIS SCHLOSS HABSBURG SCHLOSS WILDEGG SCHLOSS LENZBURG SCHLOSS HALLWYL SCHLOSS HEIDEGG BURG ZUG SCHLOSS A PRO SCHLOSS KYBURG SCHLOSS FRAUENFELD FORTEZZA DI BELLINZONA SCHLOSS SARGANS SCHLOSS WERDENBERG
Bild: Die Schweizer Schlösser
Der helvetische Flamenco
Etwas Spanischeres lässt sich kaum denken. Aber ausgerechnet in der Schweiz entwickelte sich eine Flamencokultur von internationaler Bedeutung, die nun in Vergessenheit gerät.
Isora Castilla
- 21. Aug. 2024
Szene aus «Romance de Carmen y Don José ». Foto: Gyennes
Schon früh haben sich bekannte Komponisten aller Nationalitäten vom Exotismus eines imaginären Spaniens inspirieren lassen. Von Scarlatti über Liszt und Rimski-Korsakow bis zu Debussy oder Ravel ist ihre Musik von solchen Elementen geprägt worden.
Dieses Phänomen ist seit dem 19. Jahrhundert auch in der Schweiz zu beobachten: Joachim Raff, Hans Schäuble oder Armin Schibler schrieben mehrere Stücke nach spanischer Art. Damals begann die spanische Einwanderung in die Schweiz. Sie verstärkte sich während der Weltkriege und des spanischen Bürgerkriegs. Obwohl die offizielle Schweiz den Einsatz von Kriegsfreiwilligen an republikanischer Seite nicht billigte, wurden Visa für ausreisewillige Republikaner ausgestellt. Das Spanische Manifest, am 1. Mai 1937 von Hans Mühlestein am Basler Barfüsserplatz verlesen, spricht für die engen Bindungen zwischen der Bevölkerung beider Nationen. Die Sprache hinderte keineswegs den kulturellen Austausch: Der Schweizer Enrique (Heinrich) Beck gilt als erster Übersetzer von Federico García Lorca. 1944 bewilligte die Fremdenpolizei im Zürcher Schauspielhaus die Erstaufführung des Theaterstücks Bluthochzeit im deutschsprachigen Raum, kurz darauf jene von Bernada Albas Haus. Paul Burkhard komponierte die Musik dazu.
Misstrauen gegenüber dem «Spanischen»
Wo spanische Musikelemente auftreten, ist der spanische Tanz nicht weit. Die ersten repräsentativen Flamencofiguren kamen aber kurioserweise nicht aus Spanien: Tänzerinnen wie Petra Cámara, Lise Bonnet oder Fanny Elssler tourten schon seit 1850 mit ihren exotischen, teils erfundenen Flamencoschritten durch Europa. Selbst die erste Flamencolegende La Argentina lancierte ihre Karriere und lebte ausserhalb Spaniens.
In der Schweiz erlebte man ab dem ersten Weltkrieg eine richtige Einwanderungswelle grosser Künstler, die ihre Spuren hinterliessen. Musik und Tanz bekamen wichtige Impulse. Besonders stark war die Symbiose zwischen spanischen Tanzformen und hiesigen Ausdruckstänzen. Ein in dieser Hinsicht überaus interessantes kulturelles Ereignis war der Erste Schweizer Tänzerwettbewerb 1939 im Rahmen der Landesausstellung in Zürich. Er zog die bekanntesten Tänzerinnen und Tänzer der Schweiz an wie Suzanne Perrottet, Lilly Roggensinger oder Dora Garraux.
Das Medienecho liefert wertvolle Zeugnisse davon: Die NZZ schrieb, es sei verständlich, dass «(…) die weiblichen Konkurrentinnen sich dem spanischen Tanzstil zuwandten, der mit seiner Lockerung der Hüften, den kräftigen Klopfschritten und dem koketten Augenfeuer sinnliches Temperament vortäuscht», während die Zeitung Volksrecht despektierlich reagierte: «(…) ganz zu verwerfen ist die Heranziehung bedeutender Musik zu Stimmungsmache und rhythmischen Sklavendiensten, umgekehrt ist weder der Musik noch dem Tanze gedient, strenge musikalische Satzformen tänzerisch nachzuahmen. Unter den Sujets war das Spanische auffallend beliebt, das häufig in schönen Lösungen gezeigt [wurde].» Dass die Schweiz ein potenzielles Tanz- und Musikkulturerbe hätte unterstützen und entwickeln können, verstanden in dieser Zeit nur wenige Menschen.
Eine Schweizerin verbreitet den Flamenco weltweit
Neben bekannten Tänzerinnen trat dort eine junge Susanne Looser (später Susana Audéoud) auf. Ihr Interesse galt dem Flamenco. Später ging sie nach Spanien, wo sie mit José de Udaeta ihre erfolgreiche Kompanie gründete. Auf der Suche nach Musikern engagierten sie einen jungen Mann, Armin Janssen, der zu diesem Zeitpunkt sein Klavierstudium fortsetzte und fasziniert mitmachte. Bald tauchte er als Flamencokomponist Antonio Robledo auf.
Antonio Robledo in Platja de Aro. Foto: Hans-Dieter Hefele
Erst in Spanien, dann weltweit eroberten sie die Bühnen. In vielen Ländern wurde Flamenco so erstmals aufgeführt. Ihre Arbeit ist von grossem ethnomusikologischem Wert: Spanien bereisten sie mit dem Aufnahmegerät im Koffer. Sie entdeckten und unterstützten grosse Persönlichkeiten des Flamencos, die in der Geschichte des Gesanges eine wichtige Rolle spielten: Carmen Linares, La Talegona (die bis dahin als Putzfrau in grosser Not gelebt hatte), Sernita (die einzige existierende Aufnahme seiner Stimme verdanken wir ihnen) und neben vielen anderen auch Enrique Morente. Zu dritt begannen sie, ihr eigenes Konzept von einem in Flamencostil getanzten Ballett zu entwickeln.
La Celestina (1966) wurde erfolgreich aufgeführt und die Komposition auf Langspielplatte verkauft. Aus der Experimentierfreude entstand auch die 1985 in der Schweiz produzierte Choreografie und weitere Aufnahme: Obsesión. Die ungewöhnlichen Orgelklänge und Morentes machtvolle Stimme überzeugten die Fachspezialisten. Anders empfand das Publikum die sinfonische Zusammenarbeit der beiden: An der berühmten Bienal de Flamenco bezeichnete man sie als Kunstverbrecher. Zwanzig Jahre später feierte man sie hingegen als heilige Retter des puren Flamencos. Wichtige Flamencokünstler, die mit ihnen arbeiteten, reden noch heute liebevoll und mit grossem Respekt über Armiño und Susana.
Gewichtiges Erbe, grosse Namen, wenig Widerhall
Nicht nur in der Musik hinterliessen sie Spuren: Susanas innovatives Erbe brachte eine Erneuerung und Konsolidierung des Flamencoballetts, was selbst Legenden wie Antonio Gades beeinflusste und ihn veranlasste, das Konzept mit seiner Kompanie zu übernehmen. Pädagogisch wirkten Armin und Susana in Opernhäusern, Universitäten und Balletttruppen. Ihre Zusammenarbeit mit der Ballet of Toronto wurde von Cynthia Scott filmisch festgehalten und gewann 1983 sogar einen Oscar als beste kurze Dokumentation. Die Synthese mit der spanischen Kultur gelang ihnen dermassen gut, dass man sie in verschiedenen Medien irrtümlich als spanische Flamencokünstler feierte.
Momentaufnahme aus «Capricho de Goya Nr. 75». Foto: S. Elkenmann
In der Schweiz spielte Susana in der Tanzprofessionalisierung eine wichtige Rolle. Ihre Erbinnen wurden weltbekannt: Brigitta Luisa Merki leitete die Kompanie Flamencos en route vierzig Jahre, entwickelte Susanas Konzept weiter und feierte Erfolge im In- und Ausland. Nina Corti, La Carbona und Bruno Argenta avancierten zu bedeutenden Tanzkünstlern. Teresa Martin wurde eine international anerkannte Tänzerin und Choreografin. Robledo widmete ihr viele Kompositionen.
Teresas Vater, der Komponist Frank Martin, wurde auch von Susanas und Robledos Sturm mitgerissen: Seine Stücke zeigten von da an Tendenzen der Flamencomusik (u. a. Fantaisie sur des rhymes flamencos, 1973, oder Trois danses, 1970). Dazu entwarf Teresa Choreografien und tanzte sie auf der Bühne. Der Pianist Paul Badura-Skoda oder Ursula und Heinz Holliger spielten an den Uraufführungen. Andere Komponisten wie Joaquín Rodrigo oder Rolf Looser waren begeistert und komponierten auch für sie.
Dass dieses aussergewöhnliche Kapitel der schweizerischen Kulturgeschichte in Vergessenheit geriet, dürfte nicht nur den finanziellen Kürzungen im Tanz- und Musikbereich geschuldet sein: Die Vorstellung, dass ein bestimmter Stil nicht zur Identität des Ur-Schweizerischen passt – also uns «spanisch» vorkommt –, spielt sicher auch eine Rolle. Solche Vorurteile in der Rezeption kultureller Bewegungen der Schweiz tragen dazu bei, dass dieses einmalige Kulturerbe von den Bühnen und aus dem Bewusstsein schwindet.
*
Isora Castilla ist Pianistin und Musikwissenschaftlerin. Ihre mehrjährige Forschung an der Universität Bern wird demnächst in Spanien und der Schweiz als Buch publiziert.
Illustration von Irène Zurkinden
Video «mit» Johann Sebastian Bach
Die Bachwochen Thun lassen in einem dreiminütigen Videoclip Johann Sebastian Bach als lebenden Menschen auftreten. Das Haussmann-Gemälde von 1748 diente als Grundlage für diesen Deepfake.
PM/SMZ
- 19. Aug. 2024
Eröffnungsszene des Videoclips. Bild: Bachwochen Thun
Wie die Bachwochen mitteilen, wurde das Video im Turmsaal von Schloss Holligen gedreht. Die Szene imaginiert die Fertigstellung des Bach-Porträts von Elias Gottlob Haussman (1695–1774).
Der iranische 3D-Künstler Hadi Karimi habe auf der Grundlage dieses Bildes aus dem Jahr 1748 «ein hochauflösendes, fotorealistisches 3D-Modell von Bachs Gesicht erstellt.» Das Gesicht des Leipziger Schauspielers in der Rolle von Bach wurde in der Postproduktion «mithilfe von künstlicher Intelligenz durch das digital rekonstruierte Gesicht Bachs ersetzt.»
Eugen Jost als Elias Gottlob Haussmann und Christoph Müller als J.S.Bach. Foto: Bachwochen Thun
1. Auftritt des Swiss National Orchestras am 1. August in Bern
Das Swiss National Orchestra vereinigt Schweizer Musikerinnen und Musiker aus aller Welt. Das erste Konzert unter dem Motto «Vivat Helvetia» findet in Bern statt.
PM/SMZ
- 27. Juli 2024
Beflaggte Fassade des Bundeshauses in Bern. Foto: william87/depositphotos.com
Wie auf der Website des Orchesters zu lesen ist, setze sich das Swiss National Orchestra (SNO) «nach dem Vorbild einer Sportnationalmannschaft» aus hervorragenden Musikerinnen und Musikern zusammen, die wichtige Positionen in Orchestern in der Schweiz und weltweit innehaben.
Intendant des SNO ist Igor Longato. Am 1. August hat es um 11 Uhr seinen ersten Auftritt im Grossen Saal des Casinos in Bern. Der Eintritt ist frei. Unter dem Motto «Vivat Helvetia» erklingen Werke von Hans Huber, Siegfried Wagner, Arthur Honegger, Peter Tschaikowski, Sergei Rachmaninow, Gaetano Donizetti, Giacomo Puccini und Giocchino Rossini. Regula Mühlemann, Sopran, und Sébastian Jacot, Flöte, übernehmen die Solopartien. Dirigent ist John Axelrod.
Die Jury des 78. Concours de Genève hat die Kandidaten der Kategorie Komposition bekanntgegeben: Léo Albisetti, Caio de Azevedo und Ryu Sang-Min.
PM/SMZ/ks
- 26. Juli 2024
Léo Albisetti, Caio de Azevedo und Ryu Sang-Min (v.l.) haben je ein Werk für Viola und Kammerorchester komponiert. Bild: Concours de Genève
Die diesjährige offizielle Jury des Concours de Genève hat in der Kategorie Komposition Anfang Juni in Genf getagt. Den Vorsitz hat der Schweizer Komponist Pascal Dusapin inne. Weitere Jurymitglieder sind Milica Djordjević, Francesco Filidei, Hector Parrà und Francesca Verunelli. Von den 82 eingereichten Partituren wurden 18 ausgewählt und eingehend geprüft. Anschliessend ermittelte die Jury daraus drei Finalisten. Es sind dies der Schweizer Léo Albisetti (26), der in München lebende Brasilianer Caio de Azevedo (30), sowie der Südkoreaner Sang-Min Ryu (24).
Die Kandidaten werden ab dem 16. Oktober 2024 in Genf sein. Sie können die Proben ihres Werks für Viola und Kammerorchester für die Endrunde am 20. Oktober 2024 mit dem Orchestre de Chambre de Genève unter der Leitung von Pierre Bleuse verfolgen. Dazu haben sie die Möglichkeit, an einer Showcase teilzunehmen. Dabei führen Studenten der Haute École de musique de Genève mit den Solisten Lise Berthaud, Georhi Kovalev und Adrien La Marca eines oder zwei ihrer Werke auf.
Concours de Genève
Der 1939 gegründete Concours de Genève ist einer der wichtigsten internationalen Musikwettbewerbe der Welt. Sein Ziel ist es, junge talentierte Künstler zu entdecken, zu fördern und zu unterstützen. Jedes Jahr treten internationale Nachwuchsmusiker in zwei alternierenden Disziplinen an, dieses Jahr in Gesang und Komposition. Die Preisträger erhalten neben dem Preisgeld einen Zweijahresvertrag mit der Konzertagentur Sartory Artists. Zudem gibt es zahlreiche weitere Coaching-Angebote, die auf eine nachhaltige Karriere in der Klassikszene vorbereiten.
Welt-Jugendmusik-Festival in Zürich
Rund 3000 Jugendliche aus 11 verschiedenen Ländern nahmen vom 11. bis 14. Juli am Welt-Jugendmusik-Festival in Zürich teil. Ein spezieller Höhepunkt war die Eröffnungsfeier mit rund 5000 Personen im Hallenstadion.
PD/SMZ/ks
- 25. Juli 2024
Eröffnungsfeier im Hallenstadion. Foto: WJMF
Insgesamt beteiligten sich rund 60 Formationen aus Bulgarien, China, Deutschland, El Salvador, Honkong, Irland, Japan, Polen, Schweden, Thailand und viele Vereine aus der Schweiz am diesjährigen Welt-Jugendmusik-Festival (WJMF) in Zürich. Den Auftakt bildete ein Galakonzert im Chipperfieldbau des Kunsthauses.
Die Wettbewerbe in 10 Kategorien fanden in der Zürcher Hochschule der Künste im Toni Areal und im Chipperfield Bau des Kunsthauses statt. Die international besetzte Jury war beeindruckt von den vielfältigen und hochstehenden Vorträgen. Erfreulich war das grosse Publikumsinteresse bei allen Vorträgen.
Rund 5000 Personen wohnten der spektakulären Eröffnungsfeier im Hallenstadion bei. Weitere Höhepunkte waren der Festumzug durch die Bahnhofstrasse und das Galakonzert in der Tonhalle, die «Youth Music Party» sowie die Schlussfeier mit Rangverkündigung auf dem Münsterhof.
OK-Präsident, Erich Zumstein schaute zufrieden auf ein erfolgreiches Festivalwochenende zurück. «Sämtliche Wettbewerbe und Anlässe waren über Erwartung gut besucht. Wir haben uns sehr gefreut, dass wir mit diesem Festival den Jugendlichen aus den verschiedenen Ländern ein unvergessliches Wochenende ermöglichen konnten und hoffen, dass ihre Begeisterung für die Blasmusik dank diesem Anlass gestärkt wurde.»
Über das Welt-Jugendmusik-Festival
Das Welt-Jugendmusik-Festival entstand anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Jugendmusik Zürich 11. Mittlerweile hat es sich zu einem internationalen Festival für Amateurmusikerinnen und -musiker im Alter zwischen 9 und 25 Jahren entwickelt. Seit 1985 reisten für jedes Festival zwischen 2600 und 4500 Jugendliche aus aller Welt nach Zürich, um Gleichgesinnte anderer Vereine aus aller Welt zu treffen, mit ihnen zu musizieren und sich mit ihnen in verschiedenen Kategorien zu messen. Insgesamt 250 Orchester aus rund 50 Ländern waren es in den vergangenen 33 Jahren. Das letzte WJMF fand 2017 statt. Wegen der Covid-Pandemie fiel die für 2021 geplante Durchführung aus.
Ein ehrenamtlich arbeitendes Komitee aus kompetenten Fachpersonen in den jeweiligen Bereichen sowie vielen Helferinnen und Helfern organisiert das Festival. OK-Präsident ist Erich Zumstein, Direktor der Musikschule Konservatorium Zürich.
Festival Rümlingen unter dem Motto «Oltingen x 24»
Am Wochenende vom 24. und 25. August sind im ältesten Baselbieter Dorf Oltingen 24 kleinere und grössere Klangereignisse zu erleben.
PM/SMZ/ks
- 24. Juli 2024
Klingende Begegnung am letztjährigen Festival im Tessin. Foto: Ketty Bertossi/Festival Neue Musik Rümlingen
Nach Ausflügen ins Tessin, ins Appenzellerland und ins Engadin nistet sich das Festival Neue Musik Rümlingen dieses Jahr in Oltingen ein. Das Festival, das sich jedes Jahr neu erfindet, hat schon 2010 und 2022 mit Vereinen oder Bewohnern des Dorfes zusammengearbeitet. Dieses Jahr werden 24 neue Projekte speziell für diesen Ort verwirklicht.
Das Festival beginnt am Samstag um 15 Uhr und dauert 24 Stunden bis am Sonntag um 15 Uhr. Es bietet so die Gelegenheit, sich aus dem Alltag auszuklinken und, wie das Festival schreibt, «einzutauchen in eine überschaubare Welt mit ungeahnten Möglichkeiten».
Beteiligte Klangkünstlerinnen und -künstler
Zu hören sind Uraufführungen von Romane Bouffioux (FRA/CH), Léo Collin (CH), Rama Gottfried (US/CH), Wolfgang Heiniger (CH), Urban Mäder (CH), Aya Metwalli (EGY), Marina Tantanozi (CH), Violetta Garcia (ARG), Michel Robin (CH), Daniel Ott (CH) und Anna Sowa (CH/PL)
Im Rahmen der Talentförderung schickt SRF den 19-jährigen Klassik-Nachwuchsmusiker Valerian Alfaré an die Finalshow des «Eurovision Young Musicians»-Wettbewerb im norwegischen Bodø. Der Final wird am Samstag, 17. August 2024, ab 22.30 Uhr auf SRF 1 gesendet.
SRF/SMZ/ks
- 23. Juli 2024
Eurovision Young Musicians 2024, Valerian Alfaré, Switzerland 2024. Foto: René Alfred
Nach dem «Eurovision Song Contest» (ESC) organisiert die Europäische Broadcasting Union (EBU) im Sommer den «Eurovision Young Musicians»-Wettbewerb (EYM). Valerian Alfaré nimmt für die Schweiz an der Finalshow im norwegischen Bodø teil. Der 19-Jährige konnte die dreiköpfige Expertenjury (Oliver Schnyder, Manuel Oswald, Eva Oertle) diesen Frühling an der Schweizer Vorauswahl in Basel mit seinem Euphonium, überzeugen. Als einer von elf Finalteilnehmenden wird Valerian Alfaré am 17. August 2024 als Solist im Stomen Konserthus in Bodø auftreten, begleitet vom norwegischen Radio-Sinfonieorchester.
Die Schweizer Vorauswahl im Meret Oppenheim Hochhaus in Basel, dem Kulturstandort von SRF, erfolgte in Partnerschaft von SRF mit Musikhochschulen, Musikschulen sowie dem Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb. Schweizer Nachwuchsmusikerinnen und -musiker im Alter zwischen 14 und 21 Jahren nahmen teil.
Der 19-jährige Valerian Alfaré aus dem aargauischen Rheinfelden spielt neben Euphonium auch Trompete. Als Trompeter konzentriert er sich vorwiegend auf den Jazzbereich und ist Mitglied des Schweizer Jugend Jazz Orchesters. Mit dem Euphonium ist er in erster Linie in der Klassik und in der Neuen Musik unterwegs.
Über den «Eurovision Young Musicians»-Wettbewerb
Der «Eurovision Young Musicians»-Wettbewerb bietet jungen Klassiktalenten eine grosse internationale TV-Bühne mit professionellem Orchester. Die Veranstaltung wird alle zwei Jahre von der EBU ausgerichtet, die auch den ESC durchführt. Gastgeber der Ausgabe 2024 ist der Norwegische Rundfunk. Der Wettbewerb findet statt in Bodø, einer der drei Kulturhauptstädte Europas 2024.
Co-Präsidium im Stiftungsrat des Künstlerhauses Boswil
Per 1. August übernehmen Irene Näf-Kuhn und Christine Hehli Hidber das Präsidium des Stiftungsrats des Künstlerhauses Boswil.
PM/SMZ/ks
- 22. Juli 2024
Stabübergabe beim Künstlerhaus Boswil: v.l. Irene Näf-Kuhn, Christine Hehli Hidber. Foto: Gregor Galliker
Wie das Künstlerhaus Boswil mitteilt, haben der Beirat und der Stiftungsrat an ihrer letzten Sitzung Irene Näf-Kuhn und Christine Hehli Hidber als Co-Präsidentinnen in der Nachfolge von Stefan Hegi gewählt. Hegi ist seit 1997 Mitglied des Stiftungsrates. Er hat sich als Architekt vor allem für die bauliche Entwicklung des Künstlerhauses eingesetzt. Im August 2021 übernahm er als Vizepräsident das Präsidium von Peter Wipf, bis eine Nachfolge gefunden werden konnte. Am 1. August übernehmen nun die Pianistin und Musikmanagerin Irene Näf-Kuhn und die Rechtsanwältin Christine Hehli Hidber das Amt.
Youth Classics bietet Austausch mit Weltelite
Die 14. Swiss International Music Academy (Sima) von Youth Classics findet vom 12. bis 21. Juli auf der Musikinsel Rheinau und in der Zürcher Hochschule der Künste statt. Zugelassen sind 96 herausragende musikalische Talente aus der ganzen Welt, ein Drittel davon aus der Schweiz.
Andreas Weidmann/Youth Classics
- 10. Juli 2024
Musikinsel Rheinau Foto: Youth Classics, Marco Blessano
Die Sima geniesst weltweit einen exzellenten Ruf. So haben sich über 300 talentierte Musikerinnen und Musiker aus aller Welt für den 14. Meisterkurs für Violine, Viola und Violoncello auf der Musikinsel Rheinau angemeldet. 96 herausragende Talente aus 33 Ländern wurden an die diesjährige Academy zugelassen. Sie profitieren im Rahmen von Solounterricht, Kammermusikunterricht und Workshops von den Erfahrungen international bekannter und renommierter Dozentinnen und Dozenten. Als besonderes Highlight bietet sich den Besten des Solistenwettbewerbs die Möglichkeit, beim Schlusskonzert mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz in Zürich als Solistin oder Solist aufzutreten.
Private Initiative
Die Sima ist eine private Initiative zur Förderung junger musikalischer Talente. Getragen wird sie vom Verein Youth Classics. Präsident und künstlerischer Leiter ist Philip A. Draganov.
Herausragenden jungen Musikerinnen und Musikern, die an einer Musikhochschule studieren oder in Zukunft ein Musikstudium anstreben, bietet die Academy während der Sommerferienzeit eine intensive, hochwertige musikalische Ausbildung. Den Schweizer Teilnehmenden verhilft der Meisterkurs zu einem äusserst wertvollen Austausch mit der Weltelite.
Unterricht auf höchstem Niveau und aussergewöhnliche Einblicke
Es ist wiederum gelungen, ausgewählte Dozierende renommierter Musikhochschulen wie der Zürcher Hochschule der Künste, der Hochschule der Künste Bern, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der staatlichen Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin oder der Haute Ecole de Musique Vaud-Valais-Fribourg für die Academy zu gewinnen. Sie arbeiten im Rahmen des Solounterrichts mit den Teilnehmenden. Ergänzend zum Einzelunterricht finden Probenmit Korrepetition und Kammermusikunterricht sowie verschiedene Spezialveranstaltungen statt. So bauen die Teilnehmenden im Team in einer Geigenbauwerkstatt unter Anleitung des renommierten Geigenbauers Stefan-Peter Greiner eine Geige.
Als Spezialgast der Sima 2024 wird Christian Tetzlaff, einer der gefragtesten Geiger und spannendsten Musiker der Klassikwelt, einen «Interpretationskurs Brahms» für von der künstlerischen Leitung ausgewählte Teilnehmende der Academy geben.
Chance zum Solistenauftritt mit einem grossen Orchester
Als Novum wird dieses Jahr ein Solistenwettbewerb durchgeführt. Den Besten winkt ein Auftritt als Solistin oder Solist am Abschlusskonzert mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, das am Sonntag, 21. Juli 2024, an der Zürcher Hochschule der Künste stattfindet. Aufgrund der von den Kandidierenden vorgängig eingeschickten Videos wurden die Finalistinnen und Finalisten ausgewählt, die in der Finalrunde an der Sima vor der Jury der Sima-Dozierenden vorspielen. Vor Ort wird dann entschieden, wer als Solistin bzw. Solist am Schlusskonzert mit dem Orchester auftreten darf.
Im Rahmen des Sonderpreises der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz wird aus allen Teilnehmenden der Sima 2024 ein Talent ausgewählt, das in der Spielzeit 2024/25 mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, die sich ab der Spielzeit 2024/25 in «Bodensee Philharmonie» umbenennt, bei einem Konzert in Konstanz als Solistin bzw. Solist auftreten darf. www.philharmoniekonstanz.de
Öffentliche Konzerte während der SIMA
Bereits während der Woche zeigen die Teilnehmenden der Sima an verschiedenen öffentlichen Konzerten ihr Können.
Donnerstag, 18. Juli 2024, 13.30 Uhr Abschlusskonzert der Brahms Masterclass von Christian Tetzlaff Musiksaal, Musikinsel Rheinau
Donnerstag, 18. Juli 2024, 19.30 Uhr 1. Konzert der Teilnehmenden der SIMA 2024 Mühlesaal, Klosterinsel 2, 8462 Rheinau
Freitag, 19. Juli 2024, 19.30 Uhr 2. Konzert der Teilnehmenden der SIMA 2024 Mühlesaal, Klosterinsel 2, 8462 Rheinau
Samstag, 20. Juli 2024, 14.00 Uhr 1. Abschlusskonzert der Kammermusikgruppen Bergkirche, 8462 Rheinau
Samstag, 20. Juli 2024, 19.30 Uhr Abschlusskonzerte der einzelnen Klassen Violinklassen: A. Chumachenco / Z. Tadevosyan, P.A. Draganov / J.G. Flores, A. Janke, P. Vernikov / S.Marakova Violaklasse: T. Selditz Celloklassen: T. Grossenbacher, J. Hasten, T. Svane
Musikinsel Rheinau, 8462 Rheinau
Sonntag, 21. Juli 2024, 09.30 Uhr 2. Abschlusskonzert der Kammermusikgruppen Musikinsel Rheinau, 8462 Rheinau
Sonntag, 21. Juli 2024, 17.00 Uhr Galakonzert zum Abschluss der 14. Sima 2024 Ausgewählte Teilnehmende spielen solistisch mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz
Zürcher Hochschule der Künste, Konzertsaal 3, Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, 8005 Zürich
Alle Konzerte: Eintritt frei – Kollekte
Othmar Schoeck Festival 2024: Coming of Age
Mit Volldampf ins Rampenlicht: Das sechste Othmar Schoeck Festival in Brunnen befasst sich vom 6. bis 8. September 2024 mit den frühen Werken des Komponisten und zeigt ein musikalisches Panorama Europas zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Othmar Schoeck Festival - Publireportage
- 09. Juli 2024
Der Kugelballon «Theodor Schaeck» auf dem Neuenburgersee. Er wird gezogen vom Schiff «La Broye». Um 1915. Foto: Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums
In Brunnen aufgewachsen, begann Othmar Schoeck 1904 sein Musikstudium am Konservatorium Zürich. 1907 folgte er der Einladung Max Regers, in dessen Leipziger Kompositionsklasse einzutreten. Zurück in der Schweiz verdiente Schoeck sein Geld mit dem Dirigieren zweier Männerchöre in Zürich, während er als Komponist immer bekannter wurde. Seine frühen Kompositionen brachten ihm bald internationale Aufmerksamkeit.
Auch wenn Schoeck sich der deutschen Romantik verpflichtet fühlte und in der Nachfolge Schuberts und Hugo Wolfs sah, kannte er die Werke seiner Zeitgenossen sehr genau und liess sich davon inspirieren. Das Othmar Schoeck Festival 2024 zeigt ein musikalisches Panorama Europas zu Beginn des 20. Jahrhunderts und untersucht die ersten Karriereschritte des Brunner Komponisten in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg.
Das Programm
Unerhörte Liebe: Béla Bartók und Othmar Schoeck schwärmten beide für die ungarische Geigerin Stefi Geyer. Gleich im Eröffnungskonzert mit dem Moser String Quartet sind ihre jeweils ersten Streichquartette zu hören und im grossen Sinfoniekonzert am Sonntag Schoecks Violinkonzert «Quasi una Fantasia». Der Schweizer Geiger Sebastian Bohren interpretiert das Stefi Geyer gewidmete Werk zusammen mit dem Kammerorchester Basel unter der Leitung von Izabelė Jankauskaitė.
Besonders hervorzuheben ist der Gottesdienst am Sonntagmorgen mit dem jungen Schweizer Bariton Manuel Walser. Er singt Schoecks drei geistliche Lieder op. 11 begleitet von Stefan Albrecht an der Orgel in der Pfarrkirche St. Leonhard.
Und wie immer ist der musikalische Nachwuchs eingebunden, sei es mit Uraufführungen im Kammermusikkonzert, in der Werkstatt «futur composé» mit Dieter Ammann oder in einem Kolloquium des musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Zürich, das Fallstudien zur Presseberichterstattung über Schoecks Uraufführungen vorstellt und in einem Podiumsgespräch abgeschlossen wird.
Insgesamt sind es sieben Veranstaltungen. Es erklingen 18 Werke. Zu hören sind ein Orchester, ein Streichquartett, ein Brassquintett, zusammen mit allen andern total 22 Musikerinnen und Musiker, dazu zwei Musikwissenschaftlerinnen, ein Musikwissenschaftler sowie einige Studierende.
Die Aufführungen
Eröffnungskonzert, Freitag, 6. September 2024, 20 Uhr, Reformierte Kirche Brunnen
Kolloquium, Samstag, 7. September 2024, 15 Uhr, Villa Schoeck, Brunnen
Gottesdienst, Sonntag, 8. September 2024, 10 Uhr, Römisch-katholische Pfarrkirche St. Leonhard, Ingenbohl-Brunnen
Podium, Sonntag, 8. September 2024, 14 Uhr, Villa Schoeck, Brunnen
Werkstatt, Sonntag, 8. September 2024, 16 Uhr, Villa Schoeck, Brunnen
Sinfoniekonzert, Sonntag, 8. September 2024, 20 Uhr, Seehotel Waldstätterhof, Brunnen
Die Tickets sind ab 7. August auf ticketino.ch oder über schoeckfestival.ch buchbar. Reservation empfohlen.
Die Werke
Jonas Achermann:
Kompositionsskizze für Brass-Quintett
Béla Bartók (1881–1945):
Streichquartett Nr. 1 (1908/09)
Viktoryia Haveinovich:
Kompositionsskizze für Brass-Quintett
Alma Mahler (1879–1964):
Drei Lieder
Aregnaz Martirosyan (*1993):
Duo für Violine und Klavier (UA)
Christoph Pfändler (*1992):
– Duo für Sopran und Violine (UA)
– Kompositionsskizze für Brass-Quintett
Maurice Ravel (1875–1937):
Streichquartett in F-Dur, op. 35 (1902/1903)
Othmar Schoeck (1886–1957):
– Streichquartett Nr. 1, op. 23 (1911/13)
– Drei Lieder von Heine, op. 4 für Singstimme, Violine und Klavier (1906)
– Drei geistlichen Lieder für Bariton und Orgel op. 11 (1906/07
– Violinkonzert (Quasi una Fantasia) op. 21 (
Franz Schubert (1797–1828):
3. Sinfonie in D-Dur
Erwin Schulhoff (1894–1942):
– Sonate für Violine und Klavier op. 7 (1913)
– Drei Stimmungsbilder (nach Gedichten aus «Die Garbe» von Hans Steiger) für Sopranstimme, Violine und Klavier op. 12 (1913)
Hyeok Son:
Kompositionsskizze für Brass-Quintett
Luca Staffelbach:
Kompositionsskizze für Brass-Quintett
Hugo Wolf (1860–1903):
Italienische Serenade, für Orchester bearbeitet von Max Reger (1873–1916)
Jonas Achermann, Komponist, Werkstatt
Heinrich Aerni, Musikwissenschaftler, Podium
Stefan Albrecht, Orgel, Gottesdienst Dieter Ammann, Komponist, Werkstatt
Ariadna Bataller, Viola, Moser String Quartet, Eröffnungskonzert
Xavier Gil Batet, Posaune, KamBrass Quintet, Werkstatt Sebastian Bohren, Violine, Sinfoniekonzert
Oriol Reverter Curto, Tuba, KamBrass Quintet, Werkstatt
Lea Galasso, Violoncello, Moser String Quartet, Eröffnungskonzert
Inga Mai Groote, Musikwissenschaftlerin, Podium
Viktoryia Haveinovich, Komponistin, Werkstatt Izabelė Jankauskaitė, Dirigentin, Sinfoniekonzert
Doris Lanz, Musikwissenschaftlerin, Podium
Joan Pàmies Magrané, Trompete, KamBrass Quintet, Werkstatt
Kanon Miyashita, Violine, Moser String Quartet, Eröffnungskonzert
Maria Servera Monserrat, Waldhorn, KamBrass Quintet, Werkstatt
Patricia Muro, Violine, Moser String Quartet, Eröffnungskonzert
Christoph Pfändler, Komponist, Werkstatt
Hyeok Son, Komponist, Werkstatt
Julia Spaeth, Sopran, Konzert und Uraufführung
Luca Staffelbach, Komponist, Werkstatt
Nadezda Tseluykina, Klavier, Konzert und Uraufführung Manuel Walser, Bariton, Gottesdienst
Guillem Cardona Zaera, Trompete, KamBrass Quintet, Werkstatt
Susanne Zapf, Violine, Konzert und Uraufführung
Der Verein
Der Verein Othmar Schoeck Festival ermöglicht Aufführungen der Musik Othmar Schoecks an seinem Geburtsort Brunnen. Er fördert die kritische Auseinandersetzung mit der Biografie des Komponisten. Dank der gezielten Einbindung des musikalischen Nachwuchses bleibt das Werk eines der bekanntesten Schweizer Komponisten der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts aktuell.
Der Vorstand bedankt sich sehr herzlich bei allen Personen und Institutionen, die das Festival unterstützen.
Neue Dozierende an der Hochschule Luzern – Musik
Carolina Müller wird Dozentin am Institut für Jazz und Volksmusik. Jakob Pilgram, Michael Bach und Marco Amherd werden das Team des Instituts für Klassik und Kirchenmusik ergänzen.
HSLU - Musik/SMZ
- 05. Juli 2024
von links: Carolina Müller, Jakob Pilgram, Michael Bach, Marco Amherd. Fotos: zVg
Carolina Müllerwird ab dem Herbstsemester 2024 als neue Dozentin für das Schwerpunktfach Gesang «Groove und Electronics» tätig sein. Als Miss C-Line ist sie international erfolgreich und Gewinnerin des New Generation Jazz Lab Contest im Jahr 2021. Sie hat drei Alben veröffentlicht und mit Künstlern wie Casey Benjamin und Jeff Ballard zusammengearbeitet. Musikalisch und technisch versiert beherrscht sie die Bereiche Musikproduktion, Studioaufnahmen, Mixing, Live-Show-Produktion und Komposition.
Per Studienjahr 2024/25 wird Jakob Pilgram in der Nachfolge von Pascal Maier neuer künstlerischer Leiter des Collegium Musicum und Dozent für Vokalensemble. Als gefragter Solist im In- und Ausland sang er mit Dirigenten wie Thomas Hengelbrock, Philippe Herreweghe, Ton Koopman, Andrea Marcon und Hans-Christoph Rademann und erarbeitete sich ein fundiertes Wissen über die historische Aufführungspraxis. 2005 gründete er das professionelle larynx Vokalensemble, bei dem er als musikalischer Leiter und Dirigent wirkt. Zudem ist er Mitglied des Artistic Board des Balthasar Neumann Chores sowie Co-Leiter von dessen Singer’s Academy. Seit 2004 bildet er mit Mischa Sutter ein an internationalen Wettbewerben ausgezeichnetes Liedduo.
Ebenfalls aufs neue Studienjahr hin wird der mehrfach an Wettbewerben ausgezeichnete Michael BachDozent für Blasmusikdirektion. Seit 2009 dirigiert er die Brassband Bürgermusik Luzern. Er ist seit 2023 Chefdirigent der Grimethorpe Colliery Band (GB) und regelmässiger Gastdirigent von Bands wie der Eikanger-Bjorsvik Band (NO) oder der Fodens Band (GB). Er fungiert als Juror grosser nationaler und internationaler Wettbewerbe und leitet die Musikschule Saanenland-Obersimmental.
Marco Amherd schliesslich wird neuer Dozent für das Hauptfach Chorleitung, aber erst auf das Studienjahr 2025/26. Er studierte Dirigieren, Orgel/Kirchenmusik (Konzert-, Lehr- und Solistendiplom) und Wirtschaftswissenschaften in Zürich, Freiburg im Breisgau und Toulouse. Aktuell agiert er unter anderem als künstlerischer Leiter des Schweizer Vokalconsorts. Sein Gespür für aussergewöhnliche Klänge zeigt sich in der Zusammenarbeit mit dem Vokalensemble Zürich West und dem Jungen Kammerchor Zürich. Er wurde an zahlreichen internationalen Wettbewerben ausgezeichnet. Zurzeit ist Marco Amherd zudem Intendant des Davos Festivals.
Fit für die Zukunft? – Berliner Tagung zur Entwicklung von Musik(hoch)schulen
Fit für die Zukunft? Diese saloppe Frage stand über der Konferenz zum Thema «Entwicklung von Musik(hoch)schulen im 21. Jahrhundert aus künstlerischer und musikpädagogischer Perspektive» vom 3. und 4. Mai in Berlin. Studierende sorgten im Publikum und auf der Bühne für Dynamik. Kurz darauf ist die Studie «Mulem-ex» erschienen zu Hintergründen über das abnehmende Interesse an Studiengängen für das Lehramt Musik in Deutschland.
Katrin Spelinova
- 03. Juli 2024
Gedankenfetzen von Tisch 8 zum Thema «Analog vs. digital?»
In Bewegung kommen, sich bunte Zukunftsräume ausmalen und wieder in die Gegenwart zurückkehren: Die «Aktionen» von Stefan Linne, Pantomime und Schauspieler in Berlin, schlugen den Bogen vom Beginn zum Schluss der Zusammenkunft. Der grosse Ansturm von Teilnehmenden aus allen Generationen hatte die Veranstaltenden positiv überrascht. Eingeladen waren Lehrende, Studierende sowie Leitende in Musikschulen, Musikhochschulen, Verbänden und Akademien, vorwiegend aus Deutschland. Studierendendelegationen aus allen musikpädagogischen Fakultäten Deutschlands erfrischten die vielen partizipativen Formate. Zum Auftakt lernte Jung und Alt unter Linnes Anleitung in kürzester Zeit ganz locker mit drei farbigen Tüchlein zu jonglieren. Diese Aktion versinnbildlichte einen zentralen Aspekt der Tagung, nämlich: wegzukommen von einer Schwarz-Weiss-Sicht in der professionellen Musikausbildung.
Endlich die Kluft zwischen künstlerischer und pädagogischer Ausrichtung überwinden zu können, war ein fühlbar dringliches Anliegen von Publikum und Vortragenden.
Das Fachmedium der Zukunft
Die Fakultät Musik der Universität der Künste Berlin organisierte die Tagung in Kooperation mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim. Federführend waren Ivo Berg, Barbara Busch, Christina Fassbender, Isabelle Heiss, Sebastian Herbst und Barbara Metzger. Die Strecker-Stiftung fungierte als Förderin. Sie besitzt seit Ende 2023 den Musikverlag Schott. Dieser wiederum gibt seit 40 Jahren die Zeitschrift üben&musizieren heraus. Seit ihrer Gründung spielt sie eine zentrale Rolle in der Reflexion verschiedenster Aspekte der Musikausbildung und der Entwicklung von Musik(hoch)schulen. Das Jubiläum wurde nicht nur mit «Sekt und Selters» gefeiert. Es gab vielmehr Anstoss zu einem Think-Tank zur Zukunft von Fachmedien. Redaktor Rüdiger Behschnitt und seine Kollegin Kerstin Weuthen sammelten mit dem Publikum in gut organisierten Brainstormings viele Ideen, wohin die Reise gehen könnte, sofern personelle und finanzielle Ressourcen keine Rolle spielen. Ein Königsweg kristallisierte sich dabei erwartungsgemäss nicht heraus, zu schnell und unvorhersehbar verändert sich derzeit die Medienlandschaft. Kurz, klar, korrekt, konkret, kostenlos, leicht zugänglich – so sollten Informationen vor allem aus Sicht der Studierenden sein.
Ideenreichtum an den Brainstormings zur Zukunft von Fachmedien
Acht Spannungsfelder
Die titelgebende Frage des Symposiums, das in den Räumen der Universität der Künste stattfand, wurde schon in der Ausschreibung anhand von acht Gegensatzpaaren aufgefächert. Sie bildeten das Gerüst der Veranstaltungen und wurden in einem «Worldcafé» explizit erörtert:
1. Elitär vs. partizipativ? Welche Menschen können vor dem Hintergrund welcher Leitgedanken wie an Musik(hoch)schulen welche Musik lernen?
2. Persönlichkeitsentwicklung vs. Berufsfeldorientierung? Soll sich die Entwicklung der Musik(hoch)schulen in erster Linie auf die Persönlichkeitsentfaltung der Studierenden oder auf das künftigen Berufsfeld ausrichten? 3. Tradition vs. Innovation? Liegt die Zukunft der Musik(hoch)schulen in der Wahrung oder in der Überwindung von Traditionen?
4. Einsam vs. gemeinsam? Machen sich Musik(hoch)schulen ohne umfassende (externe) Kooperationen überflüssig?
5. Kunst vs. Wissenschaft? Welche Rolle spielen Wissenschaft und Kunst für die Entwicklung von Musik(hoch)schulen?
6. Sinn vs. Unsinn? Inwiefern eignen sich Leitbilder für die Weiterentwicklung von Musik(hoch)schulen?
7. Nähe vs. Distanz? Welche Rolle spielen Nähe und Distanz im Unterricht an Musik(hoch)schulen?
8. Analog vs. digital? Welche Bedeutung haben analoge und digitale Kommunikations- und Ausdrucksformen sowohl im Rahmen der Lehre an Musik(hoch)schulen als auch bezogen auf musikalische Performance und Musikproduktion?
An acht Tische gedrängt loteten die Teilnehmenden jeweils während einer halben Stunde diese Spannungsfelder aus. Sie hatten vorab die Gelegenheit gehabt, sich für drei der sie am meisten beschäftigenden Fragen einzuschreiben. Insgesamt dauerte das «Worldcafé» anderthalb Stunden. Das Resultat war eindrücklich: viele Quadratmeter Papier voll farbig notierter Gedankenfetzen.
Intensive Diskussionen an den Tischen des «Worldcafés»
Die Fragen weiter bewegen
Die Vorträge von Barbara Stiller, Martina Krause-Benz, Ulrich Mahlert, Wolfgang Rüdiger und Tobias Seidel brachten weitere Facetten in die Diskussion und regten individuelle Pausengespräche an. Die Teilnehmenden konnten ihre spezifischen Anliegen in sieben Workshops vertiefen. Studierende und Alumni der Universität der Künste Berlin bauten mit ihren Perfomances immer wieder Brücken zwischen intellektueller Reflexion und künstlerischer Darstellung.
Eindeutige Antworten auf die vielen Fragen gab es keine, vielleicht die Einsicht, dass das Gespräch zwischen den verschiedenen Akteuren mit grösstmöglicher Offenheit weitergeführt werden muss. Stefan Linne und Studierende führten die Teilnehmenden zum Schluss wieder zu sich selbst und den eigenen Vorstellungen einer zukunftsfähigen Musik(hoch)schule zurück.
Einen Monat nach der Berliner Tagung ist die Untersuchung Mulem-ex – Musiklehrkräftebildung – eine explorative Studie veröffentlicht worden. Ziel war, herauszufinden, warum sich junge Menschen in Deutschland gegen ein Studium des Lehramts Musik entscheiden. Im Bereich Schulmusik fehlen dort Tausende ausgebildete Lehrkräfte und die Zahl der in entsprechenden Studiengängen Neuimmatrikulierten ist stark rückläufig. Verkürzt und vereinfacht dargestellt nennt die Studie folgende Gründe für die Entwicklung eines negativen Berufsbildes: Musikaffine nehmen die auf die europäisch-klassische Kunstmusik ausgerichtete Eignungsprüfung als hohe Hürde wahr; viele Befragte fühlen sich zu wenig auf den Berufsalltag vorbereitet, sehen wenig Entfaltungsmöglichkeiten; zahlreiche potenzielle Studierende fürchten im Berufsalltag die hohe Arbeitsbelastung wegen zeitaufwendiger Vorbereitung des Unterrichts und gleichzeitig fehlende Möglichkeit für musikalisch-künstlerische Tätigkeit.
Die Ausbildungssituation in Deutschland ist bedingt mit derjenigen in der Schweiz zu vergleichen. Wer hierzulande an der allgemeinbildenden Schule Musik unterrichten möchte, braucht ein Diplom einer Pädagogischen Hochschule (PH) oder einen Abschluss in Schulmusik I bzw. für Gymnasien Schulmusik II (Musikhochschulen). Allerdings fehlen aussagekräftige Zahlen zum Beispiel über die Abwahl resp. Nichtwahl bestimmter Fächer oder Studiengängen an den PHs oder zum Verbleib von Absolventinnen und Absolventen an PHs und MHs. Zudem sind die Anstellungskontexte für Musiklehrpersonen der darunter liegenden Schulstufe, im Bereich Musik & Bewegung, sehr heterogen. Rückfragen bei der Kammer Pädagogische Hochschulen bei Swissuniversities und der Konferenz Musikhochschulen Schweiz (KMHS) haben ergeben, dass in der Schweiz dazu bislang keine fundierten Daten vorliegen. Die KMHS würde allerdings eine umfassende Erhebung begrüssen.
Chance für guten Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen? Die Uhr in der Berliner U-Bahn-Station war am 4. Mai 2024 tatsächlich kurz vor zwölf stehengeblieben.
Den Kompass neu einstellen?
Wo geht es lang? In der Musik, aber nicht nur dort. Wer gibt die Richtung vor? Das Musikfestival Bern widmet sich vom4. bis 8. September dem Thema «Kompass».
Musikfestival Bern/PR
- 27. Juni 2024
George E. Lewis – Composer in Residence. Foto: Maurice Weiss
Ein Kompass ist ein nützliches Ding, auch wenn es längst durch neuere Technologien ersetzt scheint. Er gibt uns doch eine klare Disposition der Welt mit. Wir wissen dann, wo Norden ist. Wir können uns orientieren. Aber reicht das heute noch aus, da die diversesten Richtungen und Ausrichtungen nebeneinander erscheinen? Wir müssen über den Kompass wieder nachdenken, müssen ihm nachspüren, wie er ausschlägt. Manchmal ist das ein leichtes Vibrieren, manchmal aber ein Hufschlag …
Orientierung und Neuorientierung
Deshalb hat das Musikfestival Bern der Musikszene von Stadt und Kanton den «Kompass» als Thema vorgeschlagen. Diese hat mit vielfältigen Ideen reagiert, aus denen das Kuratorium wiederum einige auswählte und ausarbeiten liess. So führt eine Veranstaltung mit Ludmilla Mercier und Ulysse Loup zu den kalbenden Gletschern Grönlands, eine andere mit Werner Hasler und Stefan Schultze in die Welt der Tiere, die sich bei ihren Zügen und Flügen ebenfalls nach einem inneren Kompass orientieren. Wie synchron koordinieren sich zum Beispiel drei Turntable-Spielerinnen und -Spieler (unter ihnen Marcel Zaes), die an unterschiedlichen Orten der Welt spielen? Ist ihre Ungenauigkeit nicht gerade das Interessante daran? Was imaginiert ein iranischer Musiker (Ali Latif-Shushtari) zu den Mikrogrammen des wandernden Robert Walser, wohin führen sie ihn? Und was bedeutet uns heute noch Arnold Schönbergs aufrüttelndes Zeitdokument A Survivor from Warsaw? Die Berliner Opernkompanie Novoflot und der aus Thun stammende Komponist Michael Wertmüller haben sich das Stück vorgenommen und beleuchten es neu.
In solchen Projekten zeigt sich, wie unterschiedlich die Musikerinnen und Musiker von heute agieren. Aber wurde nicht immer schon die Orientierung in der musikalischen Welt aufs Neue überdacht? So wurden einzelne Komponierende zu Kompassen, in ihrer Zeit und darüber hinaus, indem sie einfach Fragen stellten und manchmal auch Antworten versuchten. Schönberg zum Beispiel sah sich gewiss in einer solchen Position. Mit der Atonalität und vor allem der Zwölftontechnik glaubte er der Musikgeschichte eine Richtung zu weisen. Tat er auch, wenn auch längst nicht mehr unwidersprochen. Es ist immer noch der Mühe wert, sich mit ihm zu beschäftigen. In der dreiteiligen Konzertreihe Extremromantik stellt das Klavierduo Susanne Huber / André Thomet zwei seiner frühen atonalen Werke in den Fokus und fügt als Gegensatz vierteltönige Musik des Jahrgangsgenossen Charles Ives hinzu. Dieser tritt ab Band auch im zweiten Teil der Reihe auf, wozu Jacques Demierre aktuelle Kommentare beisteuert. Und als dritte Kompassfigur erscheint Franz Liszt, der wahre Zukunftsmusiker des 19. Jahrhunderts, mit dem die Elektronikerin Olga Kokcharova in einen grenzensprengenden Dialog tritt.
Richtungen und Schranken
Grenzen stehen oft dem Weg entgegen, den ein Kompass anzeigt. Und deshalb fragt das Ensemble Proton Bern zusammenmit vier Komponistinnen und Komponisten und dem Vokalensemble Cantando Admont nach den Grenzen unseres Landes, seiner Offenheit und Abgeschirmtheit. Welchem inneren Kompass folgen etwa Geflüchtete auf ihrer schwierigen Reise durch unser Land? Welche Schranken müssen sie überwinden? Das internationale Vokalquartett Operadicals (mit Franziska Baumann) und der Berner Chor suppléments musicaux wiederum suchen nach der Terra incognita der menschlichen Stimme. Und Mauricio Kagel, der aus Argentinien stammende und in Köln heimische Komponist, betrachtete in seinen Stücken der Windrose die Welt aus ungewohntem Blickwinkel. Der Süden, den wir mit Hitze verbinden, steht für ihn für patagonische Kälte. So geraten Ordnungen ins Strudeln.
Composer in Residence: George E. Lewis
Grenzüberschreitung und Neuorientierung sind aber vor allem auch für den Musiker zentral, der als Composer in Residence nach Bern kommt: George E. Lewis. Der Posaunist aus dem Jazzavantgardezirkel der AACM (Association for the Advancement of Creative Musicians) gehört längst zu den wichtigen Figuren der US-Musik. In seiner Musik verbinden sich Improvisation und Komposition, computergesteuerte Installationen und interaktive Konzertformen mit einer tiefgreifenden Reflexion über die Bedingungen heutigen musikalischen Schaffens. Er wird über Dekolonisation sprechen; sein Computerorchester interagiert mit der Pianistin Magda Mayas in Voyager; und er schreibt ein neues Stück für die wandlungsfähige winddynamische Orgel im Berner Münster. Daniel Glaus spielt den Solopart und wird so zum «Teufel im Dom». Mit jeder Aufführung ändert sich die Sicht- und Hörweise. Selbst auf den Kompass der Partituren kann man sich nicht mehr völlig verlassen. Vielleicht jedoch ist gerade das befreiend …